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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

Reifenmarkt-Wochenrückblick KW 34/2026: All-Terrain für den Camper, Check24 bei Vergölst und ein geborstenes Rad

· 10 Min. Lesezeit
Weißer Kastenwagen mit Geländeprofil auf einem Schotterweg (KI-generiert, OpenAI)
Weißer Kastenwagen mit Geländeprofil auf einem Schotterweg (KI-generiert, OpenAI)

Die vergangene Woche (KW 34, 17. bis 23. August 2026) war im Reifengeschäft eine ruhige, aber ungewöhnlich vielseitige Woche: Am Wochenende meldete die Fachpresse gar nichts mehr, dafür verteilten sich von Montag bis Freitag Nachrichten aus fünf ganz unterschiedlichen Ecken der Branche. Am greifbarsten für Autofahrerinnen und Autofahrer ist eine Größenankündigung, die auf den ersten Blick technisch klingt und für Kastenwagen- und Reisemobilfahrer trotzdem eine echte Lücke schließt. Dazu kommen eine neue Vertriebspartnerschaft zwischen einem Vergleichsportal und einer Werkstattkette, ein Rennstreckenreifen mit prominentem Erstausrüstungspartner, ein rätselhafter Schadensfall aus einer badischen Werkstatt und mehrere Meldungen aus dem Zuliefer- und Kreislaufgeschäft. Wir ordnen die Woche ein – jeder Punkt ist über die verlinkte Quelle belegt.

Ein All-Terrain-Reifen für den Kastenwagen: General Tire kündigt die Camper-Größe an

Die für Endkunden greifbarste Meldung der Woche kam am Freitag aus Hannover. Der Grabber AT3Plus der Continental-Marke General Tire, der im Juni auf der Leitmesse The Tire Cologne in Köln seine Weltpremiere gefeiert hatte, bekommt eine Ausführung für Transporter und Reisemobile: Ab Oktober ist der All-Terrain-Reifen auch in der Dimension 235/65 R16 C 121/119R erhältlich. Continental nennt als Zielgruppe ausdrücklich die wachsende Camper-Gemeinde und begründet den Schritt damit, dass diese Größe bei vielen Kastenwagen und Reisemobilen serienmäßig montiert wird. Für die neue Generation nennt der Hersteller eine verbesserte Traktion auf Schnee, einen optimierten Nassgriff und robuste Geländetauglichkeit (Reifenpresse.de zum General Tire Grabber AT3Plus, 21.08.2026).

Ein Blick ins eigene Regal zeigt, warum das mehr als eine Randnotiz ist. In der Größe 235/65 R16 sind bei uns derzeit 294 Ausführungen von 70 Marken und 202 unterschiedlichen Profilen lieferbar (Stand: 24. August 2026); die Preise reichen von 59,70 bis 306,80 Euro, der mittlere Preis liegt bei 122,20 Euro. Die Größe ist also alles andere als exotisch – 293 der 294 Ausführungen tragen die C-Kennung, sind also für die höheren Achslasten von Transportern und Reisemobilen ausgelegt. Und trotzdem findet sich in dieser großen Auswahl genau ein einziges echtes All-Terrain-Profil: der bisherige General Grabber AT3 – ausgerechnet in der einen Ausführung, die keine C-Kennung trägt. Wer heute einen Kastenwagen auf C-Reifen bewegt und ein grobstolliges Profil möchte, steht in dieser Dimension vor einer leeren Regalreihe. Genau diese Lücke soll die Ankündigung schließen.

Was es dagegen längst gibt, sind Ganzjahresreifen, die eigens auf Reisemobile zugeschnitten sind. Drei Beispiele aus unserem Sortiment, jeweils zum tagesaktuellen Preis:

Ein Hinweis zur Einordnung, weil das erfahrungsgemäß für Verwirrung sorgt: Das C hinter der Zollangabe ist keine Ausstattungsvariante, sondern eine Bauartkennzeichnung mit eigener Tragfähigkeitsberechnung – warum dahinter oft zwei Lastindizes wie 121/119 stehen, erklärt unser Ratgeber zur C-Kennung und zum doppelten Lastindex. Welche Modelle in dieser Dimension sonst noch infrage kommen, haben wir in der Kaufberatung für Transporterreifen in 235/65 R16 C zusammengetragen; die vollständige Auswahl steht auf der Größenseite 235/65 R16. Was der Reifen selbst kann, hatten wir nach seiner Messepremiere in unserer Vorstellung des General Tire Grabber AT³ Plus beschrieben. Sobald der Hersteller die C-Größe tatsächlich ausliefert, nehmen wir sie ins Sortiment auf.

Check24 und Vergölst: Online kaufen, in der Filiale montieren lassen

Zum Wochenauftakt wurde eine Vertriebspartnerschaft bekannt, die den Reifenkauf im Netz und die Werkstatt vor Ort enger verzahnt. Die zum Continental-Konzern gehörende Werkstattkette Vergölst und das Vergleichsportal Check24 haben eine als strategisch bezeichnete Partnerschaft geschlossen: Wer seine Reifen über das Portal kauft, kann ab September Vergölst direkt als Servicepartner für die Montage auswählen. Beide Seiten sprechen davon, digitale und stationäre Kompetenz zu bündeln und den Reifenkauf samt Service komfortabler zu machen (Reifenpresse.de zur Partnerschaft von Check24 und Vergölst, 17.08.2026).

Für Käufer ist daran vor allem eines interessant: Der Engpass beim Onlinekauf ist längst nicht mehr der Reifen, sondern der Termin. Wer im Oktober oder November Winterreifen bestellt, bekommt die Ware in der Regel binnen weniger Tage – schwieriger wird es, in der Hochsaison kurzfristig einen Montageplatz zu finden. Genau deshalb lohnt es sich, den Werkstatttermin gleich beim Kauf mitzudenken, statt erst nach der Lieferung zu telefonieren. Der Weg ist bei uns derselbe: Über unsere Suche nach Montagepartnern in Ihrer Nähe finden Sie Betriebe, die online gekaufte Reifen aufziehen, wuchten und montieren. Womit Sie beim Termin rechnen müssen und welche Posten neben dem reinen Aufziehen anfallen – Wuchten, Ventil, Altreifenentsorgung, gegebenenfalls das Anlernen der RDKS-Sensoren –, beschreibt unser Ratgeber zu Ablauf und Kosten der Reifenmontage.

Einordnen sollte man solche Kooperationen nüchtern: Sie machen einen Vertriebsweg bequemer, sagen aber nichts über Preis oder Qualität der Montage aus. Entscheidend bleibt, ob der Betrieb in vertretbarer Entfernung liegt, kurzfristig Termine hat und den Radsatz fachgerecht behandelt – Drehmoment nach Herstellervorgabe, Nachziehen nach den ersten Kilometern, saubere Auflageflächen an der Nabe.

Ein Semi-Slick für Lamborghini – und erste Winter-Signale im Handel

Bridgestone hat am Dienstag den Potenza Race R vorgestellt. Der Semi-Slick für die Rennstrecke feierte seine Premiere beim Motorsport-Treffen „The Quail – A Motorsports Gathering“ im kalifornischen Carmel Valley, gemeinsam mit dem ebenfalls neuen Lamborghini Revuelto SV. Für den Supersportwagen hat Bridgestone nach eigenen Angaben eine maßgeschneiderte Variante des Trackday-Reifens entwickelt (Reifenpresse.de zum Bridgestone Potenza Race R, 18.08.2026). Größen, Preise und ein Termin für den deutschen Handel wurden dabei nicht genannt; wir tragen die Angaben nach, sobald der Hersteller sie veröffentlicht.

Für die allermeisten Leser ist das eine Nachricht zum Zurücklehnen, keine Kaufoption – und das ist ausdrücklich kein Nachteil. Semislicks sind auf trockene Rundenzeiten bei hohen Reifentemperaturen ausgelegt. Auf nasser oder kalter Straße, im Stadtverkehr und über eine ganze Saison betrachtet sind sie einem guten Straßenreifen unterlegen, und ihr Verschleiß liegt um ein Vielfaches höher. Wo genau die Grenzen zwischen sportlichem Straßenreifen und Rennstreckengummi verlaufen, haben wir im Ratgeber zum Unterschied zwischen UHP-Reifen und Semislicks auseinandergenommen.

Deutlich alltagsnäher war eine zweite Meldung vom selben Tag: Im Räderhandel beginnt die Umrüstsaison. Die Ronal-Group hat einen „End of Summer Sale“ gestartet und gewährt dem Fachhandel bis einschließlich 31. August 2026 fünf Prozent Zusatzrabatt auf alle Ausführungen und Größen der Winterdesigns R73, R55 und R56 (Reifenpresse.de zur Ronal-Rabattaktion, 18.08.2026). Das ist eine reine Händlerkondition und kein Endkundenrabatt – als Signal taugt sie trotzdem: Der Handel disponiert die Winterware jetzt, im Spätsommer. Für Sie heißt das vor allem, dass die Auswahl derzeit vollständig ist, während im Oktober regelmäßig zuerst die gängigen Größen knapp werden. Warum sich der frühe Zugriff rechnet, steht in unserem Beitrag dazu, warum sich der Winterreifenkauf im Sommer lohnt.

Wenn nicht der Reifen platzt, sondern das Rad

Der ungewöhnlichste Fall der Woche kam aus Bruchsal. Ein dort seit über 40 Jahren tätiger Reifenhändler schilderte der Fachpresse einen Vorgang, den er in seinem Berufsleben so noch nicht erlebt hat: Am 1. Juli reparierte sein Betrieb einen Reifen nach einer gewöhnlichen Stichverletzung – Routine. Beim anschließenden Befüllen zerbarst dann jedoch nicht der Reifen, sondern das Rad, auf dem er montiert war (Reifenpresse.de zum geborstenen Porsche-Rad, 18.08.2026). Die Ursache ist bislang nicht geklärt, und die Beteiligten selbst stellen die Frage offen in den Raum. Wir berichten den Fall deshalb genau so, wie er dokumentiert ist – als Einzelfall mit offener Ursache, ohne Schuldzuweisung an Fahrzeug-, Rad- oder Reifenhersteller.

Zwei sachliche Punkte lassen sich daraus trotzdem mitnehmen. Der erste betrifft die Werkstatt: Das Befüllen eines Rades ist der Arbeitsschritt mit der höchsten gespeicherten Energie. Fachbetriebe füllen deshalb im Füllkäfig oder hinter einer Schutzeinrichtung – eine Vorsichtsmaßnahme, die im Alltag oft nach Übertreibung aussieht und in Fällen wie diesem ihren Sinn zeigt. Der zweite betrifft das Rad selbst: Räder sind hoch belastete Sicherheitsbauteile, die durch Bordsteinkontakt, Schlaglöcher, Korrosion oder unsachgemäße Montage Vorschäden davontragen können, die man von außen nicht zwangsläufig sieht. Wer nach einem harten Schlag ein Vibrieren, einen schleichenden Druckverlust oder einen sichtbaren Schlag im Rundlauf bemerkt, sollte das Rad prüfen lassen, statt es nur nachzufüllen.

Wie eng Reifen und Felge im Betrieb tatsächlich zusammenarbeiten – und warum der Reifen überhaupt auf dem Rad bleibt, obwohl er weder verschraubt noch verklebt ist –, erklärt unser technischer Ratgeber zu Tiefbett, Felgenhorn und Hump.

Kurz notiert: Runderneuerung, Stahlräder und Zahlen aus den Bilanzen

Die Runderneuerung soll wieder mehr Gewicht bekommen. 15 Vertreter der Runderneuerungsbranche aus dem AZuR-Netzwerk haben sich beim Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie in Frankfurt getroffen und die Gründung von drei Projektgruppen vereinbart. Ziel ist es, die Runderneuerung von Nutzfahrzeugreifen wieder stärker im Markt zu verankern; als Argumente nennt das Netzwerk die längere Nutzungsdauer hochwertiger Karkassen, wirtschaftliche Vorteile für Flottenbetreiber sowie geringeren Ressourcenverbrauch und niedrigere CO2-Emissionen (Reifenpresse.de zu den AZuR-Projektgruppen, 21.08.2026). Für Pkw-Fahrer spielt die Runderneuerung in Deutschland kaum eine Rolle, im Lkw-Bereich dagegen sehr wohl – wie das Verfahren funktioniert und wo seine Grenzen liegen, beschreibt unser Ratgeber dazu, wie runderneuerte Reifen entstehen.

Ein Zulieferer rückt näher an die Radfertigung. Der Osnabrücker Großhändler Bohnenkamp, spezialisiert auf Landwirtschaft, Erdbewegung und Nutzfahrzeuge, hat sich am niederländischen Hersteller Molcon beteiligt, der in Heinkenszand maßgefertigte Stahlfelgen und Räder produziert. Beide Unternehmen arbeiten seit Mai zusammen; die Beteiligung vertieft diese Kooperation nun (Reifenpresse.de zum Einstieg von Bohnenkamp bei Molcon, 19.08.2026). Das betrifft Spezialräder für Landmaschinen und Nutzfahrzeuge, nicht den Pkw-Radsatz – dass Stahlräder aber auch am Auto handfeste Vorzüge haben, steht in unserem Überblick zu Vor- und Nachteilen von Stahlfelgen.

Und schließlich die Zahlen. Der indische Hersteller JK Tyre meldete stabile Umsätze bei sinkenden Erträgen und Margen (Reifenpresse.de zur JK-Tyre-Bilanz, 17.08.2026) – hierzulande ist das Unternehmen relevant, seit es in Europa mit einem eigenen Sortiment antritt, das wir bei JK Tyres Marktstart in Europa beschrieben haben. Die chinesische Zhongce Rubber Group büßte leicht an Profitabilität ein, verbesserte aber ihr Ergebnis (Reifenpresse.de zur Zhongce-Bilanz, 20.08.2026), und der Teile-Plattformbetreiber Autodoc steigerte seine bereinigte EBITDA-Marge auf 9,2 Prozent (Reifenpresse.de zur Autodoc-Halbjahresbilanz, 18.08.2026). Aus dem Sponsoring kam die Meldung, dass Hankook und Borussia Dortmund ihre inzwischen 17 Jahre währende Partnerschaft verlängern (Reifenpresse.de zur Hankook-BVB-Verlängerung, 19.08.2026).

Fazit: KW 34 brachte keine große Schlagzeile, aber eine bemerkenswert konkrete Nachricht für eine oft übersehene Gruppe – Kastenwagen- und Reisemobilfahrer, die bislang unter 202 Profilen in ihrer Größe kein einziges grobstolliges finden. Ansonsten zeigt die Woche vor allem, dass die Umrüstsaison begonnen hat: im Räderhandel an den Konditionen, im Reifenhandel an der Terminlage. Wer im Herbst ohnehin neue Räder braucht, sichert sich jetzt den entspannteren Teil des Jahres. Den Blick auf die Vorwoche finden Sie im Rückblick auf KW 33.

Häufige Fragen

Ab wann ist der General Tire Grabber AT3Plus in der Transportergröße lieferbar?

Continental nennt Oktober 2026 als Starttermin für die Dimension 235/65 R16 C 121/119R. Ein genaues Datum, Preise und weitere C-Größen hat der Hersteller bislang nicht mitgeteilt. Sobald der Reifen tatsächlich ausgeliefert wird, nehmen wir ihn in unser Sortiment auf.

Darf ich einen Reifen ohne C-Kennung auf meinem Kastenwagen fahren?

Nur, wenn er die vom Fahrzeughersteller vorgeschriebene Tragfähigkeit erreicht. Maßgeblich sind Lastindex und Geschwindigkeitsindex aus den Fahrzeugpapieren beziehungsweise der Reifenfreigabe – nicht die Größe allein. Im Zweifel klären Sie das vor dem Kauf mit Ihrer Werkstatt oder anhand der Fahrzeugpapiere.

Sind Trackday-Reifen wie der Potenza Race R für den Alltag geeignet?

Nein. Semislicks brauchen hohe Temperaturen, um zu funktionieren, verschleißen schnell und verlieren bei Nässe und Kälte deutlich an Sicherheit. Für den Straßenbetrieb ist ein guter Sommer- oder Ganzjahresreifen die klar bessere Wahl.

Schlagwörter: Wochenrückblick Reifenmarkt Branche & Markt General Tire Transporterreifen Reisemobil

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