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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

Reifenmarkt-Wochenrückblick KW 33/2026: Allwetter plus 15 Prozent, Sommer und Winter im Minus

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 18.08.2026
Ganzjahresreifen vor gefüllten Regalen in einem Reifenlager (KI-generiert, OpenAI)
Ganzjahresreifen vor gefüllten Regalen in einem Reifenlager (KI-generiert, OpenAI)

Die zurückliegende Woche (KW 33, 10. bis 16. August 2026) war im Reifengeschäft eine Woche der Zahlen: Produktneuheiten gab es kaum, dafür legten gleich mehrere Hersteller ihre Halbjahresbilanzen vor, und der europäische Herstellerverband veröffentlichte seine Quartalsauswertung zum Ersatzgeschäft. Für Autofahrerinnen und Autofahrer steckt darin eine bemerkenswerte Nachricht: Der europäische Reifenmarkt wächst wieder – aber der Zuwachs kommt praktisch vollständig aus einer einzigen Produktgruppe. Ganzjahresreifen legten im zweiten Quartal um 15 Prozent zu, während Sommer- und Winterreifen leicht verloren. Dazu kommen ein weiterer Schritt beim Eigentümerumbau von Pirelli, ein Kreislaufwirtschaftsprojekt in Nordrhein-Westfalen und ein ungewöhnlicher Neuzugang aus dem Motorsport. Wir ordnen die Woche ein – jeder Punkt ist über die verlinkte Quelle belegt.

Europas Ersatzmarkt wächst – fast nur über den Allwetterreifen

Die Zahlen kommen vom Verband der europäischen Reifenhersteller, Tyres Europe. Er wertet quartalsweise aus, wie viele Reifen seine Mitgliedsunternehmen in den europäischen Ersatzmarkt liefern – also in das Geschäft mit Nachkäufen abseits der Neuwagen-Erstausrüstung. Für das zweite Quartal 2026 meldet der Verband ein Plus von 3 Prozent bei Reifen für Pkw, SUV und leichte Nutzfahrzeuge; über das gesamte erste Halbjahr bleibt ein Zuwachs von 2 Prozent. Generalsekretär Adam McCarthy spricht von einer Nachfrage, die sich im zweiten Quartal spürbar gefestigt habe (Tyres Europe, 05.08.2026). Die deutsche Fachpresse griff die Auswertung in der vergangenen Woche auf und sah darin eine Bestätigung der bereits im ersten Quartal sichtbaren Erholung (Reifenpresse.de, 10.08.2026).

Interessant wird es beim Blick in die Untergruppen, denn dort verteilt sich das Wachstum alles andere als gleichmäßig. Ganzjahresreifen legten im zweiten Quartal um 15 Prozent zu, im Halbjahr um 9 Prozent. Sommerreifen gaben im Quartal um 2 Prozent nach, Winterreifen um 1 Prozent – und über das Halbjahr betrachtet liegt das Winterreifensegment sogar 5 Prozent im Minus. Anders gesagt: Das Plus des Gesamtmarkts entsteht nicht dadurch, dass mehr Reifen gekauft werden, sondern dadurch, dass sich die Käufe umschichten. Der Allwetterreifen nimmt beiden Spezialisten Anteile ab.

Außerhalb des Pkw-Bereichs fiel das Bild uneinheitlich aus: Reifen für Lkw und Busse wuchsen im zweiten Quartal um 13 Prozent und im Halbjahr um 7 Prozent, Motorrad- und Rollerreifen legten um 1 Prozent im Quartal und 4 Prozent im Halbjahr zu, während Landwirtschaftsreifen um 7 Prozent zurückgingen. Eine Einordnung ist dabei wichtig: Verbandszahlen erfassen die Auslieferungen der Mitgliedshersteller an den Handel, nicht die Verkäufe an Endkunden. Sie zeigen also zuverlässig einen Trend, sind aber kein direkter Kassenzettel des Verbrauchers – und sie umfassen nur die Mitgliedsunternehmen, nicht jeden Anbieter am Markt.

Was der Allwetter-Trend für Ihre nächste Reifenwahl bedeutet

Ein Marktanteil ist keine Kaufempfehlung. Dass Ganzjahresreifen zweistellig wachsen, belegt zunächst nur, dass viele Autofahrer den Wechsel zweimal im Jahr, die Einlagerung und den zweiten Radsatz vermeiden möchten. Ob das im Einzelfall die bessere Wahl ist, entscheidet weiterhin das Fahrprofil. Wer überwiegend in milden Regionen unterwegs ist, moderate Jahresfahrleistungen hat und im Winter nicht regelmäßig auf Schnee angewiesen ist, fährt mit einem guten Allwetterreifen komfortabel und meist auch günstiger. Wer dagegen häufig im Bergland unterwegs ist, viele Autobahnkilometer sammelt oder ein schweres, stark motorisiertes Fahrzeug bewegt, verliert an den Extremen spürbar: Der Kompromissreifen erreicht weder die Nasswerte der besten Sommerreifen noch die Schneetraktion der besten Winterreifen. Warum der Trend trotzdem anhält, haben wir in einer eigenen Marktanalyse dazu aufgeschrieben, warum immer mehr Autofahrer auf Allwetter setzen; ob sich das im konkreten Fall rechnet, klärt der Kostenvergleich Ganzjahresreifen oder zwei Sätze.

Achten Sie auf das Alpine-Symbol und auf die Restprofiltiefe. Ein Ganzjahresreifen zählt in Deutschland nur dann als wintertauglich, wenn er das Schneeflockensymbol im Bergpiktogramm trägt; die bloße Kennzeichnung „M+S“ reicht bei neueren Reifen nicht mehr aus. Und weil derselbe Reifen im Sommer wie im Winter abrollt, altert er schneller in Richtung der kritischen Wintergrenze – ausführlich beschreibt das unser Ratgeber dazu, wie lange Ganzjahresreifen im Winter sicher bleiben.

Wie groß die Auswahl inzwischen ist, zeigt ein Blick ins eigene Regal: Unter Ganzjahresreifen für Pkw sind bei uns 8.388 Ausführungen lieferbar (Stand: 17. August 2026). Die Spannweite reicht vom Premium-Modell bis zum Einstiegsreifen – drei Beispiele in gängigen Größen, jeweils zum tagesaktuellen Preis unseres Shops:

Halbjahresbilanzen: Die Branche verdient wieder – aber sehr ungleich

Der zweite große Zahlenblock der Woche kam aus den Konzernzentralen. Am deutlichsten fiel das Ergebnis von Hankook aus: Der koreanische Hersteller steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal nach Angaben der Fachpresse um 11,8 Prozent auf 2,81 Billionen Won (rund 1,7 Milliarden Euro) und erreichte eine operative Marge von 17,2 Prozent (Reifenpresse.de zum Hankook-Quartalsbericht, 12.08.2026). Auch Yokohama rückte in dieser Woche in die Spitzengruppe der profitabelsten Reifenunternehmen auf (Reifenpresse.de zur Yokohama-Bilanz, 11.08.2026).

Es gab aber auch die andere Seite: Toyo büßte bei der Profitabilität weiter ein, und Apollo Tyres – in Europa vor allem über die Marke Vredestein präsent – verlor nach dem Bericht der Fachpresse einen Großteil seines europäischen Betriebsergebnisses (Reifenpresse.de zum Apollo-Europageschäft, 11.08.2026). Parallel stellte Apollo seine Vertriebsstruktur für Deutschland, die Schweiz und Dänemark neu auf und trennt den Pkw-Reifenvertrieb künftig nach Autohaus- und Reifenhandelskanal. Im Onlinehandel meldete Delticom für das Halbjahr ein Margenplus bei fortgesetztem Fokus auf Profitabilität.

Was heißt das für die Preise? Vorsicht ist bei einfachen Schlüssen angebracht: Hohe Konzernmargen bedeuten nicht automatisch steigende Ladenpreise, und ein schwaches Europageschäft führt nicht automatisch zu Rabatten. Was sich aus solchen Bilanzen aber ablesen lässt: Die Hersteller stehen aktuell nicht unter dem Zwang, Ware um jeden Preis in den Markt zu drücken. Wer im Herbst Winter- oder Ganzjahresreifen braucht, sollte deshalb eher früh als spät kaufen – die Bevorratung des Handels beginnt regelmäßig im Spätsommer, und die attraktivsten Größen sind erfahrungsgemäß zuerst knapp.

Pirelli: Sinochem baut die Beteiligung weiter ab

Der Eigentümerumbau bei Pirelli ging in dieser Woche in die nächste Runde. Der chinesische Staatskonzern Sinochem hatte seinen Anteil an dem Mailänder Hersteller vor wenigen Wochen bereits von 34,1 auf 20,1 Prozent gesenkt; damit wurde Marco Tronchetti Provera mit 26,5 Prozent wieder größter Einzelaktionär, der seinen Anteil Berichten zufolge auf 29,9 Prozent ausbauen möchte. In der vergangenen Woche berichtete die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“, Sinochem könne sich vollständig zurückziehen oder die Beteiligung zumindest auf zehn Prozent verringern – ein Schritt, der dem Konzern bis zu 1,7 Milliarden Euro einbringen würde (Reifenpresse.de, 13.08.2026).

Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um einen Bericht über mögliche weitere Verkäufe, nicht um eine vollzogene Transaktion, und Aussagen zu Werken, Modellpolitik oder Lieferfähigkeit sind damit nicht verbunden. Für Reifenkäufer ändert sich zunächst nichts. Die Vorgeschichte dieses Umbaus hatten wir bereits im Rückblick auf KW 31 beschrieben; wofür die Marke technisch steht, fasst unser Porträt der Marke Pirelli zusammen.

Kurz notiert: Kreislaufwirtschaft, ein Trackday-Reifen für die Straße und die IAA

Kreislaufwirtschaft in Nordrhein-Westfalen: Fünf Unternehmen der Reifenbranche – Gummi Berger, Reifen-Gruppe Ruhr, Detection-X, Bear-Machines und das Reifenhaus Caspar Wrede – haben sich zum Projekt „ReKuWi – Reifenkreislaufwirtschaft NRW“ zusammengeschlossen. Über 24 Monate soll ein durchgängiger Kreislauf aus zertifizierter Altreifenrücknahme, Runderneuerung, Nachprofilierung, Gebrauchtreifenverkauf und fachgerechter Verwertung entstehen; gefördert wird das Vorhaben aus dem EFRE/JTF-Programm NRW 2021–2027, koordiniert von der CGW-Agentur in Willich (Reifenpresse.de zum ReKuWi-Projekt, 11.08.2026). Was heute mit ausgedienten Reifen geschieht und welche Kosten dabei anfallen, erklärt unser Ratgeber dazu, was mit Altreifen passiert.

Ein Motorsportreifen wird straßentauglich: Hoosier Racing Tire, seit 2016 eine Tochter von Continental, hat mit dem Track Attack Pro seinen ersten straßenzugelassenen Reifen für Europa vorgestellt – präsentiert wurde er im Racepark Meppen (Reifenpresse.de zum Hoosier Track Attack Pro, 12.08.2026). Bislang bot die Marke in Europa ausschließlich Wettbewerbsreifen ohne Straßenzulassung an. Größen, Preise und ein genauer Markteinführungstermin wurden öffentlich noch nicht mitgeteilt; wir tragen die Angaben nach, sobald der Hersteller sie veröffentlicht. Einordnen sollte man solche Reifen ohnehin nüchtern: Trackday-Semislicks sind auf trockene Rundenzeiten ausgelegt und im Alltag – besonders bei Nässe und Kälte – kein Ersatz für einen normalen Straßenreifen.

Termin für den Herbst: Mehrere Hersteller kündigten in dieser Woche ihre Auftritte auf der IAA Transportation an, die vom 15. bis 20. September 2026 in Hannover stattfindet (Pressetag: 14. September). Die Messe dreht sich um Nutzfahrzeuge und Logistik und ist damit kein Verbraucherereignis – für den Reifenmarkt ist sie dennoch relevant, weil dort traditionell Technik gezeigt wird, die Jahre später auch im Pkw-Segment ankommt. Das Programm steht auf der offiziellen Seite der IAA Transportation bereit.

Fazit: KW 33 war eine ruhige Nachrichtenwoche mit einer klaren Botschaft. Der Reifenmarkt erholt sich, aber er verschiebt sich zugleich – zugunsten des Allwetterreifens und zulasten der beiden Spezialisten. Wer im Herbst ohnehin neue Räder braucht, hat damit eine gute Gelegenheit, die eigene Strategie einmal grundsätzlich zu prüfen, statt sie nur fortzuschreiben.

Häufige Fragen

Woher stammen die genannten Marktzahlen?

Sie stammen aus der Quartalsauswertung von Tyres Europe, dem Verband der europäischen Reifenhersteller, veröffentlicht am 5. August 2026 für das zweite Quartal. Erfasst werden die Lieferungen der Mitgliedsunternehmen in den europäischen Ersatzmarkt.

Werden Reifen teurer, weil die Hersteller höhere Margen melden?

Das lässt sich daraus nicht ableiten. Ladenpreise entstehen aus Wettbewerb, Bevorratung und Größenverfügbarkeit. Hohe Margen zeigen aber, dass derzeit kein Druck besteht, Bestände über den Preis abzubauen.

Sind Ganzjahresreifen im Winter in Deutschland zugelassen?

Ja, sofern sie das Alpine-Symbol (Schneeflocke im Bergpiktogramm) tragen. Bei winterlichen Straßenverhältnissen gilt die situative Winterreifenpflicht, und reine „M+S“-Kennzeichnungen genügen bei neueren Reifen dafür nicht mehr.

Schlagwörter: Wochenrückblick Reifenmarkt Branche & Markt Ganzjahresreifen Marktzahlen Pirelli

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