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Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 20.06.2026
Auto auf nasser Landstraße bei wechselhaftem Wetter, Fokus auf dem Profil eines Ganzjahresreifens (KI-generiert, OpenAI)
Auto auf nasser Landstraße bei wechselhaftem Wetter, Fokus auf dem Profil eines Ganzjahresreifens (KI-generiert, OpenAI)

Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen

Einmal montiert, das ganze Jahr gefahren – kein Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst, keine Einlagerung des zweiten Satzes. Ganzjahresreifen (auch Allwetter- oder Allseason-Reifen genannt) klingen nach der bequemen Lösung schlechthin. Doch sie sind immer ein Kompromiss. In diesem Ratgeber lesen Sie, wie Ganzjahresreifen funktionieren, für welche Fahrerinnen und Fahrer sie sich wirklich lohnen, worauf Sie beim Kauf achten müssen und was der aktuelle ADAC-Test 2025 ergeben hat.

Was sind Ganzjahresreifen?

Ein Ganzjahresreifen versucht, die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen in einem einzigen Produkt zu vereinen. Sein Profil und seine Gummimischung sind ein Mittelweg: griffig genug für nasse und winterliche Fahrbahnen, aber zugleich so ausgelegt, dass der Reifen auch bei sommerlichen Temperaturen noch ordentlich funktioniert.

Der entscheidende technische Unterschied liegt in der Gummimischung. Sommerreifen werden bei Kälte hart und verlieren Grip; Winterreifen werden bei Hitze zu weich und verschleißen schnell. Ganzjahresreifen nutzen eine Mischung, die über einen breiteren Temperaturbereich brauchbar bleibt – ohne in einem der beiden Extreme so gut zu sein wie der jeweilige Spezialist.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

Die wichtigsten Pluspunkte:

  • Kein saisonaler Wechsel: Sie sparen sich zweimal im Jahr den Termin in der Werkstatt.
  • Keine Einlagerung: Der zweite Reifensatz muss nicht gelagert werden – das spart Platz und Lagerkosten.
  • Geringere Anschaffung auf einen Schlag: Sie kaufen nur einen Satz statt zwei.
  • Flexibel bei mildem Wetter: In Regionen mit selten echtem Winter sind Sie jederzeit zugelassen unterwegs.

Die Kehrseite:

  • Kompromiss bei der Leistung: Auf trockener Sommerstraße bremst ein guter Sommerreifen kürzer, bei Schnee und Eis ein guter Winterreifen sicherer.
  • Höherer Verschleiß im Sommer: Die weichere Mischung nutzt sich bei Hitze schneller ab als ein reiner Sommerreifen.
  • Etwas höherer Rollwiderstand: Das kann den Verbrauch leicht erhöhen.
  • Grenzen bei Extrembedingungen: Tiefschnee, Eis und Bergstraßen bleiben die Domäne echter Winterreifen.

Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen – und für wen nicht?

Ganzjahresreifen sind keine Universallösung, sondern eine Frage des Fahrprofils. Der ADAC empfiehlt sie vor allem für Autofahrerinnen und Autofahrer in gemäßigten Klimaregionen mit eher mildem Winter und überschaubarer Fahrleistung. Wer weniger als rund 15.000 Kilometer im Jahr fährt und keine Touren in den verschneiten Alpenraum oder lange Sommerurlaube in den heißen Süden plant, profitiert laut ADAC am meisten von der Ersparnis durch den wegfallenden Wechsel (Quelle: ADAC).

Typische Profile, für die Allwetterreifen gut passen:

  • Stadt- und Kurzstreckenfahrer mit moderater Jahresleistung und Garagen-/Tiefgaragenparker.
  • Zweitwagen, die nicht täglich und nicht bei jedem Wetter bewegt werden.
  • Pendler in flachen, schneearmen Regionen, in denen echter Winter selten ist.

Eher zu Sommer- und Winterreifen im Wechsel sollten dagegen greifen:

  • Vielfahrer mit hoher Jahreslaufleistung – hier rechnet sich der Spezialreifen schneller und der Verschleißnachteil wiegt schwerer.
  • Wer regelmäßig in schneereichen Regionen oder im Gebirge unterwegs ist.
  • Fahrer leistungsstarker oder schwerer Fahrzeuge, die im Sommer maximale Trockenperformance erwarten.

Tipp: Rechnen Sie ehrlich nach. Bei niedriger Fahrleistung können der gesparte Wechsel und die wegfallende Einlagerung den höheren Sommerverschleiß ausgleichen. Bei hoher Laufleistung kippt die Rechnung oft zugunsten von zwei Spezialsätzen.

Das Alpine-Symbol: nur damit sind Ganzjahresreifen wintertauglich

Ganz wichtig für die situative Winterreifenpflicht in Deutschland (geregelt in § 2 der StVO): Bei Glatteis, Schneeglätte, Reif- oder Eisglätte dürfen Sie nur mit Reifen fahren, die als wintertauglich gelten. Das ist ein Ganzjahresreifen nur dann, wenn er das Alpine-Symbol trägt – ein kleines Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch 3PMSF (Three Peak Mountain Snow Flake) genannt.

Die alte Kennung „M+S" allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr als Winternachweis aus. Achten Sie beim Kauf also unbedingt auf die Schneeflocke in der Bergsilhouette auf der Reifenflanke. Fehlt sie, ist der Reifen rechtlich ein Sommerreifen – bei winterlichen Verhältnissen drohen dann Bußgeld und Punkt (Quelle: StVO § 2).

Wie Sie die Kennzeichnungen auf der Reifenflanke insgesamt entschlüsseln, erklären wir ausführlich im Beitrag Reifengröße ablesen.

Was sagt der ADAC-Test 2025?

Der ADAC-Ganzjahresreifentest 2025 prüfte 16 Modelle in der Größe 225/45 R17 auf trockener, nasser, schnee- und eisbedeckter Fahrbahn sowie auf Umwelteigenschaften. Das Ergebnis zeigt deutlich, wie groß die Qualitätsunterschiede sind:

  • Vier Reifen schnitten mit der Note „gut" ab – mehr als in den Vorjahren.
  • Acht Modelle wurden nicht empfohlen.
  • Vier Reifen wiesen gravierende Mängel auf und gelten als Sicherheitsrisiko.

An der Spitze lagen punktgleich mit der Note 2,3 der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 und der Continental AllSeasonContact 2. Der Continental erreichte als einziger Reifen im Test bei den Fahrsicherheitswerten die Gesamtnote „gut". Dahinter folgten mit Note 2,5 der Pirelli Cinturato All Season SF 3 und der Bridgestone Turanza All Season 6. Für den Goodyear prognostizierte der ADAC eine hohe Laufleistung von rund 68.000 Kilometern (Quelle: ADAC-Ganzjahresreifentest 2025).

Die Lehre daraus: Bei Ganzjahresreifen lohnt sich der Blick auf etablierte Markenprodukte besonders. Die billigsten Modelle im Test kamen über befriedigende Leistungen nicht hinaus oder fielen ganz durch – ein Kompromissreifen, der zusätzlich an günstiger Technik spart, wird schnell zum echten Sicherheitsrisiko.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Alpine-Symbol (3PMSF) ist Pflicht, wenn der Reifen im Winter gefahren werden soll – siehe oben.
  • Unabhängige Tests vor dem Preis: Orientieren Sie sich an aktuellen ADAC- oder Stiftung-Warentest-Ergebnissen, nicht nur am Angebot.
  • EU-Reifenlabel als Zusatzinfo: Nasshaftung, Effizienz und Geräusch geben eine erste Orientierung – sie ersetzen aber keinen Test. Wie Sie das Label richtig lesen, steht in unserem Beitrag EU-Reifenlabel lesen.
  • Richtige Größe und Indizes: Last- und Geschwindigkeitsindex müssen mindestens den Vorgaben im Fahrzeugschein entsprechen.
  • Ausreichend Profil: Für Wintertauglichkeit sollten mindestens 4 mm Profil vorhanden sein; gesetzlich erlaubt sind 1,6 mm, doch das ist nur ein Restwert. Mehr dazu im Ratgeber Profiltiefe messen.

Unsere Empfehlungen aus dem Shop

Die beiden Spitzenreiter des ADAC-Tests 2025 finden Sie bei uns lieferbar – ebenso bewährte Allrounder für die meistgefahrenen Größen:

Das komplette Sortiment finden Sie in unserer Kategorie Ganzjahresreifen für PKW. Suchen Sie eine bestimmte Dimension, helfen die Größen-Seiten weiter, etwa 225/45 R17 oder 205/55 R16.

Wenn Sie sich am Ende doch für getrennte Sätze entscheiden, lesen Sie unseren Ratgeber Sommerreifen kaufen.

Fazit

Ganzjahresreifen sind eine sinnvolle, bequeme Lösung – aber nur für das passende Fahrprofil: gemäßigtes Klima, moderate Fahrleistung, kein anspruchsvoller Wintereinsatz. Wer viel fährt, im Gebirge unterwegs ist oder maximale Sommerperformance braucht, ist mit Sommer- und Winterreifen im Wechsel weiterhin besser bedient. Entscheidend ist in jedem Fall: ein Markenprodukt mit guter Testbewertung und Alpine-Symbol. Dann sind Allwetterreifen ein verlässlicher Begleiter durch das ganze Jahr.

Häufige Fragen

Sind Ganzjahresreifen im Winter erlaubt?

Ja – aber nur, wenn sie das Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke, 3PMSF) tragen. Die Kennung „M+S" allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr aus, um die situative Winterreifenpflicht zu erfüllen.

Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen?

Vor allem für Fahrerinnen und Fahrer in milden Klimaregionen mit geringer Jahresfahrleistung (laut ADAC etwa unter 15.000 km), die nicht regelmäßig im Schnee oder bei großer Hitze unterwegs sind.

Wie lange halten Ganzjahresreifen?

Das hängt stark vom Modell und Fahrstil ab. Der ADAC prognostizierte dem Testsieger Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 rund 68.000 Kilometer. Durch die weichere Mischung verschleißen Allwetterreifen im Sommer aber tendenziell schneller als reine Sommerreifen.

Sind Ganzjahresreifen schlechter als Sommer- oder Winterreifen?

Sie sind ein Kompromiss: Auf trockener Sommerstraße bremst ein guter Sommerreifen kürzer, bei Schnee und Eis ein guter Winterreifen sicherer. Gute Ganzjahresreifen liegen dazwischen und reichen für gemäßigte Bedingungen aus.

Spare ich mit Ganzjahresreifen Geld?

Oft ja – Sie kaufen nur einen Satz, sparen den zweimaligen Wechsel und die Einlagerung. Bei hoher Fahrleistung kann der schnellere Verschleiß diesen Vorteil jedoch aufzehren.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Allwetterreifen Alpine-Symbol ADAC-Test Reifenkauf

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