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Ganzjahresreifen

Ganzjahresreifen oder zwei Sätze? Was sich wirklich rechnet

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 22.06.2026
Ein Stapel Ganzjahresreifen neben zwei Stapeln Sommer- und Winterreifen in einer Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Ein Stapel Ganzjahresreifen neben zwei Stapeln Sommer- und Winterreifen in einer Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

Ein Satz Reifen für das ganze Jahr statt zweier Spezialsätze – das klingt nach der günstigeren und bequemeren Lösung. Doch „nur ein Satz" heißt nicht automatisch „halbe Kosten". Ob sich Ganzjahresreifen gegenüber dem klassischen Wechsel aus Sommer- und Winterreifen wirklich rechnen, hängt von Ihrer Fahrleistung, dem gewählten Modell und Ihrem Sicherheitsanspruch ab. Wir rechnen die einzelnen Posten ehrlich gegeneinander.

Wenn Sie noch unsicher sind, ob Ganzjahresreifen überhaupt zu Ihrem Fahrprofil passen, lesen Sie zuerst unseren Grundlagen-Ratgeber Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen. Hier geht es gezielt um die Kostenfrage.

Die Ausgangsfrage: ein Satz oder zwei?

Beim klassischen Modell fahren Sie im Sommer einen Sommerreifen und im Winter einen Winterreifen – jeweils der Spezialist für seine Jahreszeit. Sie besitzen also zwei Reifensätze und wechseln zweimal im Jahr. Beim Ganzjahresreifen (auch Allwetter- oder Allseason-Reifen) bleibt ein Satz das ganze Jahr montiert.

Auf den ersten Blick spart der eine Satz die Hälfte. Tatsächlich verteilen sich die Kosten aber auf mehrere Posten, die in unterschiedliche Richtungen wirken: Anschaffung, Wechsel, Einlagerung, Verschleiß und Kraftstoffverbrauch. Erst die Summe zeigt, was sich rechnet.

Wo Ganzjahresreifen wirklich sparen: Wechsel und Einlagerung

Der eindeutigste Vorteil liegt nicht beim Reifenpreis, sondern beim Drumherum:

  • Kein saisonaler Wechsel: Sie sparen sich zweimal im Jahr den Werkstatttermin zum Umstecken oder Ummontieren – und die Zeit dafür.
  • Keine Einlagerung: Der zweite Satz muss nirgends hin. Wer keinen Platz im Keller oder in der Garage hat, lässt den nicht genutzten Satz oft beim Händler einlagern. Eine professionelle Einlagerung kostet laut ADAC rund 30 bis 60 Euro pro Saison und Satz.

Diese beiden Posten fallen beim Ganzjahresreifen komplett weg. Das ist der Kern des Bequemlichkeits- und Sparvorteils – und er gilt unabhängig vom Reifenmodell. Wie Sie einen zweiten Satz richtig über die Saison bringen, erklärt unser Ratgeber Reifen richtig lagern und pflegen.

Der Anschaffungspreis trügt

„Ich kaufe nur einen Satz statt zwei" stimmt nur für den Moment des Kaufs. Über die Jahre relativiert sich der Vorteil, denn die beiden Saisonsätze teilen sich die Arbeit:

  • Ein Sommer- und ein Winterreifen rollen jeweils nur etwa ein halbes Jahr. Ihre Kilometer pro Kalenderjahr verteilen sich also auf zwei Sätze – jeder einzelne hält dadurch über mehr Kalenderjahre.
  • Der eine Ganzjahresreifen trägt die komplette Jahresfahrleistung allein. Er sammelt entsprechend schneller Kilometer und ist – rein zeitlich betrachtet – früher abgefahren.

Unterm Strich kaufen Sie beim Ganzjahresreifen seltener zwei Sätze gleichzeitig, dafür den einen Satz tendenziell häufiger neu. Der vermeintliche „halbe Preis" schrumpft dadurch zu einem echten, aber kleineren Vorteil.

Was die Rechnung wirklich entscheidet: Laufleistung und Verschleiß

Der größte Hebel bei den reinen Reifenkosten ist nicht die Frage „ein Satz oder zwei", sondern wie lange ein Reifen hält. Hier lohnt sich der Blick auf die Laufleistung – und die unterscheidet sich zwischen den Modellen enorm.

Der ADAC zeigt das an einem Rechenbeispiel: Im Test hielt ein langlebiges Modell rund 69.300 km, ein günstiges nur 37.400 km – fast doppelt so lange. Obwohl das langlebige Modell im Einkauf teurer war (492 statt 380 Euro pro Satz), fielen beim billigen Reifen über die Strecke fast zwei Sätze statt einem an, samt zusätzlicher Montagekosten. Ergebnis: rund 4,30 Euro Mehrkosten pro 1.000 Kilometer – auf 100.000 km gerechnet etwa 430 Euro Unterschied (Quelle: ADAC – Laufleistung von Reifen).

Merksatz: Ein hochwertiger Reifen mit hoher Laufleistung kann trotz höherem Kaufpreis günstiger sein als ein Billigreifen – egal ob Saison- oder Ganzjahresreifen. Der Anschaffungspreis allein sagt wenig über die Gesamtkosten.

Für den Vergleich heißt das: Ein billiger Ganzjahresreifen, der schnell herunter ist, kann am Ende teurer kommen als zwei vernünftige Saisonsätze. Die Modellwahl entscheidet die Rechnung stärker als die Grundsatzfrage.

Verbrauch nicht vergessen: der Rollwiderstand

Reifen kosten nicht nur an der Kasse, sondern auch an der Tankstelle. Der Rollwiderstand schlägt direkt auf den Spritverbrauch durch: Zwischen einem sparsamen A-Reifen und einem schlechten E-Reifen liegen laut ADAC-EU-Reifenlabel rund 0,5 Liter auf 100 Kilometer – etwa 7,5 Prozent.

Das gilt für Ganzjahres- wie für Saisonreifen gleichermaßen. Achten Sie deshalb beim Kauf auf die Effizienzklasse des EU-Labels. Wie Sie damit über die Jahre bares Geld sparen, lesen Sie im Detail unter Spritsparen mit den richtigen Reifen.

Der eigentliche Preis ist die Sicherheit

Bei aller Rechnerei: Der wichtigste „Preis" eines Ganzjahresreifens steht nicht in Euro. Ein Allwetterreifen ist immer ein Kompromiss. Er ist auf trockener Sommerstraße dem Sommerreifen und auf Schnee dem Winterreifen unterlegen – das ist physikalisch nicht zu umgehen.

Wie groß der Abstand ausfällt, hängt stark vom Modell ab. Im ADAC-Ganzjahresreifentest 205/55 R16 (veröffentlicht im Juli 2024, 16 Modelle, Testfahrzeug VW Golf) erreichte der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 mit der Note 2,4 als erster Ganzjahresreifen überhaupt ein „gut", gefolgt von Pirelli Cinturato All Season SF2 (2,6) und Hankook Kinergy 4S² (2,7). Gleichzeitig fielen zwei günstige Modelle mit „mangelhaft" (Noten 5,1 und 5,4) durch. Die Spanne ist also riesig.

Der ADAC empfiehlt Ganzjahresreifen vor allem für Wenigfahrer in mildem Klima, die überwiegend in der Stadt und auf Bundesstraßen unterwegs sind. Für Vielfahrer, Autobahnpendler und Regionen mit echtem Winter bleiben zwei saisonale Spezialsätze die sicherere – und über die Laufzeit oft nicht teurere – Wahl.

Drei empfehlenswerte Ganzjahresreifen in 205/55 R16

Wenn die Rechnung für Sie aufgeht, sollte es ein in Tests bewährtes Modell sein. Drei lieferbare Beispiele in der gängigen Größe 205/55 R16:

Die ganze Auswahl finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW und passend zur Größe unter 205/55 R16. Wer doch zwei Sätze bevorzugt, vergleicht am besten direkt Sommerreifen und Winterreifen.

Fazit: Für wen sich was rechnet

Ganzjahresreifen sparen vor allem Wechsel und Einlagerung – das ist ihr klarster und unstrittiger Vorteil. Beim reinen Reifenpreis ist der Spareffekt kleiner als gedacht, weil ein Satz die ganze Jahresfahrleistung trägt. Über die Gesamtkosten entscheidet weniger die Grundsatzfrage als die Laufleistung des konkreten Modells und dessen Effizienzklasse.

Als Faustregel gilt: Für Wenigfahrer in mildem Klima, Stadtautos und Zweitwagen kann sich ein guter Ganzjahresreifen rechnen und ist obendrein bequem. Vielfahrer, Autobahnpendler und alle, die echten Winter erleben, fahren mit zwei Spezialsätzen sicherer – und unterm Strich häufig nicht teurer.

Welche Modelle in welcher Größe vorne liegen, zeigt unser Überblick zum ADAC-Ganzjahresreifentest 2025. Passende Ganzjahresreifen für Ihr Fahrzeug finden Sie direkt in unserem Shop.

Häufige Fragen

Sind Ganzjahresreifen günstiger als Sommer- und Winterreifen zusammen?

Bei der Anschaffung kaufen Sie nur einen Satz statt zwei, und Sie sparen Wechsel und Einlagerung. Über die Jahre relativiert sich der Preisvorteil aber, weil der eine Satz die komplette Jahresfahrleistung trägt und dadurch schneller verschleißt. Die Gesamtersparnis ist real, aber kleiner als „der halbe Preis".

Verschleißen Ganzjahresreifen schneller?

Ein Ganzjahresreifen rollt zwölf Monate im Jahr und sammelt damit die volle Jahresfahrleistung auf einem Satz, während sich zwei Saisonsätze die Kilometer teilen. Wie lange ein Reifen tatsächlich hält, hängt aber stark vom Modell ab – laut ADAC können langlebige Reifen fast doppelt so weit kommen wie günstige.

Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen finanziell?

Vor allem für Wenigfahrer in mildem Klima, Stadtautos und Zweitwagen, die wenig auf der Autobahn unterwegs sind. Bei hoher Fahrleistung, viel Autobahn oder echtem Winter sind zwei saisonale Spezialsätze die sicherere und über die Laufzeit oft nicht teurere Wahl.

Worauf sollte ich beim Kauf besonders achten?

Auf das Testergebnis (z. B. ADAC), die Laufleistung und die Effizienzklasse des EU-Reifenlabels. Ein hochwertiger Reifen mit hoher Laufleistung ist trotz höherem Kaufpreis oft günstiger als ein Billigmodell – und sicherer.

Darf ich Ganzjahresreifen im Winter fahren?

Ja, sofern sie das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, „3PMSF") tragen. Reine M+S-Reifen ohne dieses Symbol erfüllen die situative Winterreifenpflicht in Deutschland nicht mehr.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Sommerreifen Winterreifen Kosten Kaufberatung

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