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Tests & Auszeichnungen – Ratgeber im Magazin

Reifenhersteller des Jahres 2026: Warum nur jeder dritte Reifen mit dem Siegernamen der Sieger ist – und der Vorgänger meist teurer

· 17 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 24.07.2026
Vier neue Premium-Pkw-Reifen aufgereiht in einer hellen Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)
Vier neue Premium-Pkw-Reifen aufgereiht in einer hellen Werkstatt (KI-generiert, OpenAI)

„Welche Reifenmarke ist gut?" – diese Frage stellt sich vor fast jedem Reifenkauf. Eine hilfreiche Orientierung liefert die Fachzeitschrift AUTO BILD: Auf Basis ihrer gesamten Testsaison hat sie die „Reifenhersteller des Jahres 2026" gekürt. Ausgezeichnet wird dabei nicht ein einzelner Testsieger, sondern die Marke, die über viele Tests hinweg am gleichmäßigsten überzeugt. Wir fassen die Ergebnisse zusammen – und zeigen anschließend anhand unseres eigenen Sortiments, warum genau diese Auszeichnung beim Kauf leicht ins Leere läuft, wenn man auf ein Detail nicht achtet: die Generation des Reifens. Denn der ausgezeichnete Name steht im Regal oft neben drei oder vier älteren Verwandten, die genauso heißen – und die überraschend häufig sogar teurer sind.

Wie AUTO BILD den „Hersteller des Jahres" ermittelt

Anders als ein klassischer Reifentest bewertet diese Auszeichnung keine einzelne Reifengröße, sondern die Leistung eines Herstellers über die komplette Testsaison. In die Wertung fließen laut AUTO BILD Testsiege, Prädikate wie „vorbildlich" oder „gut" sowie Zusatzpunkte für Effizienzleistungen ein. Entscheidend ist die Konstanz: Wer in unterschiedlichen Dimensionen und Einsatzbereichen zuverlässig gute Noten holt, landet vorn – ein einzelner Ausreißer nach oben genügt nicht.

Damit beantwortet die Bilanz eine andere Frage als ein Größen-Einzeltest. Ein Einzeltest sagt Ihnen, welcher Reifen in genau 225/50 R17 am besten abgeschnitten hat. Die Hersteller-Wertung sagt Ihnen, auf welche Marke Sie sich quer durch das Sortiment am ehesten verlassen können. Beides ergänzt sich – für den konkreten Kauf bleibt der Test in Ihrer Größe aber die genauere Quelle. Wie unterschiedlich Prüforganisationen dabei gewichten, zeigt schon der Vergleich mit dem ADAC-Sommerreifentest 2026, der in seiner Testgröße zu einer eigenen Rangfolge kommt.

Ein Hinweis vorweg: Es handelt sich um die redaktionelle Einschätzung einer einzelnen Fachzeitschrift. Andere Prüforganisationen gewichten die Kriterien teils anders und kommen in ihren Einzeltests zu abweichenden Ergebnissen. Die AUTO-BILD-Bilanz ersetzt solche Tests nicht, sie ergänzt sie um die Markenperspektive. Und sie sagt naturgemäß nichts darüber, welcher konkrete Reifen mit diesem Markennamen gerade im Regal liegt – dazu weiter unten mehr. Genau diese Lücke zwischen „ausgezeichnete Marke" und „gekaufter Reifen" ist der eigentliche Gegenstand dieses Beitrags, und sie lässt sich mit den Daten des eigenen Sortiments erstaunlich genau ausmessen.

Sommerreifen 2026: Hankook und Goodyear teilen sich die Spitze

Bei den Sommerreifen gibt es 2026 gleich zwei Sieger: Hankook und Goodyear erreichen laut AUTO BILD punktgleich Platz eins. Ausschlaggebend waren mehrere Top-Platzierungen in den großen Vergleichstests – beide Marken haben sich den Titel mit unterschiedlichen Stärken verdient.

Hankook überzeugte vor allem mit dem Ventus evo, der in der Saison gleich zwei Testsiege einfuhr – ein starkes Signal für die Konstanz der Marke im sportlichen wie im Alltagssegment. Wie sich der Reifen im Detail schlägt, lesen Sie in unserem Beitrag zum Hankook Ventus evo. Goodyear punktete mit dem Eagle F1 Asymmetric 6, der mehrfach mit „vorbildlich" bewertet wurde und zusätzlich als besonders effizient auffiel. Hintergründe zum Sport-Allrounder finden Sie in unserem ausführlichen Test des Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6.

Für genau diese Effizienz gab es eine eigene Auszeichnung: Der Eagle F1 Asymmetric 6 wurde zum „Grünen Sommerreifen des Jahres" gewählt – gewürdigt wurden die hohe Laufleistung und der niedrige Rollwiderstand bei gleichzeitig stabilen Sicherheitsreserven. Auf den weiteren Rängen folgen Bridgestone (Platz zwei) und Continental (Platz drei). Beide Hersteller sind regelmäßig in den oberen Bewertungsgruppen vertreten, erreichen laut AUTO BILD aber nicht die Konstanz der beiden Spitzenreiter. Bemerkenswert ist die Doppelspitze auch deshalb, weil sie zwei sehr unterschiedliche Wege zum selben Ergebnis zeigt: Hankook holte die Punkte mit Testsiegen in mehreren Einzelprüfungen, Goodyear eher mit durchgehend hohen Prädikaten plus Effizienzbonus.

Ganzjahresreifen 2026: Pirelli setzt sich durch

Bei den Ganzjahresreifen geht der Titel an Pirelli. Ausschlaggebend war der Cinturato All Season SF 3, der den großen AUTO-BILD-Ganzjahresreifentest gewann und auch in weiteren Prüfungen mindestens das Prädikat „vorbildlich" erhielt. Auffällig ist dabei laut den Testern Dierck Möller und Martin Westerhoff die Ausgewogenheit: Der Reifen zeigt weder bei Nässe noch auf trockener Fahrbahn oder bei winterlichen Bedingungen nennenswerte Schwächen. Genau diese Vielseitigkeit ist im Ganzjahressegment entscheidend – ein Allwetterreifen muss mit beiden Extremen zurechtkommen. Was der Reifen im Alltag leistet, haben wir im Beitrag zum Pirelli Cinturato All Season SF 3 aufgeschrieben.

Dahinter reihen sich Bridgestone und Hankook ein, Michelin komplettiert das obere Feld mit ebenfalls soliden Resultaten. Bridgestone und Hankook tauchen damit in beiden Kategorien im Spitzenfeld auf – ein Beleg dafür, dass die Grenzen zwischen reinem Sommerspezialisten und breit aufgestelltem Ganzjahres-Anbieter zunehmend verschwimmen. Während im Sommersegment ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen besteht, ist die Spitze bei den Ganzjahresreifen derzeit eindeutiger besetzt.

Ob ein Ganzjahresreifen für Sie überhaupt sinnvoll ist, hängt allerdings von Fahrleistung und Region ab: In schneereichen Gegenden und bei hoher Kilometerleistung bleibt die Kombination aus Sommer- und Winterreifen die sicherere und oft auch wirtschaftlichere Wahl. Was sich für welches Fahrprofil rechnet, haben wir in unserem Vergleich Ganzjahresreifen oder zwei Sätze durchgerechnet. Und auch hier gilt der Vorbehalt aus dem ersten Abschnitt: Der Titel gehört dem SF 3, nicht der Modellfamilie „Cinturato All Season" – und die ist im Handel deutlich größer, als der Name vermuten lässt.

Ein Name, mehrere Generationen: der blinde Fleck jeder Marken-Auszeichnung

Nun zum entscheidenden Punkt, den keine Testzusammenfassung erwähnt. Eine Auszeichnung nennt einen Modellnamen – im Handel steht unter diesem Namen aber selten nur ein Reifen. Reifenbaureihen laufen über viele Jahre, und wenn eine neue Generation erscheint, verschwindet die alte nicht sofort aus den Regalen. Beide werden parallel verkauft, oft jahrelang, und sie unterscheiden sich meist nur durch eine Ziffer oder ein internes Kürzel im Namen.

Wir haben deshalb unser eigenes Sortiment vollständig ausgewertet und alle lieferbaren Ausführungen zusammengetragen, die den jeweiligen Familiennamen tragen – insgesamt 1.428 Reifen. Das Ergebnis ist eindeutig: Nur rund ein Drittel der Reifen, die den Namen eines ausgezeichneten Modells tragen, gehört tatsächlich zur ausgezeichneten Generation. Konkret sind es 467 von 1.428 Ausführungen, also 32,7 Prozent.

  • Hankook Ventus evo: Der Name „Ventus … evo" steckt in 695 lieferbaren Ausführungen aus 22 verschiedenen Profilen – vom Ventus S1 evo K107 über den S1 evo2 K117 und den S1 evo3 K127 bis zum aktuellen Ventus evo K137. Die ausgezeichnete Generation, also der K137 und sein SUV-Ableger K137A, macht davon 201 aus. Das sind 28,9 Prozent – nicht einmal jede dritte.
  • Goodyear Eagle F1 Asymmetric: 551 Ausführungen in zwölf Profilen tragen diesen Namen – darunter noch reichlich Asymmetric 2, 3 und 5 sowie mehrere SUV-Varianten. Der ausgezeichnete Asymmetric 6 stellt davon 198 Stück, also 35,9 Prozent.
  • Pirelli Cinturato All Season: 182 Ausführungen in sechs Profilen, darunter der Cinturato All Season, der All Season +, der All Season Plus, der SF 2 und der P7 All Season. Der ausgezeichnete SF 3 kommt auf 68, das sind 37,4 Prozent.

Wer also nur nach „Eagle F1 Asymmetric" oder „Ventus evo" sucht und den erstbesten Treffer in seiner Größe nimmt, landet rein rechnerisch mit rund zwei zu eins Wahrscheinlichkeit nicht bei dem Reifen, der die Auszeichnung geholt hat. Die genauen Stückzahlen schwanken naturgemäß mit der Verfügbarkeit – das Verhältnis bleibt aber stabil, weil es in der Natur auslaufender Baureihen liegt. Auffällig ist zudem, wie ungleich sich die Familien verteilen: Bei Hankook verteilen sich die 695 Reifen auf 22 Profile, bei Pirelli 182 auf sechs. Je länger und verzweigter eine Baureihe läuft, desto größer wird die Verwechslungsgefahr im Regal.

Was das EU-Label über die Generationen verrät

Bleibt die Frage, ob dieser Unterschied überhaupt praktische Folgen hat – oder ob eine neue Generationsziffer vor allem Marketing ist. Das lässt sich prüfen, ohne selbst einen Test zu fahren: Das EU-Reifenlabel ist für jede einzelne Ausführung gesetzlich vorgeschrieben und damit für alle Generationen vergleichbar verfügbar. Besonders aussagekräftig ist die Nasshaftungsklasse, weil sie direkt auf den Nassbremsweg durchschlägt.

Wir haben für jede Generation ausgezählt, welcher Anteil ihrer Ausführungen die Bestklasse A bei der Nasshaftung trägt. Das Bild ist deutlich:

  • Goodyear: Der ausgezeichnete Eagle F1 Asymmetric 6 erreicht in 97,5 Prozent seiner Ausführungen Nasshaftung A (193 von 198). Beim Asymmetric 5 sind es 67,3 Prozent, beim noch immer breit verfügbaren Asymmetric 3 nur 40,0 Prozent.
  • Pirelli: Der Cinturato All Season SF 3 kommt auf 95,6 Prozent Nasshaftung A, der Vorgänger SF 2 auf 48,1 Prozent. Der schlicht „Cinturato All Season" genannte ältere Bruder trägt in keiner einzigen seiner 25 Ausführungen ein A – dort steht durchgehend B; dasselbe gilt für den „All Season +". Der Cinturato P7 All Season liegt mit 8,3 Prozent noch darunter.
  • Hankook: Der Ventus evo K137 erreicht 96,9 Prozent. Der Vorgänger S1 evo3 K127 liegt mit 84,4 Prozent aber ebenfalls hoch – der ältere S1 evo2 K117 dagegen nur bei 54,2 Prozent.

Noch aussagekräftiger als der Durchschnitt ist der direkte Vergleich in derselben Größe. Beim Pirelli gibt es 22 Dimensionen, die sowohl vom SF 3 als auch vom älteren Cinturato All Season angeboten werden – und in allen 22 hat der SF 3 die bessere Nasshaftungsklasse. In 215/55 R17 etwa steht A gegen B, bei identischer Größe und identischem Familiennamen. Beim Goodyear teilen sich Asymmetric 6 und Asymmetric 3 insgesamt 53 Dimensionen: In 22 davon ist der Sechser besser, in 31 gleichauf, in keiner einzigen schlechter. Gegenüber dem SF 2 ist der SF 3 in 12 von 24 gemeinsamen Größen besser und sonst gleichauf.

Warum der Abstand je nach Marke ganz unterschiedlich ausfällt

Aus diesen Zahlen lässt sich allerdings nicht die Regel „alt gleich schlecht" ableiten – und das ist die vielleicht nützlichste Erkenntnis für den Kauf. Der Abstand zwischen den Generationen fällt je nach Hersteller sehr unterschiedlich aus.

Bei Pirelli ist er dramatisch: Zwischen dem SF 3 und dem einfachen Cinturato All Season liegt in jeder gemeinsamen Größe eine volle Labelklasse. Wer hier zur älteren Variante greift, kauft messbar weniger Nassleistung. Bei Goodyear ist der Sprung deutlich, aber nicht flächendeckend – in gut der Hälfte der gemeinsamen Größen sind Sechser und Dreier bei der Nasshaftung gleichauf. Bei Hankook schließlich ist der Abstand klein: Von 84 Dimensionen, die sich Ventus evo K137 und S1 evo3 K127 teilen, ist der neue Reifen nur in dreien besser eingestuft und in 78 gleichauf. Der Vorgänger ist hier also durchaus eine vernünftige Wahl – wer ihn günstiger bekommt, macht beim Nassgriff in aller Regel kein schlechtes Geschäft.

Es gibt sogar vereinzelte Fälle, in denen die ältere Ausführung beim Nassgriff besser dasteht. Beim Goodyear in 285/35 R21 etwa führt der Asymmetric 5 ein A und der Asymmetric 6 ein B – dafür dreht sich das Verhältnis bei der Effizienz genau um (A für den Sechser, B für den Fünfer). Es ist also kein Rückschritt, sondern eine andere Abstimmung derselben Größe. Beim Hankook findet sich ein vergleichbarer Fall in 225/50 R17, wo eine K127-Ausführung Nasshaftung A trägt, die K137-Ausführung dagegen B – auch hier bei umgekehrtem Effizienzverhältnis. Solche Einzelfälle entstehen, weil Labelwerte je Dimension gemessen werden und nicht pauschal für eine Baureihe gelten. Genau deshalb lohnt der Blick auf das Label der konkreten Größe – und nicht nur auf den Modellnamen. Ein Hinweis am Rande: Vereinzelt finden sich in Sortimentsdaten auch offensichtlich unplausible Labelangaben, etwa die Kombination E/E/79 bei einem UHP-Reifen der Oberklasse. Wenn eine Labelangabe völlig aus der Reihe fällt, lohnt vor dem Kauf ein Blick auf das offizielle Produktdatenblatt.

Der teure Irrtum: Die ältere Generation kostet meistens mehr

Die naheliegende Annahme lautet: Wer aus Versehen die ältere Generation kauft, spart wenigstens Geld. Unsere Auswertung zeigt das glatte Gegenteil – und das ist der wirtschaftlich wichtigste Befund dieses Beitrags. Wir haben für alle sechs Generationspaare den jeweils günstigsten Preis in jeder gemeinsamen Größe verglichen. Ergebnis: In 177 von 251 verglichenen Größen-Paarungen ist die ältere Generation teurer als die neuere – also in gut 70 Prozent der Fälle.

Besonders eindeutig ist das Bild bei Pirelli: Gegenüber dem einfachen Cinturato All Season ist der ausgezeichnete SF 3 in allen 22 gemeinsamen Größen der günstigere Reifen, gegenüber dem SF 2 in allen 24. Die Abstände sind dabei keine Kleinigkeiten. In 245/40 R18 kostet der SF 3 rund 125 Euro, der ältere Cinturato All Season in derselben Größe rund 600 Euro – das Vierfache, bei schlechterer Nasshaftungsklasse. In 225/45 R17 stehen rund 92 Euro für den SF 3 gegen rund 319 Euro für den SF 2. Beim Goodyear ist der Effekt seltener, aber ebenso deutlich: In 235/35 R19 kostet der Asymmetric 6 rund 136 Euro, der Asymmetric 5 rund 699 Euro. Beim Hankook liegt der Vorgänger S1 evo2 K117 in 16 von 20 gemeinsamen Größen über dem K137, in 205/55 R17 etwa mit rund 313 gegenüber rund 103 Euro.

Diese Preise sind keine Anzeigefehler – wir haben die auffälligen Fälle einzeln auf der Produktseite gegengeprüft, sie sind real und bestellbar. Der Grund ist unspektakulär: Auslaufende Generationen werden nicht mehr in großen Mengen produziert. Was übrig bleibt, sind Restbestände in einzelnen Größen, und die folgen der Logik der Knappheit statt der Logik des Wettbewerbs. Für Sie heißt das: Die alte Generation ist nicht das Schnäppchen, für das man sie halten könnte. Die Zahlen taugen ausdrücklich nicht als Kaufargument für den alten Reifen, sondern als Warnung, vor dem Bestellen zwei Minuten in den Preisvergleich derselben Größe zu investieren.

Ein zweiter Fallstrick liegt sogar innerhalb ein und derselben Generation. In 34 Fällen führt unser Sortiment denselben Reifen in derselben Größe zu Preisen, die um mehr als das Doppelte auseinanderliegen – meist, weil sich Tragfähigkeits- oder Geschwindigkeitsindex unterscheiden. Der Extremfall ist der Eagle F1 Asymmetric 5 in 225/45 R18: Sechs Ausführungen, die günstigste für rund 104 Euro, die teuerste für rund 662 Euro. Die teuerste ist dabei mit B/B nicht einmal die bestgelabelte – eine Ausführung für rund 122 Euro trägt A/A. Prüfen Sie deshalb immer die komplette Bezeichnung inklusive der Kennziffern hinter der Größe.

Der „grüne" Sonderfall: Warum das Label die Auszeichnung nicht nachrechnet

Interessant wird es beim Titel „Grüner Sommerreifen des Jahres" für den Eagle F1 Asymmetric 6. Wer nun erwartet, dass sich diese Auszeichnung eins zu eins in der Effizienzklasse des Labels widerspiegelt, wird überrascht: Beim Asymmetric 6 tragen 54,5 Prozent der Ausführungen die Effizienzklasse A oder B – beim älteren Asymmetric 5 sind es anteilig sogar 70,3 Prozent.

Das ist kein Widerspruch, sondern ein gutes Beispiel dafür, was ein Label leisten kann und was nicht. Die Effizienzklasse bildet allein den Rollwiderstand ab. Die Auszeichnung würdigt dagegen das Gesamtpaket aus Rollwiderstand, Laufleistung und erhaltenen Sicherheitsreserven. Und genau dort liegt der Unterschied: Der Asymmetric 6 kombiniert seine Effizienz mit nahezu durchgängiger Nasshaftung A, während der Asymmetric 5 seine guten Effizienzwerte mit einem deutlich schwächeren Nassprofil erkauft. Wie stark die Laufleistung die Gesamtrechnung beeinflusst, zeigt unser Beitrag zur Reifen-Laufleistung; welchen Anteil der Rollwiderstand am Verbrauch hat, steht im Ratgeber Rollwiderstand und Spritverbrauch.

Die Lehre daraus gilt über diesen Fall hinaus: Label und Test messen nicht dasselbe. Ein Reifen kann in beiden Labelklassen mittelmäßig aussehen und trotzdem einen Test gewinnen, weil dort Bremswege, Handling, Aquaplaning und Verschleiß gemeinsam bewertet werden. Warum das Label allein für die Kaufentscheidung nicht reicht, haben wir in EU-Reifenlabel oder Reifentest ausführlich erklärt.

So erkennen Sie beim Kauf die richtige Generation

Die gute Nachricht: Man muss kein Experte sein, um die ausgezeichnete Generation zu erwischen. Es genügt, auf die vollständige Modellbezeichnung zu achten statt auf den Familiennamen.

  • Die Ziffer ist Teil des Namens, nicht Dekoration. „Eagle F1 Asymmetric 6" und „Eagle F1 Asymmetric 3" sind zwei verschiedene Reifen mit unterschiedlichen Messwerten – die Ziffer entscheidet.
  • Achten Sie auf interne Kürzel. Bei Hankook steckt die Generation im Kürzel: K137 ist der aktuelle Ventus evo, K127 der Vorgänger S1 evo3, K117 die Generation davor. Ein Anhang wie „SUV" kennzeichnet zusätzlich die Bauform für schwerere Fahrzeuge.
  • Prüfen Sie das Label Ihrer konkreten Größe. Da Labelwerte je Dimension gelten, ist die Klasse der Ausführung entscheidend, die Sie tatsächlich kaufen – nicht der Durchschnitt der Baureihe.
  • Vergleichen Sie den Preis beider Generationen. Wie oben gezeigt, ist die ältere Generation in rund sieben von zehn Fällen die teurere. Ein kurzer Blick auf beide Modellseiten in Ihrer Größe kann dreistellige Beträge sparen.
  • Achten Sie auf die Kennziffern hinter der Größe. Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex verändern den Preis erheblich – und die teuerste Ausführung ist nicht automatisch die beste.
  • Schauen Sie auf das Alter. Auslaufende Generationen liegen tendenziell länger im Lager. Wie Sie das Produktionsdatum ablesen, steht in unserem Ratgeber zu Reifenalter und DOT-Nummer.

Am einfachsten gehen Sie über die Modellseite des jeweiligen Reifens, auf der ausschließlich Größen genau dieser Generation gelistet sind: Hankook Ventus evo K137, Goodyear Eagle F1 Asymmetric 6 und Pirelli Cinturato All Season SF 3. Beispielhaft finden Sie den Goodyear etwa als Eagle F1 Asymmetric 6 in 225/45 R17, den Hankook als Ventus evo K137 in 225/45 R17 und den Pirelli als Cinturato All Season SF 3 in 205/55 R16.

Was die Auszeichnung für Ihren Reifenkauf bedeutet

Eine Hersteller-Auszeichnung ist ein guter erster Filter, aber kein Freifahrtschein. Diese Punkte helfen bei der Einordnung:

  • Konstanz spricht für die Marke. Wer über viele Tests hinweg vorn liegt, liefert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Ihrer Größe solide Qualität. Als Orientierung bei der Markenwahl ist die Bilanz wertvoll.
  • Der Test in Ihrer Größe zählt mehr. Ein Reifenmodell kann in einer Dimension glänzen und in einer anderen schwächer ausfallen. Prüfen Sie, ob es zu Ihrer konkreten Größe ein aktuelles Testergebnis gibt.
  • Die Generation entscheidet mit. Der Markenname im Titel der Auszeichnung ist nur die halbe Information – erst die vollständige Modellbezeichnung führt zu dem Reifen, der tatsächlich getestet wurde.
  • Alt ist selten billiger. Der Reflex „dann nehme ich eben die Vorgängergeneration, die ist günstiger" geht in der Mehrzahl der Fälle nicht auf. Rechnen Sie nach, statt zu schätzen.
  • Premium ist nicht alles. Die Spitzenplätze belegen erwartungsgemäß Premiummarken. Für Wenigfahrer oder ältere Fahrzeuge kann ein guter Reifen aus dem Mittelfeld die vernünftigere Wahl sein – und eine ältere Generation mit gleicher Labelklasse ist oft der bessere Kompromiss als ein schwächerer Reifen einer anderen Marke, sofern der Preis stimmt.

Unterm Strich ist die Auszeichnung genau das, was ihr Name sagt: eine Aussage über den Hersteller, nicht über den einzelnen Reifen in Ihrem Einkaufswagen. Sie grenzt das Feld sinnvoll ein – die letzten beiden Schritte, die Wahl der richtigen Generation und der Preisvergleich in Ihrer Größe, nimmt sie Ihnen nicht ab. Welche Größen für Ihr Fahrzeug überhaupt zulässig sind, lesen Sie aus der Zulassungsbescheinigung ab – unser Ratgeber Welche Reifengröße ist für mein Auto zugelassen erklärt die Einträge im Detail. Passende Modelle aller ausgezeichneten Marken finden Sie in unserem Sortiment an Sommerreifen für PKW und Ganzjahresreifen für PKW.

Quellen: AUTO BILD – Die besten Reifen: Hersteller der Saison 2026 sowie Gummibereifung.de (veröffentlicht am 25. März 2026). Die Auswertung der Modellgenerationen, Labelklassen und Preise basiert auf unserem eigenen Sortiment (Stand: Juli 2026, 1.428 ausgewertete Ausführungen).

Häufige Fragen

Ist der „Hersteller des Jahres" automatisch der beste Reifen für mein Auto?

Nicht zwangsläufig. Die Auszeichnung bewertet die Konstanz einer Marke über viele Tests, nicht einen einzelnen Reifen in Ihrer Größe. Für den Kauf lohnt zusätzlich der Blick auf ein aktuelles Testergebnis in genau Ihrer Reifengröße und auf die Labelklasse der konkreten Ausführung. Die Bilanz ist ein guter Vorfilter für die Markenwahl, ersetzt aber weder den Größentest noch den Preisvergleich.

Welche Reifenmarke schneidet 2026 am besten ab?

Laut AUTO BILD liegen bei Sommerreifen Hankook und Goodyear punktgleich vorn, gefolgt von Bridgestone und Continental. Bei Ganzjahresreifen führt Pirelli vor Bridgestone und Hankook, Michelin komplettiert das obere Feld. Bridgestone und Hankook sind damit als einzige Marken in beiden Kategorien im Spitzenfeld vertreten.

Woran erkenne ich, ob ich die ausgezeichnete Generation kaufe?

An der vollständigen Modellbezeichnung. Ziffern und Kürzel unterscheiden die Generationen: Der ausgezeichnete Goodyear heißt Eagle F1 Asymmetric 6, der Hankook trägt das Kürzel K137, der Pirelli den Zusatz SF 3. Ältere Ausführungen derselben Familie werden oft parallel weiterverkauft – in unserem Sortiment gehören nur 32,7 Prozent der Reifen mit einem ausgezeichneten Familiennamen auch zur ausgezeichneten Generation.

Ist die ältere Generation eines Reifens automatisch schlechter?

Nein. Der Abstand fällt je nach Hersteller sehr unterschiedlich aus. Beim Pirelli liegt zwischen SF 3 und dem einfachen Cinturato All Season in jeder gemeinsamen Größe eine volle Nasshaftungsklasse, beim Hankook sind Ventus evo K137 und S1 evo3 K127 dagegen in 78 von 84 gemeinsamen Größen gleich eingestuft. Entscheidend ist der Vergleich der Labelklassen in Ihrer Dimension – und der Preis, denn die ältere Generation ist häufig die teurere.

Zählt bei Reifentests inzwischen auch die Effizienz?

Ja. Neben den Nass- und Trockeneigenschaften gewinnt der Rollwiderstand an Bedeutung; Zusatzwertungen wie „Eco-Meister" oder „Grüner Reifen" fließen in die Gesamtbewertung ein. Dabei ist die Effizienzklasse des Labels aber nicht deckungsgleich mit einer solchen Auszeichnung, weil in diese auch Laufleistung und Sicherheitsreserven einfließen – der ausgezeichnete Eagle F1 Asymmetric 6 hat anteilig sogar weniger Ausführungen in den Effizienzklassen A und B als sein Vorgänger.

Schlagwörter: Reifentest AUTO BILD Reifenmarken Sommerreifen Ganzjahresreifen Kaufberatung EU-Reifenlabel

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