Hankook iON FlexClimate: Was der Ganzjahres-Testsieger fürs E-Auto wirklich kann
Elektroautos stellen an Reifen besondere Ansprüche: Das Batteriegewicht drückt auf die Karkasse, das volle Drehmoment liegt schon beim Anfahren an, und jeder Kilometer Reichweite hängt auch am Rollwiderstand. Wer sein E-Auto zusätzlich ganzjährig ohne Reifenwechsel bewegen möchte, hatte lange kaum spezialisierte Auswahl. Der Hankook iON FlexClimate füllt genau diese Lücke – und gewann im Frühjahr 2026 den Ganzjahresreifen-Test von AUTO BILD für Elektroautos.
Dieser Beitrag ordnet ein, was hinter dem Testsieg steckt, worin sich der Reifen technisch von einem gewöhnlichen Allwetterreifen unterscheidet, wie er im Vergleich zum kompletten Testfeld heute preislich dasteht – und für wen er sich wirklich lohnt. Alle Sortiments-, Label- und Preisangaben stammen aus einer eigenen Auswertung unseres Sortiments vom 25. August 2026 und können sich ändern.
Was den iON FlexClimate technisch von einem normalen Allwetterreifen trennt
Hankook stellte den iON FlexClimate im Oktober 2023 vor – nach Herstellerangaben als ersten Ganzjahresreifen, der gezielt für Elektrofahrzeuge entwickelt wurde. Er vervollständigt die iON-Baureihe, zu der zuvor bereits ein Sommerprofil (iON evo) und ein Winterprofil gehörten. Zum Start standen acht im EV-Segment gängige Dimensionen bereit; erweitert wurde das Programm anschließend auf die üblichen Größen zwischen 17 und 21 Zoll.
Der Unterschied zum konventionellen Allwetterreifen steckt dabei weniger im Profilbild als im Unterbau. In seiner Produktmitteilung vom Juni 2024 nennt Hankook vier Bausteine (Quelle: Hankook Tire Media Center):
- Verstärkter Gürtel mit Aramidfasern: Die Seitenwandsteifigkeit liegt laut Hersteller rund 20 Prozent über der eines konventionellen Ganzjahresreifens. Das ist die konstruktive Antwort auf das Mehrgewicht der Batterie und auf das Antriebsmoment, das beim Elektromotor ohne Anlauf voll anliegt.
- ProGrip-Laufflächenmischung: hoher Kieselsäureanteil, dazu ein hoher Anteil natürlicher Öle, der die Haltbarkeit verbessern soll.
- Opti-Cure-Technologie: ein Fertigungsverfahren, mit dem Hankook den Rollwiderstand senkt und damit die Reichweite stützt. Wie stark der Rollwiderstand im Alltag tatsächlich durchschlägt, rechnen wir im Ratgeber zum Spritsparen mit den richtigen Reifen vor.
- Schallabsorber im Reifeninneren: Der „i Sound Absorber" dämpft die Hohlraumresonanz des Reifens. In einem leisen Elektroauto fällt genau dieses Dröhnen deutlich stärker auf als in einem Verbrenner, in dem der Motor es überdeckt.
Dazu kommen 3D-Lamellen und sogenannte 2-in-1-Lamellen mit zusätzlichen Nuten in den Profilblöcken – jener Teil der Konstruktion, der für Traktion und Bremsweg auf Schnee und Nässe zuständig ist. In der Summe ist der iON FlexClimate damit kein umetikettierter Allwetterreifen, sondern ein Reifen mit spürbar anderer Auslegung: steifer in der Flanke, innen geräuschgedämpft, auf niedrigen Rollwiderstand getrimmt. Ob dieser Aufwand für Sie den Aufpreis wert ist, hängt stark vom Fahrzeug ab – dazu weiter unten mehr.
Der AUTO BILD-Test 2026: was der Testsieg belegt – und was nicht
Im Ganzjahresreifen-Test für Elektroautos der AUTO BILD-Ausgabe 21/2026 setzte sich der iON FlexClimate gegen sieben Wettbewerber durch: Gesamtnote 1,2, Urteil „vorbildlich", getestet in der Größe 215/55 R18 99 V. Gefahren wurde auf einem Kia EV3 (Nässe und Trockenheit) sowie einem Cupra Born (Schnee); die Nass- und Trockenprüfungen fanden auf Hankooks Testgelände Technoring in Südkorea statt, die Schneeprüfungen auf dem Wintergelände Technotrac im finnischen Ivalo. Dass Fachpresse-Tests auf Herstellergeländen laufen, ist branchenüblich – reproduzierbare Bedingungen bekommt man kaum anderswo.
Die belegten Ergebnisse im Einzelnen (Quelle: Hankook Tire Media Center, Einordnung auch bei der Fachpresse):
- Nässe: erster Platz in drei von fünf Nässe-Disziplinen, schnellste Runde auf dem Nass-Handlingkurs und ein Nassbremsweg von 40,7 Metern – über fünf Meter kürzer als beim schwächsten Reifen im Feld.
- Trockenheit und Geräusch: bestes Trockenhandling des Testfeldes sowie ein Platz unter den drei leisesten Reifen im Vorbeifahrgeräusch.
- Laufleistung: rechnerisch 54.560 Kilometer – der Bestwert und mehr als das Doppelte des günstigsten Konkurrenten, der auf 26.420 Kilometer kam.
Genauso wichtig ist, was der Test nicht hergibt. Auf Schnee war der Sieger nicht der Beste: Beim Bremsen aus 50 km/h brauchte der iON FlexClimate 17,0 Meter, während Continental und Kleber mit 16,9 Metern minimal besser abschnitten und Pirelli die höchste Traktion zeigte. Der Abstand ist klein, aber er zeigt das Muster: Der Hankook gewinnt nicht, weil er in einer Disziplin überragt, sondern weil er in keiner einbricht. Genau das ist die Kernkompetenz eines Ganzjahresreifens – und der Grund, warum ein Testsieg hier anders zu lesen ist als bei einem Winterreifen.
Hinweis: Ein Testsieg gilt immer für die geprüfte Größe und das jeweilige Testfahrzeug. Er ist ein starkes Qualitätssignal, aber kein Versprechen für jede Dimension. Warum das Reifenlabel diese Lücke ebenfalls nicht schließt, erklären wir im Beitrag EU-Reifenlabel oder Reifentest.
Das komplette Testfeld – und was die Reifen heute wirklich kosten
Ein Testsieg ist erst dann eine Kaufentscheidung, wenn man den Preis danebenlegt. Wir haben deshalb das gesamte Testfeld in der exakten Testgröße 215/55 R18 in unserem Sortiment nachgeschlagen: Sieben der acht getesteten Reifen sind bei uns lieferbar – nur der Achtplatzierte Goodtrip BlueGuard AS wird von uns nicht geführt. Sortiert nach Testplatzierung, mit unserem Preis je Reifen (Stand 25.08.2026):
- Platz 1, Note 1,2 – Hankook iON FlexClimate 99V: 125,90 €
- Platz 2, Note 1,4 – Continental AllSeasonContact 2 215/55 R18 99V: 128,00 € (was der Zweitplatzierte kann, steht in unserem Modellporträt zum AllSeasonContact 2)
- Platz 3, Note 1,6 – Pirelli Cinturato All Season SF 3 99V: 116,30 € (ausführlich zum Cinturato All Season SF 3)
- Platz 4, Note 1,7 – Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 99V: 138,80 € (Details zum Vector 4Seasons Gen-3)
- Platz 5, Note 2,0 – Kleber Quadraxer SUV 99V: 109,50 €
- Platz 6, Note 2,1 – Bridgestone Turanza All Season 6 99V: 115,80 € (Einordnung zum Turanza All Season 6)
- Platz 7, Note 2,8 – Maxxis Premitra All Season AP3 99V: 90,00 €
Daraus ergibt sich ein bemerkenswerter Befund: Die Testrangfolge und die Preisrangfolge haben fast nichts miteinander zu tun. Der Drittplatzierte ist mit 116,30 € günstiger als der Testsieger, der Viertplatzierte mit 138,80 € der teuerste Reifen des gesamten Feldes. Zwischen dem besten und dem schlechtesten der sieben lieferbaren Kandidaten liegen gerade einmal 48,80 € – aber die Notenspanne reicht von 1,2 bis 2,8. Wer hier nach dem Preis auswählt, wählt praktisch blind. Umgekehrt heißt das aber auch: Der Aufpreis für einen sehr guten Ganzjahresreifen ist in dieser Größe überschaubar. Zwischen dem Siebtplatzierten mit Note 2,8 und dem Testsieger liegen 35,90 € je Reifen, auf den Satz gerechnet also rund 144 € – verteilt auf eine Laufleistung, die im Test mehr als doppelt so hoch ausfiel. Genau an dieser Stelle kippt die Rechnung regelmäßig zugunsten des besseren Reifens, und zwar ohne dass man dafür ein Premium-Argument bemühen müsste.
Und noch etwas fällt auf: AUTO BILD nannte zum Testzeitpunkt im Mai 2026 rund 145 € je Reifen für den Sieger. Heute steht er bei uns mit 125,90 € in der Liste – gut 13 Prozent darunter. Testsiegerpreise fallen also nicht automatisch, sie normalisieren sich mit der Verfügbarkeit. Zur Einordnung des Umfelds: In der Größe 215/55 R18 führen wir insgesamt 94 lieferbare Ganzjahres-Ausführungen von 51,40 € bis 196,40 €, der Median liegt bei 101,60 €. Der Testsieger rangiert damit auf Platz 79 von 94 – im oberen Preisviertel, aber deutlich unter der Spitze. Den kompletten Marktüberblick finden Sie auf unserer Größenseite 215/55 R18.
Alpine-Symbol, EU-Label und warum ein Modell je Größe anders bewertet ist
Der iON FlexClimate ist ein vollwertiger Ganzjahresreifen: Er trägt die Kennzeichnung M+S und das Alpine-Symbol (3PMSF, Schneeflocke im Bergsymbol). Damit erfüllt er die situative Winterreifenpflicht in Deutschland. Wichtig zu wissen: Rechtlich zählt in Deutschland allein das Alpine-Symbol – die alte M+S-Kennung ist für neu produzierte Reifen kein Ersatz mehr, wie wir im Beitrag zu den beiden Wintersymbolen auf dem EU-Reifenlabel auseinandernehmen.
Beim EU-Label lohnt ein genauer Blick, denn hier wird der Testsieg relativiert. Über alle 29 bei uns lieferbaren Ausführungen des iON FlexClimate hinweg ergibt unsere Auswertung folgendes Bild: 16 Ausführungen sind mit C/B bewertet, 12 mit B/B und genau eine mit B/A (jeweils Kraftstoffeffizienz/Nasshaftung); das Rollgeräusch liegt zwischen 69 und 73 Dezibel. Die Bestnote A bei der Nasshaftung erreicht der Reifen also nur in einer einzigen Dimension, dem 235/45 R19 99V.
Zum Vergleich: In der Testgröße 215/55 R18 gibt es sieben Ganzjahresreifen mit Nasshaftung A, und sie kosten zwischen 85,00 € (Kumho Solus 4S HA32) und 129,20 € (Giti AllSeason AS2) – teilweise also deutlich weniger als der Testsieger, der dort „nur" ein B trägt. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Hinweis darauf, dass Label und Test unterschiedliche Dinge messen: Das Label prüft eine einzelne, genormte Bremsung, der Test bewertet ein ganzes Fahrverhalten über viele Disziplinen. Was die Label-Klassen praktisch bedeuten, haben wir in Metern ausgerechnet – nachzulesen unter Nasshaftung beim Reifen. Und warum derselbe Reifen je nach Dimension unterschiedlich abschneidet, erklärt der Beitrag Reifenlabel nach Größe.
Größen, Varianten und Preise des iON FlexClimate im Überblick
Der iON FlexClimate kommt in zwei Bauformen, die sich an der Artikelbezeichnung erkennen lassen: IL01 ist die Pkw-Variante, IL01A die SUV-Variante mit höheren Tragfähigkeiten für schwerere Elektro-Crossover. Unsere Vollerhebung vom 25. August 2026 ergibt 29 lieferbare Ausführungen – 15 als Pkw-Version, 14 als SUV-Version. Die Zollverteilung zeigt klar, wo der Reifen zu Hause ist: einmal 17 Zoll, siebenmal 18 Zoll, zehnmal 19 Zoll, zehnmal 20 Zoll und einmal 21 Zoll. Das ist typisches Elektroauto-Terrain, denn Stromer fahren ab Werk selten kleine Räder. Auffällig ist zugleich, wie schmal die Basis nach unten bleibt: Unterhalb von 17 Zoll gibt es den Reifen gar nicht, und auch die 18-Zoll-Klasse ist mit sieben Ausführungen dünner besetzt als 19 und 20 Zoll mit je zehn. Wer einen kompakten Stromer mit 16-Zoll-Rädern fährt, findet in dieser Baureihe schlicht nichts Passendes und muss auf einen konventionellen Ganzjahresreifen ausweichen.
Preislich reicht die Spanne von 122,70 € bis 305,70 € je Reifen, der Median liegt bei 168,20 €. Der Aufschlag nach oben kommt fast ausschließlich über den Durchmesser: Die günstigsten Ausführungen sind 18-Zöller, die teuersten 20- und 21-Zöller für schwere Elektro-SUV. Drei repräsentative Beispiele aus dem Sortiment:
- Hankook IL01 ION FLEXCLIMATE 215/55 R18 99V – exakt die Testgröße, 125,90 €
- Hankook IL01 ION FLEXCLIMATE 225/55 R18 102W – die derzeit günstigste Ausführung, 122,70 €
- Hankook IL01A ION FLEXCLIMATE SUV 215/55 R17 98V – die SUV-Variante für Elektro-Crossover, 126,60 €
Alle Dimensionen und tagesaktuellen Preise finden Sie im Modellüberblick zum iON FlexClimate sowie zur SUV-Variante. Achten Sie bei der Auswahl unbedingt auf Last- und Geschwindigkeitsindex Ihres Fahrzeugscheins – gerade bei Elektroautos sind die Tragfähigkeiten oft höher, als man es von vergleichbar großen Verbrennern kennt.
Für wen sich der Reifen lohnt – und wo die Alternativen liegen
Der iON FlexClimate ist die richtige Wahl, wenn drei Dinge zusammenkommen: Sie fahren ein Elektro- oder Hybridfahrzeug, Sie wollen ganzjährig ohne Reifenwechsel auskommen, und Sie wohnen nicht in einer Region mit langen, schneereichen Wintern. Dann bekommen Sie einen Reifen, der im Nassen vorn liegt, lange hält und im leisen Innenraum eines Stromers nicht unangenehm auffällt. Für Vielfahrer in den Mittelgebirgen oder im Alpenvorland bleiben zwei spezialisierte Sätze weiterhin die sicherere Lösung – die Rechnung dazu steht im Vergleich Ganzjahresreifen oder zwei Sätze, die grundsätzliche Abwägung im Ratgeber, für wen sich Allwetterreifen lohnen.
Bemerkenswert ist, wie schnell das Segment gewachsen ist. Als AUTO BILD im Mai 2026 testete, war der iON FlexClimate noch der einzige ausdrücklich für Elektroautos entwickelte Reifen im Feld. Inzwischen führen wir allein in der Testgröße 215/55 R18 zwei weitere EV-spezifische Ganzjahresreifen: den Vredestein Quatrac Pro EV für 116,70 € und den Sailun Atrezzo 4Seasons Pro EV für 83,10 €. Über alle Größen hinweg summieren sich diese drei EV-Baureihen auf 55 lieferbare Ausführungen. Wer den Reifen anders herum sucht – also vom Fahrzeug aus –, findet die Grundlagen in unserer Kaufberatung zu Reifen für Elektroautos und einen Überblick über die Werksbereifungen aktueller Elektro-SUV.
Und Verbrenner? Montieren lässt sich der Reifen problemlos, sofern Größe und Kennungen passen. Ein spezieller EV-Reifen ist gesetzlich nirgends vorgeschrieben. Seine Stärken – hohe Tragfähigkeit, niedriger Rollwiderstand, gedämpfte Laufgeräusche – zahlen sich am Elektroauto aber deutlicher aus, während Sie beim Verbrenner mit einem klassischen Allwetterreifen wie dem Michelin CrossClimate 3 oder dem Vredestein Quatrac Pro 2 meist günstiger wegkommen. Unterm Strich ist der iON FlexClimate ein ausgereifter, testerprobter Ganzjahresreifen mit klarem EV-Zuschnitt und fairem Preis im Umfeld seiner direkten Wettbewerber – kein Schnäppchen, aber jeden Euro nachvollziehbar. Passende Größen für Ihr Fahrzeug finden Sie in unserer Kategorie Ganzjahresreifen für PKW.
Häufige Fragen
Wie schlägt sich der iON FlexClimate auf Schnee?
Solide, aber nicht überragend. Im AUTO BILD-Test 2026 brauchte er beim Bremsen aus 50 km/h auf Schnee 17,0 Meter, die besten Reifen im Feld kamen auf 16,9 Meter. Er trägt das Alpine-Symbol und darf damit bei winterlichen Verhältnissen gefahren werden. Bei häufigem Einsatz in schneereichen Regionen sind reine Winterreifen im Grenzbereich weiterhin überlegen.
Bringt ein EV-Reifen gegenüber einem normalen Ganzjahresreifen echte Vorteile?
Er ist von vornherein auf Batteriegewicht, hohes Drehmoment, niedrigen Rollwiderstand und leises Abrollen ausgelegt, statt diese Eigenschaften nebenbei mitzuliefern. Pflicht ist er nicht: Entscheidend bleibt, dass Größe sowie Last- und Geschwindigkeitsindex zu den Vorgaben Ihres Fahrzeugs passen.
Mit welcher Laufleistung darf ich rechnen?
Im AUTO BILD-Test wurde in 215/55 R18 eine rechnerische Laufleistung von rund 54.560 Kilometern ermittelt – der Bestwert im Testfeld und mehr als das Doppelte des schwächsten Kandidaten. Die tatsächliche Laufleistung hängt immer von Fahrweise, Beladung, Luftdruck und Straßenzustand ab; gerade am schweren, drehmomentstarken E-Auto ist der Luftdruck der größte Hebel.