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Winterreifen – Ratgeber im Magazin

Winterreifen im Sommer fahren: erlaubt – aber wirklich eine gute Idee?

· 8 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 28.07.2026
Winterreifen mit groben Profilblöcken auf heißem, trockenem Sommerasphalt bei gleißender Sonne (KI-generiert, OpenAI)
Winterreifen mit groben Profilblöcken auf heißem, trockenem Sommerasphalt bei gleißender Sonne (KI-generiert, OpenAI)

Der Sommer ist da, die Temperaturen klettern – und auf manchem Auto drehen sich immer noch die Winterreifen. Vielleicht ist der Wechsel im Frühjahr untergegangen, vielleicht sollen die alten Winterreifen „noch schnell aufgebraucht" werden. Doch ist das überhaupt erlaubt? Und vor allem: Ist es eine gute Idee? Die kurze Antwort lautet: rechtlich ja, fahrsicherheitstechnisch klar nein. Warum das so ist – und worauf Sie bei sommerlicher Hitze achten sollten – erklären wir hier mit den Messwerten des ADAC.

Ist es erlaubt, im Sommer Winterreifen zu fahren?

Ja. In Deutschland gibt es keine Sommerreifenpflicht. Die sogenannte situative Winterreifenpflicht (§ 2 Abs. 3a StVO) verpflichtet Sie nur bei winterlichen Verhältnissen – also bei Schnee, Eis, Schneematsch oder Glätte – dazu, geeignete Winterreifen mit Alpine-Symbol („3PMSF") zu nutzen. Eine umgekehrte Regel gibt es nicht: Winterreifen dürfen Sie das ganze Jahr über weiterfahren. Auch der ADAC bestätigt, dass Winterreifen im Sommer schlicht weitergefahren werden dürfen – ein Bußgeld allein für die falsche Jahreszeit droht also nicht.

Zwei Dinge bleiben aber Pflicht – unabhängig von der Jahreszeit:

  • Mindestprofiltiefe 1,6 mm (§ 36 StVZO). Wie Sie das selbst prüfen, zeigt unser ausführlicher Ratgeber zum Reifenprofil messen.
  • Keine beschädigten oder überalterten Reifen. Gerade ältere Wintersätze, die den Sommer „aufbrauchen" sollen, sind hier oft der Knackpunkt: Wird die Lauffläche zu dünn oder zeigt die Flanke Risse, wird aus dem Sparversuch schnell ein Mangel bei der Hauptuntersuchung.

Tipp für die Urlaubsfahrt: Im Ausland gelten teils andere Regeln. In Italien etwa sind Winterreifen mit niedrigem Geschwindigkeitsindex vom 16. Mai bis 14. Oktober sogar verboten (mit Ausnahmen). Prüfen Sie vor der Reise die Vorschriften des Ziellandes.

Welche Reifenregeln in Deutschland sonst noch zählen, fasst unser Überblick Reifen und Gesetz zusammen.

Warum Winterreifen im Sommer zum Problem werden

Der entscheidende Unterschied steckt in der Gummimischung. Winterreifen sind mit einer weichen Mischung und vielen feinen Lamellen für Temperaturen unter etwa 7 Grad ausgelegt. Genau das wird im Sommer zum Nachteil: Bei Hitze wird das ohnehin weiche Gummi noch weicher, die zahlreichen Profilblöcke beginnen zu „walken", und der Reifen baut weniger Seitenführung auf. Das Fahrverhalten wird, so der ADAC, schwammig und unsicher – besonders spürbar in Kurven, an Autobahnausfahrten und bei voll beladenem Fahrzeug. Das Lenkgefühl wird indirekter, weil sich die weichen Blöcke unter Last erst verformen, bevor der Reifen die Richtung wirklich hält.

Verschärft wird das durch die Fahrbahntemperatur. Nicht die Lufttemperatur ist entscheidend, sondern der Asphalt: An heißen Sommertagen liegt er deutlich über der Lufttemperatur und heizt die weiche Wintermischung zusätzlich auf. Je heißer die Straße, desto ausgeprägter der Effekt. Den technischen Hintergrund dazu – Gummimischung, Profil und die 7-Grad-Faustregel – erklären wir im Detail im Vergleich Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen.

Ein oft übersehener Punkt bei Hitze ist außerdem der Luftdruck. Warme Luft dehnt sich aus, der Reifendruck steigt während der Fahrt an – bei einem ohnehin weichen Winterreifen ist der korrekte Kaltfülldruck deshalb besonders wichtig. Wie Sie den Druck bei sommerlichen Temperaturen und vor der Urlaubsfahrt richtig einstellen, lesen Sie in unserem Ratgeber Reifendruck bei Hitze und Urlaubsfahrt.

Der längere Bremsweg – das sagen die ADAC-Messwerte

Am deutlichsten zeigt sich der Nachteil beim Bremsen. Der ADAC hat drei Winterreifen mit unterschiedlichen Restprofiltiefen gegen einen Sommerreifen getestet – auf trockener Fahrbahn bei rund 35 °C und auf nasser Fahrbahn, jeweils im Vergleich zu einer kühlen Frühjahrsreferenz von 10 bis 13 °C.

Das Ergebnis auf heißem, trockenem Asphalt ist eindrücklich: Aus Tempo 100 stand das Fahrzeug mit Sommerreifen bereits, während es mit Winterreifen noch mit rund 37 km/h weiterrollte. Im ungünstigsten Fall war der Bremsweg bis zu 16 Meter länger. Selbst abgefahrene Winterreifen mit nur noch etwa 4 mm Restprofil bremsten noch rund 5 Meter länger als Sommerreifen. Und: Je mehr Profil der Winterreifen hatte und je heißer der Asphalt war, desto länger wurde der Bremsweg (Quelle: ADAC).

16 Meter – das ist mehr als eine ganze Pkw-Länge zusätzlich und oft genau der Unterschied zwischen rechtzeitigem Stehen und einem Aufprall. Fairerweise gehört dazu: Auf nasser Fahrbahn schnitten die Winterreifen laut ADAC noch „durchaus akzeptabel" ab – der dramatische Rückstand entsteht vor allem auf dem heißen, trockenen Sommerasphalt. Ganz unproblematisch ist die Nässe aber auch nicht: Sinkt das Restprofil unter etwa 3 mm, kann der Winterreifen das Wasser schlechter verdrängen und das Aquaplaning-Risiko steigt. Wie stark Tempo, Profil und Reifenwahl den Anhalteweg generell beeinflussen, zeigen wir im Ratgeber Bremsweg bei Nässe.

Schwammiges Handling und teurer Verschleiß

Neben dem Bremsweg leidet auch der Geldbeutel. Die weiche Wintermischung verschleißt bei Hitze deutlich schneller. Wer seine Winterreifen im Sommer „aufbrauchen" will, erreicht damit oft das Gegenteil: Statt zu sparen, fährt er den teuren Wintersatz – der schnell mehrere Hundert Euro wert ist – in wenigen heißen Wochen unnötig herunter und muss im Herbst trotzdem neue Winterreifen kaufen.

Hinzu kommt ein höherer Rollwiderstand. Die weiche, stark profilierte Wintermischung rollt schwerer ab als ein Sommerreifen, was den Kraftstoffverbrauch spürbar steigen lässt – warum der Rollwiderstand so stark auf den Verbrauch durchschlägt, erklären wir unter Rollwiderstand und Spritsparen. Häufig verschleißt die weiche Mischung bei Hitze zudem ungleichmäßig, sodass der Reifen schon aus optischen Gründen früher fällig wird. Unterm Strich ist das „Aufbrauchen" damit meist eine Milchmädchenrechnung: weniger Sicherheit, schnellerer Verschleiß, etwas mehr Verbrauch.

Wann ist es ausnahmsweise vertretbar?

Ganz ohne Grauzone ist das Thema nicht. Der ADAC nennt eine pragmatische Ausnahme: In den Übergangsmonaten April und Mai, wenn die Temperaturen nur zeitweise sommerlich sind und die Winterreifen ohnehin schon abgefahren sind, kann man sie für die letzten Kilometer noch aufbrauchen. Als grober Anhaltspunkt gilt ein Restprofil von etwa 4 bis 5 mm – in diesem Bereich fallen die nachteiligen Sommereigenschaften laut ADAC weniger ins Gewicht. Rutscht das Profil aber unter rund 3 mm, steigt das Aquaplaning-Risiko wieder an, sodass sich das Fenster für das sinnvolle „Aufbrauchen" schnell schließt.

Nicht sinnvoll ist es dagegen, neue Winterreifen mit vollem Profil über einen heißen Hochsommer zu fahren – hier überwiegen die Nachteile klar, und das gute Winterprofil sollte für seine eigentliche Saison aufgehoben werden. Faustregel: je heißer und je tiefer das Profil, desto stärker der Sicherheitsverlust.

Die bessere Lösung: rechtzeitig wechseln

Und der umgekehrte Fall – Sommerreifen im Winter? Der ist noch heikler. Bei Kälte wird die harte Sommermischung glasig, Grip und Bremsleistung brechen ein – auf Schnee und Eis sind Sommerreifen schlicht gefährlich. Und anders als im Sommer ist das hier nicht nur unklug, sondern verboten: Wer bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen fährt, verstößt gegen die situative Winterreifenpflicht und riskiert ein Bußgeld – bei Behinderung anderer kommt ein Punkt hinzu.

Am sichersten und auf Dauer am günstigsten fahren Sie deshalb, wenn der Reifen zur Jahreszeit passt. Als Merkregel für den Wechseltermin hat sich „von O bis O" eingebürgert – von Ostern bis Oktober auf Sommerreifen:

Häufige Fragen

Drohen Bußgeld oder Punkte, wenn ich im Sommer mit Winterreifen fahre?

Nein. Für die falsche Jahreszeit allein gibt es keine Strafe – eine Sommerreifenpflicht existiert in Deutschland nicht. Geahndet wird nur, wenn die Reifen zu wenig Profil (unter 1,6 mm) haben oder beschädigt beziehungsweise überaltert sind. Der ADAC rät bei Hitze aber ausdrücklich vom Weiterfahren ab, weil Bremsweg und Fahrverhalten deutlich leiden.

Muss ich bei Hitze den Reifendruck der Winterreifen anpassen?

Stellen Sie den vom Hersteller vorgegebenen Kaltfülldruck ein und prüfen Sie ihn im Sommer regelmäßig. Durch die Wärme steigt der Druck während der Fahrt ohnehin an; ein zu niedriger Ausgangsdruck belastet die weiche Wintermischung bei Hitze zusätzlich und erhöht Verschleiß wie Pannenrisiko.

Sind Ganzjahresreifen die bessere Alternative?

Für viele Autofahrer in milden Regionen ja: Ganzjahresreifen mit 3PMSF-Symbol sind ein legaler Kompromiss für alle Jahreszeiten – allerdings nie ganz so gut wie ein spezialisierter Sommer- oder Winterreifen bei Extrembedingungen.

Fazit

Winterreifen im Sommer zu fahren ist erlaubt, aber selten klug: ein längerer Bremsweg (laut ADAC bis zu 16 Meter aus Tempo 100 auf heißem, trockenem Asphalt), schwammiges Handling und schnellerer Verschleiß sprechen dagegen. Nur abgefahrene Winterreifen mit rund 4 bis 5 mm Restprofil sind in den kühleren Übergangswochen eine vertretbare Ausnahme. Wer auf Nummer sicher gehen will, wechselt rechtzeitig auf Sommerreifen – oder setzt gleich auf Ganzjahresreifen. Passende Reifen für jede Jahreszeit finden Sie in unserem Shop.

Schlagwörter: Winterreifen Sommerreifen Reifenwechsel Bremsweg Verkehrssicherheit Ganzjahresreifen

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