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Kaufberatung – Ratgeber im Magazin

Reifen online kaufen: So finden Sie die richtigen Reifen und vermeiden Fehlkäufe

· 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 30.07.2026
Stapel neuer Pkw-Reifen neben einem Laptop – Reifen online kaufen (KI-generiert, OpenAI)
Stapel neuer Pkw-Reifen neben einem Laptop – Reifen online kaufen (KI-generiert, OpenAI)

Reifen online zu kaufen ist heute der einfachste und oft günstigste Weg zu neuen Pneus – wenn man weiß, worauf es ankommt. Während Sie im Ladengeschäft auf eine Handvoll vorrätiger Modelle festgelegt sind, finden Sie online jede Größe, jede Saison und jede Preisklasse im direkten Vergleich, samt EU-Label, Kundenbewertungen und Testergebnissen auf einen Blick. Der Haken: Sie sind selbst dafür verantwortlich, die richtige Größe, die passende Saison und ein frisches Herstellungsdatum auszuwählen – die Beratung an der Ladentheke fällt weg. Genau diese Kontrolle nehmen wir Ihnen mit dieser Schritt-für-Schritt-Kaufberatung ab: von der Reifengröße über das EU-Label bis zur Montage, damit am Ende der richtige Reifen unter Ihrem Auto sitzt und kein Fehlkauf im Keller landet.

Schritt 1: Die richtige Reifengröße ermitteln

Der häufigste Fehler beim Online-Kauf ist die falsche Größe. Die zulässigen Reifengrößen für Ihr Fahrzeug stehen an zwei Stellen:

  • An der Reifenflanke Ihrer aktuellen Reifen, z. B. 205/55 R16 91V – Breite (205 mm), Querschnittsverhältnis (55 %), Radialbauweise (R), Felgendurchmesser (16 Zoll), Tragfähigkeitsindex (91) und Geschwindigkeitsindex (V).
  • In der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein): in den Feldern 15.1 und 15.2 stehen die ab Werk eingetragenen Größen; weitere zugelassene Größen finden sich in den CoC-Papieren bzw. der Reifenfreigabe des Fahrzeugherstellers.

Wichtig: Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex dürfen nicht unter den Werten im Fahrzeugschein liegen – ein höherer Index ist erlaubt, ein niedrigerer nicht. Achten Sie außerdem darauf, auf einer Achse immer die identische Größe zu fahren; nur bei manchen Sportwagen ist ab Werk eine Mischbereifung mit unterschiedlichen Größen vorn und hinten zugelassen. Wie Sie jede Zahl und jeden Buchstaben auf der Flanke entschlüsseln, erklären wir ausführlich im Beitrag Reifengröße ablesen: Was die Zahlen und Buchstaben auf der Reifenflanke bedeuten.

Im Shop wählen Sie Ihre Größe dann direkt aus – zum Beispiel über die Größen-Landingpage 205/55 R16, eine der meistgefahrenen Pkw-Größen in Deutschland. So bekommen Sie ausschließlich Reifen angezeigt, die exakt an Ihr Auto passen.

Schritt 2: Sommer, Winter oder Ganzjahr?

Bevor Sie ein Modell auswählen, entscheiden Sie die Saison. In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht (§ 2 StVO): Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte dürfen Sie nur mit wintertauglichen Reifen fahren. Als Nachweis gilt seit dem 1. Oktober 2024 ausschließlich das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, „3PMSF") – die alte „M+S"-Kennung allein reicht nicht mehr.

Welche Saison für Sie sinnvoll ist, hängt vor allem von Fahrleistung und Region ab:

  • Sommerreifen – beste Leistung bei warmem, trockenem und nassem Wetter, kürzester Bremsweg über 7 °C. Kombiniert mit Winterreifen die sicherste, aber aufwendigere Lösung. Worauf es bei der Auswahl ankommt, lesen Sie in unserer Sommerreifen-Kaufberatung.
  • Winterreifen – Pflicht bei winterlichen Verhältnissen, deutlich kürzerer Bremsweg auf Schnee und Eis, dafür im Hochsommer etwas weicher und mit längerem Bremsweg auf trockener Fahrbahn.
  • Ganzjahresreifen – ein Kompromiss für Wenigfahrer, Stadtverkehr und milde Regionen ohne echten Winter. Ob sich das für Sie lohnt, klärt der Beitrag Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen.

Den passenden Bereich finden Sie im Shop direkt unter PKW-Sommerreifen, PKW-Winterreifen und den übrigen Saison-Rubriken.

Schritt 3: Das EU-Reifenlabel richtig deuten

Jeder in der EU verkaufte Reifen trägt ein EU-Reifenlabel mit drei standardisierten Kennwerten, die Sie online direkt nebeneinanderlegen können:

  • Kraftstoffeffizienz (Rollwiderstand) – Skala A bis E. Jede Klasse Unterschied wirkt sich spürbar auf den Verbrauch aus.
  • Nasshaftung – Skala A bis E. Sicherheitsrelevant: Zwischen A und E liegen bei einer Vollbremsung aus 80 km/h mehrere Fahrzeuglängen Bremsweg.
  • Externes Rollgeräusch – in Dezibel (dB), zusätzlich in drei Wellen-Klassen.

Seit Mai 2021 gilt ein überarbeitetes Label: Es trägt einen QR-Code, über den Sie den Reifen in der offiziellen EU-Produktdatenbank EPREL nachschlagen können, und bei geeigneten Modellen zusätzliche Piktogramme für Schneegriffigkeit (3PMSF) und Eisgriffigkeit. Das Label ist Pflichtangabe und ein guter erster Filter – ersetzt aber keinen unabhängigen Reifentest, weil es Eigenschaften wie Aquaplaning, Handling, Kurvenstabilität oder Laufleistung nicht abbildet. Nutzen Sie es deshalb als Vorauswahl und ziehen Sie bei der Endauswahl aktuelle Testergebnisse hinzu. Wie Sie alle Symbole genau lesen, zeigt der Beitrag EU-Reifenlabel lesen: Nasshaftung, Effizienz und Geräusch einfach erklärt.

Schritt 4: Marke und Budget – Premium, Qualität oder Preiseinstieg?

Online haben Sie die ganze Bandbreite vom günstigen Einstiegsreifen bis zur Premiummarke. Grob lassen sich drei Klassen unterscheiden:

  • Premium – Marken wie Continental, Michelin, Bridgestone oder Goodyear/Dunlop. Spitzenwerte bei Nässe, Bremsweg und Laufleistung, dafür höherer Preis. Beispiel: Continental EcoContact 6 245/40 R19 101Y mit EU-Label B/B.
  • Qualitäts-/Mittelklasse – etablierte Hersteller wie Hankook, Falken oder Kumho. Sehr ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis, in Tests oft dicht hinter den Premiummarken. Beispiel: Hankook Ventus evo K137 225/45 R17 94Y mit Nasshaftung A.
  • Preiseinstieg – günstige, aber solide Marken wie Barum (Continental-Gruppe). Für Wenigfahrer und kleine Budgets oft völlig ausreichend. Beispiel: Barum Bravuris 6 205/55 R16 91V mit EU-Label B/B.

Unser Rat: Sparen Sie nicht an der Nasshaftung – sie entscheidet im Ernstfall über den Bremsweg. Orientieren Sie sich am EU-Label und an unabhängigen Tests (z. B. von ADAC oder Fachzeitschriften), nicht allein am Preis. Gerade bei sehr günstigen oder unbekannten Marken lohnt der genaue Blick: Worauf Sie dabei achten und woran Sie einen soliden Billigreifen erkennen, lesen Sie im Beitrag Billigreifen und unbekannte Marken richtig einschätzen. Eine komplette Übersicht aller lieferbaren Modelle finden Sie im Bereich PKW-Reifen.

Schritt 5: Auf das Reifenalter achten – die DOT-Nummer

Ein Punkt, den viele beim Online-Kauf übersehen: Auch ein fabrikneuer, nie gefahrener Reifen altert. Die Gummimischung härtet über die Jahre aus, was laut ADAC vor allem Grip und Bremsweg verschlechtert. Achten Sie deshalb auf das Herstellungsdatum – es steht in der DOT-Nummer auf der Reifenflanke:

  • Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer geben das Produktionsdatum an.
  • Die ersten beiden Ziffern sind die Kalenderwoche, die letzten beiden das Jahr.
  • Beispiel: DOT … 1024 bedeutet hergestellt in der 10. Kalenderwoche 2024.

Wie alt darf ein „neuer" Reifen also sein? Der ADAC empfiehlt, dass Neureifen beim Kauf nicht älter als zwei Jahre sein sollten. Der Bundesverband Reifenhandel (BRV) stuft fachgerecht gelagerte Reifen zwar bis zu drei Jahren noch als „fabrikneu" ein – auf der sicheren Seite sind Sie aber mit der strengeren Zwei-Jahres-Grenze des ADAC. Entscheidend ist ohnehin weniger das nackte Datum als die Lagerung: Kühl, trocken und vor Sonne geschützt gelagerte Reifen altern deutlich langsamer.

Beim Online-Kauf können Sie das Alter nicht vorab an der Flanke ablesen. Prüfen Sie deshalb nach der Lieferung sofort die DOT-Nummer und nutzen Sie bei einem zu alten Reifen Ihr Widerrufsrecht (siehe Schritt 8). Wie Sie das Reifenalter im Detail bestimmen und ab wann auch montierte Reifen zum Sicherheitsrisiko werden, erklärt der Beitrag Reifenalter und DOT-Nummer richtig deuten. Unabhängig vom Profil empfiehlt der ADAC, Pkw-Reifen spätestens nach rund zehn Jahren auszutauschen.

Schritt 6: Wie viele Reifen kaufen – einzeln, achsweise oder im Satz?

Aus Sicherheitsgründen sollten Sie Reifen mindestens achsweise paarweise wechseln, also nie nur einen einzelnen Reifen. Auf einer Achse müssen ohnehin zwei bauartgleiche Reifen mit gleichem Profil laufen – unterschiedliche Modelle links und rechts sind nicht zulässig und stören das Bremsverhalten. Idealerweise kaufen Sie gleich einen kompletten Satz mit identischem Modell rundum; das sorgt für ausgewogenes, berechenbares Fahrverhalten.

Müssen Sie nur zwei Reifen ersetzen, gilt die Faustregel: Die neueren Reifen mit mehr Profil gehören auf die Hinterachse. Das verbessert die Spurstabilität und beugt dem gefürchteten Übersteuern bei Nässe vor – unabhängig davon, ob Ihr Auto Front- oder Heckantrieb hat. Bevor Sie bestellen, lohnt ein Blick auf die Restprofiltiefe der verbleibenden Reifen: Sind diese ohnehin schon nahe am Limit, ist der komplette Satz die günstigere und sicherere Wahl. Wie Sie die Profiltiefe richtig messen und beurteilen, zeigt der Beitrag Profiltiefe messen: So prüfen Sie Ihr Reifenprofil richtig.

Schritt 7: Lieferung, Montage und RDKS

Online gekaufte Reifen kommen lose, also ohne Felge. Für die Montage haben Sie zwei Wege:

  • Reifen liefern lassen und montieren – Sie bestellen die Reifen, lassen sie zu sich oder direkt zu einer Werkstatt liefern und dort auf Ihre vorhandenen Felgen aufziehen, wuchten und montieren. Rechnen Sie die Montagekosten (je nach Betrieb meist im niedrigen zweistelligen Bereich pro Rad) in den Gesamtpreis mit ein, wenn Sie mit dem Ladenpreis vergleichen.
  • Kompletträder bestellen – fertig auf Felge montiert und gewuchtet. Das spart die Montagearbeit und ist besonders beim saisonalen Radwechsel praktisch, weil Sie die Räder mit etwas Übung selbst tauschen können. Eine Übersicht finden Sie unter Kompletträder.

Denken Sie an das Reifendruckkontrollsystem (RDKS): Alle seit dem 1. November 2014 erstzugelassenen Pkw müssen ein RDKS haben. Bei Systemen mit Sensoren im Ventil müssen diese beim Reifenwechsel übernommen, ersetzt oder neu angelernt werden – klären Sie das am besten vorab mit Ihrer Montagewerkstatt. Mehr dazu im Beitrag Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt. Den korrekten Luftdruck für Ihr Fahrzeug entnehmen Sie dem Aufkleber in der Tür oder im Tankdeckel.

Schritt 8: Bestellung prüfen – Widerruf, Zahlung, seriöser Shop

Beim Kauf im Internet (Fernabsatz) steht Ihnen als Verbraucher grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht zu. Achten Sie zusätzlich auf folgende Punkte:

  • Größe und Saison kontrollieren, bevor Sie auf „Kaufen" klicken – die häufigste Fehlerquelle.
  • Sichere Bezahlung mit gängigen, geschützten Zahlarten wählen (z. B. Kauf auf Rechnung, PayPal oder Lastschrift).
  • Lieferzeit und Verfügbarkeit beachten – plant der Shop die Montage gleich mit ein?
  • Nach Erhalt DOT-Nummer, Größe und Modell mit der Bestellung abgleichen.

So vermeiden Sie Überraschungen und haben im Zweifel die Möglichkeit, einen zu alten oder falschen Reifen zurückzugeben.

Unterm Strich: Reifen online zu kaufen ist unkompliziert und spart bares Geld – vorausgesetzt, Sie gehen systematisch vor. Erst die richtige Größe aus Flanke oder Fahrzeugschein bestimmen, dann Saison und EU-Label festlegen, eine zum Budget passende Marke wählen, das Reifenalter über die DOT-Nummer im Blick behalten und zum Schluss Montage und Verbraucherrechte klären. Wer diese acht Schritte beachtet, bekommt online genau den Reifen, der zum Auto, zur Jahreszeit und zum Geldbeutel passt – ganz ohne Fehlkauf.

Häufige Fragen

Ist Reifen online kaufen wirklich günstiger als beim Reifenhändler vor Ort?

In der Regel ja, weil Online-Shops eine größere Auswahl und schärfer kalkulierte Preise bieten. Damit der Vergleich fair ist, sollten Sie allerdings die Montagekosten einrechnen, die beim stationären Händler oft schon im Preis stecken. Wer die losen Reifen ohnehin in einer Werkstatt aufziehen lässt, fährt online meist trotzdem günstiger – vor allem bei Premiummodellen.

Darf ein Winterreifen einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben als im Fahrzeugschein?

Ja, das ist die einzige zulässige Ausnahme: Winterreifen dürfen einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex tragen, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit Ihres Fahrzeugs darüber liegt. Dann muss allerdings ein Hinweisschild mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit im Sichtfeld des Fahrers kleben. Bei Sommer- und Ganzjahresreifen gilt diese Ausnahme nicht.

Woran erkenne ich einen seriösen Online-Reifenshop?

Achten Sie auf ein vollständiges Impressum mit ladungsfähiger Anschrift, transparente Versand- und Montageinfos, geschützte Zahlarten und echte, nachvollziehbare Kundenbewertungen. Ein sauberes Widerrufs- und Rückgaberecht sowie eine erreichbare Kundenbetreuung sind weitere gute Zeichen. Unrealistisch niedrige Preise bei gleichzeitig fehlenden Kontaktdaten sind dagegen ein Warnsignal.

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