Mofa- und Mopedreifen: Was 2 1/4-16 38B auf der Flanke bedeutet
Wer für ein Auto Reifen kauft, liest eine Größe wie 195/65 R15. Am Mofa, am Moped oder an der alten Simson steht auf der Flanke etwas ganz anderes: 2 1/4-16 38B. Keine Millimeter, kein R, dafür ein Bruch – und am Ende ein einzelner Buchstabe, der im Pkw-Regal so gut wie nie vorkommt. Diese Schreibweise stammt aus einer Zeit, in der Reifengrößen in Zoll angegeben wurden, und sie hat sich beim Kleinkraftrad bis heute gehalten. Wir haben unser komplettes Sortiment für Mofa, Moped und Roller ausgezählt und die technischen Angaben bei den Herstellern nachgeschlagen. Das Ergebnis: Jede der drei Angaben – Größe, Zahl, Buchstabe – hat eine klare Bedeutung, und genau eine davon entscheidet darüber, ob der Reifen an Ihr Fahrzeug gehört.
Zoll statt Millimeter: drei Schreibweisen nebeneinander
Die metrische Angabe vom Auto beschreibt die Reifenbreite in Millimetern, danach das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent und zuletzt den Felgendurchmesser in Zoll. Am Kleinkraftrad treffen Sie stattdessen auf drei Varianten, die in unserem Bestand alle drei gleichzeitig vorkommen.
Die Bruch-Schreibweise ist die klassische: 2 1/4-16 steht für zweieinviertel Zoll nominale Reifenbreite auf einer 16-Zoll-Felge. Sie sitzt an Mopeds und Mokicks und ist die Form, die die meisten Rückfragen auslöst, weil sich der Bruch schlecht in eine Suchmaske tippen lässt. Die Dezimal-Schreibweise meint dasselbe Prinzip mit Punkt statt Bruch: 3.00-10 ist die klassische Rollergröße, 2.50-17 eine typische Mokick-Größe. Und schließlich gibt es die metrische Schreibweise wie 120/70-11, die an neueren Rollern sitzt und der Pkw-Logik folgt.
Ein Detail übersehen viele, obwohl es technisch entscheidend ist: Der Bindestrich ist keine Formsache. Er kennzeichnet einen Diagonalreifen. Ein R an derselben Stelle stünde für Radial, ein B zwischen Breite und Zollmaß für einen Diagonalgürtelreifen mit zusätzlichen Gürtellagen – so beschreibt es der Hersteller Heidenau in seinem technischen Reifenlexikon. Weil an Mofas, Mopeds und klassischen Rollern nahezu durchgehend Diagonalreifen laufen, sehen Sie hier praktisch immer den Bindestrich. Diagonal und Radial lassen sich nicht beliebig gegeneinander tauschen.
Gelegentlich steht zusätzlich eine Angabe in Klammern, etwa beim Heidenau M 3 (21x2.25). Das ist dieselbe Größe in der Zoll-Schreibweise, wie man sie vom Fahrrad kennt – ein Hinweis darauf, wie nah die schmalsten Mofareifen technisch am Fahrradreifen liegen. Wie die metrische Angabe am größeren Motorrad Ziffer für Ziffer aufgebaut ist, erklärt unser ausführlicher Ratgeber zum Ablesen der Motorradreifen-Größe.
Der Buchstabe am Ende: 50 oder 100 km/h
Hinter der Größe stehen zwei Angaben, die zusammengehören: eine Zahl und ein Buchstabe, zum Beispiel 38B. Der Buchstabe ist der Geschwindigkeitsindex. Er sagt, bis zu welchem Tempo der Reifen dauerhaft sicher belastbar ist. Die Werte sind genormt; Continental führt sie in seinem Reifenlexikon zum Geschwindigkeitsindex vollständig auf. Für unser Segment sind diese Stufen relevant:
- B – 50 km/h
- J – 100 km/h
- L – 120 km/h
- M – 130 km/h
- P – 150 km/h
- S – 180 km/h
Das B ist die eigentliche Besonderheit des Mofa- und Mopedsegments. Ein Reifen mit diesem Index ist für 50 km/h freigegeben – mehr nicht. Für ein Mofa, dessen Bauart nach § 4 Absatz 1 Nummer 1 der Fahrerlaubnis-Verordnung „Gewähr dafür bietet, dass die Höchstgeschwindigkeit auf ebener Bahn nicht mehr als 25 km/h beträgt", ist das reichlich. Für ein Kleinkraftrad mit 45 km/h reicht es ebenfalls. An einem Leichtkraftrad mit 125 Kubikzentimetern hat ein B-Reifen dagegen nichts verloren.
Achtung, Buchstabenfalle: Ein B kann an zwei Stellen stehen und bedeutet dort Verschiedenes. Steht es am Ende hinter der Tragfähigkeitszahl, ist es der Geschwindigkeitsindex für 50 km/h. Steht es zwischen Breite und Zollmaß, etwa in 140/70 B 16, beschreibt es die Bauart. Wer beides verwechselt, hält einen Diagonalgürtelreifen für einen 50-km/h-Reifen oder umgekehrt.
Rechtlich ist der Index keine Empfehlung, sondern Pflicht. § 36 Absatz 1 Satz 1 StVZO formuliert es so: „Maße und Bauart der Reifen von Fahrzeugen müssen den Betriebsbedingungen, besonders der Belastung und der durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs, entsprechen." Der Reifen muss also mindestens das können, was das Fahrzeug bauartbedingt leistet. Nach oben ist das unkritisch – ein schnellerer Reifen als nötig ist zulässig. Nach unten wird es ein Mangel.
Die Zahl davor: wie viel der Reifen tragen darf
Die Zahl vor dem Buchstaben ist der Tragfähigkeits- oder Lastindex. Auch sie ist eine Codezahl, keine Kilogrammangabe: Sie wird über eine genormte Tabelle übersetzt, die Continental ebenfalls als Lastindex-Tabelle veröffentlicht. Die Werte, die Ihnen am Kleinkraftrad begegnen, liegen am unteren Ende der Skala:
- 24 – 90 kg
- 28 – 100 kg
- 38 – 132 kg
- 39 – 136 kg
- 42 – 150 kg
- 47 – 175 kg
Diese Angabe gilt pro Reifen, nicht für das Fahrzeug. Sie dürfen die beiden Werte aber auch nicht einfach addieren und mit dem zulässigen Gesamtgewicht vergleichen: Vorder- und Hinterrad tragen unterschiedlich viel, weshalb an vielen Maschinen vorn und hinten verschiedene Indizes eingetragen sind. Maßgeblich ist immer der Wert, der für die jeweilige Achse in den Fahrzeugpapieren steht. Wie dieselbe Logik am Auto funktioniert, haben wir im Beitrag zu Lastindex und Geschwindigkeitsindex am Pkw aufgeschrieben.
Was 440 Reifen aus unserem Regal zeigen
Damit aus der Theorie eine Kaufhilfe wird, haben wir am 19. Juli 2026 unsere gesamte Rubrik für Mofa, Moped und Roller ausgezählt: 440 lieferbare Ausführungen, bei denen sich Last- und Geschwindigkeitsindex eindeutig auslesen ließen. Das Bild ist eindeutiger, als man vermutet.
Nur 13 dieser 440 Reifen tragen den Index B. Der große Rest verteilt sich auf J (113 Ausführungen), P (104), S (85), L (53), M (40) und H (26). Die echten 50-km/h-Reifen sind also die Ausnahme – und alle dreizehn sitzen in klassischen Zollgrößen: 2-17, 2-19, 2 1/4-16, 2 1/4-17, 2 1/2-17, 2 1/4-19 und sogar 2-22. Wer ein modernes Rollermodell fährt, wird ihnen nie begegnen; wer ein altes Mofa erhält, fast zwangsläufig.
Der interessanteste Befund betrifft aber den Preis. Es liegt nahe zu vermuten, dass ein Reifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex günstiger sein müsste – schließlich kann er weniger. Das Gegenteil ist genauso häufig der Fall. Drei Beispiele aus derselben Rubrik, alle am selben Tag geprüft:
- In
2 1/4-16mit Lastindex 38 kostet der Continental Go! 2 1/4-16 38J mit 100 km/h Freigabe 33,00 Euro – der Continental KKS10 2 1/4-16 38B mit nur 50 km/h dagegen 33,50 Euro. Der schnellere Reifen ist der günstigere. - In
2 1/2-16mit Lastindex 42 stehen zwei Ausführungen desselben Modells nebeneinander: die M-Version für 130 km/h zu 39,20 Euro, die J-Version für 100 km/h zu 39,90 Euro. - In
2 1/4-17mit Lastindex 39 dreht sich das Verhältnis wieder um: Hier ist die B-Ausführung mit 36,70 Euro günstiger als die J-Ausführung mit 39,90 Euro.
Die Lehre daraus ist unspektakulär, aber sie spart Ärger: Der Geschwindigkeitsindex taugt nicht als Sparhebel. Wer bewusst „nur so viel Reifen wie nötig" kauft, spart im Zweifel nichts – riskiert aber einen Eintrag, der nicht zu den Papieren passt. Suchen Sie sich also zuerst die zulässigen Indizes heraus und vergleichen Sie erst danach die Preise. Übrigens gilt das auch innerhalb einer Größe: Bei mehreren Ausführungen derselben Dimension lohnt der Blick auf alle Treffer, weil die Spannen erheblich sein können.
Was in den Papieren steht, geht vor
Bevor Sie bestellen, gehört ein Blick in die Fahrzeugpapiere – aus zwei Gründen.
Der erste ist die Fabrikatsbindung. Sie besteht laut Heidenau dann, „wenn im Fahrzeugschein (Zeile 20 – 23 oder in den Bemerkungen Zeile 33) neben Reifengröße, Last- und Geschwindigkeitsindex, ein Reifenfabrikat oder ein bestimmtes Profil eingetragen ist". Gerade bei älteren Kleinkrafträdern ist das häufig der Fall. Steht dort ein konkretes Fabrikat, ist Ihre Auswahl auf dieses beschränkt – unabhängig davon, wie gut ein anderer Reifen in Größe und Index passen würde.
Der zweite Punkt wird oft falsch erinnert: die Mindestprofiltiefe. Sie beträgt nach § 36 Absatz 3 StVZO grundsätzlich 1,6 Millimeter, „jedoch genügt bei Fahrrädern mit Hilfsmotor, Kleinkrafträdern und Leichtkrafträdern eine Profiltiefe von mindestens 1 mm". Für Mofa, Moped und Kleinkraftrad gilt also tatsächlich der niedrigere Wert. Das ist allerdings die gesetzliche Untergrenze und keine Empfehlung: Die Wasserverdrängung lässt schon deutlich früher nach, und beim Zweirad hängt alles an zwei handtellergroßen Aufstandsflächen.
Und noch eine praktische Konsequenz der Zollgrößen: Sehr viele dieser Reifen sind für den Betrieb mit Schlauch gebaut. Ob Ihrer dazugehört, verrät die Kennung TT oder TL auf der Flanke; welcher Schlauch zu welcher Größe und welchem Ventil passt, klärt unser Ratgeber zur Schlauchauswahl am Zweirad.
So gehen Sie beim Kauf vor
- Größe und beide Indizes aus den Papieren übernehmen – nicht von der abgefahrenen Flanke abschreiben. Der montierte Reifen kann selbst schon der falsche sein.
- Auf eine Fabrikatsbindung prüfen (Zeile 20–23 oder Bemerkungen, Zeile 33).
- Schreibweise übersetzen: Ein Bruch wie
2 1/4und eine Dezimalzahl wie2.25meinen dasselbe Maß. Suchen Sie im Zweifel nach beiden Varianten. - Bauart abgleichen: Bindestrich,
Bin der Mitte oderR– Diagonal, Diagonalgürtel oder Radial. - Erst zum Schluss vergleichen. Innerhalb der zulässigen Indizes können Sie frei nach Preis und Profil wählen; darunter nicht.
Das komplette Angebot sortiert nach Größe finden Sie bei den Reifen für Mofa, Moped und Roller. Eine Kuriosität zum Schluss, die zeigt, wie weit dieses Segment reicht: Mit dem Continental KKS10 2-22 26B führen wir eine 22-Zoll-Größe mit 95 Kilogramm Tragfähigkeit und 50 km/h Freigabe – ein Maß, das dem Fahrrad näher steht als dem Motorrad und außerhalb dieser Rubrik kaum noch vorkommt. Wenn Sie zusätzlich wissen möchten, welcher Luftdruck an Ihrem Fahrzeug richtig ist und welche Vorschriften sonst noch gelten, hilft der Ratgeber zu Roller- und Mopedreifen weiter.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Buchstabe B hinter der Reifengröße?
Er ist der Geschwindigkeitsindex und steht für 50 km/h – die niedrigste Stufe, die Ihnen im Handel praktisch begegnet. Reifen mit diesem Index sind für Mofas und Kleinkrafträder gedacht. Steht ein B dagegen zwischen Breite und Zollmaß, bezeichnet es nicht das Tempo, sondern die Bauart Diagonalgürtel.
Darf ich statt 2 1/4-16 einen metrischen Reifen montieren?
Nur, wenn die Größe für Ihr Fahrzeug freigegeben ist. Zoll- und metrische Angaben lassen sich zwar rechnerisch umrechnen, das Ergebnis ist aber selten exakt gleich – Abrollumfang und Freigängigkeit ändern sich. Maßgeblich ist, was in den Fahrzeugpapieren steht; ohne passende Freigabe bleiben Sie bei der Originalgröße.
Reicht bei meinem Moped wirklich 1 Millimeter Profil?
Gesetzlich ja: § 36 Absatz 3 StVZO senkt die Grenze für Fahrräder mit Hilfsmotor, Kleinkrafträder und Leichtkrafträder von 1,6 auf 1 Millimeter. Sicherheitstechnisch ist das aber die absolute Untergrenze. Bei Nässe verliert ein so weit abgefahrener Reifen deutlich früher Grip, als der Wert vermuten lässt.
Unterm Strich ist die Reifenflanke am Mofa und Moped kein Rätsel, sondern eine Adresse mit drei Bestandteilen: Die Größe sagt, ob der Reifen mechanisch passt, der Lastindex, ob er das Gewicht trägt, und der Buchstabe am Ende, ob er schnell genug ist. Nur der Buchstabe wird regelmäßig unterschätzt – und weil er beim Preis ohnehin kaum etwas ausmacht, gibt es keinen guten Grund, an dieser Stelle zu sparen.