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Reifenpflege & Lagerung – Ratgeber im Magazin

Reifen einlagern lassen: Reifenhotel, Kosten und ob sich der Service lohnt

· 11 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 25.08.2026
Eingelagerte Kompletträder auf einem Metall-Felgenregal in einem kühlen, trockenen Lagerraum (KI-generiert, OpenAI)
Eingelagerte Kompletträder auf einem Metall-Felgenregal in einem kühlen, trockenen Lagerraum (KI-generiert, OpenAI)

Ende August ist der Moment, in dem sich die Frage jedes Jahr aufs Neue stellt: In wenigen Wochen beginnt mit der O-bis-O-Faustregel die Wechselsaison, die Werkstatttermine werden knapp – und der Satz, der dann vom Auto kommt, will irgendwo hin. Vier Räder, je nach Größe 40 bis 80 Kilogramm, am besten kühl, trocken und dunkel gelagert. Wer keinen Keller hat oder sich das Schleppen sparen möchte, gibt den zweiten Radsatz in ein „Reifenhotel". Was dieser Service kostet, was wirklich darin steckt, wie viel Wert Sie dort eigentlich abstellen – und wann sich die Selbstlagerung mehr lohnt.

Reifenhotel: Was der Einlagerungsservice wirklich umfasst

Ein „Reifenhotel" ist nichts anderes als die gewerbliche Einlagerung Ihres zweiten Radsatzes bei einer Werkstatt, einem Reifenhändler oder einem spezialisierten Lagerbetrieb. Dort verbringen Ihre Sommer- oder Winterräder die Saison, in der sie nicht gebraucht werden. Der Ablauf ist überall ähnlich: Beim saisonalen Radwechsel bleibt der abmontierte Satz direkt beim Betrieb, wird gereinigt, geprüft und eingelagert. Beim nächsten Termin holt der Betrieb „Ihre" Räder wieder aus dem Regal und montiert sie. Sie müssen weder Räder schleppen noch zu Hause Platz freiräumen.

Zwischen „reiner Lagerung" und „Rundum-sorglos-Paket" liegen allerdings Welten – und genau daran entscheidet sich, ob ein Angebot günstig oder nur billig ist. Achten Sie beim Vergleich darauf, welche dieser Leistungen tatsächlich enthalten sind:

  • Saisonaler Radwechsel: Räder ab- und wieder anmontieren, mit korrektem Drehmoment und Nachziehen nach den ersten Kilometern.
  • Reinigung der Räder vor dem Einlagern – nicht nur Kosmetik, sondern Voraussetzung dafür, dass Streusalz und Bremsstaub das Material nicht über Monate angreifen.
  • Sichtkontrolle auf Beschädigungen, Fremdkörper im Profil, Profiltiefe und Reifenalter.
  • Fachgerechte Lagerung in kühlen, trockenen und dunklen Räumen, jedes Rad an einem festen Platz.
  • Einlagerungs-Versicherung gegen Diebstahl, Brand oder Beschädigung – oft, aber längst nicht immer inklusive.
  • Bei Bedarf Auswuchten sowie ein Blick auf Ventile und RDKS-Sensoren.

Voraussetzung für den reibungslosen Ablauf ist ein zweiter, vollständiger Radsatz – idealerweise als Kompletträder auf eigenen Felgen. Nur dann muss der Reifen nicht zweimal im Jahr von der Felge gezogen werden, und aus dem Werkstatttermin wird eine Viertelstunde statt einer Stunde. Warum das nicht nur bequemer, sondern auf Dauer auch günstiger ist, rechnen wir weiter unten vor.

Was die Einlagerung kostet – und warum derselbe Service 10 oder 86 Euro kosten kann

Für die professionelle Einlagerung eines Radsatzes nennt der ADAC im Schnitt rund 30 bis 60 Euro pro Saison, also für etwa sechs Monate. Komplettpakete, die den Radwechsel, das Auswuchten und die Reinigung einschließen, können 100 Euro und mehr kosten; in Großstädten liegen die Preise tendenziell höher (Quelle: ADAC, Reifen richtig lagern).

Dieser Mittelwert verdeckt allerdings, wie weit die Preise auseinanderliegen. Eine ADAC-Preisrecherche bei jeweils zehn Reifenfachhändlern und Werkstätten in 30 deutschen Städten – insgesamt 161 Anbieter, erhoben im Jahr 2017 – fand für die reine Lagerung eines Rädersatzes eine bundesweite Spanne von 10 Euro in Magdeburg bis 86 Euro in Nürnberg. Noch aufschlussreicher als die Extremwerte sind die Unterschiede innerhalb einer Stadt: In Karlsruhe lagen günstigster und teuerster Anbieter um 245 Prozent auseinander, in Magdeburg um 240 und in Wiesbaden um 233 Prozent – während die Preise in Frankfurt am Main mit gut zwei Prozent Abstand praktisch identisch waren (Quelle: ADAC-Preisvergleich Reifeneinlagerung). Die absoluten Beträge sind inzwischen älter, die Botschaft dahinter ist zeitlos: Was Sie zahlen, hängt weniger von der Region ab als davon, welchen Betrieb Sie in Ihrer Region fragen.

Zwei Hinweise aus derselben Erhebung sparen bares Geld. Erstens nutzen viele Anbieter die Einlagerung zur Kundenbindung – in der ersten Saison ist sie deshalb manchmal kostenlos, und rund um die Wechseltermine gibt es häufig Aktionspreise. Zweitens lohnt die Nachfrage nach dem Paketpreis: Bei etwa der Hälfte der befragten Betriebe waren Umstecken, Wuchten oder Räderwäsche bereits im genannten Preis enthalten, bei der anderen Hälfte nicht. Ein Angebot über 35 Euro kann am Ende teurer sein als eines über 55 Euro – wenn beim ersten der Radwechsel noch extra berechnet wird.

Was da eigentlich im Regal liegt – der Wert Ihres zweiten Radsatzes

Bei der Frage nach der Versicherung winken viele ab: Es sind ja „nur" alte Reifen. Ein Blick in unser eigenes Regal zeigt, wie schief diese Einschätzung liegt. In der meistgefragten deutschen Pkw-Dimension 205/55 R16 sind bei uns derzeit 224 Winterreifen-Ausführungen lieferbar, und ihre Preise reichen von 46,30 Euro für den günstigsten Einstiegsreifen – etwa den Aplus A701 205/55 R16 91H – bis 233,50 Euro für den teuersten Premiumreifen, den Michelin Alpin 6 205/55 R16 91H. Ein bekannter Markenreifen der Mittelklasse wie der Continental WinterContact TS 870 205/55 R16 91T liegt mit 94,40 Euro dazwischen.

Auf einen Satz von vier Reifen hochgerechnet heißt das: Der Gummi allein ist zwischen rund 185 und 934 Euro wert. Dazu kommen die Felgen. Von den 975 bei uns lieferbaren Stahlfelgen kostet die günstigste 46,20 Euro, die teuerste 165,00 Euro – ein Stahlsatz beginnt also bei knapp 185 Euro. Alufelgen starten bei rund 82 Euro je Stück, ein Satz liegt damit selten unter 330 Euro. Unterm Strich stellen Sie im Reifenhotel je nach Fahrzeug und Ausstattung Ware im Wert von etwa 370 Euro bis weit über 1.200 Euro ab – bei Alu-Kompletträdern in großen Zollgrößen deutlich mehr.

Mit dieser Zahl im Kopf werden drei Empfehlungen des ADAC vom Kleingedruckten zur Pflicht: Prüfen Sie die Räder bei der Übergabe gemeinsam mit dem Fachpersonal, lassen Sie ein Protokoll mit Zustand, Profiltiefen und DOT-Nummern anfertigen und machen Sie Fotos. Und klären Sie ausdrücklich, wer bei Verlust oder Beschädigung haftet und ob eine Versicherung im Preis enthalten ist – im Zweifel schriftlich. Bei einem Warenwert im vierstelligen Bereich ist das keine Übervorsicht, sondern schlicht angemessen.

Kompletträder oder Reifen umziehen? Die Rechnung hinter dem bequemen Wechsel

Ob sich ein Reifenhotel überhaupt sinnvoll nutzen lässt, entscheidet sich vorher: an der Frage, ob Sie einen zweiten Felgensatz besitzen. Wer nur einen Satz Felgen hat, muss die Reifen zweimal im Jahr von der Felge ziehen und den anderen Satz neu aufziehen und auswuchten lassen. Dieser Arbeitsgang bewegt sich in der Größenordnung einer Neumontage von vier Reifen und kostet laut unserem Ratgeber Reifen montieren lassen rund 90 bis 160 Euro. Das bloße Umstecken fertiger Kompletträder liegt dagegen bei etwa 40 bis 70 Euro, mit Zusatzleistungen bei rund 100 Euro.

Rechnen Sie konservativ mit einer Differenz von 50 bis 90 Euro je Wechsel, sind das 100 bis 180 Euro im Jahr, die ein zweiter Felgensatz einspart. Ein Stahlsatz ab knapp 185 Euro hat sich damit nach ein bis zwei Jahren bezahlt gemacht – und arbeitet danach jedes Jahr für Sie. Diese Rechnung ist bewusst eine Größenordnung, keine Preisgarantie: Werkstattpreise schwanken regional erheblich, und breite Niederquerschnittsreifen oder Notlaufreifen liegen beim Aufziehen am oberen Ende. Die Richtung stimmt aber in jedem Fall.

Zwei Nebeneffekte kommen hinzu, die in keiner Rechnung auftauchen. Erstens schont es die Reifen: Jedes Auf- und Abziehen belastet den Wulst, und der Reifen wird mit dem Montiereisen nicht sanfter behandelt, nur weil er noch Profil hat. Zweitens die Sensoren. Fährt Ihr Fahrzeug ein direktes RDKS, sitzt in jedem Rad ein Drucksensor, dessen Service-Kit bei jeder Demontage erneuert wird; ein Ersatzsensor kostet rund 40 bis 70 Euro je Stück. Bei Kompletträdern bleiben die Sensoren unangetastet – dafür braucht jeder Satz eigene Sensoren, die nach dem Wechsel angelernt werden müssen. Welche Varianten es gibt und wann sich Übernehmen, Anlernen oder Neukaufen rechnet, steht im Ratgeber zu RDKS beim Kompletträder-Wechsel.

Einlagern lassen oder selbst lagern – wofür Sie sich wann entscheiden

Beide Wege sind richtig; es kommt auf Ihre Wohnsituation an, nicht auf ein allgemeines Urteil.

Für das Einlagern-Lassen spricht: kein Platzbedarf zu Hause und kein Schleppen von 15 bis 20 Kilogramm je Rad durchs Treppenhaus. Professionelle Lagerräume sind gleichmäßig kühl, trocken und dunkel – Bedingungen, die eine Garage mit Südwand im Hochsommer nicht bietet. Fachleute prüfen Profil, Alter und Zustand automatisch mit und melden sich, bevor aus einem grenzwertigen Satz ein Problem bei der Hauptuntersuchung wird. Und die Räder sind dort in aller Regel gegen Diebstahl und Brand versichert, was sie im Kellerabteil selten sind.

Für die Selbstlagerung spricht: Sie kostet nichts, wenn geeigneter Platz vorhanden ist. Sie haben jederzeit Zugriff auf Ihre Räder – praktisch, wenn ein früher Wintereinbruch oder ein spontaner Werkstatttermin dazwischenkommt. Und Sie sind an keinen Betrieb gebunden, können den Wechsel also dort machen lassen, wo gerade ein Termin frei ist.

Konkret lohnt sich der Service vor allem für Stadtbewohner ohne Keller oder Garage, für alle, die hochwertige Alu-Kompletträder besitzen und den Versicherungsschutz mitnehmen wollen, und für alle, denen das Handling schlicht zu schwer geworden ist. Wer dagegen einen trockenen, kühlen Kellerraum, ein Regal und etwas Zeit hat, spart die 30 bis 60 Euro pro Saison – über zehn Jahre immerhin ein niedriger vierstelliger Betrag – und hat seine Räder immer griffbereit.

Reifen richtig lagern, wenn Sie es selbst tun

Wer den zweiten Satz zu Hause aufbewahrt, sollte die Grundregeln des ADAC beachten (Quelle: die oben verlinkte ADAC-Seite zur Reifenlagerung), damit die Reifen die Pause unbeschadet überstehen:

  1. Vorher reinigen und prüfen: Räder mit mildem Spülmittel und Wasser säubern, vollständig trocknen lassen und dabei auf Beulen an der Flanke, tiefe Risse und Fremdkörper im Profil kontrollieren. Notieren Sie die Position am Fahrzeug (z. B. „vorne links") mit Kreide auf der Flanke – nur so lässt sich beim Wiederaufziehen sauber tauschen.
  2. Luftdruck erhöhen: Vor dem Einlagern den Druck um etwa 0,5 bar über die Herstellervorgabe anheben. Reifen verlieren über Monate langsam Luft, und ein zu weicher Reifen verformt sich unter dem eigenen Gewicht.
  3. Richtiger Lagerort: kühl, dunkel und trocken – Keller oder Garage –, geschützt vor Sonne und Witterung und fern von Ölen, Lösungsmitteln und laufenden Elektromotoren. Deren Ozon greift das Gummi an und lässt es feine Risse bilden.
  4. Mit oder ohne Felge – das ist der entscheidende Unterschied: Kompletträder gehören flach liegend oder hängend gelagert, etwa auf einem Felgenbaum, an einer Wandhalterung oder im Regal. Reines Übereinanderstapeln ist zwar möglich, begünstigt an den Auflageflächen aber Rostbildung. Reifen ohne Felge dagegen stellt man hochkant und dreht sie alle paar Monate ein Stück weiter, damit sie sich nicht einseitig verformen.
  5. Auf das Alter achten: Der ADAC empfiehlt, Reifen unabhängig von der Profiltiefe nach acht bis zehn Jahren auszutauschen. Das Herstellungsdatum lesen Sie an der vierstelligen DOT-Zahl auf der Flanke ab: die ersten beiden Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten beiden für das Jahr. Bevor Sie einen Satz einlagern, der im Frühjahr ohnehin fällig wäre, sparen Sie sich die Mühe – und die Lagergebühr.

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit allen Handgriffen finden Sie in unserem Ratgeber zur richtigen Reifenlagerung.

Unterm Strich: Ob Reifenhotel oder Kellerregal – entscheidend ist, dass Ihr zweiter Radsatz kühl, trocken und dunkel durch die Saison kommt. Der Service nimmt Ihnen Platz, Schlepperei und Zustandskontrolle ab und kostet dafür meist 30 bis 60 Euro pro Saison, als Komplettpaket auch dreistellig; holen Sie in Ihrer Stadt zwei bis drei Angebote ein und fragen Sie ausdrücklich, was enthalten ist. Wer Platz und Zeit hat, lagert mit den fünf Regeln oben genauso gut selbst. Die Basis für den entspannten Wechsel ist in beiden Fällen ein vollständiger zweiter Radsatz: Warum sich fertig montierte Räder lohnen und worauf Sie beim Kauf achten, lesen Sie in unserem Beitrag zu den Vorteilen von Kompletträdern – den passenden Satz Winterreifen für die kommende Saison finden Sie direkt in unserem Shop.

Häufige Fragen

Wie teuer ist ein Reifenhotel pro Saison?

Für die reine Lagerung eines Radsatzes nennt der ADAC im Schnitt rund 30 bis 60 Euro pro Saison. Komplettpakete inklusive Radwechsel, Auswuchten und Reinigung liegen oft bei 100 Euro und mehr. Die Preise unterscheiden sich stark zwischen einzelnen Betrieben – oft mehr innerhalb einer Stadt als zwischen zwei Regionen.

Sollte man Reifen mit oder ohne Felge liegend lagern?

Kompletträder lagert man flach liegend oder hängend, etwa auf einem Felgenbaum oder im Regal; beim reinen Stapeln kann an den Auflageflächen Rost entstehen. Einzelne Reifen ohne Felge stellt man dagegen hochkant hin und dreht sie alle paar Monate ein Stück weiter.

Warum soll man den Luftdruck vor dem Einlagern erhöhen?

Weil Reifen über die Monate langsam Luft verlieren und sich ein zu weicher Reifen unter seinem eigenen Gewicht verformen kann. Rund 0,5 bar über der Herstellervorgabe genügen; vor dem Wiederaufziehen stellen Sie den korrekten Betriebsdruck ein.

Schlagwörter: Reifen einlagern Reifenhotel Reifenlagerung Saisonwechsel Reifenpflege

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