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Tests & Auszeichnungen – Ratgeber im Magazin

Zehn Größen in sieben Jahren: Warum es für Ihre Reifengröße oft keinen Test gibt

· 11 Min. Lesezeit
Acht Pkw-Reifen in aufsteigender Größe nebeneinander in einer Werkstatthalle (KI-generiert, OpenAI)
Acht Pkw-Reifen in aufsteigender Größe nebeneinander in einer Werkstatthalle (KI-generiert, OpenAI)

Wer einen neuen Reifen sucht, macht es fast automatisch so: Erst die Größe von der Flanke ablesen, dann nach einem Test zu genau dieser Größe suchen. Bei 205/55 R16 klappt das. Bei 175/65 R14 nicht. Und bei 235/55 R19 auch nicht. Das ist kein Zufall und auch kein Versäumnis der Tester, sondern eine Folge davon, wie aufwendig ein seriöser Reifentest ist: Jede getestete Dimension bedeutet ein eigenes Testfahrzeug, eigene Sätze für jedes Modell, eigene Messreihen auf trockener, nasser und verschneiter Fahrbahn. Deshalb entscheidet sich ein Testveranstalter pro Jahr für eine Handvoll Größen — und alle anderen bleiben außen vor.

Wir haben deshalb einmal ausgezählt, was im Archiv des ADAC tatsächlich steht, und das Ergebnis gegen unser eigenes Sortiment gehalten. Dabei kam eine Zahl heraus, die wir selbst so nicht erwartet hätten: Fast die Hälfte der lieferbaren Pkw-Reifen liegt in Größen, in denen der ADAC seit 2020 überhaupt nicht getestet hat. Dieser Beitrag zeigt, wie schmal das Testfenster wirklich ist, wo genau es aufhört — und was Sie tun können, wenn Ihre Größe eben nicht darin vorkommt.

Zehn Größen in sieben Jahren: das ist das gesamte Archiv

Der ADAC führt seine Reifentests in drei Reihen: Winter-, Sommer- und Ganzjahresreifen. Zählt man die Übersichtsseiten zu diesen drei Reihen zusammen (Stand 20. August 2026), stehen dort insgesamt 22 Tests aus den Jahren 2020 bis 2026 — zehn Winterreifentests, acht Sommerreifentests und vier Ganzjahresreifentests. Das klingt nach viel Material, und gemessen am Aufwand ist es das auch.

Interessant wird es, wenn man nicht die Tests zählt, sondern die Größen. Denn 22 Tests verteilen sich auf ganze zehn verschiedene Dimensionen: 185/65 R15, 195/65 R15, 205/55 R16, 205/60 R16, 215/60 R16, 215/55 R17, 225/45 R17, 225/50 R17, 235/55 R17 und 225/40 R18. Mehr ist es nicht. Sieben Jahre Testarbeit, drei Reihen, zehn Größen.

Manche Dimensionen tauchen dabei mehrfach auf, weil sie in verschiedenen Reihen getestet wurden. 185/65 R15 zum Beispiel kam 2022 im Sommer- und im Wintertest vor und 2026 noch einmal im Ganzjahrestest. 225/50 R17 war 2021 sowohl im Sommer- als auch im Wintertest dran und 2026 erneut im Sommertest. Andere Größen wurden genau einmal geprüft und seitdem nie wieder: 195/65 R15 zuletzt im Wintertest 2021, 235/55 R17 zuletzt 2020. Wer heute in einer dieser Größen kauft, bezieht sich also auf einen fünf bis sechs Jahre alten Test — bei dem die meisten Modelle inzwischen von Nachfolgern abgelöst wurden.

Wo das Testfenster aufhört: unter 15 und über 18 Zoll

Legt man die zehn Größen nebeneinander, fällt ein sehr enges Muster auf. Alle zehn liegen zwischen 15 und 18 Zoll. Alle zehn haben eine Breite zwischen 185 und 235 Millimetern. Und alle Querschnitte bewegen sich zwischen 40 und 65 Prozent. Das ist das komplette Fenster.

Was das ausschließt, ist beträchtlich. Nach unten fehlen 13 und 14 Zoll vollständig — also die Reifen unter älteren Klein- und Kompaktwagen, unter dem Zweitwagen und unter vielen Fahrzeugen, die als Fahranfängerauto weitergereicht werden. Nach oben fehlt alles ab 19 Zoll, und das betrifft heute keineswegs nur Sportwagen: Ein großer Teil der aktuellen SUV und praktisch die gesamte Oberklasse — Verbrenner wie Elektroautos — rollt ab Werk auf 19, 20 oder 21 Zoll.

Innerhalb des Fensters ist die Verteilung ebenfalls schief. Zehn der 22 Tests liefen auf 17 Zoll, sechs auf 16 Zoll, vier auf 15 Zoll und nur zwei auf 18 Zoll. Die 17-Zoll-Klasse ist damit fast so oft getestet worden wie alle anderen Zollgrößen zusammen. Der Grund dafür ist nachvollziehbar: Kompaktklasse und kompakte SUV sind die verkaufsstärksten Fahrzeugsegmente in Deutschland, und dort sitzt genau diese Zollgröße.

Neben den drei Hauptreihen gibt es zwei Sondertests, und die bestätigen das Bild eher, als dass sie es aufbrechen. Der All-Terrain-Reifentest vom 6. Mai 2025 prüfte acht grobstollige Reifen in 225/65 R17 — wieder 17 Zoll, wieder eine Breite im gewohnten Korridor. Und der Anhängerreifentest vom 19. März 2025 lief in 185 R14. Das ist tatsächlich die einzige 14-Zoll-Dimension im gesamten ADAC-Reifenarchiv der vergangenen Jahre — nur eben an einem Wohnwagen und nicht an einem Pkw.

Die Gegenprobe im eigenen Regal: 48,7 Prozent liegen daneben

Bis hierhin ist das eine Beobachtung über die Tester. Spannend wird sie erst, wenn man sie gegen den realen Reifenmarkt hält. Wir haben deshalb unser eigenes Pkw-Sortiment ausgewertet — alle lieferbaren Ausführungen, aufgeschlüsselt nach Zollgröße und nach Breite (Stand 20. August 2026).

Das Ergebnis: Von 35.797 lieferbaren Pkw-Reifen liegen 18.367 Ausführungen (51,3 Prozent) im Testfenster, also gleichzeitig zwischen 15 und 18 Zoll und zwischen 185 und 235 Millimetern Breite. Die anderen 17.430 Ausführungen — 48,7 Prozent — liegen außerhalb. Anders gesagt: Fast jeder zweite Pkw-Reifen, den man bei uns kaufen kann, steckt in einer Dimension, in der es aus den vergangenen sieben Jahren keinen ADAC-Test gibt.

Die beiden Ränder sind dabei unterschiedlich groß. Unterhalb des Fensters, also von 12 bis 14 Zoll, führen wir 3.376 Ausführungen. Oberhalb, ab 19 Zoll, sind es 10.610 — mehr als dreimal so viele. Das größte unerforschte Feld ist also nicht der Kleinwagen, sondern der große Radsatz: 19 Zoll allein bringt es bei uns auf 5.073 Ausführungen, 20 Zoll auf 3.683. Getestet wurde in diesen Zollgrößen bislang keine einzige Dimension.

Wer das lieber nach der Breite betrachtet, kommt auf fast denselben Wert: 62,2 Prozent der lieferbaren Ausführungen liegen zwischen 185 und 235 Millimetern, 37,8 Prozent darunter oder darüber. Zwei voneinander unabhängige Auswertungen, ein Befund.

Die Tests treffen die Bestseller — und hören danach abrupt auf

Es wäre unfair, daraus einen Vorwurf zu machen, denn die Testveranstalter wählen ihre Dimensionen erkennbar nach Verbreitung aus. Das lässt sich sogar zeigen. Wir haben die 50 gefragtesten Größen unseres Sortiments genommen, die Motorrad- und Rollergrößen herausgerechnet und die verbleibenden 27 Pkw-Dimensionen gegen das ADAC-Archiv geprüft.

Ganz oben passt es hervorragend: Von den neun meistgefragten Pkw-Größen sind acht seit 2020 mindestens einmal getestet worden — 205/55 R16, 195/65 R15, 225/45 R17, 205/60 R16, 225/50 R17, 185/65 R15, 215/60 R16 und 225/40 R18. Nur 215/65 R16 fehlt, obwohl es bei uns die siebtgefragteste Dimension überhaupt ist.

Dahinter bricht die Abdeckung dann fast vollständig weg. Von den 18 Größen auf den Rängen 10 bis 27 sind gerade noch zwei getestet: 215/55 R17 und 235/55 R17. Über die gesamte Liste bleiben zehn von 27 Dimensionen mit Test und 17 ohne. Ungetestet sind damit unter anderem 225/55 R17, 175/65 R14, 185/60 R15, 195/55 R16, 215/60 R17, 165/70 R14, 245/45 R18, 225/45 R18, 205/65 R16, 215/55 R16, 225/55 R16, 245/40 R18, 205/50 R17 und 235/55 R19.

Diese Größen sind keine Exoten. In 175/65 R14 führen wir 440 lieferbare Ausführungen, in 165/70 R14 sind es 318, in 235/55 R19 immerhin 465. Das sind gewachsene, gut sortierte Größen mit echter Nachfrage — nur eben ohne Testurteil. Ein konkretes Beispiel aus dem Kleinwagenregal ist der Fulda MultiControl in 175/65 R14 82T für 49,20 Euro (EU-Label D/C, 71 dB): ein Ganzjahresreifen einer bekannten Marke, für den es in dieser Dimension schlicht keinen ADAC-Test zum Nachschlagen gibt. Wie dünn die Auswahl bei ganz kleinen Rädern zusätzlich wird, haben wir separat in Kleine Reifengröße, kleine Auswahl ausgewertet.

Ein Testergebnis gilt nur für die getestete Größe

Jetzt kommt der Teil, der in der Praxis am meisten Geld und Ärger kostet: Der naheliegende Ausweg — einfach das Ergebnis aus einer benachbarten Größe übernehmen — funktioniert nicht zuverlässig. Ein Reifenmodell ist keine über alle Dimensionen identische Ware. Profiltiefe und Profilbild werden je Größe angepasst, die Gummimischung kann variieren, die Karkasse trägt unterschiedliche Lasten, und die Flankenhöhe verändert das Fahrverhalten spürbar. Getestet wird immer eine ganz bestimmte Ausführung an einem ganz bestimmten Fahrzeug.

Wie weit die Ergebnisse desselben Modells auseinandergehen können, hat unser Beitrag zum Dunlop Winter Response 2 gezeigt: Im ADAC-Wintertest 2021 in 195/65 R15 bekam er eine 2,2 und lag damit im vorderen Feld — ein Jahr später, im Wintertest 2022 in 185/65 R15, stand für dasselbe Modell eine 3,6. Nicht weil der Reifen schlechter geworden wäre, sondern weil Größe, Testfahrzeug und Konkurrenzfeld andere waren.

Dasselbe gilt für die Gegenrichtung, und dafür haben wir ein besonders anschauliches Beispiel im Regal: Der Goodyear UltraGrip Performance 3 war Testsieger des ADAC-Winterreifentests 2025 mit der Note 2,0 — geprüft in 225/40 R18. Denselben Reifen gibt es bei uns auch als Goodyear UltraGrip Performance 3 in 235/55 R19 105H für 181,60 Euro. Es ist derselbe Modellname, dieselbe Technikgeneration, sehr wahrscheinlich ein sehr guter Reifen — aber die Note 2,0 gehört zur 18-Zoll-Ausführung und ist kein Messwert für die 19-Zoll-Variante. Genauso wenig überträgt sich das EU-Label von Größe zu Größe, wie wir in Warum derselbe Reifen je nach Größe ein anderes EU-Label trägt an konkreten Zahlen gezeigt haben.

Was Sie tun können, wenn Ihre Größe nie getestet wurde

Die gute Nachricht: Ein fehlender Test heißt nicht, dass Sie im Blindflug kaufen. Es heißt nur, dass Sie die Entscheidung auf mehrere kleinere Belege stützen müssen statt auf eine einzelne Note.

Erstens das EU-Label der konkreten Ausführung lesen. Es ist der einzige Wert, den es für jede verkaufte Größe gibt, und es ist genormt gemessen. Nasshaftung ist dabei die Klasse, die im Zweifel zuerst zählt — sie bildet den Bremsweg auf nasser Fahrbahn ab. Dass das Label nur einen Ausschnitt der Wahrheit zeigt und einen Test nicht ersetzt, haben wir in EU-Reifenlabel oder Reifentest sauber gegeneinander abgegrenzt — aber ein gemessener Ausschnitt ist immer noch besser als ein Bauchgefühl. Beim Continental UltraContact NXT etwa steht in 235/55 R19 105T für 153,40 Euro ein A/A auf dem Label, also die bestmögliche Kombination aus Effizienz und Nasshaftung — in einer Zollgröße, die noch nie in einem ADAC-Test war.

Zweitens das Modell statt der Größe prüfen. Wurde das Modell in irgendeiner Dimension getestet, sagt das zwar nichts über Ihre Ausführung aus, aber viel über die Auslegung des Herstellers und darüber, ob Sie eine aktuelle oder eine auslaufende Generation kaufen. Behandeln Sie das als Indiz, nicht als Note.

Drittens über den ADAC hinausschauen. AUTO BILD, ACE, AvD sowie die Schwesterclubs ÖAMTC und TCS testen in teils anderen Dimensionen und mit anderen Gewichtungen. Wer weiß, wie ein Reifentest überhaupt aufgebaut ist, kann solche Ergebnisse besser einordnen — das erklären wir in Wie wird ein Reifen getestet? im Detail.

Viertens auf Alter, Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsindex achten. Gerade in ungetesteten Größen landen überdurchschnittlich viele No-Name-Angebote. Die Kennzeichnungen auf der Flanke sind hier die härteren Kriterien als jeder Markenname. Und wenn Sie in einer kleinen Dimension unterwegs sind, hilft unser Überblick zu Reifen für den Kleinwagen bei der Vorauswahl; einen Einstieg über die Kategorien finden Sie bei den Pkw-Reifen.

Unterm Strich

Das Testarchiv des ADAC ist gründlich, aber schmal: 22 Tests, zehn Dimensionen, ein Fenster von 15 bis 18 Zoll und 185 bis 235 Millimetern Breite. Die Auswahl folgt den Bestsellern und trifft die Spitze der Nachfrage sehr genau — acht der neun gefragtesten Pkw-Größen sind abgedeckt. Direkt dahinter endet die Abdeckung jedoch fast vollständig, und gemessen am gesamten Regal fällt fast jeder zweite lieferbare Pkw-Reifen aus dem Fenster heraus.

Für Sie heißt das zweierlei. Wenn es für Ihre Größe einen Test gibt, nutzen Sie ihn — er ist die belastbarste Einzelquelle, die der Markt zu bieten hat. Wenn es keinen gibt, ist das kein Grund zur Verunsicherung, sondern ein Grund, die Entscheidung breiter aufzustellen: Label der konkreten Ausführung, Generation des Modells, Kennzeichnung auf der Flanke, Alter der Ware. Was Sie in beiden Fällen nicht tun sollten, ist eine Note aus einer anderen Größe auf Ihre zu übertragen. Diese Zahl gehört einem anderen Reifen.

Häufige Fragen

Warum testet der ADAC nicht einfach alle Reifengrößen?

Weil jeder einzelne Test ein eigenes Projekt ist. Für eine Dimension braucht es ein passendes Testfahrzeug, komplette Reifensätze aller Kandidaten, Prüfgelände für Trocken-, Nass- und — bei Winterreifen — Schnee- und Eismessungen sowie mehrere Wochen Messzeit inklusive Verschleißfahrten über zehntausende Kilometer. Deshalb entscheiden sich die Veranstalter für wenige Dimensionen pro Jahr und wählen dafür die verbreitetsten aus. Zwischen 2020 und 2026 waren das beim ADAC in Summe zehn verschiedene Größen.

Kann ich das Testergebnis einer ähnlichen Größe auf meine übertragen?

Nur als grobe Orientierung, nicht als Beleg. Ein Reifenmodell wird je Dimension angepasst: Profilbild, Mischung, Karkasse und Flankenhöhe unterscheiden sich, und getestet wird zusätzlich an einem bestimmten Fahrzeug in einem bestimmten Konkurrenzfeld. Dasselbe Modell kann deshalb in zwei Größen deutlich verschieden abschneiden — beim Dunlop Winter Response 2 lagen zwischen 195/65 R15 und 185/65 R15 rund anderthalb Notenstufen. Verlassen Sie sich für Ihre Ausführung auf das EU-Label, das es für jede Größe einzeln gibt.

Gibt es für 14-Zoll-Reifen überhaupt aktuelle Tests?

Im ADAC-Archiv der Jahre 2020 bis 2026 kommt 14 Zoll in den Sommer-, Winter- und Ganzjahresreihen kein einziges Mal vor; die einzige 14-Zoll-Dimension ist die 185 R14 aus dem Anhängerreifentest 2025 — ein Anhängerreifen, kein Pkw-Reifen. Für Größen wie 175/65 R14 oder 165/70 R14, die bei uns zu den nachgefragtesten überhaupt gehören, müssen Sie sich deshalb auf das EU-Label, das Reifenalter und die Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitskennung stützen. Ältere Tests aus den Jahren davor können als Anhaltspunkt dienen, sind aber wegen der zwischenzeitlichen Modellwechsel mit Vorsicht zu behandeln.

Schlagwörter: Reifentests ADAC Reifengrößen Kaufberatung EU-Reifenlabel

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