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Ganzjahresreifen – Ratgeber im Magazin

Ganzjahresreifen im Sommer: Wie gut sind Allwetterreifen bei Hitze und Nässe wirklich?

· 7 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 07.07.2026
Ganzjahresreifen mit feinen Lamellen am Auto auf sonniger Sommerstrasse (Symbolbild, KI-generiert, OpenAI)
Ganzjahresreifen mit feinen Lamellen am Auto auf sonniger Sommerstrasse (Symbolbild, KI-generiert, OpenAI)

Ganzjahresreifen liegen im Trend: ein Radsatz für das ganze Jahr, kein saisonaler Wechsel, kein Einlagern. Doch wenn im Hochsommer der Asphalt flimmert und ein Gewitter die Fahrbahn binnen Sekunden flutet, stellt sich die Frage: Wie sicher ist ein Allwetterreifen eigentlich bei Hitze und Starkregen? Die ehrliche Antwort: Er ist erlaubt und für viele Autofahrer völlig ausreichend – aber er bleibt ein Kompromiss. Wir zeigen Ihnen, was Ganzjahresreifen im Sommer wirklich leisten, wo sie hinter einem echten Sommerreifen zurückbleiben und für wen sie trotzdem die richtige Wahl sind.

Sind Ganzjahresreifen im Sommer erlaubt?

Ja, uneingeschränkt. In Deutschland gibt es keine „Sommerreifenpflicht" – anders als im Winter, wo bei Schnee, Eis und Glätte die situative Winterreifenpflicht greift. Wer ganzjährig mit Allwetterreifen unterwegs ist, ist im Sommer rechtlich auf der sicheren Seite.

Das unterscheidet den Ganzjahresreifen deutlich von den beiden „falschen" Saison-Fällen: Ein Winterreifen im Sommer ist zwar ebenfalls erlaubt, nutzt sich in der Hitze aber schnell ab und verlängert den Bremsweg spürbar (mehr dazu in unserem Ratgeber Winterreifen im Sommer fahren). Der Ganzjahresreifen dagegen ist genau für diesen Mischbetrieb gebaut – er ist der legitime Mittelweg, kein Notbehelf. Wo genau die technischen Unterschiede zwischen den drei Reifenarten liegen, lesen Sie im Detail unter Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen.

Der Kompromiss: Wofür ein Ganzjahresreifen ausgelegt ist

Ein Ganzjahresreifen muss zwei gegensätzliche Aufgaben erfüllen: bei Schnee und Kälte greifen und bei sommerlicher Hitze auf trockener wie nasser Fahrbahn sicher bremsen. Diese Anforderungen widersprechen sich. Für den Winter braucht der Reifen eine weiche Gummimischung und viele feine Lamellen; für den heißen Sommer wäre eine härtere, formstabile Mischung mit kräftigen Profilblöcken ideal.

Der Allwetterreifen findet einen Mittelweg – und dieser Mittelweg kostet an beiden Enden ein wenig Leistung. Im Sommer bedeutet das: Die weichere Mischung und das stark gelamellte Profil sind bei großer Hitze und hohem Tempo weniger formstabil als bei einem spezialisierten Sommerreifen. Moderne Ganzjahresreifen haben hier in den letzten Jahren stark aufgeholt, und die Spitzenmodelle sind erstaunlich gut geworden – doch die Physik des Kompromisses bleibt bestehen.

Bremsweg bei Hitze: der wichtigste Unterschied

Sicherheitsrelevant ist vor allem der Bremsweg. Ein Ganzjahresreifen soll auch bei rund 50 °C Asphalttemperatur im Hochsommer so gut bremsen und greifen wie ein reiner Sommerreifen. Viele Modelle erreichen dieses Niveau auf trockener Fahrbahn allerdings nicht, wie der ADAC in seinen Ganzjahresreifentests regelmäßig feststellt.

Vor allem die Spanne zwischen den Modellen ist groß: Zwischen dem besten und dem schwächsten Reifen eines Tests können beim Bremsen aus 80 km/h laut ADAC über 11 Meter liegen – im Ernstfall ist das der Unterschied zwischen rechtzeitigem Anhalten und einem Aufprall. Auch aus 100 km/h zeigt sich der Abstand: Spitzenreiter wie der Michelin CrossClimate 2 kommen im ADAC-Test auf trockener Strecke nach rund 39 Metern zum Stehen, schwächere Allwetterreifen brauchen bis zu acht Meter mehr.

Die Lehre daraus: Beim Ganzjahresreifen zählt die Modellwahl noch stärker als beim Sommerreifen. Nicht blind nach Preis kaufen, sondern zum gut getesteten Modell greifen. Wie unabhängige Prüfer dabei vorgehen und welche Reifen zuletzt vorn lagen, zeigt unser Rückblick auf den ADAC Ganzjahresreifentest 2025.

Aquaplaning und Sommergewitter

Der Sommer bringt nicht nur Hitze, sondern auch heftige Wärmegewitter mit stehendem Wasser auf der Fahrbahn. Hier spielen die vielen Lamellen des Ganzjahresreifens ihre Stärke aus: Sie verzahnen sich mit nasser Fahrbahn und helfen, Wasser aus der Aufstandsfläche zu verdrängen. Für normalen Regen sind gute Allwetterreifen damit sicher unterwegs.

Bei richtigem Starkregen und hohem Tempo hat ein spezialisierter Sommerreifen mit seinen breiten Längsrillen jedoch mehr Reserven gegen Aquaplaning. Entscheidend ist am Ende die Restprofiltiefe: Je weniger Profil, desto früher schwimmt der Reifen auf. Für nasse Sommerfahrten empfehlen wir mindestens 3 mm Profil und angepasstes Tempo. Wie Aquaplaning entsteht und wie Sie im Ernstfall reagieren, erklären wir ausführlich unter Aquaplaning vermeiden.

Verschleiß und Verbrauch im Sommer

Die weichere Gummimischung eines Ganzjahresreifens hat einen Preis: Bei großer Hitze und auf langen, schnellen Autobahnetappen verschleißt sie tendenziell schneller als die eines auf den Sommer optimierten Reifens. Zusätzlich gibt es einen Zielkonflikt zwischen Laufleistung und Nässe-Sicherheit – laut ADAC gehören ausgerechnet besonders laufstarke Allwetterreifen (im Test etwa Modelle von Sava mit rund 81.000 km und Fulda mit rund 75.000 km) zu jenen mit den längeren Bremswegen. Ein Reifen, der lange hält, ist also nicht automatisch der sicherste.

Beim Verbrauch liegen Ganzjahresreifen oft leicht über sparsamen Sommerreifen, weil ihr Rollwiderstand meist etwas höher ist. Wie stark sich das aufs Tanken auswirkt, lesen Sie unter Rollwiderstand und Spritsparen. Und weil Hitze den Reifendruck steigen lässt und ein falscher Druck Verschleiß wie Verbrauch verschlechtert, lohnt gerade im Sommer der regelmäßige Blick auf den Reifendruck bei Hitze.

Für wen reichen Ganzjahresreifen im Sommer?

Ob ein Allwetterreifen im Sommer die richtige Wahl ist, hängt weniger von der Jahreszeit als von Ihrem Fahrprofil ab.

Gut geeignet sind Ganzjahresreifen für:

  • Wenig- und Kurzstreckenfahrer sowie Pendler im Stadt- und Umlandverkehr
  • Regionen mit gemäßigtem Klima und wenig extremer Hitze
  • eine ruhige, vorausschauende Fahrweise
  • alle, die den Komfort eines einzigen Radsatzes ohne saisonalen Wechsel schätzen

Eher zum reinen Sommerreifen greifen sollten:

  • Vielfahrer mit hohem Autobahnanteil bei Hochsommer-Temperaturen
  • sportlich orientierte Fahrer, die den kürzesten Nass- und Trockenbremsweg wollen
  • schwere oder voll beladene Fahrzeuge (große SUV, Transporter, Anhängerbetrieb)

Ob sich für Sie ein Ganzjahresreifen oder doch zwei getrennte Sätze mehr lohnen, rechnen wir in den Ratgebern Ganzjahresreifen oder zwei Sätze und Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen durch.

Gute Ganzjahresreifen für den Sommer

Wenn es ein Ganzjahresreifen sein soll, greifen Sie zu einem Modell, das in unabhängigen Tests auch auf der Sommer-Seite überzeugt. Bewährt haben sich vor allem die Premium-Allrounder, die den Kompromiss besonders gut ausbalancieren:

Welche Modelle es in Ihrer Größe gibt, sehen Sie in unserer Übersicht der Ganzjahresreifen für PKW. Wer im Sommer maximale Sicherheit und die kürzesten Bremswege will, ist mit einem dedizierten Sommerreifen aber weiterhin am besten bedient.

Unterm Strich gilt: Ganzjahresreifen sind im Sommer erlaubt, praktisch und für den Alltag der meisten Autofahrer sicher genug – solange Sie zu einem getesteten Modell greifen, auf ausreichend Profil achten und wissen, dass der letzte Meter Bremsweg dem Kompromiss geschuldet ist.

Häufige Fragen

Sind Ganzjahresreifen im Sommer erlaubt?

Ja. In Deutschland gibt es keine Sommerreifenpflicht. Ganzjahresreifen dürfen das ganze Jahr über gefahren werden und erfüllen im Winter zusätzlich die Anforderungen der situativen Winterreifenpflicht, wenn sie das Alpine-Symbol (3PMSF) tragen.

Bremsen Ganzjahresreifen im Sommer schlechter als Sommerreifen?

In der Regel ja, wenn auch je nach Modell unterschiedlich stark. Gute Allwetterreifen kommen nah an Sommerreifen heran, doch der kürzeste Trocken- und Nassbremsweg gelingt weiterhin spezialisierten Sommerreifen. Laut ADAC liegen zwischen dem besten und dem schwächsten Ganzjahresreifen eines Tests aus 80 km/h über 11 Meter Bremsweg.

Nutzen sich Ganzjahresreifen im Sommer schneller ab?

Die weichere Gummimischung verschleißt bei großer Hitze und viel Autobahn tendenziell etwas schneller als bei einem reinen Sommerreifen. Wie lange ein Satz hält, hängt aber stark vom Modell, vom Reifendruck und von der Fahrweise ab.

Sind Ganzjahresreifen bei Aquaplaning sicher?

Für normalen Regen ja. Bei Starkregen und hohem Tempo hat ein Sommerreifen mehr Aquaplaning-Reserven. Entscheidend ist die Restprofiltiefe – ab etwa 3 mm sollten Sie über neue Reifen nachdenken und bei Nässe das Tempo reduzieren.

Schlagwörter: Ganzjahresreifen Allwetterreifen Sommer Bremsweg Aquaplaning Reifenkauf

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