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Kaufberatung – Ratgeber im Magazin

Aplus im Datencheck: Die beiden Winterprofile teilen sich das Regal – und nur eines trägt Nasshaftung B

· 12 Min. Lesezeit
Winterreifen mit Lamellenprofil vor Regalen im Lager (KI-generiert, OpenAI)
Winterreifen mit Lamellenprofil vor Regalen im Lager (KI-generiert, OpenAI)

Im unteren Preisdrittel des Reifenregals steht eine Handvoll Namen, die kaum jemand einordnen kann. Aplus gehört dazu, und die Marke ist dort keine Randerscheinung: Mit 582 lieferbaren Ausführungen, die wir am 30. September 2026 ausgezählt haben, führt sie mehr Artikel als manches bekannte Zweitmarkenprogramm. Wir haben deshalb getan, was sich bei einem Namen ohne Testakte und ohne Werbebudget allein anbietet — wir haben jede einzelne Zeile im Regal angesehen: jedes EU-Etikett, jeden Preis, jede Größe, jedes Profil.

Das Ergebnis ist ungewöhnlich klar, und es führt zu einer Kaufregel, die bei dieser Marke wichtiger ist als bei jeder anderen: Bei Aplus entscheidet nicht die Marke über die Qualität des Etiketts, sondern Ihre Reifengröße — und Sie haben dabei keine Wahl.

Was im Regal steht: 582 Ausführungen, 18 Profile, 241 Größen

Grundlage ist eine Vollerhebung unseres eigenen Sortiments vom 30. September 2026. Erfasst haben wir 582 der 586 lieferbaren Aplus-Artikel, also 99,3 Prozent; die vier fehlenden liegen in Sondergrößen außerhalb unseres Abfragerasters und ändern an keinem der Anteile etwas. Eine „Ausführung" ist dabei ein konkreter Artikel — ein Profil in einer bestimmten Größe mit einem bestimmten Last- und Geschwindigkeitsindex.

Diese 582 Artikel verteilen sich auf 18 Profile und 241 verschiedene Größen, von 12 bis 22 Zoll und von 145 bis 315 Millimeter Breite. Das ist für eine Budgetmarke eine bemerkenswerte Streuung: Aplus deckt den 13-Zoll-Kleinwagen ebenso ab wie den 21-Zöller, und beim Geschwindigkeitsindex reicht die Spanne von Q (160 km/h) bis Y (300 km/h) — 93 Ausführungen tragen die Y-Kennung. Der teuerste Reifen im Programm, ein A610 in 235/45 R19, kostet 178,00 Euro, der günstigste 27,97 Euro.

Nach Jahreszeit sortiert stehen 366 Sommerreifen, 123 Winterreifen und 93 Ganzjahresreifen im Regal. Der Schwerpunkt liegt also deutlich im Sommer — was zunächst unspektakulär klingt, sich aber gleich als die interessanteste Stelle des Programms herausstellen wird, denn ausgerechnet das kleine Winterprogramm trägt die besten Etikettwerte der ganzen Marke.

Das Etikett hört bei C auf — in jeder einzelnen Zeile

Der erste Befund betrifft die Kraftstoffeffizienz, und er ist absolut: Unter 582 Aplus-Reifen trägt kein einziger die Klasse A oder B. Die Skala beginnt für diese Marke bei C. Konkret verteilen sich die Werte auf 330-mal C (56,7 Prozent), 118-mal D (20,3 Prozent) und 134-mal E (23,0 Prozent). Es gibt also keinen sparsamen Aplus, nicht in einer einzigen Größe, nicht in einem einzigen Profil. Was zwischen den Klassen an der Zapfsäule liegt, ist kein Rundungsfehler: Die Folgenabschätzung der Europäischen Kommission, die der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie zitiert, beziffert die Ersparnis einer kompletten Bereifung der Klasse A gegenüber der Klasse E auf bis zu 7,5 Prozent Kraftstoff (Quelle: dasreifenlabel.de, wdk). Wie das EU-Reifenlabel diese Werte ermittelt, ist dabei für alle Marken dasselbe Verfahren.

Bei der Nasshaftung fällt das Bild deutlich freundlicher aus, bleibt aber ebenfalls gedeckelt. Die Spitzenklasse A vergibt das Etikett bei Aplus kein einziges Mal; die Klasse B dagegen tragen 186 der 582 Ausführungen, also 32,0 Prozent. Der große Rest liegt bei C (375 Stück, 64,4 Prozent), an das untere Ende verirren sich nur 5 Ausführungen mit D und 16 mit E. Ein knappes Drittel im Bereich B ist für eine Marke dieser Preislage ein ordentlicher Wert — und er verteilt sich, wie gleich zu sehen sein wird, ganz und gar nicht gleichmäßig.

Das dritte Feld, das externe Rollgeräusch, liegt im Median bei 71 Dezibel und damit exakt dort, wo auch der Rest des Pkw-Regals liegt. Die Spanne reicht von 69 bis 79 dB, wobei die lauten Werte ausschließlich aus dem Geländesegment stammen: 15 Ausführungen erreichen 79 Dezibel, und alle 15 sind grobstollige Mud-Terrain- oder Rally-Terrain-Profile, bei denen das laute Abrollen zur Bauart gehört. Für den Alltag auf der Straße ist das Geräuschfeld bei Aplus also unauffällig.

Ein Wort zur Einordnung, bevor daraus ein Urteil wird: Ein D bei der Effizienz macht einen Reifen nicht unsicher, und ein B bei der Nasshaftung ist ein solider Wert, kein Notbehelf. Das Etikett misst drei eng umrissene Eigenschaften unter genormten Bedingungen — nicht die Wintereigenschaften, nicht die Laufleistung, nicht das Verhalten im Grenzbereich. Warum gerade bei Winterreifen die Klasse A praktisch nie auftaucht und das auch kein Mangel ist, haben wir in der Auswertung zur Nasshaftung bei Winterreifen ausführlich hergeleitet.

Zwei Winterprofile, keine einzige gemeinsame Größe

Jetzt zum eigentlichen Befund dieser Auswertung. Die 123 Aplus-Winterreifen stammen aus nur vier Profilen, und die Etikettwerte liegen zwischen diesen Profilen erstaunlich weit auseinander — während sie innerhalb eines Profils praktisch konstant sind.

  • A701 — 41 Ausführungen in 41 Größen von 13 bis 17 Zoll. Alle 41 tragen dasselbe Etikett: Effizienz D, Nasshaftung C. Keine Ausnahme, keine Streuung. Medianpreis 44,15 Euro.
  • A702 — 54 Ausführungen in 54 Größen von 15 bis 21 Zoll, durchgehend Effizienz C. Bei der Nasshaftung tragen 40 von 54 die Klasse B, die übrigen 14 ein C. Medianpreis 65,38 Euro.
  • A502 — ein Restposten mit 6 Ausführungen in 15 bis 17 Zoll, fünfmal C und einmal E bei der Nasshaftung.
  • A869 — das Transporterprofil mit C-Kennung, 22 Ausführungen von 14 bis 16 Zoll. Alle 22 tragen Nasshaftung B, allerdings bei Effizienz E.

Damit ist erklärt, woher die 62 Winterreifen mit Nasshaftung B kommen: Sie stecken fast vollständig im A702 und im A869. Und hier liegt der Punkt, der die Kaufentscheidung tatsächlich bestimmt: Zwischen A701 und A702 gibt es keine einzige gemeinsame Größe. Wir haben beide Größenlisten gegeneinander gehalten — die Schnittmenge ist null. Das eine Profil bedient die hochflankigen, schmalen Formate des Kleinwagen- und Kompaktsegments, das andere die breiteren und flacheren Dimensionen darüber; einzig das A502 überschneidet sich in 195/65 R15 mit dem A701.

Für Sie heißt das: Ob Sie bei Aplus ein D/C oder ein C/B bekommen, hängt nicht davon ab, welches Modell Sie aussuchen, sondern allein davon, welche Größe in Ihrem Fahrzeugschein steht. Wer 175/65 R14 oder 205/60 R16 fährt, bekommt den A701 — und damit zwangsläufig Effizienz D und Nasshaftung C. Wer 215/45 R16 oder 225/50 R17 fährt, bekommt den A702 und in den meisten Fällen die bessere Nasshaftung. Ein Vergleich der beiden Profile, wie man ihn bei anderen Marken anstellt, ist bei Aplus schlicht gegenstandslos. Die Fahrzeugpapiere haben die Wahl bereits getroffen.

Was Aplus kostet — und wo die Marke wirklich die günstigste ist

Über das gesamte Programm liegt der Medianpreis bei 59,00 Euro je Reifen. Eine Vorbemerkung zur Methode: Eine Ausführung — ein A909 Allseason in 185/65 R14 — war am Erhebungstag mit 140,20 Euro ausgezeichnet, während der Median dieser Größe bei 39,67 Euro liegt. Solche Ausreißer verzerren jeden Mittelwert, weshalb wir alles über dem Dreifachen des Größenmedians konsequent aussortieren; gerechnet wurde also mit 581 Ausführungen.

Nach Jahreszeit getrennt ergibt sich ein Bild, das dem Gesamtmarkt widerspricht: Sommer 60,30 Euro, Ganzjahres 58,05 Euro, Winter 55,89 Euro. Der Aplus-Winterreifen ist im Median also der günstigste Teil des Programms — während Winterreifen über das ganze Regal gerechnet rund 14 Prozent mehr kosten als Sommerreifen, wie unsere Auswertung zum Preisaufschlag bei Winterreifen gezeigt hat. Der Grund ist kein Rabatt, sondern die Größenverteilung: Das Winterprogramm liegt schwerpunktmäßig in kleinen Zollgrößen, das Sommerprogramm reicht bis 22 Zoll.

Interessanter als der Markenmedian ist die Frage, ob Aplus in Ihrer Größe tatsächlich der günstigste Winterreifen ist. Wir haben das in den zwölf meistgefragten Pkw-Dimensionen geprüft und uns jeweils die dreißig billigsten lieferbaren Winterreifen der Größe angesehen. Das Ergebnis fällt gemischt aus:

  • In fünf der zwölf Größen stellt Aplus den günstigsten Winterreifen überhaupt — in 175/65 R14 (36,50 Euro), 195/65 R15 (43,49 Euro), 205/60 R16 (46,85 Euro), 215/65 R16 (51,50 Euro) und 225/50 R17 (52,69 Euro).
  • In zwei weiteren Größen liegt die Marke auf Rang zwei, in 195/55 R16 und 225/45 R17, jeweils mit wenigen Euro Abstand.
  • In drei Größen taucht Aplus unter den dreißig billigsten gar nicht auf: in 205/55 R16, 185/65 R15 und 165/70 R14.

An der Spitze der Preisliste stehen in diesen Fällen andere Budgetnamen — Aptany, Superia und Tourador unterbieten Aplus in mehreren gängigen Größen. Die verbreitete Annahme, eine bestimmte Billigmarke sei „die günstige", hält der Auszählung also nicht stand: Der Preisführer wechselt von Größe zu Größe. Wer sparen will, vergleicht deshalb nicht Marken, sondern die nach Preis sortierte Liste seiner eigenen Dimension — etwa in der Übersicht der Winterreifen für Pkw.

Drei konkrete Beispiele aus der Erhebung, alle Preise vom 30. September 2026 und je Reifen:

Transporter, Ganzjahr und Gelände: der Rest des Programms

Jenseits des Pkw-Regals führt Aplus drei kleinere Sortimente, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Am geschlossensten wirkt das Transporterprogramm: 59 Ausführungen, alle mit C-Kennung in der Größenangabe, verteilt auf genau drei Profile — den Sommerreifen A867, den bereits erwähnten Winterreifen A869 und den Ganzjahresreifen ASV909 Allseason mit 21 Ausführungen, der als einziges C-Profil ein C bei der Effizienz und ein B bei der Nasshaftung kombiniert. Für Kastenwagen deckt die Marke damit alle drei Jahreszeiten ab, wenn auch je Saison nur mit einem einzigen Profil.

Das Ganzjahresprogramm für Pkw zerfällt dagegen in zwei sehr ungleiche Hälften. Der A909 Allseason stellt mit 44 Ausführungen die größere, liegt beim Rollwiderstand aber überwiegend in der Klasse E; der AS909 Allseason kommt auf 28 Ausführungen und durchgehend Effizienz C, dafür häufiger mit D bei der Nasshaftung. Zwei Namen, die sich nur um einen Buchstaben unterscheiden, stehen hier also für zwei verschieden aufgebaute Reifen — beim Bestellen lohnt der zweite Blick auf die Profilbezeichnung.

Beim Geländesegment ist eine Einschränkung wichtig, die im Regal leicht übersehen wird. Aplus führt 50 Offroad-Ausführungen — All-Terrain-Profile wie den A929 A/T, dazu die grobstolligen SHREDDER RT und A929 M/T —, aber keinen einzigen Offroad-Winterreifen. Sämtliche Geländeprofile der Marke sind Sommerreifen. Dass ein Profil „A/T" heißt und nach Winter aussieht, macht es nicht wintertauglich: Rechtlich zählt für die situative Winterreifenpflicht allein das Alpine-Symbol, das Bergpiktogramm mit der Schneeflocke, und ein All-Terrain-Reifen trägt es keineswegs automatisch. Was dabei gilt, steht in unserem Ratgeber zur Winterreifenpflicht in Deutschland.

Was die Daten nicht hergeben — und worauf Sie selbst achten müssen

So vollständig die Regalauswertung ist, drei Fragen kann sie nicht beantworten, und es wäre unredlich, das zu verschweigen.

Erstens die Testlage. In den Tests der großen Prüforganisationen — ADAC, Stiftung Warentest, GTÜ — und in den Reihenuntersuchungen der Auto-Fachpresse taucht kein Aplus-Profil auf. Über Bremswege, Laufleistung und Verhalten auf Schnee liegt damit kein unabhängig ermittelter Wert vor. Das ist kein Sonderfall dieser Marke, sondern der Normalfall im Reifenregal: Wie schmal die Testabdeckung insgesamt ist, zeigt unsere Auszählung Neun von zehn Reifen ohne Test. Es heißt nur, dass Sie sich bei Aplus ausschließlich auf die Etikettwerte und die Fahrzeugfreigabe stützen können.

Zweitens die Herkunft. Wer den Reifen baut, lässt sich von außen nicht feststellen. Im europäischen Produktregister EPREL ist Aplus bei der Dutch Bridge International B.V. eingetragen — einer Handelsgesellschaft, nicht einem Reifenwerk. Bei 20 von 28 untersuchten Billigmarken führt das Register direkt zu einem produzierenden Hersteller, bei Aplus endet die Spur beim Importeur. Das ist völlig legal und kein Qualitätsurteil, aber eine Information weniger, wie unsere Auswertung Wer steckt hinter der Billigmarke? im Detail zeigt.

Drittens das Alpine-Symbol im Einzelfall. Die Kennzeichnung auf der Flanke ist nicht Teil der Etikettdaten. Prüfen Sie sie deshalb vor dem Kauf in der Artikelbeschreibung und nach der Lieferung am Reifen selbst — bei jedem Winter- und jedem Ganzjahresreifen, unabhängig von der Marke. Warum diese Prüfung auch bei Allwetterware nicht überflüssig ist, zeigt unser Registerabgleich zum Alpine-Symbol.

Fazit: Für wen sich der Aplus rechnet

Aplus ist ein konsequent kalkuliertes Budgetprogramm ohne Anspruch auf Spitzenwerte: Beim Rollwiderstand ist bei C Schluss, bei der Nasshaftung bei B, und ein unabhängiges Testurteil gibt es nicht. Was die Marke liefert, ist Auswahl zum niedrigen Preis — 241 Größen von 12 bis 22 Zoll, in fünf der zwölf gefragtesten Dimensionen der günstigste Winterreifen des ganzen Regals.

Die praktische Regel, die aus der Auswertung folgt, ist schmal, aber belastbar: Schlagen Sie vor dem Kauf nach, welches Profil in Ihrer Größe überhaupt angeboten wird. Bekommen Sie den A702 oder den A869, erhalten Sie zum Budgetpreis ein B bei der Nasshaftung — das ist ein guter Kauf. Bekommen Sie den A701, ist es ein D/C-Reifen, und dann lohnt der Preisvergleich mit den Nachbarangeboten der Größe besonders, weil dort häufig für wenige Euro mehr ein besseres Etikett steht. Wer sich grundsätzlich fragt, wie die vielen Namen im unteren Preisbereich zusammenhängen, findet die Übersicht in Reifenmarken: Wer gehört zu wem?.

Und unabhängig von Marke und Preis gilt für diese Wochen: Entscheidend ist nicht, wann der Kalender den Wechsel nahelegt, sondern wann die Temperaturen dauerhaft fallen.

Häufige Fragen

Sind Aplus-Reifen sicher?

Sie erfüllen dieselben gesetzlichen Anforderungen und werden nach denselben genormten Verfahren geprüft wie jede andere in der EU verkaufte Marke. Ihre gemessenen Etikettwerte liegen allerdings nie in der Spitzengruppe — bei der Effizienz nie über C, bei der Nasshaftung nie über B.

Welcher Aplus-Winterreifen passt auf mein Auto?

Das entscheidet Ihre Reifengröße, nicht Ihre Vorliebe: Der A701 deckt 41 Größen von 13 bis 17 Zoll ab, der A702 54 Größen von 15 bis 21 Zoll — und die beiden Listen überschneiden sich in keiner einzigen Dimension.

Warum kostet der Aplus-Winterreifen weniger als der Sommerreifen?

Weil das Winterprogramm der Marke schwerpunktmäßig in kleinen Zollgrößen liegt, während das Sommerprogramm bis 22 Zoll reicht. Der Preisunterschied spiegelt also die Größenverteilung, nicht einen Saisonrabatt.

Schlagwörter: Aplus Budgetreifen EU-Reifenlabel Winterreifen Kaufberatung

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