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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Motorrad-Reifendruck und neue Reifen einfahren: So starten Sie sicher in die Saison

· 7 Min. Lesezeit · von Reifentiefpreis.de · Aktualisiert am 02.08.2026
Hand prüft mit einem Manometer den Luftdruck am Hinterrad eines Motorrads (KI-generiert, OpenAI)
Hand prüft mit einem Manometer den Luftdruck am Hinterrad eines Motorrads (KI-generiert, OpenAI)

Der richtige Luftdruck und das saubere Einfahren neuer Reifen entscheiden beim Motorrad maßgeblich über Grip, Handling und Sicherheit – und beides wird gerade zum Saisonstart oft unterschätzt. Wer mit zu wenig Druck oder einem brandneuen, noch spiegelglatten Reifen losfährt, riskiert ein schwammiges Fahrgefühl und im schlimmsten Fall den Sturz. Wir zeigen Ihnen, welchen Luftdruck Ihr Motorrad wirklich braucht, wie Sie ihn richtig messen und wie Sie neue Reifen so einfahren, dass sie von Anfang an sicher haften.

Warum der Reifendruck beim Motorrad so entscheidend ist

Ein Motorrad steht nur auf zwei vergleichsweise kleinen Aufstandsflächen – jede etwa so groß wie eine Handfläche. Der Luftdruck bestimmt, wie groß diese Kontaktfläche ist und wie sich der Reifen unter Last verformt. Schon kleine Abweichungen wirken sich deshalb stärker aus als beim Auto: Auf zwei Rädern gibt es keine vierfache Reserve, die einen Fehler ausgleicht, und der Reifen ist zugleich für Lenken, Bremsen und Antrieb zuständig. Ein falscher Druck verändert damit gleich mehrere Fahreigenschaften auf einmal.

  • Zu wenig Druck: Der Reifen walkt stark, das Handling wird schwammig, das Motorrad „pendelt" in schnellen Kurven. Der Reifen erwärmt sich übermäßig, was die Karkasse auf Dauer schädigen kann. Außerdem verschleißen die Schultern schneller, der Bremsweg wird länger und der Spritverbrauch steigt.
  • Zu viel Druck: Die Aufstandsfläche wird kleiner, der Grip sinkt – besonders bei Nässe und auf kaltem Asphalt. Der Reifen verschleißt dann bevorzugt in der Mitte, und der Komfort leidet, weil Stöße härter durchschlagen.

Richtig eingestellter Luftdruck ist also kein Komfortthema, sondern aktive Sicherheit – und dazu noch der einfachste und günstigste Weg, die Lebensdauer Ihrer Reifen zu verlängern. Ein Blick mit dem Manometer dauert keine zwei Minuten und ersetzt keine noch so gute Fahrtechnik, macht sie aber überhaupt erst zuverlässig.

Den richtigen Luftdruck finden – und richtig messen

Den passenden Wert legt der Fahrzeughersteller fest, nicht der Reifenhersteller. Laut ADAC finden Sie die Vorgaben in der Bedienungsanleitung und häufig auf kleinen Aufklebern an der Schwinge, am Rahmen oder unter der Sitzbank. Als groben Orientierungswert nennt der ADAC für die meisten Straßenmotorräder rund 2,5 bar vorn und 2,9 bar hinten – das ist aber nur ein Richtwert. Verbindlich ist immer die konkrete Angabe für Ihr Modell.

Beachten Sie dabei:

  1. Vorne und hinten unterscheiden sich. Das Hinterrad trägt mehr Last und überträgt die Antriebskraft – dort ist der Druck in der Regel höher.
  2. Immer am kalten Reifen messen. Der ADAC empfiehlt, den Druck zu prüfen, bevor das Motorrad gefahren wurde, idealerweise nach mehreren Stunden Standzeit. Beim Fahren erwärmt sich der Reifen, die Luft dehnt sich aus und ein warmgefahrener Reifen zeigt 0,2 bis 0,3 bar mehr an – lassen Sie diese „Mehranzeige" nicht ab, sonst fahren Sie anschließend mit zu wenig Druck.
  3. Regelmäßig kontrollieren. Grundsätzlich gilt: vor jeder längeren Fahrt, mindestens aber alle ein bis zwei Wochen und nach jeder längeren Standzeit – etwa nach der Winterpause, in der der Druck über Monate spürbar abfällt.
  4. Eigenes Manometer nutzen. Die Druckluftsäulen an Tankstellen sind oft ungenau und die Schläuche für Motorräder zu kurz. Ein eigenes, geprüftes Manometer – ob analog oder digital – ist eine lohnende Anschaffung und macht das Messen direkt in der Garage möglich, solange der Reifen noch kalt ist.

Tipp: Notieren Sie sich die Sollwerte für Solo- und Soziusbetrieb auf einem kleinen Aufkleber am Tank oder im Helmfach. So müssen Sie vor der Tour nicht lange suchen.

Wie Sie die übrigen Angaben auf der Flanke entschlüsseln – etwa Breite, Querschnitt und Tragfähigkeit – lesen Sie in unserem Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen.

Sozius und Gepäck: Luftdruck anpassen

Anders als beim Auto werden lastabhängige Druckwerte beim Motorrad laut ADAC nur selten ausdrücklich angegeben – viele Hersteller nennen aber dennoch getrennte Werte für Solo und für Fahrt mit Sozius bzw. Gepäck. Wenn Sie zu zweit, mit voller Beladung oder über längere Strecken auf der Autobahn unterwegs sind, sollten Sie den Druck – meist am Hinterrad – entsprechend der Herstellervorgabe erhöhen. Das stabilisiert das Fahrwerk, hält die Lenkung präzise und schützt den Reifen vor Überhitzung. Fehlt eine separate Angabe, orientieren Sie sich bei voller Beladung am oberen Ende des empfohlenen Bereichs und prüfen Sie den Druck vor einer beladenen Tour lieber einmal mehr.

Im Gelände: bewusst weniger Druck

Enduro- und Reiseenduro-Fahrer senken den Druck abseits der Straße gezielt ab, um mehr Traktion und Dämpfung im Gelände zu bekommen. Wichtig: Auf der Straße muss der Druck danach wieder auf den vorgeschriebenen Wert – und nie unter die Herstelleruntergrenze, sonst drohen Walken, Überhitzung und im Extremfall ein Durchrutschen auf der Felge. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Enduro- und Adventure-Reifen.

Neue Motorradreifen richtig einfahren

Ein fabrikneuer Reifen hat eine sehr glatte Oberfläche und ist teils noch mit Produktionsrückständen behaftet. Der Reifenhersteller Continental erklärt: Damit der Grip stimmt, muss die Lauffläche zunächst aufgeraut werden – erst dann baut der Reifen seine volle Haftung auf. Solange das nicht geschehen ist, rutscht ein neuer Reifen deutlich leichter weg, gerade in Schräglage und bei Nässe. Hinzu kommt: Ein frisch montierter Reifen kann unter hoher Last – etwa bei starkem Beschleunigen oder Bremsen – noch auf der Felge durchrutschen, weil er sich erst „setzen" muss (ADAC). Auch deshalb gilt am Anfang besondere Zurückhaltung. So gehen Sie vor:

  • Die ersten Kilometer betont vorsichtig. Der ADAC rät, neue Reifen über die ersten 20 bis 50 Kilometer besonders behutsam zu bewegen – ohne harte Bremsmanöver, kräftiges Gasaufziehen und ohne große Schräglagen.
  • Insgesamt rund 150 km moderat fahren. Continental empfiehlt eine Einfahrphase von etwa 150 Kilometern, in der Sie starkes Beschleunigen und Bremsen, große Schräglagen und vor allem hohe Geschwindigkeiten vermeiden.
  • Schräglage schrittweise steigern. Erhöhen Sie Tempo und Schräglage erst nach und nach – sobald die Lauffläche sichtbar matter und rauer wird, hat sich der Reifen „eingefahren" (Continental).
  • Aufkleber entfernen. Lösen Sie vor der ersten Fahrt eventuelle Aufkleber von der Lauffläche.
  • Bei jeder Fahrt warmfahren. Auch eingefahrene Reifen brauchen Betriebstemperatur. Bremsen, beschleunigen und lenken Sie die ersten Kilometer jeder Ausfahrt bewusst sanft – kalte Reifen haben spürbar weniger Grip.

Als Faustregel gilt: Weiche Sportreifen erreichen ihren vollen Grip vergleichsweise schnell, Touren- und Enduroreifen brauchen tendenziell etwas länger. Maßgeblich ist immer die Angabe des jeweiligen Reifenherstellers. Übrigens müssen auch moderne Reifen mit besonders griffiger Neureifen-Oberfläche (etwa mit einer aufgerauten Werksoberfläche wie Continentals „TractionSkin") eingefahren werden – die schonende Anfangsphase schützt den Aufbau der Gummimischung und sorgt dafür, dass der Reifen sein Potenzial überhaupt erreicht.

Passende Motorradreifen für die neue Saison

Wenn ein neuer Satz fällig ist, achten Sie auf ein zueinander passendes Paar aus Vorder- und Hinterreifen desselben Modells. Anders als PKW-Reifen tragen Motorradreifen kein EU-Reifenlabel mit Effizienz-, Nass- und Geräuschklasse – vergleichen Sie deshalb über Modell, Dimension sowie Last- und Geschwindigkeitsindex statt über eine Farbskala. Warum das so ist, erklären wir im Ratgeber Motorradreifen ohne EU-Label. Für sportliche Straßenmaschinen in der gefragten Dimension 120/70 ZR17 / 180/55 ZR17 sind zum Beispiel diese Modelle eine bewährte Wahl:

Für Tourer und Cruiser, die auf Laufleistung und gleichmäßigen Verschleiß setzen, ist ein Modell wie der Metzeler ME 888 Marathon Ultra eine bewährte Wahl. Das gesamte Sortiment finden Sie in unserer Kategorie Motorradreifen Straße sowie gebündelt nach Größe, etwa 120/70 R17. Welcher Reifentyp zu Ihrem Fahrstil passt, klären Sie vorab am besten mit unserem Ratgeber Motorradreifen richtig wählen.

Unterm Strich: Reifendruck und Einfahren sind die zwei einfachsten Stellschrauben für eine sichere Motorradsaison – und beide kosten nichts außer ein paar Minuten Aufmerksamkeit. Prüfen Sie den Druck regelmäßig am kalten Reifen nach Herstellervorgabe, passen Sie ihn an die Beladung an und gönnen Sie jedem neuen Reifensatz seine Einfahrphase. So holen Sie das volle Sicherheitspotenzial aus Ihren Reifen heraus.

Häufige Fragen

Soll ich den Reifendruck kalt oder warm messen?

Immer am kalten Reifen, also bevor Sie gefahren sind. Ein warmer Reifen zeigt 0,2 bis 0,3 bar mehr an, weil sich die Luft beim Fahren ausdehnt. Lassen Sie diese Differenz nicht ab, sonst ist der Druck im kalten Zustand zu niedrig.

Woran erkenne ich, dass ein Motorradreifen zu alt ist?

Ausschlaggebend sind Herstellungsdatum (DOT-Nummer auf der Flanke) und der Zustand: feine Risse, harte, glänzende Gummioberfläche oder ausgehärtete Flanken sind Warnzeichen. Wie Sie das Alter richtig einordnen, lesen Sie im Ratgeber Motorradreifen und ihr Alter.

Muss ich Vorder- und Hinterreifen immer zusammen wechseln?

Nicht zwingend gleichzeitig, aber sinnvoll ist ein aufeinander abgestimmtes Paar. Ob und wie Sie Modelle kombinieren dürfen, erklären wir im Beitrag Motorradreifen vorne und hinten mischen.

Passende Motorradreifen für jede Maschine finden Sie in unserem Shop.

Schlagwörter: Motorradreifen Reifendruck Reifen einfahren Motorrad Reifenpflege Sicherheit

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