Bridgestone Battlax BT46: der Diagonalreifen für Klassiker und Tourer
Wer eine klassische Maschine, einen luftgekühlten Roadster oder einen älteren Tourer fährt, kennt das Problem: Viele moderne Reifen gibt es schlicht nicht in den passenden Diagonalgrößen, und ein knochenharter Sportgummi passt weder zur Optik noch zum Fahrwerk. Genau in diese Lücke fährt der Bridgestone Battlax BT46. Er ist kein neuer Supersport-Reifen, sondern ein bewusst konservativer Diagonal-Tourenreifen für Motorräder, die ab Werk mit Diagonalreifen ausgeliefert wurden – vom Youngtimer über den klassischen Naked Bike bis zum leichten Reisemotorrad. Wir ordnen ein, was der BT46 kann, was ihn vom langjährigen Vorgänger unterscheidet und für wen er die richtige Wahl ist.
Vom BT45 zum BT46: 22 Jahre und ein gezieltes Technik-Update
Der Battlax BT45 war über zwei Jahrzehnte lang Bridgestones Standard-Diagonalreifen für Sport- und Tourenmaschinen – von 1998 bis 2020 nahezu unverändert im Programm. Erst im Januar 2020 stellte Bridgestone mit dem BT46 den Nachfolger vor, zunächst in zehn Kerngrößen, danach schrittweise auf das volle Programm ausgebaut. Nach eigenen Angaben umfasst die Baureihe inzwischen rund 21 Vorderrad- und 27 Hinterradgrößen.
Das Update ist kein kompletter Neuentwurf, sondern eine gezielte Verbesserung an zwei Stellen. Vorne setzt Bridgestone auf ein neu gezeichnetes Profil mit einer nach eigener Beschreibung „invers gestalteten V-Form": Diese soll die Kräfte im Reifen gleichmäßiger aufnehmen, unregelmäßigen Verschleiß reduzieren und dem Fahrer ein präziseres Rückmeldungsgefühl geben. Hinten kommt eine neu abgestimmte Gummimischung mit Silica (Kieselsäure) zum Einsatz, die laut Hersteller Grip und Laufleistung zugleich anheben soll. Vorder- und Hinterreifen erfüllen damit unterschiedliche Aufgaben – ein Grund mehr, sie nie einzeln, sondern immer als abgestimmtes Paar zu betrachten. Grundsätzlich sollten Sie vorne und hinten kein beliebiges Reifen-Gemisch fahren, sondern innerhalb einer freigegebenen Kombination bleiben.
Der Kern der Botschaft ist einfach: Bridgestone hat vor allem die Nässeleistung gegenüber dem BT45 angehoben, ohne das trockene Handling und die für einen Diagonalreifen ordentliche Laufleistung zu opfern. Das sind Herstellerangaben und keine unabhängige Messung – ein neutrales EU-Label oder einen breiten Magazintest gibt es für diesen Reifentyp nicht (dazu unten mehr). Warum die Gummimischung so viel entscheidet, erklären wir ausführlich im Beitrag Single- oder Dual-Compound bei Motorradreifen.
Diagonal statt Radial – und warum das für Klassiker zählt
Der wichtigste Punkt beim BT46 steckt schon im Namen des Sortiments: „Bias Touring" – also Diagonalbauart. Bei einem Diagonalreifen laufen die Karkassenlagen schräg (diagonal) von Wulst zu Wulst, sich überkreuzend. Beim moderneren Radialreifen liegen sie dagegen quer zur Laufrichtung, überzogen von einem stabilen Gürtel. Radial baut steifer, läuft kühler und hält bei hohem Tempo länger die Form – deshalb sitzt an jeder aktuellen Sportmaschine ein Radialreifen.
Für viele klassische und ältere Motorräder ist Diagonal aber genau richtig, teils sogar vorgeschrieben. Diese Fahrwerke sind auf die weichere, nachgiebigere Diagonalkarkasse ausgelegt; ein steifer Radialreifen würde das Fahrverhalten verändern und ist ohne Freigabe ohnehin nicht erlaubt. Dazu kommt die Optik: Ein zeitgemäßes, aber klassisch anmutendes Profil macht auf einer alten Maschine schlicht die bessere Figur als ein modernes Sport-Design. Welche Regeln bei Bauart, Alter und dem H-Kennzeichen für ältere Fahrzeuge gelten, lesen Sie im Ratgeber zu Oldtimer- und Youngtimer-Reifen. Und wenn Sie unsicher sind, wie Sie Größe und Bauart überhaupt von der Flanke ablesen, hilft unsere Anleitung Motorradreifen-Größe lesen.
Entscheidend bleibt in jedem Fall die Reifenfreigabe Ihres Motorrads: Nur eine Größe und Bauart, die in den Papieren steht oder vom Hersteller freigegeben ist, darf montiert werden. Das gilt für den BT46 wie für jeden anderen Reifen.
TT, TL und die UM-Kennung: die Schlauch-Frage
Klassische Motorräder fahren oft Speichenräder – und die brauchen in aller Regel einen Schlauch. Genau hier hat der BT46 eine praktische Eigenschaft: Viele Größen tragen die UM-Kennung (für „Umrüstung"). Sie bedeutet, dass ein an sich schlauchlos gebauter Reifen auf einer Schlauchfelge montiert werden darf – vorausgesetzt, er wird mit einem Schlauch gefahren. Für Besitzer restaurierter oder originaler Klassiker mit Speichenrädern ist das eine wichtige Flexibilität, weil sie nicht auf eine reine Schlauchversion angewiesen sind.
Wichtig ist die Grundregel: Ein Reifen mit Schlauch braucht immer einen passenden, unbeschädigten Schlauch in der richtigen Größe, und ein Reifen ohne Schlauch (tubeless, TL) gehört nur dann schlauchlos gefahren, wenn Felge und Reifen dafür ausgelegt sind. Umgekehrt darf ein tubeless-Reifen mit Schlauch laufen, wenn er entsprechend gekennzeichnet ist. Welcher Schlauch, welches Ventil und welche Größe zu Ihrem Rad passen, klären wir Schritt für Schritt im Beitrag Motorrad-Schläuche richtig wählen. Im Zweifel entscheidet die Fachwerkstatt bei der Montage, was zulässig ist.
Größen und Preise in unserem Sortiment (Stand 28.07.2026)
Der BT46 deckt genau das Spektrum ab, das Klassiker- und Tourenfahrer brauchen. In unserem Sortiment sind aktuell 41 Ausführungen lieferbar – von schmalen, hohen Vorderradgrößen wie 3.25-19 oder 90/90-21 über klassische Zoll- und Mischmaße bis zu breiteren Cruiser-Hinterreifen wie 150/80-16 und modernen Formaten wie 120/70-17 oder 150/70-17. Damit passt der Reifen sowohl auf betagte Maschinen mit 18-, 19- oder 21-Zoll-Rädern als auch auf jüngere Roadster.
Beim Geschwindigkeitsindex bleibt der BT46 seiner Bestimmung als Tourenreifen treu: In unserer Auswertung tragen alle lieferbaren Größen den Index H (bis 210 km/h) oder V (bis 240 km/h) – ein reiner ZR-Sportindex ist nicht dabei. Das passt zum Charakter des Reifens, der auf Fahrstabilität und Laufleistung ausgelegt ist, nicht auf Rennstreckentempo.
Preislich liegen die lieferbaren Größen bei uns zwischen rund 83 und 150 Euro pro Reifen, der mittlere Preis bei etwa 108 Euro (Stand 28.07.2026, unser aktueller Sortimentsstand – kein allgemeiner Marktpreis; Reifenpreise ändern sich laufend). Konkrete Beispiele: die klassische Vorderradgröße BT46 3.25-19 54H, das gängige BT46 4.00-18 64H für viele Tourer und das moderne BT46 120/70-17 58H. Die komplette, tagesaktuelle Auswahl finden Sie in unserer Rubrik Motorradreifen.
Kein EU-Label – worauf Sie stattdessen achten
Anders als bei Autoreifen finden Sie beim BT46 – wie bei jedem Motorradreifen – kein EU-Reifenlabel mit Buchstaben für Nasshaftung, Rollwiderstand und Geräusch. Motorradreifen sind von der EU-Labelpflicht ausgenommen. Woran Sie die Qualität stattdessen festmachen und welche Kennungen wirklich zählen, erklären wir im Beitrag Warum Motorradreifen kein EU-Label haben.
Bei einem Reifen für Klassiker und wenig gefahrene Maschinen kommt ein zweiter Punkt hinzu, der oft unterschätzt wird: das Reifenalter. Wer sein Motorrad nur an schönen Wochenenden bewegt, fährt das Profil kaum herunter – der Gummi altert trotzdem. Ein Reifen mit tiefem Profil kann längst zu hart und rissig sein. Prüfen Sie deshalb bei Kauf und Montage die DOT-Nummer und tauschen Sie überalterte Reifen unabhängig von der Profiltiefe. Wie Sie das Herstellungsdatum ablesen und einordnen, zeigt unser Ratgeber Reifenalter und DOT-Nummer.
Für wen sich der BT46 lohnt – und für wen nicht
Der Battlax BT46 ist die naheliegende Wahl, wenn Ihr Motorrad ab Werk auf Diagonalreifen ausgelegt ist und Sie einen aktuellen, gut verfügbaren Tourengummi mit ordentlicher Nässeleistung und ansprechender Optik suchen. Klassiker, Youngtimer, ältere Naked Bikes, leichte Reisemaschinen und viele Cruiser mit klassischen Zollgrößen sind sein Revier. Sein größter Trumpf ist die schiere Größenvielfalt in Maßen, die moderne Radialreifen gar nicht abdecken.
Für ein modernes Sport- oder Sport-Touring-Motorrad, das serienmäßig Radialreifen fährt, ist er dagegen die falsche Wahl – hier gehört ein Radialreifen ans Rad. Wer eine aktuelle Reisemaschine bewegt und einen Sport-Touring-Radial sucht, ist etwa mit dem Bridgestone Battlax T33 besser bedient. Und wenn Sie grundsätzlich noch unsicher sind, welcher Reifentyp zu Ihrem Fahrstil und Ihrer Maschine passt, führt Sie unser großer Ratgeber Motorradreifen richtig wählen durch alle wichtigen Punkte – von Bauart und Freigabe bis Luftdruck und Alter.
Unterm Strich ist der BT46 ein ehrlicher Spezialist: kein Wunderreifen, aber ein moderner, breit verfügbarer Diagonalreifen, der genau die Motorräder wieder gut bereift, für die es sonst schnell eng wird.
Häufige Fragen zum Bridgestone Battlax BT46
Passt der BT46 auf mein Motorrad?
Nur, wenn die passende Größe und die Diagonalbauart für Ihr Motorrad freigegeben sind. Maßgeblich sind die Reifenfreigabe des Herstellers und die Angaben in Ihren Fahrzeugpapieren. Der BT46 ist ein Diagonalreifen – auf Maschinen, die ab Werk Radialreifen tragen, ist er in der Regel nicht zulässig. Im Zweifel hilft die Fachwerkstatt bei der Prüfung.
Kann ich einen tubeless BT46 mit Schlauch fahren?
Bei vielen BT46-Größen ja: Die UM-Kennung bedeutet, dass der Reifen für die Montage auf einer Schlauchfelge zugelassen ist, wenn er mit einem Schlauch gefahren wird – ideal für Speichenräder klassischer Maschinen. Verwenden Sie dann immer einen passenden, neuen Schlauch in der richtigen Größe.
Ist der BT46 ein Sportreifen?
Nein. Der BT46 ist ausdrücklich ein Diagonal-Tourenreifen mit den Geschwindigkeitsindizes H und V. Er ist auf Fahrstabilität, Laufleistung und gutmütiges Handling ausgelegt, nicht auf Rennstreckentempo. Für sportliches Radial-Gerät gibt es andere Baureihen.
Quellen: Bridgestone EMEA – Battlax BT46 (Pressebereich); Nippon-Classic.de: „Der Bridgestone Battlax BT46 ersetzt den BT45". Preis- und Größenangaben aus dem eigenen Sortiment, Stand 28.07.2026.