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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Continental ContiGo!: der Reifen zwischen Moped und leichtem Motorrad

· 10 Min. Lesezeit
Vorderrad eines leichten Motorrads mit Speichenfelge auf sonniger Landstraße — KI-generiert (OpenAI)
Vorderrad eines leichten Motorrads mit Speichenfelge auf sonniger Landstraße — KI-generiert (OpenAI)

Es gibt Reifen, die lassen sich nicht in eine Schublade stecken. Der Continental ContiGo! ist so einer: Continental führt ihn gleichzeitig als Reifen für Mopeds und als Allround-Reifen für leichte Motorräder — und genau das macht ihn für viele Fahrerinnen und Fahrer interessant, aber beim Kauf auch erklärungsbedürftig. Denn hinter demselben Namen stecken zwei sehr unterschiedliche Welten: winzige Zollgrößen für 50er auf der einen Seite, ausgewachsene Motorradgrößen auf der anderen. Wir haben uns angesehen, was Continental offiziell über den Reifen sagt und wie sich das mit unserem eigenen Sortiment deckt (Stand 17.07.2026).

Was der ContiGo! ist – und was Continental über ihn sagt

Continental beschreibt den ContiGo! auf der offiziellen Produktseite knapp als „Diagonalreifen für den Allround-Einsatz". Das ist die wichtigste technische Information überhaupt, denn sie ordnet den Reifen sofort ein: Ein Diagonalreifen ist anders aufgebaut als ein moderner Radialreifen. Die Lagen der Karkasse verlaufen schräg und überkreuzen sich, statt direkt von Wulst zu Wulst zu laufen. Das ergibt eine weichere, in sich stabilere Konstruktion, die gutmütig reagiert und mit den vergleichsweise schmalen Felgen und hohen Flanken älterer und leichter Maschinen harmoniert.

Was der Hersteller verspricht: Continental nennt vier Punkte — „Perfekter Grip unter allen Bedingungen, auch bei Nässe und Kälte", „Ausgezeichnete Laufleistung durch modernste Mischungstechnologie", ein „kraftrichtungsorientiertes Profil mit sehr guter Wasseraufnahme und -verdrängung sowie optimalem Abriebbild" und eine „optimierte Karkasskonstruktion für gutes Handling und hohe Stabilität".

Das sind Herstellerangaben, keine unabhängigen Messwerte — wir geben sie hier wieder, ohne sie zu bewerten. Wichtig ist die Stoßrichtung dahinter: Der ContiGo! ist kein Sportreifen und will keiner sein. Er ist auf Haltbarkeit, Berechenbarkeit und Alltagstauglichkeit ausgelegt. Wer eine leichte Maschine im Alltag bewegt, sucht in der Regel genau das. Ein EU-Reifenlabel mit Nasshaftungs- und Effizienzklassen, wie Sie es vom Auto kennen, gibt es für diese Reifen in dieser Form übrigens nicht — die Orientierung läuft hier über Bauart, Größe und Index.

Warum der ContiGo! zwischen zwei Welten steht

Continental sortiert seine Motorradreifen nach Einsatzsegmenten, und hier wird es aufschlussreich: Der ContiGo! taucht in zwei Segmenten auf — unter „Allround / City" (gemeinsam mit dem ContiStreet, den Continental als „Premium Diagonal-Reifen für Leicht-Motorräder" führt) und unter „Moped" (dort neben dem KKS 10 „für Kleinkrafträder mit 50 ccm" und dem KKS 11, einem „Reifen für Elektrofahrzeuge").

Genauso aufschlussreich ist, wo er nicht auftaucht. Im Segment „Classic" steht er nicht — dort führt Continental den ContiClassicAttack, einen „neu entwickelten Radialreifen für klassische Motorräder", sowie die Linie RB 2 / K 112. Und im Segment „Scooter" ist er ebenfalls nicht zu finden; das ist das Revier von ContiScoot, ContiClassic, K 62, LB und dem ContiTwist. Falls Sie also einen Roller fahren: Der ContiGo! ist nicht Ihr Reifen — für den Roller ist bei Continental der ContiTwist zuständig, den wir in einem eigenen Beitrag zum Allround-Rollerreifen vorgestellt haben.

Diese Einordnung ist mehr als Etiketten-Kunde. Sie erklärt, warum der ContiGo! ein so eigenartig breites Größenspektrum abdeckt: Er soll die Lücke zwischen dem 50er-Moped und dem leichten Motorrad füllen — also genau jene Fahrzeuge, für die Sportreifen sinnlos und Rollerreifen unpassend sind. In unserem Sortiment schlägt sich das direkt nieder: Von 32 lieferbaren ContiGo!-Artikeln laufen 26 unter Motorradreifen für die Straße und 6 unter Mofa-, Moped- und Rollerreifen. Die Herstellersystematik und unser Bestand sagen also dasselbe.

Mit Schlauch oder ohne: die klarste Trennlinie im Programm

Wenn Sie sich aus diesem Beitrag eine einzige Zahl merken, dann diese: In unserem Bestand sind alle 6 Moped-Artikel TT und alle 26 Motorrad-Artikel TL — ausnahmslos, ohne eine einzige Abweichung. Die Trennlinie zwischen den beiden Welten verläuft also exakt entlang der Bauart.

TT heißt Tube Type: Der Reifen braucht zwingend einen Schlauch. TL heißt Tubeless: Er ist für den schlauchlosen Betrieb ausgelegt. Praktisch bedeutet das: Wenn Sie eine der Mopedgrößen kaufen, ist der Reifen allein noch nicht der ganze Einkauf — der passende Schlauch gehört dazu, und den finden Sie bei uns unter Motorrad-Schläuchen. Wer schon einmal einen neuen Reifen montiert und dabei den alten, spröden Schlauch weiterverwendet hat, kennt das Ergebnis meist schon nach wenigen Wochen.

Tipp: Den Schlauch beim Reifenwechsel grundsätzlich mit erneuern. Er kostet einen Bruchteil des Reifens, altert aber genauso — und er ist das Bauteil, das Sie bei einer Panne am Straßenrand ärgert, nicht der Reifen.

Umgekehrt gilt: Ein TL-Reifen auf einem Speichenrad braucht in aller Regel trotzdem einen Schlauch, weil das Speichenrad selbst nicht luftdicht ist. TL sagt also, was der Reifen kann — nicht, was Ihr Rad verlangt. Diese Unterscheidung führt regelmäßig zu Fehlkäufen. Welche Kombination bei Ihnen zulässig ist, steht in den Fahrzeugpapieren; die Zusammenhänge erklären wir ausführlich im Ratgeber zu Motorrad-Schläuchen und der TT/TL-Frage.

Alte Zollgrößen richtig lesen: 2 1/4-16, 3.25-19 und 4.00-18

Der ContiGo! ist einer der wenigen Reifen, bei denen Sie im selben Programm drei verschiedene Schreibweisen für Größen antreffen. Von unseren 32 Artikeln (die sich auf 25 verschiedene Größen verteilen — mehrere Größen gibt es in zwei Varianten) sind 23 in der vertrauten metrischen Schreibweise angegeben, etwa 110/70-17 oder 130/80-18. Bleiben 9 Artikel in Zoll-Schreibweise, und die zerfallen noch einmal in zwei Gruppen.

Die Dezimal-Zoll-Größen — bei uns 3.25-19, 3.00-21 und 4.00-18 — stammen aus der Zeit vor der metrischen Bemaßung. Die erste Zahl ist die ungefähre Reifenbreite in Zoll, die zweite der Felgendurchmesser. Ein 4.00-18 ist also grob vier Zoll breit und passt auf eine 18-Zoll-Felge. Eine Höhen-Breiten-Angabe fehlt, weil diese Reifen praktisch alle ein Verhältnis um 100 Prozent haben: Sie sind so hoch wie breit.

Die Bruch-Zoll-Größen sind die eigentlichen Mopedgrößen: 2 1/4-16, 2 1/2-16, 2 3/4-16, 2 1/4-17 und 2 3/4-17. Hier steht ein Bruch für die Breite — 2 1/4 Zoll sind rund 57 Millimeter. Diese Größen finden Sie auf klassischen 50ern, und sie sind der Grund, warum die Suche nach Mopedreifen oft so mühsam ist: Wer im Kopf metrisch denkt, findet sie schlicht nicht. Was hinter den Angaben steckt, haben wir im Ratgeber zu Roller- und Mopedreifen aufgedröselt. Verteilt über alle Zollgrößen deckt der ContiGo! bei uns 16, 17, 18, 19 und 21 Zoll ab — der Schwerpunkt liegt mit 12 Artikeln auf 18 Zoll.

J, M, H oder V: was der Geschwindigkeitsindex hier bedeutet

Der Geschwindigkeitsindex ist der Buchstabe hinter der Tragfähigkeitszahl, und er trennt die beiden Welten fast so sauber wie die TT/TL-Frage. In unserem ContiGo!-Bestand verteilt er sich so: 17 Artikel tragen H, 9 Artikel V, 4 Artikel J und 2 Artikel M.

Übersetzt heißt das: J steht für 100 km/h, M für 130 km/h, H für 210 km/h und V für 240 km/h. Die J- und M-Reifen sind erwartungsgemäß genau die sechs Mopedgrößen — für ein Fahrzeug, das bauartbedingt 45 km/h fährt, ist ein 100-km/h-Reifen mehr als ausreichend. Die H- und V-Reifen sind die Motorradgrößen.

Dass der Index nicht am Preis hängt, zeigt sich schon bei den Mopedgrößen: Die Dimension 2 1/2-16 führen wir sowohl als 42M mit 130 km/h für 39,20 Euro als auch als 42J mit 100 km/h für 40,20 Euro. Der langsamere Reifen ist hier also der teurere. Solche Paarungen entstehen, weil einzelne Fahrzeuge ausdrücklich die eine oder andere Freigabe verlangen — nicht, weil eine Variante die bessere wäre.

Wichtig ist die Richtung der Regel: Den vorgeschriebenen Index dürfen Sie nie unterschreiten, überschreiten dagegen schon. Was in Ihren Papieren steht, ist die Untergrenze. Interessant wird das dort, wo wir dieselbe Größe in zwei Indizes führen — etwa 100/90-18 als 56H für 101,90 Euro und als 56V für 100,10 Euro, oder 130/90-17 als 68H für 123,00 Euro und als 68V für 139,90 Euro. Der schnellere Reifen ist dabei nicht automatisch der teurere: In zwei von fünf dieser Größenpaare ist die V-Variante bei uns sogar günstiger als die H-Variante. Ein Aufpreis für „mehr Index" ist also keine Selbstverständlichkeit — es lohnt sich, beide Varianten kurz zu vergleichen, statt reflexhaft die vermeintlich einfachere zu nehmen.

Die gleiche Größe zweimal: Vorder- oder Hinterreifen?

Eine Stolperfalle verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie sich beim Bestellen leicht übersehen lässt. Die Größe 110/90-18 61H führen wir zweimal — und es handelt sich nicht um ein Versehen im Katalog, sondern um zwei verschiedene Reifen: einmal als Vorderreifen in 110/90-18 für 106,80 Euro und einmal als Hinterreifen derselben Dimension für 111,20 Euro.

Größe, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitsindex und Bauart sind identisch — die Achsposition ist es nicht. Vorder- und Hinterreifen haben unterschiedliche Aufgaben: Der vordere muss vor allem lenken, führen und Bremskräfte aufnehmen, der hintere muss Antriebskräfte übertragen und trägt mehr Last. Entsprechend unterscheiden sich Profilausrichtung und Karkasse, obwohl außen dieselbe Zahlenkombination steht. Ein Reifen, der für die Hinterachse gebaut ist, gehört nicht nach vorn — auch dann nicht, wenn er passt und die Zahlen stimmen.

Achten Sie deshalb bei Größen, die es doppelt gibt, immer auf den Zusatz „Front" beziehungsweise „Rear" in der Artikelbezeichnung. Continental gibt die Achsposition auch auf der eigenen Produktseite zu jeder Größe mit an. Bei den übrigen Dimensionen ist die Sache eindeutiger: Die meisten unserer ContiGo!-Artikel tragen keine gesonderte Achsangabe, weil sich die Zuordnung dort schon aus der Größe ergibt — eine 90/90-21 sitzt vorn, eine 150/70-18 hinten. Welche Dimension bei einem Klassiker oder einer leichten Enduro vorn oder hinten üblich ist, zeigen wir am Beispiel der Größe 100/90-19, die es beim ContiGo! ebenfalls gibt.

Für wen sich der ContiGo! lohnt – und für wen nicht

Preislich liegen zwischen den beiden Welten Größenordnungen — und zwar wörtlich. Die Mopedgrößen bewegen sich bei uns zwischen 33,00 und 46,30 Euro, die Motorradgrößen zwischen 90,60 und 141,80 Euro. Zwischen 46,30 und 90,60 Euro klafft eine Lücke: Die beiden Welten berühren sich preislich nicht einmal. Das ist unser aktueller Stand und kein allgemeiner Marktpreis, aber es zeigt die Spanne. Der Einstieg ins Programm ist der ContiGo! in 2 1/4-16, die günstigste Motorradgröße der ContiGo! in 90/90-18.

Der ContiGo! passt, wenn Sie ein Moped oder ein leichtes, unsportliches Motorrad im Alltag bewegen, Wert auf Laufleistung und Berechenbarkeit legen und eine Maschine mit klassischen Felgenmaßen fahren. Er passt nicht, wenn Sie einen Roller fahren (dann ContiTwist), wenn Sie einen echten Klassiker mit Radialbereifung aufbauen wollen (dann ContiClassicAttack) oder wenn Sie sportlich ambitioniert unterwegs sind — dafür ist ein Diagonalreifen dieser Auslegung schlicht nicht gemacht.

Was am Ende über die Haltbarkeit entscheidet, ist ohnehin weniger das Profil als der Luftdruck; wie Sie ihn richtig finden und halten, steht im Ratgeber zum Reifendruck am Motorrad. Alle verfügbaren Dimensionen mit tagesaktuellen Preisen finden Sie in der Übersicht aller ContiGo!-Größen.

Häufige Fragen

Brauche ich für den ContiGo! in Mopedgröße wirklich einen Schlauch?

Ja. Alle sechs Mopedgrößen in unserem Sortiment sind TT-Reifen (Tube Type) und damit ausdrücklich für den Betrieb mit Schlauch gebaut. Rechnen Sie den Schlauch also von vornherein mit ein und erneuern Sie ihn zusammen mit dem Reifen.

Ist ein Diagonalreifen schlechter als ein Radialreifen?

Nein, er ist anders. Radialreifen bieten bei hohen Geschwindigkeiten und Schräglagen Vorteile, brauchen dafür aber ein passendes Fahrwerk. Auf leichten Maschinen mit schmalen Felgen und hohen Flanken spielt der Diagonalreifen seine Stärken aus — Gutmütigkeit, Stabilität und Haltbarkeit. Entscheidend ist, was für Ihr Fahrzeug freigegeben ist.

Kann ich den ContiGo! auf meinen Roller ziehen?

Continental führt den ContiGo! nicht im Scooter-Segment, sondern unter „Allround / City" und „Moped". Für Roller sieht der Hersteller andere Reifen vor, allen voran den ContiTwist. Maßgeblich ist immer die Freigabe in Ihren Fahrzeugpapieren.

Passende Reifen für Moped und leichtes Motorrad finden Sie in unserer Motorradreifen-Übersicht.

Quellen: Continental (Produktseite ContiGo! und Segment-Suche auf continental-reifen.de, abgerufen am 17.07.2026); eigene Sortimentsauswertung Reifentiefpreis.de, Stand 17.07.2026.

Schlagwörter: Continental ContiGo Motorradreifen Mopedreifen Diagonalreifen

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