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Branche & Markt – Ratgeber im Magazin

Sentury baut sein fünftes Werk – und derselbe Reifen steht bei uns zweimal im Regal

· 10 Min. Lesezeit · von Reifentiefpreis · Aktualisiert am 13.10.2026
Reifenflanke mit Schriftzug Sentury (Foto: TaurusEmerald, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)
Reifenflanke mit Schriftzug Sentury (Foto: TaurusEmerald, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons)

Der chinesische Reifenhersteller Qingdao Sentury Tire will in der Türkei ein neues Werk bauen. Für sich genommen ist das eine Meldung aus der Branchenrubrik — für Reifenkäufer in Deutschland wird sie interessant, sobald man weiß, dass derselbe Hersteller in unserem Regal unter drei verschiedenen Markennamen steht. Wir haben die Nachricht zum Anlass genommen, alle 693 lieferbaren Ausführungen dieser Marken auszuzählen. Dabei ist uns ein Reifen aufgefallen, den es mehrfach gibt — mit demselben Namen, derselben Größe, demselben EU-Etikett und einem Preisunterschied von 173 Euro.

Was Sentury in der Türkei plant

Qingdao Sentury Tire hat eine Machbarkeitsstudie für den Neubau eines Reifenwerks in der Türkei veröffentlicht. Geplant sind nach diesen Angaben Kapazitäten für jährlich sieben Millionen Radialreifen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge; investiert werden sollen gut 270 Millionen US-Dollar, was beim derzeitigen Wechselkurs rund 240 Millionen Euro entspricht. Realisieren möchte das Unternehmen den Standort gemeinsam mit der türkischen Tatko-Gruppe, einem Mehrmarkenreifenhändler und Serviceunternehmen, das als Minderheitsgesellschafter mit knapp zehn Prozent beteiligt sein soll. Das berichtet die Fachzeitschrift NEUE REIFENZEITUNG in ihrer Meldung zu den Werksplänen in der Türkei.

Wo genau gebaut wird, steht noch nicht fest. „Der genaue Standort ist noch nicht final entschieden“, wird Thomas Becker, OE Sales Director bei Sentury Tire, in dem Bericht zitiert. Mit den Bauarbeiten rechnet das Unternehmen demnach im kommenden Jahr. Es wäre die fünfte Reifenfabrik des Anbieters: Neben dem Stammwerk in Qingdao betreibt Sentury zwei Werke in Thailand und eines in Marokko.

Für Käufer in Europa ist vor allem die Richtung bemerkenswert, in die der Hersteller seine Fertigung verschiebt. Schon 2023 hatte das Unternehmen angekündigt, einen Teil der Produktion der in Europa vertriebenen Reifen von China nach Thailand zu verlegen — damals ausdrücklich mit dem Ziel, „die Qualität der Produkte in allen Bereichen zu verbessern“. Wer heute einen Sentury-Reifen in die Hand nimmt, findet die Herkunft als Prägung auf der Flanke wieder: Auf dem Reifen in unserem Titelbild steht „MADE IN THAILAND“. Ein Werk in der Türkei läge geografisch noch einmal deutlich näher an den europäischen Abnehmern. Ob und wie sich das auf Preise auswirkt, lässt sich seriös allerdings erst sagen, wenn das Werk produziert — die Studie beschreibt bislang eine Absicht, keine Lieferung.

Ein Hersteller, vier Marken — und drei davon in unserem Regal

Sentury Tire ist in Europa nicht nur unter dem eigenen Namen unterwegs. Nach einem Fachpresse-Bericht über die Europastrategie des Herstellers gehören zu den Marken des Unternehmens in Europa unter anderem Landsail, Delinte, Groundspeed und Sentury selbst. Hinzu kommt ein Geschäft, das für Verbraucher praktisch unsichtbar bleibt: Das Unternehmen zählt zu den größten Auftragsfertigern für Eigenmarken, die in Europa vertrieben werden. Ein Teil der Reifen, die unter ganz anderen Namen im Handel liegen, stammt also ebenfalls aus diesen Werken — welche das im Einzelnen sind, veröffentlicht der Hersteller nicht.

Diese Mehrmarkenstruktur ist in der Branche die Regel und kein Mangel. Wir haben sie zuletzt bei sechs Budgetmarken aus einem belgischen Haus und bei vier günstigen Marken mit zwei Lieferanten im EU-Register nachgezeichnet. Entscheidend für den Kauf ist nicht, wie viele Namen ein Hersteller führt, sondern ob sich hinter zwei Namen derselbe Reifen zu unterschiedlichen Preisen verbirgt. Genau das ist hier der Fall.

Dass die Namen in Bewegung sind, hat das Unternehmen selbst angelegt: 2023 kündigte es an, den in Europa geführten Markennamen Sentury-Landsail im Lauf des Jahres auf Sentury umzustellen, wie Reifenpresse.de damals berichtete. Vollständig durchgezogen wurde dieser Schritt offenkundig nicht — Landsail existiert als Marke bis heute weiter, und die Umstellung hat im Sortiment Spuren hinterlassen, die man beim Einkaufen sehen kann.

693 Ausführungen: Was die drei Marken tatsächlich abdecken

Stand 9. Oktober 2026 führen wir 510 lieferbare Ausführungen unter Landsail, 131 unter Delinte und 52 unter Sentury — zusammen 693 Artikel und damit rund 1,2 Prozent unseres Gesamtsortiments. Die vierte Marke, Groundspeed, führen wir nicht.

Die drei Namen decken dabei sehr unterschiedliche Bereiche ab. Landsail ist die mit Abstand breiteste Marke: 25 verschiedene Profile, von 13 bis 22 Zoll, und als einzige der drei mit einem nennenswerten Angebot jenseits des Sommers — 320 Sommerreifen stehen 157 Ganzjahres- und 33 Winterreifen gegenüber. Auch Transporter- und Offroadgrößen sind vertreten. Delinte ist mit 12 Profilen deutlich schmaler aufgestellt und liegt mit 105 Sommer-, 15 Ganzjahres- und 11 Winterreifen ähnlich klar auf der Sommerseite. Sentury schließlich ist in unserem Regal gar keine Vollsortiment-Marke, sondern genau ein Profil: Alle 52 Ausführungen entfallen auf den Sommerreifen Qirin 990 in 15 bis 20 Zoll, ausschließlich für den Pkw.

Preislich ordnen sich alle drei im unteren Bereich ein. Der günstigste Reifen der drei Marken ist ein Landsail RAPIDDRAGON in 165/65 R13 für 35,74 Euro, bei Delinte beginnt das Angebot bei 40,23 Euro, bei Sentury bei 51,07 Euro (alle Preise Stand 9. Oktober 2026). Zur Einordnung: In unserem Katalogabzug vom 8. Oktober 2026 liegt die Hälfte aller Pkw-Sommerreifen über 103 Euro. Die drei Marken spielen also klar im Einstiegssegment — mit dem Vorbehalt, dass einzelne Auslaufgrößen auch hier deutlich teurer ausfallen können.

Derselbe Reifen, zwei Markennamen — und 173 Euro Unterschied

Die unvollendete Umbenennung von Landsail auf Sentury lässt sich im Sortiment direkt nachzählen. Das Profil Qirin 990 steht bei uns 117-mal im Regal, und zwar unter beiden Markennamen: 65-mal als Landsail, 52-mal als Sentury. Rechnet man nach Größe und Tragfähigkeits-/Geschwindigkeitsindex zusammen, verteilen sich diese 117 Artikel auf nur 59 unterschiedliche Kombinationen: 48 davon gibt es doppelt, fünf sogar dreifach, und lediglich sechs Kombinationen existieren genau einmal.

Noch sichtbarer wird der Markenwechsel bei einem zweiten Profil: 73 Artikel, die bei uns unter der Marke Landsail geführt werden, tragen den Herstellernamen mitten im Profilnamen — sie heißen „Landsail Sentury SeasonsDragon 2“ beziehungsweise „Landsail Sentury SeasonsDragon VAN2“. Das ist kein Fehler im Shop, sondern die Bezeichnung, die der Hersteller selbst vergeben hat.

Für den Einkauf ist das in den meisten Fällen folgenlos: Bei den allermeisten doppelt geführten Qirin-Kombinationen ist der Preis auf den Cent identisch, egal unter welchem Markennamen der Reifen gelistet ist. In sieben Kombinationen ist er das aber nicht — und dort wird der Unterschied erheblich. Das deutlichste Beispiel ist die Größe 215/50 R18 92W. Dort steht der Qirin 990 dreimal im Regal, und zwar mit identischer Bezeichnung, identischem Index und identischem EU-Etikett (B bei Kraftstoffeffizienz, B bei Nasshaftung, 68 dB):

Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Eintrag desselben Reifens liegen damit 173 Euro, also mehr als das Dreifache (Stand 9. Oktober 2026). Woran das liegt, lässt sich aus den Artikeldaten nicht ablesen, und wir behaupten hier bewusst keine Ursache. Die praktische Konsequenz ist aber eindeutig: Sehen Sie die Trefferliste Ihrer Größe immer vollständig durch, statt den ersten passenden Treffer zu nehmen. Wo Bezeichnung, Größe, Index und Etikett übereinstimmen, spricht nichts dagegen, den günstigeren Eintrag zu wählen — auch wenn er unter einem anderen Markennamen steht. Alle Größen dieses Profils finden Sie gebündelt auf der Modellseite des Qirin 990.

Was die EU-Etiketten über die drei Marken sagen

Für eine Marke, die neu auf dem Zettel steht, ist das EU-Reifenlabel der schnellste objektive Zugang. Wir haben es für alle 693 Ausführungen ausgewertet — mit einer wichtigen Einschränkung vorweg: Bei 87 Artikeln steht im Etikettfeld die Kombination E / E / 79 dB. Das ist in unseren Daten in aller Regel kein gemessener Wert, sondern ein Füllwert für einen noch fehlenden Eintrag — wir haben diese Kombination unlängst im gesamten Katalog ausgezählt. Diese 87 Artikel haben wir deshalb aus der Auswertung herausgenommen; die folgenden Anteile beziehen sich auf die verbleibenden Ausführungen mit echten Werten.

Beim Nassgriff — der für die Sicherheit wichtigsten der drei Labelklassen — fällt das Ergebnis je Marke deutlich unterschiedlich aus. Bei Sentury tragen 22 der 52 Ausführungen die Bestklasse A, das sind 42 Prozent; die übrigen 30 liegen bei B. Keine einzige Ausführung dieser Marke liegt schlechter als B. Bei Landsail sieht das Bild anders aus: Von 433 Ausführungen mit echtem Etikett erreichen 33 ein A (8 Prozent), 322 ein B (74 Prozent) und 75 ein C (17 Prozent). Delinte liegt mit 99 von 119 Ausführungen bei B (83 Prozent) am gleichmäßigsten, kommt aber nur einmal auf ein A.

Bei der Kraftstoffeffizienz zeigt sich über alle drei Marken dasselbe Muster, das wir schon bei anderen Einstiegsmarken gesehen haben: Die Bestklassen sind praktisch nicht besetzt. Unter 604 ausgewerteten Ausführungen finden sich insgesamt drei mit einem A. Der Schwerpunkt liegt bei B und C, bei Landsail kommen 58 Ausführungen in D oder E hinzu. Wer diese Marken kauft, kauft also in aller Regel keinen besonders rollwiderstandsarmen Reifen — ein Muster, das auch unser Datencheck zu Linglong gezeigt hat. Beim Rollgeräusch liegen alle drei eng beieinander, mit Medianwerten zwischen 69 und 71 dB.

Konkret heißt das: Ein A beim Nassgriff ist in diesem Preisbereich durchaus zu haben. Der günstigste Reifen der drei Marken mit Nasshaftungsklasse A ist in unserem Sortiment ein Delinte DS2 in 175/70 R14 88T für 44,47 Euro, dessen Etikett C / A / 70 dB ausweist. Das A bei Nässe ist in diesem Segment also nicht automatisch der teuerste Weg.

Was das für Ihren Reifenkauf bedeutet

Die Werksmeldung aus der Türkei ändert an Ihrem nächsten Reifenkauf zunächst nichts — bis dort produziert wird, vergehen Jahre. Relevant ist sie als Hinweis darauf, dass sich die Herkunft günstiger Reifen verschiebt: weg von China, hin zu Thailand, Marokko und möglicherweise der Türkei. Welche Rolle dabei die seit Juli geltenden EU-Antidumpingzölle auf Pkw- und Transporterreifen aus China spielen, lässt sich aus der Machbarkeitsstudie nicht ablesen; der Hersteller nennt dazu keinen Grund.

Praktisch mitnehmen können Sie aus diesem Datencheck drei Dinge. Erstens: Vergleichen Sie innerhalb Ihrer Größe immer die vollständige Trefferliste. Gerade bei Marken, deren Namen sich gerade ändern, steht derselbe Reifen mitunter mehrfach im Regal — und nicht immer zum selben Preis. Zweitens: Lassen Sie sich vom Markennamen nicht in die Irre führen. Sentury, Landsail und Delinte kommen vom selben Hersteller; die Profilbezeichnung und das EU-Etikett sagen mehr über den Reifen aus als der Name auf der Flanke. Drittens: Prüfen Sie das Etikett auf Plausibilität. Wenn dort E / E / 79 dB steht, ist das in unseren Daten meist ein fehlender Eintrag und kein schlechter Reifen — fragen Sie im Zweifel nach, statt den Reifen aus der Auswahl zu streichen.

Wenn Sie in diesem Preisbereich suchen, lohnt sich der Blick auf die Markenübersichten zu Sentury, Landsail und Delinte. Wer einen Reifen für das ganze Jahr sucht, findet die breiteste Auswahl dieser Gruppe bei den Ganzjahresreifen für den Pkw.

Häufige Fragen

Sind Sentury, Landsail und Delinte dieselbe Marke?

Nein, es sind drei eigenständige Marken — aber sie gehören zum selben Hersteller, der chinesischen Qingdao Sentury Tire. In Europa führt das Unternehmen nach Angaben der Fachpresse außerdem die Marke Groundspeed und fertigt zusätzlich Eigenmarken für andere Anbieter. Teile des Sortiments überschneiden sich: Das Profil Qirin 990 wird bei uns sowohl unter Landsail als auch unter Sentury geführt.

Woher kommen die Reifen dieser Marken?

Der Hersteller betreibt derzeit vier Werke: das Stammwerk in Qingdao (China), zwei in Thailand und eines in Marokko. Ein fünftes Werk in der Türkei befindet sich in der Planung. Welcher Reifen aus welchem Werk stammt, ist der Artikelbeschreibung im Shop nicht zu entnehmen — auf der Reifenflanke steht es jedoch, wie das Titelbild dieses Beitrags zeigt.

Taugt ein Reifen aus dem Einstiegssegment für den Alltag?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt stark von der einzelnen Ausführung ab. Das EU-Etikett ist der beste verfügbare Anhaltspunkt: Achten Sie vor allem auf die Nasshaftungsklasse und nehmen Sie, wenn es Ihre Größe hergibt, mindestens ein B. Bedenken Sie zugleich, dass das Etikett nur drei Eigenschaften abbildet — Verschleiß, Handling und Verhalten auf Schnee stehen nicht darauf.

Titelbild: Kia-Rad mit Sentury-Reifen, Foto von TaurusEmerald, lizenziert unter CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons. Der Bildausschnitt wurde für diesen Beitrag zugeschnitten.

Schlagwörter: Sentury Landsail Delinte Reifenhersteller Budgetreifen EU-Reifenlabel

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