Yokohama im Datencheck: 118 Testurteile, 1.366 Ausführungen und ein Verschleiß-Muster
Yokohama gilt als die Marke mit dem Motorsport-Erbe: ADVAN-Reifen auf der Rennstrecke, ein japanischer Konzern seit 1917, Ausrüster für Sportwagen und SUV. Solche Sätze stehen in jedem Markenporträt – belegt sind sie selten. Wir haben deshalb drei unabhängige Datenquellen ausgewertet, statt Marketing nachzuerzählen: 118 Testurteile der Fachpresse aus 26 Jahren, die drei jüngsten ADAC-Messreihen mit Yokohama-Beteiligung und eine Vollerhebung aller 1.366 Yokohama-Ausführungen, die in unserem Shop lieferbar sind. Das Ergebnis ist eindeutiger als erwartet – und es weist in eine andere Richtung, als das Marketing vermuten lässt.
Was 118 Testurteile aus 26 Jahren über Yokohama sagen
Die Reifentest-Datenbank der Fachzeitschrift „Neue Reifenzeitung“ sammelt Testurteile deutscher und europäischer Magazine samt Stärken- und Schwächenliste im Wortlaut. Für Yokohama liegen dort 118 Einträge aus den Jahren 2000 bis 2025 (Quelle: Reifentest-Datenbank von Reifenpresse.de, Markenfilter Yokohama). Verteilt sind sie auf 67 Sommer-, 45 Winter- und 6 Ganzjahresreifen; die häufigsten Prüfer sind die ADAC Motorwelt mit 41 Einträgen und AutoBild mit 33, dazu Auto Zeitung, sport auto, auto motor und sport sowie mehrere Ableger von AutoBild.
Ein einzelnes Testurteil sagt über eine Marke wenig – es beschreibt einen Reifen, in einer Größe, in einem Jahr. Interessant wird es erst, wenn man die Stärken- und Schwächenfelder aller Einträge auszählt. Genau das haben wir maschinell getan, und dabei zeigt sich ein Muster, das kein Einzeltest sichtbar machen kann.
Trockenheit ist die Stärke, Nässe die Schwäche – und zwar sehr deutlich. In 63 der 118 Einträge taucht die trockene Fahrbahn auf der Stärkenseite auf, in 62 Einträgen steht die Nässe auf der Schwächenseite. Noch aussagekräftiger ist die Kombination: 41 Testurteile loben ausdrücklich das Trockenverhalten und kritisieren im selben Atemzug die Nassleistung. Der umgekehrte Fall – nass gelobt, trocken kritisiert – kommt genau 7-mal vor. Das ist ein Verhältnis von rund sechs zu eins, und es zieht sich durch ein Vierteljahrhundert Reifenentwicklung.
Diese Schieflage ist nicht gleichmäßig verteilt. Bei den Sommerreifen nennen 41 von 67 Einträgen (61 Prozent) die Nässe als Schwäche, bei den Winterreifen sind es 19 von 45 (42 Prozent). Der Motorsport-Anspruch der Marke ist also messbar echt – aber er hat einen Preis, und den zahlt man auf regennasser Straße. Auf der Habenseite steht ein weiteres, seltener beachtetes Ergebnis: Handling, Lenkpräzision und Einlenkverhalten stehen 27-mal auf der Stärkenseite und nur 12-mal auf der Schwächenseite. Wer Yokohama wegen des Fahrgefühls kauft, bekommt in aller Regel, was er erwartet.
Noch ein Detail zur Einordnung, weil es oft falsch zitiert wird: Zwölf der 118 Einträge sind AutoBild-Vorrundentests, in denen der Reifen „durchgefallen“ ist. Das Wort klingt dramatischer, als es gemeint ist – AutoBild siebt in der Vorrunde nach der Summe zweier Bremswege und lässt nur die Bestplatzierten ins Finale. Die tatsächlichen Platzierungen liegen zwischen Rang 15 von 31 und Rang 33 von 50, im Median bei etwa der Hälfte des Feldes. „Durchgefallen“ heißt hier Mittelfeld, nicht Schlusslicht.
Der Vorwurf hat sich verschoben: von der Nässe zum Verschleiß
Sortiert man die 118 Einträge nach Zeiträumen, wird aus dem statischen Markenbild eine Bewegung – und die ist für einen Kauf im Jahr 2026 wichtiger als der Gesamtdurchschnitt.
Zwischen 2000 und 2009 nannten 25 von 44 Einträgen (57 Prozent) die Nässe als Schwäche; Verschleiß oder Laufleistung wurden in 8 Fällen (18 Prozent) bemängelt, der Rollwiderstand nur in 3 Fällen (7 Prozent). Zwischen 2010 und 2017 stieg die Nässekritik sogar leicht auf 61 Prozent, gleichzeitig verdreifachte sich die Kritik am Rollwiderstand auf 24 Prozent. Und zwischen 2018 und 2025 kippt das Bild: Die Nässe steht nur noch in 14 von 36 Einträgen (39 Prozent) auf der Schwächenseite – dafür wird Verschleiß oder Laufleistung in 11 Einträgen (31 Prozent) kritisiert, so oft wie nie zuvor. Der Rollwiderstand bleibt mit 25 Prozent auf hohem Niveau, und in drei Einträgen taucht ein Kritikpunkt auf, den es vor 2018 überhaupt nicht gab: die Nachhaltigkeitsbewertung.
Das ist keine Marketingaussage, sondern eine Auszählung – und sie bedeutet zweierlei. Erstens: Yokohama hat an der Nässe gearbeitet, und die Fachpresse honoriert das. Zweitens: Der Preis dafür wird heute an anderer Stelle fällig. Weiche Gummimischungen mit hohem Nassgriff verzögern kürzer, nutzen sich aber schneller ab. Dieser Zielkonflikt ist keine Yokohama-Eigenheit – wir haben ihn schon bei anderen Herstellern beschrieben, etwa in unserer Analyse zum Bridgestone Blizzak LM005 und seinem Laufleistungsproblem. Bei Yokohama ist er nur besonders klar in Zahlen zu fassen, weil die Testakte so weit zurückreicht. Wie viele Kilometer ein Reifen überhaupt schaffen sollte, ordnen wir im Ratgeber zur Reifen-Laufleistung ein; warum der Abrieb inzwischen auch regulatorisch ein Thema ist, steht im Beitrag zu Reifenabrieb und Euro 7.
Zwei ADAC-Messreihen, ein Muster: Bestwert vorn, Schlusslicht hinten
Die Auszählung sagt, dass sich etwas verschoben hat. Die ADAC-Detailergebnisse sagen, wie stark. Der ADAC veröffentlicht zu jedem geprüften Reifen die Einzelnoten samt Messwerten – und hinter jedem Messwert in Klammern die Werte des besten und des schlechtesten Reifens im selben Test. Damit lässt sich jede Zahl einordnen, ohne die ganze Tabelle zu kennen.
Sommerreifentest 2025, Größe 225/40 R18: Yokohama Advan Sport V107, Gesamtnote 2,3 („gut“). Die Fahrsicherheit steht bei 1,9, die trockene Fahrbahn bei 1,5, die nasse bei 2,2. Der entscheidende Wert steckt in den Messungen: Der Trockenbremsweg aus 100 km/h beträgt 34,8 Meter – und das ist exakt der Bestwert des gesamten Testfeldes (Spanne 34,8 bis 39,5 Meter). Kein Reifen in diesem Test verzögerte trocken kürzer. Die Motorsport-Herkunft ist also keine Erzählung, sondern messbar. Und dann kommt die andere Seite: Die prognostizierte Laufleistung liegt bei 34.300 Kilometern, während der beste Reifen des Feldes 74.400 Kilometer schafft – weniger als die Hälfte. Der ADAC wertet die Umweltbilanz deshalb ausdrücklich ab; der Abrieb liegt mit 95,0 Milligramm je Kilometer und Tonne nahe am schlechtesten Wert des Feldes (43,9 bis 97,7). Preis zum Testzeitpunkt: 113 Euro, EU-Label D/A/B mit 71 dB, produziert in Japan (Quelle: ADAC-Einzelergebnis zum Advan Sport V107).
Winterreifentest 2024, Größe 215/55 R17: Yokohama BluEarth-Winter V906, Gesamtnote 2,9 („befriedigend“). Hier wiederholt sich das Bild spiegelverkehrt: Die nasse Fahrbahn wird mit 2,1 bewertet, der Nassbremsweg auf Asphalt liegt bei 35,1 Metern in einem Feld von 34,2 bis 41,3 Metern – also nahe am Bestwert. Die prognostizierte Laufleistung beträgt 35.700 Kilometer und ist damit der schlechteste Wert des gesamten Feldes (65.100 bis 35.700). Auch der Abrieb ist mit 95,0 Milligramm der schlechteste Wert (55,0 bis 95,0). Kritisiert wird zusätzlich das Verhalten auf winterlicher Fahrbahn. Label: D/B/B, 71 dB, produziert auf den Philippinen (Quelle: ADAC-Einzelergebnis zum BluEarth-Winter V906).
Zwei Reifen, zwei Jahreszeiten, ein Muster: vorne im Feld beim Verzögern, hinten im Feld bei der Haltbarkeit. Beide tragen beim Rollwiderstand ein D. Zum Vergleich, damit die Zahl greifbar wird: Der Goodyear EfficientGrip Performance 2, dessen ADAC-Ergebnis wir an anderer Stelle ausgewertet haben, kam im Test auf 57.800 Kilometer – rund 22.000 mehr als der Yokohama-Winterreifen. Wer die beiden ADAC-Prüflinge selbst ansehen möchte: Es sind der Yokohama Advan Sport (V107) 225/40 R18 92Y und der Yokohama BluEarth-Winter (V906) 215/55 R17 98V – beide exakt in der geprüften Ausführung lieferbar. Wie so eine Messung überhaupt zustande kommt, erklären wir im Beitrag Wie wird ein Reifen getestet?
Der Gegencheck: Warum die Trockenstärke der ADVAN-Linie gehört, nicht der Marke
An dieser Stelle wäre es bequem, das Muster zur Markeneigenschaft zu erklären. Der dritte ADAC-Datensatz verbietet das – und er ist deshalb der wichtigste der drei.
Ganzjahresreifentest 2024, Größe 205/55 R16: Yokohama BluEarth-4S AW21, Gesamtnote 4,0 („ausreichend“). Die Fahrsicherheit steht bei 4,0, und der Grund dafür ist ausgerechnet die trockene Fahrbahn: Teilnote 4,0, Trockenbremsweg 46,1 Meter bei einer Feldspanne von 39,5 bis 46,6 Metern – praktisch das Schlusslicht. Auf Nässe schneidet derselbe Reifen mit 2,9 deutlich besser ab, auf winterlicher Fahrbahn mit 2,8. Bei der Umweltbilanz wiederholt sich das bekannte Bild: 33.900 Kilometer prognostizierte Laufleistung in einem Feld von 60.700 bis 33.000, Abrieb 92,0 Milligramm und damit erneut der schlechteste Wert (52,0 bis 92,0). Label D/B/B, 72 dB, produziert in Japan (Quelle: ADAC-Einzelergebnis zum BluEarth-4S).
Die Konsequenz ist unbequem, aber wichtig: Der Satz „Yokohama ist stark im Trockenen“ gilt für die Sportlinie ADVAN, nicht für die Marke als Ganzes. Beim Ganzjahresreifen der BluEarth-Familie kehrt sich die Stärke ins Gegenteil. Wer einen Yokohama kauft, kauft also keine Markeneigenschaft, sondern eine bestimmte Baureihe – und die Unterschiede zwischen den Baureihen sind größer als die Unterschiede zwischen manchen Marken. Das ist auch der Grund, warum wir von pauschalen Markenempfehlungen wenig halten und lieber Premium- und Budgetreifen an konkreten Werten vergleichen.
Was bei allen drei ADAC-Prüflingen gleich ist: Die Nasshaftungsklasse auf dem EU-Label hat nicht getäuscht. Der V107 trägt ein A und bremste nass kurz, der V906 ein B und lag nahe am Bestwert, der 4S ein B und war nass ebenfalls solide. Das Label hat nur eben nichts über das gesagt, woran alle drei scheitern – Laufleistung und Abrieb. Yokohama selbst definiert die Klassen auf seiner Informationsseite zur EU-Reifenverordnung wörtlich als Bremswegskala: von „A (kürzerer Bremsweg auf nassem Asphalt) bis E (längster Bremsweg)“. Mehr steckt in diesem Buchstaben nicht – kein Kurvengrip, kein Aquaplaning, keine Haltbarkeit. Was das Label leistet und was nicht, steht kompakt auf unserer Seite zum EU-Reifenlabel; wie groß der Unterschied zwischen den Nassklassen in Metern ist, rechnen wir im Beitrag Nasshaftung beim Reifen vor, und warum Label und Test zwei verschiedene Fragen beantworten, erklärt der Ratgeber EU-Reifenlabel oder Reifentest.
Vier Linien statt drei – und was sie tatsächlich kosten
Viele Markenporträts nennen für Yokohama drei Produktfamilien. Der Hersteller selbst führt auf seiner europäischen Seite vier, und die vierte fällt regelmäßig unter den Tisch.
ADVAN ist die Sport- und Motorsportlinie; den ersten Hochleistungs-Radialreifen dieser Familie, den ADVAN HF, brachte Yokohama 1978 auf den Markt (Quelle: Unternehmenschronik von Yokohama Europe). Hier finden sich UHP-Profile mit hohen Geschwindigkeitsindizes, Semislicks und der 2022 eingeführte Advan Sport V107. BluEarth ist die Alltags- und Effizienzlinie: Sommer-, Ganzjahres- und Winterreifen mit Fokus auf Rollwiderstand und Komfort. GEOLANDAR deckt SUV, Pickup und Gelände ab, vom straßenorientierten H/T bis zum groben Mud-Terrain. Und ICEGUARD ist die vierte, meist übersehene Familie: spikelose Winterreifen für nordische Bedingungen, seit dem iceGUARD iG50 von 2015 auch in Europa gelistet.
In unserem Regal verteilen sich die 1.366 lieferbaren Ausführungen so: BluEarth 490, ADVAN 435, GEOLANDAR 263, ICEGUARD 76, dazu 102 ältere oder als Erstausrüstung gebaute Profile, die sich keiner der vier Familien zuordnen lassen. Und weil die Frage „Ist Yokohama teuer?“ ohne Linienangabe unbeantwortbar ist, hier die Preismediane aus derselben Erhebung: BluEarth 107,96 Euro, GEOLANDAR 147,40 Euro, ADVAN 171,92 Euro, ICEGUARD 192,72 Euro. Die teuerste Linie ist damit ausgerechnet die Nischenfamilie für den nordischen Winter, nicht die Sportlinie. Ein Blick in unser Sortiment: ICEGUARD IG60 in allen lieferbaren Größen, der Modell-Hub zum Advan Sport V107, der BluEarth-4S AW21 sowie der Geolandar A/T G015, der im ADAC-All-Terrain-Test 2025 als bester von acht Kandidaten abschnitt – allerdings ohne ausdrückliche Empfehlung, weil selbst der Beste nur ein „befriedigend“ erreichte.
Ein Nachtrag zur Aktualität, der zeigt, wohin die Entwicklung läuft: Yokohama Rubber hat im August 2026 ein eigenes generatives KI-System in Vollbetrieb genommen, das nach dem RAG-Prinzip intern gesammelte technische Dokumente durchsucht und daraus Antworten für den Entwicklungsprozess erzeugt – laut Hersteller, um „einen schnellen und präzisen Zugriff auf technische Informationen“ zu ermöglichen (Quelle: Reifenpresse.de vom 28. August 2026). Was Simulation und KI in der Reifenentwicklung heute leisten – und wo sie an Grenzen stoßen –, haben wir in einem eigenen Beitrag zur Reifenentwicklung mit KI beschrieben.
Was 1.366 lieferbare Ausführungen über das EU-Label verraten
Für die Vollerhebung haben wir jede lieferbare Yokohama-Ausführung in unserem Sortiment einzeln erfasst – 1.366 Stück, verteilt auf 390 Größen und 104 Profile. Drei Befunde daraus widersprechen dem gängigen Markenbild.
Erstens: Yokohama ist im deutschen Handel eine Sommermarke. 794 Ausführungen (58 Prozent) sind Sommerreifen, weitere 105 (8 Prozent) sind Sportreifen – zusammen zwei Drittel des Angebots. Winter kommt auf 299 Ausführungen (22 Prozent), Ganzjahr auf 168 (12 Prozent). Die Größen reichen von 10 bis 24 Zoll, wobei 1.063 Ausführungen (78 Prozent) zwischen 16 und 20 Zoll liegen. Passendes finden Sie in unseren Übersichten für Sommerreifen für PKW und Sportreifen.
Zweitens: Die Marke ist kein Budgetanbieter. Die Preise reichen von 45,44 Euro für einen BluEarth-4S AW21 in 175/65 R14 bis 1.284,90 Euro für einen Advan Sport V105 in 265/35 R20. Der Median liegt bei 139,97 Euro, das untere Quartil bei 103,88, das obere bei 189,00 Euro. Zum Einordnen: Eine klassische Budgetmarke liegt im selben Regal bei einem Median um 87 Euro. Yokohama sitzt also im oberen Mittelfeld – wo genau, ordnet unser Überblick Reifenmarken: Wer gehört zu wem? ein.
Drittens – und das ist der eigentliche Befund: Beim Rollwiderstand ist das Yokohama-Regal auffällig schwach. Von 1.350 Ausführungen mit Effizienzangabe stehen 890 (66 Prozent) in Klasse D oder E, und nur 15 tragen ein A. Bei den Winterreifen ist es extrem: 247 von 299 (83 Prozent) stehen in D oder E, kein einziger in A oder B. Die Nasshaftung sieht völlig anders aus – bei den Sommerreifen tragen 356 von 778 Ausführungen (46 Prozent) ein A, bei den Sportreifen 44 von 105 (42 Prozent). Die Marke ist beim Nassbremsen also breit aufgestellt und beim Verbrauch strukturell schwach.
Besonders bemerkenswert wird das, wenn man die 15 A-Bewertungen aufschlüsselt: Elf davon entfallen auf den Advan Sport V107, also auf die Sportlinie. Die Effizienzlinie BluEarth stellt 490 Ausführungen – und darunter sind exakt zwei mit einem A. Der sparsamste Yokohama im Regal ist ein Sportreifen. Die Erklärung ist banal und trotzdem lehrreich: Rollwiderstandsklassen hängen stark von Größe und Bauart ab, nicht allein von der Gummimischung. Der Advan Sport V107 belegt das eindrucksvoll – seine 134 lieferbaren Ausführungen verteilen sich auf zehn verschiedene Label-Kombinationen, von A/A bis E/E. Ein und derselbe Reifenname, zehn verschiedene Labelbilder. Warum das kein Fehler, sondern Systematik ist, erklären wir im Beitrag Warum derselbe Reifen je nach Größe ein anderes EU-Label trägt; was der Rollwiderstand im Alltag an Sprit oder Reichweite ausmacht, rechnen wir unter Spritsparen mit den richtigen Reifen vor.
Ein letzter Punkt zur Transparenz: Auf den deutschen Produktseiten von Yokohama findet sich zu Advan Sport V107, BluEarth-4S AW21 und GEOLANDAR A/T G015 keine einzige bezifferte Leistungsangabe – kein Prozentwert, kein Bremswegmeter, kein Vergleich zum Vorgänger. Der Hersteller beschreibt Profilelemente wie „4 tiefe Hauptrillen“ und nennt Labelspannen, mehr nicht (Quelle: Produktseite GEOLANDAR A/T G015 bei Yokohama). Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung mit praktischer Folge: Wer wissen will, was ein Yokohama kann, muss auf Fremddaten zurückgreifen – EU-Label, Testergebnisse, Regalzahlen. Genau deshalb steht dieser Beitrag auf diesen drei Säulen.
Wo Yokohama preislich steht – und für wen sich die Marke lohnt
Bleibt die Frage, die im Laden am häufigsten gestellt wird: Premium, Mittelklasse oder günstige Alternative? Wir haben sie mit einem Preisvergleich beantwortet, der nicht Modelle gegeneinanderstellt, sondern Vergleichszellen – gleiche Größe, gleiche Last- und Geschwindigkeitskennung, gleiche Jahreszeit. Grundlage sind die 25 Größen, in denen unser Yokohama-Angebot am breitesten ist; darin ergaben sich 189 solcher Zellen und 511 Paarungen mit vier Vergleichsmarken. Verglichen wurde jeweils das günstigste Angebot je Marke und Zelle.
Das Ergebnis ist erstaunlich einheitlich. Gegen Michelin ist Yokohama in 117 von 125 Paarungen (94 Prozent) günstiger, im Median um 44,62 Euro. Gegen Continental in 125 von 138 Paarungen (91 Prozent), im Median um 31,10 Euro. Gegen Bridgestone in 111 von 124 Paarungen (90 Prozent), im Median um 24,18 Euro. Die Quartile bestätigen, dass der Abstand nicht an Ausreißern hängt: Bei Continental liegt er im mittleren Bereich zwischen 20,38 und 45,17 Euro.
Der interessante Befund steckt in der vierten Marke. Gegen Hankook ist Yokohama nur in 78 von 124 Paarungen (63 Prozent) günstiger, und der Median liegt bei 2,54 Euro – praktisch bei null. Damit ist die Position sauber bestimmt: Yokohama liegt spürbar unter dem europäischen Premium-Trio, aber preislich auf Augenhöhe mit dem koreanischen Wettbewerber im oberen Mittelfeld. Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Der Vergleich gleicht Größe, Kennung und Saison ab, nicht aber das Reifenkonzept. In einzelnen Zellen steht deshalb ein All-Terrain-Profil gegen einen Straßenreifen, und dann kippt das Vorzeichen. Aussagekräftig ist der Median über alle Paarungen, nicht die einzelne Zelle.
Für wen lohnt sich Yokohama also? Für alle, die trockene Fahrdynamik über Kilometerleistung stellen: sportlich bewegte Limousinen und Coupés, Fahrzeuge, die im Sommer gefordert und im Winter wenig gefahren werden, und alle, die ohnehin nach vier bis fünf Jahren wechseln. Der Advan Sport V107 ist dafür der belegbar beste Kandidat der Marke. Weniger passend ist Yokohama für Vielfahrer mit hoher Jahresfahrleistung, für Kostenrechner, die in Cent pro Kilometer denken, und – nach heutiger Datenlage – für alle, die einen Ganzjahresreifen als einzigen Radsatz nutzen wollen; hier lohnt der Blick auf die Testsieger anderer Hersteller. Der angekündigte Nachfolger des AW21 könnte das ändern, ist aber noch nicht unabhängig geprüft: Einzelheiten dazu in unserer Vorschau auf den BluEarth-AllSeason2. Wer die japanischen Wettbewerber vergleichen möchte, findet unsere Porträts zu Bridgestone, Toyo und Falken; für Elektroautos gelten zusätzliche Anforderungen, die wir unter E-Auto-Reifen beschreiben, und wer über Semislicks nachdenkt, liest zuerst unseren Ratgeber zu Sportreifen und UHP-Profilen. Für SUV und Geländewagen gilt eigene Auswahllogik, nachzulesen unter SUV- und Offroad-Reifen. Konkret verfügbar sind unter anderem die getesteten Größen 225/40 R18 und 215/55 R17 sowie der Yokohama BluEarth-4S AW21 205/55 R16 91V.
Häufige Fragen
Sind Yokohama-Reifen gut auf nasser Straße?
Besser als ihr Ruf, aber mit Vorgeschichte. In 62 von 118 ausgewerteten Testurteilen stand die Nässe auf der Schwächenseite – allerdings vor allem in den Jahren bis 2017. Seit 2018 fällt dieser Kritikpunkt nur noch in 39 Prozent der Einträge, und in den drei jüngsten ADAC-Messreihen lagen die Nassbremswege jeweils nahe am Bestwert des Feldes.
Warum verschleißen Yokohama-Reifen schneller?
Belegt ist der Befund, nicht die Ursache. In den ADAC-Tests 2024 und 2025 erreichten drei Yokohama-Modelle 33.900, 34.300 und 35.700 Kilometer prognostizierte Laufleistung, während die jeweils besten Reifen ihres Feldes auf 60.700 bis 74.400 Kilometer kamen. Fachlich gilt: Weiche Mischungen verzögern kürzer und nutzen sich schneller ab. Yokohama hat den Nassgriff verbessert – der Verschleiß ist die Rechnung dafür.
Welche Yokohama-Linie passt zu meinem Auto?
ADVAN für sportliche Fahrzeuge und hohe Geschwindigkeitsindizes, BluEarth für Kompakt- und Mittelklasse im Alltag, GEOLANDAR für SUV, Pickup und Gelände, ICEGUARD für harte Winter. Die Unterschiede zwischen diesen Linien sind größer als die zwischen manchen Marken – die Baureihe ist also die wichtigere Entscheidung als das Markenlogo.
Unterm Strich ist Yokohama kein Billiganbieter und keine Zweitmarke, sondern ein eigenständiger Hersteller mit einem klaren, in 118 Testurteilen nachweisbaren Profil: stark, wenn es aufs Verzögern und aufs Fahrgefühl ankommt, schwächer, wenn die Kilometerleistung zählt. Wer das weiß und die passende Baureihe wählt, bekommt genau das, wofür die Marke steht. Alle lieferbaren Größen und Profile zeigt unsere Yokohama-Übersicht im Shop – und ob es für Ihre Größe überhaupt einen unabhängigen Test gibt, klärt unsere Auswertung Zehn Größen in sieben Jahren.