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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen im Höhenflug: Warum immer mehr Autofahrer auf Allwetter setzen

· 6 Min. Lesezeit · von Reifentiefpreis · Aktualisiert am 28.07.2026
Ganzjahresreifen mit Lamellenprofil auf nasser Herbststraße (KI-generiert, OpenAI)
Ganzjahresreifen mit Lamellenprofil auf nasser Herbststraße (KI-generiert, OpenAI)

Winterreifen, Sommerreifen oder das ganze Jahr über derselbe Satz? Immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer in Deutschland entscheiden sich für die dritte Variante. Die jüngsten Zahlen des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) zum Reifenersatzgeschäft zeigen: Der Ganzjahresreifen hat sich vom Nischenprodukt zu einer festen Größe im Markt entwickelt – und liegt beim Absatz inzwischen sogar vor dem klassischen Sommerreifen. Am 27. Juli 2026 hat auch die Fachpublikation Reifenpresse.de bestätigt, dass sich dieser Trend 2026 weiter fortsetzt. Höchste Zeit für einen nüchternen Blick: Was steckt hinter dem Boom – und für wen ist das Allwetterprofil wirklich die richtige Wahl?

Fast 36 Prozent: Das Allwetterprofil überholt den Sommerreifen

In der jüngsten vollständigen Jahresbilanz des BRV – dem Reifenersatzgeschäft 2024 – kletterte der Marktanteil der Ganzjahresreifen von 33 auf knapp 36 Prozent. Damit haben Allwetterprofile den reinen Sommerreifen überholt, der auf rund 26 Prozent zurückfiel. An der Spitze steht weiterhin der Winterreifen mit rund 38 Prozent – doch sein Vorsprung schmilzt spürbar. Insgesamt wechselten rund 47,5 Millionen Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen im Ersatzgeschäft den Besitzer, ein Plus von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Quelle: Bundesverband Reifenhandel).

Besonders deutlich ist die Verschiebung bei Transporter- und SUV-Reifen: Dort fällt der Ganzjahresanteil noch höher aus als beim Pkw. Und der Trend hält an. In ihrer Analyse „Hält der Trend zu Ganzjahresreifen 2026 an?" verweist Reifenpresse.de am 27. Juli 2026 auf die aktuellen BRV-Daten sowie den Bevorratungsreport des Reifenportals TyreSystem und kommt zu dem Schluss, dass Allwetterprofile weiter bei gut einem Drittel des Marktes liegen (Quelle: Reifenpresse.de). Eine ausführliche Gegenüberstellung der drei Bauarten finden Sie in unserem Ratgeber zu den technischen Unterschieden zwischen Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen.

Warum der Allwetterreifen so beliebt ist

Der Boom kommt nicht von ungefähr – mehrere Entwicklungen greifen ineinander. Mildere Winter: In weiten Teilen Deutschlands fällt in den Niederungen immer seltener und kürzer Schnee. Wer selten unter richtig winterlichen Bedingungen fährt, empfindet zwei spezialisierte Sätze schnell als übertrieben. Bequemlichkeit: Ein Ganzjahresreifen erspart den halbjährlichen Werkstatttermin, das Ummontieren und Wuchten, das erneute Anlernen des Reifendruck-Kontrollsystems (RDKS) und die Einlagerung des zweiten Satzes. Gerade in Städten, wo Kellerplatz und Werkstatttermine knapp sind, ist das ein starkes Argument.

Kostenüberlegung: Wer wenig fährt, muss nicht zwei komplette Sätze anschaffen und pflegen – über die Nutzungsdauer kann sich der Allwetterreifen so günstiger rechnen. Auch aus Ressourcensicht spricht für Wenigfahrer manches dafür, statt zweier Sätze nur einen zu benötigen und einzulagern. Technischer Fortschritt: Die entscheidende Zutat ist aber die Reifentechnik selbst. Moderne Ganzjahresprofile mit ausgeklügelter Lamellierung und temperaturflexibler Kältemischung sind heute weit leistungsfähiger als die Kompromiss-Modelle früherer Jahre. Sie tragen das Alpine-Symbol, erfüllen also die gesetzlichen Anforderungen an einen wintertauglichen Reifen, und liefern zugleich auf nasser wie trockener Straße brauchbare Werte. Der Abstand zu spezialisierten Sommer- und Winterreifen ist dadurch kleiner geworden – verschwunden ist er aber nicht. Wie sich Allwetterreifen in der warmen Jahreszeit schlagen, haben wir im Ratgeber Ganzjahresreifen im Sommer genauer beleuchtet.

Für wen sich Ganzjahresreifen lohnen – und für wen nicht

So verlockend der Trend ist: Der Ganzjahresreifen bleibt ein Kompromiss. Er ist ein „Alleskönner", aber in keiner Einzeldisziplin so stark wie ein spezialisierter Sommer- oder Winterreifen. Ob er die richtige Wahl ist, hängt vor allem vom Fahrprofil ab.

Gut geeignet ist ein Allwetterreifen für Fahrerinnen und Fahrer mit überschaubarer Jahresfahrleistung, überwiegend im Stadt- und Umlandverkehr, in klimatisch milden Regionen ohne regelmäßige Schnee- und Eislagen – und für Zweitwagen, die selten bewegt werden. Weniger geeignet ist er für Vielfahrer, für Menschen in schneereichen Mittelgebirgs- und Alpenregionen, für sportlich-zügige Fahrweise und für Fahrzeuge, die viel auf der Autobahn unterwegs sind. In diesen Extrembereichen – tiefer Schnee im Winter, hohe Geschwindigkeiten und Hitze im Sommer – spielt die spezialisierte Saisonbereifung ihre Stärken bei Bremsweg und Fahrstabilität aus. Der Grund liegt in der Physik: Eine Sommermischung bleibt bei Hitze formstabiler und bremst auf warmem Asphalt kürzer, während ein reiner Winterreifen mit weicherer Mischung und mehr Lamellen auf Schnee und Eis deutlich mehr Grip aufbaut. Der Ganzjahresreifen liegt bei beidem naturgemäß dazwischen. Wer regelmäßig an diese Grenzen kommt, fährt mit zwei Sätzen sicherer – und oft sogar wirtschaftlicher, weil jeder Satz nur eine halbe Saison pro Jahr abnutzt. Ob sich zwei Sätze oder ein Allwetterreifen für Sie rechnen, rechnen wir im Beitrag Ganzjahresreifen oder zwei Sätze? konkret durch; eine Entscheidungshilfe nach Fahrertyp bietet außerdem unser Ratgeber für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Wer sich für einen Ganzjahresreifen entscheidet, sollte nicht allein auf den Preis schauen – die Qualitätsunterschiede sind erheblich.

  • Alpine-Symbol ist Pflicht: Nur Reifen mit dem Bergpiktogramm samt Schneeflocke (3PMSF) gelten als wintertauglich und erfüllen die situative Winterreifenpflicht in Deutschland. Das ältere Kürzel „M+S" allein genügt bei neu hergestellten Reifen nicht mehr. Details dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zu den Wintersymbolen auf dem EU-Reifenlabel.
  • EU-Label prüfen: Werfen Sie einen Blick auf Nasshaftung, Kraftstoffeffizienz und Geräuschklasse. Beim Allwetterreifen ist vor allem eine gute Nasshaftung wichtig, denn Regen ist das ganze Jahr über die häufigste kritische Bedingung.
  • Auf getestete Modelle setzen: Zwischen Premium- und Billigware liegen bei Ganzjahresreifen Welten – das zeigt regelmäßig der ADAC-Ganzjahresreifentest. Etablierte Modelle bieten hier deutlich mehr Sicherheitsreserven.

Bewährte Allrounder aus unserem Sortiment sind zum Beispiel der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 225/55 R17 97T und der Continental AllSeasonContact 2 235/55 R18 100H. Wer preisbewusst kauft, findet mit dem Nexen Nblue 4 Season 2 205/55 R16 94H eine günstigere Alternative in einer der meistgefahrenen Größen. Das gesamte Angebot sortiert nach Ihrer Größe finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW.

Fazit: Ein Kompromiss, der für viele aufgeht

Der Siegeszug des Ganzjahresreifens ist kein Marketing-Hype, sondern das Ergebnis milderer Winter, gestiegener technischer Reife und des Wunsches nach weniger Aufwand. Für einen großen Teil der Autofahrenden – vor allem Wenigfahrer im Flachland – ist er heute eine sinnvolle, sichere und praktische Lösung. Wer dagegen viel fährt, in schneereichen Regionen wohnt oder sportlich unterwegs ist, bleibt mit zwei spezialisierten Sätzen besser bedient. Entscheidend ist am Ende nicht der Trend, sondern das eigene Fahrprofil – und die Wahl eines geprüften Qualitätsreifens. Passende Allwetterreifen für Ihr Fahrzeug finden Sie jederzeit in unserem Shop.

Häufige Fragen

Sind Ganzjahresreifen im Winter zugelassen?

Ja – sofern sie das Alpine-Symbol (3PMSF, Berg mit Schneeflocke) auf der Flanke tragen. Diese Reifen erfüllen die situative Winterreifenpflicht bei Schnee, Eis und Glätte. Das ältere „M+S"-Zeichen allein reicht bei seit 2018 hergestellten Reifen nicht mehr aus.

Sind Allwetterreifen günstiger als zwei Reifensätze?

Bei geringer Fahrleistung meist ja, denn der zweite Satz, das halbjährliche Umstecken und die Einlagerung entfallen. Wer viel fährt, nutzt zwei spezialisierte Sätze über mehr Jahre – dann relativiert sich der Preisvorteil des Ganzjahresreifens.

Halten Ganzjahresreifen so lange wie Sommer- oder Winterreifen?

Sie sind das ganze Jahr im Einsatz, sammeln also schneller Kilometer, und ihre Allround-Mischung verschleißt anders als ein reines Saisonprofil. Wie lange ein Allwetterreifen wirklich durchhält und wann er im Winter unsicher wird, erklären wir im Beitrag zur Lebensdauer von Ganzjahresreifen.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Allwetterreifen Reifenmarkt BRV Marktanteil Reifentrend

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