Reifenmarkt-Wochenrückblick KW 35/2026: Der Handel verkauft mehr, als er nachbestellt – und nur Allwetter wächst auf beiden Seiten
Die Kalenderwoche 35 lief vom 24. bis zum 30. August 2026, und sie war eine reine Werktagswoche: Von Montag bis Freitag verzeichnete die Fachpresse 44 Meldungen, am Wochenende erschien nichts mehr. Inhaltlich hielten zwei Zahlenreihen die Woche zusammen. Die erste besagt, dass der Reifenhandel in den ersten sieben Monaten dieses Jahres deutlich mehr an Verbraucher verkauft, gleichzeitig aber weniger bei der Industrie nachbestellt hat. Die zweite besagt, dass es genau ein Segment gibt, das auf beiden Seiten dieser Rechnung wächst. Drumherum sortierten sich Werksfreigaben, ein Ganzjahrestest, ein Gerichtsvergleich und mehrere Sortimentsmeldungen zur beginnenden Umrüstsaison ein. Wir ordnen die Woche entlang dieser Linie, jeder Punkt ist über die verlinkte Quelle belegt.
Sieben Monate, zwei Richtungen: Was die Marktzahlen über den Ersatzmarkt sagen
Die wichtigste Meldung der Woche war eine Tabelle. Am Donnerstag veröffentlichte die Fachpresse die Stückzahlentwicklung im deutschen Reifenersatzgeschäft für Januar bis Juli 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, erhoben von Tyres Europe und dem Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie. Diese Tabelle zeigt zwei gegenläufige Bewegungen: Bei den Consumer-Reifen, also Reifen für Pkw, SUV, Geländewagen und leichte Nutzfahrzeuge, liegt der Sell-out, das ist der Verkauf des Handels an die Verbraucher, mit plus 6,9 Prozent klar im Plus. Der Sell-in, also die Lieferung der Industrie an den Handel, liegt mit minus 3,3 Prozent im Minus (Reifenpresse.de zur Ganzjahresreifen-Entwicklung im Ersatzgeschäft, 27.08.2026; die Tabelle selbst steht in der Datenübersicht zum deutschen Reifenersatzmarkt).
Im Detail sieht das so aus, jeweils Sell-in und Sell-out gegenübergestellt:
- Sommerreifen: minus 7,7 Prozent bei der Belieferung des Handels, plus 0,3 Prozent im Verkauf an den Endkunden
- Ganzjahresreifen: plus 6,2 Prozent und plus 12,0 Prozent, also ein Zuwachs auf beiden Seiten
- Winterreifen: minus 8,6 Prozent bei der Belieferung, plus 8,7 Prozent im Verkauf
- Lkw- und Busreifen: Sell-out insgesamt minus 5,5 Prozent, bei Neureifen minus 3,9 Prozent, bei runderneuerten Reifen minus 9,5 Prozent
Was folgt daraus, und was folgt ausdrücklich nicht daraus? Wenn ein Handel über sieben Monate hinweg mehr verkauft, als er nachordert, dann verkauft er unter anderem aus Beständen, die er vorher aufgebaut hat. Genau dieses Muster liegt hier vor, und zwar am deutlichsten beim Winterreifen, wo die beiden Werte um mehr als 17 Prozentpunkte auseinanderliegen. Für Sie als Käuferin oder Käufer ist das zunächst eine gute Nachricht: Die Ware ist da. Es ist aber ausdrücklich keine Vorhersage über Preise, denn aus einer Stückzahlstatistik lässt sich kein Preis ableiten, und der Zeitraum endet am 31. Juli. Wie sich die Bestände im Oktober und November darstellen, also in den beiden Monaten mit der traditionell höchsten Nachfrage, steht in diesen Zahlen noch nicht.
Ganzjahresreifen: das einzige Segment mit Plus auf beiden Seiten
Nur eine Reifengattung wächst in dieser Statistik sowohl beim Handel als auch beim Verbraucher. Ganzjahresreifen legen im Sell-out um 12,0 Prozent zu und im Sell-in um 6,2 Prozent. Der Marktanteil dieser Gattung hat bereits zur Jahresmitte den Vorjahreswert überschritten, und die nachfragestarken Monate Oktober und November stehen noch aus. Sommer- und Winterreifen verlieren dagegen beide auf der Beschaffungsseite. Der Markt wächst also nicht einfach, er schichtet um. Warum das seit Jahren so läuft und welche Gründe die Käufer selbst dafür nennen, haben wir in unserer Auswertung dazu beschrieben, warum der Allwetteranteil seit Jahren steigt.
Im eigenen Regal lässt sich diese Verschiebung nachzählen. Am 31. August 2026 waren bei uns im Pkw-Segment 18.140 Sommerreifen-Angebote lieferbar, 8.864 Winterreifen-Angebote und 8.386 Ganzjahresangebote. Das Allwettersortiment liegt damit fast gleichauf mit dem Wintersortiment, obwohl der Winterreifen die ältere und traditionell breiter bestückte Gattung ist. Wer sich für die Gattung interessiert, findet die vollständige Auswahl bei den Ganzjahresreifen für PKW; für Kastenwagen und Lieferwagen gelten allerdings eigene Regeln, die wir gesondert bei den Ganzjahresreifen am Transporter erklärt haben.
Ein Hinweis zur Ehrlichkeit gehört an diese Stelle: Dass eine Gattung Marktanteile gewinnt, ist kein Qualitätsargument. Ein Ganzjahresreifen ist ein Kompromiss, der bei Schnee hinter einem guten Winterreifen und bei Hitze hinter einem guten Sommerreifen zurückbleibt. Er gewinnt, weil er zwei Radsätze, zwei Montagetermine und einen Einlagerungsplatz erspart. Ob dieser Tausch für Sie aufgeht, hängt an Ihrem Wohnort, Ihrer Jahresfahrleistung und daran, wie oft Sie im Winter tatsächlich fahren müssen.
Ganzjahrestest: Der Titelverteidiger ist überall zu haben, der Herausforderer noch nicht
Am Freitag erschien in der Fachzeitschrift Autoflotte der Ganzjahresreifentest von Die Reifentester. Die Tester Dirk Vincken und Joachim Fischer bescheinigen zwei Reifen, sie hätten „das System Ganzjahresreifen auf ein neues Level gehievt“: dem Pirelli Cinturato All Season SF3 und dem brandneuen Goodyear Vector All Season 4. Durchgesetzt hat sich knapp der Pirelli, der damit seinen Sieg aus einem Die-Reifentester-Ganzjahresreifentest des Jahres 2025 wiederholt (Reifenpresse.de zum Ganzjahresreifentest von Die Reifentester, 28.08.2026). Der Test selbst steht hinter einer Bezahlschranke; Messwerte, Notenspiegel und die geprüfte Dimension sind frei nicht zugänglich, und wir geben deshalb ausdrücklich nur diese Eckdaten wieder, statt Zahlen zu ergänzen, die wir nicht gelesen haben.
Interessant wird das Ergebnis, wenn man es gegen die Verfügbarkeit hält. Vom Testsieger führen wir am 31. August 2026 66 lieferbare Angebote in 64 verschiedenen Größen, preislich von 73,26 bis 226,94 Euro je Reifen. Vom zweitplatzierten Goodyear sind es 43 Angebote in lediglich 23 Größen, von 93,00 bis 272,95 Euro. Der Sieger ist also in fast dreimal so vielen Dimensionen zu haben wie der Herausforderer. Das liegt schlicht am Alter: Der Vector All Season 4 ist neu und rollt sein Größenprogramm gerade erst aus, während sein Vorgänger Vector 4Seasons Gen-3 bei uns nach wie vor in 99 Größen steht. Wer den Testzweiten fahren möchte, sollte also zuerst prüfen, ob es ihn für sein Fahrzeug überhaupt gibt: Das komplette Größenprogramm des Vector All Season 4 und daneben alle Größen des Cinturato All Season SF 3 stehen bei uns jeweils auf einer eigenen Übersicht.
In der meistgefragten deutschen Dimension lässt sich der Vergleich direkt anstellen. Beide Reifen sind in 205/55 R16 lieferbar:
- Der Testsieger: Pirelli Cinturato All Season SF 3 205/55 R16 94V für 82,30 Euro, EU-Label C/A/72 dB
- Der Zweitplatzierte: Goodyear VECTOR ALL SEASON 4 205/55 R16 91V für 88,18 Euro, EU-Label B/B/72 dB
Beim Nassgriff, der wichtigsten Sicherheitsklasse des Labels, liegt der Pirelli hier mit A vor dem B des Goodyear, beim Rollwiderstand ist es umgekehrt. Wer weitere Kandidaten in dieser Dimension sucht, findet sie auf der Größenseite 205/55 R16. Und eine Schreibweise sei angemerkt, weil sie bei der Suche regelmäßig stört: Der Pirelli läuft im Handel als „SF 3“ mit Leerzeichen, in Tests und Pressetexten dagegen meist als „SF3“. Wer ohne Treffer bleibt, sollte beide Varianten probieren.
Wintersaison im Handel: Die Programme wachsen, aber nicht in jeder Größe
Parallel zum Allwettergeschäft läuft die Winterbevorratung an, und gleich drei Meldungen der Woche gehörten dazu. Bridgestone hat sein Winterprogramm ausgebaut: Der Blizzak 6 bekommt 33 zusätzliche Größen und steht damit nach Herstellerangaben in 217 Ausführungen zur Verfügung, 157 davon ab 18 Zoll; die Zweitmarke Firestone erweitert den Winterhawk 4 um zwei Größen auf 85 Ausführungen, davon 35 ab 18 Zoll (Reifenpresse.de zum Winterprogramm von Bridgestone und Firestone, 28.08.2026). Wir haben beide Angaben am 31. August gegen unser Lager gehalten: Vom Blizzak 6 sind bei uns 200 der 217 angekündigten Ausführungen lieferbar, davon 146 der 157 großen ab 18 Zoll. Beim Winterhawk 4 stimmt die Rechnung punktgenau, hier stehen 86 Ausführungen im Regal und exakt die genannten 35 ab 18 Zoll. Was dieser Ausbau für Fahrer kleiner Räder bedeutet, steht ausführlich in unserer Auswertung des Bridgestone-Winterprogramms.
Auch Goodyear meldete Zahlen zur Breite seines Angebots, allerdings für die Zweitmarke Cooper. Deren Ganzjahresprofile All Season und All Season Van sollen eine Marktabdeckung von 89 Prozent in der Region Europa, Naher Osten und Afrika erreichen, die Winterprofile Winter und Winter Van sogar 92 Prozent, sagt Ben Glesener, Senior Technology Director Product Development Consumer EMEA (Reifenpresse.de zur Marktabdeckung der Cooper-Winterprofile, 27.08.2026). Solche Abdeckungsangaben sind Herstellerangaben und keine geprüften Werte; sie beschreiben, welcher Anteil des Fahrzeugbestands rechnerisch bedient werden kann, nicht die Leistung des Reifens. Wie die Marke zu Goodyear kam, haben wir beschrieben, als Cooper zur Zweitmarke von Goodyear wurde.
Die dritte Wintermeldung kam von der Nachfrageseite. Bridgestone hat im August 892 Personen ab 18 Jahren zu ihrem Umgang mit Winterreifen befragt (Reifenpresse.de zur Bridgestone-Umfrage unter Autofahrern, 25.08.2026). Das auffälligste Ergebnis: Mit 36,5 Prozent nennen mehr Befragte abgefahrene Reifen als größte Wintergefahr als vereiste Straßen mit 28,3 Prozent, und 44,3 Prozent räumen ein, schon einmal mit ungeeigneten Reifen im Schnee gefahren zu sein (Detailzahlen der Umfrage bei automotive.at). Was daraus für die eigene Vorbereitung folgt, haben wir in unserem Beitrag zur Umfrage über den Umgang mit Winterreifen durchgerechnet. Die aktuelle Auswahl finden Sie bei den Winterreifen für PKW.
Was der ID. Polo ab Werk bekommt und was davon im Regal steht
Am Mittwoch wurden die Erstausrüstungsfreigaben für ein Fahrzeug bekannt, das viele Leser betreffen dürfte. Volkswagen hat für den ID. Polo den Continental EcoContact 7 in den Größen 215/55 R17 94T FR und 215/50 R18 92T FR freigegeben. Für winterliche Bedingungen empfiehlt der Fahrzeughersteller zusätzlich den WinterContact TS 870 P in 215/50 R18 96T XL, für den ganzjährigen Betrieb den AllSeasonContact 2 in derselben Dimension. Die GTI-Version des Wagens bestückt Volkswagen dagegen ab Werk mit Bridgestone-Reifen (Reifenpresse.de zu den Conti-Freigaben für den ID. Polo, 26.08.2026).
Wir haben nachgesehen, ob diese vier Empfehlungen tatsächlich zu bekommen sind, und zwar in genau der genannten Größe samt Kennung. Das Ergebnis, Stand 31. August 2026:
- Sommer, 17 Zoll: Continental EcoContact 7 215/55 R17 94T für 126,07 Euro, EU-Label A/A/71 dB
- Sommer, 18 Zoll: Continental EcoContact 7 215/50 R18 92T für 134,71 Euro, EU-Label A/A/71 dB
- Winter: Continental WinterContact TS 870 P 215/50 R18 96T für 207,74 Euro, EU-Label B/B/71 dB
- Ganzjahr: Continental AllSeasonContact 2 215/50 R18 96T für 148,89 Euro, EU-Label B/B/72 dB
Bei der Suche ist uns dabei eine Falle aufgefallen, die auch Ihnen begegnen kann: In der nach Relevanz sortierten Trefferliste taucht der EcoContact 7 in 215/55 R17 zunächst gar nicht auf, weil ältere und häufiger gekaufte Geschwister dieselbe Dimension belegen. Erst die Sortierung nach Preis fördert ihn zutage. Wer eine bestimmte Werksfreigabe sucht, gibt deshalb besser Profilname, Größe und Kennung vollständig ein.
Wichtig bleibt die Einordnung: Eine Erstausrüstungsfreigabe ist eine Empfehlung des Fahrzeugherstellers, keine gesetzliche Pflicht. Verbindlich sind die in den Fahrzeugpapieren eingetragenen Größen samt Last- und Geschwindigkeitsindex. Sie dürfen also auch andere Fabrikate fahren, solange diese Werte stimmen. Was die Kennbuchstaben auf der Flanke dabei bedeuten, erklären wir dort, wo wir Herstellerkennzeichen wie MO, AO oder Stern auseinandernehmen.
Nachhaltigkeit: einmal vor Gericht, einmal im Laufstreifen
Zum Wochenauftakt endete ein Rechtsstreit, der über die Reifenbranche hinausweist. Die Deutsche Umwelthilfe und Continental haben ihre Auseinandersetzung über Nachhaltigkeitsaussagen auf der Unternehmenswebsite durch einen gerichtlichen Vergleich beigelegt. Verhandelt wurde vor dem Landgericht Hannover unter dem Aktenzeichen 26 O 115/25; Continental gab eine Unterlassungserklärung ab und hatte die beanstandeten Inhalte zuvor bereits von der Website entfernt. Es ging um Versprechen wie „100 Prozent Klimaneutralität“, „100 Prozent emissionsfreie Mobilität und Industrie“ und „100 Prozent verantwortungsvolle Wertschöpfungsketten“ bis 2050, die aus Sicht der Organisation ohne nachvollziehbaren Umsetzungsplan beworben wurden (Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vom 24.08.2026). Ein Vergleich ist kein Urteil und enthält kein Schuldeingeständnis; die Sache ist damit ohne gerichtliche Entscheidung beendet. Warum solche Aussagen inzwischen deutlich strenger beurteilt werden, steht in unserem Beitrag zur Nachhaltigkeitswerbung und dem neuen Wettbewerbsrecht.
Einen Tag später kam vom selben Hersteller eine Meldung, die genau die andere Seite dieser Medaille zeigt. Im Rahmen des EU-Projekts ZEvRA hat Continental einen Konzeptreifen entwickelt, der zu rund 43 Prozent aus recycelten Materialien besteht, und weist zugleich darauf hin, dass die Skalierung solcher Recyclingtechnologien verlässliche Rahmenbedingungen voraussetze. Der Unterschied zum Gerichtsfall ist der entscheidende Punkt: Hier steht eine überprüfbare Materialangabe an einem konkreten Produkt, dort stand ein Zielversprechen für das Jahr 2050. Wir haben uns angesehen, was in diesem Reifen tatsächlich steckt und was davon serienreif ist, und zwar bei Continentals Konzeptreifen aus dem ZEvRA-Projekt.
Kurz notiert: Transporter, Räder, Zulassungen und zwei Meldungen aus dem Handel
Im Van-Segment bewegte sich in dieser Woche gleich zweimal etwas. Kumho stellte den PorTran Van CS51 vor, einen Sommerreifen für Transporter und Vans, und zeigt ihn erstmals einer größeren Öffentlichkeit auf der IAA Transportation, die vom 15. bis 20. September in Hannover stattfindet. Dort feiern zudem die Fernverkehrsreifen KLA31, KLD31 und KLT31 Weltpremiere (Reifenpresse.de zur Weltpremiere der Kumho-Fernverkehrsreifen, 28.08.2026; Termine und Ort auf der offiziellen Seite der IAA Transportation). Zeitgleich baut Prinx Europe sein Transporterangebot aus: Der Sommerreifen Vanea bekommt neun weitere Ausführungen und verdoppelt sich damit auf 18, bis zum Jahresende sollen im Van-Segment einschließlich des Ganzjahresreifens Vanea 4S insgesamt 40 Ausführungen bereitstehen (Reifenpresse.de zum Ausbau des Prinx-Van-Sortiments, 28.08.2026). Beide Marken führen wir derzeit nicht im Transportersortiment; was aktuell lieferbar ist, steht bei den Van- und Transporterreifen.
Bei den Rädern gab es eine Meldung für Kleinwagen. Brock Alloy Wheels bietet das Zehnspeichenrad RC36 seiner Marke RC-Design ab sofort auch mit Vierlochanbindung an, in den vier Dimensionen 6,5x16, 7,0x16, 6,5x17 und 7,0x17 Zoll und drei Farbvarianten. Als Anwendungen nennt der Hersteller unter anderem Renault Clio VI und Twingo E-Tech, Fiat Grande Panda, Hyundai Inster, Jeep Avenger, Opel Corsa, Dacia Sandero und Citroën C3 (Reifenpresse.de zum Brock RC36 mit Vierlochanbindung, 28.08.2026). Vierlochräder sind im Neuwagenbestand seltener geworden, weil auch Kleinwagen zunehmend fünf Bolzen tragen; für Kompaktmodelle mit vier Löchern ist das Angebot deshalb relevant. Passende Alufelgen finden Sie in unserem Räderbereich.
Aus dem Handel kamen zwei Nachrichten mit gegenläufigem Vorzeichen. Über das Vermögen der Reifen Meertens GmbH, einer Kfz-Werkstatt aus Aachen, ist Anfang August das Insolvenzverfahren eröffnet worden; zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Aachen Rechtsanwalt Frank Graaf bestellt (Reifenpresse.de zur Insolvenz von Reifen Meertens, 24.08.2026). Wir geben diesen Vorgang neutral wieder, wie er dokumentiert ist, ohne Bewertung und ohne Spekulation über Ursachen. In Frankreich verlief es umgekehrt: Der dort einzige Pkw-Reifenrunderneuerer Black Star hat unter neuen Eigentümern und dem Namen Black Star Next einen Neustart hingelegt und sein Schutzverfahren beendet (Reifenpresse.de zum Neustart von Black Star, 26.08.2026). Warum die Runderneuerung beim Pkw in Deutschland trotzdem eine Randerscheinung bleibt, erklären wir dort, wo wir zeigen, wie runderneuerte Reifen entstehen.
Zwei kleinere Punkte zum Schluss. Der Industrieverband Motorrad meldete für Januar bis Juli rund 137.500 neu zugelassene motorisierte Zweiräder in Deutschland, knapp ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum; allein auf Krafträder entfielen gut 82.300 Neuzulassungen (Reifenpresse.de zu den IVM-Zulassungszahlen, 26.08.2026). Wer eine dieser Maschinen fährt, findet die passende Bereifung bei den Motorradreifen. Und zum Ende des Gewittersommers erinnerten die R+V Versicherung und die GTÜ daran, dass Profiltiefe und Fülldruck gemeinsam über die Aquaplaninggefahr entscheiden, und nennen als sicheren Bereich mehr als vier Millimeter Profil (Reifenpresse.de zur Reifendruckkontrolle als Aquaplaningvorsorge, 28.08.2026). Woran Sie das Aufschwimmen früh bemerken, steht in unserem Ratgeber dazu, wie Sie Aquaplaning rechtzeitig erkennen und richtig reagieren. Vertieft haben wir in dieser Woche außerdem zwei Themen, die nur am Rand hierher gehören: 60 Jahre Michelin-Werk in Bad Kreuznach und die Frage, was künstliche Intelligenz in der Reifenentwicklung inzwischen wirklich leistet.
Fazit: KW 35 lieferte keine große Schlagzeile, aber eine ungewöhnlich klare Zahlenlage. Der Handel verkauft mehr, als er nachordert, die Winterprogramme wachsen fast ausschließlich auf großen Felgen, und der Ganzjahresreifen ist die einzige Gattung, die auf beiden Seiten der Statistik zulegt. Für Sie heißt das ganz praktisch: Die Auswahl ist jetzt vollständig, im Oktober ist sie es erfahrungsgemäß nicht mehr. Den Blick auf die Vorwoche finden Sie im Rückblick auf KW 34.
Häufige Fragen
Warum ordert der Handel weniger Reifen, obwohl er mehr verkauft?
Weil er zusätzlich aus vorhandenen Beständen verkauft. Der Sell-in beschreibt die Lieferung der Industrie an den Handel, der Sell-out den Verkauf an Verbraucher. Liegen beide sieben Monate lang auseinander, baut der Handel Lager ab. Über die Preisentwicklung sagt das nichts aus.
Sind Allwetterreifen die bessere Wahl, nur weil sie Marktanteile gewinnen?
Nein. Der Zuwachs zeigt, dass viele Autofahrer den Komfortgewinn schätzen, nicht dass der Kompromiss technisch überlegen wäre. Bei starkem Schnee bleibt ein guter Winterreifen vorn, bei Hitze ein guter Sommerreifen. Entscheidend sind Wohnort, Fahrleistung und tatsächlicher Winterbedarf.
Muss ich für meinen ID. Polo genau die von Volkswagen freigegebenen Reifen kaufen?
Nein. Verbindlich sind die in den Fahrzeugpapieren eingetragenen Größen mit Last- und Geschwindigkeitsindex. Die Werksfreigabe ist eine Empfehlung des Fahrzeugherstellers, an die Sie sich halten können, aber nicht müssen.