Motorradreifen 120/70 R19 und 170/60 R17: der Reifensatz für große Reise-Enduros
120/70 R19 vorn und 170/60 R17 hinten – das ist die typische Bereifung der großen, überwiegend straßenorientierten Reise-Enduros. Wer eine schwere Adventure-Maschine mit gemischtem 19-Zoll-Vorderrad und 17-Zoll-Hinterrad fährt, findet in genau diesem Reifensatz die passende Kombination. Das Angebot reicht dabei vom komfortablen Touren-Adventure-Reifen für lange Etappen über den sportlich-straßenbetonten Allrounder bis zum grobstolligen Reifen mit echter Geländereserve.
In diesem Ratgeber erklären wir, was die beiden Maße bedeuten, welche Motorräder darauf unterwegs sind, wie sich die Reifentypen für dieses Segment unterscheiden und worauf es beim Kauf von Vorder- und Hinterreifen wirklich ankommt.
Was bedeuten 120/70 R19 und 170/60 R17?
Beide Größen sind nach demselben Schema aufgebaut, das direkt auf der Reifenflanke steht. Am Beispiel des Hinterreifens 170/60 R17:
- 170 – die Reifenbreite in Millimetern.
- 60 – das Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent (die Flankenhöhe beträgt 60 % der Breite).
- R – Radialbauweise, der heute übliche Aufbau bei Straßen- und Reise-Enduro-Reifen.
- 17 – der Felgendurchmesser in Zoll.
Der Vorderreifen 120/70 R19 ist entsprechend 120 mm breit mit 70er-Querschnitt auf einer 19-Zoll-Felge. Hinter der Größe folgt die Betriebskennung, zum Beispiel 60V vorn und 72V hinten: Die Zahl ist der Lastindex (60 = 250 kg, 72 = 355 kg je Reifen), der Buchstabe der Geschwindigkeitsindex (V = bis 240 km/h). Manche Modelle tragen ein ZR in der Größe – das steht für eine Freigabe über 240 km/h und findet sich vor allem bei den sportlicheren Reifen dieses Segments. Häufig sehen Sie außerdem ein M/C (Motorcycle), einen Laufrichtungspfeil und die Angabe FRONT bzw. REAR – Motorradreifen sind laufrichtungsgebunden und dürfen nicht vertauscht werden. Wie Sie die komplette Kennung entschlüsseln, zeigt unser Ratgeber Motorradreifen-Größe richtig lesen.
Welche Motorräder fahren diese Größen?
Die Kombination 120/70 R19 vorn und 170/60 R17 hinten ist die klassische Bereifung der großen, straßenbetonten Reise-Enduros mit Gussrädern. Dazu zählen zum Beispiel die BMW R 1200 GS, R 1250 GS und R 1300 GS, die Ducati Multistrada (V2 und V4), die KTM 1290 Super Adventure oder die Harley-Davidson Pan America 1250. Das 19-Zoll-Vorderrad ist dabei der bewusste Kompromiss: Es rollt souveräner über grobe Fahrbahn und leichtes Gelände als ein reines 17-Zoll-Straßenrad, bleibt auf Asphalt aber deutlich handlicher und neutraler als ein 21-Zoll-Vorderrad.
Wichtig ist die Abgrenzung zu den geländeorientierteren Maschinen: Rallye- und Hardcore-Enduros mit Speichenrädern fahren vorn oft ein größeres 90/90 R21 und hinten ein 150/70 R18 – etwa die Honda Africa Twin oder die Yamaha Ténéré 700. Passt Ihre Maschine in dieses Schema, sind Sie in unseren Ratgebern zu 90/90 R21 und 150/70 R17 besser aufgehoben. Verbindlich ist in jedem Fall die Reifenfreigabe bzw. die Angabe in den Fahrzeugpapieren – verlassen Sie sich nie allein auf das Modell, sondern immer auf die für Ihre Maschine freigegebenen Dimensionen und Freigaben.
Vom Tourenreifen bis zum Stollenreifen: den richtigen Typ wählen
Gerade in diesem Segment entscheidet weniger die Größe als der Reifentyp über den Charakter. Reise-Enduro-Reifen lassen sich grob nach ihrem Straßen-/Gelände-Verhältnis einordnen:
- Straßenbetonte Touren-Reifen (etwa 90/10): Der Schwerpunkt liegt klar auf Asphalt – langlebig, laufruhig und mit gutem Nassgrip, ideal für Vielfahrer und lange Etappen. Typische Vertreter sind Metzeler Tourance Next, Michelin Anakee Adventure, Pirelli Scorpion Trail II, Continental ContiTrailAttack 3 oder Bridgestone Battlax Adventure A41.
- Ausgewogene 50/50-Reifen: Sie bieten spürbaren Grip auf losem Untergrund, ohne auf der Straße unbrauchbar zu werden – zum Beispiel Continental TKC 70 oder Bridgestone Battlax Adventure Trail AT41.
- Grobstollige Offroad-Reifen (etwa 20/80): für alle, die viel im Gelände unterwegs sind, dafür auf der Straße Abstriche bei Laufruhe und Standzeit hinnehmen (etwa Metzeler Karoo 4 oder Michelin Anakee Wild).
Welcher Typ zu Ihnen passt, hängt davon ab, wie viel Prozent Ihrer Kilometer wirklich abseits der Straße stattfinden. Eine ehrliche Einordnung liefert unser Ratgeber Enduro- und Adventure-Reifen: Straße und Gelände richtig abwägen. Für die meisten großen Reise-Enduros, die überwiegend auf Asphalt bewegt werden, ist ein straßenbetonter Touren-Reifen die richtige Wahl.
Empfehlenswerte Reifensätze in 120/70 R19 und 170/60 R17
Motorradreifen werden als aufeinander abgestimmtes Paar entwickelt – Vorder- und Hinterreifen einer Baureihe haben passende Profil- und Karkasseneigenschaften. Montieren Sie deshalb möglichst denselben Reifentyp vorn und hinten. Drei bewährte, lieferbare Reifensätze für das straßenbetonte Adventure-Segment:
- Metzeler Tourance Next – der komfortable Klassiker unter den Touren-Adventure-Reifen, Erstausrüstung auf vielen Reise-Enduros: Vorderreifen 120/70 R19 und Hinterreifen 170/60 R17.
- Michelin Anakee Adventure – straßenbetonter Allrounder mit etwas Geländereserve: Vorderreifen 120/70 R19 und Hinterreifen 170/60 R17.
- Pirelli Scorpion Trail II – der sportlich-dynamische Vertreter für zügig gefahrene Landstraßen: Vorderreifen 120/70 R19 und Hinterreifen 170/60 R17.
Weil der Hinterreifen Antrieb und einen großen Teil der Bremskraft überträgt, verschleißt er deutlich schneller als der Vorderreifen – oft hält ein Vorderreifen ein bis zwei Hinterreifen aus. Den tagesaktuellen Überblick aller lieferbaren Profile finden Sie auf den Größenseiten 120/70 R19 und 170/60 R17 sowie in der Übersicht Motorradreifen für die Straße.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Freigabe prüfen: Passt die Größe inklusive Last- und Geschwindigkeitsindex zu den Fahrzeugpapieren bzw. der Reifenfreigabe? Der Index darf nie unter dem geforderten Wert liegen. Reine Rennstrecken- oder Wettbewerbsreifen ohne Straßenzulassung (Kennzeichnung „NHS") gehören nicht auf die Straße.
- Front und Heck als Satz: möglichst gleiches Modell vorn und hinten montieren; im Zweifel die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Reifenherstellers für Ihr Motorrad prüfen.
- Reifenalter (DOT): Auch neue Motorradreifen sollten nicht zu lange gelagert gewesen sein; die DOT-Nummer verrät Produktionswoche und -jahr.
- Luftdruck nach Herstellervorgabe: kalt messen; die richtigen Werte stehen im Handbuch oder auf einem Aufkleber an der Maschine. Details dazu in unserem Ratgeber Reifendruck beim Motorrad.
- Neue Reifen einfahren: die ersten rund 150 bis 200 km behutsam fahren, bis die glatte Neureifen-Oberfläche aufgeraut ist und voller Grip anliegt.
Häufige Fragen
Warum haben große Reise-Enduros vorn ein 19-Zoll-Rad?
Das 19-Zoll-Vorderrad ist der Kompromiss zwischen Straße und Gelände. Es überrollt Kanten, Schotter und grobe Fahrbahn souveräner als ein 17-Zoll-Straßenrad, bleibt auf Asphalt aber handlicher und neutraler als ein 21-Zoll-Rad, wie es reine Geländemaschinen tragen. In Verbindung mit dem 17-Zoll-Hinterrad ergibt sich die typische Auslegung der straßenbetonten Adventure-Bikes.
Kann ich vorn und hinten verschiedene Reifenmodelle montieren?
Es wird ausdrücklich nicht empfohlen. Vorder- und Hinterreifen einer Baureihe sind aufeinander abgestimmt; eine Mischung aus zwei Modellen oder Herstellern verschlechtert oft das Fahrverhalten und ist häufig nicht durch die Reifenfreigabe gedeckt. Montieren Sie im Idealfall denselben Reifentyp vorn und hinten.
Straßen- oder Geländereifen – was ist für meine Adventure die richtige Wahl?
Entscheidend ist, wie viel Prozent Ihrer Kilometer tatsächlich abseits befestigter Straßen stattfinden. Wer fast nur auf Asphalt fährt, ist mit einem straßenbetonten Touren-Reifen am besten bedient – mehr Laufruhe, längere Standzeit und besserer Nassgrip. Erst wenn regelmäßig loser Untergrund dazukommt, lohnt ein 50/50- oder grobstolliger Reifen.
Fazit
120/70 R19 vorn und 170/60 R17 hinten ist die Standardgröße der großen, straßenorientierten Reise-Enduros – und in nahezu jeder relevanten Baureihe lieferbar. Am wichtigsten ist, den Reifentyp ehrlich an den eigenen Einsatz anzupassen und Vorder- sowie Hinterreifen als abgestimmten Satz zu montieren. Die passenden Motorradreifen in 120/70 R19 und 170/60 R17 finden Sie direkt in unserem Shop.