Sommerreifen kaufen: Worauf Sie bei der Auswahl wirklich achten sollten
Sommerreifen kaufen: Worauf Sie bei der Auswahl wirklich achten sollten
Der Sommerreifen ist die einzige Verbindung zwischen Ihrem Auto und der Straße – bei jeder Vollbremsung, in jeder Kurve und besonders bei plötzlichem Sommerregen. Welches Modell Sie wählen, entscheidet damit unmittelbar über Sicherheit, Bremsweg und Spritverbrauch. Doch das Angebot ist riesig, und die Preise reichen vom Schnäppchen bis zum Premiumreifen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, worauf es bei der Auswahl ankommt – damit Sie nicht am falschen Ende sparen.
Die wichtigsten Kaufkriterien im Überblick
Ein guter Sommerreifen muss vieles gleichzeitig können. Diese Eigenschaften sollten Sie abwägen:
- Nasshaftung und Nassbremsweg: Das mit Abstand wichtigste Sicherheitskriterium. Zwischen einem sehr guten und einem schwachen Reifen liegen aus 80 km/h schnell mehrere Fahrzeuglängen Bremsweg – im Ernstfall der Unterschied zwischen Anhalten und Aufprall.
- Trockenhaftung und Handling: Kurzer Bremsweg auf trockener Fahrbahn und ein stabiles, vorhersehbares Lenkverhalten.
- Laufleistung und Verschleiß: Wie viele Kilometer hält der Reifen? Ein etwas teurerer Reifen mit hoher Laufleistung kann auf die gesamte Lebensdauer günstiger sein.
- Kraftstoffeffizienz (Rollwiderstand): Ein niedriger Rollwiderstand spart Sprit und – bei Elektroautos – Reichweite.
- Abrollgeräusch: Vor allem auf langen Strecken ein spürbarer Komfortfaktor.
- Preis-Leistung: Nicht der billigste, sondern der für Ihr Fahrprofil ausgewogenste Reifen ist die beste Wahl.
Tipp: Setzen Sie die Prioritäten passend zu Ihrem Fahrprofil. Vielfahrer profitieren von hoher Laufleistung und geringem Rollwiderstand, sicherheitsbewusste Gelegenheitsfahrer von der bestmöglichen Nasshaftung.
Was unabhängige Tests zeigen
Verlassen Sie sich nicht allein auf Herstellerangaben, sondern ziehen Sie unabhängige Reifentests heran. Die wichtigste deutsche Quelle ist der ADAC-Sommerreifentest, der die Reifen unter standardisierten Bedingungen auf nasser und trockener Fahrbahn prüft und Sicherheit am höchsten gewichtet.
Im ADAC-Sommerreifentest 2026 wurden 16 Reifen der Mittelklasse-Größe 225/50 R17 geprüft. Die Spitzenplätze:
- Continental PremiumContact 7 – Gesamtnote 1,9 (gut), Testsieger mit der deutlich besten Bewertung bei der Fahrsicherheit
- Pirelli Cinturato C3 – Note 2,2 (gut)
- Goodyear EfficientGrip Performance 2 – Note 2,3 (gut)
Mehrere günstige Modelle fielen dagegen mit „nicht empfehlenswert" durch, weil sie bei den Fahrleistungen deutlich zurücklagen. Das zeigt: Ein extrem niedriger Preis kann bei einem Sicherheitsbauteil teuer werden. Der ADAC rät, Reifen mit ausgewogenen Leistungen über alle Kriterien zu wählen und beim Kauf auf möglichst junge Reifen (idealerweise nicht älter als zwei Jahre) zu achten. Quelle: ADAC-Sommerreifentest 2026.
Premium, Mittelklasse oder Budget?
Premiumreifen führen die Tests regelmäßig an, vor allem bei Nässe und beim Verschleiß. Das heißt aber nicht, dass nur das teuerste Modell infrage kommt:
- Premium (z. B. Continental, Michelin, Goodyear, Pirelli, Bridgestone, Dunlop): Spitzenwerte bei Sicherheit und Laufleistung, höherer Preis – lohnt sich besonders für Vielfahrer und stärkere Fahrzeuge.
- Qualitäts-Mittelklasse (z. B. Barum, Kumho, Falken, Hankook): oft ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis mit soliden Sicherheitswerten – für viele Autofahrer die vernünftigste Wahl.
- Budget/Billigreifen: Hier ist Vorsicht geboten. Einzelne preiswerte Reifen schneiden ordentlich ab, andere fallen in Tests mit gefährlich langen Nassbremswegen durch. Wer hier kauft, sollte unbedingt unabhängige Testergebnisse prüfen.
Sparen lässt sich also sinnvoll – aber nicht blind beim Preis, sondern bei der Auswahl des ausgewogensten Reifens für Ihr Fahrprofil.
EU-Reifenlabel richtig einordnen
Jeder Neureifen trägt das EU-Reifenlabel mit Angaben zu Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung (jeweils Klasse A bis E) und Außengeräusch. Es ist eine gute erste Orientierung – vor allem die Nasshaftungsklasse ist ein wichtiges Sicherheitssignal. Wie Sie die Werte genau lesen, erklären wir im Beitrag EU-Reifenlabel lesen.
Wichtig: Das Label allein ist kein vollständiger Maßstab. Es beruht auf Herstellerangaben und sagt nichts über Trockenbremsen, Handling, Aquaplaning-Verhalten oder Laufleistung aus – genau deshalb betont auch der ADAC, dass das EU-Label allein nicht für die Auswahl genügt. Kombinieren Sie es daher immer mit unabhängigen Tests.
In der beliebten Größe 205/55 R16 finden sich zum Beispiel Modelle mit der Top-Nasshaftungsklasse A wie der Dunlop Sport Bluresponse 205/55 R16 91V (Label B/A/68) oder der Kumho Ecsta HS52 205/55 R16 91V (Label C/A/71). Ein ausgewogener Allrounder der Mittelklasse ist der Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V.
Die richtige Größe und Kennung wählen
Ein Reifen kann nur so gut sein, wie er zu Ihrem Fahrzeug passt. Maßgeblich ist die in der Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragene Größe (Felder 15.1/15.2). Achten Sie auf:
- Reifengröße (z. B. 205/55 R16): Breite, Querschnitt und Felgendurchmesser müssen zur Freigabe Ihres Fahrzeugs passen.
- Lastindex und Geschwindigkeitsindex (z. B. 91V): Beide müssen mindestens den vorgeschriebenen Werten entsprechen.
Was die einzelnen Zahlen und Buchstaben bedeuten, lesen Sie im Detail im Ratgeber Reifengröße ablesen. Die passenden Modelle für Ihre Größe finden Sie direkt über die Größenseite, etwa 205/55 R16.
Vor dem Kauf prüfen: Alter, Profil und Luftdruck
Auch beim Neukauf lohnt der Blick auf ein paar Details:
- Reifenalter (DOT-Nummer): Reifen altern auch ungenutzt. Kaufen Sie möglichst junge Ware – die ADAC-Empfehlung lautet, neue Reifen nicht älter als rund zwei Jahre zu nehmen.
- Profiltiefe im Blick behalten: Gesetzlich sind mindestens 1,6 mm vorgeschrieben, sicherheitstechnisch empfiehlt sich ein Wechsel früher. Wie Sie richtig messen, zeigt der Beitrag Profiltiefe messen.
- Richtiger Luftdruck: Schon nach der Montage und besonders vor der Urlaubsfahrt prüfen – das spart Sprit und verbessert die Sicherheit. Mehr dazu im Ratgeber Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.
Gerade bei Nässe zeigt sich, wie viel ein guter Sommerreifen wert ist – wie Sie Aquaplaning vermeiden, lesen Sie hier.
Häufige Fragen
Was ist beim Kauf von Sommerreifen am wichtigsten?
Die Sicherheit, allen voran die Nasshaftung und der Nassbremsweg. Ziehen Sie unabhängige Tests (z. B. ADAC) heran und wählen Sie einen Reifen mit ausgewogenen Eigenschaften, der zur Größe und Freigabe Ihres Fahrzeugs passt.
Lohnen sich teure Premiumreifen?
In Tests führen Premiumreifen meist bei Nässe und Laufleistung. Für Vielfahrer und stärkere Autos zahlt sich das aus. Für viele Autofahrer bietet aber auch die Qualitäts-Mittelklasse ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Von extrem billigen Reifen ohne gute Testergebnisse ist abzuraten.
Reicht das EU-Reifenlabel zur Auswahl aus?
Nein. Das Label ist eine nützliche Orientierung (besonders die Nasshaftungsklasse), beruht aber auf Herstellerangaben und deckt nicht alle Eigenschaften ab. Kombinieren Sie es mit unabhängigen Reifentests.
Welche Reifengröße brauche ich?
Die in Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I (Felder 15.1/15.2) eingetragene Größe inklusive passendem Last- und Geschwindigkeitsindex. Diese Werte dürfen nicht unterschritten werden.
Wie alt darf ein neuer Reifen sein?
Reifen altern auch im Lager. Der ADAC empfiehlt, beim Kauf möglichst junge Reifen zu nehmen – idealerweise nicht älter als rund zwei Jahre. Das Herstelldatum erkennen Sie an der vierstelligen DOT-Nummer (Woche/Jahr).
Fazit
Der richtige Sommerreifen ist eine Frage der ausgewogenen Eigenschaften, nicht des niedrigsten Preises. Achten Sie zuerst auf die Nasshaftung, ziehen Sie unabhängige Tests heran, prüfen Sie das EU-Label als Ergänzung und wählen Sie die zu Ihrem Fahrzeug passende Größe. So fahren Sie sicher und sparen langfristig. Passende Sommerreifen für Ihr Fahrzeug finden Sie in unserer Auswahl an PKW-Sommerreifen.