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Profil & Verschleiß – Ratgeber im Magazin

Aquaplaning vermeiden: So behalten Sie bei Sommerregen die Kontrolle

· 19 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 10.09.2026
Auto bei Starkregen auf nasser Autobahn mit Gischt hinter den Reifen (KI-generiert, OpenAI)
Auto bei Starkregen auf nasser Autobahn mit Gischt hinter den Reifen (KI-generiert, OpenAI)

Ein kurzer, heftiger Sommerregen genügt: Wo eben noch trockener Asphalt war, steht plötzlich ein Wasserfilm – und der Reifen verliert den Bodenkontakt. Aquaplaning gehört zu den unterschätzten Gefahren der warmen Jahreszeit, denn kräftige Gewitter treffen oft auf hohes Tempo, etwa auf der Urlaubsfahrt über die Autobahn. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Bereifung, dem passenden Luftdruck und vorausschauender Fahrweise lässt es sich fast immer vermeiden. Und die zweite gute Nachricht: Man muss darüber nicht spekulieren. Der ADAC misst in jedem Reifentest, bei welchem Tempo ein Reifen aufschwimmt. Wir haben für diesen Ratgeber neun aktuelle ADAC-Testfelder ausgewertet – und die Zahlen sagen deutlich mehr, als die üblichen Faustregeln vermuten lassen.

Was beim Aquaplaning wirklich passiert

Aquaplaning (auch „Wasserglätte") entsteht, wenn sich zwischen Reifen und Fahrbahn ein Wasserkeil schiebt, den das Profil nicht mehr schnell genug verdrängen kann. Physikalisch muss der Reifen bei jeder Radumdrehung das Wasser vor der Aufstandsfläche zur Seite und nach hinten wegpumpen. Übersteigt die Wassermenge, die pro Sekunde unter den Reifen strömt, das Fassungsvermögen der Profilrillen, hebt der Wasserkeil den Reifen an: Er „schwimmt auf", Lenkung und Bremse verlieren schlagartig ihre Wirkung, und das Fahrzeug reagiert nicht mehr auf Ihre Befehle.

Besonders tückisch ist das im Sommer. Kurze, kräftige Gewitter treffen auf warme, teils ausgetrocknete Straßen, auf denen das Wasser nicht schnell genug abfließt. Es sammelt sich vor allem in Spurrillen, die schwere Lkw über die Jahre in den Asphalt der Autobahn gefahren haben, sowie in Senken und Unterführungen. Schon ein wenige Millimeter tiefer Wasserfilm reicht bei hohem Tempo aus, um einen Reifen aufschwimmen zu lassen – man muss dazu keine sichtbare „Pfütze" durchfahren. Genau deshalb passiert Aquaplaning so oft überraschend: Die Stelle sieht aus wie der Rest der Fahrbahn.

Dabei muss der Reifen gar nicht vollständig abheben, um gefährlich zu werden. Beim sogenannten Teilaquaplaning verliert nur ein Teil der Aufstandsfläche den Kontakt, doch schon das reduziert Lenk- und Bremskraft spürbar. Zuerst betroffen sind fast immer die Vorderräder, weil sie das Wasser als Erste erreichen und der Hinterreifen anschließend durch die bereits verdrängte Wasserspur läuft; ein plötzlich leichtes Lenkrad ist deshalb das früheste Warnzeichen. Drei Faktoren entscheiden darüber, wie früh es so weit kommt: die Profiltiefe, der Reifendruck und die Geschwindigkeit. Alle drei haben Sie selbst in der Hand – und einen vierten entscheiden Sie beim Kauf: den Reifen selbst.

Wie der ADAC die Aquaplaning-Reserve misst

In jedem ADAC-Reifentest stehen zwei Aquaplaning-Werte, und beide sind für die Praxis unmittelbar verständlich. Aquaplaning längs ist die Aufschwimmgeschwindigkeit in Kilometern pro Stunde: das Tempo, bei dem der Reifen auf einer geradeaus durchfahrenen Wasserstrecke den Kontakt verliert. Je höher der Wert, desto später schwimmt der Reifen auf. Aquaplaning quer misst die Querbeschleunigung in Metern pro Quadratsekunde, die der Reifen im wasserdurchfahrenen Kreis noch aufbauen kann – also die Kurvenreserve. Auch hier gilt: je höher, desto besser.

Wichtig für jede Einordnung ist die Wassertiefe, denn sie entscheidet über das Ergebnis. Der ADAC gibt sie in seiner Testbeschreibung ausdrücklich an: 7 beziehungsweise 5 Millimeter (Quelle: ADAC-Reifentests). Damit sind ADAC-Werte untereinander vergleichbar – aber eben nur untereinander. Ein Aufschwimmwert aus einem anderen Test mit abweichender oder gar nicht genannter Wassertiefe darf nicht dagegengerechnet werden. Wie so eine Messreihe aus einer anderen Redaktion aussieht, zeigt unser Beitrag zur gemessenen Aquaplaning-Rangliste eines UHP-Testfelds in 245/45 R19; die dortigen Zahlen stehen bewusst für sich und werden hier nicht mit den ADAC-Werten vermischt.

Für diesen Ratgeber haben wir neun ADAC-Testfelder mit zusammen 191 Reifen ausgewertet. Die drei Sommerreifenfelder haben wir Reifen für Reifen erhoben – das sind 84 Einzelergebnisse mit beiden Aquaplaning-Werten, der Gesamtnote, der Nassnote, dem Nassbremsweg, dem Preis und dem EU-Label. Für die vier Winter- und zwei Ganzjahresfelder haben wir die vom ADAC ausgewiesenen Feldspannen übernommen, also den besten und den schlechtesten Wert des jeweiligen Feldes. Als Integritätsprüfung haben wir die aus den Einzelwerten errechneten Spannen gegen die vom ADAC selbst angegebenen Klammerwerte gestellt: In allen sechs geprüften Messreihen stimmen sie exakt überein.

Ab wann schwimmt ein Reifen auf? Die Zahlen aus neun Testfeldern

Die Aufschwimmgeschwindigkeit ist keine feste Größe, sondern eine Spanne – und die ist erheblich. Hier die neun Felder, sortiert nach der Bestleistung, jeweils mit dem besten und dem schlechtesten Reifen des Feldes:

  • Ganzjahresreifen 185/65 R15 (Test 2026, 16 Reifen): 91,9 bis 74,7 km/h, quer 3,9 bis 2,4 m/s²
  • Winterreifen 205/60 R16 (Test 2023, 16 Reifen): 90,6 bis 69,1 km/h, quer 3,9 bis 2,1 m/s²
  • Sommerreifen 205/55 R16 (Test 2023, 50 Reifen): 86,7 bis 70,3 km/h, quer 4,0 bis 2,7 m/s²
  • Winterreifen 205/55 R16 (Test 2024, 12 Reifen): 84,4 bis 68,9 km/h, quer 3,7 bis 2,4 m/s²
  • Sommerreifen 225/40 R18 (Test 2025, 18 Reifen): 83,7 bis 69,3 km/h, quer 3,5 bis 1,9 m/s²
  • Winterreifen 215/55 R17 (Test 2024, 16 Reifen): 80,5 bis 68,3 km/h, quer 3,4 bis 1,9 m/s²
  • Winterreifen 225/40 R18 (Test 2025, 31 Reifen): 78,9 bis 61,6 km/h, quer 3,1 bis 1,3 m/s²
  • Sommerreifen 215/55 R17 (Test 2024, 16 Reifen): 78,5 bis 73,8 km/h, quer 3,5 bis 2,7 m/s²
  • Ganzjahresreifen 225/45 R17 (Test 2025, 16 Reifen): 78,5 bis 65,6 km/h, quer 2,8 bis 1,8 m/s²

Der niedrigste Wert der ganzen Erhebung sind 61,6 km/h – gemessen am schwächsten Reifen des Winterfeldes 225/40 R18. Der höchste sind 91,9 km/h im Ganzjahresfeld 185/65 R15. Zwischen diesen beiden Reifen liegen gut 30 km/h, und das ist im Alltag ein gewaltiger Unterschied: Der eine trägt auf einer überfluteten Strecke noch bei Tempo 90, der andere verliert den Kontakt bereits bei gut 60 km/h – also weit unterhalb dessen, was auf einer Landstraße üblich ist. Wer sich merken möchte, wo die kritische Zone ungefähr beginnt, liegt mit einer einfachen Regel richtig: Auf durchgängig nasser Fahrbahn mit stehendem Wasser ist deutlich unter 80 km/h die einzige Geschwindigkeit, bei der praktisch jeder Reifen dieser neun Felder noch trägt. Genau das empfiehlt der ADAC auch in seinem Ratgeber zum Aquaplaning – die Messwerte untermauern die Empfehlung Reifen für Reifen.

Eine Einschränkung gehört dazu, und wir nennen sie offen: Diese neun Felder stammen aus vier Testjahren, sie wurden mit unterschiedlichen Fahrzeugen gefahren und decken unterschiedliche Reifenklassen ab – vom Kleinwagenreifen bis zum sportlichen UHP-Reifen. Die Messmethode ist über alle Felder dieselbe, die Rahmenbedingungen sind es nicht vollständig. Die Zahlen taugen deshalb als belastbare Größenordnung und für den Vergleich innerhalb eines Feldes, nicht als Laborvergleich zweier Einzelreifen aus zwei verschiedenen Jahren.

Die Streuung im Testfeld ist größer als der Unterschied zwischen den Größen

Damit zur meistgestellten Frage: Schwimmen breite Reifen früher auf? Die Physik sagt ja – ein breiterer Reifen muss pro Meter Fahrstrecke mehr Wasser verdrängen und drückt es mit geringerem Flächendruck weg. Die Messwerte bestätigen die Richtung, aber sie tun es weniger sauber, als man erwarten würde.

Ordnet man die neun Felder nach Nennbreite und mittelt jeweils den besten Wert, ergibt sich folgendes Bild: 185 Millimeter 91,9 km/h · 205 Millimeter im Schnitt 87,2 km/h · 215 Millimeter 79,5 km/h · 225 Millimeter 80,4 km/h. Bei den schwächsten Reifen der Felder lautet die Reihe 74,7 · 69,4 · 71,1 · 65,5 km/h. Vom schmalsten zum breitesten Feld verliert die Spitze also rund 11,5 km/h und das Schlusslicht rund 9,2 km/h. Die Tendenz zeigt in die erwartete Richtung – eine saubere Treppe ist es nicht, denn das breiteste Sommerfeld (225/40 R18) erreicht an der Spitze mehr als beide 215er-Felder. Das liegt auch daran, dass dort überwiegend sportliche UHP-Reifen antreten, deren breite Längsrillen viel Wasser fassen. Die Nennbreite allein sagt also weniger aus als die Auslegung des Profils.

Der eigentlich wichtige Befund liegt aber woanders. Innerhalb eines einzelnen Testfeldes trennen im Schnitt 14,7 km/h den besten vom schlechtesten Reifen – mehr, als zwischen dem schmalsten und dem breitesten Feld an der Spitze liegt. Das Extrem liefert das Winterfeld 205/60 R16 mit 21,5 km/h Abstand zwischen Bestem und Schlechtestem, also einer kompletten Tempoklasse. Umgekehrt zeigt das Sommerfeld 215/55 R17 mit nur 4,7 km/h Spanne, dass es auch Felder gibt, in denen die Modellwahl kaum etwas ändert. Für die Kaufentscheidung heißt das im Regelfall: Welchen Reifen Sie nehmen, wiegt schwerer als welche Breite Sie fahren. Wer trotzdem grundsätzlich zwischen zwei Nennbreiten schwankt, findet die übrigen Argumente in unserem Vergleich breite oder schmale Reifen.

Warum die Gesamtnote nichts über die Wasserreserve verrät

Hier wird es für die Praxis unbequem, denn viele Kaufentscheidungen fallen über das Gesamturteil eines Tests. Für Aquaplaning ist das Gesamturteil aber ein schlechter Ratgeber – und das lässt sich in den drei vollständig erhobenen Sommerfeldern Reifen für Reifen zeigen.

Im großen Feld 205/55 R16 mit 50 Reifen liegt der Zusammenhang zwischen Aufschwimmgeschwindigkeit und Gesamtnote bei einem Korrelationskoeffizienten von −0,53: ein erkennbarer, aber lockerer Zusammenhang. Was er im Einzelfall bedeutet, zeigen die Ausreißer. Der Continental UltraContact ist mit der Note 2,3 der fünftbeste Reifen des Feldes – beim Aquaplaning längs steht er mit 76,5 km/h auf Rang 46 von 50. Das sind 41 Ränge Unterschied. Der Testsieger Continental PremiumContact 6 (Note 2,0) kommt beim Aufschwimmen auf Rang 27, liegt also exakt im Mittelfeld. Und der Hankook Ventus Prime4, Gesamtrang 9, findet sich beim Aquaplaning auf Rang 43 wieder. Von den zehn bestbenoteten Reifen des Feldes liegen fünf in der schlechteren Hälfte der Aquaplaning-Rangliste.

Umgekehrt funktioniert es genauso. Der Uniroyal RainSport 5 ist mit 86,7 km/h der beste Aquaplaning-Reifen aller 84 erhobenen Sommerreifen und zugleich mit 4,0 m/s² der beste im Kreis – in der Gesamtwertung reicht es nur für Rang 31 und die Note 3,3. Der Westlake Z-107 gehört mit 84,6 km/h zu den drei besten Aufschwimmwerten des Feldes und steht in der Gesamtwertung auf Rang 35. Beide Reifen haben ihre Punkte anderswo verloren, nicht im Wasser.

Das schärfste Beispiel liefert das Feld 215/55 R17 aus dem Jahr 2024. Dort ist der Testsieger Continental PremiumContact 7 (Note 2,0) beim Aquaplaning längs mit 74,0 km/h der letzte von 16 Reifen, und im Kreis teilt er sich mit 2,8 m/s² den vorletzten Rang. Der Letztplatzierte des Feldes, der Vredestein Ultrac mit der Gesamtnote 3,8, ist beim Aufschwimmen Zweitbester (78,4 km/h) und im Kreis gemeinsam mit dem Dunlop der Beste (3,5 m/s²) – seine Nassnote von 2,5 ist sogar besser als der Feldschnitt. Verloren hat er den Test auf trockener Fahrbahn, nicht im Regen. Rechnerisch dreht sich der Zusammenhang in diesem Feld sogar um: Der Korrelationskoeffizient zwischen Aufschwimmgeschwindigkeit und Gesamtnote beträgt +0,35 – die besseren Aquaplaning-Reifen haben hier im Mittel die schlechteren Gesamtnoten. Im Feld 225/40 R18 liegt er wieder bei −0,64. Ein Zusammenhang, der über drei Felder hinweg das Vorzeichen wechselt, ist kein Zusammenhang, auf den man sich verlassen kann.

Die Regel, die daraus folgt, ist einfach: Eine gute Gesamtnote ist kein Nässe-Beweis. Wer den Reifen gezielt wegen seiner Wasserreserve kauft, muss die Teilwertung nachschlagen – sie steht in jedem ADAC-Testbericht auf der Detailseite des jeweiligen Reifens. Welche Tests es zu welcher Größe überhaupt gibt, haben wir in der Übersicht Reifentests nach Größe sortiert zusammengestellt; wie belastbar Testurteil und Label im Vergleich sind, klärt der Beitrag Label oder Testurteil.

Längs und quer: zwei Disziplinen, ein Ergebnis

Erfreulicher ist der Befund bei den beiden Aquaplaning-Disziplinen selbst. Sie hängen eng zusammen, und zwar erstaunlich stabil: Der Korrelationskoeffizient zwischen Aufschwimmgeschwindigkeit und Querbeschleunigung beträgt 0,80 im Feld 205/55 R16, 0,84 im Feld 215/55 R17 und 0,85 im Feld 225/40 R18. Ein Reifen, der geradeaus spät aufschwimmt, hält also in aller Regel auch in der wasserdurchfahrenen Kurve länger durch. Für die Praxis ist das eine Entlastung: Sie müssen nicht beide Werte gegeneinander abwägen, ein Blick auf einen von beiden genügt für die Einordnung.

Die Extreme bestätigen das eindrucksvoll. Der schon erwähnte Uniroyal RainSport 5 führt in seinem Feld beide Disziplinen an – er ist der einzige Reifen der drei Sommerfelder, dem das gelingt. Am anderen Ende steht die Marke Doublecoin, die in zwei der drei Felder vertreten ist und in beiden dasselbe Bild abgibt: Der DC99 ist im Feld 205/55 R16 mit 70,3 km/h und 2,7 m/s² in beiden Disziplinen Letzter, der DC100 im Feld 225/40 R18 mit 69,3 km/h und 1,9 m/s² ebenfalls. Beide tragen die Gesamtnote 5,5. Zum Sortiment gehört die Anmerkung, dass kein Doublecoin-Reifen dieser beiden Größen bei uns gelistet ist – eine Sortimentsentscheidung, die lange vor diesen Tests gefallen ist.

Ein Zusammenhang bleibt dagegen unklar, und wir lassen ihn bewusst offen. Zwischen Aufschwimmgeschwindigkeit und Nassbremsweg liegt im Feld 205/55 R16 ein Koeffizient von −0,62 (die wasserfesteren Reifen bremsen dort also auch kürzer), im Feld 225/40 R18 von −0,66 – im Feld 215/55 R17 aber von +0,64, also mit umgekehrtem Vorzeichen: Dort bremsen ausgerechnet die aquaplaningstärksten Reifen am längsten. Welche konstruktive Auslegung dahintersteckt, lässt sich aus den veröffentlichten Daten nicht ableiten; wir zeigen den Befund und sparen uns die Deutung. Was der Bremsweg bei Nässe für sich genommen bedeutet, behandelt unser Ratgeber zum Bremsweg bei Nässe.

Wie viel Gewicht der ADAC dem Aquaplaning gibt

Interessant ist auch, welchen Anteil die beiden Disziplinen überhaupt an der Note haben – denn das erklärt, warum ein Aquaplaning-Schwächling trotzdem Testsieger werden kann. Der ADAC legt sein Bewertungsschema offen: Beim Sommerreifen zählt das Hauptkriterium Fahrsicherheit 70 Prozent der Gesamtnote, darin die nasse Fahrbahn 60 Prozent, und darin wiederum Aquaplaning längs 20 und Aquaplaning quer 10 Prozent.

Rechnet man das durch – es ist unsere eigene Modellrechnung aus dem veröffentlichten Schema, keine ADAC-Angabe –, dann machen beide Aquaplaning-Disziplinen zusammen 12,6 Prozent der Sommerreifen-Gesamtnote aus. Beim Ganzjahresreifen sind es wegen des geringeren Nass-Anteils rund 9,5 Prozent, beim Winterreifen nur 8,4 Prozent. Anders gesagt: Ein Reifen kann beim Aquaplaning die schlechteste Bewertung des gesamten Feldes kassieren und trotzdem in der Gesamtwertung vorn landen, wenn er die übrigen rund 87 Prozent überzeugend abliefert. Das ist keine Schwäche des Testverfahrens – ein Test muss alle Eigenschaften abwägen, und Trockenbremsen, Verschleiß und Verbrauch betreffen jede Fahrt, Aquaplaning nur wenige. Es ist nur ein guter Grund, die Teilwertung nachzuschlagen, wenn man viel Autobahn bei Regen fährt.

Die drei Stellschrauben, die Sie selbst in der Hand haben

So gut oder schlecht der Reifen ab Werk ist – im Alltag entscheiden drei Dinge darüber, wie nah Sie an seine Grenze kommen.

Profiltiefe – mehr als das gesetzliche Minimum: Das Profil leitet das Wasser aus der Aufstandsfläche; je tiefer die Rillen, desto größer ihr Fassungsvermögen. Gesetzlich vorgeschrieben sind in Deutschland mindestens 1,6 mm im Hauptprofil (§ 36 StVZO) – wer darunter liegt, riskiert 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg, bei Gefährdung 75 Euro. Mit echter Nässesicherheit hat dieser Zulassungswert aber wenig zu tun: Neureifen starten mit rund 8 mm, und schon unterhalb von etwa 3,5 mm steigt die Aquaplaning-Gefahr deutlich an; bei 3 mm und weniger kann selbst auf nur feuchter Straße beim Bremsen Aquaplaning auftreten. Der ADAC rät daher, Sommerreifen frühzeitig – spätestens bei 3 mm Restprofil – zu ersetzen. Behalten Sie dabei im Kopf, dass alle oben genannten Messwerte an neuen Reifen entstanden sind: Die 86,7 km/h des besten Reifens sind ein Neuwert, kein Versprechen für den vierten Sommer. Wie Sie die Tiefe zuverlässig kontrollieren, zeigt unser ausführlicher Ratgeber zum Profiltiefe-Messen; als grober Selbsttest hilft eine 1-Euro-Münze – verschwindet der goldene Rand (rund 3 mm breit) vollständig in der Rille, ist noch genug Profil vorhanden.

Reifendruck – der unterschätzte Faktor: Das Aquaplaning-Verhalten hängt stark vom korrekten Luftdruck ab. Bei zu niedrigem Druck verformt sich die Aufstandsfläche, das Wasser wird schlechter verdrängt und der Reifen schwimmt früher auf. Prüfen Sie den Druck deshalb regelmäßig, etwa alle zwei Wochen und vor jeder längeren Fahrt, immer am kalten Reifen. Die korrekten Werte finden Sie im Tankdeckel, am Türholm der Fahrerseite oder in der Betriebsanleitung; wie Sie den Reifendruck korrekt einstellen, erklären wir Schritt für Schritt. Für die voll beladene Urlaubsfahrt gelten die höheren Druckwerte aus der Tabelle – Details dazu im Ratgeber Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.

Geschwindigkeit – der wirksamste Hebel: Den größten Einfluss haben Sie über das Tempo, denn das Risiko steigt überproportional mit der Geschwindigkeit: Je schneller Sie fahren, desto weniger Zeit bleibt dem Profil, das Wasser zu verdrängen. Die neun Testfelder liefern dazu die passende Hausnummer – zwischen 61,6 und 91,9 km/h liegt die Aufschwimmgrenze der gemessenen Neureifen, und der Mittelwert der Feld-Schlusslichter liegt bei rund 69 km/h. Wer bei stehendem Wasser 80 oder 100 km/h fährt, verlässt sich also darauf, einen der besseren Reifen montiert zu haben – und auf einen Reifen, der noch reichlich Profil hat. Der ADAC rät, bei Starkregen deutlich unter 80 km/h zu bleiben, Spurrillen zu meiden, beide Hände am Lenkrad zu lassen und das Abblendlicht einzuschalten. Lieber einmal zu früh vom Gas als einmal zu spät.

Warnzeichen: So erkennen Sie beginnendes Aquaplaning

Aquaplaning kündigt sich meist an, bevor der Reifen vollständig aufschwimmt. Wer bei Nässe aufmerksam bleibt, spürt die ersten Anzeichen früh genug, um das Tempo zurückzunehmen:

  • Die Lenkung wird plötzlich leicht und „gefühllos" – das deutlichste Frühwarnzeichen.
  • Ein rauschendes Wassergeräusch wird im Radkasten hörbar; drehen Sie das Radio leiser, um es wahrzunehmen.
  • Gischt und Wasserschwall an vorausfahrenden Fahrzeugen verraten tiefe Wasserstellen rechtzeitig.
  • Bei Frontantrieb kann die Drehzahl kurz ansteigen, weil die angetriebenen Räder den Grip verlieren.

Diese Zeichen zu kennen ist die halbe Miete: Wer sie deutet, geht instinktiv vom Gas, noch bevor die Situation kritisch wird. Und weil die Vorderräder zuerst aufschwimmen, bleibt beim aufmerksamen Fahren fast immer ein kurzer Moment Vorwarnung, bevor das ganze Fahrzeug die Führung verliert.

Richtig reagieren, wenn der Reifen aufschwimmt

Wenn es doch passiert, gilt vor allem eines: Ruhe bewahren und keine hektischen Manöver. Der ADAC empfiehlt:

  1. Nicht lenken, nicht bremsen, nicht beschleunigen.
  2. Das Lenkrad gerade halten, bis die Reifen wieder Grip haben.
  3. Das Fahrzeug auskuppeln und rollen lassen; beim Automatikgetriebe die Fahrstufe nicht wechseln und den Fuß behutsam vom Gas nehmen.

Tipp: Hektisches Gegenlenken ist die größte Gefahr. Greifen die Reifen ruckartig wieder, kann ein eingeschlagenes Rad das Auto sonst schlagartig aus der Spur reißen. Halten Sie das Lenkrad ruhig und warten Sie den Bodenkontakt ab.

Der Zustand dauert selten lange – oft nur Sekundenbruchteile, bis die Wasserstelle durchfahren ist. Genau deshalb ist Nichtstun die richtige Reaktion: Jede Lenk- oder Bremsbewegung während der Aufschwimmphase wirkt erst in dem Moment, in dem der Reifen wieder greift, und dann meist viel zu stark.

Was das für den Reifenkauf heißt

Reifen mit guten Nässeeigenschaften verschaffen Ihnen genau die Reserve, um die es in diesem Ratgeber geht. Zwei Dinge zählen: ausreichend Profil und ein Profildesign, das Wasser effektiv abführt. Moderne Sommerreifen nutzen dafür breite Längsrillen und – bei laufrichtungsgebundenen Modellen – V-förmig nach außen gepfeilte Rillen, die das Wasser regelrecht zur Seite herauspumpen.

Ein Hinweis zum EU-Reifenlabel ist dabei wichtig: Die Nasshaftungsklasse A steht für den kürzesten Bremsweg auf nasser, nicht überfluteter Fahrbahn. Aquaplaning kommt im Label überhaupt nicht vor. Das Label ist trotzdem nützlich, weil ein Reifen mit guter Nasshaftung in aller Regel auch das griffigere Profil mitbringt – nur ist es eben kein Aquaplaning-Nachweis. Was die Buchstaben genau bedeuten, erklärt unser Ratgeber EU-Reifenlabel lesen, und was die Nasshaftungsklasse wirklich misst, haben wir gesondert aufgeschrieben.

Aus den erhobenen Feldern lassen sich konkrete, heute lieferbare Reifen benennen – jeweils in genau der Ausführung, die der ADAC getestet hat, also mit identischer Größe, identischem Last- und Geschwindigkeitsindex und identischem Label. In der besonders gefragten Größe 205/55 R16 sind das:

In der Größe 215/55 R17 liegen die beiden Reifen im Regal, die den Widerspruch dieses Testfeldes am deutlichsten zeigen: der Continental PremiumContact 7 215/55 R17 98W als Testsieger mit dem schwächsten Aufschwimmwert des Feldes und der Vredestein Ultrac 215/55 R17 98Y als Letzter der Gesamtwertung mit den besten Nässe-Reserven. Den höchsten Aufschwimmwert dieses Feldes hält der Bridgestone Turanza 6 215/55 R17 98W mit 78,5 km/h bei der Gesamtnote 2,6 – von den dreien der ausgewogenste Kompromiss.

Eine größere Auswahl finden Sie in der Kategorie Sommerreifen für PKW sowie auf der Größenseite 225/40 R18. Wer ohnehin vor der Urlaubsfahrt steht, findet in unserer Checkliste für den Reifen-Check vor dem Urlaub alle Prüfpunkte auf einen Blick. Und wie ein aktueller ADAC-Sommerreifentest im Detail aussieht, lesen Sie in unserer Auswertung zum ADAC-Sommerreifentest 2026 in 225/50 R17.

Unterm Strich: Aquaplaning ist beherrschbar, und die Messwerte zeigen, wie viel Spielraum tatsächlich in der Reifenwahl steckt – bis zu 21,5 km/h zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen eines einzigen Testfeldes. Wer auf ausreichend Profil (beim Sommerreifen mindestens 3 mm), korrekten Luftdruck und angepasstes Tempo achtet, ist auf der sicheren Seite. Und wenn das Wetter doch verrücktspielt, hilft Ruhe statt hektischem Lenken.

Häufige Fragen

Schwimmen breitere Reifen tatsächlich früher auf?

Die Tendenz stimmt, sie ist aber schwächer als oft angenommen. Über neun ADAC-Testfelder gemittelt erreicht die Spitze im 185er-Feld 91,9 km/h und in den 225er-Feldern 80,4 km/h. Innerhalb eines einzelnen Feldes liegen im Schnitt jedoch 14,7 km/h zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen – die Modellwahl wiegt also schwerer als die Nennbreite.

Was sagt die Aufschwimmgeschwindigkeit im ADAC-Test aus?

Sie gibt an, bei welchem Tempo der Reifen auf einer gerade durchfahrenen Wasserstrecke den Fahrbahnkontakt verliert; der ADAC misst dafür bei 7 beziehungsweise 5 Millimetern Wassertiefe. Der Wert gilt für den neuen Reifen – mit sinkender Profiltiefe fällt er deutlich.

Hilft mehr Luftdruck gegen Aquaplaning?

Wichtig ist der korrekte Druck nach Herstellervorgabe. Zu niedriger Druck verschlechtert die Wasserverdrängung – aber auch ein deutlich zu hoher Druck begünstigt Aquaplaning, weil die Aufstandsfläche schrumpft. Bleiben Sie bei den Werten aus Tankdeckel oder Betriebsanleitung und überschreiten Sie den maximal zulässigen Druck nicht.

Können auch Winter- und Ganzjahresreifen aufschwimmen?

Ja, in den Messungen sogar früher als viele Sommerreifen. Den niedrigsten Wert der gesamten Erhebung liefert ein Winterreifen im Feld 225/40 R18 mit 61,6 km/h; auch die Ganzjahresreifen in 225/45 R17 kommen nur auf 78,5 bis 65,6 km/h. Umgekehrt steht der höchste gemessene Wert von 91,9 km/h ebenfalls in einem Ganzjahresfeld. Entscheidend ist also auch hier nicht die Saison, sondern der einzelne Reifen – und die verbliebene Profiltiefe.

Schlagwörter: Aquaplaning Profiltiefe Sommerreifen Nässe Reifensicherheit

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