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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen oder zwei Sätze? Was sich wirklich rechnet

· 9 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 29.07.2026
Ein Stapel Ganzjahresreifen neben zwei Stapeln Sommer- und Winterreifen in einer Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Ein Stapel Ganzjahresreifen neben zwei Stapeln Sommer- und Winterreifen in einer Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

Ein Satz Reifen für das ganze Jahr statt zweier Spezialsätze – das klingt nach der günstigeren und bequemeren Lösung. Doch „nur ein Satz" heißt nicht automatisch „halbe Kosten". Ob sich Ganzjahresreifen gegenüber dem klassischen Wechsel aus Sommer- und Winterreifen wirklich rechnen, hängt von Ihrer Fahrleistung, dem gewählten Modell und Ihrem Sicherheitsanspruch ab. Wir rechnen die einzelnen Posten ehrlich gegeneinander.

Wenn Sie noch unsicher sind, ob Ganzjahresreifen überhaupt zu Ihrem Fahrprofil passen, lesen Sie zuerst unseren Grundlagen-Ratgeber Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen. Hier geht es gezielt um die Kostenfrage.

Die Ausgangsfrage: ein Satz oder zwei?

Beim klassischen Modell fahren Sie im Sommer einen Sommerreifen und im Winter einen Winterreifen – jeweils der Spezialist für seine Jahreszeit. Sie besitzen also zwei Reifensätze und wechseln zweimal im Jahr. Beim Ganzjahresreifen (auch Allwetter- oder Allseason-Reifen) bleibt ein Satz das ganze Jahr montiert.

Auf den ersten Blick spart der eine Satz die Hälfte. Tatsächlich verteilen sich die Kosten aber auf mehrere Posten, die in unterschiedliche Richtungen wirken: Anschaffung, Wechsel, Einlagerung, Verschleiß und Kraftstoffverbrauch. Erst die Summe zeigt, was sich rechnet – und einige dieser Posten werden gern übersehen.

Wo Ganzjahresreifen wirklich sparen: Wechsel und Einlagerung

Der eindeutigste Vorteil liegt nicht beim Reifenpreis, sondern beim Drumherum:

  • Kein saisonaler Wechsel: Sie sparen sich zweimal im Jahr den Werkstatttermin zum Umstecken oder Ummontieren – und die Zeit dafür.
  • Keine Einlagerung: Der zweite Satz muss nirgends hin. Wer keinen Platz im Keller oder in der Garage hat, lässt den nicht genutzten Satz oft beim Händler einlagern. Eine professionelle Einlagerung kostet laut ADAC rund 30 bis 60 Euro pro Saison und Satz, als Komplettpaket mit Wuchten und Kontrolle auch bis zu 100 Euro.

Wie hoch die reinen Wechselkosten ausfallen, hängt aber stark davon ab, wie Ihr zweiter Satz montiert ist. Zwei Sätze auf jeweils eigenen Felgen (Kompletträder) werden beim Saisonwechsel nur umgesteckt – das geht schnell, kostet in der Werkstatt am wenigsten und lässt sich mit etwas Übung sogar selbst erledigen (siehe Räder selbst wechseln – so geht's sicher). Teilen sich beide Sätze dagegen einen einzigen Felgensatz, müssen die Reifen bei jedem Wechsel ab- und wieder aufgezogen und neu ausgewuchtet werden – das ist deutlich aufwendiger und teurer. Kompletträder ersparen diesen Aufwand, kosten dafür aber einmalig einen zweiten Felgensatz.

Ein gern übersehener Posten des Zwei-Satz-Modells sind die Reifendruck-Sensoren: Fahrzeuge mit direktem RDKS – Pflicht für alle neu zugelassenen Pkw seit dem 1. November 2014 – brauchen für einen zweiten, eigenen Felgensatz in der Regel jeweils eigene Sensoren oder müssen bei jedem Wechsel neu angelernt werden. Diese Kosten fallen beim einen, dauerhaft montierten Ganzjahresreifen gar nicht erst an. Was direktes und indirektes RDKS unterscheidet, erklärt unser Ratgeber RDKS: direktes und indirektes System.

Unterm Strich entfallen Wechsel, Sensorpflege und doppelte Einlagerung beim Ganzjahresreifen komplett. Das ist der Kern des Bequemlichkeits- und Sparvorteils – und er gilt unabhängig vom Reifenmodell. Wie Sie einen zweiten Satz richtig über die Saison bringen, erklärt unser Ratgeber Reifen richtig lagern und pflegen.

Was die Rechnung wirklich entscheidet: Laufleistung und Verschleiß

Der Anschaffungspreis trügt. „Ich kaufe nur einen Satz statt zwei" stimmt nur für den Moment des Kaufs. Über die Jahre relativiert sich der Vorteil, denn die beiden Saisonsätze teilen sich die Arbeit: Ein Sommer- und ein Winterreifen rollen jeweils nur etwa ein halbes Jahr, ihre Kilometer pro Kalenderjahr verteilen sich also auf zwei Sätze – jeder einzelne hält dadurch über mehr Kalenderjahre. Der eine Ganzjahresreifen trägt dagegen die komplette Jahresfahrleistung allein, sammelt schneller Kilometer und ist – rein zeitlich betrachtet – früher abgefahren. Unterm Strich kaufen Sie beim Ganzjahresreifen seltener zwei Sätze gleichzeitig, dafür den einen Satz tendenziell häufiger neu. Der vermeintliche „halbe Preis" schrumpft dadurch zu einem echten, aber kleineren Vorteil.

Der größte Hebel bei den reinen Reifenkosten ist damit weder die Frage „ein Satz oder zwei" noch der Kaufpreis, sondern wie lange ein Reifen hält. Und die Laufleistung unterscheidet sich zwischen den Modellen enorm.

Der ADAC zeigt das an einem Rechenbeispiel: Im Test hielt ein langlebiges Modell rund 69.300 km, ein günstiges nur 37.400 km – fast doppelt so lange. Obwohl das langlebige Modell im Einkauf teurer war (492 statt 380 Euro pro Satz), fielen beim billigen Reifen über die Strecke fast zwei Sätze statt einem an, samt zusätzlicher Montagekosten. Ergebnis: rund 4,30 Euro Mehrkosten pro 1.000 Kilometer – auf 100.000 km gerechnet etwa 430 Euro Unterschied (Quelle: ADAC – Laufleistung von Reifen).

Merksatz: Ein hochwertiger Reifen mit hoher Laufleistung kann trotz höherem Kaufpreis günstiger sein als ein Billigreifen – egal ob Saison- oder Ganzjahresreifen. Der Anschaffungspreis allein sagt wenig über die Gesamtkosten.

Für den Vergleich heißt das: Ein billiger Ganzjahresreifen, der schnell herunter ist, kann am Ende teurer kommen als zwei vernünftige Saisonsätze. Die Modellwahl entscheidet die Rechnung stärker als die Grundsatzfrage.

Einen oft übersehenen Deckel hat der Vorteil „zwei Sätze halten mehr Kalenderjahre" allerdings: das Reifenalter. Gummi altert auch dann, wenn ein Reifen kaum gefahren wird. Ein Winterreifen, der jährlich nur wenige tausend Kilometer sammelt, kann sein Alterslimit erreichen, bevor das Profil aufgebraucht ist. Der ADAC empfiehlt, Reifen ab etwa sechs Jahren regelmäßig zu prüfen und sie spätestens nach acht bis zehn Jahren zu ersetzen – unabhängig von der Restprofiltiefe. Wie Sie das Herstellungsdatum an der DOT-Nummer ablesen, zeigt unser Ratgeber Reifenalter und DOT-Nummer richtig deuten. Für die Kostenrechnung bedeutet das: Wer wenig fährt, spart mit zwei Sätzen zwar Kilometer-Verschleiß, ersetzt am Ende aber womöglich trotzdem altersbedingt – ein Punkt, der eher für den einen, durchgehend genutzten Ganzjahresreifen spricht.

Verbrauch nicht vergessen: der Rollwiderstand

Reifen kosten nicht nur an der Kasse, sondern auch an der Tankstelle. Der Rollwiderstand schlägt direkt auf den Spritverbrauch durch: Zwischen einem sparsamen A-Reifen und einem schlechten E-Reifen liegen laut ADAC-EU-Reifenlabel rund 0,5 Liter auf 100 Kilometer – etwa 7,5 Prozent.

Der Abstand wächst dabei mit jeder Klasse: Gegenüber der besten Klasse A verbraucht ein B-Reifen laut ADAC rund 0,1, ein C-Reifen etwa 0,22, ein D-Reifen rund 0,36 und ein E-Reifen gut 0,5 Liter mehr je 100 Kilometer. In der Praxis fällt der Effekt allerdings kleiner aus, als die volle Spannweite vermuten lässt, denn die meisten aktuellen Reifen liegen in den mittleren Klassen B und C – ein echter A-Reifen ist selten. Für die Kostenrechnung heißt das: Der Sprung von einem schwachen auf einen guten Reifen bringt spürbar mehr als die letzte Nachkommastelle zwischen A und B.

Das gilt für Ganzjahres- wie für Saisonreifen gleichermaßen. Achten Sie deshalb beim Kauf auf die Effizienzklasse des EU-Labels. Wie Sie damit über die Jahre bares Geld sparen, lesen Sie im Detail unter Spritsparen mit den richtigen Reifen.

Der eigentliche Preis ist die Sicherheit

Bei aller Rechnerei: Der wichtigste „Preis" eines Ganzjahresreifens steht nicht in Euro. Ein Allwetterreifen ist immer ein Kompromiss. Er ist auf trockener Sommerstraße dem Sommerreifen und auf Schnee dem Winterreifen unterlegen – das ist physikalisch nicht zu umgehen.

Wie groß der Abstand ausfällt, hängt stark vom Modell ab. Im ADAC-Ganzjahresreifentest 205/55 R16 (veröffentlicht im Juli 2024, 16 Modelle, Testfahrzeug VW Golf) erreichte der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 mit der Note 2,4 als erster Ganzjahresreifen überhaupt ein „gut", gefolgt von Pirelli Cinturato All Season SF2 (2,6) und Hankook Kinergy 4S² (2,7). Gleichzeitig fielen zwei günstige Modelle mit „mangelhaft" (Noten 5,1 und 5,4) durch. Die Spanne ist also riesig – ein billiger Allwetterreifen spart am Kaufpreis, kann aber bei Nässe oder Schnee gefährlich schlecht sein.

Der ADAC empfiehlt Ganzjahresreifen vor allem für Wenigfahrer in mildem Klima, die überwiegend in der Stadt und auf Bundesstraßen unterwegs sind. Für Vielfahrer, Autobahnpendler und Regionen mit echtem Winter bleiben zwei saisonale Spezialsätze die sicherere – und über die Laufzeit oft nicht teurere – Wahl.

Drei empfehlenswerte Ganzjahresreifen in 205/55 R16

Wenn die Rechnung für Sie aufgeht, sollte es ein in Tests bewährtes Modell sein. Drei lieferbare Beispiele in der gängigen Größe 205/55 R16:

Die ganze Auswahl finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW und passend zur Größe unter 205/55 R16. Wer doch zwei Sätze bevorzugt, vergleicht am besten direkt Sommerreifen und Winterreifen.

Fazit: Für wen sich was rechnet

Ganzjahresreifen sparen vor allem Wechsel, Sensorpflege und Einlagerung – das ist ihr klarster und unstrittiger Vorteil. Beim reinen Reifenpreis ist der Spareffekt kleiner als gedacht, weil ein Satz die ganze Jahresfahrleistung trägt. Über die Gesamtkosten entscheidet weniger die Grundsatzfrage als die Laufleistung des konkreten Modells und dessen Effizienzklasse.

Als Faustregel gilt: Für Wenigfahrer in mildem Klima, Stadtautos und Zweitwagen kann sich ein guter Ganzjahresreifen rechnen und ist obendrein bequem. Vielfahrer, Autobahnpendler und alle, die echten Winter erleben, fahren mit zwei Spezialsätzen sicherer – und unterm Strich häufig nicht teurer.

Welche Modelle in welcher Größe vorne liegen, zeigt unser Überblick zum ADAC-Ganzjahresreifentest 2025. Passende Ganzjahresreifen für Ihr Fahrzeug finden Sie direkt in unserem Shop.

Häufige Fragen

Sind Ganzjahresreifen wirklich günstiger als Sommer- und Winterreifen zusammen?

Bei der Anschaffung kaufen Sie nur einen Satz statt zwei, und Sie sparen Wechsel, Einlagerung und beim direkten RDKS oft einen zweiten Satz Sensoren. Über die Jahre relativiert sich der Preisvorteil aber, weil der eine Satz die komplette Jahresfahrleistung trägt und dadurch schneller verschleißt. Die Gesamtersparnis ist real, aber kleiner als „der halbe Preis" – und sie hängt stark von der Laufleistung des gewählten Modells ab.

Worauf sollte ich beim Kauf besonders achten?

Auf das Testergebnis (z. B. ADAC), die Laufleistung und die Effizienzklasse des EU-Reifenlabels. Ein hochwertiger Reifen mit hoher Laufleistung ist trotz höherem Kaufpreis oft günstiger als ein Billigmodell – und sicherer. Achten Sie außerdem auf das Alpine-Symbol, damit der Reifen die Winterreifenpflicht erfüllt.

Darf ich Ganzjahresreifen im Winter fahren?

Ja, sofern sie das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, „3PMSF") tragen. Reine M+S-Reifen ohne dieses Symbol erfüllen die situative Winterreifenpflicht in Deutschland nicht mehr.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Sommerreifen Winterreifen Kosten Kaufberatung

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