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Alufelgen – Ratgeber im Magazin

Zentrierringe für Felgen: Wann Sie sie brauchen und wie Sie die richtige Größe finden

· 22 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 15.09.2026
Alufelge mit schwarzem Zentrierring in der Nabenbohrung (KI-generiert, OpenAI)
Alufelge mit schwarzem Zentrierring in der Nabenbohrung (KI-generiert, OpenAI)

Wer sich neue Alufelgen oder einen zweiten Radsatz kauft, stößt schnell auf ein kleines, unscheinbares Bauteil: den Zentrierring. Die meist schwarzen oder farbigen Ringe kosten nur wenige Euro, entscheiden aber darüber, ob das Rad ruhig läuft oder bei Tempo 120 spürbar vibriert. Sie sind dabei mehr als eine Montagehilfe aus der Zubehörkiste: Das Kraftfahrt-Bundesamt hat schriftlich festgehalten, dass ein Rad, das einen Zentrierring braucht, gar nicht nach der europäischen Rad-Regelung genehmigt sein kann — und § 19 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung knüpft an die Einbauanweisung des Radgutachtens die härteste Folge, die das Fahrzeugrecht kennt. In diesem Ratgeber klären wir, wann Sie Zentrierringe wirklich brauchen, wie genau die beiden Maße stimmen müssen, was das Material des Rings mit dem Felgenhersteller zu tun hat und warum die Ringe so oft nicht im Karton liegen.

Was ein Zentrierring ist — und warum das Rad ihn überhaupt braucht

Ein Zentrierring ist eine schmale Hülse aus Kunststoff oder Metall, die den Ringspalt zwischen der Mittenbohrung der Felge und der Radnabe des Fahrzeugs ausfüllt. Nötig wird er, weil Felgenhersteller ihre Alufelgen aus wirtschaftlichen Gründen nicht für jedes einzelne Fahrzeug mit passgenauer Nabenbohrung fertigen. Stattdessen bekommt ein Felgentyp ein bewusst zu groß gebohrtes Mittenloch, damit dasselbe Rad auf möglichst viele Fahrzeuge mit unterschiedlich großen Naben passt. Der Ring verkleinert diese Bohrung dann exakt auf Ihr Auto.

Der Hersteller der Räder, die in diesem Shop den größten Teil des Regals füllen, beschreibt das Verfahren mit einem Satz. ALCAR über die Technik hinter den AEZ-Rädern schreibt: „Um flexibel zu bleiben verwendet AEZ Reduktionsringe, sodass mit einer Bohrung in der Felge mehrere Mittenlochdurchmesser realisiert werden können (Basic Ring System).“ Damit ist die betriebswirtschaftliche Logik offen benannt: Eine einzige Bohrung, viele Fahrzeuge — und der Ring übernimmt den Rest.

Ein Beispiel macht das anschaulich: Viele universell einsetzbare Alufelgen haben ein Mittenloch von rund 72,6 oder 73,1 Millimetern. Ein VW oder Audi aus dem Volkswagen-Konzern hat aber oft nur eine Nabe von etwa 57,1 Millimetern, ein BMW rund 72,6 Millimeter. Passt die Felge nicht schon von Haus aus, überbrückt ein Zentrierring die Differenz — im VW-Beispiel also von 73,1 auf 57,1 Millimeter.

Fehlt der Ring, liegt das Rad nur locker über der Nabe und wird beim Anziehen der Schrauben nicht sauber zentriert. Die Folge beschreibt der RIAL-Beitrag über Zentrierringe nüchtern: Der Fahrer könne „insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten eine Unwucht spüren“. Ab Werk montierte Räder und passgenaue Originalfelgen haben dieses Problem nicht. Erst beim Nachrüsten von Zubehör-Alufelgen kommt der Zentrierring ins Spiel — und dann gehört er zwingend dazu.

26 Nabendurchmesser auf 456 Rädern: was unser Regal über die Maßvielfalt verrät

Wie groß die Vielfalt ist, die ein Alufelgen-Design überbrücken muss, lässt sich im eigenen Sortiment nachzählen. Wir haben dafür den offenen Produktkatalog vom 14. September 2026 ausgewertet. Er enthält 622 Stahlfelgen, und Stahlräder sind für diese Frage die ehrlichste Datenquelle, die es gibt: Sie werden nicht für eine Fahrzeuggruppe entworfen, sondern als Nachbau des Serienrads für genau ein Modell — Lochkreis, Nabenbohrung und Einpresstiefe stehen deshalb bei jedem einzelnen Rad in der Artikelbezeichnung.

456 dieser Stahlräder tragen eine vollständige Maßangabe in der Form „5 Loch 112x57 ET50“. Darin stecken 26 verschiedene Nabendurchmesser zwischen 54,0 und 78,1 Millimetern. Die häufigsten sind 57 mm (69 Räder), 60 mm (60), 65 mm (54), 67 mm (53), 54 mm (42) und 58 mm (32); darunter mischen sich Einzelwerte wie 59, 70,3, 74,6 oder 78,1 mm, die jeweils nur auf einer Handvoll Räder vorkommen.

Dem gegenüber steht die andere Seite desselben Regals: 3.563 lieferbare Alufelgen — aber nur 126 verschiedene Designs, also Kombinationen aus Marke und Modellnamen. Das sind im Schnitt 28,3 Ausführungen je Design, verteilt auf 17 Felgenbreiten, zehn Zollgrößen von 14 bis 23 Zoll und Einpresstiefen von ET-35 bis ET68. Ein Design wie die DEZENT KG oder die AEZ Seattle deckt für sich genommen über hundert Artikelnummern ab.

Rechnen Sie beides gegeneinander, wird die Aufgabe des Zentrierrings zur schlichten Arithmetik: 126 Designs müssen ein Nabenspektrum von gut 24 Millimetern Breite bedienen, das die Fahrzeughersteller in 26 Stufen unterteilt haben. Ohne Ring bräuchte jedes Design 26 Bohrungsvarianten — und dann wäre es kein Design mehr, sondern ein Stahlrad-Ersatz. Welche drei Maße bei der Auswahl zusammen stimmen müssen und wie stark sie sich unterscheiden, haben wir an anderer Stelle mit Blick darauf untersucht, wie stark Lochkreis und Nabenbohrung im Sortiment streuen.

Sechs Paare, ein Zehntelmillimeter: warum „ungefähr passend“ nicht existiert

Die 26 Nabendurchmesser liegen nicht gleichmäßig verteilt über die Spanne. Sie ballen sich in Nestern — und genau das macht die Auswahl des Rings heikel. In elf Fällen liegen zwei benachbarte Werte höchstens einen halben Millimeter auseinander, und in sechs dieser Fälle beträgt der Abstand exakt einen Zehntelmillimeter: 56,5 und 56,6 mm · 57,0 und 57,1 mm · 63,3 und 63,4 mm · 65,0 und 65,1 mm · 71,0 und 71,1 mm · 71,5 und 71,6 mm.

Das ist kein statistischer Randfall. 297 der 456 vermessenen Stahlräder — 65,1 Prozent — haben einen Nachbarwert innerhalb von einem halben Millimeter. Zwei Drittel aller Fahrzeugnaben in unserem Regal haben also eine Zwillingsgröße, die sich mit bloßem Auge nicht unterscheiden lässt. Wer einen 57,0er-Ring bestellt, obwohl sein Fahrzeug 57,1 mm braucht, hält zwei Ringe in der Hand, die identisch aussehen — und von denen nur einer sich aufstecken lässt beziehungsweise nur einer spielfrei sitzt.

Wie klein die zulässige Toleranz ist, benennen die Felgenspezialisten von Schmidt Felgen zu Zentrierung und Toleranzen unmissverständlich: „Hat die Fahrzeugachse einen Zentrierdurchmesser von z.B. 57,0mm so sollte das Rad eine Mittenbohrung von 57,06 bis 57,10 mm haben.“ Der Spielraum beträgt also vier Hundertstelmillimeter. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist rund siebenmal so dick.

Für die Praxis folgt daraus eine einfache Regel: Bestellen Sie den Ring nie nach Gefühl oder nach dem, was beim letzten Auto gepasst hat. Nehmen Sie die Nabenangabe aus dem Radgutachten oder von Ihrem alten, fahrzeugspezifischen Rad — dort steht sie im Klartext. Und prüfen Sie die Nachkommastelle, gerade in den sechs genannten Nestern. Ein Ring, der sich „fast“ aufschieben lässt, ist der falsche Ring.

Nabenzentriert oder bolzenzentriert: wie Ihr Fahrzeug das Rad führt

Ob Sie überhaupt Zentrierringe benötigen, hängt davon ab, wie Ihr Fahrzeug das Rad führt. Es gibt zwei Prinzipien, und sie schließen einander aus.

Nabenzentriert (Mittenzentrierung): Der Regelfall bei modernen Autos. Fahrzeugachsen sind laut Schmidt Felgen drehbearbeitet und zentrieren das Rad über die Mitte; die drehbearbeitete Mittenzentrierung nimmt die Felge auf. Der zentrale Nabenbund führt das Rad — und genau hier setzt der Zentrierring an, wenn die Felgenbohrung größer ist als die Nabe.

Bolzenzentriert: Manche Fahrzeugnaben haben keine Mittenzentrierung. „Hier wird das Rad ausschließlich mittels der Radschrauben zentriert“, so dieselbe Quelle. Die Führung übernehmen dann die Kegel- oder Kugelbünde der Schrauben. Bei solchen Rädern bringen Zentrierringe nichts — die richtige Zentrierung steht und fällt mit der passenden Bundform, die wir in einem eigenen Beitrag zu Kegelbund, Kugelbund und Flachbund im Detail auseinandersortiert haben. Passende Teile finden Sie in der Abteilung Radschrauben und Radmuttern.

Welches Prinzip Ihr Fahrzeug nutzt, verrät das Felgengutachten oder die Herstellerangabe. Ein praktischer Anhaltspunkt: Schauen Sie sich die Nabe bei abgenommenem Rad an. Ragt in der Mitte ein sauber gedrehter, blanker Bund hervor, auf den das Rad aufsitzt, ist das Fahrzeug nabenzentriert. Ist die Nabenmitte flach und liegt das Rad nur auf dem Flansch auf, arbeitet die Konstruktion bolzenzentriert. Im Zweifel hilft der Blick in die Papiere — oder in unser Reifen-Wiki mit den Fachbegriffen.

Zentrieren statt tragen: die eigentliche Aufgabe des Rings

Um Zentrierringe ranken sich hartnäckige Mythen — vor allem der, sie müssten das Gewicht des Fahrzeugs tragen. Das ist falsch. Der Ring hat nur eine Aufgabe: das Rad beim Aufsetzen exakt mittig zu führen. Sobald die Radschrauben angezogen sind, presst die Klemmkraft das Rad plan gegen die Nabe, und die Reibung dieser Verbindung hält das Rad sicher. Schmidt Felgen bringt es auf den Punkt: „Sind die Radschrauben einmal angezogen, ist der Zentrierring überflüssig. Er ist also lediglich eine Montagehilfe.“

Der Satz ist technisch richtig — und wird trotzdem regelmäßig falsch verstanden. „Überflüssig“ heißt: Der Ring trägt im gefahrenen Zustand keine Last mehr. Es heißt nicht, dass man ihn weglassen darf. Ohne ihn findet das Rad beim Anziehen nämlich gar nicht erst in die Mitte, und die Klemmkraft fixiert es dann in einer leicht außermittigen Lage. Die Unwucht, die dabei entsteht, bekommt man auch durch Auswuchten nicht zuverlässig weg, weil sie bei jeder Montage anders ausfällt. Warum eine saubere Massenverteilung überhaupt so wichtig ist, erklären wir dort, wo es darum geht, warum Räder ausgewuchtet werden müssen.

Aus derselben Logik folgt, warum der Ring nach dem Festziehen im Rad bleiben darf und soll: Er wird bei der nächsten Montage wieder gebraucht. Ringe wandern deshalb normalerweise dauerhaft mit dem Rad mit und werden nur gelegentlich auf festen Sitz und Beschädigungen kontrolliert.

Kunststoff, Aluminium — oder das System des Felgenherstellers

Zur Materialfrage kursiert eine Faustregel, die zu kurz greift: „Kunststoff genügt immer.“ Richtig daran ist, dass der Ring nicht tragend ist und Kunststoffringe deshalb bei vielen Zubehörrädern der Standard sind. RIAL formuliert es neutral: Zentrierringe bestehen „meist aus Kunststoff, manche sind auch aus Metall“. Kunststoff hat dabei einen echten Vorteil — er korrodiert nicht mit der Nabe zusammen und lässt sich auch nach Jahren noch lösen, während ein Alu-Ring auf einer Alu-Nabe festgehen kann.

Falsch wäre aber der Umkehrschluss, Aluminiumringe seien grundsätzlich die schlechtere Wahl. Es gibt Felgenhersteller, deren Zentriersystem konstruktiv auf Metall aufbaut. Die Montageanleitung für BBS-Zentrierringe beschreibt „genau bearbeitete Zentrierringe aus Aluminium“, die mit Teilenummer und Zentrierdurchmesser gekennzeichnet sind und von einem Runddraht-Sprengring aus Federstahl in einer Nut gesichert werden. Die Nabenbohrung solcher Räder ist ausdrücklich „mit engen Toleranzen gearbeitet“, um Zentrier- und Sprengring exakt aufzunehmen.

Die belastbare Regel lautet deshalb nicht „Kunststoff oder Alu“, sondern: Nehmen Sie das System, das der Hersteller Ihres Rades vorsieht. Wer ein Rad mit gesichertem Alu-Ringsystem mit einem losen Kunststoffring aus dem Zubehörhandel bestückt, verlässt die Montageanleitung — und das hat, wie der nächste Abschnitt zeigt, rechtliche Folgen. Umgekehrt gilt genauso: Bei einem Rad, dessen Gutachten Kunststoffringe vorsieht, bringt ein teurerer Alu-Ring keinen Sicherheitsgewinn, sondern nur das Risiko, dass er beim nächsten Wechsel festsitzt. Woraus ein Rad selbst besteht und wie es entsteht, ist übrigens eine ganz andere Frage — dazu haben wir Guss, Flowforming und Schmieden in der Felgenfertigung gegenübergestellt.

Die beiden Zahlen auf dem Ring richtig lesen

Jeder Zentrierring trägt zwei Maße, zum Beispiel „66,6 auf 57,1“. Die größere Zahl ist der Außendurchmesser und entspricht der Mittenbohrung Ihrer Felge; die kleinere Zahl ist der Innendurchmesser und muss zur Nabe Ihres Fahrzeugs passen. Beide Werte gehören also zu zwei völlig verschiedenen Bauteilen — und deshalb ist ein Ring nie „für ein Fahrzeug“ bestellt, sondern immer für eine bestimmte Kombination aus Fahrzeug und Felgenserie.

Diese Rechnung funktioniert nur in eine Richtung: Der Ring kann eine zu große Felgenbohrung verkleinern, aber niemals eine zu kleine vergrößern. Ist die Nabe Ihres Fahrzeugs größer als das Mittenloch der Felge, passt das Rad schlicht nicht — dann hilft kein Zentrierring, sondern nur die richtige Felge. Ihren Nabendurchmesser finden Sie in den Fahrzeugpapieren beziehungsweise im Felgengutachten; im Zweifel misst die Werkstatt kurz nach. Wer die Fahrzeugdaten schnell zur Hand haben will, kommt am zuverlässigsten ans Ziel, wenn er die Schlüsselnummern HSN und TSN richtig nutzen kann.

Tipp: Bestellen Sie die Ringe immer passend zu Fahrzeug und Felge zusammen. Der Innendurchmesser muss zur Nabe des Autos passen, der Außendurchmesser zum Mittenloch der konkreten Felge — schon eine andere Felgenserie desselben Herstellers kann ein anderes Maß haben.

Wie diese Maße mit Lochkreis und Einpresstiefe zusammenspielen, lesen Sie kompakt in unserer Übersicht, die alle Anschlussmaße einer Felge nebeneinanderstellt. Der Zentrierring ist eben nur eines von mehreren Maßen, die stimmen müssen; welche Größen für Ihr Auto überhaupt freigegeben sind, klärt der Beitrag dazu, welche Reifengrößen für Ihr Fahrzeug zugelassen sind.

Warum ein Rad mit Zentrierring kein UN-R124-Rad sein kann

Jetzt wird es interessant — und zwar an einer Stelle, die in Ratgebern praktisch nie auftaucht. Nachrüsträder für Personenkraftwagen können europäisch genehmigt werden, nach der UN-Regelung Nr. 124. Deren Wortlaut der UN-Regelung Nr. 124 im EU-Amtsblatt regelt einheitliche Bedingungen für die Genehmigung von Rädern für Personenkraftwagen und ihre Anhänger. Ein so genehmigtes Rad ist eintragungsfrei, solange die Einbauanweisungen eingehalten werden.

Das Hinweisblatt des Kraftfahrt-Bundesamtes zur UN-Regelung Nr. 124 widmet dieser Frage einen eigenen Punkt 3 mit der Überschrift „Verwendung von Zentrierringen“. Die Behörde schreibt dort: „Laut der Regelung müssen dimensionsgleiche Nachrüsträder in allen Abmessungen denen des OE-Rades entsprechen. Da dies auch das Mittenloch beinhaltet, ist das Rad mit Zentrierring nicht mehr baugleich.“ Und weiter: „Zentrierringe finden üblicherweise ihren Einsatz bei Sonderrädern, die explizit nicht in den Anwendungsbereich der Regelung fallen. Die Aufnahme von Zentrierringen in eine Typgenehmigung nach UN-Regelung Nr. 124 ist somit nach … Auffassung nicht möglich.“

Damit ist die Einordnung eindeutig: Sobald ein Rad einen Zentrierring braucht, ist es kein dimensionsgleiches Nachrüstrad mehr, sondern ein Sonderrad. Der europäische Weg steht ihm nicht offen; es kommt deshalb regelmäßig mit einer deutschen Allgemeinen Betriebserlaubnis oder einem Teilegutachten. Genau das erklärt, warum Zubehör-Alufelgen fast immer mit einem dicken Papierstapel geliefert werden, während ein fahrzeugspezifisches Stahlrad ohne Ring auskommt. Welche Wege es zur legalen Felge gibt und welche Auflagen dabei die Hürde sind, haben wir ausführlich dort beschrieben, wo es darum geht, wie Sie Felgen eintragen lassen.

Am Rande ergibt sich daraus eine Klarstellung, die man selten liest: Räder und Felgen stehen nicht in der Liste des § 22a StVZO mit der Liste der bauartgenehmigungspflichtigen Teile — dort sind unter Nummer 1a ausdrücklich nur die Luftreifen aufgeführt. Der Rechtsweg für das Rad läuft also nicht über die Bauartgenehmigung, sondern über Betriebserlaubnis oder europäische Genehmigung.

Der Ring ist eine Einbauanweisung — und die steht im Gesetz

Der entscheidende Satz für die Praxis steht in § 19 Absatz 3 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung. Absatz 3 zählt zunächst auf, wann die Betriebserlaubnis eines Fahrzeugs beim Ein- oder Anbau von Teilen ausnahmsweise nicht erlischt: wenn für die Teile eine Betriebserlaubnis, eine Bauartgenehmigung oder eine europäische Genehmigung vorliegt „und eventuelle Einschränkungen oder Einbauanweisungen beachtet sind“. Und dann folgt der Satz, auf den es ankommt: „Werden bei Teilen nach Nummer 1 oder 2 in der Betriebserlaubnis, der Bauartgenehmigung oder der Genehmigung aufgeführte Einschränkungen oder Einbauanweisungen nicht eingehalten, erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.“

Ein im Gutachten vorgeschriebener Zentrierring ist genau das: eine Einbauanweisung. Lässt man ihn weg oder verwendet ein anderes als das vorgeschriebene System, ist die Ausnahme verbraucht — und das Fahrzeug fährt ohne gültige Betriebserlaubnis. Das ist eine deutlich schärfere Rechtsfolge als der oft gehörte Satz, es gebe „Ärger beim TÜV“. Nachlesen können Sie das im § 19 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung.

Dazu kommt eine Pflicht, die im Alltag gern vergessen wird. Nach § 19 Absatz 4 StVZO muss die Fahrerin oder der Fahrer den Abdruck oder die Ablichtung der betreffenden Betriebserlaubnis beziehungsweise Genehmigung mitführen und zuständigen Personen auf Verlangen vorlegen. Das entfällt nur, wenn die Zulassungsbescheinigung Teil I einen entsprechenden Eintrag einschließlich der zu beachtenden Auflagen enthält. Praktisch heißt das: Das Blatt mit dem Hinweis auf die Zentrierringe gehört ins Handschuhfach, nicht in den Kartonrest im Keller. Den Gesamtzusammenhang aller Vorschriften rund um Rad und Reifen fasst unser Überblick über die wichtigsten Vorschriften rund um Rad und Reifen zusammen; was bei der turnusmäßigen Prüfung konkret angeschaut wird, steht dort, wo wir erklären, was bei der Hauptuntersuchung an Rädern geprüft wird.

Wer haftet, wenn die Ringe fehlen — auch die Werkstatt

Bei der Frage nach den Folgen denken die meisten zuerst an sich selbst. Der Bußgeldkatalog kennt aber noch eine dritte Partei, und die kommt am teuersten weg. § 19 Absatz 2 Satz 3 StVZO verbietet es Fahrzeugherstellern, Importeuren und Gewerbetreibenden ausdrücklich, Änderungen vorzunehmen oder vornehmen zu lassen, die zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führen. Die Anlage zur Bußgeldkatalog-Verordnung führt dazu unter dem Abschnitt „Erlöschen der Betriebserlaubnis“ die laufende Nummer 253a: 800 Euro für Hersteller oder Importeur, 400 Euro für Gewerbetreibende.

Wer also Räder in einer Werkstatt montieren lässt und dort werden die im Gutachten vorgeschriebenen Ringe weggelassen, hat es nicht nur mit einem eigenen Problem zu tun. Für den Betrieb ist es ein eigener Tatbestand mit eigenem Regelsatz — und anders als bei den Tatbeständen für Fahrerin, Fahrer und Halter setzt Nummer 253a keine „wesentliche Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit“ voraus. Das ist ein gutes Argument, die Ringfrage beim Termin aktiv anzusprechen, statt sie stillschweigend als erledigt anzunehmen. Was ein Montagetermin sonst umfasst und worauf man achten sollte, steht im Beitrag darüber, wie Sie Räder in der Werkstatt montieren lassen.

Die Folgen auf Seiten von Fahrerin, Fahrer und Halter — Bußgeldhöhen, Halterhaftung und die Frage nach dem Versicherungsschutz — haben wir im Zusammenhang mit der Eintragung von Felgen bereits im Detail aufgeschlüsselt und wiederholen sie hier bewusst nicht. Ein Sonderfall, an den kaum jemand denkt: Bei geleasten Fahrzeugen kommt zur öffentlich-rechtlichen Seite noch die vertragliche; worauf es dabei ankommt, klärt der Beitrag über Räder bei der Leasingrückgabe.

Warum die Ringe oft gar nicht im Karton liegen

Eine der häufigsten Enttäuschungen beim Felgenkauf: Der Karton kommt an, die Räder sind schön — und Ringe sind keine dabei. Das ist kein Versehen des Händlers, sondern die Regel, und sie hat einen nachlesbaren Grund. Das KBA-Hinweisblatt hält unter Punkt 5 fest: „Es kann nicht gefordert werden, dass die zusätzlichen Befestigungsmittel vom Hersteller mitgeliefert werden, da dies nicht aus der Vorschrift hervorgeht.“

Was der Hersteller stattdessen leisten muss, ist Information: Notwendig ist laut derselben Stelle „ein Verweis mit der Beschreibung der Befestigungsmittel im Prüfbericht/Verwendungsbereich und/oder zusätzlich in der Montageanleitung des Herstellers“, und zwar ausdrücklich, „um zu verhindern, dass falsche Befestigungsmittel verwendet werden“. Punkt 4 desselben Blattes stellt außerdem klar, dass die Verwendung nicht serienmäßiger Befestigungsmittel grundsätzlich zulässig ist, weil die UN-Regelung Nr. 124 sie nicht ausschließt.

Für Sie als Käuferin oder Käufer heißt das dreierlei. Erstens: Rechnen Sie fest damit, Ringe separat besorgen zu müssen, und planen Sie sie beim Kauf gleich mit ein — sie kosten wenige Euro, aber sie fehlen ausgerechnet am Montagetag. Zweitens: Die maßgebliche Angabe steht im Prüfbericht beziehungsweise in der Montageanleitung des Felgenherstellers, nicht in der Produktbeschreibung eines beliebigen Zubehöranbieters. Drittens: Dass ein Ring „irgendwie passt“, reicht nicht — der Verweis existiert genau deshalb, weil falsche Befestigungsmittel das bekannte Problem sind.

Wer sich das alles sparen möchte, hat eine naheliegende Alternative: fertig montierte Kompletträder kommen passgenau zentriert ans Auto, mit den richtigen Ringen bereits eingesetzt. Wie Sie dabei den passenden Satz zum Fahrzeug bestimmen, beschreibt der Ratgeber dazu, das passende Komplettrad zum Fahrzeug finden.

Zentrierringe montieren — Schritt für Schritt

Die Montage ist einfach und in Minuten erledigt. Zwei Details unterscheiden sie allerdings von der Ratgeber-Kurzfassung, die man meist liest.

  1. Rad ablegen: Die Felge mit der Designseite nach unten auf eine saubere, weiche Unterlage legen. BBS formuliert es so: das Rad so drehen, dass es mit der Außenseite nach unten liegt.
  2. Ring richtig herum einsetzen: Den Ring von hinten in die Nabenbohrung der Felge drücken. Bei abgesetzten Ringen kommt es auf die Richtung an — BBS weist an, den Ring so einzusetzen, „dass der Absatz des Ringes oben liegt“. RIAL beschreibt denselben Handgriff für Kunststoffringe: Der Ring wird „einfach von hinten in die Nabenbohrung des Leichtmetallrades gedrückt“.
  3. Sicherung anbringen, falls vorgesehen: Gehört zum System ein Sprengring, wird er leicht zusammengedrückt und rastet in der Nut zwischen Rad und Zentrierring ein. Korrekt eingebaut sitzt der Ring anschließend etwas unterhalb der Anlagefläche — und lässt sich nicht mehr nach oben abziehen. Diese Zugprobe ist die einzige verlässliche Sitzkontrolle.
  4. Rad aufsetzen: Das Rad auf die Nabe schieben — der Ring führt es jetzt exakt in die Mitte. Es darf dabei kein Nachhelfen mit Gewalt nötig sein.
  5. Schrauben anziehen: Radschrauben oder -muttern über Kreuz und mit dem vom Hersteller vorgegebenen Drehmoment festziehen. Die Handgriffe im Einzelnen stehen in unserer Anleitung, wie Sie Räder selbst wechseln Schritt für Schritt.

Eine Einschränkung, die selten jemand kennt und die teuer werden kann: Zentrierring und Distanzscheibe vertragen sich nicht automatisch. Die BBS-Anleitung enthält den ausdrücklichen Warnhinweis, dass bei der Montage von BBS-Distanzscheiben keine Zentrierringe und Runddraht-Sprengringe montiert werden dürfen. Wer den Radstand verändern will, muss die Zentrierung also neu denken — worauf es dabei ankommt, steht im Beitrag über Spurverbreiterungen und Distanzscheiben. Und falls Sie beim Wechsel ohnehin die Gummis tauschen: Was zu beachten ist, wenn Sie Reifen auf eine andere Felge ummontieren, haben wir separat beschrieben.

Nach 50 Kilometern nachziehen: eine Vorgabe aus der Anbauanleitung

Den Hinweis, nach rund 50 Kilometern die Radschrauben noch einmal zu kontrollieren, kennen die meisten als gut gemeinten Werkstatt-Tipp. Er ist mehr als das. Das KBA-Hinweisblatt hält unter Punkt 8 fest: „Gemäß UN-Regelung Nr. 124 ist in einer Anbauanleitung auf die Notwendigkeit des Nachziehens von Rädern nach Zurücklegen einer Fahrtstrecke von 50 km hinzuweisen.“ Und weiter: Künftig muss aus der Genehmigung hervorgehen, wie der Benutzer über diese Auflage informiert wird. Auch RIAL nennt in seinem Beitrag die Marke von etwa 50 gefahrenen Kilometern, nach denen alle Bolzen nachgezogen werden sollten.

Diese Verbindung ist der eigentliche Punkt: Weil das Nachziehen in der Anbauanleitung steht, ist es im Sinne von § 19 Absatz 3 StVZO eine Einbauanweisung — mit demselben rechtlichen Gewicht wie der vorgeschriebene Zentrierring. Wer den Termin schleifen lässt, hat also nicht nur eine Empfehlung übergangen.

Praktisch genügt eine kurze Kontrolle mit dem Drehmomentschlüssel, kein Nachziehen „mit Gefühl“. Verbinden Sie den Termin am besten gleich mit einer Sichtprüfung: Sitzt der Ring noch bündig, sind die Radschrauben sauber und trocken, hat sich nichts verdreht? Beim saisonalen Wechsel lohnt es sich, dieselbe Runde auch für die eingelagerten Räder zu drehen — und wenn Sie am zweiten Radsatz Sensoren fahren, gehört die Frage mit auf die Liste, wie Sie RDKS-Sensoren am zweiten Radsatz anlernen.

Wenn es trotz Ring vibriert: was sonst dahintersteckt

Ein korrekt sitzender Zentrierring beseitigt eine bestimmte Fehlerquelle — nämlich das außermittig festgezogene Rad. Er ist aber kein Allheilmittel gegen Vibrationen, und es wäre unehrlich, ihn als solches zu verkaufen. Spüren Sie nach einem Radwechsel ein Zittern im Lenkrad, das mit dem Tempo zunimmt, kommen mehrere Ursachen infrage: eine gewöhnliche Unwucht, ein verzogenes Rad, eine unsaubere Bremsscheibe, ausgeschlagene Fahrwerksteile — oder eine ungünstige Kombination aus Reifen- und Felgenrundlauf. Die Bandbreite haben wir in der Übersicht zu den Ursachen für ein vibrierendes Lenkrad sortiert.

Bleibt eine Unruhe nach dem Auswuchten bestehen, ist häufig der Rundlauf der Paarung das Thema und nicht die Massenverteilung. In diesem Fall hilft die Rundlaufoptimierung durch Matching, bei der Reifen und Felge gezielt zueinander gedreht werden. Und wenn ein Rad selbst Schlag hat, stellt sich zuerst die Frage, ob und wann sich eine Felge reparieren lässt — die Antwort fällt bei Aluminium anders aus als beim Stahlrad.

Wichtig ist die Reihenfolge der Prüfung: erst die Zentrierung, dann die Wucht, dann der Rundlauf. Wer mit Wuchtgewichten eine Zentrierung repariert, verschiebt das Problem nur bis zur nächsten Montage. Genau deshalb ist der Ring für ein paar Euro der billigste Schritt in dieser Kette — und der einzige, den man zu Hause erledigen kann.

Kaufen, ohne in die Ringfalle zu laufen

Zusammengefasst: Zentrierringe sind kein optionales Zubehör nach Geschmack, sondern das Bauteil, mit dem ein universell gebautes Alurad überhaupt erst zu Ihrem Fahrzeug passt. Sie müssen auf den Zehntelmillimeter stimmen, sie folgen dem System des Felgenherstellers, sie stehen als Einbauanweisung im Gutachten — und sie liegen selten im Karton.

Wer sich die Suche sparen möchte, greift zu einem fertigen Satz. Kaufen Sie einzelne Alufelgen für Pkw, bestellen Sie die zum Fahrzeug passenden Ringe einfach mit; wer ohnehin das Ringthema umgehen will, fährt mit einem Satz fahrzeugspezifischer Stahlräder am unkompliziertesten, weil deren Bohrung von vornherein zum Modell passt. Wie sich beide Bauarten sonst unterscheiden, zeigt die Gegenüberstellung von Stahl und Aluminium am Rad; wo beim Stahlrad die Grenzen liegen, zeigt der Beitrag über Größengrenzen beim Stahlrad.

Drei Beispiele aus dem Sortiment, an denen sich die Systematik ablesen lässt: Das Alurad 7.5x17 ET35 DEZENT TY und die 7.5x17 ET45 AEZ Reef silver stammen aus dem beschriebenen Baukasten mit überbohrtem Mittenloch und Reduktionsring — dieselbe Größe, verschiedene Einpresstiefen, verschiedene Fahrzeuge. Das Stahlrad ALCAR 5 Loch 112x57 ET50 6Jx16 dagegen trägt seine Nabenbohrung von 57 Millimetern bereits im Namen und braucht keinen Ring.

Für die Feinabstimmung rundherum lohnt der Blick auf Maulweite und passende Reifenbreite, auf Hump und Tiefbett im Felgenaufbau sowie auf die Frage, ob größere Felgen und Plus-Sizing für Ihr Auto überhaupt sinnvoll sind. Für die kalte Jahreshälfte spricht vieles dafür, Winterräder eine Nummer kleiner zu wählen — passende Winterreifen für den Pkw finden Sie ebenso im Shop wie unsere gesamte Felgenauswahl. Wenn Sie lieber direkt nach Ihrer Größe suchen, führt die Reifensuche des Shops am schnellsten zum Ziel.

Häufige Fragen

Darf ich ohne Zentrierringe fahren, wenn die Felge sonst passt?

Bei nabenzentrierten Fahrzeugen sollten Sie das nicht tun. Die Schrauben halten das Rad zwar, doch ohne Ring sitzt es beim Anziehen leicht außermittig und läuft mit einer Unwucht. Vor allem aber: Schreibt das Radgutachten die Ringe vor, ist ihr Weglassen ein Verstoß gegen die Einbauanweisung — und nach § 19 Absatz 3 StVZO erlischt dadurch die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.

Genügt ein Kunststoffring aus dem Zubehörhandel immer?

Nein, nicht immer. Der Ring trägt zwar keine Last, sodass Kunststoff bei vielen Zubehörrädern der Standard und völlig ausreichend ist. Sieht der Felgenhersteller aber ein eigenes Zentriersystem vor — etwa gefertigte Alu-Ringe mit Sprengringsicherung —, gehört dieses System verwendet. Maßgeblich ist die Montageanleitung des Radherstellers, nicht die Materialvorliebe.

Woran erkenne ich meinen Nabendurchmesser?

Der Wert steht im Felgengutachten und lässt sich an einem fahrzeugspezifischen Originalrad ablesen; viele Hersteller nennen ihn auch direkt in den Unterlagen. Die kleinere der beiden Zahlen auf dem Ring muss diesem Nabenmaß entsprechen, die größere ist das Mittenloch der Felge. Achten Sie auf die Nachkommastelle — 57,0 und 57,1 Millimeter sind zwei verschiedene Maße.

Schlagwörter: Zentrierringe Alufelgen Mittenzentrierung Nabenbohrung Felgen Radmontage

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