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Reifenpflege & Lagerung

Neue Reifen einfahren: Warum die ersten 500 Kilometer entscheidend sind

· 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
Fabrikneuer PKW-Reifen mit tiefem, leicht glaenzendem Profil auf einer Alufelge (KI-generiert, OpenAI)
Fabrikneuer PKW-Reifen mit tiefem, leicht glaenzendem Profil auf einer Alufelge (KI-generiert, OpenAI)

Frisch montierte Reifen sehen makellos aus – tiefes Profil, sauberer Gummi, beste Voraussetzungen. Trotzdem raten Hersteller und Prüforganisationen, die ersten Kilometer betont ruhig anzugehen. Der Grund: Ein fabrikneuer Reifen erreicht sein volles Haftungsniveau erst nach einer kurzen Einfahrphase. Wer das weiß und die ersten rund 500 Kilometer entsprechend fährt, fährt sicherer – ganz besonders bei Nässe. Hier lesen Sie, warum das so ist und worauf es ankommt.

Müssen neue Reifen wirklich eingefahren werden?

Ja – wenn auch nicht im Sinne eines komplizierten Rituals. Gemeint ist schlicht: In der Anfangsphase haftet ein neuer Reifen noch nicht so gut wie ein bereits gefahrener. Sowohl der Reifenhersteller Continental als auch der ADAC empfehlen, neue Reifen über die ersten rund 500 Kilometer nicht ans Haftungslimit zu bringen, sondern defensiv zu fahren. Genau dieses behutsame Fahren ist es, das die Reifen „einfährt".

Das gilt übrigens für jeden neuen Reifensatz – egal ob am Neuwagen oder als Ersatzbereifung. Beim Motorrad ist der Effekt noch ausgeprägter und die Einfahrregeln etwas strenger; das haben wir in einem eigenen Beitrag zum Motorrad-Reifendruck und Einfahren neuer Motorradreifen beschrieben. Dieser Ratgeber konzentriert sich auf den PKW.

Warum neue Reifen anfangs weniger greifen

Dass ein frischer Reifen zunächst etwas „rutschiger" ist, hat mehrere handfeste Ursachen (Quelle: Continental):

  • Trennmittel aus der Produktion: Damit sich der Reifen sauber aus der Vulkanisationsform löst, wird ein Trennschmiermittel verwendet. Rückstände davon haften anfangs auf der Lauffläche und setzen die Bodenhaftung herab. Sie werden erst nach und nach abgefahren.
  • Glattere Oberfläche: Im Gummi enthaltene Schutzstoffe (Antioxidantien) sorgen dafür, dass die Laufflächenoberfläche zu Beginn etwas glatter wirkt. Erst durch das Abrollen auf Asphalt wird sie griffiger.
  • Steifes, tiefes Profil: Das Profil ist neu, hoch und noch sehr steif. Die Profilblöcke müssen sich erst „setzen", bevor sie optimal arbeiten.

Die Folge: Der Reifen entwickelt sein maximales Gripniveau erst nach einigen Hundert Kilometern, wenn sich die oberste Laufflächenschicht leicht abgenutzt hat (Quelle: ADAC). Ein guter optischer Anhaltspunkt ist der anfängliche leichte Glanz der Lauffläche – lässt er nach, ist der Reifen ein gutes Stück eingefahren.

Rund 500 Kilometer behutsam – so fahren Sie neue Reifen ein

Sie müssen nicht im Schneckentempo fahren. Es genügt, in den ersten etwa 500 Kilometern vorausschauend und ohne Extreme zu fahren. Continental empfiehlt konkret:

  1. Mit mäßiger Geschwindigkeit fahren und auf sportliche Manöver verzichten.
  2. Sanft beschleunigen – kein Vollgas aus dem Stand, kein Durchdrehen der Räder.
  3. Nicht abrupt bremsen, sofern es sich vermeiden lässt (in einer echten Gefahrensituation bremsen Sie selbstverständlich voll – Ihre Sicherheit geht vor).
  4. Sachte durch Kurven fahren, statt die Haftgrenze auszureizen.
  5. Mehr Abstand zum Vordermann halten, denn der Bremsweg kann in dieser Phase länger sein.

Diese ruhige Fahrweise ist nicht nur sicherer, sie ist laut ADAC sogar gut für die Haftungsentwicklung des Reifens. Sie helfen Ihren neuen Reifen also, schneller ihre volle Leistung zu erreichen.

Besonders bei Nässe aufpassen

Der wichtigste Punkt zuerst: Auf nasser Fahrbahn ist der Bremsweg mit neuen Reifen ohnehin länger als mit eingefahrenen (Quelle: ADAC). Trennmittelreste und die glattere Oberfläche wirken sich bei Regen stärker aus als auf trockener Straße. Planen Sie bei Nässe in den ersten Kilometern daher noch mehr Sicherheitsabstand ein und bremsen Sie früher.

Die gute Nachricht: Das tiefe, frische Profil verdrängt Wasser hervorragend und schützt sehr gut vor Aquaplaning – die Schwäche liegt allein in der noch nicht voll entwickelten Haftung der Gummioberfläche, nicht in der Wasserableitung. Wer von vornherein auf gute Nasshaftung achtet, ist hier im Vorteil: Im EU-Reifenlabel steht dafür die Nasshaftungsklasse (A ist am besten). Ein Beispiel mit Spitzen-Nasshaftung in der gängigen Größe 205/55 R16 ist der Dunlop Sport Bluresponse 205/55 R16 91V (Nasshaftung A).

Was das Einfahren NICHT ersetzt

Einfahren ist nur ein Baustein. Drei Dinge sind unabhängig davon entscheidend für Grip und Sicherheit:

  • Richtiger Luftdruck: Schon ab dem ersten Kilometer wichtig. Prüfen Sie den Druck bei neuen Reifen früh und dann regelmäßig – wie und warum, steht in unserem Ratgeber zum Reifendruck.
  • Ausreichend Profil über die gesamte Lebensdauer: Neu ist das kein Thema, aber gut zu wissen, wie man es später kontrolliert – siehe Profiltiefe messen.
  • Die passende Reifengröße und -qualität: Beim Kauf entscheidet sich vieles. Worauf Sie achten sollten, lesen Sie in unserer Kaufberatung für Sommerreifen.

Checkliste: Neue Reifen richtig einfahren

  • Die ersten rund 500 km defensiv fahren – kein Reizen der Haftgrenze.
  • Sanft beschleunigen und bremsen, ruhig durch Kurven.
  • Mehr Abstand halten, Bremsweg kann länger sein.
  • Bei Nässe besonders vorsichtig und mit mehr Reserve fahren.
  • Luftdruck früh prüfen und korrekt einstellen.
  • Erst danach das volle Potenzial der Reifen nutzen.

Fazit

Neue Reifen einfahren heißt vor allem: die ersten rund 500 Kilometer bewusst ruhig fahren. Dann sind Trennmittelreste abgetragen, die Oberfläche ist griffig und der Reifen liefert volle Haftung – bei Nässe wie bei Trockenheit. Es kostet Sie nichts außer ein bisschen Geduld und belohnt Sie mit mehr Sicherheit.

Sie suchen passende neue Reifen? Stöbern Sie in unserem Sortiment an Sommerreifen für PKW oder direkt in der beliebten Größe 205/55 R16. Bewährte Allrounder in dieser Dimension sind etwa der Continental EcoContact 5 205/55 R16 91H und der preiswerte Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V.

Häufige Fragen

Wie lange muss man neue Reifen einfahren?

Hersteller und ADAC empfehlen, neue Reifen über die ersten rund 500 Kilometer behutsam zu fahren und sie nicht ans Haftungslimit zu bringen. Ihr maximales Gripniveau erreichen sie nach einigen Hundert Kilometern.

Warum haben neue Reifen weniger Grip?

Aus der Produktion haften noch Trennmittelreste auf der Lauffläche, und die Gummioberfläche ist anfangs etwas glatter. Beides wird erst durch das Abrollen auf der Straße abgetragen, danach greift der Reifen voll.

Sind neue Reifen bei Regen gefährlich?

Gefährlich nicht, aber Sie sollten vorsichtiger fahren: Auf nasser Fahrbahn ist der Bremsweg mit neuen Reifen laut ADAC länger als mit eingefahrenen. Halten Sie mehr Abstand und bremsen Sie früher. Das tiefe Profil schützt dafür sehr gut vor Aquaplaning.

Darf ich mit neuen Reifen sofort auf die Autobahn?

Ja, ein generelles Verbot gibt es nicht. Fahren Sie in den ersten 500 Kilometern aber zurückhaltend, vermeiden Sie Vollbremsungen und starke Beschleunigung und halten Sie mehr Sicherheitsabstand.

Muss ich auch nach dem Saisonwechsel die Reifen einfahren?

Nein. Bereits gefahrene Reifen, die Sie nach der Einlagerung wieder aufziehen, sind längst eingefahren. Die Einfahrphase gilt nur für fabrikneue Reifen.

Schlagwörter: Neue Reifen Einfahren Fahrsicherheit Nasshaftung Reifenpflege

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