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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 10.07.2026
Auto auf nasser Landstraße bei wechselhaftem Wetter, Fokus auf dem Profil eines Ganzjahresreifens (KI-generiert, OpenAI)
Auto auf nasser Landstraße bei wechselhaftem Wetter, Fokus auf dem Profil eines Ganzjahresreifens (KI-generiert, OpenAI)

Einmal montiert, das ganze Jahr gefahren – kein Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst, keine Einlagerung des zweiten Satzes. Ganzjahresreifen (auch Allwetter- oder Allseason-Reifen genannt) klingen nach der bequemen Lösung schlechthin. Doch sie sind immer ein Kompromiss. In diesem Ratgeber lesen Sie, wie Ganzjahresreifen funktionieren, für welche Fahrerinnen und Fahrer sie sich wirklich lohnen, worauf Sie beim Kauf achten müssen und was der aktuelle ADAC-Test 2025 ergeben hat.

Was sind Ganzjahresreifen?

Ein Ganzjahresreifen versucht, die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen in einem einzigen Produkt zu vereinen. Sein Profil und seine Gummimischung sind ein Mittelweg: griffig genug für nasse und winterliche Fahrbahnen, aber zugleich so ausgelegt, dass der Reifen auch bei sommerlichen Temperaturen noch ordentlich funktioniert.

Der entscheidende technische Unterschied liegt in der Gummimischung. Sommerreifen werden bei Kälte hart und verlieren Grip; Winterreifen werden bei Hitze zu weich und verschleißen schnell. Ganzjahresreifen nutzen eine Mischung, die über einen breiteren Temperaturbereich brauchbar bleibt – ohne in einem der beiden Extreme so gut zu sein wie der jeweilige Spezialist. Auch das Profil ist ein Zwitter: Es trägt deutlich mehr Lamellen als ein Sommerreifen, damit sich der Reifen im Schnee verzahnen kann, aber weniger als ein reiner Winterreifen, damit die Profilblöcke bei warmen Temperaturen nicht zu stark nachgeben. Genau aus diesem Zwitterdasein ergeben sich sowohl die Stärken als auch die Grenzen dieser Reifengattung.

Die wichtigsten Pluspunkte:

  • Kein saisonaler Wechsel: Sie sparen sich zweimal im Jahr den Termin in der Werkstatt.
  • Keine Einlagerung: Der zweite Reifensatz muss nicht gelagert werden – das spart Platz und Lagerkosten.
  • Geringere Anschaffung auf einen Schlag: Sie kaufen nur einen Satz statt zwei.
  • Flexibel bei mildem Wetter: In Regionen mit selten echtem Winter sind Sie jederzeit zugelassen unterwegs.

Die Kehrseite:

  • Kompromiss bei der Leistung: Auf trockener Sommerstraße bremst ein guter Sommerreifen kürzer, bei Schnee und Eis ein guter Winterreifen sicherer.
  • Höherer Verschleiß im Sommer: Die weichere Mischung nutzt sich bei Hitze schneller ab als ein reiner Sommerreifen.
  • Etwas höherer Rollwiderstand: Das kann den Verbrauch leicht erhöhen.
  • Grenzen bei Extrembedingungen: Tiefschnee, Eis und Bergstraßen bleiben die Domäne echter Winterreifen.

Wichtig ist dabei die richtige Erwartungshaltung: Ein moderner Ganzjahresreifen aus der ersten Reihe der Hersteller ist kein schlechter Reifen, sondern ein bewusst breit ausgelegter. Er fährt sich im Alltag unauffällig und sicher, solange die Bedingungen im mittleren Bereich bleiben. Kritisch wird es erst an den Rändern – beim Vollbremsen aus hoher Geschwindigkeit auf heißem Asphalt und beim Anfahren an einer verschneiten Steigung. Wer weiß, dass er diese Ränder selten berührt, verliert mit einem Allwetterreifen wenig und gewinnt viel Bequemlichkeit.

Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen – und für wen nicht?

Ganzjahresreifen sind keine Universallösung, sondern eine Frage des Fahrprofils. Der ADAC empfiehlt sie vor allem für Autofahrerinnen und Autofahrer in gemäßigten Klimaregionen mit eher mildem Winter und überschaubarer Fahrleistung. Wer weniger als rund 15.000 Kilometer im Jahr fährt und keine Touren in den verschneiten Alpenraum oder lange Sommerurlaube in den heißen Süden plant, profitiert laut ADAC am meisten von der Ersparnis durch den wegfallenden Wechsel (Quelle: ADAC).

Typische Profile, für die Allwetterreifen gut passen:

  • Stadt- und Kurzstreckenfahrer mit moderater Jahresleistung und Garagen-/Tiefgaragenparker.
  • Zweitwagen, die nicht täglich und nicht bei jedem Wetter bewegt werden.
  • Pendler in flachen, schneearmen Regionen, in denen echter Winter selten ist.

Eher zu Sommer- und Winterreifen im Wechsel sollten dagegen greifen:

  • Vielfahrer mit hoher Jahreslaufleistung – hier rechnet sich der Spezialreifen schneller und der Verschleißnachteil wiegt schwerer.
  • Wer regelmäßig in schneereichen Regionen oder im Gebirge unterwegs ist.
  • Fahrer leistungsstarker oder schwerer Fahrzeuge, die im Sommer maximale Trockenperformance erwarten.

Rechnen Sie die Entscheidung ruhig einmal ehrlich durch. Der Kostenvorteil eines Allwetterreifens entsteht nicht beim Kauf – ein guter Ganzjahresreifen kostet ungefähr so viel wie ein guter Sommerreifen –, sondern über die Jahre: durch den entfallenden Radwechsel, die entfallende Einlagerung und den zweiten Radsatz, den Sie gar nicht erst anschaffen. Diesem Vorteil steht der höhere Sommerverschleiß gegenüber. Bei geringer Fahrleistung wiegt der Wechsel- und Lagerposten schwerer, bei hoher Fahrleistung der Verschleiß. Genau an diesem Punkt kippt die Rechnung – und deshalb gibt es keine pauschale Antwort, sondern nur eine für Ihr Fahrprofil.

Tipp: Wenn Sie unsicher sind, entscheidet meist der Wintereinsatz. Müssen Sie sich im Januar darauf verlassen, dass Sie eine verschneite Steigung hochkommen, nehmen Sie Winterreifen. Ist Schnee für Sie ein Ereignis von wenigen Tagen im Jahr, bei dem Sie das Auto notfalls stehen lassen können, sind Ganzjahresreifen die entspanntere Wahl.

Das Alpine-Symbol: nur damit sind Ganzjahresreifen wintertauglich

Ganz wichtig für die situative Winterreifenpflicht in Deutschland (geregelt in § 2 der StVO): Bei Glatteis, Schneeglätte, Reif- oder Eisglätte dürfen Sie nur mit Reifen fahren, die als wintertauglich gelten. Das ist ein Ganzjahresreifen nur dann, wenn er das Alpine-Symbol trägt – ein kleines Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch 3PMSF (Three Peak Mountain Snow Flake) genannt.

Die alte Kennung „M+S" allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr als Winternachweis aus. Achten Sie beim Kauf also unbedingt auf die Schneeflocke in der Bergsilhouette auf der Reifenflanke. Fehlt sie, ist der Reifen rechtlich ein Sommerreifen – bei winterlichen Verhältnissen drohen dann Bußgeld und Punkt (Quelle: StVO § 2).

Der Unterschied ist keine Formsache. „M+S" (Matsch und Schnee) war nie ein geprüfter Nachweis, sondern eine Herstellerangabe – jeder Reifenproduzent durfte sie selbst vergeben. Das Alpine-Symbol dagegen darf ein Reifen erst tragen, wenn er in einem genormten Bremstest auf Schnee ein Mindestniveau erreicht. Praktisch bedeutet das: Zwei Reifen mit identischer „M+S"-Prägung können sich im Schnee völlig unterschiedlich verhalten, während die Schneeflocke eine belastbare Untergrenze markiert. Alle namhaften Ganzjahresreifen der aktuellen Generation tragen sie – bei sehr günstigen Angeboten und bei Restposten lohnt der prüfende Blick auf die Flanke trotzdem. Wie Sie die Kennzeichnungen auf der Reifenflanke insgesamt entschlüsseln, erklären wir ausführlich im Beitrag Reifengröße ablesen.

Was sagt der ADAC-Test 2025?

Der ADAC-Ganzjahresreifentest 2025 prüfte 16 Modelle in der Größe 225/45 R17 auf trockener, nasser, schnee- und eisbedeckter Fahrbahn sowie auf Umwelteigenschaften. Das Ergebnis zeigt deutlich, wie groß die Qualitätsunterschiede sind:

  • Vier Reifen schnitten mit der Note „gut" ab – mehr als in den Vorjahren.
  • Acht Modelle wurden nicht empfohlen.
  • Vier Reifen wiesen gravierende Mängel auf und gelten als Sicherheitsrisiko.

An der Spitze lagen punktgleich mit der Note 2,3 der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 und der Continental AllSeasonContact 2. Der Continental erreichte als einziger Reifen im Test bei den Fahrsicherheitswerten die Gesamtnote „gut". Dahinter folgten mit Note 2,5 der Pirelli Cinturato All Season SF 3 und der Bridgestone Turanza All Season 6. Für den Goodyear prognostizierte der ADAC eine hohe Laufleistung von rund 68.000 Kilometern (Quelle: ADAC-Ganzjahresreifentest 2025).

Die Lehre daraus: Bei Ganzjahresreifen lohnt sich der Blick auf etablierte Markenprodukte besonders. Die billigsten Modelle im Test kamen über befriedigende Leistungen nicht hinaus oder fielen ganz durch – ein Kompromissreifen, der zusätzlich an günstiger Technik spart, wird schnell zum echten Sicherheitsrisiko. Bemerkenswert ist außerdem, wie deutlich die Spreizung innerhalb eines einzigen Testfelds ausfällt: Zwischen dem besten und den durchgefallenen Reifen liegen keine Nuancen, sondern Bremswege und Fahrstabilitätsreserven, die im Ernstfall über den Ausgang einer Situation entscheiden. Ein Ganzjahresreifen ist damit genau der Reifentyp, bei dem die Modellwahl am meisten zählt – gerade weil er ohnehin schon einen Kompromiss eingeht.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Alpine-Symbol (3PMSF) ist Pflicht, wenn der Reifen im Winter gefahren werden soll – siehe oben.
  • Unabhängige Tests vor dem Preis: Orientieren Sie sich an aktuellen ADAC- oder Stiftung-Warentest-Ergebnissen, nicht nur am Angebot.
  • EU-Reifenlabel als Zusatzinfo: Nasshaftung, Effizienz und Geräusch geben eine erste Orientierung – sie ersetzen aber keinen Test. Wie Sie das Label richtig lesen, steht in unserem Beitrag EU-Reifenlabel lesen.
  • Richtige Größe und Indizes: Last- und Geschwindigkeitsindex müssen mindestens den Vorgaben im Fahrzeugschein entsprechen.
  • Ausreichend Profil: Für Wintertauglichkeit sollten mindestens 4 mm Profil vorhanden sein; gesetzlich erlaubt sind 1,6 mm, doch das ist nur ein Restwert. Mehr dazu im Ratgeber Profiltiefe messen.

Ein Punkt wird dabei häufig übersehen: das Reifenalter. Weil ein Ganzjahresreifen ohne Saisonpause dauerhaft am Fahrzeug bleibt, sammelt er Betriebsstunden schneller als ein Sommer- oder Winterreifen, der die Hälfte des Jahres im Keller liegt. Gleichzeitig altert die Gummimischung unabhängig von der Laufleistung. Prüfen Sie deshalb beim Kauf die DOT-Nummer auf der Flanke und kaufen Sie möglichst keinen Reifen, der schon Jahre eingelagert war. Und kaufen Sie im Zweifel den kompletten Satz auf einmal: Vier gleich alte, gleich abgefahrene Ganzjahresreifen verhalten sich berechenbarer als eine gemischte Achsbestückung.

Aktuelle Modelle und unsere Empfehlungen

Das Allwetter-Segment ist in Bewegung, und zwar in zwei Richtungen. Zum einen erschließen die Hersteller Fahrzeugklassen, für die es bislang schlicht keine wintertauglichen Ganzjahresreifen aus der ersten Reihe gab: Michelin hat mit dem CrossClimate 3 Sport erstmals einen Allwetterreifen speziell für Sportwagen und Hochleistungslimousinen im Programm – also für die flachen, breiten UHP-Dimensionen, in denen Allwetter lange als Widerspruch galt. Was der Reifen leistet und wo er sich vom regulären CrossClimate 3 unterscheidet, haben wir im ausführlichen Modell-Porträt zum CrossClimate 3 Sport zusammengetragen.

Zum anderen erneuern die Hersteller ihre bestehenden Baureihen. Yokohama hat für September 2026 den Marktstart des BluEarth-AllSeason2 in Europa angekündigt, des Nachfolgers vom BluEarth-4S AW21. Belastbare unabhängige Testergebnisse gibt es dazu naturgemäß noch nicht – alles, was bislang bekannt ist, stammt vom Hersteller selbst. Wir haben die belegbaren Eckdaten in der Vorschau auf den Yokohama BluEarth-AllSeason2 gesammelt. Für Sie als Käufer heißt das vor allem eines: Ein Modellwechsel ist kein Grund, den Vorgänger zu meiden – und ein neues Modell ohne Testergebnisse ist kein Grund, blind zuzugreifen.

Wer heute kaufen möchte, fährt mit den geprüften Spitzenreitern des ADAC-Tests 2025 am sichersten. Sie sind bei uns lieferbar – ebenso bewährte Allrounder für die meistgefahrenen Größen:

Das komplette Sortiment finden Sie in unserer Kategorie Ganzjahresreifen für PKW. Suchen Sie eine bestimmte Dimension, helfen die Größen-Seiten weiter, etwa 225/45 R17 oder 205/55 R16. Wenn Sie sich am Ende doch für getrennte Sätze entscheiden, lesen Sie unseren Ratgeber Sommerreifen kaufen.

Fazit

Ganzjahresreifen sind eine sinnvolle, bequeme Lösung – aber nur für das passende Fahrprofil: gemäßigtes Klima, moderate Fahrleistung, kein anspruchsvoller Wintereinsatz. Wer viel fährt, im Gebirge unterwegs ist oder maximale Sommerperformance braucht, ist mit Sommer- und Winterreifen im Wechsel weiterhin besser bedient. Entscheidend ist in jedem Fall: ein Markenprodukt mit guter Testbewertung und Alpine-Symbol. Dann sind Allwetterreifen ein verlässlicher Begleiter durch das ganze Jahr.

Häufige Fragen

Sind Ganzjahresreifen im Winter erlaubt?

Ja – aber nur, wenn sie das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke, 3PMSF) tragen. Die Kennung „M+S" allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr aus, um die situative Winterreifenpflicht zu erfüllen.

Wie lange halten Ganzjahresreifen?

Das hängt stark vom Modell und Fahrstil ab. Der ADAC prognostizierte dem Testsieger Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 rund 68.000 Kilometer. Durch die weichere Mischung verschleißen Allwetterreifen im Sommer aber tendenziell schneller als reine Sommerreifen.

Rechnen sich Allwetterreifen finanziell?

Oft ja – Sie kaufen nur einen Satz, sparen den zweimaligen Wechsel und die Einlagerung. Bei hoher Fahrleistung kann der schnellere Verschleiß diesen Vorteil jedoch aufzehren.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Allwetterreifen Alpine-Symbol ADAC-Test Reifenkauf

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