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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen: Warum die Auswahl nicht an der Felgengröße hängt – sondern an der Flanke

· 11 Min. Lesezeit · von Reifentiefpreis · Aktualisiert am 31.08.2026
Zwei Pkw-Räder im Vergleich: links hohe Reifenflanke auf kleiner Felge, rechts flache Flanke auf großer Alufelge (Symbolbild, KI-generiert mit OpenAI)
Zwei Pkw-Räder im Vergleich: links hohe Reifenflanke auf kleiner Felge, rechts flache Flanke auf großer Alufelge (Symbolbild, KI-generiert mit OpenAI)

Wer über Ganzjahresreifen nachdenkt, stellt sich meist die Frage, ob ein einziger Satz das ganze Jahr über wirklich genügt. Es gibt aber eine Frage, die davor kommt und die kaum jemand stellt: Gibt es für mein Auto überhaupt eine nennenswerte Auswahl? Wir haben das lieferbare Pkw-Sortiment unseres Shops dazu vollständig ausgezählt – 8.386 Ganzjahresreifen, 8.830 Winterreifen und 18.151 Sommerreifen, Stand 28. August 2026 – und dabei einen Befund gefunden, der der landläufigen Erwartung widerspricht.

Die verbreitete Annahme lautet: Ganzjahresreifen seien ein Kleinwagen-Thema, für große Räder gebe es kaum etwas. Die Zahlen sagen etwas anderes. Nicht die Felgengröße entscheidet über die Auswahl, sondern die Höhe der Reifenflanke – also der Querschnitt, die zweite Zahl in Ihrer Reifengröße. Und zwar so deutlich, dass in einzelnen sportlichen Dimensionen schlicht kein einziger Ganzjahresreifen im Regal steht, während daneben zwei Dutzend Winterreifen liegen.

Das Gesamtbild: Allwetter ist längst kein Nischenregal mehr

Der erste Blick auf die Gesamtzahlen räumt mit einem Vorurteil auf. Mit 8.386 lieferbaren Ausführungen liegt das Ganzjahressortiment nur rund fünf Prozent unter dem Winterangebot mit 8.830 Ausführungen. Ein Nischenprodukt sieht anders aus. Dass sich die Zahlen so angeglichen haben, passt zur Marktentwicklung, die wir im Beitrag über den wachsenden Marktanteil von Allwetterreifen beschrieben haben: Der Ganzjahresreifen ist in Deutschland vom Kompromiss für Wenigfahrer zur regulären dritten Option geworden, und die Hersteller haben ihre Baureihen entsprechend breit aufgestellt.

Rechtlich stehen Ganzjahres- und Winterreifen dabei ohnehin auf derselben Stufe. Maßgeblich ist nicht der Name auf der Flanke, sondern das Alpine-Symbol, das Bergpiktogramm mit der Schneeflocke. Die situative Winterreifenpflicht in § 2 Absatz 3a StVO verlangt bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte Reifen, die den Anforderungen des § 36 Absatz 4 StVZO genügen – und dort ist genau dieses Alpine-Symbol vorgeschrieben. Ein Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erfüllt die Pflicht also vollständig; welches der beiden Wintersymbole auf dem Reifen zählt und welches nicht, haben wir in einem eigenen Beitrag zu den Wintersymbolen auseinandersortiert. Wo die drei Reifenarten technisch auseinanderlaufen, erklärt der Grundlagenbeitrag zu den Unterschieden zwischen Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen.

So weit die Gesamtsumme. Interessant wird es erst, wenn man sie aufteilt.

Nach Zollgröße sieht es zunächst nach einem Größenproblem aus

Sortiert man das Angebot nach dem Felgendurchmesser und stellt Ganzjahres- und Winterreifen nebeneinander, ergibt sich ein Bild, das die Kleinwagen-These zu bestätigen scheint – bis zu einem bestimmten Punkt:

  • 13 Zoll — 256 Ganzjahres gegen 226 Winter
  • 14 Zoll — 640 gegen 586
  • 15 Zoll — 1.119 gegen 1.114
  • 16 Zoll — 1.366 gegen 1.396
  • 17 Zoll — 1.764 gegen 1.664
  • 18 Zoll — 1.483 gegen 1.426
  • 19 Zoll — 1.015 gegen 1.183
  • 20 Zoll — 592 gegen 805
  • 21 Zoll — 114 gegen 320
  • 22 Zoll — 34 gegen 95

Bis 18 Zoll liegt der Ganzjahresreifen also durchgehend gleichauf oder sogar leicht vorn – in 13 und 14 Zoll gibt es sogar mehr Allwetter- als Winterreifen. Ab 19 Zoll kippt das Verhältnis, und ab 21 Zoll bricht es regelrecht ein: Auf jeden Ganzjahresreifen kommen dort fast drei Winterreifen. Wer ein Fahrzeug mit 21-Zoll-Rädern fährt, findet im gesamten Pkw-Sortiment nur 114 Ganzjahres-Ausführungen, verteilt auf 34 Dimensionen. Zum Vergleich: Allein in 17 Zoll sind es 1.764.

Damit wäre die Sache scheinbar erklärt. Große Felge, kleines Regal – ein Muster, das wir in ähnlicher Form schon bei der Reifenauswahl nach Zollgröße im Sommersortiment und zuletzt bei den Winterreifen in 14 Zoll beschrieben haben. Nur stimmt die Erklärung diesmal nicht.

Der eigentliche Befund: Es ist die Flanke, nicht die Felge

Die Gegenprobe fällt eindeutig aus. Zählt man dasselbe Sortiment nicht nach Zoll, sondern nach Querschnitt aus – also nach der zweiten Zahl der Reifengröße, die die Flankenhöhe als Prozentsatz der Breite angibt –, entsteht eine vollkommen gleichmäßige Kurve. Das Verhältnis von Ganzjahres- zu Winterreifen steigt Stufe für Stufe an, ohne einen einzigen Ausreißer:

  • Querschnitt 30 — 16 Ganzjahres gegen 169 Winter (Verhältnis 0,09)
  • Querschnitt 35 — 286 gegen 651 (0,44)
  • Querschnitt 40 — 699 gegen 1.084 (0,64)
  • Querschnitt 45 — 1.327 gegen 1.460 (0,91)
  • Querschnitt 50 — 997 gegen 978 (1,02)
  • Querschnitt 55 — 1.796 gegen 1.645 (1,09)
  • Querschnitt 60 — 1.243 gegen 1.139 (1,09)
  • Querschnitt 65 — 1.314 gegen 1.166 (1,13)
  • Querschnitt 70 — 541 gegen 451 (1,20)

Diese neun Querschnitte decken 8.219 der 8.386 Ganzjahresreifen und 8.743 der 8.830 Winterreifen ab; der kleine Rest verteilt sich auf seltene Werte wie 25, 75 oder 80. Und im Querschnitt 25, der flachsten im Pkw-Bereich überhaupt vertretenen Flanke, steht das Ergebnis bei null Ganzjahresreifen gegen zwei Winterreifen.

Lesen Sie die Zahlenreihe von unten nach oben: In hohen Flanken ab Querschnitt 50 haben Sie bei Ganzjahresreifen sogar eine größere Auswahl als bei Winterreifen. Erst unterhalb davon dreht sich das Verhältnis, und im 30er-Querschnitt bleiben von einem vollen Winterregal noch neun Prozent übrig. Dass eine flache Flanke ohnehin teuer ist, hatten wir bereits beim Preisaufschlag nach Querschnitt nachgerechnet – dass sie zusätzlich die Saisonauswahl kostet, ist neu.

Warum die Zollkurve trotzdem so überzeugend aussah, lässt sich damit auflösen: Große Felgen und flache Flanken treten fast immer gemeinsam auf. Die Zollgröße misst den Effekt also mit, aber sie erklärt ihn nicht. Der Beweis dafür liegt in den Fällen, in denen beides auseinanderfällt.

Die Gegenprobe: große Räder mit hoher Flanke haben genug Auswahl

Genau diese Fälle gibt es reichlich, nämlich bei SUV und Geländewagen. Dort sitzen große Felgen unter vergleichsweise hohen Flanken – und das Ganzjahresregal ist dort nicht nur gefüllt, sondern voller als das Winterregal:

  • 235/55 R19 — 103 Ganzjahres gegen 61 Winter
  • 255/45 R20 — 60 gegen 36
  • 255/50 R19 — 66 gegen 49
  • 235/60 R18 — 102 gegen 54
  • 225/55 R18 — 96 gegen 61

Und umgekehrt, in denselben Zollklassen, aber mit flacher Flanke:

  • 245/40 R19 — 46 Ganzjahres gegen 76 Winter
  • 245/35 R19 — 25 gegen 41
  • 245/35 R20 — 17 gegen 35
  • 275/35 R20 — 11 gegen 33

Ein 20-Zoll-SUV hat also die deutlich bessere Ganzjahresauswahl als eine 19-Zoll-Limousine mit Sportfahrwerk. Für die Praxis heißt das: Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, aus Winter- und Sommersatz einen einzigen zu machen, entscheidet nicht die Wagenklasse darüber, ob das realistisch ist, sondern die Zahl hinter dem Schrägstrich in Ihrer Reifengröße. Wo diese Zahl steht und wie Sie die für Ihr Fahrzeug zugelassenen Größen ermitteln, zeigt der Ratgeber zur zugelassenen Reifengröße im Fahrzeugschein. Passenderweise ist die Flankenhöhe auch der Hebel, an dem beim Wechsel der Felgengröße gedreht wird – wer im Winter ohnehin über eine kleinere Felge nachdenkt, verbessert damit gleichzeitig seine Ganzjahresauswahl.

Sechs Dimensionen, in denen gar kein Ganzjahresreifen steht

Am unteren Ende der Kurve hört die Auswahl nicht nur auf, klein zu sein – sie verschwindet. In einer Stichprobe über 16 flache Dimensionen fanden wir vier, in denen überhaupt kein Ganzjahresreifen lieferbar ist, während Winterreifen dort sehr wohl im Regal stehen. Zusammen mit zwei weiteren Größen aus derselben Auszählung sind das sechs belegte Fälle:

  • 275/30 R19 — 0 Ganzjahres, 2 Winter
  • 245/30 R20 — 0 Ganzjahres, 6 Winter
  • 255/30 R20 — 0 Ganzjahres, 4 Winter
  • 285/30 R20 — 0 Ganzjahres, 10 Winter
  • 305/30 R20 — 0 Ganzjahres, 8 Winter
  • 265/35 R20 — 0 Ganzjahres, 23 Winter

Der letzte Fall ist der bemerkenswerteste: 23 lieferbare Winterreifen, aber keine einzige Ganzjahresalternative. Wer diese Größe fährt, hat die Entscheidung zwischen einem Satz und zwei Sätzen gar nicht zu treffen – sie ist ihm abgenommen. Das ist auch keine Momentaufnahme eines leergekauften Regals, sondern eine Struktur: Wo Fahrzeuge mit sehr flachen Flanken unterwegs sind, bauen die Hersteller getrennte Sommer- und Winterlinien und keinen Kompromissreifen dazwischen.

Wichtig zur Einordnung: Diese Zahlen beschreiben unser lieferbares Sortiment zum Stichtag, nicht den Weltmarkt. Es kann sein, dass ein Hersteller eine dieser Dimensionen im Katalog führt und sie nur gerade nicht verfügbar ist. Umgekehrt gilt aber auch: Was hier nicht steht, können Sie im Herbst auch nicht kaufen.

Wer im großen Format sucht: Das steht dort tatsächlich im Regal

Für alle, die genau in diesem schwierigen Bereich unterwegs sind, haben wir die beiden obersten Zollklassen vollständig erhoben. In 21 und 22 Zoll zusammen sind derzeit 148 Ganzjahres-Ausführungen lieferbar, verteilt auf 26 Marken, 38 Profile und 34 Dimensionen. Der Medianpreis liegt bei 229,92 Euro je Reifen, der günstigste Eintrag bei 73,91 Euro. Das EU-Label fällt dabei ordentlich aus: Bei der Nasshaftung tragen 25 Ausführungen ein A und 100 ein B, nur vier liegen bei D oder E; bei der Kraftstoffeffizienz dominieren dagegen C (70) und B (48), ein A schaffen lediglich fünf. Dass dieselbe Baureihe je nach Dimension unterschiedliche Labelwerte trägt, ist dabei normal und im Beitrag zum EU-Label nach Größe erklärt.

Auffällig ist, wie stark einzelne Baureihen dieses Regal tragen. In 21 Zoll ist der Michelin CrossClimate 3 Sport mit 17 Ausführungen das mit Abstand breiteste Profil, gefolgt vom Continental AllSeasonContact 2 mit 16 und dem Vredestein Quatrac Pro+ mit 12. Im gesamten Querschnitt 30 – jener flachsten Klasse mit ihren 16 Ausführungen – stammen sechs allein vom CrossClimate 3 Sport. Eine einzige Baureihe stellt dort also mehr als ein Drittel des Angebots; fällt sie für Sie aus, halbiert sich Ihre Auswahl faktisch. Was dieser Reifen kann und für welche Fahrzeuge er gedacht ist, steht im Porträt des CrossClimate 3 Sport; den Testsieger-Klassiker daneben behandeln wir im Porträt des AllSeasonContact 2.

Dazu passt der Premiumanteil, den wir parallel ausgezählt haben. Der gemeinsame Anteil von Michelin, Continental, Goodyear, Bridgestone und Pirelli am Ganzjahresangebot steigt von 2,7 Prozent in 13 Zoll über 13,5 Prozent in 16 Zoll auf 46,5 Prozent in 21 Zoll. Im Winterregal ist derselbe Anstieg noch steiler und endet bei 65,3 Prozent in 22 Zoll. Im großen Format kaufen Sie also nicht nur aus einem kleineren Regal, sondern auch aus einem, das überwiegend von den teuren Marken bestückt ist. Die Einstiegspreise zeigen dasselbe: vom günstigsten Ganzjahresreifen in 15 Zoll für 32,66 Euro über 52,69 Euro in 20 Zoll bis zu 135,72 Euro in 22 Zoll.

Drei konkrete Beispiele aus drei Welten, damit die Zahlen greifbar werden. In der meistgefragten Pkw-Dimension steht der Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 205/55 R16 94V mit Effizienzklasse A und Nasshaftung B für 88,91 Euro – alle Alternativen dazu finden Sie auf der Größenseite 205/55 R16, Hintergründe zum Reifen selbst im Porträt des Vector 4Seasons Gen-3. Im SUV-Format ist der Michelin CrossClimate 2 SUV 235/55 R19 101V für 140,46 Euro einer von 103 Ganzjahresreifen in 235/55 R19. Und am flachen Ende kostet der Michelin CrossClimate 3 Sport 275/30 R20 97Y mit Nasshaftung A bereits 262,37 Euro – in 275/30 R20 gehört er zu einer Handvoll Ganzjahresoptionen überhaupt.

Was Sie aus diesen Zahlen mitnehmen

Die Auszählung führt zu einer einfachen Reihenfolge beim Kauf. Schauen Sie zuerst auf den Querschnitt Ihrer Reifengröße, nicht auf den Zoll. Liegt er bei 50 oder darüber, ist der Ganzjahresreifen für Sie eine vollwertige Option mit einer Auswahl, die dem Winterregal in nichts nachsteht – auch dann, wenn Sie ein 19- oder 20-Zoll-SUV fahren. Liegt er bei 40 oder darunter, wird die Luft dünn, und bei 30 oder 25 sollten Sie damit rechnen, dass es für Ihre Dimension gar nichts gibt. Welche Zahl in Ihrer Größe der Querschnitt ist, klärt notfalls der Ratgeber zum Ablesen der Reifengröße.

Diese Auswahlfrage ersetzt die inhaltliche Abwägung natürlich nicht. Ob ein Satz für das ganze Jahr überhaupt zu Ihrem Fahrprofil passt, klärt der Ratgeber Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen; was sich rechnerisch lohnt, steht in Ganzjahresreifen oder zwei Sätze; und wie lange ein Allwetterreifen wintertauglich bleibt, behandelt der Beitrag zur Lebensdauer von Ganzjahresreifen. Wer speziell am Geländewagen abwägt, findet die Einordnung unter Ganzjahresreifen fürs SUV. Das vollständige lieferbare Angebot sehen Sie in unserer Übersicht Ganzjahresreifen für Pkw – und falls die Auswahl in Ihrer Größe zu dünn ausfällt, daneben bei den Winterreifen für Pkw.

Häufige Fragen

Gibt es für 20- oder 21-Zoll-Räder überhaupt Ganzjahresreifen?

Ja, aber die Auswahl hängt an der Flankenhöhe. In 20 Zoll sind derzeit 592 Ausführungen lieferbar, in 21 Zoll noch 114 – und diese verteilen sich sehr ungleich: SUV-Dimensionen mit Querschnitt 45 oder 50 sind gut versorgt, sehr flache Sportdimensionen mit Querschnitt 30 oder 35 dagegen kaum. Prüfen Sie deshalb immer Ihre konkrete Größe und nicht nur die Zollzahl.

Warum gibt es für manche Reifengrößen gar keinen Ganzjahresreifen?

In unserer Auszählung betrifft das ausschließlich sehr flache Dimensionen wie 265/35 R20 oder 305/30 R20. Dort führen die Hersteller getrennte Sommer- und Winterlinien; ein Kompromissprofil, das beides abdeckt, wird für diese Fahrzeuge derzeit nicht angeboten. Wer eine solche Größe fährt, braucht zwangsläufig zwei Sätze.

Erfüllt ein Ganzjahresreifen die Winterreifenpflicht?

Ja, sofern er das Alpine-Symbol trägt – das Bergpiktogramm mit der Schneeflocke. § 2 Absatz 3a StVO verweist auf § 36 Absatz 4 StVZO, und dort ist genau dieses Symbol das Kriterium. Die alte M+S-Kennzeichnung allein genügt dafür nicht mehr.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Allwetterreifen Reifengröße Querschnitt Kaufberatung

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