Motorradreifen wechseln lassen: Kosten, Ablauf und Auswuchten
Irgendwann ist es so weit: Das Profil ist herunter, der Reifen in die Jahre gekommen – und ein neuer Satz muss her. Wann genau das nötig ist, lesen Sie im Ratgeber Motorradreifen-Verschleiß erkennen. Hier geht es um den Schritt danach: Was kostet es, Motorradreifen aufziehen und auswuchten zu lassen, wie läuft die Montage ab – und warum gerade beim Motorrad das Auswuchten wichtig ist.
Was kostet es, Motorradreifen wechseln zu lassen?
Die Montagekosten hängen von der Werkstatt, dem Aufwand und davon ab, ob Sie die Räder ausgebaut anliefern. Als Orientierung nennt der Reifen-Fachhandel folgende Richtwerte (Quelle: reifen-vor-ort.de):
- Aufziehen inklusive Auswuchten, pro Reifen: rund 40–50 € im freien Fachbetrieb; große Ketten (z. B. ATU, Vergölst) liegen eher bei 45–60 €, freie Werkstätten oft bei 35–50 €.
- Altreifenentsorgung: etwa 2–5 € pro Reifen.
- Neues Ventil (bei schlauchlosen Reifen empfohlen): rund 3–5 €.
- Aufpreis für mitgebrachte Reifen: je nach Betrieb 5–15 € pro Reifen.
- Komplett ausgebaute Räder angeliefert: häufig günstiger, oft nur 20–30 € pro Rad.
Unterm Strich sollten Sie für beide Reifen samt Montage, Wuchten, Ventil und Entsorgung mit rund 100–130 € rechnen – bei Sportreifen oder aufwendiger Demontage am Supersportler kann es mehr werden. Die Reifen selbst kommen je nach Modell und Größe obendrauf.
Tipp: Reifen werden am Motorrad fast immer als Satz gewechselt oder zumindest paarweise abgestimmt. Mischen Sie nicht beliebig Marken und Profile – warum, erklärt der Ratgeber Motorradreifen mischen: vorne und hinten verschieden?.
Reifen online kaufen, lokal montieren lassen
Sie müssen Reifen und Montage nicht aus einer Hand beziehen. Viele Motorradfahrer kaufen den passenden Satz günstig online und lassen ihn vor Ort aufziehen. Beachten Sie dabei zwei Dinge:
- Für mitgebrachte Reifen verlangen viele Betriebe einen kleinen Aufpreis (siehe oben). Wer die Räder selbst aus- und wieder einbaut und nur die nackten Felgen mit Reifen anliefert, zahlt deutlich weniger.
- Kaufen Sie nur Reifen in der zugelassenen Größe und Bauart für Ihr Motorrad. Am Motorrad gilt häufig eine Reifenfreigabe bzw. Reifenfabrikatsbindung – seit 2025 zählen dafür ausschließlich die Fahrzeugpapiere. Details im Ratgeber Motorradreifen mischen und die Reifenbindung und in der Anleitung Motorradreifen-Größe lesen.
Einen Fachbetrieb in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Montagestationen-Suche. Passende Pneus für die gängigste Sportgröße bündelt die Übersicht Motorradreifen für die Straße sowie die Größenseite 120/70 R17.
So läuft die Reifenmontage Schritt für Schritt ab
Die eigentliche Montage folgt in der Werkstatt einem festen Ablauf (Quelle: reifen-vor-ort.de):
- Rad ausbauen – das Vorder- bzw. Hinterrad aus Gabel und Schwinge lösen.
- Altreifen abziehen – mit der Reifenmontiermaschine wird der alte Reifen vom Felgenhorn abgedrückt und heruntergezogen.
- Felge prüfen – Sichtkontrolle auf Risse, Schläge und Korrosion; ein beschädigtes Rad gehört nicht wieder ans Motorrad.
- Neuen Reifen aufziehen – mit Montagepaste wird der Reifen aufgezogen, streng nach der vorgeschriebenen Laufrichtung (Pfeil auf der Flanke). Welche Markierungen das sind, zeigt der Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen.
- Auf den Felgensitz bringen – mit einem kräftigen Druckstoß setzt sich der Wulst sauber, danach wird auf den Solldruck gefüllt.
- Auswuchten – Ausgleichsgewichte werden angebracht, bis das Rad in jeder Position ruhig steht (siehe nächster Abschnitt).
- Rad einbauen – Achse korrekt ausrichten, am Hinterrad die Kette spannen, Drehmomente nach Herstellervorgabe anziehen.
Bei Speichenrädern kommt fast immer ein Schlauch zum Einsatz – dann werden Schlauch und Felgenband gleich miterneuert. Worauf es dabei ankommt, klärt der Ratgeber Motorrad-Schläuche richtig wählen.
Wie lange dauert es? Ist das Rad bereits ausgebaut, sind es etwa 20–30 Minuten pro Rad. Ein kompletter Wechsel inklusive Aus- und Einbau dauert beim Tourer rund 1 bis 1,5 Stunden, beim Supersportler bis zu 2 Stunden.
Warum Motorradreifen ausgewuchtet werden müssen
Ein Rad und ein Reifen sind nie hundertprozentig rund, und die Masse verteilt sich nie ganz gleichmäßig. Dreht sich das Rad, entsteht daraus eine Unwucht. Beim Motorrad überträgt sich diese über die Gabel direkt nach oben und macht sich als Vibrieren oder Flattern am Lenker bemerkbar – besonders ab höherem Tempo. Das ist nicht nur unangenehm: Laut Michelin können ungewöhnliche Vibrationen auch zu vorzeitigem Verschleiß an Motorradteilen führen und sollten immer geprüft werden.
Beim Auswuchten gleicht die Werkstatt die Unwucht mit kleinen Gewichten aus, die der Unwuchtstelle gegenüber angebracht werden. Michelin unterscheidet zwei Verfahren:
- Statisches Auswuchten: Die Gewichte sitzen mittig an der Felge und gleichen nur die senkrechte Unwucht aus – für viele Motorräder ausreichend.
- Dynamisches Auswuchten: Die Gewichte werden seitlich versetzt angebracht, wenn die Unwucht nicht in der Radmitte liegt. Das ist aufwendiger, aber genauer.
Das Auswuchten gehört zur Standardmontage dazu – erst ein ausgewuchtetes Rad läuft ruhig. Das Grundprinzip ist beim Auto übrigens dasselbe; wie das Auswuchten genau funktioniert, erklären wir am Pkw-Beispiel ausführlich.
Selbst wechseln oder in die Werkstatt?
Theoretisch lässt sich ein Motorradreifen mit Montierhebeln auch von Hand wechseln – in der Praxis ist davon bei Gussrädern eher abzuraten. Der Fachhandel weist auf das Risiko von Felgen- und Reifenschäden hin; außerdem fehlt zu Hause meist die Wuchtmaschine, ohne die kein sauberer Rundlauf gelingt (reifen-vor-ort.de). Für günstige Roller- und Mopedreifen wagen sich manche selbst heran, beim Motorrad überwiegen jedoch die Vorteile der Werkstatt: fachgerechtes Wuchten, Kontrolle von Felge und Ventil sowie Gewährleistung auf die Arbeit.
Der Ablauf entspricht dem beim Auto – einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Ratgeber Reifen montieren lassen: Ablauf und Kosten.
Nach der Montage: einfahren und nachkontrollieren
Ein frisch montierter Reifen hat noch eine glatte, mit Trennmitteln behaftete Oberfläche und muss eingefahren werden – die ersten Kilometer also vorsichtig und ohne extreme Schräglagen. Prüfen Sie außerdem nach der Montage und vor jeder längeren Tour den Luftdruck. Beides erklärt der Ratgeber Motorrad-Reifendruck und neue Reifen einfahren.
Passende Motorradreifen im Shop
Ein abgestimmter Satz aus Vorder- und Hinterreifen ist die Regel. Beliebte Beispiele in der Sportgröße 120/70 ZR17 (vorne) und 180/55 ZR17 (hinten):
- Bridgestone BATTLAX HYPERSPORT S23F 120/70ZR17 58W (Vorderreifen)
- Bridgestone BATTLAX HYPERSPORT S23R 180/55ZR17 73W (Hinterreifen)
- Michelin Road 6 120/60ZR17 55W (Sport-Touring)
Welcher Reifentyp zu Ihrem Fahrstil passt, zeigt der Ratgeber Motorradreifen richtig wählen.
Häufige Fragen
Was kostet es, Motorradreifen wechseln zu lassen?
Das Aufziehen samt Auswuchten kostet je nach Werkstatt rund 35–60 € pro Reifen. Für beide Reifen inklusive Ventil und Entsorgung sollten Sie etwa 100–130 € einplanen, die Reifen selbst kommen hinzu (Richtwerte laut reifen-vor-ort.de).
Muss man Motorradreifen auswuchten?
Ja. Ohne Auswuchten überträgt sich die Unwucht des Rades als Vibrieren oder Flattern auf den Lenker. Das ist unangenehm und kann laut Michelin sogar zu vorzeitigem Verschleiß führen. Das Auswuchten gehört deshalb zur Standardmontage.
Kann ich Reifen mitbringen und nur montieren lassen?
Ja, das ist üblich. Viele Betriebe verlangen für mitgebrachte Reifen aber einen kleinen Aufpreis von etwa 5–15 € pro Reifen. Wer die Räder ausgebaut anliefert, zahlt für die reine Montage oft nur 20–30 € pro Rad.
Wie lange dauert ein Motorradreifen-Wechsel?
Bei bereits ausgebautem Rad etwa 20–30 Minuten pro Rad. Mit Aus- und Einbau dauert ein kompletter Wechsel beim Tourer rund 1 bis 1,5 Stunden, beim Supersportler bis zu 2 Stunden.
Kann ich Motorradreifen selbst wechseln?
Technisch ja, der Fachhandel rät bei Gussrädern aber wegen des Risikos von Felgen- und Reifenschäden davon ab. Außerdem fehlt zu Hause meist die Wuchtmaschine. Für ein sauberes Ergebnis ist die Werkstatt die sichere Wahl.
Fazit
Motorradreifen wechseln zu lassen kostet pro Reifen meist 35–60 € inklusive Auswuchten – Geld, das gut investiert ist: Die richtige Laufrichtung, ein geprüftes Rad und ein sauber gewuchteter Rundlauf sind sicherheitsrelevant. Kaufen Sie Ihre Reifen in der zugelassenen Größe und lassen Sie sie im Fachbetrieb aufziehen. Den passenden Satz finden Sie in unserer Auswahl an Motorradreifen für die Straße.