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Winterreifen – Ratgeber im Magazin

Sommerreifen im Winter fahren: erlaubt – aber gefährlich?

· 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 07.07.2026
Sommerreifen mit profilarmem Sommerprofil auf frostiger, leicht schneebedeckter Winterstraße (KI-generiert, OpenAI)
Sommerreifen mit profilarmem Sommerprofil auf frostiger, leicht schneebedeckter Winterstraße (KI-generiert, OpenAI)

Wird es im Herbst kühler, stellt sich für viele die Frage: Muss ich wirklich auf Winterreifen wechseln – oder reichen die Sommerreifen noch ein paar Wochen? Die kurze Antwort: Erlaubt ist das Fahren mit Sommerreifen zwar, solange die Straße trocken und schneefrei bleibt. Sobald es aber glatt wird, ist es nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Dieser Ratgeber erklärt, was rechtlich gilt, warum Sommerreifen bei Kälte schwächeln und wann Sie wirklich wechseln sollten.

Darf man mit Sommerreifen im Winter fahren?

In Deutschland gibt es keine an ein Datum gebundene Winterreifenpflicht. Stattdessen gilt die sogenannte situative Winterreifenpflicht nach § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen Sie nur mit geeigneter Winterbereifung fahren (Quelle: ADAC).

Das heißt im Klartext:

  • An einem trockenen, schneefreien Wintertag dürfen Sie mit Sommerreifen unterwegs sein – verboten ist es nicht.
  • Sobald winterliche Straßenverhältnisse herrschen, müssen geeignete Reifen montiert sein. Mit Sommerreifen dürfen Sie dann schlicht nicht losfahren.

Geeignet sind Reifen mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, „3PMSF"). Das ältere „M+S"-Zeichen genügt nur noch übergangsweise für vor 2018 hergestellte Reifen. Wie Sie zugelassene Winter- und Ganzjahresreifen erkennen, lesen Sie im Detail in unserem ausführlichen Ratgeber zu den Unterschieden von Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen.

Wichtig: Die Pflicht richtet sich nach dem Wetter, nicht nach dem Kalender. Ein milder Dezember ohne Glätte kann legal mit Sommerreifen befahren werden – ein früher Wintereinbruch im Oktober dagegen nicht.

Was kostet es, mit Sommerreifen bei Glätte erwischt zu werden?

Wer bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen fährt, riskiert ein Bußgeld. Die Höhe steigt mit der Gefährdung anderer (Quelle: Bußgeldkatalog):

  • 60 Euro – Fahren bei Glätte ohne Winterreifen
  • 80 Euro und 1 Punkt in Flensburg – wenn Sie dabei den Verkehr behindern
  • 100 Euro und 1 Punkt – bei Gefährdung anderer
  • 120 Euro und 1 Punkt – wenn es zu einem Unfall kommt

Hinzu kommt ein oft unterschätztes Risiko: Verursachen Sie mit Sommerreifen bei Schnee oder Glätte einen Unfall, kann Ihnen die Versicherung grobe Fahrlässigkeit vorwerfen und Leistungen aus der Kaskoversicherung kürzen (Quelle: ADAC). Auch der Halter eines Fahrzeugs kann belangt werden, wenn er das Fahren mit ungeeigneten Reifen zulässt.

Mehr zu den allgemeinen Reifenvorschriften finden Sie in unserem Ratgeber Reifen und Gesetz: Welche Vorschriften in Deutschland gelten.

Warum Sommerreifen bei Kälte gefährlich werden

Das eigentliche Problem ist nicht nur die Rechtslage, sondern die Physik der Gummimischung. Sommerreifen sind für warme Temperaturen optimiert. Ihre Mischung ist so abgestimmt, dass sie bei Hitze formstabil bleibt und nicht zu weich wird.

Sinken die Temperaturen, kehrt sich dieser Vorteil ins Gegenteil:

  • Die Gummimischung verhärtet. Als Faustregel gilt: Unterhalb von rund 7 °C verliert ein Sommerreifen spürbar an Grip, weil das Gummi steifer wird und sich schlechter mit der Fahrbahn verzahnt. Diese „7-Grad-Regel" ist kein Gesetz, sondern eine grobe Orientierung – der Übergang verläuft fließend.
  • Das Profil passt nicht. Sommerreifen haben breite Profilblöcke und kaum feine Lamellen. Winterreifen dagegen besitzen Hunderte solcher Lamellen, die sich im Schnee verkrallen und Wasser sowie Matsch verdrängen.
  • Der Bremsweg wird deutlich länger. Auf kalter, nasser, verschneiter oder vereister Fahrbahn braucht ein Sommerreifen erheblich mehr Strecke zum Stehen als ein Winterreifen – im Ernstfall entscheidet das über einen Auffahrunfall (Quelle: ADAC).

Wie stark Tempo, Profiltiefe und Fahrbahnzustand den Anhalteweg beeinflussen, zeigen wir in unserem Beitrag zum Reifenprofil richtig messen. Schon wenige Millimeter Restprofil und ein paar Grad weniger machen einen großen Unterschied.

Wann sind Sommerreifen im Winter vertretbar?

Ganz ehrlich: In den meisten Regionen Deutschlands ist ganzjährig mit Sommerreifen zu fahren keine gute Idee. Auch an trockenen, aber kalten Tagen ist die Haftung schlechter als bei passenden Reifen. Vertretbar ist es allenfalls,

  • wenn das Auto über die kalten Monate ohnehin stillsteht (etwa ein Saisonfahrzeug oder Oldtimer in der Garage),
  • oder in sehr milden Lagen, in denen Temperaturen dauerhaft deutlich über 7 °C liegen und Schnee praktisch nie auftritt – in Deutschland die absolute Ausnahme.

Für alle, die ihr Auto im Winter wirklich nutzen, gilt: rechtzeitig wechseln. Als Orientierung hat sich die Faustregel „von O bis O" etabliert – von Oktober bis Ostern. Sie ist keine Vorschrift, aber ein praktischer Anhaltspunkt für den Zeitraum, in dem Winterbereifung sinnvoll ist.

Winterreifen oder Ganzjahresreifen – die Alternativen

Wer das halbjährliche Wechseln scheut, hat zwei Wege:

Echte Winterreifen bieten bei Schnee, Eis und Kälte die beste Sicherheit. Worauf es beim Kauf ankommt – von Profiltiefe über Geschwindigkeitsindex bis Testurteil – erklärt unser Winterreifen-Kaufratgeber. Empfehlenswerte, lieferbare Modelle in der gängigen Größe 205/55 R16 sind zum Beispiel:

Wie viel der Aufpreis für einen ausgewiesenen Testsieger bringt, zeigt unser Modell-Porträt zum Goodyear UltraGrip Performance 3.

Ganzjahresreifen sind der pragmatische Kompromiss für Wenigfahrer und milde Regionen: ein Reifensatz das ganze Jahr, mit Alpine-Symbol auch im Winter zugelassen. Sie erreichen aber weder die Sommer- noch die volle Winterleistung. Ob sich das für Sie lohnt, klärt unser Ratgeber Ganzjahresreifen: Für wen sich Allwetterreifen wirklich lohnen. Ein bewährtes Modell ist der Continental AllSeasonContact 2 205/55 R16 94V.

Eine Übersicht über das gesamte Sortiment finden Sie bei den Winterreifen für PKW und den Ganzjahresreifen.

Checkliste: Sommerreifen im Winter – das Wichtigste

  1. Rechtslage: Bei Glätte, Schnee oder Matsch sind Sommerreifen verboten (§ 2 Abs. 3a StVO).
  2. Bußgeld: ab 60 Euro, mit Behinderung/Gefährdung/Unfall bis 120 Euro und ein Punkt.
  3. Versicherung: Bei einem Unfall droht eine Kürzung der Kaskoleistung wegen grober Fahrlässigkeit.
  4. Sicherheit: Schon unter rund 7 °C lässt der Grip nach, der Bremsweg wird länger.
  5. Kennzeichen: Geeignet sind Reifen mit Alpine-Symbol (3PMSF).
  6. Faustregel: „Von O bis O" – im Zweifel früher wechseln, nicht später.

Häufige Fragen

Darf ich an einem trockenen Wintertag mit Sommerreifen fahren?

Ja. Die Winterreifenpflicht in Deutschland ist situativ: Solange die Straße schnee- und eisfrei ist, dürfen Sie mit Sommerreifen fahren. Sobald winterliche Verhältnisse herrschen, ist es jedoch verboten – und wegen der schlechteren Haftung auch bei Kälte riskant.

Ab welcher Temperatur sollte ich auf Winterreifen wechseln?

Als Faustregel gilt die 7-Grad-Regel: Unterhalb von etwa 7 °C verlieren Sommerreifen an Grip, weil die Gummimischung verhärtet. Das ist keine gesetzliche Grenze, sondern ein praktischer Anhaltspunkt. Wer sein Auto im Winter nutzt, fährt mit Winter- oder Ganzjahresreifen sicherer.

Was kostet es, mit Sommerreifen bei Glätte erwischt zu werden?

Das Bußgeld beginnt bei 60 Euro. Behindern Sie andere, sind es 80 Euro und ein Punkt; bei Gefährdung 100 Euro und bei einem Unfall 120 Euro – jeweils plus Punkt in Flensburg.

Reichen Ganzjahresreifen statt Winterreifen?

Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol sind im Winter zugelassen und ein guter Kompromiss für Wenigfahrer in milden Regionen. In schneereichen Gebieten oder bei häufigen Fahrten bieten echte Winterreifen mehr Sicherheit.

Zahlt die Versicherung bei einem Winterunfall mit Sommerreifen?

Die Haftpflicht zahlt den Schaden des Unfallgegners. In der eigenen Kaskoversicherung kann Ihnen jedoch grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen und die Leistung gekürzt werden, wenn Sie bei winterlichen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs waren.

Fazit

Mit Sommerreifen durch den Winter zu kommen, spart kurzfristig den Reifenwechsel – kostet aber Sicherheit und im Ernstfall viel Geld. Solange die Straße trocken ist, ist es legal; bei Glätte drohen Bußgeld, Punkt und Probleme mit der Versicherung. Vor allem aber verlängert sich der Bremsweg deutlich. Wer im Winter fährt, sollte rechtzeitig auf passende Reifen umsteigen. Passende Winter- und Ganzjahresreifen für Ihr Fahrzeug finden Sie in unserem Shop.

Schlagwörter: Sommerreifen Winterreifen Winterreifenpflicht Sicherheit Reifenwechsel

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