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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Imperial AS Driver: Warum das gute EU-Label den langen Nassbremsweg nicht verrät

· 11 Min. Lesezeit
Ganzjahresreifen eines Kompaktwagens auf nasser Fahrbahn, Wasser spritzt seitlich vom Profil weg (Symbolbild, KI-generiert mit OpenAI)
Ganzjahresreifen eines Kompaktwagens auf nasser Fahrbahn, Wasser spritzt seitlich vom Profil weg (Symbolbild, KI-generiert mit OpenAI)

Wer im Shop die Ganzjahresreifen nach Preis sortiert, landet fast zwangsläufig bei ihm: dem Imperial AS Driver. Die günstigste Größe kostet bei uns aktuell 32,97 Euro pro Reifen, der Median über alle 148 lieferbaren Artikel liegt bei 59,06 Euro (Stand: 17. Juli 2026). Und auf dem EU-Reifenlabel steht bei 133 dieser 148 Artikel ein B für die Nasshaftung — die zweitbeste von fünf Klassen. Das klingt nach einem ausgesprochen guten Geschäft.

AUTO BILD hat den Reifen zweimal getestet, 2021 und 2023. Beide Male drehte sich die Kritik um dieselbe Eigenschaft, und beide Male fiel er genau dort durch: bei Nässe. Dieser Beitrag zeigt, was der AS Driver wirklich kann, warum das gute Label und die schlechten Nasswerte trotzdem kein Widerspruch sind — und für wen der Reifen eine vernünftige Wahl bleibt.

Was der AS Driver ist — und was er kostet

Imperial ist trotz der Fertigung in Asien keine chinesische Marke: Hinter dem Namen steht der belgische Reifengroßhändler Deldo, der die Marke als eigene Budgetlinie führt. Wie die Marke insgesamt einzuordnen ist, haben wir im Porträt der belgischen Budgetmarke Imperial beschrieben. AUTO BILD nannte den Testkandidaten 2021 nüchtern „einen Imperial-Pneu aus China" — die Herkunft ist also kein Geheimnis, sondern Teil des Geschäftsmodells: Entwicklung und Vertrieb in Europa, Produktion dort, wo es günstig ist.

Der offizielle Modellname lautet All Season Driver. Im Handel — und auch in unseren Artikeldaten — läuft er fast überall verkürzt als AS Driver. Wer nach Tests sucht, sollte beide Schreibweisen probieren, sonst findet er die Hälfte nicht.

Bemerkenswert ist die Breite der Baureihe. Unser Bestand umfasst 148 Artikel in 129 verschiedenen Größen von 12 bis 21 Zoll, und zwar aktuell komplett lieferbar. Das deckt vom Kleinstwagen bis zum Kompakt-SUV praktisch alles ab. Die Preise steigen dabei sauber mit dem Felgendurchmesser — Median je Zollklasse, Stand 17. Juli 2026:

  • 13 Zoll: 38,60 € (11 Artikel)
  • 14 Zoll: 40,42 € (15 Artikel)
  • 15 Zoll: 44,36 € (16 Artikel)
  • 16 Zoll: 51,99 € (24 Artikel)
  • 17 Zoll: 58,80 € (25 Artikel)
  • 18 Zoll: 68,82 € (22 Artikel)
  • 19 Zoll: 82,60 € (20 Artikel)
  • 20 Zoll: 90,05 € (12 Artikel)

Der teuerste Artikel der ganzen Reihe kostet 106,10 Euro (255/30 R19) — ein Preis, bei dem viele Premiumhersteller erst anfangen. Ausreißer nach oben gibt es in der Baureihe keine. Alle Größen im Überblick finden Sie im Modellüberblick zum AS Driver.

Zweimal AUTO BILD, zweimal dasselbe Muster

Anders als bei vielen Budgetreifen muss man beim AS Driver nicht raten: Er ist mehrfach unabhängig getestet worden — und zwar von einem Magazin, das seine Messwerte offenlegt.

2021, Größe 215/65 R17, zehn Ganzjahresreifen für mittlere SUV: Der Imperial belegte den letzten Platz und bekam das Urteil „nicht empfehlenswert". In den Einzelnoten stand eine 4 bei Nässe, jeweils ein 3+ auf Trocken und Schnee. Mit rund 295 Euro pro Satz war er zugleich der mit Abstand günstigste Reifen im Feld — der Testsieger von Hankook kostete rund 415 Euro, der Michelin rund 580 Euro. Als Schwächen notierte die Redaktion „eingeschränkter Grip auf nasser Piste, schwammiges Lenkansprechen" und, deutlicher als alles andere, „gefährlich verlängerte Nassbremswege".

2023, Größe 235/65 R17, wieder zehn Reifen: Diesmal reichte es für Platz 9 mit der Note 4,2 „ausreichend"; nur ein Kenda schnitt schlechter ab. Testsieger wurde der Bridgestone Turanza All Season 6 mit 1,6, dicht gefolgt vom Michelin CrossClimate 2 SUV. Die Pro-Punkte des Imperial: „leises Vorbeifahrgeräusch" und „niedriger Preis". Die Kontra-Punkte: „deutlich verlängerte Nassbremswege" und „geringe Aquaplaningreserven".

Zwei Tests, zwei Jahre, zwei verschiedene Größen — und exakt dasselbe Muster. Das Reifenportal Tyre Reviews führt in seiner Übersicht zum All Season Driver insgesamt fünf Magazintests (AUTO BILD 2021, 2023 und 2025, Auto Express 2024, Motor 2024) mit Platzierungen zwischen 7 und 23 auf; auch die dort hinterlegten Nutzerbewertungen loben Preis und Trockengrip und bemängeln die Nässe. Ein Ausrutscher ist das Ergebnis also nicht.

Der Nassbremsweg: 54,8 statt 43,9 Meter

Warum die Kritik so scharf ausfällt, zeigt erst der Messwert. Im Test von 2023 brauchte der Imperial aus Tempo 100 54,8 Meter bis zum Stillstand auf nasser Fahrbahn — der längste Wert im Feld. Der Testsieger stand nach 43,9 Metern. Das sind rund elf Meter Unterschied, etwa zweieinhalb Pkw-Längen: Dort, wo der Bridgestone steht, ist der Imperial noch mit erheblicher Restgeschwindigkeit unterwegs. Genau das ist die Situation, in der aus einem Beinaheunfall ein Auffahrunfall wird.

Die übrigen Nasswerte passen ins Bild und erklären, warum es nicht beim Bremsen bleibt. Beim Längsaquaplaning schwamm der Imperial mit 78,2 km/h als Erster auf — der beste Reifen im Feld hielt bis 89,2 km/h Bodenkontakt. Auf der nassen Kreisbahn war er mit 16,89 Sekunden der langsamste, im Nasshandling mit 78,8 km/h der zweitlangsamste. Der Reifen verliert bei Nässe also nicht nur Bremsweg, sondern auch Seitenführung — und zwar früher als die Konkurrenz.

Fairerweise gehört dazu: Auf trockener Straße bremste der Imperial 2023 aus Tempo 100 nach 42,5 Metern und lag damit im Mittelfeld — der Uniroyal auf Platz 8 brauchte mit 46,2 Metern deutlich länger. Das Problem des AS Driver ist eng umrissen. Es heißt Wasser.

Was er wirklich gut kann

Ein Totalausfall ist der Reifen nämlich nicht, und das unterschlagen viele Verrisse. Auf Schnee bremste er 2023 aus Tempo 50 nach 25,3 Metern — ein glattes Mittelfeldergebnis, besser als der Vredestein (26,1 m), der Kenda (26,7 m) und der Falken (27,3 m), die alle deutlich mehr kosten. Schon 2021 hatte AUTO BILD ihm ausdrücklich „kurze Schneebremswege" als Stärke attestiert. Für einen Reifen dieser Preisklasse ist das bemerkenswert.

Zweiter echter Pluspunkt: die Geräuschentwicklung. Mit 68,8 dB(A) bei 60 km/h und 72,4 dB(A) bei 80 km/h war er 2023 der zweitleiseste Reifen im gesamten Testfeld — leiser als der Testsieger. Wer den AS Driver fährt, hört ihn kaum; das deckt sich mit den 71 dB, die bei 132 unserer 148 Artikel auf dem Label stehen.

Und drittens, ganz unromantisch: der Preis. Ein Satz in 15 Zoll kostet um die 180 Euro. Das ist für viele Fahrzeuge weniger, als ein einzelner Premiumreifen kostet. Wer generell wissen möchte, wie sich unbekanntere Marken einordnen lassen, findet die Kriterien in unserem Ratgeber zu Billigreifen und unbekannten Marken.

Gutes Label, langer Bremsweg — wie passt das zusammen?

Jetzt der interessante Teil, und der Grund, warum dieser Reifen ein Lehrstück ist. Auf dem EU-Reifenlabel trägt der AS Driver bei 133 von 148 Artikeln die Nasshaftungsklasse B — die zweitbeste Klasse überhaupt. Die beiden von AUTO BILD getesteten Exemplare sind dabei keine Ausnahme: Sowohl der Imperial AS Driver in 215/65 R17 99V (65,90 €) als auch der Imperial AS Driver in 235/65 R17 108W (67,10 €) führen bei uns das Label C/B/71. Tyre Reviews nennt für das Modell exakt dieselben häufigsten Werte — die Angabe ist also unabhängig bestätigt.

Ein Reifen mit der zweitbesten Nassnote des Labels hat im Test den längsten Nassbremsweg des Feldes. Das ist kein Datenfehler, sondern zeigt genau, was das Label ist und was nicht. Die Nasshaftungsklasse beruht auf einer einzigen, streng genormten Messung: Geradeausbremsung auf einer definierten nassen Asphaltfläche, aus vergleichsweise niedrigem Tempo, unter Laborbedingungen. Sie ist außerdem eine Herstellerangabe, und die Klassen sind grob — zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen innerhalb der Klasse B liegen Welten.

Was das Label nicht misst: Aquaplaningreserven, Seitenführung in der nassen Kurve, Lenkpräzision, Verhalten bei hohem Tempo, Handling. Genau das sind aber die Punkte, an denen der AS Driver reihenweise verliert. Warum ein gutes Label deshalb nie einen Test ersetzt, haben wir grundsätzlich unter EU-Reifenlabel oder Reifentest erklärt; wie die drei Kennwerte zu lesen sind, steht im Ratgeber EU-Reifenlabel lesen, und wie unabhängige Tester tatsächlich vorgehen, zeigt Wie wird ein Reifen getestet. Der AS Driver ist das seltene Beispiel, an dem sich diese Lücke mit harten Zahlen belegen lässt.

Ein Modellname, drei Nasshaftungsklassen

Dazu kommt eine zweite Feinheit, die kaum jemand auf dem Schirm hat: „Der AS Driver" existiert gar nicht als eine einheitliche Leistung. Über die 148 Artikel verteilen sich acht verschiedene Label-Kombinationen — und bei der Nasshaftung gleich drei Klassen: 133 Artikel mit B, 11 mit C und 4 Artikel mit der Klasse E, der schlechtesten der Skala (225/55 R17 sowie 245/35 R20, 245/40 R20 und 255/40 R20). Diese vier tragen zugleich 79 dB Rollgeräusch statt der sonst üblichen 71 — hörbar mehr.

Auch bei der Kraftstoffeffizienz ist die Streuung groß: 92 Artikel in Klasse C, 9 in D, aber 47 in Klasse E, also fast ein Drittel. Die schlechten Effizienzwerte häufen sich dabei in den kleinen Zollgrößen von 13 bis 15 Zoll. Was das an der Zapfsäule bedeutet, rechnet unser Ratgeber zum Rollwiderstand und Spritsparen vor.

Praktisch heißt das: Beim AS Driver lohnt der Blick auf das Label der konkreten Größe mehr als bei fast jedem anderen Reifen. Der Modellname sagt hier wenig.

Für wen er passt — und für wen nicht

Ehrliche Antwort: Es gibt Fälle, in denen der AS Driver eine vernünftige Entscheidung ist. Ein Zweit- oder Stadtwagen mit 5.000 Kilometern im Jahr, kleine Felgen, kein Autobahnpendeln, knappes Budget — hier steht dem niedrigen Preis ein Risiko gegenüber, das der Fahrprofil-Realität entspricht. Wer ohnehin selten schnell und selten weit fährt, bremst auch selten aus 100 km/h auf nasser Autobahn. Ob sich ein Ganzjahresreifen für Ihr Fahrprofil überhaupt lohnt, klärt der Ratgeber Ganzjahresreifen: für wen sie sich lohnen.

Klar abraten würden wir bei schweren SUV, bei Vielfahrern, bei Autobahnprofilen und überall dort, wo im Herbst und Winter viel Regen zusammenkommt. Der Aufpreis ist konkret bezifferbar. In der 2021er Testgröße 215/65 R17 kostet der Imperial 65,90 Euro; der Goodyear Vector 4Seasons SUV Gen-3 in 215/65 R17 99V — im selben Test Platz 3 mit dem Urteil „gut" — kostet 122,70 Euro. Das sind rund 57 Euro mehr je Reifen, gut 227 Euro auf den Satz.

Günstiger wird der Abstand in der 2023er Testgröße 235/65 R17: Dort stehen 67,10 Euro für den Imperial gegen 105,00 Euro für den Hankook Kinergy 4S 2 X in 235/65 R17 108V, der im Test mit der Note 1,7 auf Platz 3 landete — knapp 38 Euro je Reifen, rund 152 Euro pro Satz. Auf sechs Jahre Nutzungsdauer gerechnet sind das etwa 25 Euro im Jahr für einen um elf Meter kürzeren Nassbremsweg. Mehr zu den beiden Alternativen lesen Sie in unseren Beiträgen zum Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 und zum Bridgestone Turanza All Season 6, dem Testsieger von 2023. Ob am Ende Ganzjahresreifen oder zwei Sätze die klügere Rechnung sind, zeigt der Vergleich Ganzjahresreifen oder zwei Sätze. Das gesamte Angebot finden Sie in der Kategorie Ganzjahresreifen für PKW, die Testgröße direkt unter 215/65 R17.

Häufige Fragen

Ist der Imperial AS Driver wintertauglich?

Er wird als Ganzjahresreifen geführt, und Tyre Reviews listet ihn als wintertauglich; die Schneebremswerte aus dem AUTO-BILD-Test von 2023 stützen das. Verbindlich ist aber allein die Kennzeichnung auf der Flanke: Seit dem 1. Oktober 2024 erfüllt in Deutschland nur noch das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, 3PMSF) die situative Winterreifenpflicht — die alte M+S-Kennung allein reicht nicht mehr. Unsere Artikeldaten weisen den AS Driver als Ganzjahresreifen mit M+S-Kennzeichnung aus, ohne das Alpine-Symbol eigens auszuweisen. Prüfen Sie es deshalb für Ihre konkrete Größe nach, bevor Sie sich darauf verlassen. Die Details zur Rechtslage stehen in unserem Ratgeber zur Winterreifenpflicht in Deutschland, und wo die Symbole auf der Flanke zu finden sind, zeigt Symbole auf der Reifenflanke.

Warum ist der AS Driver so viel günstiger als ein Markenreifen?

Weil ein großer Teil dessen, was einen Premiumreifen teuer macht, hier schlicht nicht drinsteckt: Entwicklungsaufwand, teure Mischungen, jahrelange Abstimmung auf Grenzbereiche. Das merkt man nicht im Alltag bei Tempo 50 — sondern genau dann, wenn es einmal darauf ankommt. Der Preisunterschied ist insofern kein Kundenbetrug, sondern eine ehrliche Ansage: Sie kaufen weniger Reserve.

Lohnt sich der Aufpreis zum Testsieger?

Rechnerisch reden wir je nach Größe über etwa 150 bis 230 Euro Aufpreis für den kompletten Satz, verteilt auf mehrere Jahre. Dafür bekommen Sie einen Reifen, der bei Nässe rund elf Meter früher steht und deutlich später aufschwimmt. Wer viel fährt, viel Autobahn fährt oder ein schweres Auto bewegt, sollte das Geld investieren. Wer wenig fährt und knapp kalkulieren muss, trifft mit dem AS Driver keine unvertretbare, aber eine bewusste Entscheidung — und sollte sie in Kenntnis der Zahlen treffen, nicht wegen eines B auf dem Label.

Quellen: AUTO BILD, Ganzjahresreifen-Test 215/65 R17 (2021) und 235/65 R17 (2023); Tyre Reviews, Imperial All Season Driver. Preise, Größen und Label-Angaben aus unserem eigenen Sortiment, Stand 17. Juli 2026 — sie können sich jederzeit ändern.

Schlagwörter: Imperial AS Driver Ganzjahresreifen EU-Reifenlabel Reifentest Budgetreifen

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