Vredestein Ultrac, Pro oder Vorti+: Welcher ist welcher?
Wer bei Vredestein einen Sommerreifen sucht, stolpert über eine ganze Namensfamilie: Ultrac, ULTRAC+, Ultrac Pro, Ultrac Vorti, Ultrac Vorti+, Ultrac Vorti R+ und vereinzelt noch den Ultrac Satin. Alle heißen Ultrac, alle sehen auf den Produktfotos ähnlich aus — und trotzdem liegen zwischen ihnen zwölf Jahre Entwicklung, zwei komplett verschiedene Zielgruppen und beim EU-Reifenlabel ein deutlicher Unterschied. Wer sich vom Namen leiten lässt, greift dabei überraschend oft zum falschen Reifen: Ausgerechnet die sportlichst klingende Variante ist die älteste im Programm.
Dieser Beitrag sortiert die Familie einmal sauber durch — nach Baujahr, nach Radgröße und nach dem, was wir im eigenen Sortiment an Labelwerten tatsächlich messen können.
Sieben Namen, zwei Generationen: der schnelle Überblick
Die wichtigste Erkenntnis vorweg, weil sie fast alle Kaufentscheidungen trägt: Von den sieben Ultrac-Namen sind nur zwei aktuelle Modelle, der Rest stammt aus früheren Generationen und läuft aus.
Aktuell im Programm:
- ULTRAC+ — der Reifen für Kompakt- und Familienwagen, seit Januar 2025 im Markt.
- Ultrac Pro — das Topmodell für große Räder, seit März 2024 im Markt.
Vorgänger-Generationen, noch verfügbar:
- Ultrac — der direkte Vorgänger des ULTRAC+.
- Ultrac Vorti, Ultrac Vorti+ und Ultrac Vorti R+ — die frühere Sportschiene.
- Ultrac Satin — ein älteres Premium-Profil, das bei uns nur noch in 15 Artikeln auftaucht.
Der Bruch verläuft also nicht zwischen „normal" und „sportlich", sondern zwischen alt und neu. Genau das führt in der Praxis zu Fehlgriffen: Der Name „Vorti" klingt nach der schnelleren, teureren, besseren Wahl — tatsächlich ist der Ultrac Pro das neuere Produkt und ersetzt die Vorti-Linie nach oben hin. Wer die beiden verwechselt, kauft die ältere Technik zum höheren Preis. Wie solche Modellbezeichnungen und Markenhierarchien generell zustande kommen, ordnet unser Überblick Reifenmarken: Wer gehört zu wem? ein.
ULTRAC+: der Reifen für Kompakt- und Familienwagen
Der ULTRAC+ ist seit Januar 2025 erhältlich und laut auto motor und sport in rund 70 Größen von 15 bis 20 Zoll zu haben — gedacht für „eine große Auswahl an Familien- und Kompaktwagen". Er ist der Nachfolger des schlichten Ultrac, und Vredestein hat bei der Entwicklung ausdrücklich nicht auf Rundenzeiten geschielt: Der Fokus lag laut Hersteller „besonders auf der Optimierung der Lebensdauer und der Laufleistung des neuen Reifens".
Konkret nennt der Hersteller eine um bis zu 30 Prozent verbesserte Laufleistung gegenüber dem Vorgänger, erreicht über eine quadratischere Aufstandsfläche und eine neue Mischung; der Abriebverlust soll um bis zu denselben Wert sinken. Das ist eine Herstellerangabe und kein Testergebnis — aber es beschreibt die Zielrichtung des Reifens treffend: Er soll lange halten, leise sein und im Alltag nicht auffallen.
In unserem Sortiment deckt der ULTRAC+ genau die Größen ab, die man bei einem Golf, Astra, Focus, Polo oder einer C-Klasse erwartet. Die günstigsten Artikel liegen bei rund 56 Euro, die teuersten bei etwa 124 Euro (Stand 16. Juli 2026) — für einen Premium-Hersteller ein bemerkenswert schmales Preisband. Ein typischer Vertreter ist der Vredestein ULTRAC+ 205/55 R16 91H für 58,70 Euro, also die Standardgröße der Kompaktklasse. Falls Sie unsicher sind, welche Kennung auf Ihrer Flanke was bedeutet: Unser Ratgeber Reifengröße ablesen erklärt Breite, Querschnitt, Last- und Geschwindigkeitsindex Schritt für Schritt.
Ultrac Pro: das aktuelle Topmodell für große Räder
Der Ultrac Pro ist Vredesteins aktuelles Spitzenprodukt und kam im März 2024 in den Handel. Reifenpresse.de hatte ihn bereits im November 2023 angekündigt und dabei eingeordnet, dass es sich um das erste komplett neue Produkt in dieser Kategorie seit 2012 handelt — das erklärt, warum die Vorti-Linie so lange das sportliche Aushängeschild bleiben musste.
Eingeordnet wird der Pro als UUHP-Reifen (Ultra-Ultra-High-Performance) und laut Gummibereifung in Größen von 18 bis 24 Zoll angeboten, gedacht für Sportwagen, Supersportwagen, Hochleistungslimousinen, Coupés und SUVs. Sein auffälligstes technisches Merkmal ist das Gewicht: In der Größe 245/45 R18 100Y XL ist er 1,7 Kilogramm leichter als der Ultrac Vorti+ — das entspricht rund 13 Prozent. Über das gesamte Sortiment nennt der Hersteller im Schnitt etwa 10 Prozent Gewichtsersparnis. Der Nutzen dahinter ist keine Marketingfloskel, sondern Physik: Weniger rotierende Masse am Rad bedeutet weniger Trägheit beim Lenken, Beschleunigen und Bremsen — und der Reifen muss bei jeder Umdrehung weniger Gewicht mitwuchten.
Preislich beginnt der Ultrac Pro bei uns bei 78,30 Euro für den Vredestein Ultrac Pro 225/40 R18 92W und reicht bis über 500 Euro in den ganz großen Dimensionen. Was UHP-Reifen dieser Klasse generell auszeichnet — und wo ihre Grenzen im Alltag liegen —, behandelt unser Beitrag Sportreifen und Semislicks.
Ultrac Vorti, Vorti+ und Vorti R+: die Vorgänger-Generation
Hier wird es unübersichtlich, denn die Vorti-Schiene besteht selbst aus drei Stufen. Der Ultrac Vorti ist der Urahn von 2012. Der Ultrac Vorti+ und der Ultrac Vorti R+ kamen laut Gummibereifung im April 2021 auf den Markt — der Vorti+ in 18 bis 22 Zoll, der Vorti R+ in 19 bis 21 Zoll. Beide wurden noch im niederländischen Enschede entwickelt.
Gegenüber dem alten Vorti brachte das Update eine steifere Schulterkonstruktion, steifere Seitenwände, einen um 13 Prozent größeren Wulstbereich und eine neue Laufflächenmischung; das Trockenhandling sollte dadurch um rund fünf Prozent besser werden. Das war 2021 ein solides Facelift — es ändert aber nichts daran, dass die Grundkonstruktion heute die ältere ist. Wer sich fragt, was aus dem Entwicklungsstandort geworden ist: Das Werk Enschede ist inzwischen geschlossen, was das für Käufer der Marke bedeutet, haben wir in Vredestein-Werk Enschede geschlossen aufgeschrieben.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Der Vorti+ ist kein schlechter Reifen, aber er ist der Vorgänger des Ultrac Pro — nicht dessen sportlichere Alternative. Wenn beide in Ihrer Größe verfügbar sind, ist der Pro die neuere Technik.
Was das EU-Label verrät — und der direkte Vergleich in 245/45 R18
An diesem Punkt hilft ein Blick in unsere eigenen Sortimentsdaten weiter, denn er zeigt etwas, das in keinem Prospekt steht. Wir haben die lieferbaren Ultrac-Artikel unseres Sortiments ausgewertet (Stand 16. Juli 2026) und die EU-Labelwerte je Profil zusammengezählt. Das Ergebnis ist bemerkenswert eindeutig:
- ULTRAC+: alle 49 ausgewerteten Artikel tragen Nasshaftung A.
- Ultrac Pro: alle 51 ausgewerteten Artikel tragen Nasshaftung A.
- Ultrac Vorti, Vorti+ und Vorti R+: alle 48 ausgewerteten Artikel tragen Nasshaftung B — kein einziger erreicht A.
Bei der Kraftstoffeffizienz fällt der Abstand ähnlich aus: Beim Ultrac Vorti+ trägt mit 16 von 31 ausgewerteten Artikeln die Mehrheit die Klasse E, beim Ultrac Pro liegt der Schwerpunkt auf C. Die sportlichste, teuerste und am schärfsten klingende Linie der Familie ist also ausgerechnet die, die auf dem Label am schwächsten dasteht — schlicht weil sie die ältere Generation ist.
Wie eindeutig das wird, zeigt der direkte Vergleich in genau der Größe, die auch Vredestein für seinen Gewichtsvergleich heranzieht. In 245/45 R18 100Y führen wir beide Modelle:
- Vredestein Ultrac Pro 245/45 R18 100Y — 116,90 Euro, Label C/A/72
- Vredestein Ultrac Vorti+ 245/45 R18 100Y — 239,00 Euro, Label E/B/70
Gleiche Größe, gleicher Last- und Geschwindigkeitsindex — und der neuere Reifen ist in unserem Sortiment nicht nur rund halb so teuer, sondern auch zwei Effizienzklassen besser und eine Klasse besser bei der Nasshaftung. Ehrlich dazugesagt: Beim Rollgeräusch dreht sich das Bild, hier liegt der Vorti+ mit 70 dB um zwei Dezibel günstiger als der Pro mit 72 dB. Und der auffällige Preisabstand ist kein allgemeiner Marktpreis, sondern der Stand in unserem Sortiment — bei auslaufenden Größen ziehen die Preise erfahrungsgemäß an, wenn die Restbestände dünn werden. Mehr Ultrac-Größen dieser Dimension finden Sie auf unserer Übersicht 245/45 R18.
Ein Label ist dabei kein Testurteil: Es misst genormt und grob in Klassen, stammt vom Hersteller selbst und bildet zum Beispiel Handling oder Aquaplaning gar nicht ab. Warum ein guter Reifentest mehr aussagt als die drei Labelklassen, erklären wir in EU-Reifenlabel oder Reifentest; wie solche Tests ablaufen, steht in Wie wird ein Reifen getestet?. Für die Frage „welcher Ultrac?" ist das Label aber genau das richtige Werkzeug, weil es alle Modelle nach denselben Regeln misst.
Welcher Ultrac passt zu Ihrem Auto?
Die Entscheidung lässt sich in der Praxis auf die Radgröße herunterbrechen, weil sich die Modelle kaum überschneiden.
15 bis 17 Zoll — Kompakt- und Familienwagen: Hier gibt es faktisch nur eine Wahl, den ULTRAC+. Er ist das aktuelle Modell, trägt durchgehend Nasshaftung A und liegt preislich im moderaten Bereich. Findet sich in Ihrer Größe noch der ältere schlichte Ultrac, lohnt der Blick auf den Preis: Er ist die Vorgängertechnik, günstiger ist er nicht automatisch.
18 Zoll und größer — sportliche Limousinen, Coupés, SUVs: Hier konkurrieren Ultrac Pro und die Vorti-Familie direkt. Sind beide lieferbar, spricht praktisch alles für den Ultrac Pro — neuere Konstruktion, leichter, bessere Labelwerte. Zum Vorti+ oder Vorti R+ greifen Sie sinnvollerweise dann, wenn Ihre Größe im Pro-Programm fehlt oder der Preis deutlich niedriger liegt.
Nicht mischen: So verlockend es ist, zwei günstige Vorti+ hinten und zwei Pro vorne zu kombinieren — auf einer Achse gehören immer zwei identische Reifen. Ultrac Pro und Ultrac Vorti+ sind unterschiedliche Konstruktionen mit unterschiedlichem Gewicht, unterschiedlicher Gummimischung und unterschiedlicher Nasshaftungsklasse; achsweise gemischt bremst und lenkt das Auto asymmetrisch. Wenn Sie schrittweise wechseln, dann immer achsweise als Paar und die griffigeren Reifen auf die Hinterachse.
Und wenn gar kein Ultrac passt? Vredestein deckt mit dem Quatrac auch die Ganzjahresschiene ab; der neue UHP-Ganzjahresreifen der Marke ist Thema in Vredestein Quatrac Pro 2. Das komplette Angebot finden Sie in unseren Sommerreifen für PKW und den Sportreifen; alle lieferbaren Größen des Topmodells listet der Modellüberblick zum Ultrac Pro.
Häufige Fragen
Ist der Ultrac Vorti+ besser als der Ultrac Pro?
Nein — er ist der Vorgänger. Der Ultrac Pro kam im März 2024 auf den Markt und ist laut Hersteller in 245/45 R18 100Y XL rund 1,7 Kilogramm beziehungsweise 13 Prozent leichter als der Vorti+. In unserem Sortiment trägt zudem jeder ausgewertete Ultrac Pro die Nasshaftungsklasse A, jeder Vorti+ dagegen B. Der Name „Vorti" klingt sportlicher, die neuere Technik steckt im Pro.
Was ist der Unterschied zwischen Ultrac und ULTRAC+?
Der ULTRAC+ ist seit Januar 2025 der Nachfolger des schlichten Ultrac. Vredestein nennt für ihn eine um bis zu 30 Prozent verbesserte Laufleistung und einen entsprechend geringeren Abrieb; angeboten wird er in rund 70 Größen von 15 bis 20 Zoll. Der ältere Ultrac läuft aus und ist nur noch in wenigen Größen zu bekommen.
Wofür steht das „R" beim Ultrac Vorti R+?
Vredestein führt den Vorti R+ als eigene Variante der Vorti-Linie, die seit April 2021 in 19 bis 21 Zoll angeboten wird — also in einem engeren Größenfenster als der Vorti+ mit 18 bis 22 Zoll. Eine offizielle Auflösung des Buchstabens nennt die Herstellermeldung nicht, weshalb wir hier auch nichts hineindeuten.
Quellen: auto motor und sport (ULTRAC+, 08.05.2025), Gummibereifung (Ultrac Pro, 27.02.2024; Ultrac Vorti+/R+, 15.04.2021), Reifenpresse.de (Ankündigung Ultrac Pro, 15.11.2023). Labelwerte und Preise: eigene Auswertung des lieferbaren Sortiments, Stand 16. Juli 2026.