✓ Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands ✓ 30 Tage Widerrufsrecht ✓ Seit 1997 — über 25 Jahre Erfahrung Hotline: 037329 7153-0
Motorrad – Ratgeber im Magazin

Motorrad steht länger: Ab wann der Standplatten bleibt

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 17.07.2026
Motorrad auf Hauptständer in einer Garage, Vorderrad entlastet (KI-generiert, OpenAI)
Motorrad auf Hauptständer in einer Garage, Vorderrad entlastet (KI-generiert, OpenAI)

Ein Motorrad steht den größten Teil seines Lebens. Über den Winter, während eines langen Urlaubs, nach einer Reparatur oder schlicht, weil das Wetter seit Wochen nicht mitspielt. Für Batterie, Tank und Bremsen gibt es dafür bekannte Checklisten – die Reifen tauchen darin selten auf. Dabei sind sie das einzige Bauteil, das die gesamte Standzeit über das volle Gewicht der Maschine trägt, und zwar unbewegt an immer derselben Stelle.

Dieser Ratgeber erklärt, was in dieser Zeit im Gummi passiert, ab wann aus einer harmlosen Verformung ein bleibender Schaden wird – und welche der kursierenden Tipps wirklich etwas bringen. Denn ausgerechnet beim meistgenannten Ratschlag, dem Luftdruck, geben vier seriöse Quellen vier verschiedene Antworten.

Was im Reifen passiert, wenn die Maschine steht

Ein Reifen ist kein starres Bauteil, sondern ein elastischer Körper unter Druck. Er trägt das Gewicht nicht über das Gummi, sondern über die eingeschlossene Luft – die Karkasse hält diese Luft nur in Form. Steht das Motorrad, drückt das gesamte Gewicht dauerhaft auf eine handtellergroße Fläche, und genau dort verformt sich der Reifen.

Continental beschreibt den Vorgang für Reifen allgemein so: Während der Fahrt erzeugt der Reifen Wärme, das Gummi wird weich und geschmeidig. Wird die Maschine abgestellt, kühlt der Reifen in genau der Form aus, in der er gerade belastet ist – die Kontaktfläche zum Boden flacht ab. Der Hersteller nennt als Einflussgrößen die Reifengröße, die Belastung, den inneren Aufbau, die Außentemperatur und die Dauer der Standzeit. Große Temperaturschwankungen und ein falscher Fülldruck verstärken den Effekt zusätzlich.

Dazu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Faktor: Jeder Reifen verliert über die Monate langsam Luft. Die Fachzeitschrift „Motorrad" beschreibt den Standplatten deshalb als Zusammenspiel aus dem Gewicht der Maschine und den – so wörtlich – meist unvermeidlichen Fülldruckverlusten. Ein Reifen, der im Oktober korrekt gefüllt war, trägt im März also nicht mehr dieselbe Last mit demselben Druck. Je weniger Luft, desto stärker walkt und verformt sich die Aufstandsfläche unter dem unveränderten Gewicht.

Beim Motorrad kommt eine Eigenheit dazu, die es beim Auto so nicht gibt: die runde Querschnittsform. Ein Autoreifen hat eine breite, flache Lauffläche – ein Motorradreifen ist im Querschnitt gewölbt, damit er sich in Schräglage sauber abrollt. Das Motorrad steht aber senkrecht, und zwar auf dem höchsten Punkt dieser Wölbung. Die Verformung entsteht dadurch ausgerechnet in der Reifenmitte, also genau in dem schmalen Streifen, auf dem Sie geradeaus fahren, beschleunigen und bremsen. Ein Standplatten sitzt am Motorrad damit nie an einer unwichtigen Stelle – er sitzt dort, wo Sie ohnehin die meiste Zeit unterwegs sind, und macht sich beim Anfahren als Erstes bemerkbar.

Vorübergehend oder bleibend: die Ein-Monats-Marke

Hier liegt die eigentlich wichtige Information, und sie ist überraschend konkret. Continental unterscheidet zwei Arten von Standplatten – und die Grenze dazwischen verläuft ungefähr bei einem Monat.

Der vorübergehende Standplatten entsteht bei Standzeiten von Tagen oder Wochen. Sie merken ihn als leichte Vibration in den ersten Kilometern. Er verschwindet, sobald der Reifen Betriebstemperatur erreicht hat und wieder seine normale Form annimmt. Das ist der Normalfall, und er ist harmlos.

Der semi-permanente Standplatten tritt laut Continental auf, wenn das Fahrzeug länger als einen Monat stillgestanden hat – der Hersteller nennt die Wintereinlagerung ausdrücklich als Beispiel. Diese Form lässt sich durch normales Fahren nicht mehr beheben und gehört in einem Fachbetrieb beurteilt.

Das ist der Punkt, an dem die Winterpause aus der Reihe fällt: Sie liegt per Definition jenseits dieser Marke. Wer sein Motorrad von Oktober bis April abstellt, bewegt sich fünf bis sechs Monate lang genau in dem Bereich, in dem die Verformung nicht mehr von selbst herauswächst. Ein Wochenende in der Garage ist reifentechnisch ein Nichtereignis – ein halber Winter auf platten Reifen ist es nicht. Alles, was weiter unten zu Luftdruck und Ständer steht, zielt genau auf diese Unterscheidung: Es geht nicht darum, eine Vibration auf den ersten Kilometern zu vermeiden, sondern darum, gar nicht erst in den bleibenden Bereich zu geraten.

Luftdruck: Warum vier seriöse Quellen vier Antworten geben

Der meistgenannte Tipp lautet: vor der Pause Luft nachfüllen. Wie viel, dazu findet man allerdings vier verschiedene Empfehlungen – und alle vier stammen aus ernstzunehmenden Quellen:

  • Michelin empfiehlt für die Wintereinlagerung des Motorrads keinen erhöhten Druck, sondern den vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Wert aus Betriebsanleitung oder Aufkleber. Zu wenig Druck über längere Zeiträume führe zu Standplatten.
  • Continental rät bei längeren Parkzeiten zu plus 0,2 bar.
  • Die Fachzeitschrift „Motorrad" nennt 0,3 bis 0,5 bar über dem normalen Kaltwert.
  • Der ADAC empfiehlt, den Reifendruck um etwa 0,5 bar über den normalen Betriebsdruck zu erhöhen, um Standplatten bei längeren Standzeiten zu vermeiden.

Diese Empfehlungen widersprechen sich weniger, als die Zahlen vermuten lassen – sie gehen von unterschiedlichen Ausgangslagen aus. Einig sind sich alle vier im Mechanismus: Gefährlich ist zu wenig Druck unter Last. Wer das Motorrad aufbockt und die Reifen entlastet, hat dieses Problem gar nicht erst – dann genügt der korrekte Herstellerwert, wie Michelin ihn nennt. Wer die Maschine dagegen über Monate auf ihren Rädern stehen lässt, muss den schleichenden Druckverlust vorhalten, und genau dafür ist der Aufschlag von ADAC und „Motorrad" gedacht.

Eine Grenze gilt allerdings immer: Continental weist ausdrücklich darauf hin, den empfohlenen maximalen Kaltreifendruck niemals zu überschreiten. Der Aufschlag ist ein Puffer gegen Druckverlust – keine Einladung, den Reifen prall aufzupumpen. Wie Sie den für Ihre Maschine richtigen Ausgangswert überhaupt finden, steht im Ratgeber zum Reifendruck beim Motorrad.

Richtig abstellen: entlasten, drehen, kühl und trocken lagern

Wenn es eine Maßnahme gibt, die alle Quellen teilen, dann diese: Nehmen Sie das Gewicht von den Reifen. Michelin formuliert es am deutlichsten – ein Hauptständer oder Montageständer nimmt das Gewicht von den Reifen und verhindert Standplatten. Der ADAC nennt denselben Weg: am einfachsten über den Hauptständer, und falls keiner vorhanden ist, mit einem Montageständer vorne und hinten aufbocken.

Wichtig ist dabei das Wort beides. Viele Maschinen stehen nur hinten auf dem Montageständer, weil der zuerst angeschafft wird – das Vorderrad trägt dann weiterhin. Die Fachzeitschrift „Motorrad" beschreibt die saubere Lösung mit Ständern für Schwinge und Gabel, die die Reifen komplett entlasten; ein modellspezifischer Zentralständer ist die teuerste Variante. Wer nur einen Ständer hat, entlastet immerhin ein Rad – und sollte das andere nicht vergessen.

Und wenn gar kein Ständer da ist? Dann heißt die Antwort bewegen statt hoffen. Der ADAC empfiehlt, die Räder alle paar Wochen zu drehen, damit sich die Belastung gleichmäßiger verteilt und Verformungen vermieden werden. Michelin begründet dasselbe damit, dass sich durch regelmäßiges Drehen der Kontaktpunkt verändert und so das Risiko von Standplatten sinkt. Das ist keine Notlösung zweiter Klasse, sondern der eigentliche Kern der Sache: Der Schaden entsteht dadurch, dass die Last monatelang auf derselben Stelle liegt. Ein paar Zentimeter Rollen alle zwei, drei Wochen genügen, um genau das zu verhindern. Praktisch bietet sich an, das mit der Druckkontrolle zu verbinden – „Motorrad" rät ohnehin, den Fülldruck alle zwei Wochen zu prüfen.

Bleibt der Standort. Er entscheidet weniger über den Standplatten als über die Alterung des Gummis. Michelin nennt hier zwei Größen: Extreme Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit beschleunigen den Alterungsprozess des Gummis, weshalb ein kühler, trockener Lagerort ideal ist. Dazu kommt der Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung, weil UV-Strahlung das Gummi schneller altern lässt. Der ADAC empfiehlt für die Maschine einen trockenen, gut belüfteten, nicht zu warmen Keller- oder Garagenraum – „nicht zu warm" ist dabei kein Nebensatz, sondern Teil der Begründung.

Bleibt das Motorrad im Freien, wird es schwieriger: Michelin verweist auf die Risiken durch Feuchtigkeit und UV-Strahlung und empfiehlt in diesem Fall eine hochwertige Abdeckung, die wasserdicht und atmungsaktiv ist, damit sich darunter kein Kondenswasser bildet. Eine schlichte Plastikplane erfüllt genau die zweite Bedingung nicht.

Ein häufiges Missverständnis noch: Diese Regeln gelten für das abgestellte Motorrad. Wenn Sie stattdessen Räder oder lose Reifen über die Saison einlagern, gelten eigene Regeln für Stapeln, Hängen und Reinigen – die stehen im Ratgeber Reifen richtig lagern und pflegen.

Die erste Fahrt nach der Pause – und wann ein neuer Reifen fällig ist

Die erste Ausfahrt beginnt nicht mit dem Zündschlüssel, sondern mit dem Druckprüfer. Nach Monaten Standzeit ist der Fülldruck fast sicher gefallen, und ein zu weicher Reifen ist genau die Kombination, die den Standplatten überhaupt erst begünstigt hat. Prüfen Sie den Druck kalt, bevor Sie losfahren.

Dann die Sichtprüfung: Feine Risse in Flanke oder Profilgrund sind ein Alterungszeichen und kein Schönheitsfehler – wann sie harmlos sind und wann nicht, steht im Ratgeber zu porösen und rissigen Reifen. Prüfen Sie bei der Gelegenheit auch das Alter des Reifens über die DOT-Nummer auf der Flanke, denn ein Reifen, der zwei Winter überstanden hat, hat vor allem eines: zwei Jahre mehr auf dem Buckel.

Spüren Sie auf den ersten Kilometern eine Vibration, ist das nach der Continental-Systematik zunächst der Normalfall. Verschwindet sie, sobald der Reifen warm ist, war es ein vorübergehender Standplatten. Bleibt sie dagegen bestehen, sind Sie im semi-permanenten Bereich – dann gehört der Reifen beurteilt und nicht weggefahren. Fahren Sie die ersten Kilometer ohnehin zurückhaltend: Warum kalte Motorradreifen die gefährlichsten sind, ist ein eigenes Thema.

Fällt die Entscheidung für einen neuen Reifen – wegen Alter, Rissen oder eines gebliebenen Standplattens –, lohnt der Blick auf die Verschleißgrenzen und die Kosten der Montage. Passende Motorradreifen für die Straße finden Sie in unserem Shop, zum Beispiel in den beiden meistgefragten Formaten: vorn etwa der Metzeler Roadtec 01 120/70ZR17 58W als Tourenreifen, hinten der Metzeler Roadtec 02 180/55ZR17 73W oder – günstiger – der Continental SportAttack 180/55ZR17 73W. Welche Reifen Sie dabei kombinieren dürfen und welche nicht, ist allerdings eine eigene Frage.

Häufige Fragen

Reicht es, nur das Hinterrad aufzubocken?

Es ist besser als nichts, löst das Problem aber nur zur Hälfte: Das Vorderrad trägt dann weiterhin dauerhaft Last an derselben Stelle. ADAC und Michelin nennen beide das Entlasten über Hauptständer oder Montageständer vorn und hinten. Geht nur ein Rad, drehen Sie das andere alle paar Wochen ein Stück weiter.

Wie erkenne ich, ob ein Standplatten dauerhaft ist?

Über die erste Fahrt: Verschwindet die Vibration, sobald der Reifen Betriebstemperatur erreicht hat, war sie vorübergehend. Bleibt sie auch bei warmem Reifen, spricht das nach Continentals Einteilung für die semi-permanente Form – die lässt sich nicht mehr wegfahren und gehört fachlich beurteilt.

Schadet es, das Motorrad im Winter draußen stehen zu lassen?

Für die Reifen ist es die schlechteste Variante. Michelin verweist auf Feuchtigkeit und UV-Strahlung als Risiken und rät, falls es nicht anders geht, zu einer wasserdichten und zugleich atmungsaktiven Abdeckung – sonst sammelt sich darunter Kondenswasser. Ein kühler, trockener und gut belüfteter Innenraum ist deutlich schonender.

Fazit

Der Standplatten ist kein Mythos, aber auch kein Drama – entscheidend ist die Dauer. Bis zu ein paar Wochen fährt er sich heraus; jenseits eines Monats kann er bleiben, und die Winterpause liegt immer jenseits dieser Grenze. Die wirksamste Maßnahme ist nicht der Luftdruck, sondern das Entlasten: Wer aufbockt, braucht keinen Aufschlag. Wer nicht aufbocken kann, erhöht den Druck im Rahmen der Herstellerangaben und dreht die Räder alle paar Wochen ein Stück. Und wer im Frühjahr Risse oder eine bleibende Unwucht findet, ersetzt den Reifen – die passenden Motorradreifen gibt es im Shop.

Quellen: Continental – Standplatten · Michelin – Motorrad über den Winter einlagern · ADAC – Motorrad einwintern · Motorrad – Luftdruck in der Winterpause

Schlagwörter: Motorradreifen Standplatten Standzeit Reifendruck Winterpause

Das könnte Sie auch interessieren