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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen für Kleinwagen: alle neun gut, keiner überragend

· 10 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 14.09.2026
Vorderrad eines Kleinwagens auf nasser Herbststraße (KI-generiert, OpenAI)
Vorderrad eines Kleinwagens auf nasser Herbststraße (KI-generiert, OpenAI)

Ganzjahresreifen sind in der Kleinwagenklasse längst kein Notbehelf mehr. Für Ausgabe 20/2026 hat die Redaktion von auto motor und sport neun Ganzjahresreifen in der Größe 195/55 R16 auf einem Hyundai i20 gegeneinander gefahren. Alle neun schnitten mindestens mit „gut“ ab, ein Drittel des Feldes sogar mit „sehr gut“ – und trotzdem vergaben die Tester kein einziges Mal die Bestnote „überragend“. Genau diese Lücke zwischen durchweg gut und nirgends überragend ist das eigentlich Interessante an diesem Vergleich. Sie sagt über die Kaufentscheidung mehr aus als die Rangliste, und sie erklärt nebenbei, warum ein Blick ins Regal den Test noch einmal in ein anderes Licht rückt.

Neun Ganzjahresreifen, eine Kleinwagengröße und ein Hyundai i20

Geprüft wurde in der Dimension 195/55 R16, montiert auf einem Hyundai i20. Bewertet haben die Tester nach Herstellerangaben in vier Bereichen: Schnee, Nässe, Trockenheit und Umwelt. Die Gesamtnote entsteht auf einer Zehn-Punkte-Skala, auf der zehn Punkte das theoretische Maximum sind. Das Feld bestand aus neun Ganzjahresreifen namhafter Hersteller; eine vollständige, frei zugängliche Rangliste hat der Verlag bisher nicht veröffentlicht, die Ausgabe ist kostenpflichtig. Belegbar sind deshalb der Rahmen des Tests, der Sieger und ein zweiter Kandidat – mehr behaupten wir hier bewusst nicht, und Noten für die übrigen sieben Reifen nennen wir nicht.

Die Größe selbst ist für dieses Testfeld gut gewählt. 195/55 R16 gehört zu den verbreiteten Kombinationen an Kleinwagen und kleinen Kompaktmodellen, und sie sitzt typischerweise an Fahrzeugen, die überwiegend kurze Strecken im Alltag zurücklegen – genau dort also, wo der Verzicht auf den halbjährlichen Wechsel am meisten Zeit spart. Welche Fahrzeuge die Größe ab Werk tragen, welche Felgenbreiten dazu passen und was sonst noch in dieser Dimension lieferbar ist, haben wir in einem ausführlichen Überblick zur Größe 195/55 R16 zusammengetragen. Wer direkt sehen möchte, was aktuell verfügbar ist, findet alle Reifen in 195/55 R16 in der Größenübersicht.

Testsieger Continental AllSeasonContact 2 mit 8,7 von 10 Punkten

Den Gesamtsieg holte der Continental AllSeasonContact 2 mit 8,7 von 10 möglichen Punkten und dem Urteil „sehr gut“. Das teilt der Hersteller in einer Pressemitteilung von Continental zum Testsieg vom 10. September 2026 mit. Neben der besten Gesamtwertung nennt Continental zwei Einzelbefunde: die höchste Umweltwertung und den niedrigsten Rollwiderstand im Testfeld. Wegen dieser Effizienz sprach die Redaktion zusätzlich eine Empfehlung als E-Auto-Tipp aus – eine Auszeichnung, die es in Reifentests erst seit wenigen Jahren gibt und die vor allem auf die Reichweite zielt.

Die zitierte Bewertung der Tester beschreibt den Reifen als Rundum-Sorglos-Paket und führt aus: „Verlässliches, fehlerverzeihendes Fahrverhalten auf Schnee […], sehr überzeugende Eigenschaften auf trockenen, besonders aber auf nassen Straßen. Hohe Energieeffizienz, kleiner Rollwiderstand.“ Das ist, in Kurzform, genau das Profil, das man von einem Ganzjahresreifen erwartet: keine Bestmarke in einer einzelnen Disziplin um jeden Preis, sondern ein Ergebnis ohne Ausreißer nach unten. Bei einem Reifen, der zwölf Monate im Jahr an derselben Achse bleibt, ist das die richtige Auslegung.

Im Regal steht das Modell in dieser Größe in drei Ausführungen. Der Continental AllSeasonContact 2 195/55 R16 91H kostet aktuell 110,62 Euro je Reifen und trägt auf dem Etikett die Kombination B für Kraftstoffeffizienz, B für Nasshaftung und 71 Dezibel. Die Ausführung 87H liegt bei 107,02 Euro, die Ausführung 91V bei 114,83 Euro. Was den Reifen technisch ausmacht, für wen er sich rechnet und wie er in früheren Vergleichen abgeschnitten hat, steht in unserem Modellporträt des AllSeasonContact 2; eine Übersicht über alle Größen des AllSeasonContact 2 gibt es im Modellbereich.

Warum die Bestnote diesmal niemand bekam

Der Punktwert 8,7 ist nicht zufällig knapp. Nach dem Notenschema von auto motor und sport darf sich ein Reifen erst dann überragend nennen, wenn er in der Gesamtwertung glatte neun Punkte oder mehr erreicht. Der Sieger blieb also drei Zehntel unter der Schwelle – und mit ihm das gesamte Feld. In einer frei lesbaren Meldung auf Reifenpresse.de vom 9. September 2026 ist die Begründung der Redaktion wiedergegeben: „Ein Allwetterreifen ist und bleibt ein Kompromiss. Die Schneeexperten unter ihnen kommen zwar heute schon an die Schneequalitäten mancher Winterreifen heran, von der Sicherheit eines guten Sommerreifens, insbesondere auf trockenen Straßen, sind sie, so will’s die Physik, jedoch ein weites Stück entfernt.“

Dass diese Schwelle grundsätzlich erreichbar ist, zeigte nur zwei Tage später ein Winterreifentest der Fachzeitschrift sport auto, die dieselbe Zehn-Punkte-Skala mit derselben Bestnote verwendet. Dort holte der Continental WinterContact TS 870 P in der Größe 205/45 R17 nach Angaben aus Continentals Meldung zum sport-auto-Winterreifentest exakt 9,0 Punkte und damit das Urteil überragend. Die Lehre daraus ist nüchtern und praktisch zugleich: Ein Spezialist kann die Höchstnote holen, ein Allrounder in diesem Feld nicht.

Für die Kaufentscheidung heißt das weniger, als es klingt. Wer im Winter regelmäßig verschneite Steigungen bewältigen muss oder im Sommer schwer beladen lange Autobahnetappen fährt, kauft mit dem besten Ganzjahresreifen immer noch einen Kompromiss – einen sehr guten, aber eben einen. Wer dagegen im Flachland pendelt, selten mehr als ein paar Zentimeter Schnee sieht und das Auto ohnehin meist kurz bewegt, bekommt heute ein Sicherheitsniveau, das vor zehn Jahren kein Allwetterreifen dieser Klasse erreicht hätte. Die fehlende Bestnote ist also kein Mangel des Feldes, sondern eine Eigenschaft der Gattung.

Der günstigste Reifen im Feld holte trotzdem ein Gut

Bemerkenswert ist das andere Ende der Rangliste, soweit es belegt ist. Der Uniroyal AllSeasonExpert 3 erreichte laut Continental 7,5 Punkte und damit das Urteil „gut“ – und war mit einem Testpreis von 89 Euro je Reifen zugleich das günstigste Produkt im Vergleich. Die Redaktion beschreibt ihn als ausgewogenen und preisattraktiven Ganzjahresreifen, der mit sicherem Fahrverhalten und guten Komforteigenschaften überzeugt. Zwischen dem billigsten und dem besten Reifen des Feldes lagen damit 1,2 Punkte auf der Zehn-Punkte-Skala.

Trotzdem warnt der Testleiter vor der naheliegenden Abkürzung. „Wer sich gerade bei einem Kleinwagen, der meist stadtnah bewegt wird, für einen Ganzjahresreifen entscheidet, der sollte nicht nur auf den Preis schauen“, sagt Thiemo Fleck, Gesamtleiter Reifentest Pkw und Light Truck bei der Auto-Motor-und-Sport-Gruppe der Motorpresse Stuttgart, in einer weiteren Meldung auf Reifenpresse.de vom 11. September 2026. Der Satz klingt zunächst nach Floskel, wird im Licht der Zahlen aber konkret: Bei uns kostet der Uniroyal AllSeasonExpert 3 195/55 R16 91V aktuell 86,84 Euro, die Ausführung 91H 87,29 Euro. Gegenüber dem Testsieger in derselben Trag- und Geschwindigkeitsklasse sind das rund 23 Euro je Reifen oder gut 93 Euro auf den kompletten Satz – kein kleiner Betrag, aber auch keine andere Liga.

Was der Test nicht abdeckt: 143 Ausführungen stehen im Regal

Hier lohnt der Blick über den Testrand hinaus, und hier wird der Satz des Testleiters erst richtig verständlich. Unsere eigene Suche meldet für 195/55 R16 am 11. September 2026 143 lieferbare Ausführungen von Ganzjahresreifen – neun davon standen im Test. Das Preisbild dieser 143 Ausführungen sieht deutlich anders aus als das des Testfeldes: Der günstigste lieferbare Ganzjahresreifen der Größe ist der Westlake Z-401 195/55 R16 91V für 43,04 Euro mit dem Etikett C für Effizienz, C für Nasshaftung und 72 Dezibel.

Vergleicht man innerhalb derselben Ausführung 91V, ergibt sich eine klare Treppe: 43,04 Euro für den Westlake, 86,84 Euro für den Uniroyal, 114,83 Euro für den Continental. Der Testsieger kostet damit rund das 2,7-Fache des günstigsten Reifens dieser Größe, und der günstigste Kandidat des Testfeldes liegt bereits beim Doppelten des Regalminimums. Das ist keine Kritik am Test, sondern eine Beschreibung seines Zuschnitts: Geprüft wurde das obere Preissegment, gekauft wird häufig darunter. Über die Reifen unterhalb der Testfeldpreise sagt der Vergleich schlicht nichts – weder Gutes noch Schlechtes.

Genau das ist der Punkt, an dem viele Kaufentscheidungen kippen. Ein Testsieg wird gelesen, dann aber ein Reifen bestellt, der nie in einem Test stand, weil er im Filter weiter unten auftauchte und optisch kaum zu unterscheiden war. Diese Lücke ist kein Sonderfall dieser einen Größe, sondern der Normalzustand des Reifenmarktes: Wie dünn die Abdeckung durch unabhängige Tests über das gesamte Sortiment tatsächlich ist, haben wir an anderer Stelle nachgezählt und dabei gezeigt, wie schmal die Testabdeckung über alle Größen ist. Wer außerhalb des Testfeldes kauft, entscheidet deshalb nach Etikett, Marke und Preis – und sollte wissen, dass er das tut.

Das EU-Label ist keine kleine Ausgabe der Testnote

Ein Detail dieses Vergleichs eignet sich gut, um ein verbreitetes Missverständnis auszuräumen. Continental gibt für den Testsieger den niedrigsten Rollwiderstand im Testfeld an. Auf dem EU-Reifenlabel trägt derselbe Reifen in 195/55 R16 aber die Effizienzklasse B – und im selben Regal liegt mit dem Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 195/55 R16 91H für 102,74 Euro ein Ganzjahresreifen mit der Effizienzklasse A.

Ein Widerspruch ist das nicht. Das Etikett teilt Messwerte in grobe Klassen ein und wird je Ausführung vergeben, nicht je Modell; ein Test vergleicht dagegen konkrete Reifen unter identischen Bedingungen an einem Tag, auf einem Fahrzeug und in einem begrenzten Feld. Eine Klassengrenze kann deshalb einen deutlichen Vorsprung verdecken oder einen minimalen Unterschied wie eine ganze Stufe aussehen lassen. Dass ein anderer Reifen der Größe eine bessere Effizienzklasse trägt, sagt zudem nichts darüber aus, wie er sich im selben Testfeld geschlagen hätte – er stand dort womöglich gar nicht am Start.

Praktisch bedeutet das: Das Etikett ist ein guter erster Filter, aber kein Ersatz für ein Testergebnis, und umgekehrt sagt eine Testnote nichts darüber, wie sich derselbe Reifen in einer anderen Größe verhält. Wer nachlesen will, wie stark die Klassen innerhalb eines einzigen Modells schwanken, findet die Auswertung dazu unter derselbe Reifen, je nach Größe ein anderes Etikett.

Was Sie aus diesem Test für den Kauf mitnehmen

Drei Schlüsse lassen sich ziehen, ohne die unveröffentlichte Rangliste zu kennen. Erstens: Das Niveau der Ganzjahresreifen in kleinen Größen ist hoch genug, dass die Auswahl innerhalb des Markenfeldes keine Glückssache mehr ist – alle neun Kandidaten kamen über die Gut-Schwelle. Zweitens: Der Abstand zwischen dem günstigsten und dem besten Reifen des Feldes war klein genug, dass sich der Aufpreis zum Testsieger vor allem dann rechnet, wenn Sie viel bei Nässe fahren oder auf Effizienz und Reichweite achten. Drittens: Der größte Sprung liegt nicht zwischen Platz eins und Platz neun, sondern zwischen dem Testfeld und dem, was preislich weit darunter im Regal steht.

Ob ein Ganzjahresreifen für Ihr Fahrprofil überhaupt die richtige Wahl ist oder zwei Sätze am Ende günstiger kommen, ist eine eigene Rechnung mit Montage-, Lager- und Verschleißkosten; wir haben sie in der Gegenüberstellung Ganzjahresreifen gegen zwei Sätze durchgespielt. Und wenn die Entscheidung gefallen ist, finden Sie die aktuelle Auswahl unter Ganzjahresreifen für PKW.

Hinweis zu den Zahlen: Punktwerte und Urteile stammen aus den Pressemitteilungen von Continental sowie aus den frei lesbaren Anrissen auf Reifenpresse.de. Die vollständige Rangliste von auto motor und sport ist kostenpflichtig. Alle Preis- und Etikettangaben sind unsere eigenen Regalwerte vom 11. September 2026 und können sich ändern.

Häufige Fragen

Welche Größe hat auto motor und sport für den Ganzjahresreifentest gewählt?

Geprüft wurde in 195/55 R16 auf einem Hyundai i20, einer verbreiteten Kleinwagendimension. Testergebnisse gelten immer zuerst für die geprüfte Größe und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Dimensionen desselben Modells übertragen.

Ist ein Ganzjahresreifen mit 8,7 Punkten so gut wie ein Winterreifen?

Nein. Die Tester begründen die fehlende Bestnote ausdrücklich damit, dass ein Allwetterreifen ein Kompromiss bleibt. Er kann im Schnee an gute Winterreifen heranreichen, erreicht auf trockener Straße aber nicht die Reserven eines guten Sommerreifens.

Reicht das Reifenetikett als alleiniges Kaufkriterium?

Als erster Filter ist es nützlich, als alleinige Grundlage nicht. Es umfasst nur Rollwiderstand, Nasshaftung und Geräusch, arbeitet mit groben Klassen und sagt nichts über Schneegriff, Handling oder Laufleistung aus.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Reifentest 195/55 R16 Kleinwagen Continental

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