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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Heidenau im Datencheck: 379 Reifen, keiner radial — und im Rollerregal die Nummer eins

· 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 19.10.2026
Hinterrad einer Enduro mit grobstolligem Zweiradreifen auf Schotter (KI-generiert, OpenAI)
Hinterrad einer Enduro mit grobstolligem Zweiradreifen auf Schotter (KI-generiert, OpenAI)

Unter den 119 Markennamen in unserem Katalog ist Heidenau einer der kleinsten — und zugleich eine der am häufigsten bestellten. Das Reifenwerk in Sachsen stellt 379 der 55.542 Ausführungen, die am 17. Oktober 2026 in unserem Regal standen: 0,7 Prozent. In genau einem Regal führt die Marke trotzdem das Feld an, und zwar deutlich.

Wir haben den gesamten Katalog ausgezählt und uns angesehen, was die Marke ausmacht: wie breit das Programm ist, in welchen Segmenten sie wirklich stark ist, was die Reifen kosten — und warum unter 379 Ausführungen kein einziger Radialreifen ist. Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus unserer eigenen Auszählung des offenen Produktkatalogs mit Stand 17. Oktober 2026.

379 Ausführungen, 84 Modelle — und alles liegt am Lager

Hinter der Marke steht die Reifenwerk Heidenau GmbH & Co. Produktions KG mit Sitz in der Hauptstraße 44 in 01809 Heidenau, südöstlich von Dresden. Das Unternehmen nennt auf seiner Seite das Jahr 1946 als Ausgangspunkt und wirbt ausdrücklich mit der Fertigung in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt laut eigener Darstellung auf Diagonalreifen für Motorräder, Roller und Mopeds sowie für Oldtimer und Youngtimer bis hin zu Industrieanwendungen.

Im Regal sieht das so aus: 379 Ausführungen, 84 verschiedene Modellbezeichnungen, 148 verschiedene Größen. Jede einzelne dieser 379 Zeilen liegt in der Rubrik Motorrad — kein Pkw-Reifen, kein Transporterreifen, keine Felge. Und jede einzelne war am Stichtag als lieferbar ausgewiesen, mit der üblichen Lieferzeit von zwei bis fünf Werktagen. Das ist bemerkenswert, weil im Gesamtkatalog durchaus Artikel stehen, die nur auf Bestellung kommen.

Die Modellfamilien verteilen sich ungleich. Die größte ist der K 66 mit 42 Ausführungen, gefolgt vom K 65 und dem K80 SR mit je 21 sowie dem K 61 mit 19. Am anderen Ende stehen Einzelstücke: Den K 29 Seitenwagen gibt es in genau einer Ausführung — passend dazu, dass ein Gespann bauartbedingt andere Reifen als ein Solo-Motorrad braucht.

Auch die Felgendurchmesser zeigen, wo die Marke zu Hause ist. Von 8 bis 21 Zoll ist alles vertreten, und die Verteilung hat zwei Schwerpunkte statt einem: 8 Zoll (3), 10 Zoll (46), 11 Zoll (9), 12 Zoll (38), 13 Zoll (25), 14 Zoll (24), 15 Zoll (11), 16 Zoll (57), 17 Zoll (62), 18 Zoll (61), 19 Zoll (26) und 21 Zoll (17). Genau eine Lücke gibt es: 20 Zoll kommt kein einziges Mal vor.

121 der 379 Ausführungen haben 13 Zoll oder weniger — das ist die Welt der Roller, Mopeds und Kleinkrafträder. 223 liegen bei 16 Zoll und darüber und bedienen Motorräder. Dazwischen, bei 14 und 15 Zoll, wird es mit zusammen 35 Ausführungen dünn, weil in dieser Spanne schlicht wenige Zweiräder unterwegs sind. Diese Doppelspitze ist der Grund dafür, dass die Marke je nach Regal völlig unterschiedlich dasteht — was die nächste Rechnung zeigt.

Im Mofa- und Rollerregal die Nummer eins, auf der Straße Platz acht

Jetzt wird es interessant. Unsere Rubrik Motorrad umfasst 4.254 Ausführungen, aufgeteilt in Straße, Enduro, Mofa/Moped/Roller sowie Schläuche und Felgenbänder. Rechnet man die Marktanteile je Warengruppe aus, ergibt sich ein auffällig schiefes Bild.

Bei Mofa-, Moped- und Rollerreifen ist Heidenau mit 176 von 961 Ausführungen die größte Marke im Regal — 18,3 Prozent. Dahinter folgen Michelin mit 123 (12,8 Prozent), Dunlop mit 121 (12,6 Prozent), Continental mit 107 (11,1 Prozent) und Mitas mit 99. Insgesamt teilen sich 17 Marken dieses Regal, und die sächsische ist die mit dem breitesten Angebot. Wer einen Roller oder ein Moped fährt, begegnet dieser Marke also zwangsläufig.

Bei Motorradreifen für die Straße kehrt sich das Verhältnis um: Dort stellt Heidenau 124 von 2.147 Ausführungen und landet mit 5,8 Prozent auf Platz acht — hinter Pirelli (380), Dunlop (328), Bridgestone (318), Metzeler (306), Michelin (219), Continental (152) und Avon (138). Im Enduro-Regal sieht es ähnlich aus: 79 von 1.027 Ausführungen, 7,7 Prozent, ebenfalls Rang acht hinter Dunlop (163) und Metzeler (126).

Dazu kommt ein Unterschied in der Dichte des Wettbewerbs. Im Rollerregal kommen die fünf größten Anbieter zusammen auf 626 der 961 Ausführungen, also 65,1 Prozent — das Feld ist vergleichsweise offen, und Heidenau ist darin die Nummer eins. Im Straßenregal vereinen die fünf größten Marken 1.551 von 2.147 Ausführungen auf sich, 72,2 Prozent, und keiner dieser fünf Namen ist Heidenau. Dieselbe Marke steht also einmal an der Spitze eines breiten Feldes und einmal am Rand eines enger besetzten.

Das ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Angebotsrechnung: Sie sagt, wie viele Ausführungen eine Marke im jeweiligen Regal bereitstellt, nicht wie gut ein einzelner Reifen fährt. Aber sie beschreibt das Profil der Marke ziemlich genau. Im Enduro-Segment ist das Angebot zwar zahlenmäßig klein, dafür aber prominent: Der K 60 Scout ist ein Klassiker für Reise-Enduros, und wir haben ihn an anderer Stelle bereits im direkten Vergleich mit dem Continental TKC 80 durchgerechnet. Alle lieferbaren Größen des K 60 Scout finden Sie auf der Modellseite.

Kein einziger Radialreifen — und das passt zur Marke

Eine Zahl sticht heraus: Unter den 379 Ausführungen trägt keine einzige die Radialkennung R. 352 sind reine Diagonalreifen, die übrigen 27 tragen die Kennung B, also Gürtel-Diagonal. Wir haben zusätzlich sämtliche Größenangaben nach einem „R" durchsucht — null Treffer.

Das ist kein Versäumnis, sondern die Konsequenz dessen, was der Hersteller selbst als Schwerpunkt angibt. Beim Diagonalreifen laufen die Karkassenlagen schräg und überkreuz von Wulst zu Wulst, beim Radialreifen dagegen quer zur Laufrichtung, zusätzlich stabilisiert durch einen Gürtel. Der Radialreifen baut dadurch eine steifere Lauffläche und eine weichere Flanke auf, was ihm bei hohem Tempo und großer Seitenführung Vorteile verschafft. Der Diagonalreifen hat die stabilere Flanke, trägt höhere Lasten bei niedrigem Druck besser und läuft auf schmalen Felgen mit viel Flankenhöhe runder.

Genau dort liegen die Einsatzgebiete dieser Marke: kleine Räder mit hoher Flanke, Gespanne, Mopeds — und Klassiker. Für ältere Maschinen ist die Bauart sogar entscheidend, weil die zeitgenössische Optik und das Fahrverhalten zusammengehören; wir haben das bei Reifen für Oldtimer und Youngtimer ausführlicher beschrieben. Umgekehrt heißt das aber auch: Wer eine moderne Supersportlerin mit Radialbereifung fährt, findet in diesem Programm schlicht nichts Passendes. Die Bauart muss zur Freigabe des Fahrzeugs passen, und sie lässt sich nicht nach Geschmack tauschen.

Was ein Heidenau kostet: 71,98 Euro in der Mitte

Zur Preisfrage haben wir alle 379 Preise sortiert. Der Median liegt bei 71,98 Euro je Reifen, das untere Viertel beginnt bei 53,84 Euro, das obere bei 100,55 Euro. Anders gesagt: 283 der 379 Ausführungen — drei Viertel des Programms — kosten weniger als 100 Euro. Über 200 Euro liegen nur drei Zeilen, und selbst die 95-Prozent-Marke ist bei 142,68 Euro erreicht. Das ist für Zweiradreifen ein sehr enges, niedriges Preisband.

Dieser niedrige Gesamtmedian entsteht allerdings nicht gleichmäßig, sondern kommt fast vollständig aus einer einzigen Warengruppe. Rechnet man die drei Segmente getrennt, liegt der Median bei Mofa-, Moped- und Rollerreifen bei 57,10 Euro (176 Ausführungen), bei Straßenreifen dagegen bei 96,08 Euro (124) und bei Enduroreifen bei 96,56 Euro (79). Straße und Enduro liegen also praktisch gleichauf, und das kleine Rad kostet rund 40 Prozent weniger. Wer von „günstigen Heidenau-Reifen" spricht, meint fast immer das Rollerregal — im Motorradsegment bewegt sich die Marke preislich im normalen Feld.

Der günstigste Reifen im Programm ist ein Mopedreifen: der M 4 Moped in 2 1/4-17 28B für 33,16 Euro. Die Kennung 28B steht dabei für eine Freigabe bis 50 km/h — mehr braucht ein Moped nicht.

Drei Beispiele aus den drei Warengruppen, jeweils mit dem Preis vom Katalogstand, den wir zusätzlich gegen die Produktseiten geprüft haben:

Ein Hinweis zur Einordnung: Preise bewegen sich, und einzelne Zeilen im Katalog können abweichen. Maßgeblich ist immer der Preis auf der Produktseite zum Zeitpunkt Ihrer Bestellung, nicht die Zahl in diesem Beitrag.

65 von 72 Winterreifen im Zweiradregal tragen diesen Namen

Zweiradreifen mit Winterkennung sind eine ausgesprochene Nische — und in dieser Nische ist die Marktverteilung noch extremer als im Rollerregal. Von 72 Ausführungen in der Rubrik Motorrad, die ein M+S im Namen führen, stammen 65 von Heidenau. Die übrigen sieben verteilen sich auf eine einzige weitere Marke, Kenda. Das Programm reicht dabei vom Rollerreifen bis zum Enduroreifen, erkennbar an Zusätzen wie Snowtex oder SiO2 im Modellnamen; was diese Kürzel und die K-Nummern bedeuten, haben wir in einem eigenen Beitrag zu den Heidenau-Bezeichnungen aufgeschlüsselt.

Zur sauberen Abgrenzung: Wir haben hier die gesamte Zweiradrubrik gezählt und nach der Marke gefragt. Eine frühere Auszählung hat ausschließlich das Rollerregal betrachtet und dort 67 winterfähige Ausführungen unter 908 gefunden. Beide Zahlen sind richtig, sie beantworten nur verschiedene Fragen — die eine, wie groß die Nische im Rollerregal ist, die andere, wer sie bedient.

Wichtig bleibt in beiden Fällen die rechtliche Einordnung, und die ist eindeutig: Die Winterreifenpflicht bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte steht in § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung — und von ihr sind einspurige Kraftfahrzeuge ausdrücklich ausgenommen. Für Motorrad, Roller und Moped gibt es in Deutschland also keine Winterreifenpflicht. Was bleibt, ist die allgemeine Pflicht, die Fahrweise den Verhältnissen anzupassen, und die Tatsache, dass ein Sommerprofil bei Kälte deutlich an Haftung verliert.

Wer sein Zweirad im Winter bewegt, kauft diese Reifen also nicht, um eine Vorschrift zu erfüllen, sondern wegen der Haftung bei niedrigen Temperaturen und auf nasser Fahrbahn. Und: Ein M+S im Modellnamen ist eine Herstellerangabe, kein geprüftes Wintersymbol — das Alpine-Symbol, das bei Pkw-Reifen den Nachweis liefert, spielt bei Zweiradreifen keine Rolle.

Kein EU-Label — dafür neun Geschwindigkeitssymbole

Bei keiner der 379 Ausführungen steht eine Effizienz- oder Nasshaftungsklasse im Datensatz, und das ist völlig korrekt: Die EU-Reifenkennzeichnung erfasst nur Reifen der Klassen C1, C2 und C3, also Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen. Motorradreifen fallen nicht darunter — die Gründe und die Folgen für den Kaufvergleich haben wir dort beschrieben, wo es um fehlende EU-Label bei Zweiradreifen geht.

Was stattdessen zählt, ist die Betriebskennung auf der Flanke. Über alle 379 Ausführungen verteilt kommen neun verschiedene Geschwindigkeitssymbole vor, und ihre Verteilung bildet das Programm ziemlich genau ab: H (bis 210 km/h) steht 87-mal, M 77-mal, P 63-mal und S 60-mal, dazu J 35-mal, T 31-mal, R 13-mal, Q sechsmal und B — die langsamste Stufe mit 50 km/h — viermal. Die Spanne von 50 bis 210 km/h in einem einzigen Markenprogramm zeigt, wie weit das Feld zwischen Moped und Reiseenduro auseinanderliegt.

Für Sie heißt das beim Kauf: Last- und Geschwindigkeitsindex müssen mindestens die Werte aus der Zulassungsbescheinigung Ihres Fahrzeugs erreichen. Ein höherer Index ist unproblematisch, ein niedrigerer nicht. Die Angabe steht direkt hinter der Größe, etwa als „62T" oder „58S", und sie ist bei Zweiradreifen der wichtigste Vergleichswert, den Sie haben — gerade weil das Label fehlt.

Eine Herstellernummer, drei Namen im Regal

Zum Schluss ein Fund, der ohne Datenabgleich unsichtbar bleibt. Alle 379 Heidenau-Artikel tragen eine EAN, und alle 379 beginnen mit derselben siebenstelligen Basisnummer: 4027694. Keine einzige Ausnahme. Das ist für sich genommen unauffällig — Metzeler nutzt bei allen 490 Ausführungen ebenso durchgängig eine eigene Basisnummer, Continental bei allen 3.389.

Auffällig wird es, wenn man die Suche umdreht und den gesamten Katalog nach dieser Basisnummer durchsucht. 505 Artikel tragen sie — also 126 mehr, als unter dem Markennamen stehen. Es sind 379 Heidenau-Artikel, 79 Artikel der Sammelkennung „Markenschlauch", die ausnahmslos in der Warengruppe Motorrad-Schläuche liegen, 29 Artikel der Sammelkennung „Markenreifen", die ausnahmslos Kartreifen und ihre Mischungen betreffen, sowie 18 Zeilen ohne Markeneintrag.

Eine Einschränkung gehört dazu: Die Basisnummer sagt, welches Unternehmen die Nummer vergeben hat — nicht, in welchem Werk ein Artikel gefertigt wurde. Wie eine Reifennummer aufgebaut ist und was die ersten Ziffern aussagen (und was eben nicht), haben wir beim Blick auf die EAN am Reifen auseinandergenommen. Praktisch heißt der Befund vor allem eines: Wenn Sie bei uns einen Artikel unter einer Sammelkennung kaufen — etwa einen Schlauch, bei dem die Wahl über Größe und Ventil läuft —, steckt dahinter ein konkreter Hersteller, auch wenn sein Name nicht auf der Artikelzeile steht.

Unterm Strich ist Heidenau eine Marke mit einem sehr klar umrissenen Revier: kleine Räder, hohe Flanken, Diagonalbauart, durchgängig lieferbar und preislich eng beieinander. Für Roller, Moped, Gespann, Klassiker und Reise-Enduro ist sie eine der ersten Adressen im Regal; für die moderne Straßenmaschine mit Radialbereifung ist sie es nicht. Das komplette Programm finden Sie auf der Markenseite von Heidenau, das gesamte Zweiradsortiment unter Motorradreifen.

Häufige Fragen

Ist ein Diagonalreifen schlechter als ein Radialreifen?

Nein, er ist anders ausgelegt. Diagonalreifen haben die stabilere Flanke und laufen auf schmalen Felgen mit viel Flankenhöhe besser, Radialreifen bieten bei hohem Tempo und starker Schräglage mehr Reserven. Entscheidend ist, welche Bauart für Ihr Fahrzeug freigegeben ist.

Gibt es von dieser Marke auch Reifen fürs Auto?

In unserem Sortiment nicht. Alle 379 lieferbaren Ausführungen liegen in der Rubrik Motorrad, verteilt auf Straße, Enduro sowie Mofa, Moped und Roller.

Warum fehlt auf diesen Reifen die Effizienzklasse?

Weil die EU-Reifenkennzeichnung nur für Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen gilt. Für Krafträder ist sie nicht vorgeschrieben, deshalb steht bei keiner der 379 Ausführungen ein Label-Wert im Datensatz.

Schlagwörter: Heidenau Motorradreifen Rollerreifen Diagonalreifen Markencheck

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