Motorradreifen in 190/55 ZR17: Welcher Hinterreifen für Superbike und Sport-Tourer?
Die Reifengröße 190/55 ZR17 steht auf dem Hinterrad fast aller großen Sportmotorräder – vom 1.000er-Supersportler über bullige Naked Bikes bis zum Sport-Tourer. Wer hier den passenden Reifen sucht, hat die Qual der Wahl: vom preisbewussten Allrounder bis zum semislickartigen Trackday-Gummi ist alles dabei. Dieser Ratgeber erklärt, was die Größe bedeutet, für welche Maschinen sie gemacht ist und worauf Sie beim Kauf eines Hinterreifens in 190/55 ZR17 wirklich achten sollten.
Was bedeutet 190/55 ZR17?
Die Bezeichnung folgt dem internationalen Standard für Motorradreifen. Schlüsseln wir sie auf – am Beispiel der häufigen vollständigen Kennung 190/55 ZR17 M/C 75W:
- 190 – die nominelle Reifenbreite in Millimetern.
- 55 – das Höhen-Breiten-Verhältnis (Querschnitt) in Prozent. Die Flanke ist also rund 55 % der Breite hoch, hier etwa 105 mm. Eine niedrigere Zahl wie „50" bedeutet eine flachere Flanke.
- ZR – Radialbauweise (R), wobei das vorangestellte Z für eine Freigabe über 240 km/h steht. Fast alle modernen Sportreifen dieser Größe sind Radialreifen.
- 17 – der Felgendurchmesser in Zoll.
- M/C – „Motorcycle", die ausdrückliche Kennzeichnung als Motorradreifen.
- 75 – der Lastindex: 75 entspricht einer Tragfähigkeit von 387 kg pro Reifen.
- W – der Geschwindigkeitsindex: W steht für bis zu 270 km/h.
Wie Sie die komplette Flankenbeschriftung Schritt für Schritt entziffern, lesen Sie ausführlich in unserem Beitrag Motorradreifen-Größe lesen.
Für welche Motorräder ist 190/55 ZR17 die richtige Größe?
190/55 ZR17 ist eine klassische Hinterreifengröße für hubraumstarke Maschinen – als Faustregel ab etwa der 750er-Klasse aufwärts, in der Regel jedoch bei den großen Sportlern und Tourern jenseits von 1.000 cm³. Typische Einsatzgebiete:
- Supersport-Bikes der Literklasse,
- große, drehmomentstarke Naked Bikes,
- viele Sport-Tourer, die Reichweite und sportliches Handling verbinden.
Wichtig: Die Reifengröße ist keine freie Wahl, sondern wird vom Fahrzeughersteller vorgegeben. Mittelklasse-Maschinen und viele Naked Bikes der 600er- bis 800er-Klasse fahren hinten oft eine Nummer schmaler – dafür haben wir einen eigenen Ratgeber zur Größe 180/55 ZR17. Welche Größe Ihr Motorrad fahren darf, steht in den Fahrzeugpapieren bzw. in der Reifenfreigabeliste des Herstellers.
190/55 oder 190/50? Die Sache mit der Profilhöhe
Bei gleicher Breite gibt es Reifen in unterschiedlichen Querschnitten – am verbreitetsten sind 190/55 und 190/50. Der Unterschied liegt in der Flankenhöhe: Die 55er-Serie baut bei sonst gleicher Breite etwas höher als die 50er. Dadurch sitzt das Heck minimal höher, was die Lenkgeometrie geringfügig steiler macht und das Einlenken tendenziell leichtgängiger.
Was zunächst nach einer reinen Detailfrage klingt, ist sicherheitsrelevant: Montieren Sie nur den Querschnitt, den Hersteller und Reifenfreigabe für Ihr Modell vorsehen. Ein abweichender Querschnitt verändert nicht nur das Fahrverhalten, sondern kann auch die Eintragung bzw. die Hauptuntersuchung gefährden. Im Zweifel gilt die Vorgabe aus den Papieren – nicht das „Bauchgefühl".
Welcher Reifentyp passt zu Ihnen?
Anders als bei Autoreifen gibt es für Motorradreifen kein EU-Reifenlabel – Sie können also nicht über genormte Buchstaben für Nasshaftung oder Rollwiderstand vergleichen. Umso wichtiger ist es, den Reifen zum eigenen Fahrprofil zu wählen. In 190/55 ZR17 lassen sich grob drei Schienen unterscheiden:
Sport-Touring: Laufleistung und Allwetter-Reserve
Wer viel und weit fährt, gerne auch mal bei Nässe, ist mit einem Sport-Touring-Reifen am besten bedient. Diese Reifen setzen auf hohe Laufleistung, gutmütiges Handling und verlässlichen Grip auf feuchter Fahrbahn. Ein moderner Vertreter dieser Klasse ist der Bridgestone Battlax T33 190/55ZR17 75W. Wenn Sie mit einem Sport-Tourer ohnehin viele Kilometer abspulen, lohnt sich auch ein Blick auf unser Modellporträt zum Pirelli Angel GT II.
Sport: maximaler Grip für Naked Bike und Supersportler
Für ambitionierte Fahrer auf kurvigen Landstraßen oder gelegentliche Trackdays stehen die sportlichen Hypersport-Reifen mit besonders haftstarken Gummimischungen und schneller Aufwärmphase. Ein bewährtes Beispiel in dieser Größe ist der Metzeler Sportec M7 RR 190/55ZR17 75W. Eine sportlich-spritzige, zugleich preisbewusste Alternative ist der Pirelli Diablo Rosso II 190/55ZR17 75W.
Allround: solide Basis zum fairen Preis
Sie suchen einen unkomplizierten Reifen für gemischte Nutzung ohne sportlichen Anspruch? Dann ist ein robuster Allround-Straßenreifen wie der Continental Road 190/55R17 75W eine vernünftige Wahl. Das komplette lieferbare Angebot finden Sie auf unserer Übersichtsseite zur Größe 190/55 R17 sowie in der Kategorie Motorrad-Straßenreifen.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Reifenfreigabe und Paarung beachten. Bei Motorrädern mit EG-Typgenehmigung im Serienzustand ist die frühere strikte Reifenbindung an einzelne Fabrikate weitgehend entfallen – die Freigabe ergibt sich aus der Service-Information des Reifenherstellers. Bei älteren Maschinen kann dagegen weiterhin eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nötig sein. Prüfen Sie im Zweifel die Fahrzeugpapiere und die Herstellerangaben. Grundsätzlich gilt: Vorder- und Hinterreifen müssen zueinander passen. Warum man nicht beliebig kombinieren darf, erklärt unser Beitrag Motorradreifen mischen.
Gummimischung verstehen. Viele Sport- und Sport-Touring-Reifen sind als Multi-Compound aufgebaut: härtere Mitte für Laufleistung, weichere Schultern für Schräglagengrip. Was das für Grip und Haltbarkeit bedeutet, vertieft unser Ratgeber Single- oder Dual-Compound.
Schlauch oder schlauchlos. Auf den üblichen Aluminium-Gussrädern moderner Sportmaschinen werden 190/55-ZR17-Reifen schlauchlos (Tubeless) gefahren. Bei Speichenrädern ohne dichte Felge ist ein Schlauch nötig – Details dazu in unserem Beitrag zu Motorrad-Schläuchen.
Profiltiefe, Alter und Luftdruck. Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt auch beim Motorrad 1,6 mm (§ 36 StVZO); aus Sicherheitsgründen sollten Sportreifen deutlich früher getauscht werden. Achten Sie zusätzlich auf das Reifenalter und fahren Sie stets den vom Hersteller vorgegebenen Luftdruck. Wie Sie Verschleiß früh erkennen, zeigt Motorradreifen-Verschleiß erkennen; zum richtigen Druck und zum Einfahren neuer Reifen lesen Sie Motorrad-Reifendruck und Einfahren.
Montage vom Profi. Breite Sportreifen verlangen sauberes Auswuchten und korrekte Laufrichtung. Was der Wechsel kostet und wie er abläuft, steht in Motorradreifen wechseln lassen. Welche Reifen-Punkte bei der Hauptuntersuchung zählen, klärt Motorradreifen bei der HU.
Einen allgemeinen Überblick zur Reifenwahl und zu den Vorschriften bietet außerdem der ADAC zum Thema Motorradreifen. Welche Reifenvorschriften in Deutschland generell gelten, fassen wir in Reifen und Gesetz zusammen. Und wenn Sie noch grundsätzlich überlegen, welcher Reifencharakter zu Ihnen passt, hilft Motorradreifen richtig wählen.
Häufige Fragen
Welche Motorräder fahren 190/55 ZR17 hinten?
Vor allem hubraumstarke Maschinen ab etwa der 750er-Klasse: Supersport-Bikes der Literklasse, große Naked Bikes und viele Sport-Tourer. Die exakte Vorgabe steht in den Fahrzeugpapieren bzw. in der Reifenfreigabeliste Ihres Herstellers.
Was ist der Unterschied zwischen 190/55 und 190/50 ZR17?
Beide sind 190 mm breit, unterscheiden sich aber in der Flankenhöhe: Die 55er-Serie baut etwas höher und verändert dadurch die Lenkgeometrie minimal. Montieren Sie nur den Querschnitt, der für Ihr Modell freigegeben ist.
Haben Motorradreifen ein EU-Reifenlabel?
Nein. Die EU-Reifenkennzeichnung mit den bekannten Buchstaben für Nasshaftung, Rollwiderstand und Geräusch gilt nur für Pkw-, Transporter- und Lkw-Reifen – Motorradreifen sind davon ausgenommen. Orientieren Sie sich an unabhängigen Tests, Fahrberichten und der Reifenfreigabe.
Was bedeutet das W in 190/55 ZR17 75W?
W ist der Geschwindigkeitsindex und steht für eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von bis zu 270 km/h. Die vorangestellte Kennung ZR signalisiert zusätzlich eine Freigabe über 240 km/h in Radialbauweise. Die 75 davor ist der Lastindex (387 kg).
Muss ich vorne und hinten denselben Reifen fahren?
In aller Regel ja – Vorder- und Hinterreifen werden als aufeinander abgestimmtes Paar entwickelt und freigegeben. Ein beliebiges Mischen verschiedener Modelle kann das Fahrverhalten verschlechtern und die Betriebserlaubnis gefährden. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Reifenmischen.