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Motorrad – Ratgeber im Magazin

Wie viel Reifenauswahl hat Ihr Motorrad? 7.204 Modelle im Konfigurator ausgezählt

· 10 Min. Lesezeit · von Reifentiefpreis · Aktualisiert am 23.08.2026
Motorrad-Hinterrad mit neuem Reifen auf dem Montageständer (KI-generiert, OpenAI)
Motorrad-Hinterrad mit neuem Reifen auf dem Montageständer (KI-generiert, OpenAI)

Seit Juli 2026 ist unsere Reifenauswahl nach Motorrad online: Sie wählen Hersteller, Hubraum und Modell – und sehen alle Vorder-/Hinterreifen-Paarungen, die ein Reifenhersteller für genau diese Maschine geprüft und dokumentiert hat. Gut sechs Wochen später haben wir den kompletten Datenbestand einmal ausgezählt: 127 Fahrzeugmarken, 7.204 Modell- und Typvarianten, 99.681 dokumentierte Paarungen (Stand 23. August 2026).

Die große Zahl ist dabei nicht das Interessante. Interessant ist, wie ungleich sich diese knapp 100.000 Paarungen verteilen – denn davon hängt ab, wie viel Auswahl Sie beim nächsten Reifenwechsel tatsächlich vor sich haben. Für die Hälfte aller erfassten Motorräder sind es höchstens fünf.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Beitrag war ursprünglich die Vorschau auf den damals noch nicht freigeschalteten Konfigurator. Er ist inzwischen live – deshalb haben wir den Text durch die Auswertung der echten Daten ersetzt.

Was im Konfigurator steckt

Die Grundlage sind die offiziellen Fahrzeug-Freigabedaten von sechs Reifenherstellern: Continental, Dunlop, Heidenau, Metzeler, Michelin und Pirelli. Jeder von ihnen prüft je Motorradmodell, welche Kombination aus Vorder- und Hinterreifen zusammen funktioniert – und genau diese geprüften Kombinationen zeigen wir Ihnen, statt Sie zwei Einzelgrößen getrennt suchen zu lassen. Warum das beim Motorrad wichtiger ist als beim Auto, erklären wir ausführlich im Ratgeber Dürfen vorne und hinten verschiedene Motorradreifen montiert werden?.

Zusammengerechnet ergibt das einen Bestand, der weit über die aktuellen Modellreihen hinausreicht: Die erfassten Modelljahrgänge beginnen 1965 und reichen bis 2026, vom Roller über die Enduro bis zum Tourer. 127 Fahrzeugmarken klingt dabei nach mehr Gleichverteilung, als tatsächlich vorhanden ist. 44 dieser 127 Marken kommen auf höchstens fünf Modelle – das sind Namen wie Malanca, Motobi oder NSU Motorenwerke, bei denen jeweils eine Handvoll Einträge vorliegt. Die zehn großen Fahrzeugmarken – Honda, Ducati, Yamaha, Suzuki, BMW, Kawasaki, Triumph, Aprilia, Harley-Davidson und KTM – vereinen dagegen 79,7 Prozent aller Paarungen auf sich.

Die Bedienung selbst ist in drei Schritten erledigt und in unserem Beitrag zum Start der Reifenauswahl nach Motorrad im Detail beschrieben. Wenn Sie einfach loslegen möchten: Hier geht es direkt zur Reifensuche nach Motorradmodell.

Der Durchschnitt täuscht: die Hälfte hat höchstens fünf Paarungen

Rechnerisch entfallen auf jedes erfasste Motorrad 13,8 Paarungen. Diese Zahl beschreibt allerdings kaum ein einziges reales Motorrad. Der Median liegt bei 5 – die Hälfte aller Modelle liegt also darunter, die andere darüber, und der Mittelwert wird von einigen wenigen Ausreißern nach oben gezogen.

Die Verteilung im Einzelnen:

  • 876 Modelle (12,2 Prozent) haben genau eine einzige freigegebene Paarung. Mehr Auswahl gibt es an dieser Stelle schlicht nicht.
  • 1.714 Modelle (23,8 Prozent) kommen auf höchstens zwei Paarungen.
  • 3.709 Modelle (51,5 Prozent) haben fünf oder weniger.
  • 5.220 Modelle (72,5 Prozent) liegen bei höchstens zehn.
  • Am oberen Ende sind es 542 Modelle (7,5 Prozent) mit 50 und mehr Paarungen, davon 131 (1,8 Prozent) mit dreistelligen Werten.
  • Spitzenreiter im gesamten Bestand ist die Aprilia RSV 1000 R / Factory RR ab 2003 mit 256 dokumentierten Paarungen.

Wie stark sich die Auswahl auf wenige Maschinen konzentriert, zeigt der Vergleich der beiden Enden: Die 542 bestversorgten Modelle – 7,5 Prozent des Bestands – tragen zusammen 47,1 Prozent aller Paarungen. Die 3.709 Modelle mit höchstens fünf Paarungen, immerhin gut die Hälfte, kommen zusammen auf 10,1 Prozent.

Für Sie als Fahrer heißt das vor allem eines: Eine kurze Liste ist der Normalfall, kein Fehler. Wenn Ihr Motorrad drei oder vier Paarungen anzeigt, liegen Sie damit im mittleren Bereich des Gesamtbestands – und die angezeigten Kombinationen sind dafür geprüft und dokumentiert. Eine sehr lange Liste ist umgekehrt kein Qualitätsmerkmal Ihrer Maschine, sondern meist eine Frage der Reifengröße und des Baujahrs. Beides sehen wir uns jetzt an.

Warum die größte Auswahl bei den Sportlern der 2000er liegt

Man würde erwarten, dass die aktuellsten und meistverkauften Motorräder die längsten Listen haben. Tatsächlich stehen an der Spitze fast ausnahmslos Supersportler und sportliche Naked Bikes aus den 2000er-Jahren: Nach der erwähnten Aprilia RSV 1000 R folgen die Ducati 749 und die Ducati 999 (jeweils ab 2003) mit je 199 Paarungen, die Honda CBR 1000 RR Fireblade ABS (SC59, ab 2008) mit 178 und die BMW K 1200 R / Sport (2007–2008) mit 150.

Der gemeinsame Nenner ist die Bereifung. Diese Maschinen rollen auf den 17-Zoll-Standardmaßen, die praktisch jeder Reifenhersteller im Programm hat: vorn 120/70 ZR17, hinten 180/55 ZR17 oder 190/50 ZR17. Wo derart viele Reifenmodelle in der passenden Dimension existieren, entstehen über die Jahre entsprechend viele geprüfte Kombinationen. Was hinter diesen Zahlen und Buchstaben steckt, erklären wir im Ratgeber Motorradreifen-Größe lesen; welche Reifen im Sportmaß-Duo zusammenpassen, steht in unserem Reifensatz-Ratgeber für 120/70 ZR17 und 180/55 ZR17.

Ein klassisches Sportmaß-Paar sieht im Shop zum Beispiel so aus: vorn der Metzeler Sportec M7 RR 120/70ZR17 58W und hinten der passende Metzeler Sportec M7 RR 180/55ZR17 73W. Wer statt Sport eher Tourenkilometer im Sinn hat, findet in derselben Vordergröße etwa den Michelin Road 5 120/70ZR17 58W. Welche Paarung für Ihr Modell freigegeben ist, entscheidet aber immer die Fahrzeugseite im Konfigurator – nicht die Größe allein.

Das Gegenbeispiel liefert Harley-Davidson. Die Marke ist mit 539 Modellen die drittgrößte im Bestand, kommt aber nur auf 4.384 Paarungen – im Schnitt 8,1 je Modell, und 75 Harley-Modelle haben genau eine einzige Paarung. Der Grund ist derselbe, nur umgekehrt: Zoll-Maße und ausgeprägte Modellvielfalt bedeuten viele Einträge mit jeweils kleiner Schnittmenge an passenden Reifen. Zum Vergleich: Ducati kommt mit 315 Modellen auf durchschnittlich 34,8 Paarungen, BMW mit 371 Modellen auf 24,9.

Neu heißt nicht viel: warum junge Modelle klein anfangen

Der zweite Faktor ist das Baujahr – und er wirkt in eine Richtung, die viele überrascht. Freigaben entstehen nicht mit der Modellpremiere, sondern wachsen über die Jahre: Jeder Reifenhersteller, der ein neues Profil auf den Markt bringt, prüft und dokumentiert es nach und nach für die relevanten Maschinen. Ein zehn Jahre altes Motorrad hatte für diesen Prozess schlicht mehr Zeit.

Das lässt sich im Bestand direkt nebeneinanderlegen. Die BMW S 1000 RR im Baustand K46 (2009–2011) führt 112 Paarungen, dieselbe Baureihe als S 1000 RR (SR99) ab 2025 gerade einmal 19. Bei den Reiseenduros dasselbe Bild: R 1250 GS ab 10/2018 mit 54 Paarungen gegen die neuere R 1300 GS ab 2023 mit 36.

Das ist ausdrücklich kein Urteil über die neuen Modelle. Es heißt nur: Wenn Sie eine fabrikneue Maschine fahren und die Liste kurz ausfällt, ist das der normale Anfangszustand – und ein Blick ein Jahr später lohnt sich, weil dann in aller Regel weitere Freigaben hinzugekommen sind. Umgekehrt gilt: Wer ein Motorrad aus den 2000er- oder 2010er-Jahren bewegt, hat oft mehr Auswahl als der Nachbar mit dem aktuellen Modell.

Sechs Datenlieferanten, sechs Handschriften

Die sechs Reifenhersteller füllen den Bestand sehr unterschiedlich – und zwar nicht nur unterschiedlich stark, sondern unterschiedlich in der Art. Die Zahlen je Datenlieferant:

  • Michelin: 1.818 Motorräder, 28.599 Paarungen – im Schnitt 15,7 je Motorrad.
  • Metzeler: 3.400 Motorräder, 22.668 Paarungen (Ø 6,7).
  • Pirelli: 3.485 Motorräder, 17.821 Paarungen (Ø 5,1).
  • Dunlop: 3.009 Motorräder, 14.144 Paarungen (Ø 4,7).
  • Continental: 1.538 Motorräder, 9.142 Paarungen (Ø 5,9).
  • Heidenau: 2.414 Motorräder, 7.307 Paarungen (Ø 3,0).

Michelin deckt also die wenigsten Motorräder ab, liefert aber die meisten Paarungen – pro Maschine ein sehr tiefes Angebot, konzentriert auf gängige Modelle. Heidenau macht das genaue Gegenteil: wenige Paarungen je Motorrad, dafür extrem breit gestreut. Sichtbar wird das an der Frage, auf wie vielen der 127 Fahrzeugmarken-Seiten ein Reifenhersteller überhaupt als Datenquelle auftaucht. Heidenau ist auf 94 von 127 Markenseiten vertreten, Pirelli auf 83, Metzeler auf 82, Dunlop auf 66, Continental auf 52 – und Michelin nur auf 39.

Praktisch bedeutet das: Wer eine gängige 17-Zoll-Maschine fährt, findet bei Michelin und Metzeler die größte Tiefe. Wer eine ältere, seltene oder osteuropäische Marke bewegt – Jawa, Simson, MZ und Verwandte –, stößt oft auf Heidenau als einzige dokumentierte Quelle. Beides ist eine Aussage über die Datenlage, nicht über die Reifenqualität: Dass für Ihr Modell keine Freigabe eines bestimmten Herstellers hinterlegt ist, heißt nicht, dass dessen Reifen ungeeignet wären. Es heißt nur, dass uns dazu keine geprüfte Kombination vorliegt.

Wenn für Ihr Motorrad wenig oder gar nichts steht

Der Konfigurator listet ausschließlich das, wofür geprüfte Freigabedaten vorliegen. Findet er Ihr Modell nicht oder nur mit einer einzigen Paarung, ist das kein Grund zur Sorge – Sie brauchen dann nur den klassischen Weg über die Reifengröße.

  1. Papiere lesen. In der Zulassungsbescheinigung Teil I stehen unter 15.1 und 15.2 die eingetragenen Reifengrößen. Diese Angaben sind maßgeblich, nicht das, was gerade montiert ist.
  2. Seriengröße oder Abweichung klären. Entspricht der Wunschreifen der eingetragenen Größe, können Sie ihn montieren lassen. Weicht er ab, ist seit dem 1. Januar 2025 eine Begutachtung durch eine Prüforganisation wie TÜV, DEKRA, KÜS oder GTÜ nötig.
  3. Über die Größe suchen. In der Rubrik Motorradreifen für die Straße und über die Größenseiten finden Sie alle lieferbaren Reifen in Ihrer Dimension – unabhängig davon, ob für Ihr Modell eine Freigabe hinterlegt ist.

Wichtig ist Punkt 2, weil sich dort die Rechtslage geändert hat. Das Bundesministerium für Verkehr stellt in seinem Merkblatt zur Beurteilung von Rad-/Reifenkombinationen an Krafträdern unmissverständlich fest: „Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, z. B. durch den Reifenhersteller, ist kein Nachweis im Sinne des § 19 Abs. 3 StVZO." Das gilt für Reifen mit Herstelldatum nach dem 31.12.2019 und seit dem 1. Januar 2025 für alle Reifen. Bei Reifen in Seriengröße erlischt die Betriebserlaubnis dagegen nicht – montieren und fahren. Die Bescheinigung des Reifenherstellers ist damit nicht wertlos, sie hat nur eine andere Rolle: Sie dient der Prüforganisation als anerkannte Begutachtungsgrundlage. Genau deshalb halten wir sie im Konfigurator als PDF bereit. Die vollständige Einordnung finden Sie auf unserer Seite zu den Reifenfreigaben für Motorräder.

Was bei der Hauptuntersuchung tatsächlich geprüft wird und woran es dort typischerweise scheitert, haben wir gesondert zusammengestellt: Motorradreifen bei der HU. Und weil Motorradreifen als einzige Fahrzeuggattung ohne EU-Reifenlabel auskommen, lohnt zur Einordnung der verfügbaren Kennwerte ein Blick auf unseren Ratgeber zu den fehlenden Labelangaben bei Motorradreifen.

Unterm Strich: Der Konfigurator nimmt Ihnen die Suche nach der passenden Paarung ab – aber er zaubert keine Auswahl herbei, die es nicht gibt. Fünf Paarungen sind der Normalfall, eine einzige kommt bei jedem achten Modell vor, und dreistellige Listen sind die Ausnahme für ein paar hundert 17-Zoll-Maschinen. Schauen Sie am besten selbst nach, was für Ihr Modell hinterlegt ist – und wenn dort wenig steht, führt der Weg über die eingetragene Größe genauso sicher ans Ziel.

Häufige Fragen

Warum zeigt der Konfigurator für meine neue Maschine so wenige Reifen an?

Weil Freigaben über Jahre entstehen. Ein Modell ab 2025 hat naturgemäß weniger geprüfte Kombinationen als dieselbe Baureihe von 2010 – bei der BMW S 1000 RR sind es 19 gegenüber 112. Ein späterer Blick lohnt sich, weil laufend Freigaben hinzukommen.

Mein Motorrad ist gar nicht gelistet – darf ich dann keine neuen Reifen kaufen?

Doch. Die Liste bildet nur ab, wofür uns Freigabedaten der sechs Reifenhersteller vorliegen. Maßgeblich für die Zulässigkeit ist die in Ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragene Reifengröße – danach können Sie ganz normal über die Größensuche kaufen.

Muss ich die Herstellerbescheinigung beim Fahren dabeihaben?

Nein. Sie ist seit 2025 kein Nachweis nach § 19 Abs. 3 StVZO mehr und muss auch nicht mitgeführt werden. Bei einer abweichenden Größe braucht es stattdessen die Abnahme durch eine Prüforganisation, für die die Bescheinigung als Begutachtungsgrundlage dient.

Schlagwörter: Motorradreifen Konfigurator Reifenfreigabe Reifensatz Reifengröße

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