Momos M40 All Season wächst auf 76 Größen — und die Produktion hat China verlassen
Ganzjahresreifen wachsen seit Jahren schneller als Sommer- und Winterreifen, und das Angebot wächst mit. Ein Beispiel dafür liefert gerade die Marke Momo Tires: Der italienische Großhändler Univergomma, dem die Marke gehört, hat Ende September angekündigt, das Größenangebot seines Ganzjahresreifens M40 All Season erneut auszubauen. Interessant ist dabei weniger die Zahl als der Satz dahinter, denn die neuen Größen gehen in europäische Produktion — bei einer Marke, deren Reifen bis vor Kurzem noch in China vom Band liefen. Wir ordnen die Meldung ein, nennen die belegten Eckdaten und zeigen, was das offizielle EU-Register über die Marke tatsächlich hergibt — und was nicht.
Was Univergomma Ende September angekündigt hat
Nach Angaben des Unternehmens umfasst die Dimensionspalette des Pkw- und SUV-Ganzjahresreifens M40 All Season nach dem jüngsten Ausbau inzwischen 76 Größen. Dabei soll es nicht bleiben: Das Angebot solle, so die Italiener, „hinsichtlich der Produktionsverfügbarkeit weiter wachsen, insbesondere bei größeren Felgendurchmessern und Anwendungen für die neuesten Generationen von SUVs und Crossover-Fahrzeugen“.
Konkret wird es bei den Terminen. Das Entwicklungsprogramm tritt dem Hersteller zufolge in eine neue Phase ein: Ab Oktober gehen 20 Größen in Europa in Produktion, für weitere 23 Größen ist der Produktionsstart voraussichtlich im November vorgesehen. Das sind keine Liefertermine für den Handel, sondern Produktionsstarts — bis solche Größen flächendeckend im Regal stehen, vergeht erfahrungsgemäß noch Zeit. (Quelle: Reifenpresse.de, 29. September 2026)
Die Stoßrichtung ist dabei klar erkennbar und folgt dem Markt: Größere Felgendurchmesser und SUV-Anwendungen sind genau der Bereich, in dem die Nachfrage am stärksten zulegt. Wie sehr sich das Ganzjahressegment insgesamt verschoben hat, haben wir an anderer Stelle an unseren eigenen Regalzahlen durchgerechnet — nachzulesen in unserer Auswertung zum Marktanteil von Ganzjahresreifen gegenüber dem Platz im Regal.
Für Käufer ist die Größenzahl dabei relevanter, als sie zunächst klingt. Ein Profil nützt nur dem, dessen Dimension tatsächlich gebaut wird — und gerade bei selteneren Kombinationen aus Breite, Querschnitt und Felgendurchmesser wird die Auswahl schnell dünn. Zur Einordnung: In unserem eigenen Sortiment stehen 8.241 Pkw-Ganzjahresreifen, verteilt über alle Marken und Dimensionen. 76 Größen sind für ein einzelnes Profil also durchaus eine breite Palette, decken aber bei Weitem nicht jede am Markt gefahrene Kombination ab. Entscheidend bleibt für Sie deshalb immer die Frage, ob ausgerechnet Ihre Größe dabei ist — nicht, wie groß die Gesamtzahl klingt.
Was über den Reifen belegt ist — und was nicht
Die handfesteren technischen Eckdaten stammen aus der vorangegangenen Ausbaustufe vom Februar 2026, die der Hersteller ausführlicher beschrieben hat. Damals wurde das Profil um 23 zusätzliche Dimensionen erweitert, und zwar mit folgenden Rahmendaten:
- Felgendurchmesser Pkw und SUV: 14 bis 22 Zoll
- Nutzfahrzeuge: 24 Größen von 12 bis 17 Zoll
- Geschwindigkeitsindex: bis hinauf zu Y, also bis 300 km/h
- Nasshaftung im EU-Reifenlabel: je nach Dimension bis zur Bestklasse A
Dazu ordnete sich der Anbieter selbst ein: Mit der Erweiterung stärke Momo Tires seine Position im „Value-Performance-Segment“ und setze auf „europäische Produktion, breite Anwendungspalette und Lieferkontinuität“. (Quelle: Reifenpresse.de, 23. Februar 2026)
Wichtig für die Einordnung: Das sind Herstellerangaben, keine Testergebnisse. Eine Nasshaftungsklasse A im Label sagt etwas über eine genormte Nassbremsmessung aus, nicht über Schneegriff, Verschleiß oder Komfort. Einen unabhängigen Test des M40 All Season durch ADAC, Stiftung Warentest, AUTO BILD oder einen anderen etablierten Tester gibt es nach unserem Kenntnisstand bislang nicht — wer den Reifen bewerten will, hat derzeit also nur Label und Datenblatt, nicht mehr. Was das Label leisten kann und wo es aufhört, erklären wir auf unserer Seite zum EU-Reifenlabel.
Warum die Produktion China verlassen hat
Der eigentlich bemerkenswerte Teil der Geschichte steht nicht in der September-Meldung, sondern liegt drei Monate zurück. Ende Juni wurde auf der Kölner Fachmesse The Tire Cologne bekannt, dass Univergomma Reifen der Marke Momo Tires nicht mehr in China produzieren lässt. Nach Angaben von Univergomma-Marketingdirektorin Alexandra Peccia — so die Darstellung der NEUE REIFENZEITUNG — wurden vor dem Hintergrund drohender EU-Antidumpingzölle auf in China gefertigte Pkw-, SUV- und Leicht-Lkw-Reifen alle Vulkanisationsformen nach Ungarn, Serbien und Vietnam verbracht. (Quelle: Reifenpresse.de, 30. Juni 2026)
Vulkanisationsformen sind die Werkzeuge, in denen ein Reifen seine endgültige Form und sein Profil erhält. Sie zu verlagern ist kein Federstrich, sondern eine Investitionsentscheidung mit Vorlauf — und sie erklärt, warum die Produktionsstarts für die neuen Größen jetzt gestaffelt über Oktober und November laufen statt auf einen Schlag.
Der Hintergrund ist bekannt: Seit dem 7. Juli 2026 erhebt die EU endgültige Antidumpingzölle auf Pkw- und Transporterreifen chinesischen Ursprungs, mit Sätzen zwischen 4,3 und 45,3 Prozent je nach Hersteller. Entscheidend ist dabei der zollrechtliche Ursprung, nicht der Markenname — ein europäischer Markenname schützt also nicht vor dem Zoll, eine Produktion außerhalb Chinas dagegen schon. Wie dieser Beschluss zustande kam, haben wir in unserem Beitrag zur EU-Entscheidung über die Antidumpingzölle aufgearbeitet; was danach tatsächlich mit den Preisen passiert ist, haben wir acht Wochen später an 1.152 Preisverläufen im eigenen Regal nachgemessen. Die Verlagerung bei Momo ist damit ein gut dokumentierter Einzelfall einer Entwicklung, die den gesamten Value-Bereich betrifft.
Eine unmittelbare Preisbewegung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten, und zwar in keine Richtung. Zölle wirken zuerst im Großhandel und erreichen die Ladentheke verzögert und gedämpft; ein Anbieter wiederum, der seine Fertigung rechtzeitig verlagert hat, wird von ihnen gerade nicht getroffen. Genau deshalb liegen Preisprognosen nach Zollentscheidungen so häufig daneben: Die Lieferketten reagieren schneller und leiser als die Preisschilder. Wer heute einen günstigen Ganzjahresreifen sucht, sollte sich daher nicht an der Herkunft der Marke orientieren, sondern am konkreten Angebot für die eigene Größe.
Wer hinter der Marke steht
Momo ist vielen vor allem als italienische Zubehörmarke ein Begriff, nicht als Reifenmarke — und die Besitzverhältnisse haben sich zuletzt tatsächlich verschoben. Univergomma aus Scandicci bei Florenz, Marktführer im italienischen Reifengroßhandel, ist seit 2012 offizieller und weltweiter Lizenznehmer für Produktion und Vertrieb von Reifen der Marke Momo. Im Frühjahr 2025 hat der Großhändler dann das hinter der Marke stehende Unternehmen Momo Srl übernommen und ist damit vom Lizenznehmer zum Eigentümer geworden. (Quelle: Reifenpresse.de, 24. März 2025)
Im deutschsprachigen Raum läuft der Vertrieb der Momo-Pkw-Reifen über den Großhändler Reifen Straub aus Kirchberg an der Iller in Baden-Württemberg, der seit 2021 als Generalimporteur für Deutschland und Österreich agiert. Der M40 All Season kam im November 2025 als jüngster Baustein einer Sortimentsmodernisierung dazu, nachdem zuvor bereits der UHP-Sommerreifen M300 und der Winterreifen W20 auf den hiesigen Markt gekommen waren. (Quelle: Reifenpresse.de, 19. November 2025)
Zur Einordnung in eigener Sache: Der M40 All Season gehört nicht zu unserem Sortiment, wir verkaufen die Marke Momo nicht. Dieser Beitrag ist deshalb keine Kaufempfehlung und keine Absage, sondern eine Einordnung einer Branchenmeldung — am Ende zeigen wir, worauf es bei der Auswahl eines Ganzjahresreifens unabhängig von der Marke ankommt.
Was das EU-Register über Momo hergibt
Jeder in der EU verkaufte Pkw-Reifen muss im europäischen Produktregister EPREL eingetragen sein. Das macht das Register zu einer guten Gegenprobe, wenn ein Hersteller Größenzahlen nennt. Wir haben am 4. Oktober 2026 nachgeschlagen — und das Ergebnis ist aufschlussreich, allerdings anders als erhofft.
Die Markensuche nach Momo meldet 754 Einträge. Diese Zahl ist aber nicht das, wonach es aussieht, und sie taugt nicht als Gegenprobe zu den 76 Größen — aus drei Gründen:
- Die Liste gibt nicht her, was sie zählt. So oft man auch weiterblättert: Die öffentliche Trefferliste rückt am Ende nur 75 verschiedene Einträge heraus, nicht 754. Die gemeldete Gesamtzahl lässt sich über die öffentliche Schnittstelle also nicht Zeile für Zeile nachprüfen.
- Die Modellbezeichnung ist ein Zahlencode. In den Einträgen steht keine sprechende Modellbezeichnung wie „M40 All Season“, sondern eine interne Kennung. Ein bestimmtes Profil lässt sich über die Markensuche damit gar nicht gezielt finden — die 76 Größen sind im Register nicht als solche abzählbar.
- Die sichtbaren Einträge sind alt. Alle 75 abrufbaren Datensätze tragen als Markteintritt das Jahr 2018 — also eine Zeit lange vor der Übernahme durch Univergomma und vor der Verlagerung der Produktion. Sie verteilen sich auf 13 bis 19 Zoll, 60 davon sind Pkw-Reifen der Klasse C1, 13 Transporter- und 2 Lkw-Reifen, und 32 der 75 tragen das Alpine-Symbol.
Ein Detail ist trotzdem bemerkenswert: Als registrierende Stelle nennt das Register bei allen 75 einsehbaren Einträgen die Sailun Europe GmbH, und zwar in der Rolle des Bevollmächtigten („authorised representative“). Diese Rolle sagt aus, wer die Eintragung in der EU verantwortet — sie benennt nicht zwangsläufig das Werk, in dem der Reifen gebaut wurde, und sie ist kein Beleg dafür, wo heute produziert wird. Dass der Markeninhaber im Register gar nicht auftaucht, ist dabei kein Sonderfall, sondern die Regel: Wer hinter einem Reifennamen steht, lässt sich am Markennamen praktisch nie ablesen. Wie weit Markenname und tatsächlicher Lieferant auseinanderliegen, haben wir an 27.214 Registereinträgen zu 29 Billigmarken gezeigt.
Praxis-Tipp: Das EU-Register ist stark, wenn Sie einen konkreten Reifen in der Hand haben und die Label-Werte oder das Alpine-Symbol zu einer EPREL-Nummer prüfen wollen. Es ist schwach, wenn Sie über einen Markennamen ein ganzes Sortiment vermessen wollen. Wie ergiebig der umgekehrte Weg ist, zeigt unsere Auswertung von 7.719 Ganzjahresreifen im EU-Register.
Worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt
Unabhängig davon, welche Marke gerade ihr Größenangebot ausbaut, bleiben die Kriterien für einen Ganzjahresreifen dieselben — und sie sind an jedem Reifen ablesbar, bevor Sie bestellen:
- Alpine-Symbol prüfen. Nur das Bergpiktogramm mit der Schneeflocke (3PMSF) erfüllt in Deutschland die situative Winterreifenpflicht. Ein reines M+S-Zeichen genügt bei neuen Reifen nicht mehr.
- Nasshaftungsklasse ernst nehmen. Zwischen Klasse A und Klasse C liegen auf nasser Fahrbahn mehrere Meter Bremsweg — das ist die Label-Kennzahl mit dem größten Sicherheitsgewicht.
- Last- und Geschwindigkeitsindex einhalten. Beide müssen mindestens den Vorgaben aus den Fahrzeugpapieren entsprechen.
- Auf unabhängige Tests schauen, wo es welche gibt. Ein neues Profil ohne Testhistorie ist nicht automatisch schlecht — aber Sie kaufen es ohne das Urteil eines Dritten.
In unserem Sortiment deckt die Spanne vom günstigen Einstieg bis zum Premiumreifen alle vier Punkte ab. Preisbewusst einsteigen können Sie etwa mit dem Goodride Z-401 185/65 R15 92H, eine Stufe darüber liegt der Hankook KInERGy 4s 2 H750 205/55 R16 94H mit Nasshaftungsklasse B, und für größere Fahrzeuge steht beispielsweise der Continental AllSeasonContact 2 235/55 R18 100H bereit. Das vollständige Angebot finden Sie bei den Ganzjahresreifen für den Pkw.
Häufige Fragen
Kann ich den Momo M40 All Season bei Ihnen bestellen?
Nein, die Marke Momo gehört nicht zu unserem Sortiment. Der Vertrieb der Momo-Pkw-Reifen läuft im deutschsprachigen Raum über den Generalimporteur Reifen Straub und den angeschlossenen Fachhandel.
Sind Reifen aus europäischer Produktion automatisch besser?
Nein. Der Produktionsstandort sagt nichts über die Qualität eines einzelnen Profils aus — darüber entscheiden Konstruktion, Mischung und Fertigungsgüte. Für den Preis kann der Standort dagegen sehr wohl eine Rolle spielen, weil die EU-Antidumpingzölle am zollrechtlichen Ursprung ansetzen.
Woran erkenne ich, ob ein Ganzjahresreifen wintertauglich ist?
Am Alpine-Symbol auf der Reifenflanke: ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Nur damit gilt der Reifen in Deutschland bei winterlichen Straßenverhältnissen als zulässig.
Fazit
Die Meldung ist für sich genommen eine Routinemeldung aus dem Value-Segment: Eine Marke baut ihr Größenangebot aus, 76 Dimensionen sind erreicht, 43 weitere Größen gehen im Oktober und November in Produktion. Spannend wird sie erst im Zusammenhang mit der Standortentscheidung vom Juni — denn hier lässt sich an einem einzelnen Anbieter nachvollziehen, wie die EU-Antidumpingzölle Lieferketten tatsächlich umlenken. Dass sich die Ankündigung im EU-Register nicht gegenprüfen lässt, gehört ebenfalls zum ehrlichen Bild: Das Register belegt einzelne Reifen zuverlässig, ganze Sortimente aber nicht. Wer jetzt Ganzjahresreifen braucht, entscheidet deshalb am besten wie immer — über Alpine-Symbol, Nasshaftungsklasse und die passenden Tragfähigkeitswerte. Die passende Auswahl dazu finden Sie in unserem Shop.