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Motorrad

Enduro- und Adventure-Reifen: Straße und Gelände richtig abwägen

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 20.06.2026
Adventure-Motorrad mit grobstolligem Dual-Sport-Reifen auf einem Schotterweg am Waldrand (KI-generiert, OpenAI)
Adventure-Motorrad mit grobstolligem Dual-Sport-Reifen auf einem Schotterweg am Waldrand (KI-generiert, OpenAI)

Enduro- und Adventure-Reifen: Straße und Gelände richtig abwägen

Schotterpiste am Alpenpass, Waldweg im Erzgebirge oder doch die tägliche Pendelstrecke über die Landstraße? Bei Reise-Enduros und Adventure-Bikes entscheidet kaum etwas so stark über Sicherheit und Fahrspaß wie der richtige Reifen. Denn ein Profil, das im Gelände Halt gibt, kann auf nasser Straße zur Wackelpartie werden – und umgekehrt. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie das passende Verhältnis von Straße zu Gelände finden, worauf Sie bei der Straßenzulassung achten müssen und welche Reifentypen es gibt.

Faustregel: Wählen Sie den Reifen nach dem, was Sie wirklich fahren – nicht nach dem, was Sie sich vornehmen. Wer zu 90 % auf Asphalt unterwegs ist, braucht keinen grobstolligen Geländereifen.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie viel Straße, wie viel Gelände?

Hersteller geben für Enduro- und Adventure-Reifen meist ein Einsatzverhältnis an – etwa „90/10", „80/20", „50/50" oder „10/90". Die erste Zahl steht für den Straßenanteil, die zweite für das Gelände. Dieses Verhältnis ist Ihr wichtigster Wegweiser:

  • 90/10 bis 80/20 – straßenbetont: Der Reifen verhält sich fast wie ein Tourenreifen, fährt sich ruhig und leise, bietet auf festem Schotter aber genug Grip. Ideal für Reise-Enduros, die überwiegend auf Asphalt bewegt werden und nur gelegentlich auf den Forstweg abbiegen.
  • 50/50 – echte Allrounder: Die klassischen „Dual-Sport"-Reifen. Sie sind der beste Kompromiss für alle, die ihr Bike wirklich beidseitig nutzen – sicher auf der Straße, kletterfähig im leichten bis mittleren Gelände.
  • 20/80 bis 10/90 – geländebetont: Grobstolliges Profil mit großen Stollenabständen für Schlamm, Sand und losen Untergrund. Auf nassem Asphalt und bei höheren Geschwindigkeiten sind solche Reifen deutlich nervöser und der Bremsweg länger.
  • Reine Wettbewerbs-/Cross-Reifen: Maximaler Geländegrip – aber häufig ohne Straßenzulassung (siehe unten).

Je weiter Sie sich Richtung Gelände bewegen, desto mehr Kompromisse machen Sie auf der Straße: weniger Nassgrip, kürzere Laufleistung, mehr Abrollgeräusch. Wählen Sie deshalb ehrlich nach Ihrem tatsächlichen Streckenprofil.

Die Reifentypen im Überblick – mit konkreten Beispielen

Adventure-/Reise-Enduro (90/10–80/20)

Straßenbetonte Adventure-Reifen sind die richtige Wahl für große Reise-Enduros, die viele Autobahn- und Landstraßenkilometer abspulen. Sie bieten langen Geradeauslauf, gutes Nassverhalten und solide Laufleistung. Ein typischer Vertreter für die beliebte Hinterradgröße 150/70 R17:

Michelin Anakee Adventure 150/70R17 69V

Allround-Dual-Sport (50/50)

Der Klassiker unter den Reiseenduro-Reifen, wenn Straße und Schotter sich die Waage halten. Diese Reifen sind robust, oft mit kräftigem Stollenprofil und dennoch voll straßentauglich – beliebt auf Maschinen wie BMW GS, KTM Adventure oder Yamaha Ténéré. Zwei bewährte Beispiele:

Heidenau K 60 Scout 90/90-21 54T

Michelin Anakee Wild 140/80-18 70R

Tipp: Der Heidenau K 60 Scout ist als Variante mit M+S-Kennung erhältlich. Was das für den Winter bedeutet, lesen Sie weiter unten.

Geländebetont und Wettbewerb (10/90 / Cross)

Grobstollige Enduro- und Cross-Reifen kommen dort an ihre Stärke, wo es keinen Asphalt mehr gibt. Beachten Sie: Viele reine Wettbewerbsreifen tragen die Kennung NHS („Not for Highway Service") und sind nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen.

Bridgestone X 30 Cross medium 70/100-19 42M

Die ganze Auswahl finden Sie in unserer Kategorie Enduro- & Cross-Reifen; überwiegend straßentaugliche Modelle bündeln wir unter Motorradreifen für die Straße.

Straßenzulassung: Vorsicht bei „NHS" und fehlender E-Kennzeichnung

Gerade bei geländebetonten Reifen ist die Straßenzulassung der häufigste Stolperstein. Reifen für den öffentlichen Verkehr in Deutschland und der EU müssen nach der ECE-Regelung R75 genehmigt sein und tragen dafür eine E-Kennzeichnung (ein „E" mit Prüfziffer und mehrstelliger Nummer) sowie einen Geschwindigkeitsindex auf der Flanke.

  • Reifen mit der Kennung „NHS" (Not for Highway Service) fallen ausdrücklich nicht unter die ECE-R75 und dürfen nicht auf öffentlichen Straßen gefahren werden. Sie sind reine Sport-/Wettbewerbsreifen.
  • Fehlt die E-Kennzeichnung oder der Geschwindigkeitsindex, ist der Reifen für die Straße tabu – unabhängig davon, wie gut er im Gelände funktioniert.

Quelle: ECE-Regelung Nr. 75 (UNECE) sowie Hinweise des ADAC zu Motorradreifen.

Reifenfreigabe nicht vergessen

In Deutschland gilt eine Besonderheit, die viele übersehen: Welche Reifen Sie montieren dürfen, ist nicht beliebig. Maßgeblich sind die in der Zulassungsbescheinigung eingetragenen Reifen sowie die Reifenfreigaben des Fahrzeugherstellers. Ist ein Reifen weder eingetragen noch freigegeben, kann das bei der Hauptuntersuchung und im Schadensfall zum Problem werden – bis hin zum Verlust des Versicherungsschutzes.

Praktisch heißt das: Vor dem Kauf die Freigabeliste Ihres Motorrads (Hersteller-Website oder Reifenhersteller) prüfen oder eine Unbedenklichkeitsbescheinigung einholen. Mehr Grundlagen dazu finden Sie auch in unserem Ratgeber Motorradreifen richtig wählen.

Enduro-Reifen im Winter?

Ein häufiges Missverständnis: Die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO gilt für Motorräder nicht. Seit dem 1. Juni 2017 sind einspurige Kraftfahrzeuge – also Motorräder, Roller und Mofas – ausdrücklich von der Winterreifenpflicht ausgenommen (Quelle: ADAC, § 2 StVO).

Das bedeutet aber nicht, dass Sie bei Eis und Schnee bedenkenlos fahren sollten: Bei winterlichen Verhältnissen darf nur gefahren werden, wenn es unvermeidbar ist – und dann besonders vorsichtig. Die M+S-Kennung auf manchen Dual-Sport-Reifen (etwa beim Heidenau K 60 Scout M+S) verbessert die Traktion auf losem oder kaltem Untergrund, ersetzt aber keine winterspezifische Gummimischung. Für echte Wintertauglichkeit fehlt Motorradreifen in aller Regel das Alpine-Symbol (3PMSF). Im Zweifel gilt: Bei Schnee und Glätte bleibt das Bike besser stehen.

Praxis-Tipps für Enduro- und Adventure-Reifen

  1. Luftdruck anpassen: Auf der Straße den vom Hersteller vorgegebenen Druck fahren. Im Gelände senken viele Fahrer den Druck für mehr Grip ab – danach unbedingt wieder korrekt aufpumpen. Wie wichtig der richtige Druck ist, zeigt unser Ratgeber Reifendruck richtig einstellen.
  2. Schlauch oder schlauchlos: Speichenräder mit Schlauch (häufig bei Enduros) brauchen einen passenden, unbeschädigten Schlauch; achten Sie auf die richtige Größe und nehmen Sie auf Reisen Ersatz mit.
  3. Neue Reifen einfahren: Frische Stollenreifen erst behutsam einfahren – die Gummioberfläche und das Profil brauchen einige Kilometer, bis voller Grip anliegt.
  4. Profil und Alter prüfen: Gesetzliches Mindestprofil sind 1,6 mm (§ 36 StVZO). Grobstollige Reifen verschleißen auf der Straße schnell und ungleichmäßig – regelmäßig kontrollieren. Reifen altern zudem auch unbenutzt; das Herstelldatum (DOT-Nummer) im Blick behalten.
  5. Vorder- und Hinterreifen passend kombinieren: Mischen Sie keine grundverschiedenen Profile, sondern bleiben Sie möglichst beim freigegebenen Reifenpaar.

Fazit

Den „besten" Enduro-Reifen gibt es nicht – nur den besten für Ihr Streckenprofil. Klären Sie zuerst ehrlich Ihr Verhältnis von Straße zu Gelände, prüfen Sie dann Straßenzulassung (E-Kennzeichnung, kein „NHS") und Reifenfreigabe Ihres Motorrads. Wer überwiegend auf Asphalt unterwegs ist, fährt mit einem straßenbetonten Adventure-Reifen sicherer und entspannter; echte Schotter-Abenteurer greifen zum 50/50-Dual-Sport. Die passende Auswahl finden Sie in unserer Kategorie Enduro- & Cross-Reifen.

Häufige Fragen

Was bedeutet die Angabe 90/10 oder 50/50 bei Enduro-Reifen?

Die Zahlen geben das empfohlene Einsatzverhältnis an: Die erste Zahl steht für den Straßenanteil, die zweite für den Geländeanteil. „90/10" ist also stark straßenbetont, „50/50" ein echter Allrounder und „10/90" ein geländebetonter Reifen.

Darf ich grobstollige Enduro-Reifen auf der Straße fahren?

Nur, wenn der Reifen eine E-Kennzeichnung nach ECE-R75 und einen Geschwindigkeitsindex trägt und für Ihr Motorrad freigegeben ist. Reifen mit der Kennung „NHS" (Not for Highway Service) sind reine Wettbewerbsreifen und nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen.

Brauche ich für mein Motorrad im Winter spezielle Reifen?

Nein. Seit 1. Juni 2017 sind einspurige Kraftfahrzeuge von der situativen Winterreifenpflicht ausgenommen (§ 2 StVO). Bei winterlichen Verhältnissen sollten Sie aber nur fahren, wenn es unvermeidbar ist – Motorradreifen tragen in der Regel kein Alpine-Symbol und sind für Schnee und Eis nicht gemacht.

Was ist eine Reifenfreigabe und warum ist sie wichtig?

Die Reifenfreigabe legt fest, welche Reifen der Fahrzeughersteller für Ihr Modell zulässt. Maßgeblich sind die Eintragungen in der Zulassungsbescheinigung und die Herstellerfreigaben. Ohne passende Freigabe drohen Probleme bei der Hauptuntersuchung und im Schadensfall.

Welcher Reifen passt für eine Reise-Enduro, die fast nur auf der Straße läuft?

Ein straßenbetonter Adventure-Reifen im Bereich 90/10 bis 80/20. Er bietet ruhigen Geradeauslauf, gutes Nassverhalten und gute Laufleistung, kommt aber bei Bedarf auch mit festem Schotter zurecht.

Schlagwörter: Enduro Adventure-Reifen Motorradreifen Reifenfreigabe Straßenzulassung Reiseenduro

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