Motorradreifen in 180/55 ZR17: Welche Reifen passen – und welche sich lohnen
180/55 ZR17 ist die mit Abstand am häufigsten gefahrene Hinterreifengröße an sportlichen Motorrädern – von der 600er-Naked über das Sporttourer-Segment bis zum Supersportler. Wer hier den passenden Reifen wählt, entscheidet über Grip in Schräglage, Laufleistung und Komfort auf langen Etappen. Diese Größe ist fast immer der Hinterreifen; vorne läuft in den meisten Fällen ein 120/70 ZR17. Worauf es bei 180/55 ZR17 wirklich ankommt – und welche Reifen sich für welchen Fahrstil lohnen.
Was bedeutet 180/55 ZR17?
Die Größenangabe steht auf der Flanke und lässt sich Stück für Stück entschlüsseln:
- 180 – Nennbreite des Reifens in Millimetern.
- 55 – Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent. Die Flankenhöhe beträgt also rund 55 % von 180 mm, also etwa 99 mm.
- ZR – Geschwindigkeitskategorie über 240 km/h, in Radialbauweise (R). Bei modernen Sportreifen steht hinter der Tragfähigkeit zusätzlich ein genauer Geschwindigkeitsindex.
- 17 – Felgendurchmesser in Zoll.
Vollständig liest sich die Kennung meist als 180/55 ZR17 M/C 73W. Das M/C (Motorcycle) kennzeichnet den Reifen eindeutig als Motorradreifen. Die 73 ist der Tragfähigkeitsindex (73 = 365 kg je Reifen), das W der Geschwindigkeitsindex (W = bis 270 km/h). Manche besonders sportlichen Profile tragen 75W (387 kg). Eine ausführliche Erklärung aller Zeichen finden Sie in unserem Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen.
Wichtig: Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex dürfen die Werte in den Fahrzeugpapieren bzw. der Reifenfreigabe nie unterschreiten. Ein höherer Index ist unkritisch, ein niedrigerer ist nicht zulässig.
Welche Motorräder fahren 180/55 ZR17?
180/55 ZR17 ist die klassische Hinterradgröße der mittleren bis großen Sport- und Naked-Klasse. Typisch ist sie an vielen Naked Bikes und Sporttourern von etwa 600 bis 1000 cm³ sowie an zahlreichen Supersportlern. Leistungsstärkere Superbikes setzen hinten dagegen häufig auf die breitere 190/55 ZR17 oder 190/50 ZR17.
Ob Ihr Motorrad 180 oder 190 fährt, steht in den Papieren bzw. in der Reifenfreigabe des Herstellers. Bauen Sie nie eigenmächtig einen breiteren Reifen auf – die Felgenmaulweite, die Schwingenfreiheit und das Lenkverhalten sind auf die freigegebene Breite abgestimmt. Welche Kombinationen erlaubt sind, klärt die Typprüfung Ihres Fahrzeugs.
Vorder- und Hinterreifen gehören zusammen
Motorradreifen werden für ein abgestimmtes Profilpaar entwickelt. Der Hinterreifen in 180/55 ZR17 läuft am besten mit dem dazu passenden Vorderreifen – in der Regel ein 120/70 ZR17 derselben Modellreihe. Mischen Sie nach Möglichkeit kein Sportprofil vorne mit einem Touringprofil hinten: Lenkverhalten und Grip-Niveau passen dann nicht mehr zusammen.
Wann unterschiedliche Reifen vorne und hinten überhaupt zulässig sind und worauf Sie dabei achten müssen, erklärt unser Beitrag Motorradreifen mischen: Dürfen vorne und hinten verschiedene Reifen gefahren werden?.
Welcher Reifen für welchen Fahrstil?
Die Größe 180/55 ZR17 gibt es vom günstigen Allrounder bis zum Trackday-Reifen. Entscheidend ist, wie und wo Sie fahren – nicht der höchste Preis. Eine grundsätzliche Einordnung nach Fahrertyp liefert unser Ratgeber Motorradreifen richtig wählen; hier die wichtigsten Segmente in dieser Größe:
Günstiger Allrounder & Einsteiger
Für Pendler, gemäßigte Tourenfahrer und alle, die ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis suchen. Solide, gutmütig, mit ausreichend Grip für den Alltag. Beispiel aus unserem Sortiment: Continental Contimotion M 180/55ZR17 73W. Auch der Metzeler Sportec M3 oder Profile von CST fallen in diese Kategorie.
Sportlich & kurvenhungrig
Für zügige Landstraßenfahrer und Naked Bikes, die viel Schräglage sehen. Diese Reifen bieten direktes Einlenken und hohen Kurvengrip, dafür meist etwas weniger Laufleistung. Stark nachgefragt ist hier der Metzeler Sportec M7 RR 180/55ZR17 73W. Ebenfalls in diesem Segment: Continental SportAttack, Pirelli Diablo und – noch eine Stufe sportlicher in Richtung Trackday – Michelin Power 6 oder Bridgestone RS 10 R.
Sport-Touring & Vielfahrer
Wer viele Kilometer macht, will lange Laufleistung, gute Nässeeigenschaften und Reserven bei jedem Wetter. Sport-Touring-Reifen verbinden Tourentauglichkeit mit sicherem Kurvengrip. Beispiel: Michelin Road 6 GT 180/55ZR17 73W. Auch der Dunlop Roadsmart IV SP und der Pirelli Angel GT gehören dazu – Letzteren stellen wir im Beitrag Pirelli Angel GT II ausführlich vor.
Adventure mit Straßenschwerpunkt
Einige Reiseenduros mit 17-Zoll-Hinterrad nutzen ebenfalls 180/55 ZR17, etwa mit dem straßenbetonten Bridgestone Battlax A40. Wie Sie bei Reiseenduros zwischen Straße und Gelände richtig abwägen, lesen Sie unter Enduro- und Adventure-Reifen.
Wie stark die Gummimischung über Grip und Haltbarkeit entscheidet – Stichwort Single- oder Dual-Compound – erklärt unser Ratgeber zur Gummimischung bei Motorradreifen. Eine größere Auswahl an Profilen in dieser Größe finden Sie auf der Übersicht 180/55 R17 sowie unter Motorradreifen für die Straße.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
- Freigabe prüfen: Größe, Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex müssen zu Papieren bzw. Reifenfreigabe passen. Im Zweifel scheitert sonst die Hauptuntersuchung.
- Als Satz denken: Vorder- und Hinterreifen möglichst aus derselben Modellreihe.
- Reifenalter beachten: Auch ungefahrene Reifen altern. Achten Sie auf die DOT-Nummer und kaufen Sie keine überlagerte Ware.
- Richtig einfahren: Neue Reifen sind anfangs glatt und müssen behutsam eingefahren werden. Den richtigen Luftdruck und das Einfahren erklärt unser Beitrag Reifendruck und neue Reifen einfahren.
- Verschleiß im Blick behalten: Wann ein Reifen wirklich runter ist, zeigt unser Ratgeber Motorradreifen-Verschleiß erkennen.
Häufige Fragen
Was bedeutet 180/55 ZR17 genau?
180 ist die Reifenbreite in Millimetern, 55 das Verhältnis von Flankenhöhe zu Breite in Prozent, ZR die Geschwindigkeitskategorie über 240 km/h in Radialbauweise und 17 der Felgendurchmesser in Zoll. Meist folgt noch M/C sowie ein Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex wie 73W.
Ist 180/55 ZR17 ein Vorder- oder Hinterreifen?
Es ist nahezu immer ein Hinterreifen. Der passende Vorderreifen ist in den meisten Fällen ein 120/70 ZR17 derselben Modellreihe.
Kann ich statt 180/55 ZR17 einen 190er-Reifen montieren?
Nur, wenn die Größe für Ihr Motorrad freigegeben ist. Die zulässigen Reifengrößen stehen in den Fahrzeugpapieren bzw. in der Reifenfreigabe des Herstellers. Eine eigenmächtig breitere Bereifung ist nicht zulässig und verändert das Fahrverhalten.
Was bedeutet 73W bei 180/55 ZR17?
73 ist der Tragfähigkeitsindex und entspricht 365 kg maximaler Last je Reifen. W ist der Geschwindigkeitsindex für bis zu 270 km/h. Beide Werte dürfen die Vorgaben Ihres Fahrzeugs nicht unterschreiten.
Muss ich Vorder- und Hinterreifen immer zusammen wechseln?
Nicht zwingend gleichzeitig, da der Hinterreifen meist schneller verschleißt. Sinnvoll ist es trotzdem, beide Reifen aus derselben Modellreihe zu fahren, damit das Fahrverhalten stimmt.