Ganzjahresreifen in 225/45 R17: sieben von zehn sehr empfehlenswert
Ganzjahresreifen stehen in der Kompaktklasse gerade wieder ganz oben auf der Einkaufsliste, und pünktlich zum Umrüstherbst hat die Auto Zeitung zehn Allwetterreifen in der Dimension 225/45 R17 gegeneinander antreten lassen. Sieben davon verlassen die Teststrecke mit dem Urteil „sehr empfehlenswert“. Das klingt nach einer Gattung, bei der man kaum noch etwas falsch machen kann. Nur: Gut ein Jahr zuvor hat ein anderer Prüfer genau dieselbe Dimension untersucht, und dort landete die Hälfte des Feldes bei „ausreichend“ oder schlechter. Beide Befunde stimmen. Warum sie sich nicht widersprechen, welche Messwerte aus diesem Test tatsächlich belegt sind und was in dieser Größe heute im Regal liegt, sehen wir uns der Reihe nach an.
Zehn Ganzjahresreifen, ein Golf GTI und 450 Punkte
Geprüft wurde in der Dimension 225/45 R17, montiert auf einem VW Golf GTI. Als Partner waren die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) und der Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs (ARBÖ) an Bord. Das berichtet die Fachzeitschrift Neue Reifenzeitung in ihrer Meldung zum Autozeitung-Ganzjahresreifentest vom 23. September 2026. Gefahren wurde auf Schnee, auf nasser und auf trockener Fahrbahn; dazu kamen Labormessungen.
Die Punkteskala verrät bereits einiges über die Philosophie dieses Tests. Das Maximum liegt bei 450 Punkten, und die drei großen Blöcke tragen jeweils bis zu 150 Punkte bei: einmal Schnee, einmal Nässe, einmal Trockenheit samt Labor. Winter, Regen und Sommer wiegen hier also exakt gleich schwer. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn andere Prüfer gewichten die Nässe deutlich höher oder ziehen Umweltkriterien als eigene Säule ein. Wie unterschiedlich die großen deutschen Tester rechnen und warum derselbe Reifensatz je nach Regelwerk einen anderen Sieger hervorbringt, haben wir in einem eigenen Beitrag darüber, wie die deutschen Reifentester gewichten, Schritt für Schritt nachgerechnet.
Das Feld selbst war bewusst gemischt: Neben etablierten Premiumprodukten standen Vertreter aus dem Qualitäts- und aus dem Budgetsegment am Start. Genau diese Mischung ist für die Einordnung des Ergebnisses wichtiger, als sie auf den ersten Blick wirkt, und sie erklärt einen Teil dessen, was weiter unten noch folgt. Testleiter Martin Urbanke, geschäftsführender Redakteur der Auto Zeitung, spricht laut der Meldung von einem erfreulich hohen Niveau der geprüften Ganzjahresreifen.
Die gewählte Größe passt zum Anspruch. 225/45 R17 sitzt typischerweise an Fahrzeugen der Kompakt- und unteren Mittelklasse, etwa an Audi A3, BMW 1er und 3er, Mercedes A- und C-Klasse, Volkswagen Golf und Touran oder Volvo V40. Wer wissen will, welche Tragfähigkeitskennungen in dieser Dimension sinnvoll sind und was die Flankenbeschriftung im Einzelnen bedeutet, findet das in unserer ausführlichen Kaufberatung zur Größe 225/45 R17. Das aktuelle Angebot zeigt die Übersicht aller Reifen in 225/45 R17.
Der einzige vollständig belegte Platz: Rang zwei mit 384 Punkten
Die vollständige Rangliste steht in der gedruckten Ausgabe und ist nicht frei zugänglich. Belegt und im Detail nachlesbar ist bislang genau ein Ergebnis, und zwar das des Zweitplatzierten. Continental hat es in einer Pressemitteilung zum Abschneiden des AllSeasonContact 2 vom 23. September 2026 selbst veröffentlicht, samt Teilwertungen und Messwerten.
Der Continental AllSeasonContact 2 erreicht demnach 384 von 450 Punkten und damit das Urteil „sehr empfehlenswert“. Seine Stärke liegt im Winterkapitel: 134 von 150 möglichen Punkten auf Schnee sind laut Hersteller die zweitbeste Schneewertung des Feldes, bei der Fahrsicherheit stehen 28 von 30 Punkten zu Buche. Beim Bremsen auf Schnee aus 50 km/h kommt das Testfahrzeug nach 30,6 Metern zum Stehen. Die Redaktion beschreibt das Fahrverhalten als griffig, stabil und fehlerverzeihend.
Auch im Regen liefert der Reifen ab. Der Nassbremsweg aus 100 km/h beträgt 45,9 Meter und ist damit der zweitkürzeste im Testfeld. In der Trocken- und Laborwertung kommen 127 von 150 Punkten zusammen. Die Labormessungen nennen einen Abrieb von 0,096 Millimetern je 1.000 Kilometer, eine prognostizierte Laufleistung von 45.250 Kilometern und einen Rollwiderstand von 7,9 kg/t. Wichtig dabei: Laufleistungen aus dem Labor sind Rechenwerte. Was ein Reifen am Ende wirklich hält, hängt an Fahrzeuggewicht, Streckenprofil, Luftdruck und Fahrstil und kann davon deutlich abweichen.
Rechnet man die beiden genannten Teilwertungen vom Gesamtergebnis ab, bleiben 123 Punkte für den Nässeblock. Ausgerechnet dort verliert der Reifen also am meisten Boden, obwohl er den zweitkürzesten Bremsweg hinlegt. Das ist kein Widerspruch, sondern der Normalfall in jedem Punktesystem: Ein Block besteht aus mehreren Disziplinen, und Bremsen ist nur eine davon. Neben Handling, Aquaplaning und Lenkpräzision kann ein einzelner Spitzenwert rechnerisch untergehen. Was den AllSeasonContact 2 technisch auszeichnet und in welchen Größen er sonst noch zu haben ist, steht im Modellporträt des Continental AllSeasonContact 2.
Sieben von zehn „sehr empfehlenswert“ und ein Jahr zuvor acht Durchfaller
Jetzt zu der Zahl, die diesen Test überschreibt. Sieben der zehn geprüften Ganzjahresreifen bekamen das Urteil „sehr empfehlenswert“. Das wirkt wie ein Freibrief für die gesamte Gattung. Legt man aber den ADAC-Ganzjahresreifentest in derselben Dimension daneben, ergibt sich ein völlig anderes Bild: Dort traten 16 Reifen in 225/45 R17 an, vier erhielten die Note „gut“, kein einziger ein „sehr gut“, und acht Reifen landeten bei „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Dieselbe Größe, keine zwei Jahre dazwischen, und die Schlagzeilen stehen sich diametral gegenüber.
Der Grund liegt nicht darin, dass Ganzjahresreifen in dieser Zeit sprunghaft besser geworden wären. Er liegt im Startfeld. Im ADAC-Feld standen neben den bekannten Marken mehrere Anbieter aus dem unteren Preissegment, und genau diese Reifen haben die beiden schlechtesten Notenstufen gefüllt. Im Feld der Auto Zeitung überwiegen dagegen Premium- und Qualitätsmarken, ergänzt um wenige Budgetmodelle. Wer überwiegend die obere Hälfte eines Marktes einlädt, bekommt am Ende auch überwiegend gute Urteile zurück, ganz ohne dass irgendjemand geschönt hätte.
Dazu kommt der Maßstab. „Sehr empfehlenswert“ ist eine Empfehlungsstufe, keine Schulnote. Sie sagt aus, dass ein Reifen für seinen Zweck taugt, nicht, dass er in jeder Disziplin vorn liegt. Der ADAC dagegen vergibt eine Note nach einem Durchschlagsprinzip, bei dem eine einzige schwache Sicherheitsdisziplin das Gesamturteil nach unten zieht. Zwei verschiedene Skalen, zwei verschiedene Felder, zwei verschiedene Schlagzeilen. Vergleichbar sind die beiden Quoten deshalb nicht, und man sollte sie auch nicht nebeneinanderstellen, um daraus eine Marktentwicklung abzuleiten.
Was wir an dieser Stelle bewusst nicht schreiben
Ein Wort zur Belegbarkeit, weil hier eine echte Grenze verläuft. Wir nennen keinen Testsieger, wir nennen keine Rangfolge und wir nennen keine Punktzahlen für die übrigen neun Reifen. Nicht, weil das uninteressant wäre, sondern weil der Verlag die vollständige Auswertung bislang nur kostenpflichtig veröffentlicht hat und uns außer dem Rahmen des Tests und dem dokumentierten zweiten Platz keine überprüfbare Quelle vorliegt. Wer die komplette Tabelle sehen möchte, findet sie in der Ausgabe der Auto Zeitung beziehungsweise über die Reifentest-Übersicht des Verlags.
Das ist keine Formalie. Reifen sind ein Sicherheitsthema, und eine geratene Platzierung wäre in einem Shop-Beitrag besonders schädlich, weil sie unmittelbar eine Kaufentscheidung beeinflusst. Dieselbe Zurückhaltung haben wir schon beim Ganzjahresreifentest von auto motor und sport in 195/55 R16 geübt, der Anfang September in vergleichbarer Lage war. Was wir stattdessen liefern können, ist etwas, das in keiner Testtabelle steht: der Abgleich mit dem, was in dieser Größe tatsächlich lieferbar ist.
Der Testkorb ist ein Viertel des Regals
Für diesen Abgleich haben wir unseren eigenen Produktkatalog mit Stand 23. September 2026 ausgewertet, insgesamt 57.473 Artikel. In der Dimension 225/45 R17 stehen darin 129 lieferbare Ganzjahresreifen. Nach Abzug eines einzelnen Preisausreißers oberhalb des 3,5-fachen Größenmedians bleiben 128 Ausführungen von 66 Marken und 87 verschiedenen Profilen. Die Spanne reicht von 47,30 Euro je Reifen bis 171,30 Euro, der Median liegt bei 77,19 Euro. Ein kompletter Satz kostet damit ab 189,20 Euro, im Mittel 308,76 Euro.
Und nun der Punkt, auf den es ankommt: Die zehn Marken, die im Test gegeneinander gefahren sind, stellen in dieser Größe zusammen 33 der 128 Ausführungen, also rund ein Viertel des Angebots. Die übrigen 95 Ausführungen verteilen sich auf 56 weitere Marken, die in diesem Test nicht vorkamen und in den meisten anderen Vergleichen ebenfalls nicht vorkommen. Ein Reifentest ist damit keine Landkarte des Marktes, sondern ein Ausschnitt daraus.
Dieser Ausschnitt ist auch preislich klar verortet. Die Marken des Testfelds beginnen in dieser Größe bei 60,20 Euro und haben einen Median von 93,55 Euro. Die übrigen 56 Marken beginnen bei 47,30 Euro und liegen im Median bei 70,62 Euro. Der Test beschreibt also im Wesentlichen die obere Hälfte des Preisspektrums. Beim EU-Reifenlabel zeigt sich derselbe Graben: Unter den Testfeld-Marken tragen 31 von 33 Ausführungen die Nasshaftungsklasse A oder B, bei den übrigen sind es 54 von 95. Über das gesamte Regal verteilt stehen fünf Ausführungen auf A, 80 auf B, 36 auf C und sieben auf D oder E. Wie diese Buchstaben zustande kommen und was sie im Alltag bedeuten, erklären wir im Reifen-Wiki.
Eine Feinheit am Rande, die man leicht überliest: Der im Test zweitplatzierte AllSeasonContact 2 ist in dieser Größe in vier Ausführungen zwischen 98,57 und 117,02 Euro gelistet, und alle vier tragen Nasshaftung B, nicht A – obwohl er den zweitkürzesten Nassbremsweg des Feldes gefahren hat. Etikett und Testergebnis messen eben nicht dasselbe: Das Label prüft eine einzelne genormte Bremsung unter festgelegten Bedingungen, der Test fährt ein ganzes Programm.
Was Sie in dieser Größe daraus mitnehmen
Die praktische Lehre aus dem Test ist weniger spektakulär als die Schlagzeile, dafür belastbar. Erstens: Im oberen Preisdrittel der Ganzjahresreifen ist das Niveau in 225/45 R17 tatsächlich hoch, und der Griff zu einem bekannten Namen ist hier ein vertretbarer Weg, wenn Sie sich nicht in Teilnoten einlesen möchten. Zweitens: Die drei Viertel des Angebots, die kein Tester anfasst, werden dadurch nicht automatisch schlecht, aber sie sind eben auch nicht geprüft. Wer dort kauft, sollte wenigstens das Etikett und die Nasshaftungsklasse ansehen, statt allein auf den Preis zu schauen.
Drittens, und das ist der häufigste Denkfehler beim Ganzjahresreifen: Die entscheidende Frage ist nicht, welches Modell gewinnt, sondern ob die Gattung überhaupt zu Ihrem Fahrprofil passt. Wer regelmäßig im Mittelgebirge unterwegs ist oder viel Autobahn bei Hitze fährt, ist mit zwei spezialisierten Sätzen oft besser bedient. Wir haben dazu ausgewertet, für wen sich Ganzjahresreifen überhaupt lohnen, und getrennt davon untersucht, wie sich Allwetterreifen bei sommerlichen Temperaturen schlagen.
Wenn Sie in dieser Dimension jetzt kaufen möchten, sind das drei lieferbare Vertreter aus unterschiedlichen Preislagen:
- Continental AllSeasonContact 2 225/45 R17 94Y – der im Test zweitplatzierte Reifen, Nasshaftung B
- Michelin CrossClimate 2 225/45 R17 94Y – Nasshaftung B, Effizienzklasse C
- Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 225/45 R17 94W – Nasshaftung B, Effizienzklasse C
Das gesamte Sortiment finden Sie unter Ganzjahresreifen für den Pkw. Preise und Verfügbarkeiten in diesem Beitrag beziehen sich auf den Katalogstand vom 23. September 2026 und ändern sich täglich.
Häufige Fragen
In welcher Reifengröße hat die Auto Zeitung geprüft?
Der Test lief in der Dimension 225/45 R17 auf einem VW Golf GTI, gemeinsam mit GTÜ und ARBÖ. Diese Größe wird vor allem an Fahrzeugen der Kompakt- und unteren Mittelklasse gefahren.
Heißt „sehr empfehlenswert“ dasselbe wie die Note „sehr gut“?
Nein. Es ist eine Empfehlungsstufe und keine Schulnote. Sie besagt, dass ein Reifen für seinen Einsatzzweck taugt, nicht, dass er in allen Disziplinen an der Spitze liegt. Urteile verschiedener Prüfer lassen sich deshalb nicht direkt ineinander umrechnen.
Sind ungetestete Ganzjahresreifen automatisch schlechter?
Nicht automatisch, denn ein fehlender Test ist kein Mangelurteil. Rund drei Viertel der in 225/45 R17 lieferbaren Ausführungen stammen allerdings von Marken, die in keinem großen Vergleichstest auftauchen. Bei ihnen bleibt das EU-Reifenlabel, vor allem die Nasshaftungsklasse, das wichtigste objektive Kriterium.