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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Michelin Commander II, III Cruiser oder III Touring: Welcher gehört an Ihre Maschine?

· 10 Min. Lesezeit
Cruiser mit breitem Hinterreifen auf einer Landstraße im Abendlicht — KI-generiert (OpenAI)
Cruiser mit breitem Hinterreifen auf einer Landstraße im Abendlicht — KI-generiert (OpenAI)

Wer für seinen Cruiser einen Michelin sucht, steht bei uns vor drei Reifen mit fast identischem Namen: Commander II, Commander III Cruiser und Commander III Touring. Alle drei sind lieferbar, alle drei kosten ungefähr gleich viel — und der Name verrät nicht, welcher davon der aktuelle ist und welcher an Ihre Maschine gehört. Wir haben unseren kompletten Commander-Bestand ausgewertet und die Herstellerangaben dagegengehalten. Das Ergebnis räumt mit einer verbreiteten Annahme auf: Der ältere Reifen ist nicht der günstigere.

Drei Commander im Regal — aber nur einer ist die aktuelle Generation

Die römische Ziffer im Namen ist keine Kosmetik, sondern eine Generationsangabe. Der Commander III ist der Nachfolger des Commander II — das schrieb die Fachzeitschrift Reifenpresse.de bereits im Dezember 2019, als Michelin die neue Generation zur Custombike-Show in Bad Salzuflen erstmals in Deutschland zeigte. Die Ablösung war Teil einer größeren Offensive: Michelin hatte damals nicht weniger als neun neue Motorradreifen angekündigt, zwei davon waren die Ausführungen des Commander III. Ab 2020 sollte die neue Generation den Vorgänger ablösen, und zwar gleich in zwei Varianten: als „Cruiser" und als „Touring".

Genau hier beginnt die Verwirrung. Denn der Vorgänger ist sechs Jahre später immer noch im Handel — bei uns sogar in mehr Größen als jede der beiden Nachfolge-Varianten. Unser Bestand umfasst 43 Commander-Artikel in 31 Größen (Stand 17. Juli 2026, eigene Auswertung unseres Sortiments): 17 Artikel entfallen auf den Commander II, 15 auf den Commander III Cruiser und 11 auf den Commander III Touring. Lieferbar sind alle 43.

Für Sie heißt das: Sie können in unserem Shop heute problemlos die abgelöste Generation kaufen, ohne es zu merken. Der Unterschied steht nur in der Ziffer — nicht auf einem Warnschild. Wer beim Nachbestellen einfach „Michelin Commander" in die Suche tippt, bekommt beide Generationen nebeneinander angezeigt. Der erste und wichtigste Schritt ist deshalb banal, wird aber ständig übersehen: Lesen Sie die vollständige Profilbezeichnung auf der Reifenflanke ab, bevor Sie bestellen. Dort steht, welche Generation gerade an Ihrer Maschine läuft.

Was Michelin am Commander III geändert hat

Bei der Entwicklung standen laut Herstellerangaben zwei Ziele im Fokus: Grip auf Nässe und Laufleistung. Dafür hat Michelin nach eigenen Angaben neue, zu 100 Prozent silicaverstärkte Gummimischungen entwickelt und die Reifenkontur überarbeitet — die für den Nassgrip besonders wichtige Aufstandsfläche in Schräglage fällt dadurch größer aus. Die größere Aufstandsfläche soll sich auch auf den Trockengrip positiv auswirken und für ein gleichmäßiges Laufbild sorgen. So beschreibt es das Fachmagazin Gummibereifung unter Berufung auf den Hersteller.

Diese Einordnung ist wichtig: Es handelt sich um Herstellerangaben, nicht um Messwerte einer unabhängigen Prüforganisation. Michelin beschreibt damit, worauf der Reifen ausgelegt wurde — nicht, wie er gegen ein Vergleichsfeld abschneidet. Was eine Gummimischung tatsächlich leisten kann und warum der Zielkonflikt zwischen Haftung und Haltbarkeit bei jedem Reifen auftaucht, lesen Sie in unserem Beitrag zur Gummimischung von Motorradreifen.

Bemerkenswert ist trotzdem, dass Michelin ausgerechnet die Laufleistung als Entwicklungsziel nennt. Denn genau das ist die Disziplin, die sich am schwersten überprüfen lässt: Sie zeigt sich erst nach Tausenden Kilometern, sie hängt stark von Fahrstil, Zuladung und Luftdruck ab — und sie steht auf keinem Datenblatt. Wie schnell ein Motorradreifen abbaut und woran Sie das Ende erkennen, behandeln wir ausführlich im Ratgeber zum Verschleiß von Motorradreifen.

Cruiser oder Touring: Es geht um die Maschine, nicht um die Qualität

Die naheliegende Annahme lautet: „Touring" klingt hochwertiger, also ist der Touring der bessere Reifen. Das ist falsch. Die beiden Varianten sind keine Qualitätsstufen, sondern zwei Auslegungen für zwei Fahrzeugtypen.

  • Commander III Cruiser: die breit aufgestellte Variante für Cruiser- und Chopper-Modelle. Michelin kündigte ihn in 15 Dimensionen an, um möglichst viele Kombinationen abzudecken. Er bietet laut dem Schweizer Motorradmagazin moto.ch drei Prozent mehr Negativprofil — also mehr Rillenfläche, die Wasser aufnehmen und ableiten kann.
  • Commander III Touring: in zwölf Dimensionen speziell für schwere Supertourer entwickelt, mit Blick auf deren Anforderung nach hohen Traglasten. Dafür hat er einen eigenen Karkassaufbau. Die Karkasse ist das tragende Gerüst des Reifens — sie entscheidet, wie viel Gewicht der Reifen dauerhaft aushält.

Die beiden unterscheiden sich zusätzlich in der Profilgestaltung. Praktisch heißt das: Fahren Sie einen vollverkleideten Tourer mit Koffern, Topcase, Sozius und Gepäck, ist die Traglast das entscheidende Kriterium — dann ist der Touring gebaut. Fahren Sie eine klassische Custom-Maschine ohne schweres Gepäck, ist der Cruiser die passende Wahl. Diese Logik spiegelt sich auch in unserem Regal: Der Touring deckt bei uns die klassischen alphanumerischen Harley-Größen ab, etwa den Michelin Commander III Touring MT90B16 72H — Größen, die es beim Cruiser gar nicht gibt. Wie diese Bezeichnungen zu lesen sind, erklärt unser Ratgeber zum Ablesen der Motorradreifengröße.

Entscheidend bleibt in jedem Fall die Freigabe für Ihr Motorrad. Weder „Cruiser" noch „Touring" im Namen ersetzen den Blick in die Papiere: Maßgeblich sind Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex.

Der Vorgänger ist kein Sparmodell

Jetzt zum eigentlichen Befund — und der überrascht. Die verbreitete Erwartung lautet: Auslaufmodell gleich Schnäppchen. In unserem Sortiment stimmt das nicht. Der Median liegt beim Commander II bei 181,70 Euro, beim Commander III Cruiser bei 176,70 Euro und beim Commander III Touring bei 171,30 Euro (Stand 17. Juli 2026, unsere Preise, kein Marktdurchschnitt). Die abgelöste Generation ist im Mittel also sogar minimal teurer als ihr Nachfolger.

Noch aussagekräftiger ist der direkte Vergleich in identischer Größe. Zehn Größen führen wir sowohl als Commander II als auch als Commander III — hier lässt sich Generation gegen Generation stellen, ohne Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das Ergebnis ist gespalten: In sechs Fällen ist der Vorgänger günstiger, in vier Fällen teurer. Eine Regel gibt es also nicht. Die Spannweite ist beachtlich:

Zwei Beobachtungen dazu. Erstens sind die Ausschläge nach oben viel größer als die nach unten: Wo der Vorgänger günstiger ist, spart er meist zwischen 8 und 27 Euro — wo er teurer ist, sind es in der Spitze 125 Euro. Ein Auslaufmodell wird eben nicht planmäßig verbilligt, sondern folgt der Verfügbarkeit: Wird eine Größe knapp, steigt der Preis, statt zu fallen. Zweitens liegen die drei Mediane so dicht beieinander, dass die Generation als Preisargument praktisch ausfällt. Über den Daumen zu entscheiden funktioniert hier nicht — es gibt keinen Aufschlag für „neu" und keinen Rabatt für „alt", den man einkalkulieren könnte.

Die praktische Konsequenz: Vergleichen Sie Größe für Größe, nicht Generation gegen Generation. Wer pauschal zum Auslaufmodell greift, weil es billiger sein müsste, zahlt in unserem Sortiment in vier von zehn Fällen drauf — und bekommt dafür die ältere Technik. Dieselbe Frage stellt sich übrigens beim Auto genauso; wie sie dort ausgeht, zeigt unser Vergleich Falken Ziex ZE310EC oder ZE320.

Ein Sonderfall bleibt: Sechs Größen führen wir ausschließlich als Commander II — darunter 110/90B18, 140/80B17, 150/70B18 und die breite Michelin Commander II 240/40R18 79V. Wer diese Formate braucht, hat innerhalb der Commander-Familie schlicht keine Wahl. Das ist der eine legitime Grund, heute noch zum Vorgänger zu greifen. Vergessen Sie in diesem Fall nicht den Blick auf das Alter des Reifens: Ein Auslaufmodell liegt tendenziell länger im Lager. Die DOT-Nummer auf der Flanke verrät die Produktionswoche.

Was der einzige unabhängige Test hergibt — und was nicht

Bei Cruiser-Reifen ist die Testlage dünn. Einen relevanten Vergleich gibt es aber: Die Zeitschrift Motorrad hat in Heft 6/2020 sieben Cruiser-Profile auf einer Harley-Davidson FLHCS Heritage Classic 114 gegeneinander antreten lassen — der Commander III Cruiser war dabei, ebenso der Bridgestone Battlecruise H50, Contis Tour, die Dunlop-Erstausrüstung D401/D401T, der Metzeler Cruisetec, der Mitas Custom Force und Pirellis Night Dragon GT. Darüber berichtete Reifenpresse.de im Februar 2020.

Zwei Details dieses Tests sind aufschlussreicher als jede Platzierung. Erstens verzichtete Motorrad angesichts der Fahrzeugklasse komplett auf eine Dynamikwertung auf trockener Strecke und prüfte ausschließlich bei Nässe. Das ist eine Aussage für sich: Bei einer schweren Maschine, die selten am Kurvenlimit bewegt wird, entscheidet sich die Sicherheit im Regen — nicht auf der trockenen Ideallinie. Zweitens wurden nur zwei der sieben Kandidaten „sehr gut" bewertet. Alle Kandidaten schlugen die als „störrisch" bezeichnete Dunlop-Erstausrüstung, teils allerdings nur geringfügig.

Und hier hört unsere Belegbarkeit auf: Welche zwei Reifen die Bestnote holten, geht aus dem frei zugänglichen Teil der Meldung nicht hervor. Wir wissen also nicht, ob der Michelin dazugehörte — und behaupten es deshalb auch nicht. Das ist unbefriedigend, aber ehrlicher, als eine Platzierung zu erfinden. Wer die Cruiser-Alternativen abwägen will, findet in unserem Vergleich Metzeler Cruisetec oder ME 888 Marathon Ultra zwei weitere Kandidaten aus genau diesem Testfeld. Hinzu kommt: Der Test ist von 2020 und beschreibt einen Marktstand, den es so nicht mehr gibt.

So entscheiden Sie

Die Reihenfolge ist einfach. Erstens klären Sie die Bauart Ihrer Maschine: schwerer Tourer mit Zuladung, Koffern und Sozius? Dann Touring. Klassischer Cruiser oder Chopper? Dann Cruiser. Zweitens prüfen Sie Größe, Trag- und Geschwindigkeitsindex gegen Ihre Papiere. Drittens vergleichen Sie in genau Ihrer Größe die Preise beider Generationen — und greifen Sie im Zweifel zur aktuellen. Sie bekommen die neuere Mischung und Kontur, und wie unsere Auswertung zeigt, kostet Sie das oft nicht einmal mehr.

Zum Vorgänger greifen sollten Sie nur, wenn Ihre Größe ausschließlich als Commander II verfügbar ist oder er in Ihrer Größe spürbar günstiger ist und Sie mit der älteren Generation bewusst leben. Den passenden Reifen für Ihre Maschine finden Sie in unserer Übersicht der Motorradreifen für die Straße; die vollständige Größenauswahl der aktuellen Generation zeigt der Michelin Commander III Cruiser. Und wenn der neue Reifen montiert ist: Fahren Sie ihn behutsam ein und achten Sie von Anfang an auf den richtigen Reifendruck — beides entscheidet mehr über Grip und Laufleistung als die Wahl zwischen zwei Michelin-Generationen.

Häufige Fragen

Ist der Commander III grundsätzlich besser als der Commander II?

Michelin nennt Nassgrip und Laufleistung als Entwicklungsziele der neueren Generation und hat dafür Mischung und Kontur überarbeitet. Das sind allerdings Herstellerangaben — ein unabhängiger Vergleichstest beider Generationen gegeneinander liegt uns nicht vor. Für den Commander III spricht die aktuellere Technik; ein messbarer Vorsprung lässt sich daraus seriös nicht ableiten.

Passt der Commander III Touring auf jeden Cruiser?

Nein. Der Touring wurde für schwere Supertourer und deren hohe Traglasten entwickelt und wird nur in zwölf Dimensionen angeboten — viele klassische Cruiser-Größen sind gar nicht dabei. Maßgeblich sind immer Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex laut Ihren Fahrzeugpapieren, nicht der Modellname.

Woran erkenne ich, welche Generation an meinem Motorrad montiert ist?

An der vollständigen Profilbezeichnung auf der Reifenflanke. Dort steht „Commander II" beziehungsweise „Commander III Cruiser" oder „Commander III Touring" ausgeschrieben. Da beide Generationen parallel im Handel sind, lohnt dieser Blick vor jeder Nachbestellung.

Schlagwörter: Michelin Commander III Commander II Cruiser Motorradreifen

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