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Tests & Auszeichnungen – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen-Test: Der Sieger gewinnt nur zwei von sechzehn Disziplinen

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 19.10.2026
Ganzjahresreifen auf nasser Herbststraße, Wasser spritzt vom Profil weg (KI-generiert, OpenAI)
Ganzjahresreifen auf nasser Herbststraße, Wasser spritzt vom Profil weg (KI-generiert, OpenAI)

Wer in diesen Wochen einen Ganzjahresreifen aussucht, sucht meistens nach einer Rangliste. Der britische Prüfer Tyre Reviews hat am 25. September 2026 eine veröffentlicht: zehn Allwetterreifen in der Größe 225/40 R18, gefahren auf einem VW Golf GTI Clubsport, gemessen in sechzehn Einzeldisziplinen. Das Ergebnis ist eindeutig – und zugleich eine Mahnung, Ranglisten nicht für die ganze Geschichte zu halten. Denn der Gesamtsieger dieses Tests gewinnt nur zwei der sechzehn Einzelwertungen. Und der Reifen mit den meisten Einzelsiegen landet auf Platz acht. Wir haben die frei zugänglichen Messwerte des Tests durchgesehen und anschließend im eigenen Regal nachgeschaut, was die getesteten Modelle in genau dieser Größe kosten.

Zehn Allwetterreifen, ein Golf GTI und sechzehn Messreihen

Gefahren hat den Vergleich Tester Jonathan Benson. Die Schneemessungen entstanden auf der Wintererprobungsanlage in Ivalo in Finnland, der Trocken-, Nass- und Straßenteil auf dem Gelände im südfranzösischen Mireval. Gemessen wurde in sechzehn Disziplinen: Trockenbremsen, Trockenhandling objektiv und subjektiv, Nassbremsen, Nasshandling objektiv und subjektiv, Nasskreis, Längs- und Queraquaplaning, Schneebremsen, Schneetraktion, Schneehandling objektiv und subjektiv, Komfort, Außengeräusch und Rollwiderstand. Die Verfahren lehnen sich an etablierte Normen an – der Nasskreis an ISO 4138, die Geräuschmessung an die UN-Regelung 117, der Rollwiderstand an ISO 28580. Zwischen den Kandidatensätzen fuhr der Tester laufend Referenzreifen nach, um wechselnde Bedingungen herauszurechnen.

Das Feld deckt die Gattung breit ab. Neu dabei waren der Goodyear Vector All Season 4 und der Michelin CrossClimate 3 Sport. Dazu kamen der reguläre Michelin CrossClimate 3, der Bridgestone Turanza All Season 6, der Continental AllSeasonContact 2, der Pirelli Cinturato All Season SF3, der Vredestein Quatrac, der Nokian Seasonproof 2, der schon länger am Markt befindliche Hankook Kinergy 4S2 sowie als Preiskandidat der Royal Black Royal AS II.

Die Endreihenfolge des Tests: Platz eins Goodyear Vector All Season 4, Platz zwei Michelin CrossClimate 3 Sport, Platz drei Pirelli Cinturato All Season SF3, Platz vier Vredestein Quatrac, Platz fünf Bridgestone Turanza All Season 6, Platz sechs Continental AllSeasonContact 2, Platz sieben Hankook Kinergy 4S2, Platz acht Michelin CrossClimate 3, Platz neun Nokian Seasonproof 2 und Platz zehn Royal Black Royal AS II. Alle Einzelergebnisse stehen frei einsehbar im veröffentlichten Testbericht von Tyre Reviews; die deutschsprachige Fachpresse hat den Test in einer Meldung der Neuen Reifenzeitung aufgegriffen.

Sieben Reifen gewinnen sechzehn Disziplinen – der Gesamtsieger stellt zwei davon

Zählt man die Einzelsiege aus, verteilen sich die sechzehn Disziplinen auf sieben verschiedene Reifen. Der reguläre Michelin CrossClimate 3 holt vier, der CrossClimate 3 Sport und der Pirelli je drei, der Goodyear und der Vredestein je zwei, der Continental und der Nokian je einen. Der Gesamtsieger stellt also gerade einmal zwei von sechzehn Bestwerten: das subjektive Nasshandling mit 8,9 von 10 Punkten und den Nasskreis mit 13,87 Sekunden.

Der Grund für seinen Sieg steht nicht in der Liste der Bestwerte, sondern in der Liste dessen, was fehlt: eine Schwäche. Der Goodyear war Vierter beim Trockenbremsen mit 36,9 Metern, Dritter im Trockenhandling mit 93,35 Sekunden, Zweiter beim Nassbremsen mit 31,94 Metern, Zweiter im Nasshandling mit 67,19 Sekunden, Zweiter beim Queraquaplaning, Vierter beim Schneebremsen mit 27,16 Metern, Zweiter in der Schneetraktion mit 3,96 Sekunden, Zweiter im Schneehandling mit 65,63 Sekunden, Zweitleisester mit 70,69 Dezibel und Dritter beim Rollwiderstand mit 7,83 Kilogramm je Tonne. Sein schlechtester Einzelrang im gesamten Test ist ein siebter Platz beim Längsaquaplaning.

Das ist die eigentliche Lehre dieses Vergleichs, und sie gilt weit über dieses Testfeld hinaus: Bei Ganzjahresreifen entscheidet nicht, wie hoch die Spitze ist, sondern wie tief das Tal. Ein Reifen, der eine Disziplin gewinnt und in einer anderen abstürzt, ist im Alltag schlechter aufgehoben als einer, der überall unter den ersten vier landet. Wer eine Rangliste liest, sollte deshalb nicht auf die Bestwerte schauen, sondern auf den schlechtesten Einzelwert jedes Kandidaten. Genau dieser Blick dreht das Feld in diesem Test an mehreren Stellen um.

Der beste Schneereifen des Feldes wird Achter

Am deutlichsten zeigt sich das beim regulären Michelin CrossClimate 3. Er gewinnt alle vier Schneewertungen und zwar nicht knapp: 26,49 Meter beim Schneebremsen aus 50 km/h, 3,90 Sekunden in der Schneetraktion, 65,11 Sekunden im Schneehandling und 9,1 von 10 Punkten in der subjektiven Schneebewertung. Der Tester beschreibt seinen Längsgrip als nahe an dem eines echten Winterreifens. Trotzdem steht er am Ende auf Platz acht von zehn.

Bezahlt hat er das bei Nässe. Beim Nassbremsen brauchte er 34,31 Meter und war damit Neunter, im Nasshandling lag er mit 70,73 Sekunden ebenfalls auf Rang neun, im Nasskreis erneut. Im Trockenen beschreibt Benson ihn als sicher, aber untersteuernd und ohne Biss an der Vorderachse. Auffällig ist dabei das Größenverhältnis der Abstände: Im Schnee lag das gesamte Premiumfeld beim Bremsen innerhalb von 1,73 Metern, bei Nässe trennten den Ersten vom Neunten schon 2,49 Meter – und vom Letzten fast zwölf. Schnee trennt die Kandidaten also weniger, als viele Käufer vermuten, Nässe deutlich mehr.

Für die Kaufentscheidung heißt das nicht, dass der CrossClimate 3 ein schlechter Reifen wäre – sondern dass er ein Spezialist ist. Wer in einer Region wohnt, in der jeden Winter mehrfach wirklich Schnee liegt, und trotzdem keinen zweiten Radsatz fahren will, bekommt hier das mit Abstand stärkste Schneepaket des Feldes. Wer dagegen überwiegend nasse, kalte Straßen ohne Schneedecke vor sich hat, kauft sich einen Vorteil, den er selten nutzt, und einen Nachteil, den er ständig hat. Was den Reifen sonst ausmacht, haben wir im Modellporträt zum Michelin CrossClimate 3 aufgeschrieben.

Nässe entscheidet – und dort liegen fast zwölf Meter zwischen Erstem und Letztem

Die Spitze beim Nassbremsen aus 80 km/h liegt eng beieinander. Der CrossClimate 3 Sport stand nach 31,82 Metern, der Goodyear nach 31,94, Vredestein und Nokian teilten sich mit 32,36 Metern den dritten Platz, der Hankook folgte mit 32,84 und der Bridgestone mit 32,92 Metern. Sechs Reifen innerhalb von 1,1 Metern – zwischen diesen Kandidaten entscheidet der Nassbremsweg die Kaufentscheidung praktisch nicht.

Dann kommt der Royal Black Royal AS II. Er stand erst nach 43,79 Metern, also knapp zwölf Meter und rund 38 Prozent später als der Beste. Das ist kein kleiner Preisabschlag, das ist der Unterschied zwischen Stehen und Aufprall. Der Reifen war zusätzlich Letzter im Nasshandling mit 74,57 Sekunden, Letzter im Nasskreis, Letzter in beiden Aquaplaning-Disziplinen und Letzter in der subjektiven Nassbewertung. Bemerkenswert ist dabei, dass derselbe Reifen beim Schneebremsen mit 27,26 Metern auf einem ordentlichen fünften Platz landete und auch beim Rollwiderstand Zweiter war. Genau das ist die Falle: Ein einzelner guter Messwert eines günstigen Reifens sagt nichts darüber, wie er sich in der Disziplin verhält, die im deutschen Herbst und Winter am häufigsten gebraucht wird.

Den umgekehrten Fall liefert der Nokian Seasonproof 2, den der Tester ausdrücklich als widersprüchlichsten Reifen des Feldes bezeichnet. Er fuhr das schnellste Nasshandling überhaupt und lag beim Nassbremsen auf dem geteilten dritten Platz, seine Nasshaftung ist also echt. Im Trockenhandling war er mit 96,11 Sekunden dennoch Letzter, in der Schneetraktion mit 4,46 Sekunden ebenfalls, und subjektiv vergab Benson im Trockenen nur 6,6 von 10 Punkten – er beschreibt ein spät ansprechendes Lenkverhalten und ein nachfederndes Heck beim Spurwechsel, das ihm auch auf der Landstraße auffiel. Der Tester weist selbst darauf hin, dass dieses Verhalten größen- und fahrzeugspezifisch sein kann.

Tipp: Wenn Sie zwei Testergebnisse vergleichen, schauen Sie zuerst auf die schlechteste Einzelwertung jedes Reifens. Der niedrigste Wert sagt im Alltag mehr über das Sicherheitsniveau aus als der höchste. Eine Auswahl über alle Marken hinweg finden Sie in 225/40 R18.

Was davon auf dem EU-Label steht – und was das Regal dazu sagt

Das EU-Reifenlabel wäre der naheliegende Abkürzungsweg zu dieser Rangliste. Es funktioniert aber nur zur Hälfte. Wir haben die Etiketten der getesteten Modelle in unserem eigenen Sortiment nachgeschlagen, jeweils für die günstigste lieferbare Ausführung in 225/40 R18, Stand 25. September 2026. Die Nasshaftungsklasse A tragen dort drei Reifen: der CrossClimate 3 Sport als Testzweiter, der Pirelli Cinturato All Season SF 3 als Testdritter – und der Nokian Seasonproof 2 als Testneunter. Die Klasse B tragen sechs Reifen, und die belegen die Plätze eins sowie vier bis acht.

Das Etikett hat damit nicht gelogen. Es misst ausschließlich den Nassbremsweg, und genau dort war der Nokian tatsächlich unter den besten drei. Es misst nur nichts anderes: kein Handling, keinen Schnee, keinen Komfort, keine Rückmeldung an der Lenkung. Ein A steht also für eine einzelne, sehr gut belegte Eigenschaft – nicht für einen guten Reifen. Wie die drei Klassen zustande kommen, erklären wir auf unserer Seite zum EU-Reifenlabel; den Sonderfall eines guten Etiketts bei langem Bremsweg haben wir im Beitrag Imperial AS Driver an einem Einzelmodell durchgerechnet.

Ähnlich sieht es bei der Kraftstoffeffizienz aus. Der Vredestein Quatrac trägt in dieser Größe als einziger Kandidat ein D. In Bensons Rollwiderstandsmessung kam er dennoch auf 8,87 Kilogramm je Tonne und lag damit vor dem Bridgestone mit 8,99 und dem Hankook mit 9,11 – beide mit einem C auf dem Etikett. Klassengrenzen sind eben Bänder, und ein Reifen am oberen Rand des D kann besser rollen als einer am unteren Rand des C.

Die Preisleiter im Regal läuft der Rangliste ebenfalls entgegen. Neun der zehn getesteten Modelle führen wir in genau dieser Größe; der Royal Black gehört nicht zum Sortiment. Am günstigsten ist mit 81,61 Euro der viertplatzierte Vredestein Quatrac, gefolgt vom Hankook Kinergy 4S 2 mit 82,64 Euro und dem Nokian mit 85,76 Euro. Der Testsieger Goodyear Vector All Season 4 kostet 93,13 Euro und liegt damit im Mittelfeld der Preise. Der teuerste der neun bei uns gelisteten Kandidaten ist mit 122,20 Euro ausgerechnet der Michelin CrossClimate 3, der im Test Achter wurde. Wer also den Preis als Qualitätshinweis liest, hätte in diesem Feld rund 29 Euro je Reifen mehr bezahlt und sieben Plätze verloren.

Unter dem Strich fällt die Empfehlung aus diesem Test ungewöhnlich klar aus: ein Reifen ohne Tal, kein Reifen mit Gipfel. Wer regelmäßig echten Schnee sieht, gewichtet die Schneewertungen hoch und landet beim CrossClimate 3; wer Wert auf Ruhe und Aquaplaning-Sicherheit legt, findet den Quatrac; allen anderen nimmt der Testsieger die Entscheidung ab. Ob sich ein einzelner Satz Allwetterreifen für Sie überhaupt gegen zwei Sätze rechnet, haben wir im Beitrag Ganzjahresreifen oder zwei Sätze durchgerechnet. Das gesamte Angebot finden Sie in unserer Abteilung für Ganzjahresreifen.

Häufige Fragen

Wie aussagekräftig ist ein Test in nur einer Reifengröße?

Er gilt zunächst nur für diese Größe. Karkasse, Gummimischung und Profiltiefe unterscheiden sich zwischen den Dimensionen einer Baureihe teils deutlich, und der Tester weist beim Nokian selbst darauf hin, dass dessen Verhalten größen- und fahrzeugspezifisch sein kann. Die grobe Rangordnung einer Baureihe überträgt sich meist, einzelne Messwerte nicht.

Reicht ein Ganzjahresreifen für den deutschen Winter aus?

Für die situative Winterreifenpflicht genügt das Alpine-Symbol, das alle zehn getesteten Modelle tragen. Ob das im Alltag reicht, hängt vom Wohnort ab: In Mittelgebirgs- und Alpenlagen mit häufiger Schneedecke bleibt ein echter Winterreifen die sicherere Wahl.

Warum wird ein Reifen mit Nasshaftung A nur Neunter?

Weil die Labelklasse ausschließlich den Nassbremsweg abbildet. Handling, Schneeeigenschaften, Komfort, Geräusch und Lenkpräzision fließen nicht ein. Ein A ist deshalb ein Beleg für eine Eigenschaft, kein Gesamturteil.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Reifentest 225/40 R18 EU-Reifenlabel Allwetterreifen

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