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Kompletträder – Ratgeber im Magazin

Ein Zoll mehr am Winterrad: 140 Euro beim ersten Schritt, 606 beim letzten

· 12 Min. Lesezeit
Winterräder mit verschieden großen Alufelgen in einer Garage (KI-generiert, OpenAI)
Winterräder mit verschieden großen Alufelgen in einer Garage (KI-generiert, OpenAI)

Wer im Herbst einen zweiten Radsatz kauft, bekommt fast immer denselben Rat zu hören: eine Nummer kleiner nehmen, das spare Geld. Wie viel Geld genau, sagt dieser Rat nie. Wir haben deshalb einmal nachgerechnet, was ein Zoll an einem kompletten Winterrad tatsächlich kostet – nicht am Reifen allein und nicht an der Felge allein, sondern an beidem zusammen, so wie der Satz am Ende im Keller steht.

Die Antwort fällt deutlicher aus als erwartet, und sie ist vor allem nicht gleichmäßig. Der Schritt von 16 auf 17 Zoll kostet über den ganzen Satz gerechnet rund 140 Euro. Der Schritt von 20 auf 21 Zoll kostet 606 Euro. Es ist derselbe eine Zoll, und er ist viermal so teuer. Wer diese Treppe kennt, entscheidet beim Winterradsatz anders – und weiß auch, an welcher Stelle sich das Sparen wirklich lohnt und wo es nur noch ein paar Euro bringt.

Die Datenbasis: 4.225 Felgen, 8.875 Winterreifen, ein Katalogtag

Grundlage sind unsere eigenen Katalogdaten vom 23. September 2026: 3.576 Alufelgen und 649 Stahlfelgen, zusammen 4.225 Räder, dazu 8.875 lieferbare Pkw-Winterreifen. Jeder dieser Artikel trägt im Datenbestand seinen Durchmesser in Zoll und seinen Tagespreis, und damit lässt sich für jede Zollgröße ein belastbarer Mittelwert bilden.

Wir rechnen bewusst mit dem Median und dem mittleren Drittel, nicht mit dem Durchschnitt und nicht mit Extremwerten. Der Median ist der Preis, unter dem die Hälfte aller Artikel einer Zollgröße liegt und über dem die andere Hälfte liegt. Er beschreibt das, was Sie im Regal tatsächlich vorfinden, und er kippt nicht, sobald ein einzelner Artikel aus der Reihe fällt. Einzelne Ausführungen mit offensichtlich unplausiblem Preis haben wir vor der Rechnung entfernt.

Zwei Dinge liefert dieser Text bewusst nicht. Welche Zollgrößen es in Stahl und welche es in Aluminium überhaupt gibt und warum sich die beiden Sortimente kaum überschneiden, steht in unserer Auswertung zu den Größengrenzen des Stahlfelgen-Sortiments. Welche Anschlussmaße dabei vorkommen und warum der Lochkreis allein nie reicht, haben wir bei den Lochkreisen und Nabenbohrungen im Regal durchgezählt. Hier geht es ausschließlich ums Geld.

Die Felge: Die Preistreppe wird nach oben immer steiler

Der Median einer Alufelge steigt mit dem Durchmesser – aber eben nicht gleichmäßig. So sieht die Treppe aus, jeweils je Felge:

  • 15 Zoll – 126,80 Euro
  • 16 Zoll – 140,80 Euro, also 14,00 Euro mehr
  • 17 Zoll – 153,85 Euro, plus 13,05 Euro
  • 18 Zoll – 192,10 Euro, plus 38,25 Euro
  • 19 Zoll – 258,60 Euro, plus 66,50 Euro
  • 20 Zoll – 338,70 Euro, plus 80,10 Euro
  • 21 Zoll – 439,50 Euro, plus 100,80 Euro

Zwischen 15 und 17 Zoll kostet ein Zoll also rund 13 bis 14 Euro. Zwischen 19 und 21 Zoll kostet derselbe Zoll 80 bis 100 Euro. Die Stufe wächst nicht ein bisschen, sie vervielfacht sich.

Die Gegenprobe an einer einzigen Baureihe bestätigt das Muster. Ein Einwand liegt nahe: Vielleicht misst die Treppe gar nicht den Durchmesser, sondern nur, dass in großen Zollgrößen andere, teurere Modelle stehen. Wir haben deshalb ein einziges, in sich geschlossenes Teilsortiment herausgezogen – 1.080 Ausführungen einer Marke, alle mit fünf Löchern auf 112 Millimeter Lochkreis, also alle für dieselbe Fahrzeugfamilie. Dort lauten die Mediane 125,20 Euro bei 15 Zoll, 134,80 bei 16, 146,90 bei 17, 173,80 bei 18, 227,35 bei 19 und 268,50 bei 20 Zoll. Die Stufen: 9,60 – 12,10 – 26,90 – 53,55 Euro. Dasselbe Bild, dieselbe Beschleunigung. Der Durchmesser ist der Treiber, nicht der Modellmix.

Warum das so ist, hat mit Material und Fertigung zu tun: Mehr Durchmesser heißt mehr Aluminium, mehr Werkzeugaufwand und häufig ein anderes Herstellverfahren. Welche Rolle Guss, Flowforming und Schmieden beim Felgenpreis spielen, haben wir getrennt aufgeschrieben.

Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtig: Der Median beschreibt das Sortiment, nicht den Einzelfall. Die günstigste 18-Zoll-Felge in unserem Regal kostet 81,60 Euro – und damit weniger als jede einzelne 15-Zoll-Felge, die bei 114,60 Euro beginnt. Wer nur ein bestimmtes Rad sucht, kann diese Treppe also punktuell unterlaufen. Wer einen ganzen Satz plant, wird sie im Schnitt trotzdem bezahlen.

Der Winterreifen steigt mit, aber flacher

Auf der anderen Seite des Rades passiert dasselbe, nur gemäßigter. Die Mediane der 8.875 Pkw-Winterreifen je Zollgröße:

  • 15 Zoll – 60,99 Euro bei 1.110 lieferbaren Ausführungen
  • 16 Zoll – 84,56 Euro bei 1.384
  • 17 Zoll – 106,62 Euro bei 1.660
  • 18 Zoll – 126,27 Euro bei 1.420
  • 19 Zoll – 167,65 Euro bei 1.165
  • 20 Zoll – 216,67 Euro bei 790
  • 21 Zoll – 267,45 Euro bei 269

Von 15 auf 18 Zoll kostet ein Zoll beim Reifen rund 20 bis 24 Euro, oberhalb davon rund 40 bis 50 Euro. Die Kurve knickt also ebenfalls nach oben, aber später und weniger heftig als bei der Felge.

Die zweite Spalte verdient dabei genauso viel Aufmerksamkeit wie die erste, denn sie beschreibt die Auswahl. Das Winterreifen-Sortiment ist bei 17 Zoll am breitesten und wird zu beiden Rändern hin dünner: Bei 21 Zoll bleiben 269 Ausführungen übrig, bei 15 Zoll immerhin noch 1.110. Das bedeutet zweierlei. Erstens zahlen Sie am oberen Ende nicht nur mehr, Sie haben auch deutlich weniger Modelle zur Wahl, unter denen ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis sein muss. Zweitens ist die vermeintliche Sparlösung keine Restrampe: Knapp die Hälfte aller Pkw-Winterreifen in unserem Sortiment misst 15, 16 oder 17 Zoll.

Auch hier hilft die Gegenprobe am selben Modell. Nehmen wir die Größenstaffel eines typischen Kompaktwagens, bei der der Abrollumfang gleich bleibt und nur Felge und Flanke tauschen. Der Continental WinterContact TS 870 in 195/65 R15 kostet 69,70 Euro, derselbe Reifen in 225/45 R17 130,34 Euro. Beim Hankook Winter i*cept RS3 in 195/65 R15 sind es 56,29 Euro gegen 94,59 Euro in derselben 17-Zoll-Dimension; jeweils die günstigste Ausführung der Größe. Zwei Zoll kosten damit 38 bis 61 Euro je Reifen, je nach Baureihe.

Ein Teil davon geht allerdings nicht auf das Konto des Durchmessers: Auf dieser Staffel wächst der Reifen zugleich von 195 auf 225 Millimeter Breite. Was allein die Breite eines Reifens kostet und was der flachere Querschnitt beim Preis ausmacht, haben wir jeweils eigens untersucht. Für die Kaufentscheidung zählt ohnehin die Summe, denn die Staffel kommt genau so vom Fahrzeughersteller.

Das komplette Winterrad: von 751 bis 2.828 Euro je Satz

Jetzt legen wir beides zusammen. Felge plus Winterreifen ergibt das Rad, mal vier ergibt den Satz – jeweils zum Median der Zollgröße:

  • 15 Zoll – 187,79 Euro je Rad, 751,16 Euro je Satz
  • 16 Zoll – 225,36 Euro je Rad, 901,44 Euro je Satz
  • 17 Zoll – 260,47 Euro je Rad, 1.041,88 Euro je Satz
  • 18 Zoll – 318,37 Euro je Rad, 1.273,48 Euro je Satz
  • 19 Zoll – 426,25 Euro je Rad, 1.705,00 Euro je Satz
  • 20 Zoll – 555,37 Euro je Rad, 2.221,48 Euro je Satz
  • 21 Zoll – 706,95 Euro je Rad, 2.827,80 Euro je Satz

Der teuerste Satz kostet fast das Vierfache des günstigsten. Interessanter als die Spanne ist aber, wie ungleich sich der Weg dorthin verteilt. Auf den Satz gerechnet kostet der Schritt von 15 auf 16 Zoll 150,28 Euro, von 16 auf 17 Zoll 140,44 Euro, von 17 auf 18 Zoll 231,60 Euro, von 18 auf 19 Zoll 431,52 Euro, von 19 auf 20 Zoll 516,48 Euro und von 20 auf 21 Zoll 606,32 Euro.

Eine Zahl macht das Ausmaß besonders greifbar: Die beiden Zoll von 19 auf 21 kosten zusammen 1.122,80 Euro – also mehr, als ein kompletter Winterradsatz in 15 Zoll überhaupt kostet. Am oberen Ende der Skala kauft man mit jedem Zoll rechnerisch einen halben Radsatz mit.

Der Bruch liegt sauber zwischen 17 und 18 Zoll. Bis dahin kostet ein Zoll rund 140 bis 150 Euro je Satz, danach verdoppelt und verdreifacht sich der Betrag. Für die Praxis heißt das: Unterhalb von 18 Zoll ist die Zollgröße eine Komfortfrage mit überschaubarem Preisschild. Oberhalb davon wird sie zur Budgetfrage. Passende Reifen für beide Welten finden Sie in unserer Abteilung für Winterreifen für Pkw, die passenden Räder unter Alufelgen und Stahlfelgen.

Downsizing gerechnet: 663 Euro für zwei Zoll

Damit lässt sich endlich beziffern, was der eingangs erwähnte Rat wert ist. Wer statt eines 19-Zoll-Winterradsatzes einen mit 17 Zoll kauft, zahlt im Median 1.041,88 statt 1.705,00 Euro – eine Ersparnis von 663,12 Euro für zwei Zoll. Von 18 auf 16 Zoll sind es 372,04 Euro, von 20 auf 18 Zoll 948,00 Euro, von 21 auf 17 Zoll sogar 1.785,92 Euro.

Diese Beträge fallen einmalig beim Kauf an, sie wiederholen sich über die Lebensdauer des Satzes nicht. Das ist der Grund, warum Downsizing beim Winterrad so oft empfohlen wird: Der Effekt ist groß, sofort wirksam und kostet technisch nichts – vorausgesetzt, die kleinere Dimension steht in den Fahrzeugpapieren oder in der Freigabeliste des Herstellers. Warum eine kleinere Felge im Winter obendrein sinnvoll ist, weil die höhere Flanke Schlaglöcher besser wegsteckt und der Abrollumfang gleich bleibt, erklärt unser Ratgeber dazu, wann Winterräder eine Nummer kleiner wirklich sinnvoll sind.

Drei Bedingungen sind nicht verhandelbar. Die Größe muss für Ihr Fahrzeug freigegeben sein – Räder und Reifen müssen nach § 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung zum Fahrzeug passen, und was weder in den Papieren noch in einer Freigabe steht, ist eine Änderung am Fahrzeug. Die Tragfähigkeit darf nicht sinken. Und der Geschwindigkeitsindex darf nur unter der bekannten Winterausnahme unterschritten werden, die an ein Hinweisschild im Sichtfeld gebunden ist – die Einzelheiten stehen in unserem Beitrag zur Ausnahme beim Geschwindigkeitsindex von Winterreifen. Geht es um Felgen, die nicht in den Papieren stehen, führt der Weg über ABE, Teilegutachten und Einzelabnahme.

Eine Grenze nach unten gibt es ebenfalls: Der Bremssattel braucht Platz. Viele moderne Fahrzeuge lassen sich deshalb nicht beliebig weit herunterrüsten, selbst wenn es die passende Reifengröße gäbe.

Die Felge ist nie die günstigere Hälfte

Beim Blick auf die Zahlen fällt ein Verhältnis auf, das über alle Zollgrößen erstaunlich stabil bleibt: Die Felge macht zwischen 59 und 68 Prozent des kompletten Radpreises aus. Bei 15 Zoll sind es 67,5 Prozent, bei 17 Zoll mit 59,1 Prozent am wenigsten, bei 21 Zoll wieder 62,2 Prozent. In keiner einzigen Zollgröße ist der Reifen der teurere Teil. Wer beim Winterradsatz sparen will, setzt den Hebel also zuerst an der Felge an, nicht am Reifen – und das sieht man dem Angebot selten an, weil Reifen einzeln beworben werden und Felgen meist nicht.

Der zweite Hebel ist die Bauart. In den Zollgrößen, in denen es beides gibt, liegt der Median der Alufelge 53,00 Euro (15 Zoll), 55,10 Euro (16 Zoll) beziehungsweise 54,85 Euro (17 Zoll) über dem der Stahlfelge. Das sind je Satz 212 bis 220 Euro, und bemerkenswert daran ist die Konstanz: Der Aufpreis für Aluminium hängt in diesem Bereich praktisch nicht von der Größe ab. Er ist eine feste Gebühr fürs Aussehen und fürs geringere Gewicht, keine Größenfrage. Welche Vor- und Nachteile beide Bauarten sonst noch trennen, haben wir im direkten Vergleich von Stahl und Aluminium gegenübergestellt.

Ein konkretes Beispiel für die häufigste Winterkombination überhaupt: eine 16-Zoll-Alufelge mit 112er Lochkreis für 121,70 Euro, dazu vier Winterreifen in einer der meistgekauften Dimensionen – etwa aus der Auswahl in 195/65 R15, wenn das Fahrzeug die kleinere Stufe erlaubt.

Was die Rechnung sonst noch verschiebt

Der Kaufpreis ist nicht die ganze Wahrheit. Zum zweiten Radsatz gehören Ventile oder Sensoren: Wer Kompletträder fährt, braucht in jedem Rad einen eigenen Sensor für die Reifendruckkontrolle, und ob der übernommen, angelernt oder neu gekauft wird, macht einen dreistelligen Unterschied – nachzulesen bei den RDKS-Sensoren beim Kompletträderwechsel. Wer im Winter von Aluminium auf Stahl wechselt oder umgekehrt, sollte außerdem die Verschraubung prüfen: Beide Bauarten brauchen nicht zwangsläufig dieselbe Bundform und dieselbe Länge, und eine zu kurze oder falsch geformte Schraube ist ein echtes Sicherheitsrisiko. Was dabei zu beachten ist, steht bei den Radschrauben und Radmuttern.

Dagegen steht die Ersparnis beim Wechsel selbst. Ein fertiger Radsatz wird zweimal im Jahr nur ab- und angeschraubt statt aufgezogen, abgezogen und gewuchtet, und genau dieser Posten macht den zweiten Satz über die Jahre bezahlbar. Was der Räderwechsel in der Werkstatt heute kostet und ab wann sich der zweite Radsatz rechnet, haben wir mit den aktuellen Werkstattpreisen durchgerechnet. Fertige Kombinationen aus Felge und Reifen finden Sie in unserer Abteilung für Kompletträder.

Bleibt die ehrliche Einordnung. Große Räder sind kein Fehler – sie sehen besser aus, und bei sportlich ausgelegten Fahrzeugen gehören sie zum Konzept. Die Zahlen zeigen nur, wo der Spaß anfängt, richtig Geld zu kosten: nicht bei 16 oder 17 Zoll, sondern ab 18. Wer die kalte Jahreszeit auf einem zweiten Satz fährt, hat dort einmal im Jahr eine Wahl, die im Sommer längst festgelegt ist – und kann mit einem einzigen Zoll weniger mehr sparen als mit der Wahl der Reifenmarke.

Häufige Fragen

Ist ein kleineres Winterrad im Fahrbetrieb schlechter?

Nein. Solange die Größe für das Fahrzeug freigegeben ist, bleibt der Abrollumfang gleich, und Tacho sowie Fahrassistenzsysteme rechnen unverändert richtig. Die höhere Flanke macht das Rad im Winter sogar unempfindlicher gegen Schlaglöcher und Bordsteinkanten.

Warum sind 15-Zoll-Alufelgen kaum günstiger als 16-Zoll-Felgen?

Weil unterhalb von 16 Zoll das Aluminium-Sortiment sehr klein wird: Auf 363 Ausführungen in 16 Zoll kommen nur 95 in 15 Zoll, und diese Reste sind keine Massenware mehr. Der Preisvorteil sehr kleiner Räder liegt deshalb weniger in der Alufelge als im Reifen und in der Stahlfelge.

Lohnt sich ein zweiter Satz auch bei großen Rädern?

Gerade dann. Je größer das Rad, desto teurer wird jede Montage, und desto stärker wirkt die Ersparnis durch das bloße Umschrauben. Der Kaufpreis für den zweiten Satz ist bei 20 oder 21 Zoll allerdings so hoch, dass sich die Rechnung erst über mehrere Winter trägt.

Schlagwörter: Kompletträder Winterräder Alufelgen Felgengröße Downsizing

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