Vredestein Quatrac: getestet auf 18 Zoll, gefahren auf 15 und 16
Am 25. September 2026 hat das britische Fachportal Tyre Reviews seinen großen Ganzjahresreifen-Vergleich für die Saison 2026/27 veröffentlicht. Getestet wurde in der Größe 225/40 R18, gefahren auf einem VW Golf GTI Clubsport, gemessen in sechzehn Disziplinen auf Schnee in Finnland und auf trockener wie nasser Strecke in Südfrankreich. Der Vredestein Quatrac belegt dort Rang vier von elf — und ist damit der einzige Reifen aus den vorderen Rängen, zu dem es in unserem Blog bisher kein eigenes Modellporträt gab.
Das hat einen Grund, der zugleich das Interessanteste an diesem Reifen ist: Der Quatrac wurde in einer Größe getestet, die in seiner eigenen Baureihe ein Ausnahmefall ist. Vredestein führt den Reifen in 63 Ausführungen, und 55 davon sind 15 oder 16 Zoll groß. Die 225/40 R18 ist eine von acht Ausführungen ab 17 Zoll — und sie trägt fast die Hälfte aller Testergebnisse, die es zu diesem Reifen überhaupt gibt.
Ein Reifen für kleine Räder — und getestet wird er auf großen
Wer sich die Größenliste des Herstellers ansieht, erkennt sofort, wofür der Quatrac gebaut ist. Die 63 Ausführungen verteilen sich auf 29-mal 15 Zoll, 26-mal 16 Zoll, dreimal 17 Zoll, dreimal 18 Zoll sowie je einmal 19 und 20 Zoll. Das sind 55 von 63 Ausführungen — 87 Prozent — auf 15 und 16 Zoll. Der Quatrac ist damit kein Reifen für große Räder, sondern der klassische Ganzjahresreifen für Kleinwagen, Kompaktwagen und ältere Mittelklasse: Polo, Golf, Corsa, Astra, Fabia, Clio, Yaris und alles, was auf ähnlichen Rädern steht.
In unserem Regal bildet sich das fast deckungsgleich ab. Unser offener Produktkatalog führt mit Stand 25. September 2026 61 lieferbare Ausführungen in 39 verschiedenen Größen — also praktisch das komplette Herstellerprogramm bis auf zwei Ausführungen. Die Verteilung: 29-mal 15 Zoll, 28-mal 16 Zoll, dreimal 17 Zoll, einmal 18 Zoll. Die vier ganz großen Ausführungen ab 19 Zoll, die Vredestein für schwere SUV listet, stehen bei uns nicht im Regal.
Genau hier entsteht die Schieflage, um die es in diesem Beitrag geht. Unabhängige Testredaktionen wählen ihre Testgrößen nicht nach dem Programm eines einzelnen Herstellers aus, sondern nach dem, was im Markt am häufigsten gekauft wird und was sich mit einem Testfahrzeug sinnvoll fahren lässt. Das sind zunehmend 17- und 18-Zoll-Größen. Für den Quatrac bedeutet das: Die Redaktionen greifen immer wieder zu genau den wenigen Ausführungen, die im Programm die Ausnahme sind. Wie schmal das Testfenster über alle Reifen hinweg ist, haben wir in einer eigenen Auswertung des ADAC-Archivs gezeigt — dort steht die Regel, dass ein Testergebnis streng genommen nur für die getestete Größe gilt. Der Quatrac ist das Lehrbuchbeispiel dafür.
Zwanzig Tests, vier Siege — und wo sie gefahren wurden
Der Quatrac hat eine für einen Reifen dieser Preisklasse bemerkenswert dichte Testakte. Tyre Reviews führt in seinem Datenblatt zum Modell 20 Tests aus sieben Publikationen zwischen 2020 und 2026, darunter ADAC, Auto Bild, Auto Zeitung, Auto Express, Tire Rack und Tyre Reviews selbst. Die Bilanz: vier Testsiege, im Schnitt Rang drei, bester Platz eins, schlechtester Platz acht. Für ein Modell aus dem mittleren Preissegment ist das eine ungewöhnlich stabile Serie — die meisten Reifen dieser Klasse schwanken erheblich stärker.
Aufschlussreich wird die Akte, wenn man sie nach Größen sortiert. Neun der zwanzig Tests liefen auf 17 oder 18 Zoll, und zwar auf lediglich vier verschiedenen Ausführungen: dreimal 225/40 R18, zweimal 215/55 R17, zweimal 225/50 R17 und zweimal 225/45 R17. Die übrigen elf Tests verteilen sich auf die kleinen Größen, mit einem klaren Schwerpunkt: allein sechs Tests liefen auf 205/55 R16. Das ist kein Zufall, denn Vredestein selbst nennt auf der Produktseite die 205/55 R16 91V als Entwicklungsgröße des Reifens — die Größe also, an der die Zielwerte festgelegt wurden.
Noch interessanter ist, wo die vier Siege gefallen sind. Sie verteilen sich auf 205/55 R16 (Auto Zeitung 2021, Platz 1 von 9), 215/60 R16 (Auto Bild SUV 2020, Platz 1 von 13), 225/50 R17 (Auto Bild 2024, Platz 1 von 17) und 215/55 R17 (Auto Bild Allrad 2025, Platz 1 von 13). Kein einziger Testsieg fiel auf einer 15-Zoll-Größe — schlicht deshalb, weil in 15 Zoll nur zwei der zwanzig Tests gefahren wurden. Dort, wo mit 29 Ausführungen der größte Teil des Programms liegt, ist die Datenlage also am dünnsten. Die beiden 15-Zoll-Ergebnisse, die es gibt, fallen solide aus: Platz 4 von 16 beim ADAC-Ganzjahrestest 2026 in 185/65 R15 und Platz 5 von 12 bei Tyre Reviews 2023 in 195/65 R15.
Was der neue Test vom 25. September ergeben hat
Im aktuellen Vergleich landet der Quatrac auf Rang vier von elf, hinter dem Sieger Goodyear Vector All Season 4, dem Michelin CrossClimate 3 Sport und dem Pirelli Cinturato All Season SF3. Tyre Reviews hebt drei Dinge hervor: Der Quatrac gewann das Längsaquaplaning — wenn auch nur mit dem denkbar knappsten Vorsprung —, er war der leiseste gemessene Reifen des Feldes und lieferte einen Teil der stärksten Nass- und Schneewerte. Subjektiv beschreibt der Tester ihn als ruhig, komfortabel und am wenigsten aufdringlich beim Geräusch.
Die Kehrseite benennt der Test ebenso deutlich. Der Quatrac fährt sich nach klassischer Ganzjahresreifen-Art: Die Lenkung spricht weicher und weniger präzise an als bei den sportlicher ausgelegten Konkurrenten, das Trockenbremsen liegt im hinteren Feld, und der Rollwiderstand fällt überdurchschnittlich hoch aus. Als Stärken führt Tyre Reviews Geräusch, subjektiven Komfort, Schneebremsen und Längsaquaplaning auf, als Schwäche ausdrücklich das Trockenbremsen. Das Fazit des Testers läuft darauf hinaus: Wer Nasssicherheit, Schneekompetenz, Komfort und niedriges Geräusch höher gewichtet als knackige Rückmeldung auf trockener Straße, bekommt hier einen sehr leicht zu empfehlenden Reifen.
Die deutsche Fachpresse hat den Test am selben Tag aufgegriffen. Die Meldung bei Reifenpresse.de betont vor allem, wie eng moderne Ganzjahresreifen inzwischen beieinanderliegen — und dass der Unterschied zwischen Premium- und Preissegment weiterhin sichtbar bleibt. Was der Sieger dieses Tests kann und wie er sich gegen seinen Vorgänger schlägt, haben wir separat aufgeschrieben: Goodyear Vector All Season 4.
Nass stark, Schnee je nach Testfeld
Über alle zwanzig Tests hinweg zeichnet Tyre Reviews ein sehr konsistentes Leistungsprofil. Die portalseigenen Kategoriewerte — Perzentile innerhalb derselben Saison- und Fahrzeugklasse, nicht Messwerte eines einzelnen Tests — lauten: Nässe 94,6, Trocken 81,3, Eis 81,0, Schnee 61,7, Preis-Leistung 54,3, Komfort 51,4. Der Quatrac ist danach in erster Linie ein Nässespezialist. Bei den abgeleiteten Querschnittswerten passt das ins Bild: Handling 92,5 und Bremsen 91,3 stehen einer Traktion von 62,1 gegenüber.
Beim Schnee lohnt ein genauer Blick, weil die Urteile auseinanderzulaufen scheinen. Im Tyre-Reviews-Test von heute gehört das Schneebremsen zu den ausdrücklichen Stärken. Im Tire-Rack-Vergleich 2026, bei dem Ganzjahresreifen gegen echte Winterreifen antraten, landete der Quatrac in 215/55 R17 dagegen nur auf Platz 8 von 10; dort heißt es, im Schnee sei er lediglich kompetent und auf den glattesten Stellen nicht vertrauenerweckend. Sieger war mit dem Continental VikingContact 8 ein reiner Winterreifen.
Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage des Startfeldes. Gegen andere Ganzjahresreifen gemessen bremst der Quatrac auf Schnee gut. Gegen echte Winterreifen gemessen bleibt er das, was ein Ganzjahresreifen konstruktionsbedingt ist: ein Kompromiss. Wer in einer Region mit wenig Schnee und viel Regen unterwegs ist, trifft mit diesem Profil eine sehr gute Wahl — wer regelmäßig über verschneite Pässe muss, ist mit einem Winterreifen besser bedient. Welche Rolle die eigene Fahrleistung und die Wohnlage dabei spielen, haben wir ausführlicher aufgeschrieben: Für wen sich Ganzjahresreifen lohnen.
Das EU-Label: 61-mal dieselbe Nasshaftung, fünf Effizienzklassen
Der Zensus über alle 61 lieferbaren Ausführungen ergibt beim EU-Reifenlabel ein auffällig zweigeteiltes Bild. Bei der Nasshaftung ist der Quatrac vollkommen einheitlich: Alle 61 Ausführungen tragen die Klasse B — keine einzige Abweichung nach oben oder unten. Das Rollgeräusch liegt eng beieinander, zwischen 70 und 72 Dezibel bei einem Median von 70.
Bei der Kraftstoffeffizienz dagegen streut das Programm über die gesamte Breite: einmal A, sechsmal B, 41-mal C, elfmal D und zweimal E. Dass derselbe Reifenname je nach Größe eine andere Effizienzklasse trägt, ist kein Fehler und auch keine Besonderheit dieses Modells — wir haben das Phänomen an einer Auswertung von 390 Ausführungen grundsätzlich beschrieben.
Für den Quatrac hat es allerdings eine sehr konkrete Folge, und damit schließt sich der Kreis zum Testfenster. Die getestete 225/40 R18 92W trägt in unserem Regal die Effizienzklasse D bei 72 Dezibel — also die zweitschlechteste Effizienzstufe des gesamten Programms und zugleich den lautesten Wert. Sie ist überdies die einzige 18-Zoll-Ausführung, die wir führen. Die typische Ausführung sieht anders aus: 205/55 R16 91H steht bei C, B und 70 Dezibel. Und die sparsamste Ausführung des ganzen Programms, die 205/65 R15 99H, trägt sogar Effizienzklasse A. Wer das Testergebnis liest und beim Label des eigenen Formats landet, sollte also wissen: Der Reifen, der dort gemessen wurde, hat das schwächere Etikett — nicht das bessere.
Preise, Größen und die vier Siegergrößen im Regal
Preislich bleibt der Quatrac das, was ihn seit Jahren auszeichnet. Die 61 lieferbaren Ausführungen reichen von 56,66 Euro für die 145/65 R15 72T bis 125,31 Euro für die 225/60 R16 102H, der Median liegt bei 84,44 Euro. Im Tyre-Reviews-Test vom 25. September war der Quatrac in der Testgröße 225/40 R18 mit 81,61 Euro der günstigste der neun dort angetretenen Reifen, die wir überhaupt im Sortiment führen — bei Rang vier von elf.
Praktisch nützlich ist ein letzter Blick auf die Testakte: Alle vier Größen, in denen der Quatrac einen Test gewonnen hat, stehen bei uns lieferbar im Regal. Die 205/55 R16 91H für 66,57 Euro ist zugleich Entwicklungs- und meistgetestete Größe; die 215/60 R16 99V kostet 114,06 Euro; die 225/50 R17 98V liegt bei 108,65 Euro, und die 215/55 R17 98V bei 115,28 Euro. Wer eine dieser vier Größen fährt, kauft einen Reifen, dessen Qualität in genau seinem Format unabhängig belegt ist — das ist bei Ganzjahresreifen eher die Ausnahme als die Regel. Alle Ausführungen und aktuellen Preise stehen auf dem Modellüberblick zum Vredestein Quatrac; wer vergleichen möchte, findet das übrige Angebot unter Ganzjahresreifen für PKW und für das verbreitetste Format unter 205/55 R16.
Zur Technik hält sich Vredestein knapp: Der Quatrac löste 2021 den Quatrac 5 ab und bekam ein neues, tief V-förmiges Profildesign. Der Hersteller nennt dazu mehr als zehn Prozent mehr Aquaplaning-Sicherheit, eine zehn Prozent größere Netto-Aufstandsfläche und eine um zwanzig Prozent verlängerte Lebensdauer — alle drei Angaben beruhen allerdings ausdrücklich auf internen Testdaten im Vergleich zum Vorgänger und sind damit keine unabhängig geprüften Werte. Wie lange ein Ganzjahresreifen im Alltag tatsächlich durchhält, hängt ohnehin weniger am Datenblatt als an der Restprofiltiefe, ab der die Wintereigenschaften nachlassen: Bis 4 Millimeter, nicht bis 1,6.
Welcher Quatrac ist gemeint — und für wen er sich lohnt
Vredestein führt den Namen Quatrac inzwischen siebenfach, und die Baureihen trennen sich fast ausschließlich über den Felgendurchmesser. Im Regal stehen: der Quatrac selbst mit 61 Ausführungen von 15 bis 18 Zoll, der Quatrac Pro+ mit 108 Ausführungen von 17 bis 22 Zoll, der Quatrac Pro 2 mit 37 Ausführungen von 17 bis 20 Zoll, der ältere Quatrac 5 mit 30 Ausführungen von 13 bis 17 Zoll sowie die kleineren Reihen Quatrac Pro EV, Quatrac Pro und Quatrac Classic. Wer also einen Ganzjahresreifen für ein 15- oder 16-Zoll-Rad sucht, landet zwangsläufig beim Quatrac oder beim älteren Quatrac 5; ab 17 Zoll beginnt das Revier der Pro-Modelle. Wichtig beim Lesen von Tests: Die Ergebnisse, um die es in diesem Beitrag geht, gehören dem Quatrac — nicht dem Quatrac Pro 2, der ein eigenständiges, teureres Modell mit durchgehend Nasshaftung A ist.
Zusammengefasst: Der Quatrac ist ein Reifen für Fahrerinnen und Fahrer kleiner und mittlerer Wagen, die viel Regen und wenig Schnee sehen, die Ruhe und Komfort schätzen und die nicht bereit sind, für den letzten Zehntelmeter Trockenbremsweg deutlich mehr zu zahlen. Zwanzig Tests mit einem Schnitt von Rang drei und einer Bandbreite von Platz eins bis acht sprechen für eine verlässliche Auslegung ohne Ausreißer nach unten. Weniger geeignet ist er für sportlich gefahrene, schwere oder stark motorisierte Autos, für Vielfahrer in schneereichen Höhenlagen und für alle, denen eine präzise Lenkung wichtiger ist als Laufruhe. Und wer das aktuelle Testergebnis auf sein eigenes Auto übertragen will, sollte den kleinen, aber entscheidenden Zusatz mitdenken: Gemessen wurde auf 18 Zoll — gefahren wird dieser Reifen fast überall auf 15 und 16.
Häufige Fragen
In welchen Größen gibt es den Vredestein Quatrac?
Vredestein führt den Quatrac in 63 Ausführungen, die sich auf 39 verschiedene Größen verteilen. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf kleinen Rädern: 29 Ausführungen sind 15 Zoll, 26 sind 16 Zoll, jeweils drei sind 17 und 18 Zoll, dazu kommen je eine Ausführung in 19 und 20 Zoll. In unserem Sortiment stehen mit Stand 25. September 2026 davon 61 Ausführungen in 39 Größen lieferbar zur Verfügung, von 145/65 R15 bis 225/60 R16. Ab 17 Zoll führt Vredestein mit dem Quatrac Pro+ und dem Quatrac Pro 2 eigene Baureihen, die den Quatrac dort weitgehend ablösen.
Ist der Vredestein Quatrac ein guter Ganzjahresreifen?
Die unabhängige Testbilanz spricht dafür: In zwanzig Tests zwischen 2020 und 2026 kam der Quatrac auf vier Testsiege und im Schnitt auf Rang drei, bei einer Bandbreite von Platz eins bis Platz acht. Im aktuellen Tyre-Reviews-Vergleich für 2026/27 belegt er Rang vier von elf und war dort der leiseste gemessene Reifen mit dem besten Längsaquaplaning-Wert. Seine Stärken liegen bei Nässe, Geräusch und Komfort; schwächer schneidet er beim Trockenbremsen, bei der Lenkpräzision und beim Rollwiderstand ab.
Kann ich das Testergebnis aus 225/40 R18 auf meine 15-Zoll-Größe übertragen?
Nur eingeschränkt. Ein Testergebnis gilt streng genommen immer nur für die geprüfte Ausführung, weil sich Gummimischung, Karkasse und Profiltiefe zwischen den Größen unterscheiden können. Beim Quatrac kommt hinzu, dass die getestete 225/40 R18 die Effizienzklasse D und 72 Dezibel trägt, während der Großteil des Programms bei C und 70 Dezibel liegt und eine Ausführung sogar Klasse A erreicht. Die grundsätzliche Auslegung des Reifens — stark bei Nässe, ruhig, komfortabel, weniger präzise im Trockenen — lässt sich übertragen, die konkreten Messwerte nicht.