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Reifengrößen & Kennzeichnung – Ratgeber im Magazin

ZR am Reifen: Nur ein Reifen im Katalog darf „über 240 km/h“ – und über 9.500 dürfen mehr

· 14 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 07.10.2026
Breiter Sommerreifen auf dunkler Alufelge im Abendlicht (KI-generiert, OpenAI)
Breiter Sommerreifen auf dunkler Alufelge im Abendlicht (KI-generiert, OpenAI)

Wer im Reifenregal nach Tempo sortiert, stößt irgendwann auf einen Eintrag, der alle anderen zu überbieten scheint: „über 240 km/h“. Keine feste Zahl, sondern eine offene Grenze nach oben. Im offenen Produktkatalog unseres Shops — 56.386 Ausführungen, Stand 7. Oktober 2026 — trägt diese Angabe genau ein einziger Reifen. Und ausgerechnet er ist nicht der schnellste im Haus: Mehr als 9.500 Reifen dürfen ein glattes Stück schneller laufen, und zwar mit einer Zahl, die wirklich eine Zahl ist. Wie das zusammenpasst, erklärt ein Kürzel, das streng genommen gar kein Geschwindigkeitsindex ist: ZR.

Was ZR auf der Flanke bedeutet – und warum es fast verschwunden ist

Der Geschwindigkeitsindex ist der Buchstabe am Ende der Betriebskennung. Bei einem Reifen mit der Aufschrift 225/45 R17 91V steht die 91 für die Tragfähigkeit und das V für die zulässige Höchstgeschwindigkeit, hier 240 km/h. Diese Buchstaben sind genormt, jeder steht für eine feste Zahl: T für 190 km/h, H für 210, V für 240, W für 270, Y für 300.

ZR gehört nicht in diese Reihe. Das Kürzel steht nicht hinter der Betriebskennung, sondern mitten in der Größenbezeichnung, an der Stelle, an der sonst nur das R für die Radialbauart steht — also etwa 235/45 ZR17. Und es sagt deutlich weniger aus als ein Buchstabe. Es bedeutet nämlich nur, dass der Reifen auch jenseits von 240 km/h eingesetzt werden darf. Eine Obergrenze nennt es nicht. Ob 250, 280 oder 310 km/h — aus einem alleinstehenden ZR geht das nicht hervor. Genau so steht es auch im Datenblatt des einzigen Reifens, der diese Kennung bei uns noch trägt: „Geschwindigkeitsindex ZR = über 240 km/h“, und mehr lässt sich daraus nicht ableiten.

Dass eine Angabe ohne Obergrenze auskommt, ist der Grund, warum sie aus dem Markt verschwindet. Der ADAC ordnet sie zusammen mit dem verwandten VR (über 210 km/h) so ein: Reifen mit diesen Kennungen in den Fahrzeugpapieren „waren früher für schnelle, ältere Fahrzeuge vorgeschrieben, sind aber nicht genormt und werden deshalb vielfach nicht mehr angeboten“ (Quelle: ADAC). Nicht genormt heißt: Es gibt keine verbindliche Prüfvorschrift, die hinter „über 240“ eine konkrete Zusage legt, wie das bei W oder Y der Fall ist.

Heute schreiben die Hersteller das ZR, wenn überhaupt, nur noch zusätzlich zu einem richtigen Buchstaben — in der Form 235/45 ZR17 94Y. Dann zählt der Buchstabe, und das ZR ist schmückendes Beiwerk ohne eigene Aussage. Wie konsequent der Markt das umgesetzt hat, zeigt unsere Auszählung sehr deutlich: Einen Reifen mit der Kennung VR führen wir kein einziges Mal. Und ZR ohne nachgestellten Buchstaben gibt es genau einmal — in einem Katalog mit über 56.000 Positionen.

Was wir gezählt haben – und was die Zahl nicht sagt

Weil in diesem Beitrag viele Stückzahlen vorkommen, gehört dazu, woher sie stammen. Grundlage ist unser offener Produktkatalog, eine maschinenlesbare Liste, die wir selbst veröffentlichen. Am 7. Oktober 2026 enthielt sie 57.025 Zeilen — aber nur 56.386 verschiedene Artikel. Der Unterschied kommt daher, dass die Liste in zwölf Teilen ausgeliefert wird und sich die Teile an ihren Rändern überlappen: 626 Positionen stehen doppelt darin, 13 weitere Zeilen sind unterwegs abgeschnitten worden. Alle Zahlen in diesem Beitrag beziehen sich auf die bereinigte Menge, also auf jeden Artikel genau einmal.

Noch wichtiger ist die zweite Einschränkung, und sie ist der Grund, warum oben „im Katalog“ steht und nicht „im Shop“. Der Katalog ist nicht der gesamte Warenbestand. Unsere eigene Sortimentsübersicht weist am selben Tag 62.824 lieferbare Artikel aus, die Rubrikseiten kommen auf wiederum andere Werte — bei den Stahlfelgen etwa 1.369 gegenüber 613 im Katalog. Jedes dieser Verzeichnisse zieht die Grenze ein Stück anders, und keines davon ist einfach falsch: Sie zählen Bestellware, Auslaufgrößen und frisch aufgenommene Artikel unterschiedlich mit.

Für Sie als Leserin oder Leser heißt das zweierlei. Erstens sind die Verhältnisse in diesem Beitrag belastbar — welcher Buchstabe häufig ist, wo die schnellen Reifen sitzen, wie die Preise in einer Größe liegen. Das ändert sich nicht, wenn ein paar hundert Artikel fehlen. Zweitens ist „genau einer“ eine Aussage über diese 56.386 Positionen und nicht über jedes Teil, das unser Lager hergibt. Wir schreiben die Zahl trotzdem hin, weil sie die Größenordnung richtig trifft: Das ZR ist eine Rarität, keine Nische.

21 Stufen, fünf Buchstaben – so sieht die Tempo-Skala wirklich aus

Im bereinigten Katalog tragen 51.358 Reifen eine ausgeschriebene Tempoangabe, verteilt auf 21 verschiedene Stufen — von „bis 30 km/h“ bis „bis 300 km/h“, dazu als einundzwanzigster Eintrag das offene „über 240 km/h“. Die Skala ist dabei alles andere als gleichmäßig besetzt. Sie ist extrem kopflastig:

  • V — 240 km/h: 12.222 Ausführungen, die mit Abstand häufigste Stufe
  • Y — 300 km/h: 9.572
  • H — 210 km/h: 9.253
  • W — 270 km/h: 7.641
  • T — 190 km/h: 6.322

Diese fünf Buchstaben allein decken 87,6 Prozent aller Reifen mit Tempoangabe ab. Die übrigen sechzehn Stufen teilen sich den schmalen Rest. Praktisch heißt das: Wer einen Pkw-Reifen kauft, bewegt sich fast immer in diesem Fünferfeld, und die Entscheidung fällt meist zwischen V, W und Y. Bemerkenswert ist dabei, wie stabil dieses Bild ist. Als wir die Auszählung vor einer Woche mit einer unbereinigten Liste gemacht haben, lagen alle fünf Absolutzahlen um ein bis zwei Prozent höher — der Anteil der Spitzengruppe kam trotzdem auf dieselben 87,6 Prozent heraus. Mengen wandern, Verhältnisse halten.

Zwischen den Buchstaben des Fünferfelds liegt ein breites Mittelfeld, das im Pkw-Alltag kaum auffällt, weil es fast vollständig anderen Fahrzeugen gehört. Die Stufe R für 170 km/h kommt auf 2.417 Ausführungen, S für 180 km/h auf 1.392, Q für 160 km/h auf 708, P für 150 km/h auf 529 und M für 130 km/h auf 492. Wer diese Kennungen in größerer Zahl sehen will, muss bei Transportern, Wohnmobilen, Anhängern und schweren Geländereifen nachsehen — dort zählt Tragfähigkeit mehr als Tempo, und ein niedrigerer Index ist oft die bewusste Wahl des Herstellers, nicht ein Sparzwang. Für die Kaufentscheidung bedeutet das: Taucht in Ihrem Fahrzeugschein ein Buchstabe aus dieser Gruppe auf, ist die Auswahl schmaler als bei V oder W, und es lohnt sich, früher zu suchen.

Am unteren Ende wird es dagegen einsam, und zwar sehr. Bei 30 km/h steht genau ein Reifen im Katalog — ein Rasenmäherreifen mit der Kennung A6. Bei 40 km/h (A8) ist es ebenfalls exakt einer, montiert wird er an einem Heuwender. Die Stufe B für 50 km/h bringt es auf 20 Ausführungen, überwiegend klassische Mofa- und Mopedreifen. Diese Ecke des Sortiments folgt ohnehin eigenen Regeln; wir haben sie in einem eigenen Beitrag über Geräte- und Spezialreifen ohne Lastindex ausführlich beschrieben.

Interessant ist auch, wo die schnellen Reifen sitzen. Die Y-Freigabe für 300 km/h ist vor allem eine Sache großer Felgendurchmesser: 2.468 der Y-Reifen stehen in 19 Zoll, 2.218 in 20 Zoll, 2.001 in 18 Zoll und 1.187 in 21 Zoll. In 17 Zoll sind es noch 1.017 — und unterhalb von 16 Zoll wird die Stufe praktisch bedeutungslos, mit 88 Ausführungen in 16 und sagenhaften drei in 15 Zoll. Das hat weniger mit dem Reifen selbst zu tun als mit den Fahrzeugen: Wer 300 km/h fahren darf, rollt in aller Regel nicht auf kleinen Rädern.

Ein beruhigender Nebenbefund: In allen 51.354 Fällen, in denen sowohl die Flankenkennung als auch die ausgeschriebene Tempoangabe vorliegen, stimmen beide überein — null Abweichungen. Wo im Datenblatt eine Geschwindigkeit steht, können Sie sich darauf verlassen. Lediglich 69 Reifen tragen eine Kennung, ohne dass daraus ein Klartextwert abgeleitet wurde; es handelt sich fast durchweg um Quad-, Anhänger- und Oldtimerreifen. Und nach oben ist bei einem glatten Y Schluss: Ein (Y) in Klammern, das „über 300 km/h“ bedeuten würde, kommt in unserem Katalog nicht vor. Klammern in der Kennung gibt es sechsmal, aber sie stehen für etwas anderes — für Lagenzahlen und Zusatzangaben bei Spezialreifen wie „(4PR)“ oder „(M+S)“.

Der einzige ZR-Reifen im Katalog ist ein Porsche-Runflat

Der eine Artikel, der die Angabe „über 240 km/h“ trägt, ist der Bridgestone Potenza RE71 235/45 R17 ZR — am 7. Oktober 2026 lieferbar zu 208,82 Euro pro Stück. Er ist zugleich die einzige Ausführung des Modells Potenza RE71, die wir überhaupt führen: ein Einzelstück, kein Programm.

Geführt wird er als Pkw-Sommerreifen, mit den Labelwerten E für die Kraftstoffeffizienz, C für die Nasshaftung und 71 Dezibel Rollgeräusch — für einen Sportreifen dieser Bauart unauffällige Werte, die man heute in jeder Preisklasse findet. Der Reifen ist also kein Hochleistungsgerät, dem die offene Tempoangabe zur Ehre gereicht; er ist ein Ersatzteil mit einer Historie.

Sein Datenblatt erklärt, warum ausgerechnet dieser Reifen die alte Kennung mitbringt. Er trägt die Kennzeichnungen N0 und RFT. N0 ist eine Werkskennung von Porsche, RFT steht für Run Flat Tyre, also Notlaufeigenschaften — der Reifen ist eine Erstausrüstung für einen schnellen Sportwagen. Das ist exakt der Fahrzeugtyp, bei dem der ADAC die ZR- und VR-Angaben in den Papieren verortet. Die Kennung ist hier also kein Fehler, sondern ein Stück Fahrzeuggeschichte, das sich bis ins heutige Ersatzteilregal durchgehalten hat.

Werkskennungen an sich sind dabei nichts Seltenes: 271 Ausführungen in unserem Katalog tragen ein N0 und sind damit von Porsche für bestimmte Modelle freigegeben. Ungewöhnlich ist allein die Kombination — eine moderne Werksfreigabe auf einem Reifen, dessen Tempoangabe noch aus der Zeit vor den Buchstaben W und Y stammt.

Ein Detail hat allerdings handfeste Folgen: Weil bei diesem Reifen nur „ZR“ und keine vollständige Betriebskennung angegeben ist, fehlt auch die Lastzahl. In unserem gesamten Katalog gibt es nur drei Pkw-Reifen ohne Lastindex. Einer ist ein reiner Track-Reifen mit der Aufschrift NHS („Not Highway Service“), bei einem zweiten ist die Kennung offensichtlich unvollständig erfasst, und der dritte ist dieser ZR. Er ist damit der einzige Straßenreifen im Haus, bei dem die fehlende Tragfähigkeitsangabe nicht an der Erfassung liegt, sondern am Kennzeichnungssystem selbst. Wer ihn kaufen möchte, sollte die zulässige Tragfähigkeit vor der Montage beim Hersteller oder in der Fahrzeugdokumentation abgleichen.

Und noch eine Eigenart passt ins Bild: Beim EU-Reifenlabel steht in seinem Datenblatt als EPREL-Registriernummer der Wert 1000000 — eine Platzhalterziffer, keine echte Registrierung. Die Labelwerte E für die Kraftstoffeffizienz und C für die Nasshaftung lassen sich damit nicht in der europäischen Produktdatenbank nachschlagen. Bei einem Reifen, dessen Tempoangabe schon aus der Zeit vor der heutigen Kennzeichnung stammt, ist das weniger überraschend als bezeichnend: Dieses Produkt ist an mehreren Stellen älter als die Systeme, die es beschreiben sollen.

In derselben Größe dürfen 94 Reifen 300 km/h – und 93 kosten weniger

Der eigentliche Beleg dafür, dass „über 240 km/h“ keine Spitzenangabe ist, steht direkt daneben. In 235/45 R17, also exakt derselben Größe, führt der Katalog 264 Ausführungen — die Größenseite im Shop zählt am selben Tag 268 lieferbare Reifen, einer der kleinen Unterschiede zwischen unseren Verzeichnissen, von denen oben die Rede war. Nach Jahreszeit sind es 123 Sommer-, 70 Winter- und 66 Ganzjahresreifen. Die Tempokennungen verteilen sich so:

  • 94-mal Y (300 km/h)
  • 86-mal W (270 km/h)
  • 66-mal V (240 km/h)
  • 13-mal H, 3-mal T, 1-mal Q
  • und einmal gar kein Buchstabe — der ZR

Die 94 Reifen mit Y sind damit nicht nur zahlreicher, sie sind der offenen Angabe auch sachlich überlegen: 300 km/h ist eine zugesagte, genormte Zahl, „über 240“ ist eine Untergrenze ohne Deckel. Und fast alle sind günstiger. Der preiswerteste Y-Reifen dieser Größe kostet 45,93 Euro; 93 der 94 liegen unter den 208,82 Euro des ZR-Reifens. Gut sortierte Beispiele aus dem mittleren Feld sind der Maxxis Victra Sport 5 VS5 235/45 R17 97Y für 77,92 Euro und der Dunlop Sport Maxx RT 2 235/45 R17 97Y für 96,45 Euro.

Die eine Ausnahme ist lehrreich genug, um sie zu nennen: Der GT-Radial SportActive 2 235/45 R17 97Y liegt mit 239,87 Euro über dem ZR-Preis. Interessant ist dabei nicht der Betrag, sondern dass dieselbe Bezeichnung in dieser Größe ein zweites Mal vorkommt — mit eigener EPREL-Nummer, eigener Effizienzklasse und 83,00 Euro Verkaufspreis. Gleicher Name, gleiche Größe, gleicher Index, 157 Euro Unterschied. Es ist also keineswegs so, dass der Buchstabe am Ende der Betriebskennung den Preis bestimmt; er ist nur eine von mehreren Eigenschaften, und oft nicht die teuerste.

Fairerweise gehört dazu: Der Preisunterschied erklärt sich nicht aus der ZR-Kennung. Der Bridgestone ist der einzige Notlaufreifen in dieser gesamten Größe und trägt zusätzlich eine Werksfreigabe — beides treibt den Preis, unabhängig vom Tempo. Wer ein Fahrzeug fährt, das ab Werk Runflat und die Porsche-Kennung verlangt, hat hier also durchaus seinen Grund. Wer das nicht braucht, zahlt für die alte Kennung schlicht nichts dazu, sondern bekommt mit einem Y-Reifen die präzisere Zusage zum kleineren Preis. Zur Einordnung: Der mittlere Preis dieser Größe liegt bei 87,33 Euro, die Spanne reicht von 45,93 bis 756,47 Euro. Einen vollständigen Überblick gibt die Größenseite mit allen Reifen in 235/45 R17.

Was ZR für Ihren Fahrzeugschein bedeutet

Für die Praxis ist die Rechtslage erfreulich eindeutig, und sie löst das ZR-Problem von selbst. Maßgeblich ist, dass der montierte Reifen mindestens die Höchstgeschwindigkeit abdeckt, die Ihr Fahrzeug bauartbedingt erreicht. Nach oben dürfen Sie beliebig abweichen: „Man darf also z.B. einen ‚schnelleren‘ W-Reifen (270 km/h) fahren, wenn im Schein ‚nur‘ ein V-Reifen (240 km/h) eingetragen ist“, schreibt der ADAC. Umgekehrt gilt: „Ist der Geschwindigkeitsindex aber niedriger als eingetragen, dann darf der Reifen nicht gefahren werden.“

Daraus folgt für ältere Papiere mit ZR- oder VR-Eintrag eine einfache Regel. Steht dort ZR, verlangt das Fahrzeug eine Freigabe von mehr als 240 km/h. Diese Anforderung erfüllt jeder moderne Reifen mit W (270 km/h) oder Y (300 km/h) zweifelsfrei und mit einer klaren Zahl — Sie sind also nicht auf die seltene alte Kennung angewiesen und müssen ihr erst recht nicht hinterherjagen. Das ist die praktische Pointe der ganzen Auszählung: Dass es im Katalog nur einen einzigen ZR-Reifen gibt, ist für Sie kein Versorgungsproblem, denn mehr als 17.000 Reifen mit W oder Y treten an seine Stelle.

Der ADAC gibt für genau diesen Fall noch einen zweiten Rat, und er ist gut gemeint: Wenden Sie sich an Ihren Reifenhändler, er weiß, „welchen Reifen Sie mit den aktuellen Index-Symbolen ersatzweise fahren dürfen“. In der Praxis läuft das meist auf eine kurze Rechnung hinaus. Steht im Schein eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von beispielsweise 265 km/h, genügt ein W-Reifen; liegt sie darüber, muss es ein Y sein. Der Eintrag ZR allein sagt Ihnen nicht, wie schnell Ihr Auto laufen darf — diese Zahl steht an anderer Stelle in den Papieren, und sie ist die eigentlich maßgebliche.

Entscheidend ist daneben, dass die Tragfähigkeit stimmt. Der Lastindex ist die Zahl vor dem Buchstaben, und er darf — anders als beim Tempo — auch nach oben nicht beliebig abweichen, wenn dadurch die Tragfähigkeit unter den eingetragenen Wert fällt. Welche Werte Ihr Fahrzeug konkret verlangt und wo sie in den Papieren stehen, haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zu Last- und Geschwindigkeitsindex zusammengestellt. Wenn auf der Flanke, wie beim ZR-Bridgestone, überhaupt keine Lastzahl steht, hilft nur die Rückfrage beim Hersteller — raten Sie an dieser Stelle bitte nicht.

Eine wichtige Ausnahme gibt es im Winter: Winterreifen mit Alpine-Symbol dürfen langsamer sein als das Auto, wenn im Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers ein Hinweis auf die niedrigere Höchstgeschwindigkeit angebracht ist. Was dabei genau verlangt wird, steht in unserem Beitrag zur Ausnahme für Winterreifen nach § 36 StVZO.

Fazit: Die unschärfste Angabe klingt am schnellsten

„Über 240 km/h“ sieht im Datenblatt nach dem oberen Ende der Skala aus und ist in Wahrheit ihr unschärfster Eintrag. Er stammt aus einer Kennzeichnung, die nie genormt wurde, und er kommt in 56.386 Katalogpositionen noch ein einziges Mal vor — an einem Porsche-Runflat, das sein Preisschild anderen Eigenschaften verdankt. Die belastbare Auskunft steht im Buchstaben: W bedeutet 270, Y bedeutet 300 km/h, und beides übertrifft jedes ZR mit einer Zahl, auf die Sie sich berufen können. Wenn Sie beim nächsten Reifenkauf unsicher sind, lesen Sie deshalb nicht das Kürzel in der Größenbezeichnung, sondern den Buchstaben am Ende der Betriebskennung. Passende Sommerreifen für PKW finden Sie über die Größensuche im Shop.

Häufige Fragen

Ist ein ZR-Reifen schneller als ein Reifen mit Y?

Nein. ZR sagt nur, dass der Reifen für mehr als 240 km/h geeignet ist, ohne eine Obergrenze zu nennen. Y ist eine genormte Zusage über 300 km/h und damit die konkretere und höhere Angabe.

In meinen Fahrzeugpapieren steht ZR – welchen Reifen darf ich montieren?

Jeden Reifen, dessen Geschwindigkeitsindex über 240 km/h liegt, also W (270 km/h) oder Y (300 km/h). Ein höherer Index als gefordert ist laut ADAC immer zulässig, ein niedrigerer nicht.

Warum fehlt bei manchen Reifen die Tragfähigkeitszahl?

Wenn auf der Flanke nur „ZR“ ohne vollständige Betriebskennung steht, fehlt die Lastzahl systembedingt. Klären Sie die zulässige Tragfähigkeit in diesem Fall vor der Montage mit dem Hersteller oder anhand der Fahrzeugdokumentation ab.

Schlagwörter: Geschwindigkeitsindex ZR-Reifen Reifenkennzeichnung Reifenflanke Bridgestone

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