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Transporter & LKW

Anhängerreifen richtig wählen: Tempo 100, Tragfähigkeit und Reifenalter

· 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 25.06.2026
Verstärkter Anhängerreifen an einem Pkw-Anhänger auf sommerlicher Landstraße (KI-generiert, OpenAI)
Verstärkter Anhängerreifen an einem Pkw-Anhänger auf sommerlicher Landstraße (KI-generiert, OpenAI)

Ob Boot, Pferdeanhänger, Wohnwagen oder der kleine Kastenanhänger für den Baumarkt: Im Sommer sind Anhänger ständig im Einsatz – und genau dann fällt auf, dass ihre Reifen nach ganz eigenen Regeln funktionieren. Anhängerreifen laufen wenig Kilometer, tragen aber viel Last, stehen oft monatelang und altern dadurch häufig am Datum, nicht am Profil. Wer die wichtigen Werte kennt, fährt sicherer in den Urlaub – und vermeidet Ärger bei der Tempo-100-Zulassung.

Was Anhängerreifen von Pkw-Reifen unterscheidet

Ein Anhänger hat keinen eigenen Antrieb und keine Lenkung – seine Reifen müssen vor allem eines können: Last tragen. Schon ein kleiner Einachser ist im beladenen Zustand schnell am zulässigen Achslast-Limit, und ein voll beladener Wohnwagen bringt mehrere Hundert Kilogramm pro Reifen auf die Straße. Deshalb sind viele Anhängerreifen als verstärkte Reifen ausgelegt: Sie tragen die Kennung C (Commercial, für Nutzlast-Anwendungen) oder Reinforced/XL und haben kräftigere Seitenwände als ein gewöhnlicher Pkw-Reifen.

Hinzu kommt: Anhänger fahren typischerweise wenig. Ein Reifensatz, der in zehn Jahren kaum 5.000 Kilometer sieht, hat am Ende oft noch ordentlich Profil – ist aber durch Alterung des Gummis längst spröde geworden. Bei Anhängerreifen entscheidet deshalb fast immer das Alter über den Wechselzeitpunkt, nicht der Verschleiß.

Lastindex und Geschwindigkeitsindex: die beiden Schlüsselzahlen

Auf jeder Reifenflanke stehen hinter der Größe zwei zentrale Angaben, zum Beispiel 155/70 R13C 75N:

  • Die Zahl (hier 75) ist der Lastindex (LI) – die Tragfähigkeit pro Reifen. LI 75 entspricht 387 kg je Reifen. Der LI Ihrer Anhängerreifen muss zur zulässigen Achslast des Anhängers passen; im Zweifel hilft ein Blick ins Typenschild des Anhängers und in die Zulassungsbescheinigung.
  • Der Buchstabe (hier N) ist der Geschwindigkeitsindex (GSY) – die Freigabe bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit. N steht für 140 km/h, L für 120 km/h, M für 130 km/h.

Beide Werte dürfen Sie nie unterschreiten, dafür aber überschreiten. Wie Sie die Zahlen genau ablesen und welche Tragfähigkeit hinter welchem Index steckt, lesen Sie ausführlich im Ratgeber Lastindex und Geschwindigkeitsindex am Reifen.

Tempo 100 für Anhänger und Wohnwagen: die Reifen-Regeln

Anhänger dürfen in Deutschland auf der Autobahn grundsätzlich nur 80 km/h fahren. Mit einer amtlichen Tempo-100-Zulassung (Ausnahmegenehmigung) sind 100 km/h erlaubt – aber nur, wenn Fahrzeug, Anhänger und Reifen bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Laut ADAC gehören dazu unter anderem:

  • Geschwindigkeitsindex mindestens „L" (120 km/h): Die Anhängerreifen müssen für mindestens 120 km/h freigegeben sein – also deutlich mehr als die erlaubten 100 km/h, als Sicherheitsreserve.
  • Reifenalter höchstens sechs Jahre: Für die Tempo-100-Zulassung dürfen die Reifen nicht älter als sechs Jahre sein. Maßgeblich ist die DOT-Nummer auf der Flanke.
  • Zugfahrzeug mit ABS und einer zulässigen Gesamtmasse von höchstens 3,5 Tonnen.
  • Massenverhältnis Anhänger zu Zugfahrzeug: Vereinfacht darf der gebremste Wohnwagen mit hydraulischen Stoßdämpfern höchstens 80 % des Leergewichts des Zugfahrzeugs wiegen; mit Antischlingerkupplung oder einem fahrdynamischen Stabilitätssystem ist ein Verhältnis bis 100 % möglich.

Die genauen Bedingungen prüft eine Sachverständigenorganisation wie TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS und trägt die Freigabe ein; danach gilt die bekannte runde 100-km/h-Plakette. Wichtig: Die Tempo-100-Freigabe ist kein Freibrief, der ewig hält – sobald die Reifen die Sechs-Jahres-Grenze überschreiten, ist die Voraussetzung nicht mehr erfüllt, auch wenn noch reichlich Profil vorhanden ist.

Reifenalter: Warum Anhängerreifen am Datum scheitern, nicht am Profil

Gummi altert, ob der Reifen fährt oder steht. UV-Licht, Ozon, Wärme und Standzeiten machen die Mischung mit den Jahren hart und rissig – die Haftung lässt nach, und das Risiko eines Reifenschadens steigt. Bei den wenig gefahrenen Anhängerreifen ist genau das der entscheidende Punkt: Das Profil reicht oft noch jahrelang, doch der Reifen ist innerlich längst gealtert.

Das Produktionsdatum verrät die DOT-Nummer: Ihre letzten vier Ziffern stehen für Kalenderwoche und Jahr der Herstellung – „2519" bedeutet zum Beispiel 25. Woche 2025. Wie Sie die DOT-Nummer richtig lesen und einordnen, erklärt der Beitrag Reifenalter und DOT-Nummer. Als Faustregel gilt: Anhängerreifen ab etwa sechs Jahren genau im Auge behalten und spätestens nach rund zehn Jahren ersetzen – bei Rissen in Flanke oder Profilgrund früher.

Unabhängig vom Alter gilt natürlich die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm (§ 36 StVZO) auch für Anhänger. Wie Sie das Profil zuverlässig prüfen, zeigt der Ratgeber Profiltiefe messen.

Luftdruck, Standplatten und Lagerung

Anhänger reagieren empfindlich auf den richtigen Luftdruck. Zu wenig Druck unter Last lässt die Flanken walken, der Reifen erhitzt sich – im schlimmsten Fall droht ein Schaden bei voller Beladung. Den passenden Wert finden Sie am Typenschild des Anhängers oder in den Herstellerunterlagen; Anhängerreifen brauchen wegen der hohen Last oft spürbar mehr Druck als ein Pkw-Reifen gleicher Größe. Wie Sie den Wert finden und korrekt einstellen, steht im Beitrag Richtiger Reifendruck.

Steht ein Anhänger lange am selben Fleck, drohen Standplatten: Der Reifen verformt sich an der Aufstandsfläche und „eiert" anschließend. Vorbeugen können Sie, indem Sie den Anhänger über den Winter aufbocken oder den Luftdruck für die Standzeit leicht erhöhen und das Fahrzeug gelegentlich ein Stück bewegen. Mehr zur schonenden Saisonpause lesen Sie unter Reifen richtig lagern und pflegen.

Wohnwagen, Wohnmobil oder Kastenanhänger – wo liegt der Unterschied?

Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Wohnwagen ist ein gezogener Anhänger – für ihn gelten die hier beschriebenen Anhänger-Regeln. Ein Wohnmobil dagegen ist ein eigenes Kraftfahrzeug und trägt meist spezielle CP-Reifen mit eigener Druck- und Lastauslegung; dazu haben wir einen separaten Ratgeber: Wohnmobilreifen und die CP-Kennung. Wer einen größeren Transporter oder ein Nutzfahrzeug bewegt, findet die passenden Hinweise im Kaufratgeber für C-Reifen.

Passende Anhängerreifen im Shop finden

Speziell für Anhänger gibt es robuste ST-Reifen (Special Trailer) und verstärkte C-Reifen in den typischen kleinen Größen. Drei lieferbare Beispiele in der gängigen Größe 155/70 R13C – alle mit Geschwindigkeitsindex N (140 km/h) und damit Tempo-100-tauglich:

Die ganze Auswahl finden Sie in der Kategorie Anhänger- & Oldtimerreifen sowie passgenau über die Größe 155/70 R13. Achten Sie beim Kauf immer zuerst auf Lastindex und Geschwindigkeitsindex – und prüfen Sie nach der Montage das Produktionsdatum, damit Ihre Tempo-100-Zulassung von Anfang an auf der sicheren Seite ist.

Häufige Fragen zu Anhängerreifen

Wie alt dürfen Anhängerreifen sein?

Für die Tempo-100-Zulassung dürfen die Reifen höchstens sechs Jahre alt sein. Auch ohne Tempo-100-Plakette gilt: Anhängerreifen altern wegen langer Standzeiten am Datum – ab etwa sechs Jahren regelmäßig kontrollieren und spätestens nach rund zehn Jahren ersetzen, bei Rissen früher.

Welchen Geschwindigkeitsindex brauchen Reifen für die Tempo-100-Zulassung?

Mindestens den Index L, also eine Freigabe bis 120 km/h. Das liegt bewusst über den erlaubten 100 km/h und dient als Sicherheitsreserve. Viele dedizierte Anhängerreifen erfüllen das mit Index N (140 km/h) ohnehin.

Darf ich normale Pkw-Reifen auf den Anhänger montieren?

Nur, wenn Größe, Lastindex und Geschwindigkeitsindex zur Zulassung des Anhängers passen und der Reifen die Achslast trägt. Wegen der hohen Last sind verstärkte C- oder Reinforced-Reifen meist die bessere Wahl. Verbindlich ist immer die Reifenfreigabe in den Fahrzeugpapieren des Anhängers.

Wie viel Profil müssen Anhängerreifen haben?

Es gilt dieselbe gesetzliche Mindestprofiltiefe wie bei Pkw: 1,6 mm am Hauptprofil (§ 36 StVZO). In der Praxis ist bei Anhängern aber fast immer das Alter der Grund zum Wechseln, nicht das Profil.

Schlagwörter: Anhängerreifen Tempo 100 Lastindex Reifenalter Wohnwagen Anhänger

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