Sava-Reifen im Test-Check: 88 Urteile, 238 Reifen und ein Nässe-Muster
Sava ist die Marke, über die im Reifenregal am wenigsten geredet wird und über die am meisten spekuliert wird. Günstig ist sie, das sieht jeder am Preisschild. Was der Konzernname Goodyear im Hintergrund praktisch bedeutet, ist dagegen selten mehr als eine Vermutung. Wir haben deshalb nicht die Werbung der Marke ausgewertet, sondern drei belastbare Datenquellen: 238 lieferbare Sava-Ausführungen im eigenen Regal, 88 Testeinträge der deutschen Fachpresse aus 25 Jahren und die Angaben, die Sava auf seiner eigenen deutschen Herstellerseite macht. Das Ergebnis ist erstaunlich einheitlich – und es widerspricht an mehreren Stellen dem, was man über Budgetmarken zu wissen glaubt.
Wer hinter Sava steht — und was das Werk in Kranj heute baut
Die Zugehörigkeit zu Goodyear ist keine Interpretation, sondern lässt sich in einer Zeile nachlesen: Als Anbieter der deutschen Sava-Website ist im Impressum die Goodyear Germany GmbH mit Sitz in der Dunlopstraße 2 in 63450 Hanau eingetragen – dieselbe Adresse, unter der auch Dunlop und Fulda in Deutschland geführt werden. Sava wird hierzulande also nicht von einem slowenischen Unternehmen vertrieben, sondern von der deutschen Goodyear-Gesellschaft, direkt neben den bekannteren Konzernmarken. Wie sich das gesamte Markengeflecht der großen Hersteller sortiert, haben wir in der Übersicht Reifenmarken: Wer gehört zu wem? aufgeschlüsselt.
Der Weg dorthin lässt sich mit Daten aus der Fachpresse ziemlich genau datieren. Das Reifenwerk im slowenischen Kranj entstand nach Angaben von Reifenpresse.de bereits Mitte der 1950er-Jahre; Goodyear übernahm 1998 die Mehrheit an der Fabrik und stockte die Anteile 2004 auf 100 Prozent auf (Quelle: Reifenpresse.de zur Werksübernahme). Dass das Werk innerhalb des Konzerns kein Anhängsel ist, zeigte 2016 die Vergabe des Q1-Zertifikats durch Ford, mit dem der Autohersteller Zulieferbetriebe für besondere Fertigungsqualität auszeichnet (Quelle: Reifenpresse.de zur Ford-Auszeichnung).
Und dann kommt die Zahl, die das gängige Bild von Kranj als reiner Billigfabrik am deutlichsten korrigiert. Goodyear kündigte im Dezember 2018 an, rund 94 Millionen Euro in die Erweiterung des Werks zu stecken, um die Kapazität um ein Viertel zu steigern – ausdrücklich für großdimensionierte Reifen zwischen 17 und 19 Zoll für die europäischen Ersatzmärkte. Im April 2023 meldete der Hersteller den – pandemiebedingt verspäteten – Abschluss: Die Jahreskapazität stieg von 7,2 auf neun Millionen Pkw-Reifen, investiert wurden gut 90 Millionen Euro, 160 Arbeitsplätze kamen hinzu, und in den zwei neuen Hallen entstehen „vornehmlich Premiumreifen in großen Durchmessern“ (Quelle: Reifenpresse.de zum Werksausbau).
Für die Einschätzung der Marke ist das der entscheidende Punkt: Kranj ist heute ein Werk, in dem Goodyear seine großen, hochpreisigen Dimensionen fertigt – und in dem nebenbei Sava läuft. Das erklärt, warum ein Sava technisch mehr Rückhalt hat als eine namenlose Importmarke, deren Fertigungsort man nicht einmal benennen kann. Genau diesen Unterschied haben wir grundsätzlich im Ratgeber Billigreifen und unbekannte Marken einschätzen beschrieben: Nicht der niedrige Preis ist das Risiko, sondern die fehlende Nachvollziehbarkeit. Die hat Sava nicht – hier ist jede Ebene benennbar, vom Werk über den Eigentümer bis zur deutschen Vertriebsgesellschaft.
Was Sava selbst verspricht: auffällig wenig Nachprüfbares
Wer die Produktseiten großer Reifenhersteller kennt, ist an bezifferte Versprechen gewöhnt: so und so viel Prozent kürzerer Nassbremsweg, so und so viel mehr Laufleistung, jeweils mit einer Fußnote, die den Vergleichsreifen nennt. Bei Sava fehlt das vollständig. Wir haben die deutschen Sortimentsseiten für Winterreifen, Sommer- und Ganzjahresreifen sowie die Seite zu den Qualitäts- und Leistungskriterien maschinell nach Prozent- und Meterangaben durchsucht: kein einziger Treffer. Nicht ein Prozentwert, nicht ein Bremswegmeter, kein Vergleich zu einem Vorgängermodell.
Stattdessen stehen dort Adjektive. Der Eskimo S3+ ist ein „fortschrittlicher Winterreifen mit ausgezeichnetem Winter-Grip und kürzerem Bremsweg“ – kürzer als was, bleibt offen. Der Intensa HP 2 „bietet auch bei Nässe eine exzellente Leistung“. Die einzige konkrete Zahl auf der Qualitätsseite ist die Angabe, man prüfe bei der Entwicklung 50 Leistungskriterien, mehr als Reifenlabel und Reifentests abdeckten. Zu diesen Kriterien zählt die Marke ausdrücklich auch das „Aquaplaningverhalten – in Kurven und auf gerader Straße“. Merken Sie sich diesen Halbsatz; er wird weiter unten wichtig.
Auch die einzige echte Messfußnote auf den Sortimentsseiten führt nicht weit: Sie bezieht sich auf Innenraum-Geräuschmessungen, durchgeführt von Goodyear-Ingenieuren in Luxemburg im Februar 2018, Januar 2018, November 2017 und Oktober 2011, gefahren in genau zwei Größen (225/55 R17 und 255/45 R18) auf VW Passat Alltrack, Ford Kuga und Audi A7. Eine Messung aus dem Jahr 2011 sagt über einen 2026 gekauften Reifen wenig aus.
Das ist kein Vorwurf, aber eine wichtige Konsequenz für die Kaufentscheidung: Bei Sava gibt es schlicht keine Herstellerversprechen, die man nachrechnen könnte. Wer die Marke einschätzen will, ist deshalb vollständig auf fremde Daten angewiesen – auf das EU-Reifenlabel, auf unabhängige Tests und auf das, was tatsächlich lieferbar im Regal steht. Genau diese drei Quellen sehen wir uns jetzt der Reihe nach an.
Das Regal: 238 Ausführungen, 17 Baureihen — und mehr Sommer als Winter
Zum Stichtag standen 238 lieferbare Sava-Ausführungen in unserem Sortiment, verteilt auf 17 Baureihen – praktisch deckungsgleich mit dem, was Sava selbst für Deutschland listet. Die Verteilung über die Rubriken sieht so aus: 90 Pkw-Sommerreifen, 50 Pkw-Winterreifen, 44 Pkw-Ganzjahresreifen, 18 Offroad-Sommerreifen, 15 Transporter-Winterreifen, 14 Transporter-Sommerreifen und 7 Offroad-Winterreifen.
Damit ist die verbreitete Einordnung „Sava ist vor allem eine Wintermarke“ so nicht haltbar. Rechnet man die Rubriken nach Saison zusammen, entfallen 122 der 238 Ausführungen (51 Prozent) auf Sommerreifen, 72 (30 Prozent) auf Winterreifen und 44 (18 Prozent) auf Ganzjahresreifen. Der Sommer ist bei Sava die größere Hälfte, nicht die kleinere – und die beiden größten Einzelbaureihen sind der Ganzjahresreifen All Weather (40 Ausführungen) und der Sommerreifen Intensa UHP 2 (36), noch vor den Winterklassikern Eskimo S3+ (25) und Eskimo HP2 (24).
Ebenso wenig hält die Vorstellung stand, Sava sei eine reine Kleinwagenmarke. Das Regal reicht von 13 bis 21 Zoll. Der Intensa SUV 2 gibt es bis 295/35 R21 zu 224,20 Euro, den Intensa UHP 2 unter anderem in 255/35 R19. Dass diese Richtung Absicht ist, hat der Hersteller selbst deutlich gemacht: Im Februar 2024 führte Sava allein für den Intensa SUV 2 15 neue Größen ein und begründete das mit dem Markttrend zu SUVs und alternativen Antrieben (Quelle: Reifenpresse.de zur Sortimentserweiterung).
Die Preisspanne ist entsprechend breit: Sie beginnt bei 33,40 Euro für einen Adapto in 165/70 R13 und endet bei den erwähnten 224,20 Euro; der Median über alle 238 Ausführungen liegt bei 87,07 Euro. Auffällig ist die Spreizung zwischen den Baureihen: Der Eskimo S3+ ist mit einem Median von 59,47 Euro die klassische Kleinwagen-Winterlösung, der Eskimo SUV 2 liegt mit 139,34 Euro fast beim Zweieinhalbfachen. „Sava“ allein ist also keine Preisauskunft – die Baureihe entscheidet.
Vier Baureihen decken dabei Bereiche ab, die man bei einer Budgetmarke nicht automatisch erwartet: der Eskimo LT (15 Ausführungen) und der Trenta 2 (13) bedienen Transporter und leichte Nutzfahrzeuge mit C-Kennung, der Eskimo SUV 2 (7) und der Intensa SUV 2 (18) die Geländewagen. Wenn Sie bei Transporterreifen unsicher sind, welche Tragfähigkeitsangabe für Sie gilt, hilft der Beitrag zu C-Reifen und dem doppelten Lastindex weiter.
Was das EU-Label sagt: Bestnoten gibt es nur im Sommer
Das EU-Reifenlabel ist die einzige Kennzahl, die auf jedem einzelnen Reifen steht und zwischen allen Marken vergleichbar ist. Wir haben es für alle 238 Ausführungen ausgezählt – und das Bild ist ungewöhnlich klar getrennt.
Bei der Nasshaftung vergibt das Label an Sava genau 27 Mal die Bestklasse A. Alle 27 sind Sommerreifen, und sie verteilen sich auf nur zwei Baureihen: 22 Mal auf den Intensa UHP 2, fünf Mal auf den Intensa SUV 2. Im Detail sieht die Verteilung so aus:
- Sommer (122 Ausführungen): 27 × A, 57 × B, 34 × C, 3 × D, 1 × E
- Winter (72 Ausführungen): kein A, 7 × B, 58 × C, 7 × D
- Ganzjahr (44 Ausführungen): kein A, 4 × B, 36 × C, 2 × D, 2 × E
In den 116 Winter- und Ganzjahresausführungen findet sich also nicht ein einziges A – und knapp acht von zehn Winterreifen tragen ein C. Zur Einordnung: Wie sich Nasshaftungsklassen über den gesamten Winterreifenmarkt verteilen und warum ein A dort auch bei Premiumreifen die Ausnahme bleibt, zeigt unsere Auswertung zur Nasshaftung bei Winterreifen. Sava steht mit seinen C-Klassen im Winter also nicht allein – aber es steht auch nicht vorne.
Bei der Kraftstoffeffizienz kehrt sich die Rangfolge interessanterweise um: Hier sind die Ganzjahresreifen die stärkste Gruppe (16 von 44 Ausführungen in Klasse B), während die Winterreifen mit 29 × D und 10 × E die schwächste Bilanz abliefern. Wer wissen möchte, wie die drei Werte auf dem Label zusammenhängen und welcher davon im Alltag wirklich zählt, findet das im Ratgeber zur Nasshaftung auf dem EU-Reifenlabel ausführlich erklärt.
Wichtig zu wissen: Dieselbe Modellbezeichnung kann je nach Größe völlig unterschiedliche Labelwerte tragen. Beim Sava Eskimo HP2 reicht die Nasshaftung über die 24 Ausführungen von B bis D. Warum das kein Fehler ist, sondern in der Systematik liegt, erklärt der Beitrag Gleicher Reifenname, anderes EU-Label.
88 Testurteile aus 25 Jahren — ein Muster, das sich nicht ändert
Ein einzelnes Testergebnis ist eine Momentaufnahme in einer Größe auf einem Fahrzeug. Aussagekräftig wird es erst, wenn man viele davon nebeneinanderlegt. In der Reifentest-Datenbank von Reifenpresse.de liegen zu Sava 88 Einträge aus den Jahren 2000 bis 2025 – von ADAC Motorwelt (42 Einträge), AutoBild (31), Auto Zeitung, ACE Lenkrad, Promobil, auto motor und sport und weiteren. Wir haben alle 88 ausgewertet.
Das Ergebnis ist bemerkenswert eindeutig. In 50 der 88 Einträge nennen die Tester Nässe als Schwäche – über 25 Jahre, über alle Baureihen und über alle drei Saisons hinweg. Gleichzeitig führen 49 Einträge Verschleiß, Kraftstoffverbrauch, Laufleistung oder den Preis als Stärke auf, und 28 loben ausdrücklich das Verhalten auf Schnee oder Eis. Das mit Abstand häufigste Worturteil ist „befriedigend“ (29-mal); „gut“ wurde sechsmal vergeben, „mangelhaft“ dreimal.
Wenn ein Befund sich über eine Vierteljahrhundert und quer durch das Sortiment wiederholt, ist er keine Testtagesform mehr, sondern eine Eigenschaft der Marke. Sava kauft man für Haltbarkeit, Rollwiderstand und Preis – und man akzeptiert dafür ein Defizit bei Nässe. So einfach ist das, und so konstant.
Zwei Ausreißer gehören der Fairness halber dazu, in beide Richtungen. Nach oben: Der Intensa UHP 2 holte bei AutoBild in den Ausgaben 9/2019 und 10/2022 jeweils ein glattes „gut“, im letzteren Fall mit dem Vermerk „sehr gute Sicherheitsreserven bei Aquaplaning“ und „kurze Nass- und Trockenbremswege“. Nach unten: Die beiden Transporterreifen kassierten 2019 vom ADAC jeweils ein „mangelhaft“ – der Trenta 2 in 215/65 R16C mit der Begründung „sehr schwach auf Nässe“, der Trenta M+S in 205/65 R16C wegen Schwächen auf Schnee. Wer einen Transporter oder ein Reisemobil bewegt, sollte diese beiden Urteile kennen, bevor er zur günstigsten Option greift; die Alternativen finden Sie in der Kategorie Transporter-Winterreifen.
Auch der Ganzjahresreifen bestätigt das Muster eher, als dass er es bricht: Der All Weather erhielt in der ADAC Motorwelt 3/2024 in 205/55 R16 auf einem VW Golf ein „ausreichend“ – mit der Bestnote in der Effizienz und guten Werten auf Schnee, Eis und beim Verschleiß, aber Schwächen auf trockener und leichten Schwächen auf nasser Fahrbahn. Wie sich Ganzjahresreifen insgesamt im deutschen Markt entwickeln, haben wir im Beitrag zum Ganzjahresreifen-Marktanteil 2026 zusammengetragen.
Der Kern des Widerspruchs: nass bremsen kann Sava, nass lenken nicht
Jetzt wird es interessant – denn die beiden bisherigen Befunde passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Intensa UHP 2 trägt 22-mal die Nasshaftungsklasse A, also die Bestnote des EU-Labels. Und ausgerechnet dieselbe Baureihe sammelt in den Testeinträgen Kritik am Nassverhalten ein. Wie kann beides stimmen?
Die Auflösung steht auf Savas eigener Website. Auf der Seite zur EU-Reifenkennzeichnung definiert die Marke die Nasshaftungsklassen wörtlich als „5 Klassen von E (längste Bremswege) bis A (kürzeste Bremswege)“ und beziffert den Unterschied zwischen E und A mit bis zu 30 Prozent kürzerem Bremsweg, bei 80 km/h also bis zu 18 Metern. Von Kurven, von Seitenführung, von Aquaplaning ist an keiner Stelle die Rede. Die Nasshaftungsklasse des EU-Labels misst ausschließlich die Bremsung auf gerader, nasser Strecke – und sonst nichts.
Genau diese Trennlinie lässt sich an einem einzigen Testergebnis lückenlos nachvollziehen. Der ADAC hat den Sava Eskimo HP2 im Winterreifentest 2022 in der Größe 215/60 R16 geprüft und veröffentlicht die Teilnoten einzeln (Quelle: ADAC). Der Block „Nass“ mit 30 Prozent Gewichtung ergab in der Summe eine 3,0 und führte zur Abwertung der Gesamtnote. Sieht man aber hinein, verteilt sich diese 3,0 höchst ungleichmäßig:
- Bremsen: 2,3 – der beste Wert im gesamten Nassblock
- Aquaplaning längs: 3,0
- Handling: 3,2
- Aquaplaning quer: 3,5
- Kreis/Seitenführung: 3,5
Der Reifen bremst auf nasser Geraden ordentlich. Er verliert, sobald er auf nasser Straße lenken muss. Und weil das Label ausschließlich die Geradeausbremsung abbildet, kann derselbe Reifen völlig zu Recht eine gute Labelklasse tragen und in Tests trotzdem beim Nassverhalten durchfallen – die beiden messen schlicht nicht dasselbe. Erinnern Sie sich an Savas eigene Liste der 50 Prüfkriterien? Dort steht das „Aquaplaningverhalten – in Kurven und auf gerader Straße“ ausdrücklich drin. Auf dem Label, das im Laden hängt, taucht davon nichts auf.
Für die Kaufentscheidung folgt daraus eine praktische Regel: Das Label ist eine Aussage über den Bremsweg, nicht über das Fahrverhalten bei Regen. Wer viel bei Nässe unterwegs ist, sollte deshalb den Testbefund höher gewichten als den Buchstaben. Warum sich Label und Test grundsätzlich unterscheiden und wann welche Quelle die bessere ist, haben wir im Beitrag Reifenlabel oder Reifentest im Detail auseinandergenommen. Was bei nasser Fahrbahn tatsächlich passiert und wie Sie im Ernstfall reagieren, steht im Ratgeber Aquaplaning erkennen und richtig reagieren.
Der Rest der ADAC-Teilnoten rundet das Bild ab und erklärt, warum die Marke ihre treue Käuferschaft hat: Schnee 2,3 (Bremsen mit ABS sogar 1,8), Eis 2,0, Kraftstoffverbrauch 1,7 – und Verschleiß 1,5, laut ADAC die Bestnote im Testfeld. Der Gesamtwert von 3,0 reichte dem Club dennoch nur für ein knappes „empfehlenswert“. Wie sich Laufleistung über die Lebensdauer in Geld umrechnet, zeigt unser Beitrag zur Laufleistung von Reifen in Kilometern.
Was der Konzernname kostet: 771 Paarungen aus dem eigenen Regal
Bleibt die Frage, die am Ende zählt: Was spart man mit einem Sava eigentlich? Statt zu schätzen, haben wir gerechnet. Aus dem eigenen Sortiment haben wir jede Sava-Ausführung mit den Reifen der drei Schwestermarken Goodyear, Dunlop und Fulda gepaart – und zwar nur dann, wenn Größe, Last- und Geschwindigkeitskennung sowie Saison exakt übereinstimmen. So entstanden 771 saubere Paarungen.
- Gegen Goodyear (327 Paarungen): Der Sava ist in 295 Fällen günstiger, also in 90 Prozent. Der Median-Aufpreis für den Goodyear beträgt 27,61 Euro oder rund 30 Prozent – bei Winterreifen 30,04 Euro, bei Sommerreifen 29,79 Euro, bei Ganzjahresreifen nur 14,50 Euro. Beim Nasshaftungslabel liegt Goodyear in 154 Paarungen vorn, in 127 sind beide gleich, in 46 ist der Sava besser.
- Gegen Dunlop (250 Paarungen): Der Sava ist in 189 Fällen günstiger (76 Prozent), der Median-Aufpreis liegt bei 12,61 Euro.
- Gegen Fulda (194 Paarungen): Hier kippt das Bild. Der Sava ist nur in 68 Fällen günstiger, also in 35 Prozent – im Median ist der Fulda sogar 4,07 Euro billiger, bei Ganzjahresreifen 9,87 Euro. Und die Nasshaftungsklasse ist in 140 der 194 Paarungen identisch.
Das ist der wohl nützlichste Einzelbefund dieser Auswertung: Innerhalb des Goodyear-Konzerns ist Sava nicht die günstigste Marke. Wer Sava wählt, weil er die billigste Konzernoption sucht, sollte in derselben Größe unbedingt auch Fulda vergleichen – die deutsche Schwestermarke ist in unserem Regal im Mittel gleich teuer oder günstiger, bei praktisch gleichem Label. Der echte Preisvorteil entsteht gegenüber Goodyear und, in kleinerem Maß, gegenüber Dunlop.
Wie groß der Abstand im Extremfall wird, zeigen die Paarungen, in denen das komplette Label identisch ist – gleiche Nasshaftung, gleiche Effizienz, gleicher Geräuschwert. Davon gibt es gegen Goodyear 17, und in 16 davon ist der Goodyear teurer, im Median um 18,16 Euro. Der größte Abstand: In 225/45 R19 96W tragen der Sava Intensa UHP 2 und der Goodyear Eagle Sport 2 UHP beide das Label A/C/71 – der Sava kostet 68,36 Euro, der Goodyear 231,71 Euro. Im Winter das gleiche Muster, nur kleiner: In 225/55 R16 95H liegen Sava Eskimo HP2 (103,54 Euro) und Goodyear UltraGrip Performance + (133,46 Euro) beide bei B/C/72.
Und trotzdem wäre „gleiches Label, ein Drittel des Preises“ der falsche Schluss – denn nach allem, was wir oben gesehen haben, sagt ein identisches Label eben gerade nicht, dass die Reifen gleich fahren. Es sagt nur, dass sie auf nasser Geraden ähnlich weit rollen, bis sie stehen. Genau umgekehrt gibt es auch Paarungen, in denen der Aufpreis sichtbar etwas kauft: In 185/65 R15 88H stehen dem Sava Intensa HP2 für 46,61 Euro mit C/D/70 ein Dunlop Sport Bluresponse für 67,47 Euro mit A/B/70 gegenüber – zwei Labelklassen besser bei der Nasshaftung, für gut 20 Euro. Ob sich so ein Aufschlag lohnt, hängt vom Fahrprofil ab; die Abwägung haben wir im Vergleich Premium oder Budget beim Sommerreifen durchgespielt.
Für wen ein Sava passt — und wo die echte Grenze liegt
Fassen wir zusammen, was die drei Datenquellen übereinstimmend sagen. Sava liefert Haltbarkeit, niedrigen Rollwiderstand und einen deutlichen Preisabstand zu Goodyear – das belegen 49 von 88 Testeinträgen und die ADAC-Bestnote 1,5 beim Verschleiß. Sava liefert solide Wintereigenschaften – 28 Testeinträge loben Schnee oder Eis, der Eskimo HP2 bremst auf Schnee mit 1,8. Und Sava liefert kein Spitzenniveau bei Nässe, sobald es um Kurven und Aquaplaning geht – das sagen 50 von 88 Einträgen und die ADAC-Teilnoten 3,5 / 3,5 / 3,2 sehr deutlich.
Die entscheidende Korrektur gegenüber der landläufigen Einschätzung betrifft die Grenze. Sie verläuft nicht bei der Fahrzeuggröße – ein Regal von 13 bis 21 Zoll und bis 295 Millimeter Breite widerlegt das. Sie verläuft beim Fahrprofil bei Regen. Ein Sava ist eine gute Wahl, wenn Sie überschaubare Jahreskilometer fahren, überwiegend Stadt und Landstraße, und wenn Ihnen Langlebigkeit und Preis wichtiger sind als die letzten Reserven bei nasser Autobahnfahrt. Er ist die schwächere Wahl für Vielfahrer mit hohem Autobahnanteil, für Regionen mit viel Starkregen und für schwere, stark motorisierte Fahrzeuge, bei denen im Nassen viel Seitenkraft anliegt. Wer maximale Nassreserven sucht, ist bei Spezialisten wie Nokian oder bei einem Testsieger wie dem Goodyear UltraGrip Performance 3 besser aufgehoben.
Wenn es ein Sava werden soll, lohnt der Blick auf die Baureihe statt auf die Marke. Im Winter ist der Sava Eskimo HP2 die modernere Wahl mit den besseren Labelwerten, während der Eskimo S3+ die kleinen Größen und das untere Preisende abdeckt – zum Beispiel als Sava Eskimo HP2 225/45 R17 91H. Im Sommer ist der Intensa UHP 2 die einzige Sava-Baureihe mit nennenswert vielen A-Nasshaftungen, etwa als Sava Intensa UHP 2 225/45 R19 96W. Wer nicht wechseln will, findet im Sava All Weather die größte Baureihe der Marke, beispielsweise als Sava All Weather 215/65 R16 98H.
Vergleichen Sie vor dem Kauf in Ruhe: Die passenden Größen finden Sie in unseren Kategorien PKW-Winterreifen, PKW-Sommerreifen und PKW-Ganzjahresreifen, und wer gerade die Wintersaison plant, findet die Entscheidungshilfe im Ratgeber Winterreifen kaufen. Wie sich andere Budgetmarken im selben Raster schlagen, zeigen unsere Markenporträts zu Imperial und Debica.
Häufige Fragen
Ist Sava tatsächlich eine Marke von Goodyear?
Ja, und das lässt sich direkt nachlesen: Als Anbieter der deutschen Sava-Website ist die Goodyear Germany GmbH in Hanau eingetragen. Das Stammwerk in Kranj (Slowenien) gehört seit 1998 mehrheitlich und seit 2004 vollständig zu Goodyear. Dort fertigt der Konzern seit dem 2023 abgeschlossenen Ausbau auch große Premiumdimensionen.
Warum taucht Sava bei AutoBild so oft als „durchgefallen“ auf?
Weil AutoBild in der Vorrunde nach der Summe zweier Bremswege aussiebt und nur die Bestplatzierten ins Finale lässt. In den zehn Fällen, in denen Sava dort ausschied, landete die Marke auf den Plätzen 21 bis 32 von 50 bis 56 Reifen – also im Mittelfeld, nicht am Ende. „Durchgefallen“ heißt in diesem Format nicht „schlechter Reifen“, sondern „nicht unter den Besten“. Wie Reifentests methodisch aufgebaut sind, erklärt unser Beitrag dazu, wie ein Reifen getestet wird.
Welcher Sava kommt für Transporter und Wohnmobile infrage?
Im Sortiment stehen dafür der Eskimo LT für den Winter und der Trenta 2 für den Sommer, beide mit C-Kennung. Beachten Sie dabei, dass der ADAC beide Trenta-Varianten 2019 mit „mangelhaft“ bewertet hat, vor allem wegen schwacher Nasswerte. Bei beladenen Transportern und Reisemobilen sollten Sie diesen Punkt besonders ernst nehmen und die Labelwerte der konkreten Größe vergleichen – wie das geht, zeigt der Beitrag zum Reifenlabel nach Größe.