✓ Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands ✓ 30 Tage Widerrufsrecht ✓ Seit 1997 — über 25 Jahre Erfahrung Hotline: 037329 7153-0
Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Für wen sich Ganzjahresreifen lohnen: zehn Winter Schnee und zwei ADAC-Tests

· 16 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 06.09.2026
Auto auf nasser Landstraße bei wechselhaftem Wetter, Fokus auf dem Profil eines Ganzjahresreifens (KI-generiert, OpenAI)
Auto auf nasser Landstraße bei wechselhaftem Wetter, Fokus auf dem Profil eines Ganzjahresreifens (KI-generiert, OpenAI)

Einmal montiert, das ganze Jahr gefahren: kein Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst, keine Einlagerung des zweiten Satzes. Ganzjahresreifen, auch Allwetter- oder Allseason-Reifen genannt, klingen nach der bequemen Lösung schlechthin. Doch sie sind immer ein Kompromiss, und ob dieser Kompromiss für Sie aufgeht, hängt an zwei Fragen, die sich beide beantworten lassen, statt sie zu schätzen: Wie oft liegt an Ihrem Wohnort überhaupt Schnee? Und wie gut ist der Reifen, den Sie kaufen wollen, ausgerechnet in Ihrer Größe?

Für die erste Frage haben wir die frei zugänglichen Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes ausgewertet: zehn Winter, 21 Messstationen, jeden einzelnen Tag mit Schneedecke gezählt. Für die zweite liegt seit dem 23. Juni 2026 ein neuer ADAC-Ganzjahresreifentest vor, der dieselbe Reifengattung in einer anderen Größe prüft als der Test des Vorjahres, mit einem Ergebnis, das die Rangfolge kräftig durcheinanderwirbelt. Beides zusammen ergibt eine deutlich konkretere Antwort auf die Frage, für wen sich Allwetterreifen lohnen, als die üblichen Faustregeln.

Was Ganzjahresreifen können und wo der Kompromiss beginnt

Ein Ganzjahresreifen versucht, die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen in einem einzigen Produkt zu vereinen. Sein Profil und seine Gummimischung sind ein Mittelweg: griffig genug für nasse und winterliche Fahrbahnen, aber zugleich so ausgelegt, dass der Reifen auch bei sommerlichen Temperaturen noch ordentlich funktioniert.

Der entscheidende technische Unterschied liegt in der Gummimischung. Sommerreifen werden bei Kälte hart und verlieren Grip, Winterreifen werden bei Hitze zu weich und verschleißen schnell. Ganzjahresreifen nutzen eine Mischung, die über einen breiteren Temperaturbereich brauchbar bleibt, ohne in einem der beiden Extreme so gut zu sein wie der jeweilige Spezialist. Auch das Profil ist ein Zwitter: Es trägt deutlich mehr Lamellen als ein Sommerreifen, damit sich der Reifen im Schnee verzahnen kann, aber weniger als ein reiner Winterreifen, damit die Profilblöcke bei warmen Temperaturen nicht zu stark nachgeben. Aus diesem Zwitterdasein ergeben sich Stärken und Grenzen zugleich.

Die wichtigsten Pluspunkte:

  • Kein saisonaler Wechsel: Sie sparen sich zweimal im Jahr den Termin in der Werkstatt.
  • Keine Einlagerung: Der zweite Reifensatz muss nicht gelagert werden, das spart Platz und Lagerkosten.
  • Geringere Anschaffung auf einen Schlag: Sie kaufen nur einen Satz statt zwei.
  • Flexibel bei mildem Wetter: In Regionen mit selten echtem Winter sind Sie jederzeit zugelassen unterwegs.

Die Kehrseite:

  • Kompromiss bei der Leistung: Auf trockener Sommerstraße bremst ein guter Sommerreifen kürzer, bei Schnee und Eis ein guter Winterreifen sicherer.
  • Höherer Verschleiß im Sommer: Die weichere Mischung nutzt sich bei Hitze schneller ab als ein reiner Sommerreifen.
  • Etwas höherer Rollwiderstand: Das kann den Verbrauch leicht erhöhen.
  • Grenzen bei Extrembedingungen: Tiefschnee, Eis und Bergstraßen bleiben die Domäne echter Winterreifen.

Wichtig ist die richtige Erwartungshaltung. Ein moderner Ganzjahresreifen aus der ersten Reihe der Hersteller ist kein schlechter Reifen, sondern ein bewusst breit ausgelegter. Er fährt sich im Alltag unauffällig und sicher, solange die Bedingungen im mittleren Bereich bleiben. Kritisch wird es erst an den Rändern: beim Vollbremsen aus hoher Geschwindigkeit auf heißem Asphalt und beim Anfahren an einer verschneiten Steigung. Wer weiß, dass er diese Ränder selten berührt, verliert mit einem Allwetterreifen wenig und gewinnt viel Bequemlichkeit. Wie sich der Kompromiss speziell in der warmen Jahreshälfte auswirkt, haben wir separat untersucht: im Beitrag darüber, wie sich Ganzjahresreifen im Sommer schlagen, stehen die Bremswegunterschiede gegenüber echten Sommerreifen.

Wie oft liegt bei Ihnen überhaupt Schnee? Zehn Winter, 21 Messstationen

Fast jede Kaufempfehlung für Ganzjahresreifen beginnt mit derselben Formulierung: Sie eigneten sich für Autofahrer in einer „gemäßigten Klimaregion". Auch der ADAC formuliert es so (Quelle: ADAC, Ganzjahresreifen). Nur sagt Ihnen niemand, ob Sie in einer solchen Region wohnen. Also haben wir es ausgezählt.

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht in seinem Climate Data Center die täglichen Klimawerte jeder Messstation frei zugänglich, darunter die gemessene Schneehöhe. Wir haben daraus für 21 über die Republik verteilte Stationen die zehn Winter von 2015/16 bis 2024/25 ausgewertet und je Winter, gerechnet vom 1. November bis zum 30. April, die Tage gezählt, an denen mindestens ein Zentimeter Schnee lag. Winter mit größeren Messlücken haben wir verworfen, deshalb liegen je Station acht bis zehn auswertbare Winter zugrunde (Datenquelle: DWD, Climate Data Center, tägliche Klimawerte).

Das Ergebnis, sortiert vom schneeärmsten zum schneereichsten Standort (Mittelwert der Tage mit Schneedecke je Winter):

  • Unter zehn Tagen: Köln/Bonn 4,0 · Frankfurt am Main 4,3 · Essen-Bredeney 5,0 · Freiburg 5,4 · Hannover 6,2 · Rostock-Warnemünde 6,6 · Stuttgart-Echterdingen 7,0 · Hamburg-Fuhlsbüttel 9,8.
  • Zehn bis 30 Tage: Konstanz 11,5 · Leipzig/Halle 12,8 · Angermünde 14,4 · Potsdam 14,9 · München-Flughafen 18,2 · München-Stadt 20,2 · Dresden-Klotzsche 20,3 · Chemnitz 26,9.
  • Über 30 Tage: Kempten 40,1 · Braunlage im Harz 65,4 · Garmisch-Partenkirchen 65,9 · Oberstdorf 77,3 · Fichtelberg im Erzgebirge 139,0.

Der Median über alle 21 Stationen liegt bei 14,4 Tagen. Zwischen dem mildesten und dem schneereichsten Standort liegt der Faktor 35, und selbst wenn man die Hochlagen weglässt und nur Köln/Bonn mit Oberstdorf vergleicht, bleibt der Faktor 19. Acht der 21 Stationen kommen im Schnitt auf weniger als zehn Tage mit Schneedecke pro Winter, also auf gut eine Woche. Für diese Standorte ist die Voraussetzung „gemäßigte Klimaregion" messbar erfüllt.

Noch deutlicher wird das Bild, wenn man nach richtigem Schnee fragt statt nach einem Hauch davon. Zählt man nur Tage mit einer Schneedecke von zehn Zentimetern oder mehr, kommen Frankfurt und Stuttgart über zehn Winter hinweg auf gerundet null Tage pro Winter, Essen, Hamburg, Köln/Bonn und Angermünde auf 0,1 bis 0,2 Tage. Im selben Zeitraum liegt Braunlage bei 31,1 und Oberstdorf bei 47,3 solcher Tage. Wer in Frankfurt oder Stuttgart wohnt, hat in zehn Jahren also praktisch keine Situation erlebt, in der eine geschlossene, mehrere Zentimeter dicke Schneedecke auf der Straße lag.

Der Haken am Mittelwert: zwei aufeinanderfolgende Winter, Faktor drei

So klar die Rangfolge der Standorte ist, so wenig taugt sie als alleinige Entscheidungsgrundlage. Denn die Streuung von Winter zu Winter ist an ein und demselben Ort größer, als man erwartet, und sie fällt in ganz Deutschland ungefähr gleichzeitig aus.

20 der 21 Stationen hatten ihren schneeärmsten Winter des Jahrzehnts im Winter 2019/20. An zehn dieser Stationen lag in diesem Winter an keinem einzigen Tag Schnee. Und bei zwölf der 21 Stationen folgte der schneereichste Winter des gesamten Jahrzehnts unmittelbar darauf, im Winter 2020/21. Über alle 21 Stationen zusammengerechnet stehen 269 Tage mit Schneedecke im Winter 2019/20 gegen 844 Tage im Winter 2020/21, also Faktor 3,1 in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

Einzelne Standorte zeigen das noch schärfer. Hannover ging von null auf 19 Tage, Leipzig/Halle von null auf 33, Potsdam von null auf 28, Dresden von einem auf 40 Tage, Frankfurt von einem auf zwölf. In Hannover, Konstanz, Leipzig, Angermünde, Potsdam, München und Dresden war dieser Sprung von einem Winter zum nächsten größer als der gesamte Abstand zwischen dem Zehnjahresmittel von Köln/Bonn und dem von München-Stadt. Wer seine Reifenentscheidung am zurückliegenden Winter ausrichtet, richtet sie also an der schwankendsten aller verfügbaren Zahlen aus.

Bemerkenswert ist der Kontrast zur Temperatur. In unserer Auswertung der 7-Grad-Regel haben wir für zwölf Stationen die Tage unter sieben Grad gezählt, allerdings für einen anderen Zeitraum von zwölf Monaten. Dort trennte der Wohnort das Feld nur um den Faktor 1,6, von 88 Tagen in Köln/Bonn bis 145 am Flughafen München. Die Temperatur ist über Deutschland also erstaunlich gleichmäßig verteilt, der Schnee überhaupt nicht. Das ist der Grund, warum die Frage nach dem Winterreifen bundesweit ähnlich beantwortet werden kann, die Frage nach dem Ganzjahresreifen aber nicht.

Tipp: Nehmen Sie nicht den Mittelwert als Maßstab, sondern den schneereichsten Winter der Reihe. Können Sie an 19 Tagen im Jahr, wie sie Hannover 2020/21 erlebt hat, mit einem Allwetterreifen leben oder das Auto notfalls stehen lassen? Dann trägt die Entscheidung auch dann noch, wenn der nächste Winter aus der Reihe fällt.

Für wen sich Allwetterreifen lohnen und für wen nicht

Ganzjahresreifen sind keine Universallösung, sondern eine Frage des Fahrprofils. Der ADAC nennt dafür keine Kilometergrenze, sondern beschreibt Einsatzprofile: Allwetterreifen kommen demnach für Autofahrer infrage, die in einer gemäßigten Klimaregion leben und weder Skiurlaub noch Sommerferien im Süden planen, ebenso für Besitzer von Zweit- und Kleinwagen, die mit wenig Kilometern vor allem innerstädtisch unterwegs sind, und für alle, die die Umrüstkosten sparen müssen und das Auto bei üblem Winterwetter stehen lassen können. Umgekehrt rät der Verein zu getrennten Sätzen, wenn Sie häufig und viel auf der Autobahn fahren oder bei hohen Temperaturen mit hoher Beladung unterwegs sind, etwa im Sommer- oder Winterurlaub (Quelle: ADAC, Ganzjahresreifentest 185/65 R15).

Legt man unsere Klimadaten darüber, wird aus der Empfehlung eine ziemlich konkrete Landkarte. Typische Profile, für die Allwetterreifen gut passen:

  • Stadt- und Kurzstreckenfahrer im Rheinland, im Rhein-Main-Gebiet, im Ruhrgebiet, in Hamburg oder am Oberrhein, wo im Schnitt weniger als zehn Tage Schnee liegt.
  • Zweitwagen, die nicht täglich und nicht bei jedem Wetter bewegt werden.
  • Pendler in flachen, schneearmen Regionen, die überwiegend Bundes- und Landstraßen fahren.

Eher zu Sommer- und Winterreifen im Wechsel sollten dagegen greifen:

  • Vielfahrer mit hoher Jahreslaufleistung und viel Autobahn, bei denen der Verschleißnachteil schwerer wiegt.
  • Wer im Mittelgebirge, im Alpenvorland oder im Erzgebirge wohnt, wo aus einer Woche Schnee schnell ein bis vier Monate werden.
  • Fahrer leistungsstarker oder schwerer Fahrzeuge, die im Sommer maximale Trockenperformance erwarten.

Der Kostenvorteil eines Allwetterreifens entsteht nicht beim Kauf, denn ein guter Ganzjahresreifen kostet ungefähr so viel wie ein guter Sommerreifen. Er entsteht über die Jahre durch den entfallenden Radwechsel, die entfallende Einlagerung und den zweiten Radsatz, den Sie gar nicht erst anschaffen. Wie diese Rechnung im Detail aussieht und ab wann sie kippt, haben wir im Vergleich von einem Satz Ganzjahresreifen gegen zwei Saisonsätze durchgerechnet.

Das Alpine-Symbol: Pflicht, aber keine Leistungsgarantie

Für die situative Winterreifenpflicht in Deutschland, geregelt in Paragraf 2 der StVO, gilt: Bei Glatteis, Schneeglätte, Reif- oder Eisglätte dürfen Sie nur mit Reifen fahren, die als wintertauglich gelten. Ein Ganzjahresreifen ist das nur dann, wenn er das Alpine-Symbol trägt, also das kleine Bergpiktogramm mit Schneeflocke, auch 3PMSF genannt. Die alte Kennung „M+S" allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr aus. Fehlt die Schneeflocke, ist der Reifen rechtlich ein Sommerreifen, und bei winterlichen Verhältnissen drohen Bußgeld und Punkt (Quelle: StVO Paragraf 2).

Der Unterschied zwischen beiden Kennungen ist keine Formsache. „M+S" für Matsch und Schnee war nie ein geprüfter Nachweis, sondern eine Herstellerangabe, die jeder Reifenproduzent selbst vergeben durfte. Das Alpine-Symbol dagegen darf ein Reifen erst tragen, wenn er in einem genormten Bremstest auf Schnee ein Mindestniveau erreicht. Welche Kennzeichnungen sonst noch auf der Flanke stehen, entschlüsseln wir ausführlich im Ratgeber dazu, was die Zahlen und Buchstaben auf der Reifenflanke bedeuten.

Und genau hier liegt eine Falle, die der aktuelle ADAC-Test drastisch belegt: Das Alpine-Symbol markiert eine Untergrenze, keine Güte. Von den 16 im Juni 2026 geprüften Ganzjahresreifen fielen fünf mit der Note „mangelhaft" durch, weil ihnen auf winterlichen Straßen schlicht der Grip fehlte. Alle fünf tragen das Alpine-Symbol auf der Flanke und gelten damit offiziell als wintertauglich. Der ADAC setzt hinter diese Wintertauglichkeit ausdrücklich ein Fragezeichen. Wer sich beim Kauf allein auf die Schneeflocke verlässt, hat also die rechtliche Anforderung erfüllt und über die tatsächliche Sicherheit noch gar nichts erfahren.

Was der ADAC-Ganzjahresreifentest 2026 ergeben hat

Am 23. Juni 2026 hat der ADAC 16 Ganzjahresreifen in der Größe 185/65 R15 in den Ausführungen 88H und 92V getestet, einer typischen Kleinwagengröße, die unter anderem auf Audi A1, Dacia Sandero, Fiat 500e, Hyundai i20, Opel Corsa, Peugeot 208, Škoda Fabia und VW Polo passt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur ein einziger Reifen erreichte die Gesamtnote „gut", sieben kamen auf „befriedigend", und acht schnitten mit „ausreichend" oder „mangelhaft" ab und bekamen damit keine Kaufempfehlung.

Testsieger ist der Continental AllSeasonContact 2 mit der Gesamtnote 2,3. Er überzeugt vor allem bei der Fahrsicherheit, und zwar in allen Disziplinen mit der Teilnote 2,1. Abstriche gibt es bei der prognostizierten Laufleistung von 41.300 Kilometern und damit bei der Umweltbilanz. Knapp dahinter folgen mit jeweils 2,6 der Pirelli Cinturato All Season SF 3, dem auf winterlicher Fahrbahn etwas Grip fehlt, und der Michelin CrossClimate 2, der bei Nässe schwächer ist, dafür aber den Bestwert der Umweltbilanz im gesamten Testfeld holt. Am Ende des Feldes stehen fünf Modelle mit „mangelhaft" und drei mit „ausreichend", denen der ADAC durchweg deutliche Defizite bescheinigt.

Der Vorjahrestest in der Größe 225/45 R17 sah noch freundlicher aus. Dort erreichten vier von 16 Reifen die Note „gut", angeführt von Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 und Continental AllSeasonContact 2 mit jeweils 2,3, gefolgt von Pirelli Cinturato All Season SF3 und Bridgestone Turanza All Season 6 mit je 2,5 (Quelle: ADAC, Ganzjahresreifentest 225/45 R17). Im Test des Jahres 2024 hatte es sogar nur ein einziger Reifen auf ein „gut" gebracht. Die Einzelheiten des Durchgangs 2025 haben wir seinerzeit im Beitrag zum ADAC-Ganzjahresreifentest 2025 aufbereitet.

Warum das Testurteil an der Größe hängt, nicht am Modellnamen

Beide Tests prüften 16 Reifen derselben Gattung nach demselben Verfahren, nur in unterschiedlichen Größen. Sechs Modelle traten in beiden Durchgängen unter demselben Namen an, und der Vergleich ihrer Noten ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis für den Reifenkauf überhaupt:

  • Continental AllSeasonContact 2: 2,3 in 225/45 R17, 2,3 in 185/65 R15. Unverändert, und zweimal an der Spitze.
  • Michelin CrossClimate 2: 2,7 gegen 2,6. Praktisch gleich.
  • Pirelli Cinturato All Season SF 3: 2,5 gegen 2,6. Praktisch gleich.
  • Nexen N Blue 4Season 2: 3,9 gegen 3,6. In beiden Fällen ohne Kaufempfehlung.
  • Goodyear Vector 4Seasons Gen-3: 2,3 gegen 3,1. Vom geteilten Testsieg auf Rang sechs.
  • Dunlop All Season 2: 2,9 gegen 3,7. Von „befriedigend" auf „ausreichend" ohne Kaufempfehlung.

Bei vier von sechs Modellen blieb die Note also innerhalb von 0,3 Punkten stabil, bei zweien kippte sie um 0,8 Punkte. Ein Modellname allein trägt das Testurteil demnach nicht: Ein Reifen, der in der einen Dimension ein Spitzenprodukt ist, kann in der anderen im Mittelfeld landen. Warum das so ist, erklärt der ADAC teilweise selbst. In der kleinen Kleinwagengröße bieten nicht alle Premiumhersteller ihre neuesten Modelle an. Bridgestone hatte dort nur den älteren Weather Control A005-Evo im Programm, der mit 5,3 durchfiel, während der Nachfolger Turanza All Season 6 in der größeren Dimension eine 2,5 holte. Bei Michelin ging dieselbe Konstellation dagegen gut aus: Der Vorgänger CrossClimate 2 landete unter den besten drei. Ein alter Modellstand ist also kein automatisches Ausschlusskriterium, aber ein Grund, genauer hinzusehen. Wie sich Testergebnisse auf die eigene Dimension übertragen lassen, haben wir im Beitrag über Reifentests und die passende Größe zusammengefasst.

Auch bei der Haltbarkeit zeigt sich der Größeneffekt. Der Goodyear kam in 225/45 R17 auf prognostizierte 68.000 Kilometer und schlug damit alle Mitbewerber deutlich. Im Kleinwagenfeld sah der ADAC dagegen keine Dauerläufer, der schwächste Kandidat war schon nach 32.400 Kilometern abgefahren. Was Sie selbst über die Lebensdauer eines Allwetterreifens entscheiden, steht im Ratgeber zu Laufleistung und Restprofil bei Ganzjahresreifen.

Das Testfeld in unserem Regal und was der Preisunterschied bedeutet

Wir haben nachgesehen, welche der 16 getesteten Modelle bei uns in der Testgröße 185/65 R15 tatsächlich lieferbar sind. Das Ergebnis fällt beruhigend aus: Sieben der acht Reifen, die der ADAC mit „gut" oder „befriedigend" bewertet hat, stehen bei uns in genau dieser Größe im Regal, nämlich Continental, Pirelli, Michelin, Vredestein, Hankook, Goodyear und GT Radial. Nur beim Nokian führen wir in 185/65 R15 den Vorgänger Seasonproof 1 statt des getesteten Seasonproof 2. Von den acht Modellen ohne Kaufempfehlung finden Sie dort dagegen nur ein einziges, und die fünf mit „mangelhaft" bewerteten Reifen führen wir in dieser Dimension gar nicht.

Interessant ist der Preisabstand. Der günstigste Ganzjahresreifen in 185/65 R15 kostet bei uns 39,58 Euro, der Testsieger 80,29 Euro. Auf einen kompletten Satz gerechnet sind das rund 163 Euro Unterschied, verteilt auf eine Nutzungsdauer von mehreren Jahren. Gemessen daran, dass fünf der geprüften Billigreifen dem ADAC zufolge auf winterlichen Straßen praktisch keinen Grip aufbauen, ist das der schlechteste Ort im ganzen Auto, um zu sparen. Die drei bestbewerteten Reifen des Tests sind bei uns in der geprüften Ausführung lieferbar:

Das komplette Sortiment finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW, die beiden getesteten Dimensionen direkt auf den Größenseiten 185/65 R15 und 225/45 R17. Welche Modelle in der Kleinwagengröße sonst noch infrage kommen, steht in unserer Kaufberatung für 185/65 R15.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Alpine-Symbol (3PMSF) ist Pflicht, wenn der Reifen im Winter gefahren werden soll, aber es ersetzt kein Testergebnis.
  • Unabhängige Tests in Ihrer Größe: Suchen Sie das Testergebnis zu Ihrer Dimension, nicht nur zum Modellnamen. Der Größeneffekt von 0,8 Notenpunkten ist real.
  • EU-Reifenlabel als Zusatzinfo: Nasshaftung, Effizienz und Geräusch geben eine erste Orientierung, kennen aber weder eine Schnee- noch eine Temperaturachse. Wie sich das Label lesen lässt, erklären wir ausführlich im Ratgeber zum EU-Reifenlabel.
  • Richtige Größe und Indizes: Last- und Geschwindigkeitsindex müssen mindestens den Vorgaben in der Zulassungsbescheinigung Teil I entsprechen. Ob es Ihre Dimension als Ganzjahresreifen überhaupt gibt, ist keine Selbstverständlichkeit; welche Formate im Regal dünn besetzt sind, zeigt unsere Auswertung zur Verfügbarkeit nach Querschnitt.
  • Vier gleiche Reifen: Der ADAC empfiehlt ausdrücklich, immer vier Reifen desselben Modells und Typs zu verwenden.

Ein Punkt wird häufig übersehen: das Reifenalter. Weil ein Ganzjahresreifen ohne Saisonpause dauerhaft am Fahrzeug bleibt, sammelt er Betriebsstunden schneller als ein Sommer- oder Winterreifen, der die Hälfte des Jahres im Keller liegt. Gleichzeitig altert die Gummimischung unabhängig von der Laufleistung. Prüfen Sie deshalb beim Kauf die DOT-Nummer auf der Flanke und kaufen Sie möglichst keinen Reifen, der schon jahrelang eingelagert war; wie sich das Herstellungsdatum ablesen lässt, steht im Beitrag zum Reifenalter und der DOT-Nummer. Und kaufen Sie im Zweifel den kompletten Satz auf einmal: Vier gleich alte, gleich abgefahrene Ganzjahresreifen verhalten sich berechenbarer als eine gemischte Achsbestückung.

Fazit

Ganzjahresreifen sind eine sinnvolle, bequeme Lösung, aber nur für das passende Fahrprofil. Die Klimadaten machen daraus eine überprüfbare Aussage: An acht der 21 ausgewerteten Stationen liegt im Schnitt weniger als eine Woche pro Winter Schnee, und in Frankfurt oder Stuttgart kommt eine Schneedecke von zehn Zentimetern über zehn Jahre hinweg praktisch nicht vor. Dort geht der Kompromiss auf. In Kempten, Braunlage oder Oberstdorf mit 40 bis 77 Schneetagen geht er nicht auf. Und weil zwischen zwei aufeinanderfolgenden Wintern der Faktor drei liegen kann, sollte die Entscheidung den schneereichsten Winter des Jahrzehnts aushalten, nicht den Mittelwert. Ist das geklärt, entscheidet die zweite Frage: ein Markenprodukt mit Alpine-Symbol und einem guten Testergebnis in Ihrer Größe. Passende Modelle finden Sie in unserem Shop.

Häufige Fragen

Sind Allwetterreifen im Winter erlaubt?

Ja, aber nur mit Alpine-Symbol, also dem Berg mit Schneeflocke oder 3PMSF. Die Kennung „M+S" allein reicht seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr aus, um die situative Winterreifenpflicht zu erfüllen. Das Symbol ist allerdings nur eine Mindestanforderung: Fünf Reifen im ADAC-Test 2026 tragen es und fielen auf winterlicher Fahrbahn trotzdem durch.

Wie viele Tage im Jahr liegt in Deutschland Schnee?

Das hängt stark vom Wohnort ab. Nach unserer Auswertung der DWD-Daten für zehn Winter reicht die Spanne von 4,0 Tagen pro Winter in Köln/Bonn bis 139,0 Tagen auf dem Fichtelberg im Erzgebirge; der Median über alle 21 Stationen liegt bei 14,4 Tagen.

Reicht ein guter Ganzjahresreifen für den Skiurlaub?

In der Regel nicht. Der ADAC rät bei Urlaubsfahrten mit hoher Beladung und in schneesicheren Regionen zu echten Winterreifen. In den Alpenstationen unserer Auswertung liegt an 60 bis 80 Tagen pro Winter Schnee, an rund 30 bis 47 davon zehn Zentimeter oder mehr.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Allwetterreifen Alpine-Symbol ADAC-Test 2026 Reifenkauf

Das könnte Sie auch interessieren