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Reifenpflege & Lagerung – Ratgeber im Magazin

Neue Reifen einfahren: Warum die ersten 500 Kilometer entscheidend sind

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 31.07.2026
Fabrikneuer PKW-Reifen mit tiefem, glänzendem Profil auf einer Alufelge (KI-generiert, OpenAI)
Fabrikneuer PKW-Reifen mit tiefem, glänzendem Profil auf einer Alufelge (KI-generiert, OpenAI)

Frisch montierte Reifen sehen makellos aus – tiefes Profil, sauberer Gummi, beste Voraussetzungen. Trotzdem raten Hersteller und Prüforganisationen, die ersten Kilometer betont ruhig anzugehen. Der Grund: Ein fabrikneuer Reifen erreicht sein volles Haftungsniveau erst nach einer kurzen Einfahrphase. Wer das weiß und die ersten rund 500 Kilometer entsprechend fährt, fährt sicherer – ganz besonders bei Nässe. Hier lesen Sie, warum das so ist und worauf es ankommt.

Müssen neue Reifen wirklich eingefahren werden?

Ja – wenn auch nicht im Sinne eines komplizierten Rituals. Gemeint ist schlicht: In der Anfangsphase haftet ein neuer Reifen noch nicht so gut wie ein bereits gefahrener. Sowohl der Reifenhersteller Continental als auch der ADAC empfehlen, neue Reifen über die ersten rund 500 Kilometer nicht ans Haftungslimit zu bringen, sondern defensiv zu fahren. Genau dieses behutsame Fahren ist es, das die Reifen „einfährt" – ein eigenes Prozedere, Werkzeug oder gar das früher verbreitete „Anschmirgeln" der Lauffläche braucht es dafür nicht.

Das gilt für jeden neuen Reifensatz – egal ob am Neuwagen ab Werk oder als frisch gekaufte Ersatzbereifung, egal ob Premium- oder Budgetmarke. Beim Motorrad ist der Effekt sogar noch ausgeprägter und die Einfahrregeln sind etwas strenger, weil dort schon geringe Haftungsverluste in Schräglage kritisch werden; das haben wir in einem eigenen Beitrag zum Motorrad-Reifendruck und Einfahren neuer Motorradreifen beschrieben. Dieser Ratgeber konzentriert sich auf den PKW, wo die Einfahrphase entspannter ausfällt, aber genauso zur Sicherheit beiträgt.

Warum neue Reifen anfangs weniger greifen

Dass ein frischer Reifen zunächst etwas „rutschiger" ist, hat mehrere handfeste Ursachen, die alle in der Fertigung begründet liegen (Quelle: Continental):

  • Trennmittel aus der Produktion: Damit sich der Reifen sauber aus der heißen Vulkanisationsform löst, wird ein Trennschmiermittel verwendet. Rückstände davon haften anfangs auf der Lauffläche und setzen die Bodenhaftung herab. Sie werden erst nach und nach durch das Abrollen auf dem Asphalt abgetragen.
  • Glattere Oberfläche: Im Gummi enthaltene Schutzstoffe (Antioxidantien) bewahren die Mischung davor, mit der Zeit durch Sauerstoff und Temperaturwechsel porös zu werden. Als Nebeneffekt wirkt die Laufflächenoberfläche zu Beginn etwas glatter und muss sich erst „aufrauen".
  • Steifes, tiefes Profil: Das Profil ist neu, hoch und noch sehr steif. Die einzelnen Profilblöcke müssen sich erst „setzen" und ihre Beweglichkeit finden, bevor sie optimal am Untergrund arbeiten.

Entscheidend ist: Dieser Effekt spielt sich nur in der hauchdünnen obersten Gummischicht ab. Genau sie trägt anfangs den unsichtbaren Film aus Trennmittel und Schutzstoffen – und genau sie wird in den ersten Hundert Kilometern abgefahren. Am stärksten macht sich das dort bemerkbar, wo der Reifen am meisten gefordert wird: beim kräftigen Bremsen und in schnell gefahrenen Kurven, wo die Aufstandsfläche unter Höchstlast steht. Der Reifen entwickelt sein maximales Gripniveau deshalb erst nach einigen Hundert Kilometern, wenn diese oberste Schicht leicht abgetragen ist (Quelle: ADAC). Ein guter optischer Anhaltspunkt ist der anfängliche leichte Glanz der Lauffläche – lässt er nach und wird der Gummi matt, ist der Reifen ein gutes Stück eingefahren.

Rund 500 Kilometer behutsam – so fahren Sie neue Reifen ein

Sie müssen dafür nicht im Schneckentempo fahren. Es genügt, in den ersten etwa 500 Kilometern vorausschauend und ohne Extreme unterwegs zu sein. Continental und ADAC empfehlen konkret:

  1. Mit mäßiger Geschwindigkeit fahren und auf sportliche Manöver verzichten.
  2. Sanft beschleunigen – kein Vollgas aus dem Stand, kein Durchdrehen der Räder.
  3. Nicht abrupt bremsen, sofern es sich vermeiden lässt.
  4. Sachte durch Kurven fahren, statt die Haftgrenze auszureizen.
  5. Mehr Abstand zum Vordermann halten, denn der Bremsweg kann in dieser Phase länger sein.

Warum gerade das Bremsen so heikel ist, ergibt sich aus dem Gesagten: Eine Vollbremsung fordert von der noch nicht voll konditionierten Laufflächenoberfläche schlagartig das Maximum an Grip – also genau dann, wenn der Reifen ihn noch nicht liefern kann. Ein wichtiger Vorbehalt gilt aber immer: In einer echten Gefahrensituation bremsen Sie selbstverständlich voll und weichen aus – Ihre Sicherheit geht jeder Einfahr-Etikette vor. Die ruhige Fahrweise ist ohnehin kein Verzicht, sondern laut ADAC sogar gut für die Haftungsentwicklung des Reifens: Sie helfen Ihren neuen Reifen also, ihre volle Leistung schneller zu erreichen.

Besonders bei Nässe aufpassen

Der wichtigste Punkt zuerst: Auf nasser Fahrbahn ist der Bremsweg mit neuen Reifen ohnehin länger als mit eingefahrenen (Quelle: ADAC). Der Grund ist derselbe wie oben, nur verschärft: Auf trockenem Asphalt kann die Gummimischung die glattere Oberfläche und die Trennmittelreste noch teilweise ausgleichen. Kommt ein dünner Wasserfilm dazu, fehlt genau der molekulare Grip, den die frische Oberfläche noch nicht aufgebaut hat – die Haftung bricht früher weg. Planen Sie bei Regen in den ersten Kilometern daher noch mehr Sicherheitsabstand ein und bremsen Sie bewusst früher.

Die gute Nachricht: Das tiefe, frische Profil verdrängt Wasser hervorragend und schützt sehr gut vor Aquaplaning – die Schwäche liegt also allein in der noch nicht voll entwickelten Haftung der Gummioberfläche, nicht in der Wasserableitung. Wer von vornherein auf gute Nasshaftung achtet, ist hier klar im Vorteil: Im EU-Reifenlabel steht dafür die Nasshaftungsklasse (A ist am besten). Ein Beispiel mit Spitzen-Nasshaftung in der gängigen Größe 205/55 R16 ist der Dunlop Sport Bluresponse 205/55 R16 91H (Nasshaftung A) – ein solcher Reifen liefert schon eingefahren Bestwerte und verzeiht die Einfahrphase entsprechend eher.

Was das Einfahren NICHT ersetzt

Einfahren ist nur ein Baustein. Drei Dinge sind unabhängig davon von Anfang an entscheidend für Grip und Sicherheit – und die richtige Fahrweise in den ersten 500 Kilometern macht sie nicht überflüssig:

  • Richtiger Luftdruck: Schon ab dem ersten Kilometer wichtig, denn ein zu niedriger Druck verschlechtert Haftung und Bremsweg zusätzlich. Prüfen Sie den Druck bei neuen Reifen früh und dann regelmäßig – wie und warum, steht in unserem Ratgeber zum Reifendruck.
  • Ausreichend Profil über die gesamte Lebensdauer: Neu ist das kein Thema, aber gut zu wissen, wie man es später kontrolliert und ab wann nachgemessen werden sollte – siehe Profiltiefe messen.
  • Die passende Reifengröße und -qualität: Beim Kauf entscheidet sich vieles – von der Nasshaftungsklasse bis zur Eignung für Ihr Fahrzeug. Worauf Sie achten sollten, lesen Sie in unserer Kaufberatung für Sommerreifen.

Fazit

Neue Reifen einfahren heißt vor allem eines: die ersten rund 500 Kilometer bewusst ruhig fahren – sanft beschleunigen und bremsen, ruhig durch Kurven, mehr Abstand halten und bei Nässe besonders viel Reserve lassen. Dann sind Trennmittelreste abgetragen, die Oberfläche ist griffig und der Reifen liefert seine volle Haftung – bei Nässe wie bei Trockenheit. Es kostet Sie nichts außer ein bisschen Geduld und belohnt Sie mit mehr Sicherheit.

Sie suchen passende neue Reifen? Stöbern Sie in unserem Sortiment an Sommerreifen für PKW oder direkt in der beliebten Größe 205/55 R16. Bewährte Allrounder in dieser Dimension sind etwa der Continental EcoContact 5 205/55 R16 91H und der preiswerte Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V.

Häufige Fragen

Darf ich mit neuen Reifen sofort auf die Autobahn?

Ja, ein generelles Verbot gibt es nicht. Fahren Sie in den ersten rund 500 Kilometern aber zurückhaltend, vermeiden Sie Vollbremsungen und starke Beschleunigung und halten Sie mehr Sicherheitsabstand – gerade bei hohem Tempo.

Sind neue Reifen bei Regen gefährlich?

Gefährlich nicht, aber Sie sollten vorsichtiger fahren: Auf nasser Fahrbahn ist der Bremsweg mit neuen Reifen laut ADAC länger als mit eingefahrenen. Halten Sie mehr Abstand und bremsen Sie früher. Das tiefe Profil schützt dafür sehr gut vor Aquaplaning.

Muss ich auch nach dem Saisonwechsel die Reifen einfahren?

Nein. Bereits gefahrene Reifen, die Sie nach der Einlagerung wieder aufziehen, sind längst eingefahren. Die Einfahrphase gilt nur für fabrikneue Reifen – nach dem normalen Sommer-/Winterwechsel müssen Sie nichts Besonderes beachten.

Schlagwörter: Neue Reifen Einfahren Fahrsicherheit Nasshaftung Reifenpflege

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