Sechs Budgetmarken, ein belgisches Haus — und im Regal genau zwei Familien
Wer im Reifenregal nach unten sortiert, stößt schnell auf dieselben Namen: Imperial, Minerva, Tristar, Atlas, Fortuna, Superia. Sechs Marken, sechs Logos, sechs Geschichten — und die naheliegende Frage, welche davon nun die bessere ist. Wir haben diese Frage nicht beantwortet, indem wir Werbetexte verglichen haben, sondern indem wir gezählt haben: alle 3.443 lieferbaren Ausführungen dieser sechs Marken in unserem Sortiment, einzeln erfasst am 28. September 2026 mit Größe, Rubrik, Preis und EU-Label. Zusätzlich haben wir 400 Datensätze in der EU-Produktdatenbank EPREL gegengeprüft.
Das Ergebnis ist überraschend eindeutig — und es lautet nicht „Marke X ist besser als Marke Y". Es lautet: Im Regal stehen nicht sechs Marken, sondern zwei Familien zu je drei Namen. Und welcher Familie ein Reifen angehört, sagt mehr über sein Etikett aus als der Markenname auf der Flanke.
Sechs Namen, ein Absender in Antwerpen
Keine dieser sechs Marken gehört zu einer Reifenfabrik. Alle sechs sind Eigenmarken — sogenannte Private Labels — desselben belgischen Großhändlers: der Deldo Autobanden NV mit Sitz an der Noorderlaan im Hafengebiet von Antwerpen. Das Unternehmen führt sie auf seiner eigenen Website unter „Unsere Private Label Marken" vollständig auf und nennt dort auch, wann es die Namen jeweils eingeführt hat: Minerva 1992, Fortuna 2005, Imperial 2012, Atlas 2013, Tristar 2014, Superia als jüngstes Mitglied.
Deldo selbst wurde im Oktober 1973 von Jos und Paula Delcroix gegründet und ist bis heute in Familienhand; die Fachzeitschrift NEUE REIFENZEITUNG hat das Unternehmen zum 50-jährigen Bestehen 2023 porträtiert. Dass Imperial und Minerva zu diesem Haus gehören, haben wir in den Einzelanalysen zu Imperial und Minerva bereits beschrieben. Neu ist hier der Blick auf alle sechs gleichzeitig — denn erst im Vergleich wird die eigentliche Struktur sichtbar.
Was das EU-Register zur Eigentumsfrage sagt
Eine Firmenwebsite ist Eigenwerbung. Deshalb haben wir die Zuordnung dort geprüft, wo sie rechtsverbindlich hinterlegt sein muss: in EPREL, der Produktdatenbank der Europäischen Kommission. Jeder Reifen, der in der EU verkauft wird, muss dort von seinem Lieferanten registriert werden — mit Namen des Anmelders.
Das Ergebnis ist eindeutig. Für alle sechs Marken ist als anmeldende Organisation ausnahmslos „Deldo Autobanden NV" eingetragen, in 400 einzeln geprüften Registerdatensätzen ohne eine einzige Ausnahme. Die Zahl der registrierten Einträge je Marke: Atlas 1.522, Minerva 1.451, Superia 1.291, Fortuna 1.114, Imperial 1.109, Tristar 836 — zusammen 7.323 Registrierungen unter einem einzigen Absender. Das ist deutlich mehr, als in unserem oder in irgendeinem einzelnen Handel lieferbar ist, weil EPREL auch ausgelaufene und für andere Märkte gemeldete Ausführungen enthält.
Damit ist die Ausgangsfrage sauber belegt: Wer zwischen Imperial und Tristar abwägt, wählt nicht zwischen zwei Herstellern, sondern zwischen zwei Etiketten desselben Anbieters.
Die Erhebung: 3.443 Ausführungen, einzeln gezählt
Für die Auswertung haben wir jede lieferbare Ausführung der sechs Marken einzeln abgerufen — nicht stichprobenartig, sondern vollständig. Die Verteilung: Minerva 808, Imperial 722, Tristar 484, Atlas 483, Superia 478, Fortuna 468. Minerva ist damit tatsächlich die breiteste der sechs Marken, genau wie Deldo es selbst behauptet.
Die Zahl der Profile geht mit der Sortimentsbreite nicht gleichauf: Minerva führt 38 verschiedene Profile, Imperial 31, Fortuna 26, Superia und Tristar je 23, Atlas 21. Minerva hat also nicht nur mehr Reifen im Regal, sondern auch die zersplittertste Modellpalette — bei Atlas verteilen sich fast ebenso viele Ausführungen auf deutlich weniger Profile, was für eine aufgeräumtere, jüngere Baureihenstruktur spricht.
Erfasst wurde jede Ausführung über eine Kette von Filtern — Zoll, dann Breite, dann Höhe —, weil eine einzelne Abfrage nie mehr als 24 Treffer zurückgibt. Erst wenn jede Filterzelle unter dieser Grenze bleibt, ist die Erhebung vollständig. Die so eingesammelte Menge stimmt bei allen sechs Marken exakt mit der vom System gemeldeten Gesamtzahl überein; es fehlt also keine Ausführung.
Ein Hinweis zur Datenqualität, der zum Handwerk gehört: 63 Ausführungen tragen die Kombination E/E/79 dB. Diese Kombination ist in Katalogdaten ein bekannter Füllwert, kein gemessenes Etikett. Wir haben diese 63 Datensätze aus allen Label-Auswertungen herausgenommen und weisen das hier aus, statt sie stillschweigend mitzurechnen. Auf die im Folgenden genannten Befunde hat das keinen Einfluss, weil sie sich auf die Klasse A und auf Geräuschwerte stützen — beides ist von der Aussonderung nicht betroffen.
Der Befund: zwei Familien statt sechs Marken
Sortiert man die sechs Marken nach dem durchschnittlichen Rollgeräusch, entsteht keine gleichmäßige Reihe, sondern eine Lücke. Auf der einen Seite stehen Atlas (69,1 dB), Fortuna (69,2 dB) und Superia (69,3 dB). Auf der anderen Imperial (71,0 dB), Minerva (71,1 dB) und Tristar (71,2 dB). Dazwischen liegen fast zwei Dezibel, und innerhalb der Gruppen liegen die Werte jeweils nur Zehntel auseinander.
Das ist kein Zufallsbefund aus wenigen Reifen: Die erste Gruppe umfasst 1.429 Ausführungen, die zweite 2.014. Zwei Dezibel klingen nach wenig, sind auf der logarithmischen Dezibelskala aber ein deutlicher, systematischer Abstand — und vor allem entsteht ein solcher Unterschied nicht durch Markenpolitik, sondern durch Profildesign und Fertigung.
Entscheidend ist das Verhältnis der Abstände: Zwischen den drei Marken innerhalb einer Gruppe liegen jeweils nur rund zwei Zehntel Dezibel, zwischen den Gruppen fast zwei ganze. Der Abstand zwischen den Familien ist also rund zehnmal so groß wie der Abstand zwischen zwei Marken derselben Familie. Ein Markenname trennt hier praktisch nichts — die Gruppenzugehörigkeit trennt alles.
Noch deutlicher wird es, wenn man nicht Mittelwerte vergleicht, sondern auszählt, wie viele Reifen überhaupt im leisen Bereich liegen. Unter 69 dB kommen in der Gruppe Atlas/Fortuna/Superia 555 von 1.429 Ausführungen — in der Gruppe Imperial/Minerva/Tristar ganze 13 von 2.014. Bei Minerva und Tristar ist es keine einzige. Der häufigste Geräuschwert der ersten Familie ist 68 dB, der der zweiten 71 dB.
Dieselbe Größe, dasselbe Etikett, ein anderer Name
Am deutlichsten wird die Struktur, wenn man das Ganzjahres-Spitzenprofil jeder Marke in derselben Größe und mit demselben Last- und Geschwindigkeitsindex nebeneinanderlegt. In 205/55 R16 91V sieht das so aus:
- Imperial AS Driver — 50,44 €, Label C/B/71
- Tristar AS Power — 54,97 €, Label C/B/71
- Minerva AS Master — 55,91 €, Label C/B/71
Drei Namen, drei Preise — ein identisches Etikett. Dieselbe Übung in 195/65 R15 91H für die andere Familie:
- Fortuna Ecoplus2 4S — 46,19 €, Label C/B/68
- Superia Ecoblue2 4S — 46,19 €, Label C/B/68
- Atlas GREEN3 4S — 53,18 €, Label C/B/68
Fortuna und Superia stehen hier sogar auf den Cent beim selben Preis. Im Winterregal wiederholt sich das Muster: In 205/55 R16 tragen Atlas POLARBEAR UHP, Fortuna GOWIN UHP und Superia Bluewin UHP übereinstimmend C/D/68 — Imperial Snowdragon UHP, Minerva Frostrack UHP und Tristar Snowpower UHP dagegen übereinstimmend C/C/72.
Die Werkscodes verraten die Verwandtschaft
Es gibt ein zweites, völlig unabhängiges Indiz — und es steht offen im Profilnamen. Mehrere Bezeichnungen sind reine Kennungen: F205, F209, RF07, RF08, F110. Bei Minerva stehen sie teilweise nackt als Profilname da („F209", „F205", „RF08"). Bei Imperial und Tristar sind dieselben Kennungen in markeneigene Namen eingebettet: aus F209 wird „EcoDriver5 F209" beziehungsweise „Ecopower4 F209", aus F205 wird „EcoSport2 F205" beziehungsweise „Sportpower2 F205".
Entscheidend ist, wo diese Codes auftauchen — und wo nicht: Sie finden sich ausschließlich bei Imperial, Minerva und Tristar. Bei Atlas, Fortuna und Superia kommt keine einzige dieser Kennungen vor. Die Gruppierung, die sich aus dem Rollgeräusch ergibt, wiederholt sich damit in einem ganz anderen Signal — der internen Typbezeichnung.
Solche Buchstaben-Zahlen-Kürzel sind branchenüblich die werksinterne Bezeichnung einer Profilform, lange bevor eine Marketingabteilung einen Namen darauf setzt. Dass Minerva sie unverändert stehen lässt, während Imperial und Tristar dieselbe Kennung hinter einen eigenen Namen setzen, ist deshalb aufschlussreich: Es deutet darauf hin, dass alle drei auf denselben Katalog zugreifen und sich nur darin unterscheiden, wie viel Namensarbeit hineingesteckt wird.
Dass die Namenssysteme insgesamt parallel laufen, fällt ohnehin auf, sobald man die Winterprofile nebeneinanderstellt: Snowdragon (Imperial), Frostrack (Minerva), Snowpower (Tristar) auf der einen Seite — POLARBEAR (Atlas), GOWIN (Fortuna), Bluewin (Superia) auf der anderen. Jede Marke bekommt für dasselbe Segment einen eigenen Namen nach demselben Bauplan.
Die Gegenprobe im EU-Register bestätigt die Trennung
Beide bisherigen Indizien stammen aus unseren eigenen Katalogdaten. Deshalb haben wir die Trennung gegen eine externe Quelle geprüft und für jede Marke alle Datensätze ausgewertet, die EPREL zu ihr herausgibt — zusammen 400 Einträge — also Werte, die der Lieferant den Behörden gemeldet hat, unabhängig von jedem Händler.
Die Trennung in zwei Gruppen wiederholt sich genau: Atlas 69,7 dB, Superia 69,8 dB und Fortuna 69,9 dB auf der einen, Minerva 70,8 dB, Tristar 70,9 dB und Imperial 71,3 dB auf der anderen Seite. Auch die Mediane trennen sauber: 69 bis 70 dB in der ersten Gruppe, durchgehend 71 dB in der zweiten. Was sich dabei nicht wiederholt, ist die Reihenfolge innerhalb der leisen Gruppe — im Register liegt Atlas vorn, in unserem Katalog Superia. Das ist kein Widerspruch, sondern der Hinweis darauf, dass die drei nur je ein Zehntel Dezibel auseinanderliegen: ein Gleichstand, kein Rang. Und eine Grenze des Registers gehört dazu: Es meldet je Marke über tausend Einträge, gibt aber nur einen Anfangsausschnitt von höchstens rund 75 verschiedenen Datensätzen heraus, den wir uns nicht selbst aussuchen können. Als unabhängige Gegenprobe zur Gruppierung taugt dieser Ausschnitt, als Quelle für Anteile nicht — die mengenmäßige Grundlage dieses Beitrags bleiben die 3.443 einzeln abgerufenen Ausführungen aus unserem eigenen Katalog.
Das ist deshalb eine belastbare Gegenprobe, weil die EPREL-Stichprobe einen ganz anderen Ausschnitt zeigt als unser Regal: Sie enthält auch Größen, die wir nie geführt haben, und Ausführungen, die längst ausgelaufen sind. Wäre die Zweiteilung ein Artefakt unserer Einkaufsentscheidungen — etwa weil wir von einer Marke zufällig nur die leisen Größen führen —, müsste sie hier verschwinden. Sie verschwindet nicht, sondern bleibt in Reihenfolge und Größenordnung erhalten.
Damit ist der Befund aus drei voneinander unabhängigen Richtungen bestätigt: der Geräuschstatistik im Regal, den internen Werkscodes und dem amtlichen EU-Register. Keines der drei Signale hängt von den beiden anderen ab.
Nasshaftung A: 88-mal hier, 18-mal dort
Für den Kauf wichtiger als das Geräusch ist die Nasshaftungsklasse, weil sie den Bremsweg auf nasser Fahrbahn abbildet. Wie man die Klassen liest, erklärt unser Ratgeber zum EU-Reifenlabel.
Auch hier trennen sich die Familien deutlich. In der Gruppe Atlas/Fortuna/Superia tragen 88 von 1.429 Ausführungen die Bestklasse A — verteilt auf alle drei Marken (Atlas 31, Superia 30, Fortuna 27). In der Gruppe Imperial/Minerva/Tristar sind es 18 von 2.014, und diese 18 entfallen sämtlich auf Minerva. Imperial und Tristar führen im gesamten Sortiment keine einzige Ausführung mit Nasshaftung A. Für Imperial deckt sich das mit unserem früheren Einzelbefund; wie sich ein gutes Etikett dort trotzdem von der Praxis unterscheiden kann, zeigt der Imperial AS Driver.
Im Winterregal wird der Abstand am größten
Weil jetzt Winterreifensaison ist, lohnt der gesonderte Blick auf die kalte Hälfte des Sortiments. Die sechs Marken stellen zusammen 949 lieferbare Winterausführungen (Pkw, SUV und Transporter zusammengefasst).
Davon entfallen 389 auf Atlas, Fortuna und Superia — mit 31 Ausführungen in Nasshaftung A. Auf Imperial, Minerva und Tristar entfallen 560 Winterausführungen — darunter keine einzige in Klasse A. Das ist der schärfste Einzelbefund dieser Auswertung: Wer aus diesem Preissegment einen Winterreifen mit der Bestklasse bei Nässe möchte, findet ihn nur in der einen Familie.
Dabei gilt die allgemeine Einschränkung, die wir in unserer Auswertung zur Nasshaftung bei Winterreifen hergeleitet haben: Klasse A ist im Winterregal grundsätzlich selten, weil Winterprofile einen anderen Zielkonflikt bedienen. Ein C ist bei einem Winterreifen kein Alarmsignal. Der hier gezeigte Unterschied ist trotzdem bemerkenswert, weil er zwischen zwei Produktgruppen desselben Anbieters auftritt.
Was Deldo selbst behauptet — und was davon standhält
Deldo positioniert die Marken auf der eigenen Website ausdrücklich unterschiedlich. Zwei dieser Aussagen lassen sich am Regal überprüfen.
Erstens: Minerva habe das größte Sortiment. Das bestätigt sich — mit 808 Ausführungen und 38 verschiedenen Profilen ist Minerva die breiteste der sechs Marken. Zweitens: Atlas habe „gute Labelresultate" und sei „nicht das billigste Produkt auf dem Markt". Auch das bestätigt sich in beide Richtungen: Atlas ist die einzige der sechs Marken, in deren Sortiment die schlechteste vergebene Nasshaftungsklasse gar nicht vorkommt — und zugleich ist die Marke teurer als die günstigsten Geschwister. Die Medianpreise je Reifen: Superia 58,50 €, Fortuna 58,66 €, Imperial 64,77 €, Atlas 66,30 €, Tristar 67,43 €, Minerva 67,86 €.
Nicht überprüfbar ist Deldos Aussage, Superia habe die modernsten Profile — dafür gibt es im Katalog kein messbares Kriterium. Wir lassen sie deshalb unbewertet stehen.
Wer die Reifen baut, ist nur für eine Marke belegt
Eine Frage bleibt bewusst offen, und das ist wichtig: Welches Werk welche dieser Marken fertigt, veröffentlicht Deldo nicht. Für genau eine der sechs gibt es eine belastbare, öffentliche Quelle. 2019 meldete die Fachpresse, dass Deldo für die Produktion von Superia einen Vertrag mit der Zhongce Rubber Group geschlossen hat — jenem chinesischen Hersteller, der in Europa vor allem über die Marken Westlake und Goodride bekannt ist.
Für Atlas, Fortuna, Imperial, Minerva und Tristar liegt uns keine vergleichbare Quelle vor. Wir leiten daher ausdrücklich nicht her, dass die hier gezeigten Familien jeweils aus einem einzigen Werk stammen. Die drei Indizien belegen eine gemeinsame technische Basis innerhalb der Gruppen — sie belegen keinen Produktionsort. Dass ein Anbieter dasselbe Produkt unter mehreren Namen führt, ist im Übrigen kein Sonderfall dieses Hauses; wie ähnlich das bei einem echten Hersteller aussieht, zeigt der Vergleich von GT Radial und Giti.
Was das für Ihren Kauf bedeutet
Aus der Auswertung folgen drei praktische Regeln.
Erstens: Vergleichen Sie innerhalb einer Familie nur noch über den Preis. Wenn Imperial AS Driver, Tristar AS Power und Minerva AS Master in Ihrer Größe dasselbe Etikett tragen, ist der Markenname kein Auswahlkriterium mehr — der Preis ist es. In unserem Beispiel lagen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot bei identischem Label gut fünf Euro je Reifen, also rund 22 Euro je Satz.
Zweitens: Lesen Sie das Etikett der konkreten Ausführung, nicht den Markenruf. Innerhalb derselben Marke liegen zwischen den Baureihen Welten. Drei Beispiele aus dem Ganzjahresregal: Atlas GREEN3 4S 205/55 R16 91V trägt C/B/68, Superia Ecoblue2 4S 195/65 R15 91H ebenfalls C/B/68, Imperial AS Driver 205/55 R16 91V dagegen C/B/71.
Drittens: Erwarten Sie vom Label keine Auskunft über alles. Das EU-Label bewertet drei Eigenschaften. Trockenbremsen, Handling, Aquaplaning und Verschleiß stehen nicht darauf — und gerade im Budgetsegment ist das die eigentliche Unbekannte. Wie Sie eine unbekannte Marke trotzdem einschätzen, erklärt unser Ratgeber Billigreifen und unbekannte Marken. Passende Auswahl finden Sie in unseren Übersichten für Winterreifen und Ganzjahresreifen.
Häufige Fragen
Sind Imperial, Minerva und Tristar derselbe Reifen?
Das lässt sich aus den öffentlich zugänglichen Daten nicht behaupten. Belegt ist: Alle drei werden von demselben Anbieter in Verkehr gebracht, sie verwenden dieselben internen Typkennungen, und in identischen Größen tragen ihre einander entsprechenden Profile dasselbe EU-Label. Das spricht für eine gemeinsame technische Basis. Ob es sich um bauartgleiche Reifen handelt, ist damit nicht bewiesen — dafür müsste der Anbieter die Bauartgleichheit bestätigen, und das tut er nicht.
Welche der sechs Marken ist die beste?
Nach Aktenlage ist die Frage falsch gestellt. Sinnvoller ist die Frage nach der Familie: Atlas, Fortuna und Superia zeigen im Schnitt das niedrigere Rollgeräusch und deutlich häufiger Nasshaftung A. Innerhalb einer Familie entscheidet dann der Preis in Ihrer konkreten Größe — nicht der Markenname.
Warum steht auf so vielen dieser Reifen ein C bei der Nasshaftung?
Die Klasse C ist im Budgetsegment der Regelfall, und bei Winterreifen ist sie es über alle Preisklassen hinweg. Die Bestklasse A verlangt einen sehr kurzen Nassbremsweg, der in der Regel zulasten von Rollwiderstand oder Verschleiß geht. Ein C ist deshalb kein Mangel, sondern eine Einordnung — der Vergleich lohnt nur zwischen Reifen derselben Bauart und Größe.
Gilt diese Auswertung dauerhaft?
Nein. Sortimente und Preise ändern sich laufend; die hier genannten Zahlen sind der Stand vom 28. September 2026. Die Struktur — sechs Marken, ein Anbieter, zwei erkennbare Produktgruppen — dürfte stabiler sein als die Einzelwerte, aber auch sie sollten Sie bei einem späteren Kauf am aktuellen Etikett gegenprüfen. Übrigens tragen nicht alle Reifen überhaupt ein Label; welche Ausnahmen die Verordnung macht, steht in unserem Beitrag zu Reifen ohne EU-Label.