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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Motorradreifen in 100/90-19: Für Klassiker, Enduro oder Motocross – welcher passt?

· 5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 07.07.2026
Klassisches Motorrad mit Speichenrad und grobstolligem Reifen in 19 Zoll (KI-generiert, OpenAI)
Klassisches Motorrad mit Speichenrad und grobstolligem Reifen in 19 Zoll (KI-generiert, OpenAI)

Die Reifengröße 100/90-19 gehört zu den vielseitigsten im Motorradbereich – und genau das macht die Reifenwahl knifflig. Dieselbe Zahlenkombination sitzt auf klassischen Naked Bikes und Scramblern, auf straßenzugelassenen Reise-Enduros und auf reinrassigen Motocross-Maschinen. Die Größe allein sagt Ihnen also noch nicht, welcher Reifen der richtige ist: Entscheidend sind Bauart, Straßenzulassung und der Einsatzzweck. Dieser Ratgeber führt Sie Schritt für Schritt zur passenden Wahl.

Was bedeutet 100/90-19?

Die Bezeichnung zerlegt sich in drei Werte plus die Bauart:

  • 100 – die nominale Reifenbreite in Millimetern (Laufflächenbreite).
  • 90 – das Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent. Die Flankenhöhe beträgt also 90 % von 100 mm, das sind rund 90 mm.
  • 19 – der Felgendurchmesser in Zoll.
  • Der Bindestrich („100/90-19") steht für die Diagonalbauweise (Diagonal- bzw. Bias-Reifen). Bei einem Radialreifen stünde stattdessen ein R in der Größe („100/90 R 19"). In dieser Dimension ist der Diagonalreifen der Normalfall.

Wie Sie die komplette Beschriftung Ihrer Reifenflanke entschlüsseln – von der Größe über den Index bis zu den Prüfzeichen – zeigt unser ausführlicher Ratgeber zur Reifenflanke.

Diagonal oder Radial – und warum man nicht mischt

100/90-19 gibt es fast ausschließlich als Diagonalreifen (Bindestrich in der Größe). Die Diagonalbauweise bringt eine robuste, gutmütige Flanke mit und passt gut zu Klassikern und Geländemaschinen. Wichtig: Vorder- und Hinterreifen sollten dieselbe Bauart haben. Diagonal und Radial nur dann kombinieren, wenn der Fahrzeug- oder Reifenhersteller diese Mischung ausdrücklich freigibt. Kurz beantwortet: Sind 100/90-19-Reifen Diagonal- oder Radialreifen? Fast immer Diagonalreifen – erkennbar am Bindestrich in der Größe (100/90-19). Ein Radialreifen wäre mit einem „R" gekennzeichnet (100/90 R 19), was in dieser Dimension die Ausnahme ist.

Vorne oder hinten? Auf welchen Maschinen 100/90-19 sitzt

Anders als viele PKW-Größen kann 100/90-19 Vorder- oder Hinterreifen sein – je nach Motorrad:

  • Klassiker, Retro und Scrambler: Das 19-Zoll-Rad ist bei vielen luftgekühlten Klassikern und Scramblern verbreitet, häufig als Vorderrad.
  • Motocross und Enduro: Im Gelände ist 19 Zoll das typische Hinterrad – dort läuft 100/90-19 meist als Hinterreifen.

Wichtig: Vorder- und Hinterreifengröße sind in den Fahrzeugpapieren bzw. in der Betriebsanleitung getrennt angegeben. Prüfen Sie zuerst, ob 100/90-19 bei Ihrer Maschine die Vorder- oder die Hinterachse betrifft, und montieren Sie den Reifen nur an der vorgesehenen Position.

Drei Welten, drei Reifentypen – die eigentliche Entscheidung

Hinter derselben Größe verbergen sich völlig unterschiedliche Reifen. Diese drei Gruppen sollten Sie auseinanderhalten:

Klassiker, Scrambler und Retro (straßenzugelassen)

Straßenreifen mit klassischem oder leicht grobem Profil und hoher Geschwindigkeitsfreigabe – ausgelegt für Alltag und Landstraße. Typisch ist hier ein H-Index (bis 210 km/h). Beispiel aus unserem Sortiment: Maxxis M6011 Classic 100/90-19 57H.

Straßenenduro und Dual-Sport (straßenzugelassen, mit Stollen)

Grobstolliges Profil, aber mit Straßenzulassung und Geschwindigkeitsindex – für Maschinen, die überwiegend auf der Straße fahren und ab und zu ins leichte Gelände abbiegen. Beispiel: Michelin Tracker 100/90-19 57R. Wie Sie zwischen mehr Straße oder mehr Gelände abwägen, erklärt unser Ratgeber Enduro- und Adventure-Reifen richtig abwägen.

Motocross und reines Gelände (NICHT für die Straße)

Grobe Stollen, weiche Mischung, keine Straßenzulassung. Solche Reifen tragen die Kennung NHS und keinen Geschwindigkeitsindex. Beispiel: Pirelli Scorpion MX eXTra X 100/90-19 NHS. Auf öffentlichen Straßen dürfen sie nicht gefahren werden – mehr dazu gleich.

Straßenzulassung, Index und Schlauch: die Pflicht-Checks vor dem Kauf

Straßenzulassung erkennen: NHS, DOT und Geschwindigkeitsindex

Ob ein 100/90-19-Reifen auf die Straße darf, verrät nicht die Größe, sondern die weitere Kennzeichnung:

  • NHS heißt „Not for Highway Service" – der Reifen ist nur für abgesperrtes Gelände oder den Sport bestimmt und hat keine Straßenzulassung.
  • Straßenzugelassene Reifen tragen dagegen einen Geschwindigkeitsindex (etwa 57S, 57R oder 57H) und – je nach Markt – eine DOT-Kennung bzw. ein E-Prüfzeichen.

Wer überwiegend auf der Straße unterwegs ist, braucht also zwingend einen Reifen mit Geschwindigkeitsindex. Ein NHS-Motocross-Reifen im Straßenverkehr kann zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen und den Versicherungsschutz gefährden.

Tragfähigkeit und Geschwindigkeit richtig lesen

Der Zusatz hinter der Größe – zum Beispiel 57H – nennt zwei Grenzwerte:

  • 57 ist der Tragfähigkeitsindex und steht für 230 kg je Reifen.
  • Der Buchstabe ist der Geschwindigkeitsindex: M bis 130 km/h, R bis 170 km/h, S bis 180 km/h, H bis 210 km/h.

Beide Werte müssen mindestens den Vorgaben in Ihren Fahrzeugpapieren entsprechen – ein zu niedriger Index ist nicht zulässig. Welcher Reifentyp am besten zu Ihrem Fahrstil passt, vertieft unser Ratgeber Motorradreifen richtig wählen.

Schlauch nicht vergessen

Speichenräder – wie sie an Klassikern, Enduros und Motocross-Maschinen üblich sind – sind fast immer für Schlauchreifen ausgelegt. Sie brauchen also zusätzlich einen passenden Motorradschlauch. Zur Kennzeichnung: TT (Tube Type) bedeutet „Schlauch nötig", TL (Tubeless) „schlauchlos". Achten Sie beim Kauf auf diese Kennung und erneuern Sie beim Reifenwechsel am Speichenrad den Schlauch am besten gleich mit – das gilt in aller Regel für jedes 100/90-19-Speichenrad.

Fazit

Bei 100/90-19 kommt es weniger auf die Zahl als auf den Typ an: Klassiker- und Scrambler-Fahrer greifen zum straßenzugelassenen Klassiker-Reifen, Reise-Enduro-Piloten zum grobstolligen Dual-Sport mit Index, und im reinen Gelände sind NHS-Motocross-Reifen zu Hause. Prüfen Sie Position (vorne/hinten), Straßenzulassung und Index anhand Ihrer Fahrzeugpapiere – dann sitzt der richtige Reifen. Passende Motorradreifen für Enduro und Cross sowie Straßen-Motorradreifen finden Sie in unserem Shop. Eine Größe kleiner am Heck einer Reise-Enduro? Dann lohnt auch ein Blick auf unseren Ratgeber Motorradreifen in 150/70 R17.

Häufige Fragen

Ist 100/90-19 ein Vorder- oder Hinterreifen?

Beides ist möglich. An Klassikern und Scramblern läuft die Größe oft vorne, an Motocross- und Enduro-Maschinen meist hinten. Maßgeblich ist immer die getrennte Angabe für Vorder- und Hinterachse in den Fahrzeugpapieren bzw. der Betriebsanleitung.

Was bedeutet NHS auf einem Motorradreifen?

NHS steht für „Not for Highway Service". Der Reifen ist ausschließlich für abgesperrtes Gelände oder den Sport zugelassen und darf nicht im öffentlichen Straßenverkehr gefahren werden. Er trägt keinen Geschwindigkeitsindex.

Darf ich einen Motocross-Reifen auf der Straße fahren?

Nein, sofern er die Kennung NHS trägt und keinen Geschwindigkeitsindex hat. Für den Straßenverkehr benötigen Sie einen straßenzugelassenen Reifen mit Geschwindigkeitsindex und – je nach Markt – DOT-Kennung bzw. E-Prüfzeichen.

Schlagwörter: Motorradreifen Reifengröße 100/90-19 Enduro Motocross Klassiker

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