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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

Reifenmarkt-Wochenrückblick KW 31/2026: Kaufhilfen, Allwetter-Boom und Pirellis China-Ausstieg

· 6 Min. Lesezeit
Kunde vergleicht mehrere Pkw-Reifen in einem hellen Reifengeschäft (KI-generiert, OpenAI)
Kunde vergleicht mehrere Pkw-Reifen in einem hellen Reifengeschäft (KI-generiert, OpenAI)

In der zurückliegenden Woche (KW 31, 27. Juli bis 2. August 2026) drehte sich im deutschen Reifenmarkt vieles um eine einzige Frage: Wie finden Verbraucher den richtigen Reifen — und wer kontrolliert künftig einen der großen Hersteller? Der Nachrichtenstrom blieb sommertypisch ruhig und kam überwiegend aus Fachhandel, Verbänden und den Halbjahresbilanzen der Konzerne. Für Reifenkäufer sind daraus vier Punkte aufschlussreich: eine neue Online-Kaufhilfe, der weiter steigende Marktanteil der Ganzjahresreifen, ein kräftig wachsender Motorradmarkt mitten in der Saison und ein Eigentümerwechsel bei Pirelli. Wir fassen die Woche kompakt zusammen — jeder Punkt ist über die verlinkte Quelle belegt.

Check24 zeigt Reifen-Stärken jetzt als Spinnendiagramm

Ein weiteres Werkzeug für die Kaufentscheidung im Netz. Das Vergleichsportal Check24 zeigt Reifenkäufern künftig neben den gewohnten Sternebewertungen auch sogenannte Stärken-Schwächen-Profile einzelner Reifenmodelle — dargestellt als Netz- beziehungsweise Spinnendiagramm, das aus Kundenbefragungen entsteht (Reifenpresse.de, 29.07.2026). Ein Reifen wird darin über mehrere Eigenschaften hinweg bewertet, sodass auf einen Blick sichtbar wird, wo ein Modell seine Stärken hat und wo es Kompromisse eingeht.

Grundsätzlich ist jede zusätzliche Orientierung beim Online-Kauf zu begrüßen. Wichtig ist aber, einzuordnen, was solche Profile leisten — und was nicht. Ein aus Kundenbefragungen gespeistes Diagramm bildet subjektive Eindrücke ab: Es zeigt, wie zufrieden Käuferinnen und Käufer mit einem Reifen im Alltag waren, hängt aber von der Zahl und Ehrlichkeit der Rückmeldungen ab und ist immer eine Momentaufnahme. Die objektive Grundlage für die Reifenwahl bleibt daher zweigeteilt: Das gesetzlich vorgeschriebene EU-Reifenlabel liefert nach einheitlichem Prüfverfahren gemessene Werte zu Nasshaftung, Kraftstoffeffizienz und Rollgeräusch, während unabhängige Tests von ADAC oder Stiftung Warentest zusätzlich Brems- und Fahrverhalten unter kontrollierten Bedingungen erfassen. Am aussagekräftigsten ist die Kombination: Labelwerte und Testergebnisse als harte Basis, Kundenmeinungen als Ergänzung. Wie Sie ein Reifenlabel richtig lesen, erklären wir Ihnen auf unserer Übersicht zum EU-Reifenlabel; warum die Nasshaftung im Reifenlabel dabei die wichtigste Kennziffer ist und worin sich Reifenlabel und unabhängiger Test unterscheiden, vertiefen zwei eigene Ratgeber.

Ganzjahresreifen bleiben auf Wachstumskurs

Der Allwetterreifen wächst weiter — der Sommer 2026 bestätigt den Trend. Nach den Zahlen des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) zum Reifenersatzgeschäft sowie dem TyreSystem-Bevorratungsreport der RSU GmbH haben Ganzjahresreifen bei Pkw im Jahr 2025 bereits einen Marktanteil von gut 35 Prozent erreicht — 2022 waren es erst etwas mehr als 26 Prozent. Bei Reifen für Transporter und Geländewagen liegt der Anteil sogar noch höher, und die Fachpresse bestätigte Ende Juli, dass sich der Trend auch im ersten Halbjahr 2026 fortsetzt (Reifenpresse.de, 27.07.2026).

Für die Kaufentscheidung heißt das: Der „Alleskönner" ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern eine ernsthafte Option — vor allem für Vielfahrer in milden Regionen mit geringer Winterhärte und moderater Jahresfahrleistung. Wer dagegen regelmäßig im Schnee unterwegs ist oder sportlich fährt, bleibt mit spezialisierten Sommer- und Winterreifen sicherer, weil der Kompromissreifen deren Bestwerte an den jeweiligen Extremen nicht ganz erreicht. Warum der Boom anhält und für wen sich Allwetter wirklich rechnet, haben wir im ausführlichen Ratgeber Ganzjahresreifen im Höhenflug aufbereitet. Passende Profile finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW.

Motorradsaison: Markt wächst, Metzeler schärft nach

Mitten in der Fahrsaison legt der europäische Motorradmarkt kräftig zu. Nach Angaben des Herstellerverbandes ACEM kamen von Januar bis Juni 2026 in den fünf größten europäischen Märkten — Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien — fast 637.000 Maschinen neu auf die Straße, ein Zuwachs von knapp 17 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Verbandsgeneralsekretär Antonio Perlot sprach von einer „anhaltenden Dynamik" (Reifenpresse.de, 27.07.2026). Mehr Motorräder auf der Straße bedeuten mehr Nachfrage nach Ersatzreifen — und damit im Herbst potenziell knappere Werkstatttermine in gängigen Dimensionen.

Passend dazu erläuterte die zu Pirelli gehörende Marke Metzeler den Unterschied ihrer beiden Sporttouren-Neuheiten: Der im vergangenen Herbst vorgestellte Sportec 01 richtet sich an sportlich orientierte Fahrer, die überwiegend auf der Straße unterwegs sind und auch bei wechselndem Wetter Vertrauen erwarten, während der Sportec 01 RS mit rennsportinspiriertem, direktem Feedback auf erfahrene Performance-Fans zielt (Reifenpresse.de, 31.07.2026). Wie sich Metzelers aktuelles Programm einordnet, lesen Sie im Beitrag Metzeler-Motorradreifen 2026; welcher Reifen zu welchem Fahrstil passt, klärt unser Vergleich der Sport-Touring-Reifen. Die volle Auswahl finden Sie in der Kategorie Motorradreifen.

Pirelli ohne China-Kontrolle – und gemischte Halbjahresbilanzen

Nach elf Jahren endet die chinesische Kontrolle über Pirelli. Der chinesische Staatskonzern Sinochem, seit 2015 bei Pirelli engagiert, hat 14 Prozent seiner Anteile verkauft und ist mit nun 20,1 Prozent nur noch zweitgrößter Aktionär. Größter Anteilseigner bleibt mit 26,2 Prozent die Beteiligungsgesellschaft Camfin von Executive Chairman Marco Tronchetti Provera. Käufer des Pakets ist der tschechische Unternehmer Michal Strnad, der dafür rund 987 Millionen Euro (6,50 Euro je Aktie) zahlte (Reifenpresse.de, 31.07.2026). Für Käufer ändert der Eigentümerwechsel unmittelbar nichts — Modelle, Produktion und Verfügbarkeit bleiben, wie sie sind; Pirelli-Reifen führen wir unverändert vom bewährten Pirelli P6000 bis zum aktuellen Programm, mehr dazu im Überblick zur Marke Pirelli.

Parallel legten mehrere Hersteller Halbjahres- und Quartalszahlen vor — mit uneinheitlichem Bild. Michelin steigerte seine Halbjahresprofitabilität trotz rückläufiger Umsätze in den drei Reifensparten von 11,1 auf 11,4 Prozent (Reifenpresse.de, 28.07.2026), Nokian Tyres sah sich mit seinen Zahlen auf Kurs (Reifenpresse.de, 29.07.2026), während bei Nexen Tire Erträge und Margen unter Druck standen (Reifenpresse.de, 30.07.2026). Für Verbraucher sind solche Bilanzen weniger ein Kaufsignal als ein Frühindikator: Hohe Rohstoffkosten und schwächere Umsätze schlagen mittelfristig auf die Preise im Regal durch.

Fazit

Die KW 31 war eine typische Sommerwoche, in der die kaufrelevanten Signale von den Verbrauchern selbst ausgingen. Der praktischste Punkt ist Check24s neue Kaufhilfe — nützlich, solange man Kundenprofile als Ergänzung und nicht als Ersatz für Reifenlabel und unabhängige Tests versteht. Der weiter steigende Ganzjahresreifen-Anteil zeigt, wie sehr sich das Kaufverhalten wandelt, und der um 17 Prozent gewachsene Motorradmarkt erinnert Zweiradfahrer daran, die Bereifung jetzt in der Hochsaison im Blick zu behalten. Pirellis Ausstieg aus der China-Kontrolle schließlich ist vor allem eine Nachricht für die Branche — am Produkt im Regal ändert sich nichts. Wer ohnehin auf der Suche ist, findet die passende Bereifung jederzeit in unseren Reifen für PKW.

Häufige Fragen

Woher stammen die Meldungen dieses Wochenrückblicks?

Alle Nachrichten stammen aus dem Berichtszeitraum vom 27. Juli bis 2. August 2026 und wurden dem Fachportal Reifenpresse.de (NEUE REIFENZEITUNG) entnommen; die jeweils zugrunde liegende Meldung ist im Text direkt verlinkt. Zahlen sind mit der erhebenden Stelle benannt — etwa dem Bundesverband Reifenhandel (BRV) oder dem Herstellerverband ACEM. Angaben, die sich nicht belegen lassen, nehmen wir grundsätzlich nicht auf.

Ersetzt ein Kundenprofil wie bei Check24 einen echten Reifentest?

Nein. Ein aus Kundenbefragungen entstehendes Stärken-Schwächen-Profil bildet subjektive Alltagseindrücke ab und ist eine Momentaufnahme. Das EU-Reifenlabel liefert dagegen nach einheitlichem Verfahren gemessene Werte, und unabhängige Tests prüfen Brems- und Fahrverhalten unter kontrollierten Bedingungen. Am besten nutzen Sie beide Quellen zusammen — die harten Messwerte als Basis, die Kundenmeinungen als Ergänzung.

Schlagwörter: Wochenrückblick Reifenmarkt Branche & Markt Check24 Ganzjahresreifen Pirelli

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