Dunlop Winter Response 2: Warum derselbe Reifen dreimal völlig anders abschnitt
Wenige Winterreifen sind so widersprüchlich getestet worden wie der Dunlop Winter Response 2. Beim großen europäischen Wintertest 2018 teilte er sich den ersten Platz mit einem Continental. 2021 vergab der ADAC die Note 2,2 „gut“ – nur vier von sechzehn Reifen schafften das. Ein Jahr später kam derselbe Reifen im selben Testverfahren nur noch auf „ausreichend“. Das klingt nach einem Modell, das binnen zwölf Monaten schlechter geworden ist. Tatsächlich hat sich der Reifen nicht verändert – die Größe, das Testauto und das Umfeld haben sich verändert. Wir haben alle 21 Ausführungen ausgewertet, die bei uns lieferbar sind, und ordnen ein, für wen dieser Winterreifen heute noch die richtige Wahl ist.
Für welche Autos der Winter Response 2 gebaut ist
Ein Blick ins Regal beantwortet die Frage schneller als jeder Prospekt. Von den 20 lieferbaren Ausführungen des Winter Response 2 entfallen sieben auf 14 Zoll und zwölf auf 15 Zoll – und genau eine einzige auf 16 Zoll (195/60 R16 89H). Größer wird es nicht. Auch beim Geschwindigkeitsindex ist das Bild eindeutig: 18 der 20 Ausführungen tragen ein T, sind also bis 190 km/h freigegeben; nur zwei tragen ein H (210 km/h). Die Breiten reichen von 155 bis 195 Millimetern.
Das ist kein Zufall und auch kein Auslaufsortiment, sondern exakt die Auslegung, mit der Dunlop den Reifen vorgestellt hat. Nach dem Bericht von Reifenpresse.de zur Vorstellung des Winter Response 2 startete er im Herbst 2013 mit 22 Dimensionen von 155 bis 195 Millimeter Breite, Querschnitt 70 bis 50, ausschließlich in 14 und 15 Zoll und ausschließlich mit Geschwindigkeitsindex T. Konzipiert wurde er für die Standardklasse – Dunlop nannte damals VW Golf und Mercedes A-Klasse – sowie für Klein- und Kompaktwagen. Genau dort steht er bis heute.
Für Sie als Käufer heißt das zweierlei. Erstens: Wenn Ihr Fahrzeugschein 16 Zoll oder mehr vorschreibt, ist dieser Reifen für Sie praktisch keine Option. Zweitens: Der Index T ist bei einem Kleinwagen selten ein Problem, denn er muss nur zur Höchstgeschwindigkeit Ihres Autos passen, nicht zur Wunschvorstellung. Welcher Buchstabe für welches Tempo steht und warum die Zahl davor die wichtigere Angabe ist, haben wir im Ratgeber zu Last- und Geschwindigkeitsindex ausführlich erklärt. Preislich liegen die 20 Ausführungen zwischen 53,20 und 89,00 Euro, der mittlere Preis beträgt 68,30 Euro (Stand 20. August 2026).
Reverse Snowguide: was Dunlop technisch anders gemacht hat
Der Winter Response 2 ist laufrichtungsgebunden – er hat also eine vorgeschriebene Drehrichtung, die beim Montieren eingehalten werden muss. Sein Profil ist pfeilförmig, allerdings mit einer Besonderheit, die Dunlop „Reverse Snowguide“ nennt: In der Laufflächenmitte ist die Pfeilrichtung umgekehrt zu dem, was man erwarten würde. Der Reifen leitet Schnee dort also nicht sofort nach außen, sondern fängt ihn zunächst ein. Das klingt widersinnig, folgt aber einem bekannten Prinzip: Schnee haftet auf Schnee deutlich besser als Gummi auf Schnee. Die verdichtete Gitterstruktur in den Profilrillen wirkt wie eine zusätzliche Verzahnung mit der Fahrbahn.
Dazu kommt die Feinarbeit an den Lamellen – jenen schmalen Einschnitten, die beim Abrollen zusätzliche Griffkanten öffnen. Im Schulterbereich sitzen dreidimensionale Lamellen in einem 45-Grad-Winkel, die den Fliehkräften in der Kurve entgegenwirken sollen. Die Lamellendichte hat Dunlop gegenüber der ersten Generation um 29 Prozent erhöht; für die Dimension 185/60 R15 nennt der Hersteller eine Griffkantenlänge von über 38 Metern. Gleichzeitig wurde der Reifen rund ein Kilogramm leichter als sein Vorgänger – bei vier Rädern immerhin vier Kilogramm weniger ungefederte Masse.
Alpine-Symbol vorhanden: Alle Ausführungen tragen die Schneeflocke im Bergpiktogramm (3PMSF) und erfüllen damit die Anforderungen der situativen Winterreifenpflicht in Deutschland. Eine reine M+S-Kennung würde dafür seit Oktober 2024 nicht mehr genügen.
Drei Prüfungen, drei sehr verschiedene Ergebnisse
Hier wird es interessant – und hier lohnt es sich, genau hinzusehen, statt eine einzelne Note zu zitieren.
2018, 175/65 R14 82T: Im gemeinsamen Wintertest von ADAC, TCS und ÖAMTC traten zwölf Reifen auf einem Ford Fiesta an, geprüft wurde unter anderem auf dem Contidrom in Niedersachsen und in Finnland. Der Winter Response 2 belegte laut der Mitteilung von Goodyear Europe zum Testergebnis den geteilten ersten Platz gemeinsam mit dem Continental WinterContact TS 860.
2021, 195/65 R15: Im ADAC-Winterreifentest in 195/65 R15 traten sechzehn Reifen für die untere Mittelklasse an. Der Winter Response 2 erreichte die Gesamtnote 2,2 „gut“ und lag damit gleichauf an der Spitze mit dem Goodyear UltraGrip 9+. Nur vier der sechzehn Reifen bekamen überhaupt ein „gut“, elf blieben bei „befriedigend“. Der ADAC führte den Reifen damals mit 81 Euro – heute kostet er in genau dieser Größe bei uns weniger.
2022, 185/65 R15 T: Ein Jahr später prüfte der ADAC auf einem VW Polo, wieder mit sechzehn Reifen. Diesmal reichte es für den Winter Response 2 nur zur Gesamtnote 3,6 „ausreichend“. Ausschlaggebend war laut ADAC-Winterreifentest in 185/65 R15 das Fahrverhalten auf trockener Fahrbahn; auf Nässe, Schnee und Eis blieb er im Mittelfeld. Die Testsieger kamen auf 2,2. Bemerkenswert: Im selben Test landete auch der Fulda Kristall Montero 3 nur bei „ausreichend“ – die Größenklasse insgesamt war schwach besetzt, zwei Reifen fielen sogar mit „mangelhaft“ durch.
Was Sie daraus mitnehmen sollten: Ein Testergebnis gilt immer nur für die geprüfte Größe auf dem geprüften Fahrzeug. Ein 14-Zoll-Reifen an einem Ford Fiesta und ein 15-Zoll-Reifen an einem VW Polo sind unterschiedliche technische Aufgaben – andere Karkasse, andere Radlast, andere Abstimmung. Deshalb ist es fachlich falsch, aus „Testsieger 2018“ und „ausreichend 2022“ einen Qualitätsverfall abzulesen. Und deshalb sagt auch die Aussage „Modell X hat im Test gut abgeschnitten“ ohne Angabe der Größe herzlich wenig. Warum das EU-Label allein den Reifentest nicht ersetzt, haben wir separat aufgeschrieben. Hinzu kommt ein Problem, das alle kleinen Räder betrifft: In den ADAC-Winterreifentests der Jahre 2021 bis 2025 kam 15 Zoll zuletzt 2022 vor und 14 Zoll überhaupt nicht – geprüft wurde seither in 16, 17 und 18 Zoll. Wer einen Kleinwagen fährt, findet zu seiner Größe schlicht keine frischen Testdaten mehr.
Zwei Ausführungen, eine Größe – und ein anderes Label
Der auffälligste Befund unserer Auswertung betrifft nicht den Reifen als Modell, sondern die einzelne Ausführung. Fünf der fünfzehn Größen gibt es doppelt – mit unterschiedlicher Tragfähigkeitszahl oder unterschiedlichem Geschwindigkeitsbuchstaben. Und die EU-Labels dieser Zwillinge sind keineswegs identisch:
- 175/70 R14: die 84T kostet 68,30 Euro und trägt D/C/70 dB, die 88T kostet 72,80 Euro und trägt C/B/71 dB. Für 4,50 Euro Aufpreis eine Klasse besser bei Verbrauch und Nasshaftung.
- 185/65 R15: die 88T kostet 58,00 Euro bei C/C/70 dB, die 92T kostet 66,20 Euro bei C/B/71 dB. 8,20 Euro trennen die Nasshaftungsklasse C von der Klasse B.
- 185/60 R15: hier dreht sich die Richtung um. Die 84T kostet 69,50 Euro und trägt C/B/70 dB – die teurere 88T für 71,80 Euro trägt nur C/C/70 dB. Sie zahlen 2,30 Euro mehr für die schlechtere Nasshaftung.
- 195/65 R15: 91T für 64,50 Euro (C/B/67 dB) gegen 95T für 68,90 Euro (C/B/69 dB) – gleiche Klassen, aber zwei Dezibel lauter zum höheren Preis.
- 195/50 R15: 82T für 70,00 Euro und 82H für 74,20 Euro bei identischem Label (D/B/70 dB). Die 4,20 Euro Differenz kaufen hier ausschließlich die höhere Geschwindigkeitsfreigabe.
Daraus folgt eine unbequeme, aber sehr praktische Regel: Der Modellname sagt nichts über das Label, und der höhere Preis sagt nichts über die bessere Klasse. In zwei der fünf Fälle ist die teurere Ausführung beim Label tatsächlich besser, in zwei Fällen schlechter oder lauter, in einem Fall trägt sie exakt dasselbe Label. Dass sich das Label eines Modells von Größe zu Größe unterscheidet, ist ein bekannter Effekt – wir haben ihn im Beitrag darüber untersucht, warum dasselbe Reifenmodell je nach Größe ein anderes EU-Label trägt. Neu ist der Befund, dass die Unterschiede sogar innerhalb einer einzigen Größe auftreten. Prüfen Sie deshalb vor dem Klick nicht das Modell, sondern die konkrete Ausführung mit Tragfähigkeitszahl und Buchstaben – und vergleichen Sie das Label der Zwillinge nebeneinander. Welche Kombination für Ihr Auto überhaupt zulässig ist, steht in Teil 1 Ihrer Zulassungsbescheinigung.
Der Vorgänger steht daneben – und kostet mehr
Neben den zwanzig Ausführungen des Winter Response 2 führen wir eine einundzwanzigste, die dazugehört und doch nicht dieselbe ist: den Dunlop SP Winter Response 185/60 R15 88H für 85,20 Euro. Ihm fehlt die „2“ im Namen, denn er ist die Vorgängergeneration. Und er zeigt beispielhaft, warum das Detail zählt.
Rechnen Sie nach: In derselben Dimension 185/60 R15 kostet die aktuelle Generation 69,50 Euro (84T, C/B/70 dB) oder 71,80 Euro (88T, C/C/70 dB). Der Vorgänger verlangt 85,20 Euro und trägt D/C/69 dB – eine Klasse schlechter beim Verbrauch, bei der Nasshaftung ebenfalls nur C. Er ist also 13,40 bis 15,70 Euro teurer und in keiner Label-Disziplin besser; einzig sein Geschwindigkeitsindex H liegt über dem T der Nachfolger. Für Fahrzeuge, die tatsächlich mehr als 190 km/h laufen, kann das der entscheidende Punkt sein – für alle anderen ist es ein reines Aufgeld.
Achten Sie also auf die Zwei. Erschwerend kommt hinzu, dass die Schreibweisen auseinandergehen: Dunlop selbst und der ADAC führen den Reifen teils als „SP Winter Response 2“, teils als „Winter Response 2“ – gemeint ist derselbe Reifen. Nur „SP Winter Response“ ohne Ziffer ist wirklich das ältere Modell. Bei uns finden Sie beide sauber getrennt, inklusive aller lieferbaren Größen des Winter Response 2. Dieselbe Sorgfalt lohnt sich übrigens bei jedem Dunlop-Winterreifen; der sportlichere Bruder für größere Räder ist der Dunlop Winter Sport 5 im Porträt.
Für wen sich der Winter Response 2 lohnt – und für wen nicht
Der Winter Response 2 ist ein Winterreifen für kleine Räder, moderate Geschwindigkeiten und Fahrer, die im Winter vor allem sicher durch Schnee und Matsch kommen wollen. Seine Stärken liegen dort, wo sie ein Kleinwagenfahrer braucht: auf Schnee ordentlich, beim Verbrauch sparsam, im Preis moderat. Seine dokumentierte Schwäche ist das Fahrverhalten auf trockener Fahrbahn bei zügiger Gangart – wer im Winter viel Autobahn bei trockener Straße fährt, sollte das ernst nehmen und eher in der 16-Zoll-Klasse nach einem aktuell getesteten Premiumreifen suchen.
Sinnvoll ist er für den Zweitwagen, den Stadt- und Pendlerwagen, den Kleinwagen mit 14- oder 15-Zoll-Rädern und für alle, die ihr Auto ohnehin nicht ausfahren. Weniger sinnvoll ist er, wenn Ihr Fahrzeug einen Geschwindigkeitsindex oberhalb von T verlangt oder wenn Sie regelmäßig hohe Zuladung bewegen – dann führt der Weg über die passende Tragfähigkeitszahl, nicht über den Preis.
Drei lieferbare Ausführungen als Orientierung, jeweils mit dem Stand vom 20. August 2026:
- Dunlop Winter Response 2 175/65 R14 82T – mit 53,20 Euro die günstigste Ausführung im Programm, Label D/C/71 dB.
- Dunlop Winter Response 2 195/65 R15 91T – die Größe aus dem ADAC-Test 2021, für 64,50 Euro und mit einem der beiden niedrigsten Geräuschwerte im Sortiment (C/B/67 dB).
- Dunlop Winter Response 2 185/60 R15 84T – 69,50 Euro, C/B/70 dB – beim Label die bessere und zugleich günstigere der beiden Ausführungen dieser Größe, sofern die Tragfähigkeitszahl 84 für Ihr Fahrzeug ausreicht.
Wenn Ihre Größe hier nicht dabei ist: Alle passenden Modelle finden Sie in unserer Übersicht der Winterreifen für Pkw, die Auswahl in der Größe aus dem ADAC-Test 2021 auf der Seite zu Reifen in 195/65 R15. Und wenn Sie noch abwarten: Der Reifenmarkt zieht im Herbst spürbar an – warum sich der frühe Kauf lohnt, steht in unserem Ratgeber zum Winterreifenkauf im Sommer.
Häufige Fragen
Ist der Dunlop Winter Response 2 für die deutsche Winterreifenpflicht zugelassen?
Ja. Alle Ausführungen tragen das Alpine-Symbol, also die Schneeflocke im Bergpiktogramm. Damit gelten sie bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte als zulässige Winterreifen.
Bis zu welchem Tempo darf ich mit dem Winter Response 2 fahren?
18 der 20 lieferbaren Ausführungen tragen den Geschwindigkeitsindex T und sind damit bis 190 km/h freigegeben; zwei Ausführungen mit H erlauben 210 km/h. Liegt die Höchstgeschwindigkeit Ihres Autos darüber, brauchen Sie entweder einen höher freigegebenen Reifen oder einen Hinweisaufkleber im Sichtfeld.
Muss ich beim Winter Response 2 auf die Laufrichtung achten?
Ja, das Profil ist laufrichtungsgebunden. Auf der Flanke sitzt ein Pfeil mit der Aufschrift „Rotation“; er muss in Fahrtrichtung zeigen. Falsch herum montiert verliert der Reifen einen Teil seiner Wasser- und Schneeableitung.